Enthaltene Seiten: i-xv, 1-52, 60-63, diverse kurze Abschnitte, 146-180, 197-265, diverse kurze Abschnitte
Vorliegende Blätter sind ein Beitrag zur Geschichte des Breslauer Bisthums, dessen Ansehn und Reichthum kein anderes im Osten der Elbe und in den slavischen Ländern erreichte. Wie eine sachgemäße, zuverlässige, gediegene und umfassende Darstellung der Universalgeschichte nur auf Grundlage emsiger Forschungen auf den einzelnen Gebieten aufgebaut werden kann, so erfordert auch die Geschichte jedes Bisthums ein tieferes Eingehen auf die Gestaltung, das Leben und die Schicksale der einzelnen Pfarreien.
Wir besitzen zwar in unserer Diöcese ein umfangreiches, mit ungemeinem Fleiß gearbeitetes Werk, welches die Entwicklung der Kirche Schlesiens bis zum Jahre 1648 urkundlich darstellt, aber abgesehen von der Vertheilung des Stoffes, (wobei z. B. die Bischöfe, statt an der Spitze des Ganzen, erst im 8. Hauptstück des zweiten Buches eine Stelle finden) und abgesehen von dem Uebermaß bei Citaten, da Druckort und Jahr bekannter Werke immer wieder angeführt und nicht blos die Seitenzahl, sondern auch Zeitraum, Abtheilung und Abschnitt beigefügt sind, ist die Enttäuschung der Leser bisweilen groß, wenn sie auf Grund des Registers belangreiche Denkwürdigkeiten für einzelne Orte hoffen, aber nur dürftige Angaben über die erste Erwähnung des Namens finden.
Zweckmäßiger hat mein verstorbener Freund Dr. Gregor Wolny, ehemals Subprior im Benedictinerstift Raigern, seine kirchliche Topographie von Mähren in 9 Bänden ausgearbeitet und geordnet, indem er zunächst eine historische Skizze der Bischöfe, dann eine Uebersicht der geistlichen Orden, deren Klöster oder Collegien gab und hierauf die Archipresbyterate und Dekanate mit den zugehörigen Pfarreien unter Beschreibung der Kirchen und Kapellen, Aufzählung der Seelsorger, Angabe der Emolumente etc. folgen ließ.
Für die Geschichte der Bisthümer sind in der ersten Reihe Pfarrchroniken von besonderer Wichtigkeit. Anfänge zu denselben stammen schon aus früher Zeit. Zunächst wurde vorzugsweise der Zweck verfolgt, die Kirchengüter vor Verlusten zu bewahren. Bischof Peter Nowak verordnete auf der Diöcesansynode 1454, daß sowohl bei der Domkirche und den Collegiatstiften als auch bei den Pfarrkirchen zwei Verzeichnisse angelegt werden; in ersterem sollen die Einkünfte, die zu den einzelnen Benefizien gehören, im anderen die kirchlichen Geräthschaften gewissenhaft eingetragen und die Nachweisungen von ersteren durch den Dekan, von letzteren durch die Erzpriester dem Bischofe eingereicht und in seiner Kanzlei aufbewahrt werden. Daß der Archidiakon noch in der Zeit vor der Glaubensspaltung eine Matrikel über die Emolumente der Pfarreien führte, ist Seite 27 nachgewiesen.
Da viele kirchliche Benefizien verloren gingen, weil die Urkunden und Privilegienbriefe abhanden kamen, befahl Bischof Martin Gerstmann auf der im Jahre 1580 gehaltenen Synode, solche Schriftstücke in der Kirche aufzubewahren. Die Archidiakone sollten von den Pfarrern die Fundations- und Bestätigungsurkunden, die Gerechtsame und Privilegien sich vorzeigen lassen, damit sie in einem Buche verzeichnet und in der nächsten Synode vorgelegt werden. Die Diöcesansynode unter Bischof Andreas v. Jerin aus dem Jahre 1592 beschäftigte sich gleichfalls mit den Temporalien der Benefizien.
Aus der Zeit der Glaubenstrennung haben sich in Oberschlesien, außer bei Collegiatstiften und Klöstern, fast gar keine kirchlichen Urkunden erhalten. Es scheint, daß die Prediger, nachdem die Erbfürstenthümer zur Mutterkirche zurückgekehrt waren, die Schriftstücke entfremdet haben. Als z. B. Sohrau 1629 wieder katholisch geworden, nahm der Pastor Ignatz Lison zwei Urkunden über Altäre, die sich dessen Vater und Vorgänger im protestantischen Stadt-Pfarramte vom Bischof Carl (1608-1624) hatte bestätigen lassen, nach Ungarn mit. Der katholische Pfarrer Molicer hatte, als er den alten Stiftungen nachforschte, alle Mühe, eine Abschrift zu erlangen.
Bischof Franz Ludwig erließ 1695 an die Archidiakone und Erzpriester die Weisung: über die Namen sämmtlicher Kirchen des Bisthums, über das Alter derselben und über die Heiligen, zu deren Ehren sie gestiftet worden, sorgfältige Ermittlungen anzustellen. Von höchstem Werthe für die Geschichte der Pfarreien und Schulen sind die noch erhaltenen Berichte, welche bei den kanonischen Visitationen über sämmtliche Parochien im 17. und im Anfang des 18. Jahrhunderts verfaßt und gesammelt wurden (S. 15). Auch die Beschreibungen der Kirchen und Schulen, Einkünfte etc., welche die Schlesische Kammer und später die Kgl. Regierungen von den Pfarren einforderten, bieten einigen Stoff zu Pfarrchroniken.
Ein kräftigen Anlauf nahmen die Verhandlungen
bei dem Ratiborer Archipresbyteratsconvent am 12. Mai 1810
unter dem Vorsitze des Erzpriesters Seypold. Es wurde der
Vorschlag gemacht, daß von jedem Pfarrer des Cirkels eine
genaue Beschreibung der Inventarstücke, der Rechte und
Nutzungen, der Art und Weise des Gottesdienstes, Angabe:
wem das Patronat zustehe etc. doppelt ausgefertigt, ein Exemplar
bei der Pfarrei, das andere im Archipresbyteratsarchiv
aufbewahrt werde. Das Generalvicariatamt erwiderte auf
das eingesandte Protokoll: Nicht blos die älteren Synodalstatuten,
sondern die neuere Instruction, welche den
Erzpriestern bei ihrer Anstellung mitgetheilt wird, setzen fest,
daß bei jedem Benefiz die Gerechtsame, Einnahmen etc. der
Kirche und Parochie in besonderen Büchern vermerkt und
diese sorgfältig aufbewahrt werden sollen. Dieselbe geistliche
Behörde gab in der Schilderung des Nutzens vertheilhaft
angelegter Beschreibungen die Art und Weise an, wie
die Arbeit ausgeführt werden solle. Durch zweckmäßige
Darstellung wird sich jeder Pfarrer ein Verdienst für seine
Nachfolger erwerben, wenn diese sogleich alle erforderlichen
Nachrichten vorfinden. Mancher Anstoß in der Gemeinde,
manche Verlegenheit in der Amtsführung, die Abhängigkeit
von untergebenen Kirchenbeamten, bei denen sonst Belehrung
gesucht werden müßte, auch Processe werden dadurch
vermieden. Würde der Beschreibung zugleich eine Chronik
über merkwürdige Schicksale und eine Charakteristik der
Gemeinden in Ansehung ihrer Bildung, Sittlichkeit, ihrer
lebhaften oder geringen Theilnahme an der Förderung des
Schul-Unterrichts u. s. w. beigefügt, so würde solche für
die Nachfolger noch nützlicher sein, ihnen zweckmäßigen
Stoff zu Gelegenheitsreden geben.
Das 9. Heft der 1829 erschienenen Zeitschrift: Von
der kathol. Kirche
muntert gleichfalls zu
historisch-topographischen Beschreibungen auf: Am Kirchweihfeste und
Patrocinium, die alljährlich wiederkehren, hegen wohl die
meisten Zuhörer den Wunsch, Aufschlüsse über die
Vergangenheit, der sie das Bestehende zu verdanken haben, zu
erhalten, eine ansprechende Auskunft auf die Fragen: wer
sind die Besitzer des Orts gewesen, wann ist die Kirche
erbaut und erneuert worden, welche Schicksale hat sie
erfahren, wer hat sich besonders verdienst gemacht, was für
Ereignisse, Gefahren, Nothstände haben obgewaltet und
manche Stiftungen veranlaßt? Jeder Pfarrer hat für das
ihm theure Gotteshaus auch leibevollen Sinn und Eifer
seiner Gemeinde möglichst zu wecken und zu mehren; er
wird diesen Zweck leichter erreichen, wenn er Ursprung,
Veränderung, Wohlthäter und sonstige Merkwürdigkeiten
mittheilt.
Die Nützlichkeit der Pfarrchroniken ist auch in der Geschäftsverwaltung des verewigten Dr. Sauer § 88 gebührend hervorgehoben. Mehrere Artikel des Schlesischen Kirchenblatts, so namentlich Jahrgang 1868 Nummer 39 und 40, enthalten eine Anleitung zur Bearbeitung.
Unterzeichneter hatte sich neben seinen Berufsgeschäften ehemals mit der Geschichte Norddeutschlands und seit fast 5 Jahrzehnten ausschließlich mit der Vorzeit Oberschlesiens vertraut gemacht und aus allen ihm zugänglichen Archiven reiche Sammlungen angelegt, auch mehrere Städtechroniken und Monographien hervorragender Adelsgeschlechter veröffentlicht, als er nach Erscheinen der 2. Auflage der Geschichte der Stadt Ratibor, in welcher die kirchlichen Verhältnisse ausführlich behandelt sind, angeregt wurde, auch eine historisch-topographische Beschreibung sämmtlicher zum Archipresbyterat Ratibor gehörigen Landpfarreien auszuarbeiten. Behufs zweifelloser Sicherheit ging er nochmals die schon früher benutzten Archivalien (Urkunden, Acten, Kirchenmatriken), wie solche S. XI verzeichnet sind, durch, vervollständigte das Material mit neuen Auszügen und bietet hiermit die gewonnenen Erfolge den Freunden Oberschlesischer Geschichte dar mit dem Bemerken, daß die Veröffentlichung nur durch die Freigebigkeit Sr. fürstlichen Ganden, des hochwürdigen Herrn Fürstbischofs Robert, möglich geworden, weil dieser hohe Gönner und Förderer vaterländischer Geschichtsschreibung die ansehnlichen Druckkosten aus eigenen Mitteln huldreichst gewährte und somit den Verfasser, wie alle Freunde der Heimathskunde zum lebhaftesten Danke verpflichtet.
Was die Anordnung des Stoffs betrifft, so wurde für angemessen erachtet, die Geschichte des Oppelner Archidiakonats und des Ratiborer Commissariats an die Spitze zu stellen, da diese kirchlichen Aemter in innigster Verbindung zu dem untergebenen Curatclerus stehen und über jene Würdenträger der Breslauer Diöcese, außer einem im Schles. Kirchenblatte mitgetheilten Aufsatze Kastners, das Neisser Commissariat betreffend, nirgendswo etwas Zusammenhängendes gegeben ist. Die Vorbesitzer der Rittergüter wurden, soweit als möglich zurückreichend nach Stand und Namen, mit Erwerbszeit und genealogischen Angaben verzeichnet, weil sie meist nicht blos Patrone der Kirche, sondern auch Wohlthäter derselben gewesen sind. Die Communalverhältnisse aller zu jeder Pfarrei gehörenden Ortschaften wurden wegen der Zugehörigkeit zu den Pfarrgemeinden erörtert. Die eingehende Behandlung der Schulen in besonderen Abschnitten findet ihre Rechtfertigung in der Thatsache, daß die Schule stets eine Tochter der Kirche gewesen ist. Die Lehrer der Gegenwart und Zukunft erhalten zugleich ausgiebige und zuverlässige Nachrichten für die Erweiterung der ihnen aufgetragenen Orts- und Schulchroniken.
Sollte die getreue Schilderung der Schulzustände aus älterer Zeit manche Leser befremden, so möge nicht vergessen werden, welch furchtbare Verwüstung auch Oberschlesien in dem 30jährigen Kriege wie in der Zeit von 1741-1745 und 1757-1763 erlitten, wie die Landbevölkerung unter der Robotpflicht gedrückt wurde, bis 1785 die Urbarien-Commissionen in Bezug auf Lasten und Dienste zwischen Unterthanen und Herrschaften billige Vergleiche schlossen. Von jener Zait ab hoben sich die bis dahin traurigen Verhältnisse in erfreulichem Fortschritte. Auch ist zu beachten, daß es bis zur zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts keine Schulseminare gab. Entweder lernten Lehrersöhne das Wenige, was sie zu ihrem Amte brauchten, vom Vater, oder strebsame Jünglinge, die das höhere Studium nicht fortsetzen konnten, Wirthschaftsschreiber, welche keine feste Stellung bei der Oeconomie erhielten, schritten zum Lehrfach und führten meist bei überaus geringen Einkünften ein bescheidenes, eingezogenes Leben. Die endliche Errichtung von Seminarien und deren Unterhaltung wurde nur dadurch möglich, daß seit 1765 jeder Pfarrer bei Antritt seines Beneficiums den 4. Theil seiner Jahreseinkünfte (Quarta Seminaristica) für diesen Zweck erlegte und seit 1833 eine jährliche Kirchencollecte für die katholischen Schullehrer-Seminare zu Breslau und Oberglogau vorgeschrieben ist.
Die Citate unter dem Text wurden möglichst kurz nur für die ersten Abschnitte gegeben, weil für jeden Satz der folgenden Abschnitte die Quelle vom aufmerksamen Leser in dem nachfolgenden Verzeichnisse ohne Mühe gefunden werden kann.
Tworkau, den 4. December 1885.
Der Verfasser.
Das Archipresbyteratsarchiv enthält Acten und Rechnungen aus allen Pfarreien. Das Proventenbuch von 1722, von dem in den Schriftstücken einiger Pfarreien Excerpte enthalten sind, ist nicht aufzufinden und wahrscheinlich bei dem wiederholten Wechsel der Standorte verloren gegangen. Wie der Catalogus Cleri von 1724, so war auch dies Revenüenverzeichniß aus den Aufzeichnungen bei den kurz vorher gehaltenen kanonischen Visitationen geschöpft und ist deshalb der Verlust nicht wesentlich fühlbar.
Origo humaniorum studiorum 1744-1816 ist ein Schülerverzeichniß mit Angabe, wer Priester geworden.
Syllabus Defunctorum sodalitatis Marianae 1652-1767.
Syllabus Confoederatorum sodalitatis Marianae 1732-1751 und 1831. Diese beiden aus Rhedigers Bibliothek stammenden, im Breslauer Stadtarchiv befindlichen Verzeichnisse sind überaus wichtig. Von ersterem hatte selbst der Präses der Sodalität Dr. Herber keine Kenntniß, weßhalb seine Angaben im Schlesischen Kirchenblatt 1836 Seite 361 über den Anfang der lateinischen Bruderschaft in Breslau um 91 Jahr zu spät datirt sind. Die im Verzeichniß angegebenen Todestage der Mitglieder geistlichen und weltlichen Standes aus dem 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts sind um so werthvoller, als die Todtenbücher vieler Pfarreien nicht soweit zurückreichen.
Der Catalogus Cleri aus dem Jahre 1748-1757 und 1765 ist im Breslauer Stadtarchiv, spätere Schematismen sind im Archiv der Ratiborer Pfarrkirche vorhanden. Die älteren Schlesischen Provinzialblätter und die Amtsblätter enthalten bisweilen Anstellungen resp. Versetzungen . Die Instanziennotiz von 1744 ab bringt die Namen der Archidiacone und fürstbischöflichen Commissare, das Diöcesanblatt 1803-1822, die Breslauer Zeitschrift für Theologie 1831-1833, das Schlesische Kirchenblatt seit 1835 berichten Todesfälle und Anstellungen der Priester.
Zimmermanns Beiträge für Schlesien 1784, Knie's Uebersicht der Dörfer etc. 1845, und Triest, Topographisches Handbuch von Oberschlesien (Breslau 1865) enthalten Statistisches.
Codex dipl. Silesiae II., VI. und VII. (Breslau 1859, 1865 und 1868.)
Das Oppelner Archidiaconat Seite 1.
Das fürstbischöfliche Commissariat Ratibor Seite 21.
Das Archipresbyterat Ratibor S.39.
Parochie Altendorf. Dorf S. 51, Pfarrkirche S. 64, Hospital 90, Pfarrschule 91, Neugarten Dorf 105, Schule 109, Studzienna Dorf 113, Schule 119, Niedane Dorf 123, Schule 126, Proschowitz 128, Ottitz 129.
Parochie Pawlau. Dorf 130, Pfarrkirche 137, Pfarrschule 142, Wilhelmsdorf, Schardzin 145.
Parochie Benkowitz. Dorf 146, Pfarrkirche 162, Hospital, Pfarrschule 187, Sudol Dorf 197, Gratialkirche 203, Schule 206, Bojanow Dorf 209, Kapelle 214, Schule 215.
Parochie Janowitz. Dorf 219, Pfarrkirche 225, Pfarrschule 239, Hospital 246, Kornitz Dorf 249, Schule 254, Lekartow 257, Ottitz Dorf 258, Schule 261, Schardzin 261, Pobiehof 263.
Parochie Polnisch-Krawarn. Dorf 265, Pfarrkirche 274, Pfarrschule 282, Dorf Makau 286, Adjuncta 293, Pfarrschule 297.
Parochie Kreuzenort. Dorf 299, Pfarrkirche 305, Pfarrschule 319, Roschkau Dorf 321, Kapelle, Schule 323.
Parochie Lubowitz. Dorf 325, Pfarrkirche 330, Pfarrschule 347, Brzesnitz Dorf 353, Kapelle 365, Schule 366; Elgot 367, Ganiowitz 369, Grzegorzowitz 371.
Lokalie Zawada. Dorf Leng 375, Schule 376, Schichowitz 378, Dorf Zawada 379, Kirche 380, Schule 383.
Parochie Ostrog. Schloß 390, Schloßkapelle 395, Grabkapelle 401; Bosatz 402; Dorf Ostrog 407, Pfarrkirche 417, Pfarrschule 431; Plania Dorf 441, Schule 444.
Parochie Rudnik. Dorf 449, Pfarrkirche 463, Pfarrschule 469; Silberkopf Dorf, Kapelle 481.
Parochie Tworkau. Dorf 483, Pfarrkirche 501, Feldkirche St. Urban 520, Pfarrschule, 522; Elgot 536.
Lokalie Ruderswald. Dorf 537, Kirche 539, Pfarrschule 544.
Lokalie Zabelkau. Dorf 550, Kirche 553, Schule 559; Annaberg Dorf 562, Schule 563.
Parochie Woinowitz. Dorf 566, Pfarrkirche 570, Pfarrschule 582.
Kirchensiegel 587.
Schulen-Inspectoren 588.
Priester, die aus den Dörfern des Archipresbyterats stammen Seite 588.
Nachträge 599.
Druck von Rudolph Müntzberg in Ratibor.
Der Bischof hat die Leitung der kirchlichen Angelegenheiten in seinem Bezirke. Da es den Kirchenoberen wegen des großen Umfanges der Diöcesen und wegen bisweiliger Abwesenheit von ihren Sprengeln unmöglich wurde, selbstständig alle Geschäfte zu übernehmen und auszuführen, so übertrugen sie die Verwaltung der Diöcese und die Ausübung der geistlichen Gerichtsbarkeit nächst dem Official den Archidiaconen.
Das Bisthum Breslau finden wir um die Mitte
des 13. Jahrhunderts in vier Archidiaconate Gr.-Glogau,
Liegnitz, Breslau und Oppeln eingetheilt. Jedem derselben
war eine Anzahl von Archipresbyteraten zugewiesen, die
wieder einen bestimmten Kreis von Pfarrsprengeln umfaßten.
Das Amt des Archidiacon, für welches man immer einen
der tüchtigsten und geschäftsgewandtesten Priester wählte,
war namentlich in älterer Zeit umfassend und einflußreich.
Er prüfte die Candidaten des geistlichen Standes und führte
die Angestellten in ihr Amt ein, hatte das Aufsichts- und
Strafrecht über den Clerus, ertheilte Dispensationen, sendete
die bischöflichen Verordnungen den Erzpriestern zur weiteren
Publication an die Seelsorger zu und erstattete der
geistlichen Behörde genauen Bericht über den Zustand der
Kirchen und Schulen, wie er ihn auf den Visitationsreisen
gefunden 1). Das Archidiaconats-Amt war meist mit einer
Stiftspräbende verbunden. Als Capitulare der Cathedrale
werden genannt die Archidiacone von Breslau Stefan 1189
bis 1200, Egydius 1202-1216, Johann 1220-1226,
Raceslav 1226-1234; des Collegiatstiftes Gr.-Glogau:
Archidiacon Theoderich 1228-1234 1). Doch finden wir
in Liegnitz lange vor Gründung des Collegiatstiftes (1348)
Archidiacone, nämlich 1262 Milejus, der 1268 Archidiacon
von Glogau wurde und bis 1284 lebte, 1285 Stefan,
1288-1298 Heinrich.
Auch in Oppeln erscheint der Archidiacon schon vor Stiftung des Collegiums, in welchem er dann unter den Prälaten die 2. Stelle einnahm und von 1295 bis zum Ausgange des 17. Jahrhunderts zugleich Pfarrer der Deutschen war, während der Decan die Seelsorge für die Polen ausübte.
Reginald (Reinhold) war Mai 1223 noch Pfarrer an der St. Adalbertskirche in Oppeln, im September desselben Jahres bereits Erzpriester daselbst und von 1230 bis 1245 Archidiacon 2). In dem Vergleiche zwischen Herzog Heinrich und Bischof Lorenz, vermittelt durch Bischof Wilhelm v. Modena, über Gerichtserträge im Neisse'schen am 5. Januar 1230 ist er einer der vielen Zeugen. Als derselbe Herzog zu Oppeln 2. October 1232 der Kirche des hl. Grabes in Miechow die Verleihungen seiner Vorgänger bestätigte, war er gleichfalls Zeuge. Ebenso steht er nächste dem Bischofe aufgeführt, als dieser 15. Juni 1233 die Kirche in Pramsen fundirte. Auch erschien er am 6. Juli d. J. auf der Synode in Siwierz, wo er den Titel Magister führt.
Die Benedictiner, welche aus dem Stift auf dem Elbing bei Breslau entfernt worden waren, machten von Tiniec aus wiederholt Versuche, in den früheren Besitz, den inzwischen Prämonstratenser eingenommen, zurückzugelangen. Diesen Streit zu schlichten, wurde nächst dem Bischofe und dem Dechant Gregor in Krakau unser Archidiacon erkoren und erfolgte am 6. Februar 1234 durch deren Schiedsspruch auf dem Bischofshofe zu Breslau ein Vergleich, dessen unverbrüchliche Festhaltung beide Parteien mit Handschlag gelobten. Reinhold verdient noch in anderer Beziehung hervorgehoben zu werden, als er der erste Pfarrer ist, der in oberschlesischen Urkunden auftritt, während in Niederschlesien ein solcher schon 1217 in Arnold Pfarrer von Löwenberg erscheint 1). Vorher begegnen uns Dom- und Stiftsherren, Vicare, bischöfliche und Hofkapläne, Priester, Aebte und Mönche, aber nie die Bezeichnung Pfarrer, obgleich Parochien schon zu Ende des 12. Jahrhunderts, namentlich bei Klöstern aufgeführt werden. Es ist wahrscheinlich, daß die Pfarrsprengel erst im Anfange des 13ten Jahrhunderts abgegrenzt wurden, so daß bestimmte Kirchen ihre besondere Parochie erhielten und dem eingesetzten Geistlichen die cura plebis übertragen wurde, wovon er den Namen plebanus erhielt.
Im Laufe des Jahrhunderts mehrten sich die Kirchen
und Altäre und mit ihnen die Geistlichen (Hilfspriester,
Altaristen), die unter dem Pleban standen, der sie leitete
und regierte und deshalb den Namen Rector ecclesiae
erhielt. Daß beide Ausdrücke gleichbedeutend sind, ersehen
wir aus einer Streitsache, welche 1283 zwischen zwei
Pfarrern durch den Hofofficial entschieden wurde. Letzterer
nennt die Pfarrer Volkmar von Petrowitz und Hermann
von Schönwald Rectoren
, sie selbst aber nennen sich
plebani 2).
Auch über Kapellen gab es Rectoren, so war 1340 Jacob Rector der Vogteikapelle in der Pfarrkirche zu Neisse 3). Unter Archidiacon Reginald von Oppeln war die Kirche zum hl. Kreuz daselbst zu einem Collegiatstift erhoben worden. Da der Verfasser der Geschichte von Oppeln und der Autor der Breslauer Bisthumsgeschichte in der Zeitbestimmung um 130 Jahr differieren, indem Idzikowski S. 40 die Gründung um fast 80 Jahre zu früh und Heyne I., 832
Bekanntlich nennt Bischof Rudolf 1471 seinen Vorgänger Thomas als Stifter des Collegiums zu Oppeln, welche Thatsache das Capitel selbst noch 1579 und 1622 festhielt. Da wir nun unter den Inhabern des bischöflichen Stuhles zu Breslau zwei Männer Namens Thomas haben, von denen der erstere von 1232-1268, der letztere von 1270-1292 regierte, so dürfen wie über 1232, als das Antrittsjahr des erstgenannten nicht zurückgehen. Sehen wir uns auf dem Schauplatze seiner Amtswirksamkeit einigermaßen um, so begegnen wir schon im 1. Jahrzehnt dem Dasein jenes Stiftes. Herzog Mesko von Oppeln erneuerte nämlich am 22. December 1240 die dem Collegiatstifte gemachten Schenkungen seiner Vorfahren, indem er 4 Mk. Silber von der Münze zu Oppeln und das Recht in der Oder eine Mühle anzulegen bestätigte.
Diese Urkunde ist allerdings nur einem Transsumpt von 1271 entnommen, in welchem sehr leicht der spätere Name Stift statt Kirche gebraucht werden konnte, aber der 1239 genannte Propst Gregor von Oppeln war sicher schon Domherr, und wenn dies Amt nicht als Stifts-Prälator gelten sollte, so steht doch 1243 neben ihm Maczko ausdrücklich als Canonicus in Oppeln aufgeführt 1). Unserm Reginald begegnen wir zum letzten Male an Ratibor am 12. April 1245, als Herzog Mesco dem Kloster Leubus im Austausch gegen Schönau und Gläsen das Gut Kasimir und zwei Dörfer verliehen 2).
Die Archidiacone Boguslav von Breslau und Magister Stefan von Oppeln waren am 8. März 1260 in der bischöfl. Residenz zu Neisse Zeugen, als Herzog Heinrich III. von Breslau sich für eine Schuld verbürgte, welche sein Bruder Boleslaus von Liegnitz dem Bischofe zu entrichten
In einer Urkunde vom 19. März 1264, in welcher Bischof Thomas I. den Cisterziensern von Rauden die Incorporation der Kirchen zu Matzkirch und Stanitz gestattet, und in einer anderen vom 20. Juni 1264 wegen Zehntentausch desselben Klosters, steht Archidoacon Thomas von Oppeln an der Spitze der Zeugen. Dieser Thomas, aus dem berühmten Geschlecht der Zaremba, war der Schwestersohn des gleichzeitigen Bischofs Thomas und Neffe des Canonicus Magister Eckehard udn erscheint schon 1252 als Breslauer Domherr, bischöfl. Notar und Propst in Neisse.
Am 28. Juli und 2. August 1264 war Thomas mit Archidiacon Milejus von Liegnitz am herzoglichen Hofe und bei dem Bischofe in Breslau; dann begegnen wir ihm am 13. und 15. Mai und 10. September 1265, endlich am 9. Januar 1268, als Bischof Thomas das Domcapitel begabt 2).
Unser Archidiacon wurde März 1268 Custos der Breslauer Cathedrale 3), und als sein Oheim 30. Mai desselben Jahres starb, zum Bischof ausersehen. Doch bestieg er erst 2 Jahre später den bischöflichen Stuhl, für welchen ihn das Capitel nach dem Tode des Wladislav Erzbischof von Salzburg gewählt.
Sein Nachfolger in Oppeln war Magister Francko, seit 1260 Domherr. Als Thomas I. am 23. März 1268 von seinen Einkünften die 10. Präbende in Oppeln stiftete und dieselbe dem bisherigen Archidiacon, dann Custos der
Als Bischof Thomas II. am 8. Jnauar 1272 zu Ujest dem herzoglichen Ministerial Bogdal und dessen Erben bewilligte, den Zehnten von seinen Aeckern in Czerwentzitz nach freiem Ritterrecht zu geben, welcher Kirche er wolle, finden wir den Archidoacon von Oppeln an der Spitze der Zeugen. In demselben Jahre treffen wir ihn am 24ten März und 7. Juni noch in der Umgebung des Bischofs; dann entschwindet er fast 10 Jahre. Herzog Bernhard Herr zu Löwenberg hatte 18. März 1281 den Johannitern das Patronat der dortigen Kirche verliehen. Als Bischof Thomas 19. April 1282 die Schenkung bestätigte, war auch Francko Zeuge. Letzterer dotirte 30. September d. J. während seiner Anwesenheit in Neisse bei dem dortigen Hospital der Kreuzherrn zum hl. Grabe eine Altaristenstelle, indem er 3 Hufen Acker, Geld auf einen Kelch und eine von ihm eingerichtete Kapelle dem Procurator überwies. Letztere war so nahe dem Hospitale, daß die Kranken in ihren Betten die tägliche hl. Messe hören und das Altarssacrament sehen konnten. An seinem Todestage sollte ein Jahresgedächtnis stattfinden und 2 Kerzen auf dem Altare brennen.
Am 3. März 1283 war er bei einer den Zehnt betreffenden Entscheidung des Bischofs Zeuge in Breslau und am 29. und 30. Juli 1284 Zeuge zweier in Ottmachau
Als die Herzoge Mesco und Przemyslav von Ratibor am 13. November 1288 drei Dörfer des Klosters Czarnowanz von Lasten und Diensten befreiten, unterschrieben sich Stephan, Archidiacon von Oppeln und seine Brüder, die Ritter Jasko und Przibislav, wahrscheinlich aus dem Geschlechte der Kornitz 4).
Von dem Jahre 1254-1295 hatten die Dominikaner in Oppeln die Pfarrrechte ausgeübt. Von da ab wurde das Collegiatstift zugleich Pfarrkirche 5).
In der Stiftungsurkunde des Jungfrauenklosters zu Ratibor (1299-1306) bezeichnet Herzog Przemyslav eine Hofstätte, die dem verstorbenen Archidiacon von Oppeln namens Stefan gehört hatte, welche derselbe noch bei Lebzeiten den Nonnen bestimmt habe 6).
Auf der Synode zu Breslau, die 1305 unter Bischof Heinrich I. gehalten wurde, begegnen wir bereits dem Archidiacon Johann von Oppeln 7). Am 13. Juni 1306 war der Bischof in Oppeln und traf mehrere Einrichtungen für
Andreas von Wiesenburg, zugleich Canonicus in Breslau, begegnet uns von 1218-1335 als Arcidiacon von Oppeln 3).
Aus dem Jahre 1335 hat unser verdienstvolle Landsmann Theiner in seinen Monum. Pol. I. 369 ein Decemregister mitgetheilt, in welchem die Archipresbyterate und viele Pfarrkirchen aufgezählt werden. Das Archidiaconat Oppeln umfaßte damals die Decanate Rosenberg, Groß-Strehlitz, Tost, Ujest, Gleiwitz, Sohrau, Teschen, Ratibor, Cosel, Oberglogau, Zülz und Falkenberg 4).
Im Jahre 1336 war bereits Johann Archidiacon 5).
Im März 1352 genehmigte Papst Clemens, daß Arnold, Cardinalis S. Sixti, als Archidiacon von Oppeln die Visitation durch einen Andern verrichten lassen könne 6).
Von 1356-1360 war Heinrich von Dambrau Vicearchidiacon 7).
Der Archidiacon Johann, Sohn des Johann Pakoslaus, verkaufte 1365 den Mühlplatz auf dem Grund und Boden seiner Präbende dem Erbvogt Peter zu Oppeln mit der Bedingung, daß er dem Capitel jährlich 1/2 Mark zinse und dem jedesmaligen Archidoacon bestimmtes Getreide, auch Mehl etc. liefere. Vicearchidiacon war damals Saulus 8). Am 18. December 1385 tritt der Decan Mathias von Strobicz als Vicearchidiacon auf 9).
Der Archidiacon Nicolaus Talkenberg und sein Bruder Bartholomäus liehen dem Stefan von Witoslawitz, dessen Ehefrau Offca und dem Paschko von Wronin 200 Mark. Herzog Conrad der Kauthner gab am 16. Mai 1414 die Erlaußniß zu dieser Anlage auf Zins (20 Mark) 1). Auch im nächsten Jahre tritt der genannte Archidiacon auf 2), Um diese Zeit war Nicolaus Deutscher Vicearchidiacon und wird das Archidiaconatssiegel erwähnt 3). Am 8. Januar 1421 finden wir ihn an der Spitze einiger Prälaten bei dem bejahrten Herzog und Bischof Johann auf dem neuen Schlosse bei Oppeln, als dieser einige wohlthätige Stiftungen machte 4).
In einer Collegiatsurkunde (Nr. 124) aus dem Jahre 1428 tritt Peter v. Heltpurg als Archidiacon auf.
Im Jahre 1446 und 1447 war Nicolaus Wolf decretorum doctor Archidiacon. Es ist dies wahrscheinlich derselbe, welcher 1429 als bischöflicher Consistorialadvocat erscheint 5). Ihm verdanken wir ein Verzeichniß sämmtlicher Decanate und Pfarreien seines Bezirkes, das er auf Befehl des Bischofs Conrad wegen der Einsammlung des Peterspfennigs angefertigt. Das Archidiaconat Oppeln war das größte des Bisthums, es umfaßte damals noch 12 Archipresbyterate mit 237 Pfarreien 6).
Von 1453-1462 war Magister Caspar Weigel, Lehrer der hl. Schrift, Archidiacon zu Oppeln und Breslau. Er war zu Heinzendorf bei Wohlau geboren, hatte in Leipzig studirt,
Am 22. März 1501 bezeugte Bischof Johann nachträglich, daß vor dem Archidiacon Nicolaus Panaczek und dem Notar Henesch Jacob von Sprzentziz in Langendorf die Collatur des Altares zum hl. Geist in der alten Kapelle der Pfarrkirche zu Strehlitz den Herzögen Johann und Nicolaus (1467-1497) von Oppeln übergeben habe 5). Herzog Johann schenkte 1519 die erste Fleischbank auf der Kreuzgasse an der Pfarrkirche in Oppeln und bezog der Archidiacon jährlich zwei Stein Inselt (liquati saevi) 6).
Melchior Przyssowski, seit 1504 Baccalaureus der freien Künste 7), Canonicus von Oppeln, bischöfl. Commissar für das Appler Archidiaconat, transsumirte am 16. Dec. 1516 auf Ansuchen des Herzogs Johann ein Breve Leo X. in Bezug auf die beiden Minoritenklöster in Oppeln 8). Herzog Johann empfahl 1524 unsern Melchior als Archidiacon dem apostolischen Stuhle 9). Letzterer war in oder bei Gleiwitz geboren, verkaufte 1537 nebst seinem Bruder Christoph die Hälfte seines Stammsitzes Preiswitz dem
Von 1548-1556 begegnen wir in der Ratiborer Collegiatsstiftsmatrikel und in den Landbüchern wiederholt dem Bartholomäus Christof Czornberg von Galowitz, Sohn des Christof Czornberg auf Schierot. Er war Canonicus in Ratibor, wurde daselbst 1556 Cantor und starb 1560. Das Concil von Trient hob in mehreren Verordnungen einzelne Rechte der Archidiacone, namentlich das Excommunicationsrecht auf, entzog ihnen die Gerichtsbarkeit in Ehe- und Strafsachen und verlangte, daß sie entweder Lehrer der Theologie oder doch Doctoren resp. Liccetiaten des canonischen Rechtes seien.
Nach einem Zinsregister des Ratiborrr Collegiatstifts bezog der Archidiacon als Canonicus den Decem von 7 Dörfern im Oppler Gebiete, 1 Schock vom Vorwerk in Czerwentziz (Ratiborer Fürstenthum); im Teschner Gebiete hatte er zwar den Zehnt von 6 Dörfern, aber seit einigen Jahren verweigerte der protestantische Herzog denselben. Anfang Mai 1555 ist er in Oppeln Zeuge des Verzichts der Schwestern Talkenberg von Tietierzin, welche quittiren, von ihren Brüdern das elterliche Erbtheil erhalten zu haben 2).
Aus einem Bittschreiben der städtischen Bevölkerung an die Königl. Commissare v. J. 1566 erfahren wir, daß
Jacob Joachim Schwinka, seit 1548 Canonicus in Ratibor, berieth 1561 als Canonicus von Oppeln die Landesordnung der Fürstenthümer 2), war bischöfl. Commissar in Oppeln und erscheint 1569 als Archidiacon. Er fundirte ein Anniversar für 50 Thlr.
Georg Scholz (Sculteti), 1573-1588 Archidiacon, war 1578 Domherr in Breslau, wurde Abt bei St. Vincent und von 1605-1613 Weihbischof (Episc. Lyddensis), † am 17. September 3). Der Erbherr v. Wyssoka, Martin v. Dzierzanowski, nahm sich seines Pfarrers Daniel wegen des Decem an und verklagte 1573 den Archidiacon bei dem Landrecht 4). Am 8. November 1580 verkaufte der Archidiacon einen zu seiner Jurisdiction gehörigen Garten 5). 1583 beschwerte er sich gegen Balthasar von Pückler auf Falkenberg, der die Prädikanten nicht entfernen wollte 6).
Johann Kuna, geb. in Wansen, ordinirt 1581, 1585 Canonicus in Neisse, war Archidiacon von 1590-1599, intercedirte am 3. März 1591 bei dem Bischof für Nicolaus von Blacha, welcher für das von ihm gepachtete, im Tost'schen Kreise belegene Czarnowanzer Stiftsgut Radun, das gegen den Willen der Prämonstratensernonnen jedoch mit Kaiserl. Genehmigung dem Georg v. Reder für 1500 Thlr. verkauft worden, gern den doppelten Preis zahlen wolle 7); erschien 1592 auf der Diöcesansynode und überreichte mit den übrigen Archidiaconen die Visitatiousberichte, lieh 1594 dem Wenzel Przyssowski auf Preiswitz Ge1d für einen Zins von 24 ung. Gulden (Oppler Ldb. VIII., 44), und starb 1607 als Pfarrer von Wansen 8).
Von 1599-1612 tritt auf als Archidiacon Christofor Lachnit v. Hardenberg 9). Er schloß am 18. Juni 1600
David Jüngling, Archidiacon in Oppeln, Pfarrer in Gr.-Carlowitz, wurde Dec. 1615 Propst am Collegiatstift zu Neisse und fürstbischöfl. Commissar 2), 1619 Pfarrer in Zuckmantel.
Georg Walter bestätigte Juni 1617 unter dem Archidiaconatssiegel die Privilegien des Schulzen zu Niewke, fundirte ein Anniversar zu 50 Rthlr. und wurde am Himmelfahrtfeste 1622 bestattet. Die Leichenrede hielt der Propst von Falkenberg, der sein Nachfolger wurde, nämlich:
Bartholomäus Reinhold von Reichau 1622 bis 1652. Er wird 1630 in den Neisser Lagerbüchern S.647 erwähnt. Ein großer Theil der Kirchen war seit Mitte des 16. Jahrhunderts in protestantische Hände gekommen, wurde aber nach dem Restitutionsedict von 1629 den Katholiken zurückgegeben. In Gegenwart des Archidiacon und des Pfarrers Joh. Srenest von Tarnau und Stubendorf ist 12. Juli 1638 zwischen dem Decan und Adam Skrzidlowski auf Schimischow über die Rückstände des Decem aus Kl.-Rosmirz und Jendrin ein Vergleich geschlossen worden 3). Nach den Capitelsbeschlüssen von 1637 und 1642 hatte der Archidiacon das Recht, in Oppeln Rector, Cantor, Organist und Gehilfen dem Capitel zu präsentiren, hatte aber nach alter Ueberlieferung die Pfarrschule zu repariren und darin dem Rector angemessene Wohnung zu geben. Reinhold wurde am 7. Juni 1649 Canonicus in Ratibor und fundirte 100 Rthlr. auf ein Anniversar.
Vom 23. Mai 1653 bis 20. März 1686 war Archidiacon Johann Franz Ignaz Welczek, Freiherr von Groß-Dubensko und Petersdorf, geb. 1628, wurde protonot. apost., Kanzler der Cathedrale, 1652 Decan in Ratibor, war Pfarrer in Leschnitz, woselbst er einen Vicar hielt. Da
Aus seiner Zeit sind uns umfangreiche Visitationsberichte erhalten. Am 6. Juli 1679 hatte nämlich der Cardinal Friedrich Landgraf von Hessen, da der Archidiacon krank war, den Erzpriester von Namslau, Lorenz Joansthon, beauftragt, die Fürstenthümer Oppeln-Ratibor nach der Ernte canonisch zu visitiren, welchem Befehle dieser von August bis November nachkam und auf 615 Folioseiten Bericht erstattete. Diese Notizen sind ein kostbarer Schatz für oberschlesische Kirchen- und Schulgeschichte, da nicht blos die Gebäude (Altäre, Glocken, Orgel) sorgfältig beschrieben, die Einkünfte und eingepfarrten Ortschaften genau verzeichnet, sondern auch die Personalien der Geistlichen und Lehrer gewissenhaft angegeben sind. Spätere Berichte von 1688, 1713 und 1719 enthalten vielfach das Jahr des Kirchen- und Schulbaus, die Zahl der Communicanten, die Feier des Gottesdienstes, die Gelöbnißtage der einzelnen Gemeinden, Vor- und Zuname der Patronatsinhaber etc. etc.
Welczek hatte, wie sein Codicill bezeugt, seine Residenz als Archidiacon und das zugehörige Präbendengut, die er aus dem 30jährigen Kriege in desolatem Zustande vorgefunden, aus eignem Vermögen aufgebessert, fundirte 250
Vom 2. December 1686-1709 amtirte als Archidiacon Martin Teofil Stephetius v. Thurstern, geboren in Oppeln 1641, erwarb in Prag den Doctorhut, erhielt zu Breslau 6. September 1671 die niederen Weihen, 1672 die Priesterweihe, wurde am 31. October 1674 Pfarrer in Kostenthal und dann nach Oppeln versetzt, wo er am 22. December 1709 starb und vor dem Hochaltare bestattet wurde. 1687 visitirte er seinen Bezirk, der sich bis hinter Teschen erstreckte und die Archipresbyterate Cosel mit 19. Gleiwitz mit 17, Rosenberg mit 16, Oppeln, Tost, Ratibor mit 14, Glogau und Zülz mit je 13, Groß-Strehlitz, Ujest, Loslau mit je 11, Sohrau mit 9 Pfarreien umfaßte. Das Fürstenthum Teschen hatte die Archipresbyterate Bielitz, Friedek, Teschen und Freistadt. Das ganze Archidiaconat zählte damals 193 Pfarrer, 18 Administratoren, 26 Kapläne; an Kirchen 122 gemauerte, 268 hölzerne; an Kapellen 6 massive, 9 von Holz und 31 Hospitäler.
Wir haben bereits mitgetheilt, daß dem Archidoacon das Dorf Niewke und die Stibelgasse in Ujest gehörten. Beide Orte erhielten am 27. Februar 1688 ein Urbar, nachdem die ganze Gemeinde den Eid der Treue vor ihrem geistlichen Grundherrn in Gegenwart des Canonicus Paul Szydlowski, des Pfarrer Peter Kaptur aus Wyssoka als Seelsorger von Niewke und des geschworenen Schöppen aus Oppeln Lucas Stefanides geleistet. Der Archidiacon und der Decan Georg Wilh. Alois Stablowski aus Oppeln bestätigten als bischöfliche Commissare einen zwischen den Vicaren und Dominikanern zu Ratibor in Bezug auf die Begräbnisse getroffenen Vergleich am 2. October 1691 1).
Von den nachfolgenden Archidiaconen geben uns Kunde die Grundacten der bäuerlichen Stellen zu Niewke, da der Archidiacon als Grundherr bei Hegung des Gerichts Erbbriefe ertheilte und Käufe bestätigte.
Heinrich Groutars, ord. 6. April 1704, Canonicus in Neisse, war Archidiacon von 1713-1719 und hielt im Winter 1714 zu 1715 canonische Visitation, wie seine Unterschrift in den Kirchenbüchern bezeugt.
Gottfried Ferdinand Zimmermann, geb. 1673 zu Neisse, ordinirt 1707, wurde 1716 Pfarrer in Groschowitz, wo er einen Vicar hielt, und war Archidiacon bis 1722.
Aus dem Visitationsberichte von 1719 erfahren wir, daß der Canonicus Martin Wolny in Oppeln die deutsche Kanzel unter sich hatte. Interessant ist der Zusatz: die deutsche Curatie war früher nicht Canonicat, sondern der Archidiacon hatte die Seelsorge für die Deutschen und hielt sich einen Kaplan für Salar und Accidenz; als aber Breslauer Domherren das Oppler Archidiaconat verwalteten und dort nicht residiren konnten, wurde ein neues Canonicat errichtet und mit der deutschen Kanzel verbunden, dem Besitzer aber die canonische Portion zugewiesen, nämlich die Missalien und 60 Rthlr. Fundationsbezüge, die früher dem Archidiacon zufielen.
Carl Josef Freiherr v. Stingelheimb, dessen Familie aus Baiern stammt und der 1719 böhmischer Freiherr wurde, hatte 20. December 1721 die Priesterweihe erhalten, war von 1722 bis 1732 Archidiacon. Er hielt October und Nov. 1727, Februar 1728, Juni und Juli 1731 canonische Visitation und finden wir seinen Namen wiederholt in den Kirchenmatrikeln.
Da in vielen Kirchen Oberschlesiens wegen Armuth noch keine ewige Lampe existirte, so befahl der Archidiacon 17. November 1731 den Pfarrern, die Gutsherrschaft um eine Fundation anzugehen, widrigenfalls das Sanctissimum nicht (in der Kirche) aufbewahrt werden dürfe. In Tworkau fundirte die Herrschaft die heut noch aus der gräfl. Kanzlei gezahlte ewige Lampe. Der Prälat zaog sich 1732 in seine Heimath zurück und starb als k. k. Geheimrath und emeritirter Propst von Breslau zu Regensburg 5. September 1756 1).
Papst Clemens XII. gestattete am 29. Novb. 1732 dem Michael Carl Graf Althann, Erzpriester zu Waitzen bei Pesth, das Breslauer Archidiaconat mit dem am Oppler Collegiatstift, deren Einkünfte 24 Ducaten jährlich betrugen, zugleich mit der Kirche zu Waitzen inne zu haben 2). Der Archidiacon verkaufte 1736 die Stibelgasse in der Ujester Vorstadt (26 Possessionen, die bis 1809 einen eigenen Magistrat, Bürgermeister und Stadtnotar behielten) an den Besitzer von Ujest, Carl Heinrich Graf Sobeck für 3000 Rthlr. Der alte Name verschwand allmählich und erhielt den Namen Dechantei, nicht als ob der Besitz an den Decan gekommen sei, sondern aus der corrumpirten Verdeutschung des Wortes Archidiacon. Schon im Urbar von Groß-Strehlitz aus dem Jahre 1581 tritt der Besitzer von Niewke als Erzdechant auf. Michael von Althann wurde Canonicus der Cathedrale und starb zwischen 1756 und 1757.
Joachim Ernst v. Strachwitz, geb. 1682 zu Czieschowa, studirte in Breslau, kam Februar 1720 als Pfarrer nach Groß-Strehlitz. Der Erzpriester wurde 1738 Administrator und 1748 wirklicher Archidiacon. Im Jahre 1739 hielt er canonische Visitation. Daß die Amtswirksamkeit noch fortbestand, ersehen wir aus mehreren, im Pfarrkirchenarchive zu Ratibor befindlichen Actenstücken. So publicirte er am 2. Juni 1743, daß alle Seelsorger, welche im Alumnat zu Breslau gewesen, ihrer Verpflichtung eingedenk, die jährliche Rate (Erzpriester 1 Thaler, Pfarrer 1 Gulden, Caplan 30 Kreuzer) entrichten sollen. Bei dieser Gelegenheit
Leopold Junck, fürstbischöflicher Commissar, war schon 1752 Administrator.
Jean Martin de Prades, geb. 1725, residirender Domherr von Breslau und Ehrendomherr von Glogau, erscheint 1756 als Archidiacon; als solcher schloß er mit dem Canonicus Johann Anton Riedel einen vom Bischof bestätigten Vertrag, dem gemäß er die Einkünfte bezog und für die Verwaltung eine Entschädigung gab 1). Riedel erscheint noch 1764 als Administrator, de Prades starb 1782 in Festungshaft.
Leopold Winkler, geb. Oppeln 1719, ord. 18. September 1745, war 1750 Kaplan in Gleiwitz, 1752 Pfarrer in Ziemientziz, wurde Custos in Oppeln und 1767 Administrator des Archidiaconats.
Carl von Russig, geb. 1735, Pfarrer in Patschkau, Domherr der Cathedrale zu Breslau und des Collegiatstifts zu Brünn, war 1780-1788 Administrator und starb am 30. Mai 1809.
Leopold Ihm, geb. zu Ohlau, ord. 16. Mai 1764, 1789 Administrator, wurde Canonicus, Erzpriester und Pfarrer in Zirkwitz, † 21. Mai 1808.
Joh. Friedr. Graf v. Dunin aus Zabrze, hatte 1758 in Rauden studirt, wurde Propst in Myslowitz 1780 bis 1788, dann Domherr in Breslau und begegnet uns 1791 bis 1794 als Archidiaconatsverweser.
Carl Wenzel Durich, Custos in Oppeln, Canonicus in Oberglogau, war 1795 Administrator, starb als Pfarrer von Groschowiz 70 Jahre alt am 16. Januar 1813 zu Oppeln.
Ludwig Constantin Corvisart v. Montmarin, geb. 9. August 1767 zu Lichtenberg im Elsaß, studirte in Straßburg, wurde 1786 Licent. theo1., emigrirte, vom Dompropst von Hohenlohe eingeladen, nach Breslau, erhielt 22. September 1792 die Priesterwcihe, wurde Canonicus der Cathedrale und zum hl. Kreuz in Breslau, wie auch in Oppeln, 1796-1810 Archidiacon, November 1825 Generalvicar und starb 11. October 1838 1).
Mit der Aufhebung der Collegiatstifte quiescirte das Amt der Archidiacone. Nur in Gr.-Glogau blieb die Würde als Ehrentitel eines Präbendars.
--- S.21/#36
Das fürstbischöfliche Commissariat Ratibor
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Commissar im Allgemeinen ist jeder von einer Behörde
mit Aufträgen betraute Beamte. Wie die Justiz- und
Regierungsbehörde einzelne Gerichtsacte und Verwaltungsgeschäfte
an andere amtsfähige Personen überträgt, so beauftragt auch der
Bischof geschäftskundige Priester zur Vornahme einzelner in
seinem Namen auszuführender Amtshandlungen. Der Auftrag
ist entweder ein vorübergehender, in welchem Falle das Amt
nach Ausrichtung des übertragenen Geschäfts erlischt, oder ein
dauernder, wenn ein größerer Umfang von Pflichten in
einem abgegrenzten Bezirke auf längere Zeit übertragen wird.
In den Synodalacten treten öfters solche Commissarien
auf, die einen nur vorübergehenden Auftrag ausrichteten.
So hatte Bischof Martin vor der im Jahre 1580
abzuhaltenden Synode durch seine Commissarien, die Collegiatkirchen,
einige Jungfrauenklöster, die Schulen, Hospitäler
und andere milde Anstalten visitiren und den vorgefundenen
Zustand aufzeichnen lassen, um gegen öffentliche und
Privat-Mißstände in der Versammlung Rath und Mittel zu finden.
Bei der im September gehaltenen Synode überreichten dann
diese vom Bischof verordneten Commissare ihre Berichte und
beschloß die Versammlung, daß das Gute beibehalten, das
einer Besserung Bedürftige dem Bischof nach seiner Weisheit
und Frömmigkeit zur Abhilfe durch geeignete Heilmittel
überlassen werde 1). Auch zur Wahl der Vorsteher von Klöstern,
mochten diese exemt sein oder nicht, sendete der Bischof einen
Commissar und war die Wahl ohne dessen Gegenwart ungiltig 2).
Daß die Commissarii perpetui an die Stelle der
früheren Archidiacone (mit wesentlich veränderter Befugniß)
getreten, ist eine vielfach verbreitete aber irrige Meinung.
Wir finden vielmehr schon im 15. Jahrhundert fest
angestellte bischöfliche Bevollmächtigte, die über eine ziemlich
große Anzahl von Archipresbyteraten die Aufsicht führten.
In älterer Zeit scheint jedes Archidiaconat nur ein Commissariat
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1) v. Montbach stat. syn. 136 und 143 mit dem Druckfehler
quidem statt quidam. 2) ibidem 233.
--- S.22/#37
gehabt zu haben. Der Propst Gregor Czefflen zu
Oppeln, der 1481 als Decan von Ober-Glogau und
Canonicus zu Neisse auf der Universität Krakau sich hatte
immatriculiren lassen 1), war 1487 Commissar des Bischos
Johannes Roth im Oppler Archidiaconat. Auf eidliche
Aussage des Heinrich v. Skarbic stellte er damals ein
Zeugniß aus, daß auf Zawischcz (welches damals und auch
noch im Oppler Urbar 1532 Sowiczic hieß), kein geistlicher
Zins hafte; die Zeugen der Urkunde Michael von Jasiona,
Domherr zu Brieg und Andreas von Gleiwitz, Vicar zu
Oppeln, waren Beisitzer der Verhandlung 2). Auch der S. 10
genannte Archidiacon Melchior v. Przyssowski war 1516
bischöflicher Commissar für das Archidiaconat Oppeln 3) und
Christofor v. Czornberg, zuletzt Archidiacon, war bischöflicher
Commissar, als er 1546 Canonicus von Ratibor wurde.
(Swinka Jacob Joahim) Siehe S. 13. Bischof Caspar
von Logau sagte zum Dienstag nach Cantate 1563 eine Synode
zu Breslau an und trug 14. Januar den Commissaren in Neisse
und Oppeln in besonderen Schreiben auf: dies allen Aebten,
Pröpsten, Prälaten, Domherrn, Commendebesitzern,
Erzpriestern, Pfarrern ihres Bezirkes rechtzeitig mitzutheilen, damit
Niemand einen Grund habe, seine Abwesenheit zu entschuldigen 4).
Durch Landesbrauch und unvorsichtige Gewohnheit
war der Teschener Bezirk von der Herrschaft und Jurisdiction
der Oppler geistlichen Behörde losgelöst. Die
zu Neisse 1653 gehaltene Synode beschloß den District
und die Bewohner in Bezug auf geistliche Gerichtsbarkeit
dem Commissariat Oppeln und der Jurisdiction des Archidiacon
zurückzustellen 5). Später erhielt Teschen und
Freiwaldau je einen eigenen Commissar.
Erst nach dem Westphälischen Frieden, als ein Theil
der von den Protestanten occupirten Kirchen in den kaiserlichen
Erbsürstenthümern zurückgegeben wurde, scheint jedes
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1) Zeisberg, Matrikel der Universität Krakau S. 61.
2) Cod. dipl. Sil. VI. N. 376. 3) ibidem N. 493.
4) Kastner Archiv I. 242. 5) v. Montbach stat. 298.
--- S.23/#38
Fürstenthum mit Ausnahme des Breslauer ein Commissariat
erhalten zu haben. Es bildete ein Collegium, das aus dem
Commissar, 2 Assessoren (Domherren, Erzpriester oder Pfarrer
des Bezirks) und einem Notar bestand. Den lateinischen
Namen Vicariatus foraneus führte es von der auswärtigen
Stellvertretung im Gegensatze zu dem Vicarius generalis
in Breslau.
Die Schlesische Instanziennotiz von 1744 weist nach
je ein Commissariat in geistlichen Sachen für das Fürstenthum
Groß-Glogau, für die Fürstenthümer Schweidnitz-Jauer
in Hirschberg und Jauer, für das ganze Fürstcnthum
Liegnitz, für das Fürstenthum Neisse, für das Fürstenthum
Oppeln und endlich für das Fürstenthum Ratibor. Bei
den zwei letztgenannten steht das Commissariat in geistlichen
Sachen an der Spitze des Abschnittes. Die allgemeine
Uebersicht des Bisthum Breslau in seinen geistlichen und
weltlichen Behörden vom Jahre 1802 zählt in Pr.-Schlesien
die fürstbischöflichen Commissariatämter zu Hirschberg,
Gr.-Glogau, Jauer, Münsterberg, Neisse, Oppeln und Ratibor auf.
Das durch Bulle vom 9. Septcmber 1800 der
Breslauer Diöcese einverleibte Neuschlesien und einen Theil
vom Bezirk Czenstochau lassen wir, da der Bezirk nur kurze
Zeit bei dem Bisthum blieb, unberücksichtigt.
Nachdem die Landdecanate Beuthen und Pleß, über
welche Bischof von Gawronski zu Krakau, Warschau 22ten
October 1811 die geistliche Gerichtsbarkeit dem Breslauer
Bischof bis zur Genehmigung des apostolischen Stuhles
übertragen, durch die Bulle de sa1ute animarum 16ten
Juli 1821 mit dem Bisthum Breslau vereinigt worden,
erhielten auch diese ein bischöfliches Commissariat. Zunächst
gehörten sie einige Zeit zum Ratiborer Commissariat, bis
Erzpriester Valentin Hanusek in Pleß, der die Geschäfte
einstweilen provisorisch verwaltete, 13. December 1826 als
wirklicher Commissar ernannt wurde. Die Commissariate
Breslau und Trachenberg wurden 20. Januar 1844
errichtet und das Commissariat G.-Strehlitz 25. April 1854
--- S.24/#39
von Oppeln abgezweigt. Der Schematismus von 1857
zählt S. 8 außer den Commissarien nur noch die Syndici
und Notare von 9 Commissariaten auf. Im Ratiborer
Bezirk war es Thomas Strzybny, Kr.-Ger.-Rath, der
als Königl. Justizrath am 19. Februar 1866 starb.
Ueber den Umfang der Pflichten gab es schon in
älterer Zeit mehrere Berordnungen. Eine bischöfliche
Currende aus dem 17. Jahrhundert bestimmte: Wenn wegen
großer Gefahr im Verzuge der verwaisten Heerde auf das
Schleunigste ein Hirt zu stellen ist, z. B. wenn ein Patron
nicht sofort einen Pfarrer präsentirt 1), so sollen die bischöflichen
Commissarien die Seelsorge einem geeigneten Nachbarpfarrer
übertragen und unverzüglich den Generalvicar
benachrichtigen 2).
Die pragmatische Sanction des Bischof Franz Ludwig
vom 26. October 1699 enthält unter den Vorschriften auch
folgende Bestimmung: Die Commissarien (Propst von
Gr.-Glogau, Pfarrer von Neisse, Erzpriester von Landshut,
von Jauer etc. haben jeden Monat dem Generalvicar und
dem Official in je einem Protocollextract Alles zu berichten,
was sie inzwischen in ihrem Amte verrichtet 3). Derselbe
Fürstbischof befahl 10. April 1722 zu Gunsten des Clerus:
In Zukunft seien bei dem Tode eines Pfarrers oder sonst
eines kirchlichen Benefizinhabers Testamente, wenn solche
vorhanden, nicht durch die Commissare, sondern durch die
Erzpriester an das Generalvicariatamt zu schicken 4).
Die allgemeine Uebersicht des Bisthums Breslau
vom Jahre 1802 verzeichnet bei jedem Commissariat nicht
nur die Beisitzer und Notare, sondern enthält S. 91 auch
die Amtspflichten: die Vorsitzer haben nämlich die Gewalt
1. durch kleine Strafen die Geistlichen ihres Districts
zu genauer Erfüllung ihrer Obliegenheiten anzuhalten,
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1) Die Patrone hatten laut Oberamtspatent vom 25. Februar
1665 die Präsente binnen 6 Wochen zu ertheilen, nach deren Ablauf
das Recht an den Bischof fiel.
2) Friedeberg von den in Schlesien üblichen Rechten, Breslau
1743 I. S. 212. 3) ibidem S. 219. 4) ibidem S. 240.
--- S.25/#40
2. kleinere Fälle unter den Eheleuten, worüber kein
Proceß eingeleitet wird, zu untersuchen und zu
entscheiden; die größeren Vorfälle in Ehesachen
mit dem Commissariats-Syndico zu instruiren und
sodann an das fürstbischöfl. Consistorium einzusenden,
3. die Klagen der Geistlichkeit, wenn solche nicht von
Wichtigkeit sind, zu untersuchen und beizulegen,
4. darauf zu sehen, daß sich keine fremde Geistliche
einschleichen und geistliche Functionen vornehmen,
ohne sich vorher hierzu zu legitimiren;
5. die neuauzustelleuden Pfarrer über ihre Tauglichkeit
zu einem Pfarrbenefiz zu prüfen;
6. die an die Geistlichkeit ergehenden Verordnungen
durch die Erzpriester zu publiciren und darauf zu
sehen, daß dieselben genau befolgt und ausgeübt
werden;
7. die Kirchen der Erzpriester jährlich zu visitiren;
8. bei erfolgtem Ableben eines Erzpriesters die
zurückgelassenen Effecten desselben zu versiegeln und zu
entsiegeln, der Inventur beizuwohnen und dafür
zu sorgen, daß die Kirchen und Fundationsäraria
von dem Nachlaß oder der Erbmasse abgesondert
und alle zur Kirche, Parochie und dem
Archipresbyterate gehörige Inventaria, Urkunden und
Schriften asservirt und dem Amtsnachfolger
übergeben werden.
Jedes Commissariat soll aus 2 Assessoren und einem
Syndico oder Notario bestehen, welche ordentliche Sessionen
halten.
Durch längere Zeit hatten sich die Bewerber um ein
Benefiz einer Prüfung vor dem Erzpriester oder Commissar
unterzogen. Fürstbischof Emanuel von Schimonski aber
führte 24. August 1825 das Pfarrconcursexamen in allen
Commissariaten wieder ein. Die Prüfungen fanden im
Mai und August durch 3 Tage vor einem Präses und
mehreren Examinatoren statt und wurden die Themata für
--- S.26/#41
die schriftlichen Arbeiten vom General-Vicariat-Amt gestellt.
Es bestand also eine Pfarrconcursprüfungs-Commission in
der Regel unter Vorsitz des Commissars; nur das Beuthner
Archipresbyterat hatte sich an das Oppler Commissariat und
das Plesser Archipresbyterat an das Ratiborer Commissariat
anzuschließen. Seit 1844 wurden aber die Prüfungen nur
in Breslau und Ratibor, seit 1848 nur in Breslau jährlich
zweimal gehalten.
Der Schematismus von 1842, Vorrede XXX.,
nennt die bischöflichen Commissariatämter und Erzpriestereien
subdelegirte Behörden, bestimmt, dem Bischofe resp. dem
Vicariatamt und Consistorium in Ausübung der geistlichen
und weltlichen Jurisdiction zu assistiren.
Dr. Sauer's Pfarramtliche Geschäfts-Anweisimg
II. Auflage S. 38 giebt folgende Pflichten an: Die
Commissarien revidiren die Erzpriester in ihrer ezpriesterlichen
und pfarrlichen Amtsführung, während sie selbst von einem
andern Commissar in gleicher Weise revidirt werden. Sie
führen die ihnen übertragene Untersuchung, erstatten die
erforderlichen Berichte und Gutachten und sind wie die
Erzpriester die Augen des Bischofs in ihren Bezirken.
Nach einem Erlaß aus dem Jahre 1885 ist in
Rücksicht auf die schwere Arbeitslast, welche bei den
gegenwärtigen Verhältnissen auf diesen Würdeträgern ruht,
nachgegeben, daß die canonische Visitation bei den
Archipresbyteratskirchen und Pfarreien alle 2 oder 3 Jahre
abgehalten werde.
Das Ratiborer Commissariat umfaßt die Archipresbyterate:
Dubensko, Gleiwitz, Kostenthal, Lohnau, Loslau
(vor 1742 zu Teschen gehörig), Pogrzebin, Ratibor, Sohrau.
Ein großer Theil der Acten ist noch in dem Archiv der
Pfarrkirche zu Ratibor erhalten.
Längere Zeit hatte der Decan des Collegiatstiftes von
Oppeln als Commissar daselbst auch den hiesigen Bezirk
zu verwalten; daneben erscheinen auch Vicecommissarien.
--- S.27/#42
Georg Stefetius, seit 22. Januar 1592 Decan und
Commissar in Oppeln, führte 15. October 1599 den Magister
Valentin Caulonius in sein Pfarramt zu Gleiwitz ein.
Johann Stefetius, geboren 25. April 1578, seit
28. Februar 1614 Decan und bischöflicher Commissar.
Auf seine Zuschrift und auf die Klage des Pfarrer Johann
Karzel in Rybnik, verhandelte auf der Loslauer Pfarrei
am 5. Januar 1616 Bernard Durcius von Obornik
Erzpriester des Sohrauer Sprengels und Pfarrer von Loslau
wegen des Decems zu Niewiadom. Stefetius wurde Kanzler
der Kathedrale in Breslau und starb 30. October 1644.
Andreas Horzycki von Horzyc, Decan seit 23ten
October 1622, 1633 Canonicus des Ratiborer Collegiatstifts
und bei dem hl. Kreuz in Breslau, tritt als Commissarius
in spiritualibus für die vereinigten Fürstenthümer
Oppeln-Ratibor am 6. September 1634 auf 1), wurde 1644
an die Cathedrale befördert, woselbst er noch 1650 erscheint.
Er hatte dem Pfarrer von Sohrau Martin Molicer, nachdem
die Stadt 1629 wieder zum katholischen Bekenntnisse zurückgekehrt
war, einen Auszug aus der Oppler Matrik über die Einkünfte
der Pfarrei im Anfange des 16. Jahrhunderts gegeben 2).
Horzycki führte den 1636 ordinirten und 18. Juli
1640 investirten Franz Ochotski als Pfarrer in Ponischowitz
ein. Friedrich Graf Oppersdorff auf Polnisch-Neukirch, der
auch Güter jenseits der Oder hatte, wollte den dortigen
Unterthanen den Besuch des Gottesdienstes erleichtern und
beschloß in Dziergowitz eine St. Annakapelle zu errichten.
v. Horzycki genehmigte 11. November 1650 die Ausführung.
Die Kapelle auf einem Hügel, 17 Ellen lang 13 breit,
erhielt 2 Altäre einen Tabernakel und Taufstein, eine
Sacristei, ein Thürmchen mit einer Glocke und wurde
consecrirt. Solarnia wurde eingepfarrt. Am 3. Sonntage und
3. Feiertage der hohen Feste wurde Gottesdienst gehalten. Der
Pfarrer von Lohnau erhielt jährlich 30 Thaler und 15 Hühner.
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1) Altes Rechnungsbuch der Ratiborer Pfarrkirche
2) In der Zunftlade der Tuchmacher zu Sohrau.
Constantin Franz Iwanicki, Dr. theol., Pfarrer in
Leschnitz, Decan in Oppeln und Commissarius von 1654
bis 1680, trat 1656 all seine Rechte auf das St. Annakirchlein
auf dem Chelm an die Franciskaner ab, worauf
die Stiftung des Klosters daselbst erfolgte. Auch für den
Ratiborer Bezirk gab er den Priestern behufs der Vollmacht
Beicht zu hören, die Jurisdiction und führte mehrere Pfarrer
in ihr Amt ein. Am 10. Juni 1679 verlieh er dem
Michael Samuel Plauca die Pfarrei Geraltowitz bei Gleiwitz
als Commende auf 6 Monate, um dieselbe Zeit dem Jacob
Talapacz die Pfarrei Ornuntowitz, welche einen Beneficiat
nicht aushalten konnte, als Commende und die Parochie
Leszezin dem Joh. Zelasco als Commende auf 6 Monate.
Andreas Florian Scodonius, Canonicus in Oppeln,
wurde auf Präsentation Ferdinand III. von der bischöflichen
Administration Neisse 28. Juli 1633 als Canonicus von
Ratibor investirt, 1634 Pfarrer in Leschnitz, 20. Juni 1650
Custos in Ratibor, 1651 Propst in Ober-Glogau. In
dem Copulationsbuche der Ratiborer Collegiatkirche zeichnete
er sich 1652 als Vicecommissarius in Spiritualibus ein.
Er starb in Ratibor 2. Februar 1660. Sein in Stein
gemeißeltes Bild befindet sich auf der Epistelseite nahe dem
Hochaltare in der Pfarrkirche zu Ratibor in der Wand ein=
gemauert.
Andreas Franz Sendecius, geb. zu Nicolai am
31. October 1614, wurde 1643 Canonicus, 1653 Cantor,
1660 Custos, 1666 Erzpriester, wird in den Visitationsberichten
von 1687 ausdrücklich Commissarius Ratiboriensis
genannt und zwar S. 189 als er den am 18. September
1677 ordinirten Gregor Panczoszyk, der später Vicar,
endlich Pfarrer von Pschow wurde, die Jurisdiction ertheilte,
ebenso S. 195, als er dem in Loslau geborenen, 1670
ordinirten Nicolaus Johann Macioszek, der im nächsten
Jahre Pfarrer in Polom wurde, gleiche Vollmacht verlieh;
abwechselnd wird Sendecius auch Commissar in Teschen
genannt. Er selbst nennt sich Ratibor 5. April 1673
--- S.29/#44
Custos, senior Canonicus, Erzpriester und Commissar im
Herzogthum Teschen und den angrenzenden Bezirken, unter
welchen die Herrschaften Loslau und Oderberg zu
verstehen sind. Er starb in Ratibor am 2. October 1679
und ruht in der St. Barbara-Kapelle, deren Wohlthäter
er gewesen.
Matthias Alois Scharkow, geboren Oppeln 1634,
hatte auf der Universität Prag die Würden eines Magisters
der Philosophie und Baccalaureus der Theologie erhalten,
war der slavischen und deutschen Sprache gleich mächtig,
zählte erst das 28. Lebensjahr als er 1662 die Pfarrei
Neustadt übernahm, wo er sich große Verdienste erwarb.
Am 25. August 1671 stellten die Bisthumsadministratoren
ein gutes Zeugniß über das priesterliche Leben und die
10jährige Wirksamkeit des eifrigen Hirten aus. Er hinterließ
eine gute Pfarrmatrikel, welche bis 1556 zurückgeht und
reiche Nachträge der späteren Pfarrer erhielt.
Scharkow, der bereits in Neustadt Canonicus von
Oppeln geworden, wurde 5. Juni 1680 daselbst Decan
und fürstbischöflicher Commissar. Zum Andenken an die
Pest in Oppeln, welche 1679 und 1680 in der Stadt
900 Personen, also beinahe die Hälfte der Bevölkerung
hinraffte, ließ er ein Bild malen, welches eine getreue
Vorstelluug von dem damaligen Aussehen der Stadt und der
Umgebung gewährt und sich heut noch in der Hedwigskapelle
der Kreuzkirche befindet. Der Commissar war auch im
hiesigen Bezirk thätig und begegnen wir ihm sehr oft in
den Visitationsberichten, indem er Vielen die Jurisdiction
zum Beichthören ertheilte und manchen Benefiziaten, unter
audern 1685 den bisherigen Vicar Carl Ferdinand Fetscher
an der Collegiatkirche als Pfarrer von Kostenthal, 1687 den
Sacellan in Gieraltowitz Johann Alexander Matthacides als
Pfarrer von Kieferstädtel installirte. Scharkow starb 1688.
Georg Stablowski von Kowalowitz, Decan in Oppeln
seit 14. Februar 1689, unterschrieb sich im Einnahmebuche der
Pfarrkirche zu Altendorf. Als er den Erzpriestern zu Falkenberg,
--- S.30/#45
Zülz, Ober-Glogau, Cosel, Ratibor etc. einen vom
Fürstbischof den Erzpriestern gegebenen Auftrag durch Currende
mittheilte, nennt er sich am 20. Januar 1703 Verordneter
Commissar in Geistlichen Angelegenheiten für das Fürstenthum
Oppeln und Ratibor. Laut Visitationsbericht von 1719
gehörten die Archipresbyterate Ratibor, Sohrau, Gleiwitz
und Cosel zum Commissariat Oppeln. Kurz darauf zweigten
sich ab von Ratibor das Archipresbyterat Pogrzebin, von
Gleiwitz die Archipresbyterate Groß-Dubensko und
Peiskretscham, von Cosel die Archipresbyterate Kostenthal und
Lohnau. Stablowski starb 17. November 1732.
Jeremias Ignatz Zange, geb. Oppeln 1670, studirte
in Prag, erhielt in Krakau 1695 die Priesterweihe, wurde
21. März 1697 Pfarrer in Brande, 1702 in Riegersdorf,
1714 Erzpriester in Zülz, war ein vorzüglicher Redner,
1728 Administrator des Archidiaconats, März 1729
Vicecommissar in den Fürstenthümern Oppeln-Ratibor, 3ten
April 1732 Decan in Oppeln und fürstbischöflicher
Commissar des Fürstenthum Oppeln, starb 1745.
Anton Paul v. Mazurek, von bürgerlichen Eltern
in Ratibor am 22. Januar 1688 geboren, Sohn des Georg,
erhielt die niederen Weihen 14. Juni 1710, die Priesterweihe
24. September 1712, wurde Vicar in Friedland,
Juni 1714 in Ratibor, 13. September 1717 Notar des
dasigen Capitels, 22. September 1720 Erzpriester zu Sohrau,
14. Januar 1728 Prälat-Custos; hielt einen Caplan, der die
polnischen Predigten übernahm, wurde bischöflicher Rath,
Erzpriester, 2. Februar 1730 in den Adelstand erhoben, 1736
bischöflicher Commissar, ausschließlich für den Ratiborer Bezirk.
Bisher hatte die Wahl einer Priorin in Ratibor stets ohne
Gegenwart eines bischöflichen Commissars stattgefunden.
Da dies gegen die Rechte des Ordinarius verstieß, so trug
das Geistliche Amt 2. Januar 1738 dem Ratiborer
Commissar auf, bei der nächsten Wahl, wofern kein bischöflicher
Abgesandter vorhanden, geziemend Einspruch zu thun. Bei
der Wahl der Martina Skal von Elgot am 27. März 1744
--- S.31/#46
erschien unser Commissar Anton von Mazurek. In den
Acten der Pfarrkirche ist noch ein Extract der Sitzung vom
7. Mai 1738 enthalten, in welcher er mit seinen Beisitzern:
Scholastikus Johann Adam Bock und Erzpriester Josef
Franz Waclawczik aus Lohnau über die Schulden des
Erzpriesters Gotfried v. Schimonski in Sohrau verhandelt.
v. Mazurck hatte einem fremden, nicht angestellten Priester
Namens Scholtyssek für die Pfarrei Mechnitz die
Jurisdiction verliehen. Das Geistliche Amt rügte dies am 16ten
Mai 1740, da bischöflichen Commissaren dies nicht zustehe;
in Zukunft möge er es unterlassen, einem in der Seelsorge
nicht angestellten Priester, sei er Expfarrer oder Excaplan
die Jurisdiction zu ertheilen. v. Mazurek erschien öfters
im Prälatenstande auf den in Oberschlesien gehaltenen
Landtagen von 1741-1743.
Die Instanziennotiz vom Jahre 1744 zählt dieselben
Assiessoren des Ratiborer Commissariatamtes, und als Notar
Georg Gendel, Stadtsyndicus in Ratibor auf; die
Sessionen wurden in der Custodie-Residenz wöchentlich Donnerstags
gehalten.
Am 22. April 1748 meldete das Vicariatamt dem
hiesigen Commissar v. Mazurek, daß der erwählte Fürstbischof
Philipp Gotthard Graf Schaffgotsch sich geäußert: es werde ,
ihm sehr angcnehm sein, wenn angesehene Männer aus
dem Clerus seiner Consecration am 1. Mai beiwohnen;
er möge daher, wenn nicht durch Krankheit oder rechtliches
Hinderniß abgehalten, dabei erscheinen. v. Mazurek starb in
Breslau 12. Januar 1749.
Josef Franz Waclawczyk erhielt die niederen Weihen
21. December 1720, die Priesterweihe 28. Februar 1722,
wurde Pfarrer und Erzpriester in Lohnau, Canonicus zu
Ratibor 23. April 1731, 1eistete 1740 den Eid als apostolischer
Protonotar, 1748 bischöflicher Commissar, von Fürstbischof
Gothard von Schaffgotsch während dessen Aufenthaltes in
Friedek 24. Juli 1761 als Scholasticus ernannt und 28ten
September in Breslau bestätigt, starb 23. November 1762.
--- S.32/#47
Franz Ignatz Skiba, geb. 1705 in Lohnau, erhielt
15. Juni 1726 die minores, am 21. December d. J. auf
den Tischtitel des Franz Graf Gaschin-Witoslawitz das
Subdiaconat und am 21. Februar 1728 mit Dispens des
Alters die Priesterweihe, wurde Caplan in Poln.-Neukirch,
dann Pfarrer in Pogrzebin und Erzpriester des 1738
errichteten Archipresbyterats, 1763 fürstbischöflicher Commissar,
Domherr in Ratibor, starb 1779.
Gregor Jos. Petricius, geb. Peiskretscham 1716,
erhielt 20. December 1738 die minores, 24. September
1740 das Subdiaconat, war 1748-1751 Caplan in Wansen,
wurde Januar 1752 Administrator und im Juli wirklicher
Pfarrer von Lubowitz, später Erzpriester, 23. Juli 1779
bischöflicher Commissar und starb 30. März 1785.
Joh. Emanuel Schimonski v. Schimoni, geboren
23. Juli 1752, Sohn des Landrath Carl Josef auf Brzesnitz
und der Caroline Freiin v. Gruttschreiber, wurde 22ten
Februar 1771 Canonicus in Neisse, erhielt 16. März
d. J. in Breslau die niederen Weihen, studirte hierauf in
Rom, wurde Pfarrer in Lohnau, Canon. der Kathedrale,
Prael. Cust. ad. s. Cruc. daselbst, fürstbischöfl. Commissar,
copulirte in der Schloßkapelle zu Brzesnitz 18. August 1783
seine Schwester Marie Philippine mit Rudolf v. Blacha
aus Glinitz, taufte 7. März 1791, 8. Juli 1792 und
18. August 1793 drei Kinder seines Bruders Joh. Heinrich,
wurde 1795 Generalvicar, 1796 Scholasticus in Breslau,
11. Februar 1798 Weihbischof, 1805 Decan, 1817 /Vicarius
apostolicus/, 16. October 1823 als Fürstbischof gewählt,
starb 27. December 1832 und ist im Schiff der Kathedrale
bestattet.
Andreas Weirich, geboren zu Breslau, erhielt 17ten
April 1774 die niederen Weihen, 24. September auf den
Tischtitel des Graf Gaschin-Lenke das Subdiaconat, 11ten
März 1775 die Priesterweihe, wurde 1779 Pfarrer von
Ostrosnitz, 1791 Prälat-Cantor des Collegiatstiftes, 1794
--- S.33/#48
bischöflicher Commissar, 1. Mai 1795 Pfarrer von Altendorf,
Fürstbischof Josef Christian Fürst von Hohenlohe meldete
14. April 1796 dem Collegiatcapitel: da aus den Acten des
vergangenen Jahres hervorgehe, daß bei dem Stift nicht
diejenige Ordnung herrsche, von welcher sich allein die
Erhaltung und Erhebung hofen läßt, habe er eine
Generalvisitation bei dem Collegiatstift beschlossen und den Prälat
Cantor und Commissar Andreas Weirich mit der Ausführung
beauftragt. Der Bischof befahl dem Capitel, da er dabei das
Beste des Stifts beabsichtige, dem Commissar alle Urkunden
und Rechnuugcn zur Einsicht vorzulegen und nach Kräften
beizutragen, daß das Collegiatstift aus seinem dermaligen
bedenklichen Zustande gerettet und zu seinem ehemaligen Flor wieder
erhoben werde. Weirich führte den Auftrag aus und reichte
am 7. November das Protokoll ein. Weirich wurde 1799
Custos, 1801 Archidiacon von Groß-Glogau, Canonicus und
bischöflicher Commissar daselbst. Er vermachte dem Priesterhause
zu Neisse 400 Thaler und starb 30. April 1817.
Franz Seypold, geboren zu Ober-Glogau 14ten
November 1753, erhielt 21. December 1776 die Priesterweihe,
wurde Cooperator in Poln.-Krawarn, 19. August
1778 Administrator und 24. October d. J. wirklicher Pfarrer
daselbst, 1785 /Act. circuli/, 15. April 1794 Erzpriester,
29. Juni 1798 Canonicus in Ober-Glogau, 3. Juni 1801
fürstbischöflicher Commissar, 15. August d J. Scholasticus
und Curatus der Deutschen. Am 31. Juli 1814 fand die
Einweihung des Klosters der Barmherzigen Brüder zur
hl. Anna in Pilchowitz statt, zu dessen Kapelle schon am
2. Juli 1802 der Grundstein gelegt, der Fortgang des
Baues aber durch die kriegerischen Unruhen gehemmt worden
war. Zur Feier erschienen aus Umgegend 6 Landräthe
und 20 Geistliche, darunter die beiden Assessoren des
fürstbischöflichen Commissariatsamtes, der emeritirte Erzpriester
Georg v. Walhofen aus Sohrau und Pfarrer Stanislaus
Sigismund aus Pilchowitz. Seypold hielt die Einsegnung
und Festrede, am nächsten Morgen das Requiem für den
--- S.34/#49
Stifter des Klosters Rentmeister Anton Welzel. Seypold
übernahm 2. April 1816 die Pfarrei Loslau, blieb
fürstbischöflicher Commissar bis 1822. Am 12. Juni 1822 ist in
Loslau nahe der Pfarrei plötzlich ein heftiges Feuer
ausgebrochen, welches das Pfarrhaus schnell ergriff, so daß
Seypold nichts retten konnte und auch die Commmissariatsregistratur
vernichtet wurde. Er feierte 16. Januar 1827
sein Jubiläum, fundirte 18. August d. J. 340 Thaler auf
ein Anniversar mit Officium und Conduct, 2 Cantata und
11 hl. Messen. Er starb 9. April 1828. Unter ihm wurde
November 1808 der Referendar bei der Königlichen
Ober~Amtsregierung Jgnatz Wodak zum Notar und Syndicus des
Ratiborer Commissariats an die Stelle des nach Leobschütz
abgegangenen Königlichen Justizcommissar Heinze ernannt.
Johann Nepomuk Zolondek (= Magen), geboren
zu Krappitz am 16. Mai 1767, wurde in Rauden, wo er
1778 als Principist 1) eintrat, mit seinem deutschen Namen
ins Album eingtragen, bezog die Universität Breslau, erhielt
22. September 1787 die minores, trat als Theologe des
3. Jahres 4. Mai 1789 ins Alumnat, wurde auf den
Tischtitel des Jungfrauenklosters zu Ratibor für Adamowitz
6. Juni 1789 Subdiacon und am 29. Mai 1790 ordinirt.
Nachdem er zu Belk seit 19. Juni 1790 und
Gr.-Strehlitz seit 17. September d. J. als Kaplan fungirt,
wurde er 7. December 1792 als Vicar an der Collegiatkirche
zu Ratibor investirt, Director des Seminars daselbst,
15. December 1799 als Scholasticus investirt, nachdem er
vom Kapitel dem König präsentirt, Berlin 18. November
zu dieser Prälatur nominirt worden. Seit 18. Juni 1801
Custos und 12. Januar 1801 Schulen-Inspector, wurde
er 1. Januar 1806 Erzpriester des Pogrzebiner Archipresbyterats.
Schon 1803 hatte Zolondek in einem
Umlaufschreiben den Geistlichen und Lehrern seiner Inspection den
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1) Die Schüler der vier untern Klassen hießen Parvisten,
Principisteu, Grammatisten und Syntaxisten, die der zwei oberen:
Poeten und Rhetoren; jeder Cursus dauerte ein Jahr.
--- S.35/#50
Vorschlag zur Errichtung einer pädagogischen Lesegesellschaft
gemacht. Erstere hatten sich sämmtlich, von letzteren nur
einige dafür erklärt. In Folge eines 1810 erneuerten
Circulars traten auch die übrigen Lehrer der Lesegesellschaft
bei. Es wurden sofort 50 Thaler subscribirt und hiervon
37 Schulschriften besorgt, welche unter den Subscribenten
circulirten und Eigenthum der Kreisbibliothek blieben. Nach
Aufhebung des Collegiatstiftes wurde er Mai 1813
Pfarradministrator und nachdem die Dotation festgestellt war, im
Juni 1818 wirklicher Pfarrer. Im Jahre 1816 hatte er
auch das Ratiborer Archipresbyterat übernommen, schmückte
16. August 1818 den Neumarkt mit einer renovirten Statue
des hl. Johannes von Nepomuk, die früher im Hofe des
Jungfrauenklosters gestanden, wurde 15. September 1822
fürstbischöflicher Commissar, 1825 Synodal-Examinator.
Drei Iahre später ließ er sich von der Schulen-Inspection
entbinden, gab ansehnliche Beiträge zum Bau einer neuen
Stadt-Schule, kaufte den Begräbnißplatz in Neugarten und
stattete denselben mit einem freundlichen Kirchlein aus, stiftete
1830 einen Commensalen im Alumnat. Zolondek wurde
dafür im Amtsblatte öffentlich belobt und erhielt als
Auszeichnung 20. Januar 1833 den Rothen Adlerorden. Er
resignirte 30. März 1834 auf die beiden Erzpriesterämter.
Zolondek starb am Weihnachtsabende 1836 und fand am 28ten
December seine Ruhestätte in der von ihm erbauten Kreuzkapelle.
Sein Porträt, ein Oelgemälde wird im Speisesaale der
Pfarrei aufbewahrt. Das Brustbild im Prälatenschmuck
zeigt ein noch frisches Antlitz von slavischem Typus, das
mit der Mozette bedeckte Rochett ist von reicher Stickerei,
zur linken Seite ist das von ihm erbaute Pfarrhaus sichtbar.
Die von seinem Nachfolger im Pfarramte gehaltene Trauerrede
ist im Schlesischen Kirchenblatte Jahrgang 1837 abgedruckt.
Franz Xaver Heide, geboren 2. Juni 1801 zu
Frankenstein, besuchte das Gymnasium zu Glatz, bezog 1821
die Universität Breslau, wo er theologischen und philosophischen
Studien oblag, trat am 30. October 1824 ins Alumnat,
--- S.36/#51
erhielt 18. April 1825 die Priesterweihe, wurde Kaplan
in Klein-Oels, dreiviertel Jahr später an die Pfarrkirche
nach Ratibor versetzt, zugleich Religionslehrer am Gymnasium,
wo er Unterricht nicht nur in Religion und Hebräisch, sondern
auch in der griechischen und deutschen Sprache ertheilte.
Am 15. März 1831 wurde er Curatus und 10. Juli
Schulen-Inspector, weshalb er Ostern 1832 vom Gymnasium
entbunden wurde. Der eifrige Priester fand neben fleißiger
Seelsorge Muße zu historischen Forschungen auf dem Felde
der ältesten Geschichte Oberschlesiens, wovon die 3
Jahrgänge der Zeitschrift Eunomia 1832-1834 und mehrere
Aufsätze in den Schlesischen Provinzialblättern glänzendes
Zeugniß ablegen. Heide wurde 28. December 1836
Administrator, 12. Mai 1837 wirklicher Pfarrer, 12. November
1837 fürstbischöflichcr Commissar, 30. März 1844
Erzpriester, erhielt Pfingsten 1846 das Ehrencanonicat von
Breslau, 1849 den Rothen Adlerorden, am 16. Juli 1852
das Doctor-Diplom von der theologischen Facultät in Breslau
und in Folge einer beim Empfange des Kronprinzen am
Bahnhofe Kandrzin Juli 1866 gehaltenen patriotischen Anrede
das Ritterkreuz des Hohenzollerschen Hausordens.
Heide erwarb sich große Verdienste um Schule und
Kirche, Staat und Wissenschast. Er gründete die
Handwerker-Fortbildungsschule, richtete an der Stadtschule gehobene
K1assen ein, in welchen Knaben bis zur Quarta vorbereitet
wurden, berief 1863 die Ursulaschwestern aus Breslau,
opferte zum Bau des Klosters sein ganzes Vermögen und
war durch 4 1/2 Jahr bis zu seinem Tode Vorsitzender des
Verwaltungsrathes der Taubstummen-Anstalt. Zur Zeit
der Typhusepidemie 1847 bewies er sich als Helfer der
Wittwen und Waisen. Treu und fest stand er zur Kirche
auch in stürmischer Zeit, kämpfte gegen die Rongeanischen
Bestrebungen, rief im Revolutionsjahre unter Wahrung des
confessionellen Friedens den katholischen Volksverein zur
Befestigung kirchlicher Gesinnung ins Leben. Auch an der
Gründung des constitutionellen Vereins nahm er Theil und
--- S.37/#52
trat in den Versammlungen oft als Redner auf. Auf die
Wahl des Felix Fürst Lichnowsky in das Frankfurter
Parlament den meisten Einfluß übend, wurde er dessen
Stellvertreter und nahm nach der Ermordung des Fürsten 18ten
September 1848 an den Berathungen des Par1aments
Theil, bis es den Sitz nach Stuttgart verlegte. Ende 1850
legte er das Amt als Kreis-Schulen-Inspector nieder.
Obschon er einen reichen Schatz von Kenntnissen besaß,
drang er immer tiefer in die Wissenschaft und seine
bedeutende Bibliothek, die er der Pfarrkirche vermachte, giebt
Zeugniß von der Vielseitigkeit seines Wissens. Seine
Mäßigung, Schonung und Milde erwarb ihm einen großen
Freundeskreis. Höhere Stellungen, die ihm angetragen
wurden, schlug er wiederholt aus, da er seine liebe Gemeinde
nicht verlassen wollte. Das Amt als Erzpriester gab er
Ostern 1865 auf und starb am 25. März 1867. Die
Leichenrede hielt Domherr Dr. Sauer. In der Gruft der
Grabeskapelle auf dem Friedhofe zu Neugarten wurde er
bestattet. Sein Lebensbild ist nicht blos von Hugo Sterba
in einer Broschüre gezeichnet, sondern auch die Provinzialblätter
brachten sein Bildniß nach dem Originale von J. Kostka
und eine Skizze des Lebens und Wirkens eines Mannes,
dessen Name weithin noch einen guten Klang hat.
Josef Kühn, geb. Grüssau den 27. November 1817,
kam 1837 von Schweidnitz auf das Mathias-Gymnasium
zu Breslau, machte Ostern 1838 das Abiturientenexamen,
ging nach dem Königreich Polen als Informator zu einer
hocharistokratischen Familie, wo er als Deutscher auch von
der Dienerschaft über die Achsel angesehen wurde. Das
bewog ihn, sich auf die polnische Sprache mit Eifer zu
verlegen und brachte er es in Kurzem so weit, daß er sich
sogar einer Prüfung unterzog und ihm die /Facultas docendi/
ertheilt wurde, trat 18. April 1842 ins Alumnat zu Breslau,
erhielt 6. November d. J. die Priesterweihe, wurde 22ten
d. Mts. Kaplan in Lublinitz, 10. April 1843 Kaplan in
Gleiwitz, seit Ostern 1847 Religionslehrer und /Regens/
--- S.38/#53
Convictorii am Gymnasium zu Breslau; am 28. April
1853 als Administrator nach Gleiwitz berufen, wurde er
24. Juni wirklicher Pfarrer daselbst, 2. Mai 1854 Curator
der Barmherzigen Brüder in Pilchowitz, 18. Mai d. J.
Erzpriester, 1. August 1867 Commissarius des Ratiborer
Commissariats.
Kühn machte sich durch die Gründung des katholischen
Waisenhauses, das am 1. November 1862 eingeweiht wurde
und durch die Herausgabe des polnischen Gebet- und
Gesangbuches „Katolik“ zum Besten des Waisenhauses
verdient. Zuletzt an der Gicht schwer leidend starb er 21ten
April 1880.
Wilhelm Strzybny, geboren Schloß-Ratibor den
31. März 1825, Sohn des Königlichen Justizrath Thomas
Strzybny und der Johanna von Vagedas, bezog das
Gymnasium der Vaterstadt, studirte in Breslau und Bonn
Theologie, erhielt 1. Juli 1849 die Priesterweihe und feierte
8 Tage später umgeben von 11 geistlichen Confratern in
der Stadtpfarrkirche seine Primiz. Am 31. d. Mts. als
Kaplan nach Ratibor decretirt, wurde er 3 Jahre später
Curatus daselbst, gründete 8. Mai 1855 den Gesellen-Verein,
wurde am 10. März 1857 Schulen-Inspector,
am 27. April Pfarradministrator von Altendorf, am 9ten
December 1869 wirklicher Pfarrer. Von 1862-1863 war
er Mitglied des Abgeordnetenhauses. Am 24. April 1875
übernahm er die Geschäfte des Erzpriesters, wurde 12ten
Mai 1877 definitiv als solcher ernannt, im Auftrage des
Fürstbischofs Robert am 23. October 1882 durch den
Stadtpfarrer und Geistlichen Rath Schaffer vereidet und in sein
Amt eingeführt, Januar 1884 als fürstbischöflicher
Commissar ernannt und am 24. d. Mts. durch Obengenannten
in sein neues Amt eingeführt. Der erste Auftrag vom
Fürstbischof war, mehrere Schulen des Oppelner Regierungs-Bezirks
in Bezug auf die gemachten Fortschritte in der deutschen
Sprache zu revidiren, welchem Befehle er im Frühlinge mit
Zuziehung der Königlichen Kreis-Schulen-Inspectoren nachkam.
--- S.39/#54
Das Archipresbyterat Ratibor.
Die hierarchische Einrichtung der Kirche bedingt Träger
verschiedener Aemter in bestimmter Stufenfolge.
Die Archipresbyterats-Einrichtung in der Breslauer
Diöcese fand zugleich mit der Abgrenzung der Pfarrbezirke
statt und reicht bis in den Anfang des 13. Jahrhunderts.
Ein District mit einer Anzahl von Pfarreien stand nämlich
unter Aufsicht eines Erzpriesters und dieser unter dem
Commissar und Archidiacon. Ersterer führte auch den Namen
Landdecan, /decanus ruralis/, im Gegensatz zu der in den
Kapiteln bestehenden Dignität der Decane.
Die Geschäfte des Erzpriesters waren folgende: Er
hatte im Namen des Bischofes nicht nur über die
Geistlichen, sondern auch über das kirchliche und sittliche Leben
der Gemeinden seines Bezirkes die Aufsicht zu führen, die
bischöflichen und Synodalverordnungcn durch Circulare bekannt
zu machen und über deren Befolgung zu wachen, die kleineren
Streitigkeiten seines Clerus zu schlichten, jährlich jede Pfarrei
seines Bezirks zu visitiren und die Kirchenbücher zu prüfen,
die hl. Oele in Empfang zu nehmen und an die
Pfarrkirchen zu vertheilen, die Pfarrer in ihr Amt einzuführen,
die Beerdigung der verstorbenen Geistlichen vorzunehmen
und bei Erledigung der Benefizien Obsorge zu tragen.
Auch hielt er jahrlich einige Male Zusammenkünfte, um
durch gegenseitigen Austausch der Erfahrungen Mittel zur
Abhilfe von Schäden zu berathen, eventuell Anträge der
geistlichen Behörde zu unterbreiten.
Der Erzpriester wird vom Bischofe ernannt und ist
durch besondere Amtskleidung von den übrigen Pfarrern,
falls diese nicht Dignitäre sind, ausgezeichnet. Eine eigentliche
Jurisdiction steht ihm so wenig, als dem Commissar zu,
doch erhalten beide vom Bischof gewöhnlich besondere
Facultäten für den Bereich ihres Sprengels.
Die Befugnisse änderten sich im Laufe der Zeit und
wollen wir einige Bestimmungen aus älterer Zeit nachweisen:
--- S.40/#55
Die unter Bischof Heinrich I. im Jahre 1305
gehaltene Synode befahl den Archidiaconen bei Strafe der
Suspension von ihrem Amte, eine Abschrift der Statuten
zu nehmen und sie den Erzpriestern mitzutheilen, die sie
dann unverzüglich den Pfarrern binnen Monatsfrist zur
Kenntnißnahme zustellen sollen, damit letztere dieselben in
ihren Kirchen, um sie stets vor Augen zu haben, an die
Wand heften. Einen gleichen Befehl gab Bischof Nanker
1331. Auch Bischof Wenzel befahl, daß jeder Erzpriester
eine Abschrift der Synodalstatuten besitzen solle.
Bischof Conrad verordnete 1446: die Erzpriester
sollen ihre von der Synode fernbleibenden Priester dem
Archidiacon schriftlich anzeigen. Unter Bischof Rudolf beschloß
die 1473 gehaltene Synode: Bei dem Ableben eines Priesters
soll der Erzpriester oder näher wohnende Pfarrer oder die
bischöflichen Commissarien, falls diese nahe sind, ein Inventar
der Hinterlassenschaft aufrichten und den Verstorbenen
anständig begraben. Bischof Johann befahl 1509, daß jeder
Erzpriester an allen Quatemberzeiten sämmtliche Priester seines
Cirkels an geeignetem Orte zur Versammlung einlade und daß
diejenigen, welche wegen kirchlicher Function nicht erscheinen
können, das nächste Mal kommen. Im Jahre 1580 befahl
Bischof Martin, daß alle Pfarrer in jedem Archipresbyterate
zweimal jährlich zusammenkommen und auf den
Versammlungen über Beseitigung der Mißstände und über kirchliche
Geschäfte unter Vorsitz des Erzpriesters berathen. Wer
Tadel verdient, soll vom Chef brüderlich ermahnt werden;
schwerere Vergehen sind dem Generalvicar oder dem Bischofe
selbst anzuzeigen. Auf der unter Andreas Jerin 1592
gehaltenen Synode wurde beschlossen: Die Erzpriester sollen
darauf achten, daß der Ritus bei der heiligen Messe,
Sacramentenspende und den Ceremonien gleichmäßig sei
und nicht andere Agenden gebraucht werden; auf den
Archipresbyteratsconventen sollen die Pfarrer ihre Beschwerden
wegen Verkürzung der Einkünfte schriftlich überreichen. Die
Synodalstatuten unter Bischof Carl Ferdinand 1652
--- S.41/#56
verordnen: Die Convente sollen jährlich zweimal nämlich zwischen
Ostern und Pfingsten uud zwischen Michaelis und Martini
der Reihe nach in je einer Kirche des Decanats mit der
Messe vom hl. Geist beginnen, worauf eine Exhorte den
Berathungen vorangeht. Wer ohne zureichende Ursache die
Versammlung versäumt, wird mit Geld bestraft und hat ein
Pfarrer und Commendar einen Thaler, ein Vicar die Hälfte
zu zahlen, welcher der Kasse jener Kirche zufließt, in welcher
der Convent gefeiert wird 1).
Das bischöfliche Consistorium gab 1. December 1678
ausführliche Vorschriften für die Erzpriester. Nachdem die
Synoden einelange Unterbrechung erlitten, schärften
Verordnungen der geistlichen Behörde die Pflichten. Die
pragmatische Sanction vom 26. Octobcr 1699 enthält auch für
Erzpriester verschiedene Vorschriften: Zu diesem Amte
gelangen nur gesittete, wissenschaftlich gebildete, in der
Seelsorge eifrige und erfahrene Priester, die 6 Jahr fleißig im
Weinberg des Herrn gearbeitet und Beweise ihrer Tüchtigkeit
gegeben.
Daß in geringeren Ehesachen auch Erzpriester
Commissionen erhielten, zeigt folgender Fall: Bäcker Friedrich
Stefan zu Ratibor hatte sich bemüht, die Liebe der Tochter
des Wirthschaftsverwalter Caspar Bernhardt in Lohnitz zu
gewinnen und war in der Fastnacht 1703 mit dem Bäcker
Melchior Ruzanski zur Braut Judith gegangen, hatte
öffentlich Verlobung geschlossen, ihr einen goldenen Ring
gegeben und den Termin zum Ehevertrage bestimmt. Aber
am 6. Mai schrieb er dem Vater ab. Der betagte
Verwalter sah dies als Schimpf an und bat das Consistorium
die Sache durch den Erzpriester in Ratibor untersuchen zu
lassen. Die geistliche Bchörde trug, um den Parteien die
Kosten zu so weiter Reise nach Breslau zu ersparen, demselben
am 28. Juni 1703 auf, unter Zuziehung eines
Rechtsverständigen die Betreffenden zu vernehmen, die Zeugen
1) Montbach Statuta pag. 5, 8, 9, 14, 16, 94, 114, 162, 226, 282
--- S.42/#57
eidlich abzuhören und das Protokoll an das Consistorium
zur Entscheidung einzusenden.
Auch das Jurisdictionsexamen hatte der Erzpriester
bisweilen abzunehmen. Da sich P. Angelus Neugebauer
im Franciskanerkloster zu Ratibor noch ohne Jurisdiction
zum Beichthören in hiesiger Diöcese befand, so wurde Gitzler
vom General-Vicariat-Amt 3. August d. J. beauftragt, mit
Zuziehung eines anderen Priesters sowohl jenen als die
noch der Jurisdiction Ermangelnden zu examiniren und
über den Ausfall zu berichten. Das General-Vicariat-Amt
befahl 4. März 1716: Alljährlich soll bei jedem Erzpriester
eine Zusammenkunft der Pfarrer und Curaten gehalten, die
Verhandlungcn nach Ostern dem Generalvicar berichtet, auch
die Namen der Pfarrer und Kapläne beigesetzt werden.
Das General-Vicariat-Amt ließ 14. März 1716 nach, daß
die Convente, welche sonst zwei- bis viermal jährlich
stattfanden, nur einmal im Jahre und zwar zur österlichen
Zeit gehalten werden und befahl 14. September d. I. den
Erzpriestern Kirchenvisitation alljährlich vorzunehmen. Am
18. Januar 1718 verordnete das General-Vicariat-Amt,
daß bei den jährlich zu haltenden Kirchenvisitationen ein
Pfarrcr per Majora vota gewählt als /Actuarius Circuli/
assistire und befahl den Erzpriestern, bei den Visitationen
die Jugend zu examiniren und die Lehrer zum Eifer
anzuhalten; am 21. Juli 1718: Die Erzpriester sollen sich
von ihren untergebenen Geistlichen monatlich schriftlichen
Nachweis über den Lebenswandel der Parochianen geben
lassen und dem Vicariat-Amt vierteljährlich gutachtlich
berichten, wie etwaige Ausschreitungen und Aergernisse zu
beheben seien: nachlässige und ungehorsame Geistliche können
sie, wenn gütliches Mahnen und Strafbedrohung nichts
fruchtet, mit einem bis zwei Dukaten strafen. Am 5. März
1720 befahl der Bischof: Die Erzpriester sollen eine
Specification der Pfarreinkünfte bei den jährlichen
VBisitationen abfordern uud nebst ihrer und des Actuars Unterschrift
mit dem Berichte einschicken, damit das Schriftstück
--- S.43/#58
im Archiv der bischöflichen Canzlei deponirt werde. Am
18. März 1727 befahl er: Die Erzpriester sollen in ihren
Quartalsberichten auf einem besonderen Blatte über die
Testamentsvollstrecker genau berichten, welche in ihrem
Presbyterat jetzt vorhanden, wie lange, Ursachen der Verzögerung,
welche Mittel zur Beschleunigung und Beendigung
vorhanden; und am 22. Juli d. J. verordnete er: bei den
Zusammenkünften ist der Actuar zu wählen und die Wahl
dem Vicariat-Amt zur Bestätigung einzureichen 1). Der
Erzpriester hat dem Actuar die Kirchrechnungen zur Revision
zu übergeben. Das General-Vicariat-Amt befahl am 22ten
Februar 1810 nach Verordnung der Königlichen Regierung,
daß Kirchenvorsteher, welche bisher vom Justizamte in der
Gerichtsstube vereidet worden, nunmehr vom Pfarrer mittelst
Handschlag verpflichtet, bei den Kirchenvisitationen aber vom
Erzpriester vereidet und ins Amt eingeführt werden.
Dieselbe Behörde wies 9. Juli 1849 die Erzpriester
an, die jährlichen Communikantenlisten unmittelbar an den
Fürstbischof einzureichen. 1851 befahl Cardinal Melchior,
die Kassenrevision der Erzpriester nicht durch den Actuar
/circuli/, sondern durch den Commissar vorzunehmen.
Fürstbischof Heinrich gab am 29. Januar 1858 den Erzpriestern
eine genaue Instruction in 14 Paragraphen und wies auch
auf die Bestimmungen des untcr Papst Benedict XIII. im
Jahre 1725 zu Rom gehaltenen Concils, wie auf die von
seinem Vorgänger auf dem fürstbischöflichen Stuhle zu
Breslau Josef Christian Fürst von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein
16. Mai 1808 den Erzpriestern gegebenen
Anweisungen zurück. "
Die Erzpriester haben gegenwärtig die Obliegenheit: die
öffentlichen Currenden und Circulare, die ihnen zukommen,
bekannt zu machen, die untergeordneten Pfarrkirchen jährlich zu
visitiren, die Kirchenrechnungen zu revidiren, deren Richtigkeit
resp. Unrichtigkeit zu bezeugen und darüber an das
General-Vicariat-Amt zu berichten k1einere Streitigkeiten des Clerus
Friedeberg von den schles. Rechten I. Kap. /X./
--- S.44/#59
in ihrem Cirkel zu untersuchen und beizulegen, bei
Todesfällen derselben die Siegelung vorzunehmen. Sie sind
ebensowenig als die Commissare an denjenigen Ort gebunden,
von welchem das Archipresbyterat den Namen trägt.
Anfangs waren einzelne Archipresbyterate von großer
Ausdehnung. Laut Register des Peterspfennig vom Jahre
1447 waren dem Ratiborer Archipresbyterat 19 Pfarreien
unterstellt, nämlich Ratibor, Altendorf, Lubowitz, Markowitz,
Lissek, Pstronzna, Lubom, Oderberg, Krzi.zanowitz, Benkowitz,
Janowitz, Rudnik, Krawarn, Tworkau, Waindorf
(eingegangen), Woinowitz, Rudersvald, Raschütz, Makau.
1644 hatte das Archipresbyterat 18 Parochien und
4 Filialkirchen 1).
Nach den Visitationsberichten von 1679 hatte es
folgende Pfarr- und Filialkirchen: Altendorf mit Pawlau
und /Matka Bo.za/, Benkowitz, Janowitz, Makau mit Krawarn,
Krzi.zanowitz, Lissek, Lubom mit Syrin, Lubowitz, Markowitz
mit Raschütz, Pogrzebin mit Brzezie 2), Pstronzna, Rogau,
Tworkau mit Ruderswald, Woinowitz. 1719 wird auch
Rudnik genannt, das vordem wie auch das Collegiatstift
nicht visitirt worden. Die canonische Visitation des Letzteren
hielt 6. November 1717 der Domdechant Johann Christof
von Rummerskirch aus Breslau und 15. Mai 1737 der
Archidiacon Joachim Ernst von Strachwitz.
1687 waren 14 Pfarrer, 3 Kapläne, 1 Sacellan,
18 massive Kirchen, 4 Kapellen von Holz, 1 Hospital.
1738 wurden Lissek, Lubom, Markowitz, Pogrzebin,
Pstronzna und Rogau abgezweigt und bildeten nebst Ratibor-Hammer
das Pogrzebiner Archipresbyterat. Wir wollen
nachstehend aus den letzten Jahrhunderten die Reihenfolge
der Erzpriester im Ratiborer Archipresbyterat mit kurzen
Notizen angeben:
1) Böhme, Dipl. Beiträge II. 97.
2) Brzezie ist wahrscheinlich das früher im Sohrauer
Archipresbyterat genannte Birkendorf. Das Geschlecht der in Brzezie
angesessenen Trach nannte sich nach dem Orte Trach von Brzezie
und Trach von Birkau.
--- S.45/#60
Georg Richtinek, Pfarrer in Lissek uud Valentin Sartoris
als Senior des Cirkels waren 1592 auf der Diöcesansynode.
Andreas Franz Sendecius wurde 1643 Canonicus
in Ratibor, 1653 Cantor daselbst, am 24. Februar 1660
als Custos erwählt und am 19. Juli eingeführt, wird 1666
Erzpriester des Ratiborer Cirkels genannt. Er führte den
1650 ordinirten Andreas Sigismund Hartmann am 24ten
August 1666 als Pfarrer von Pogrzebin ein. Sendecius
wurde fürstbischöflicher Commissar in Teschen. Siehe S. 28.
Paul Franz Rainoch, geboren 1621 zu Gleiwitz,
ordinirt in Neisse 1649, 1icentiat der Theologie, Pfarrer
in Schmitsch und seit 30. Mai 1650 Erzpriester des Zülzer
Archipresbyterats, wurde 1654 Canonicus in Ratibor, am
22. November 1679 als Custos erwählt, 2. December
investirt und am 18. d. Mts. in sein Amt eingeführt. Er
starb als Erzpriester des Ratiborer Cirkels am 15. Juni 1680
und liegt in der elterlichen Ruhestätte zu Gleiwitz bestattet.
Johann Franz v. Fluschke, geboren in Breslau 1646,
studirte zu Rom im Collegium Germanicum, war bereits
Dr. der Theologie aber noch nicht Subdiacon, als er vom
Kaiser zum Prälat-Cantor in Ratibor präsentirt und vom
Bischof 1668 investirt wurde. Er erhielt zwar Sitz, aber
keine Stimme im Kapitel, bis er, seit 15. Juni 1669
Diacon, 21. September d. J. die Priesterweihe erhalten.
Im Jahre 1671 als Pfarrer von Zirkwitz investiert, wurde
er daselbst Erzpriester, am 20. August 1680 zum Custos
erwählt, als solcher 16. September eingeführt, tritt schon
1681 als Erzpriester des Ratiborer Cirkels auf. Franz
Georg Plumlowsky, Pfarrer in Rogau, sendete ihm am 8ten
Mai 1688 das Verzeichniß der Osterpönitenten mit genauer
Angabe der Protestanten: Der Pächter Stolz pflegte bisweilen
der Predigt beizuwohnen und veranlaßte andere Adelige
zum Besuch des Gottesdienstes, aber die Wittwe (Gutsfrau)
mit ihren Kindern kam nicht. Im October 1688 wurde
er von Papst Innocenz XI. zum Domherrn von Breslau und
Erzpriester bei St. Nicolai erhoben. In der Seelsorge
--- S.46/#61
führte er Mehrere zur Mutterkirche zurück und starb 19ten
November 1691."
Friedrich Ferdinand Flade war Curatus in Brieg,
wurde Scholastikus in Ratibor vom 24. Januar 1687 bis
zu seinem am 12. Februar 1689 erfolgten Tode. Das
Ratiborer Archipresbyterat zählte damals 14 Pfarrer, 3
Sacellane, 1 massive, 18 hölzerne Kirchen, 4 hölzerne Kapellen,
1 Hospital. Dabei ist die Stadt nicht eingerechnet, wohl
aber die damals noch zum Archipresbyterat zugehörigen
Pfarrorte Markowitz mit der Filiale Raschütz und Kapelle
in Hammer, Lissek, Pstronzna, Pogrzebin mit der /Adjuncta/
Brzezie, Lubom mit Syrin, Rogau.
Georg /Christofor Giersdorf/, /baccal. theol./, wurde
7. Juli 1689 Scholastikus und Erzpriester bis 1696; ging
1704 nach Wohlau, wo er noch 1707 genannt wird.
Basilius Sebastian Brettschneider, geboren 4ten
September 1662 zu Freiwaldau, Sohn des Weißgerber
Michael B. und der Rosina Hackenberger, studirte auf der
Universität Olmütz. Nachdem er die Würde eines
Baccalaureus der Philosophie erworben, widmete er sich 2 Jahr
und 2 Monate den theologischen Studien und dem canonischen
Recht. Am 10. Februar 1685 erhielt er vom
Bisthumsadministrator Carl Neander v. Petersheide das /Dimissoriale/,
die Weihen außerhalb der Breslauer Diöcese empfangen zu
können, worauf er in Olmütz vor Pfingsten d. J. die
minores und 22. September das Subdiaconat erhielt. Der
Decan der theologischen Facultät Dr. Wilhelm Fröhlich
stellte ihm über sein Wohlverhalten und seinen Lerneifer am
5. December ein vorzügliches Zeugniß aus. Hierauf kehrte
Brettschneider nach Schlesien zurück, empfing in der Collegiatkirche
zu Neisse vom Weihbischof Carl Neander am 6ten
Juni 1686 das Diaconat und am 21. September die
Priesterweihe. Derselbe ertheilte ihm am 18. März 1687
die Jurisdiction um Beicht zu hören. Nachdem Giersdorf
nach Wohlau befördert worden, wurde Brettschneider im
November 1696 Scholastikus und Curatus der Deutschen,
--- S.47/#62
20. März 1698 Erzpriester des Ratiborer Cirkels. In
dem vom Fürstbischof Franz Ludwig Pfalzgraf bei Rhein
zu Breslau ausgestellten Diplom werden die Hauptpflichten
eines Erzpriesters kurz aufgeführt. Brettschneider starb
9. März 1700.
Andreas Josef Gitzler, Sohn des Tuchmacher Jacob
Franz Gitzler in Ratibor, geboren October 1670, erhielt
in Prag die Magisterwürde, studirte hierauf 2 Jahre die
Rechtswissenschaft und 1 Jahr Theologie in Krakau, erhielt
in Schlesien 18. September 1694 die niederen Weihen,
wurde am 17. Juni 1695 auf Präsentation des Kaiser
Leopold als Domherr in Ratibor investirt, am 26. Februar
1696 in Krakau ordinirt, administrirte vom 26. März 1697
ab die Pfarrei Lubowitz, wurde Scholastikus am 21. Juni
1700, zugleich Erzpriester des hiesigen Districts.
Die Verehrung gegen den seligen Johann v. Nepomuk
war so groß, daß man ihm noch vor seiner im Jahre 1719
erfolgten Heiligsprechung Statuen errichtete. Auch in der
Kirche zu Ratibor hatte man ein solche bei dem Altare der
heil. Dreieinigkeit aufgestellt. Das General-Vicariat-Amt
trug aber dem Erzpriester 12. October 1706 auf, dieselbe
sofort an die Seite der Kirche setzen zu lassen. Da Gitzler
im Herbst 1713 den Visitationsbericht des vorigen Jahres
noch nicht eingesendet, so wurde er 16. October mit 10
schweren Mark bestraft, die er binnen 8 Tagen an die
bischöfliche Kanzlei einsenden uud die Pfarrer, welche die
Communikantenlisten nicht eingeschickt, mit je 2 schweren Mark
binnen 14 Tagen belegen sollte. Er starb 8. Januar 1716.
Andreas Johann Böhm, geboren Ratibor 1662,
absolvirte in Olmütz Philosophie und speculative Theologie,
wurde dort Baccalaureus und am 18. September 1688
ordinirt; dann studirte er in Prag die Rechtswissenschaft,
wurde /1icent. juris utriusque/, war 9 Wochen in Rogau,
dreiviertel Jahr in Freistadt Kaplan und kam im Frühling
1696 als Pfarrer nach Janowitz. Bischof Franz Ludwig
Pfalzgraf bei Rhein verlieh ihm Neisse 23. Juli 1696 auf
--- S.48/#63
Empfehlung des Propst Johann Jacob Hoffmann v. Leichtenstern
die Investitur, worauf Böhm am 15. November eingeführt
wurde. Er war ein ausgezeichneter, besonders im Recht
bewanderter Priester, erhielt 20. October 1702 die /facultas
absolvendi ab haeresi/, wurde 1708 Canonicus und nach
Gitzler's Tode Erzpriester, 4. November 1715 als Custos
erwählt, aber erst 13. October 1717 bestätigt. Er starb
13. December 1727
Anton v. Mazurek, Erzpriester von 1736 an, siehe S.30.
Josef Franz Waclawczyk, Pfarrer in Lohnau, 1729
bereits Actuar, November 1748 Erzpriester; siehe Seite 31.
Paul Anton Schuster, geboren Ratibor, ordinirt
29. März 1721, wurde sofort Kaplan iu Lubowitz, 1723
Vicar in Ratibor, 1732 Pfarrer in Benkowitz, Actuar 1735,
15. Februar 1737 als Canonicus in Ratibor investirt und
am 20. März vom Decan Wilhelm v. Angelis eingeführt,
November 1751 Erzpriester und starb 14. Juni 1756.
Josef Rosali, geboren Groß-Strehlitz 1702, seit
1734 Pfarrer in Janowitz, wurde nach dem Tode Schusters
zunächst Decanatsadministrator, bald darauf wirklicher Erzpriester,
benedicirte auf Einladung des Frhrn. v. Eichendorf
die von Letzterem errichtete St. Johannisstatue in Tworkau
und starb 27. Juli 1758.
Gregor Petricius, seit 1735 Pfarrer in Lubowitz,
wurde 1758 Erzpriester. Der apostolische Vicar Moritz
von Strachwitz ertheilte ihm 8. Mai 1770 die Facultät,
Paramente, Bilder, Statuen und Kreuze zu benediciren.
Er wurde 1779 fürstbischöflicher Commissar und starb 1785.
Siehe Seite 32.
Johann Sczyrba, geboren 1721 Ratibor, erhielt
18. September 1745 die /minores/, 18. December das
Subdiaconat, 9. April 1746 das Presbyterat, wurde Pfarrer
in Bralin, seit October 1764 Pfarrer in Janowitz, /Act.
circ./ 1785, als Erzpriester benedicirte er 22. October 1793
die neuerbaute Kirche in Krzi.zanowitz und wurde 1796
Pfarrer in Slawentziz, wo er 26. December 1803 starb.
--- S.49/#64
Franz Seypold, Pfarrer in Polnisch-Krawarn,
Erzpriester von 1795 bis 1816, wurde Commissar. Siehe S. 34.
Johann Zolondek, Sohn des Tischlermeister Laurenz
Żołandek zu Krappitz und der Eva geb. Halama,
Erzpriester von 1816 bis 1836, wurde Commissar. Siehe
Seite 36. Wegen der kriegerischen Zeit zu Anfang des
Jahrhunderts und weil der Erzpriester und Commissar in
Krawarn am äußersten Winkel des Archipresbyterats seinen
Sitz hatte, auch wegen überaus schlechter Wohnung meist
kränkelte, endlich weil er wegen geringer Dotation keinen
Kaplan halten konnte, war die Visitation 14 Jahre
unterblieben. Zolondek nahm sie 1816 wieder auf und
berücksichtigte bei dem Revisionsgeschäfte hauptsächlich das Kirchen-
und Fundationsärar und gelang es ihm das Vermögen
möglichst sicher zu stellen; nur bei Lubowitz, wo der Pfarrer
als Cridarius starb, konnte der erlittene Schaden nicht
beseitigt werden. Das General-Vicariat-Amt gab 4. Januar
und 19. December 1817 seine Zufriedenheit über den Fleiß
und Eifer zu erkennen mit der Erwartung, daß er die
vorgefundenen Mängel beheben und die Visitation auch auf
andere Gegenstände ausdehnen werde.
Andreas Kubiczek, geboren 21. November 1774 zu
Benkowitz, studirte in Rauden, Leobschütz uud Breslau, kam
1798 als Kaplan nach Autischkau, wurde 1805 Vicar in
Ratibor, September 1811 Sacellan in Ostrog, April 1834
Erzpriester und starb 7. April 1845.
Franz Heide war bereits fürstbischöflicher Commissar,
ehe er Erzpriester wurde. Er bekleidete letzteres Amt vom
30. März 1844 bis Ostern 1865. † 1867. Siehe S.38.
Nicolaus Morawe, geboren Zottwitz 6.December 1813,
wurde 25. Mai 1839 ordinirt, am 11. Juni Kaplan in
Reichthal, 13. November 1840 Kreisvicar in Loslau.
Obgleich am 10. August 1841 an die Stadtpfarrkirche nach
Neisse decretirt, blieb er auf dringende Vorstellung von
Seiten des Magistrats und der Gemeinde in Loslau daselbst
belassen, seit 28. Januar 1842 Pfarradministrator und
--- S.50/#65
sodann Kreisvicar. Am 14. Januar 1844 Administrator
in Ostroppa, am 19. Juni d. J. interimistischer und 24ten
November definitiv angestellter Lokalist in Dziergowitz. Am
15. December 1846 Curatus in Ratibor, 16. November
1854 Pfarrer in Ostrog, 7. Mai 1857 /Actuar circuli/,
5. April 1865 Erzpriester, starb am 28. Juli 1872.
Franz Marcinek, geboren 23. März 1803 zu
Köberwitz, widmete sich zunächst der Landwirthschaft in
Krzi.zanowitz, besuchte dann das Gymnasium zu Gleiwitz
und die Universität in Breslau, erhielt 29. April 1832
die Priesterweihe, wurde Kaplan in Sodow, Pfarradministrator
und seit 30. Mai 1837 wirklicher Pfarrer in Markowitz,
11. Juli 1839 Administrator in Benkowitz. Die Investitururkunde
ist vom 31. August d. J. datirt. 1856 machte
er eine Reise in das heilige Land, die er später in den
polnischen Heften des Vereins zum heiligen Grabe beschrieb.
Für die reichlichen Almosen, die er nach Jerusalem sendete,
erhielt er von dem dortigen Patriarchen Josef Valerga das
Diplom als Ordensritter des heiligen Grabes, wurde 15ten
August 1865 /Actuar circuli/, 26. October 1872 Erzpriester
und starb 1. Juni 1877.
Wilhelm Strzybny. Siehe Seite 39.
"
--- S.51/#66
Pfarrei Altendorf.
Dorf Altendorf,
"
lateinisch antiqua villa polnisch stara wie´s, nordwestlich
der Stadt gelegen, hieß ursprünglich: (bei der) Kirche des
heiligen Nicolaus, welcher Heilige Schutzpatron der Schiffer
ist. Dieses Gotteshaus ist denkwürdig wegen der Versöhnung
Herzog HeinrichIV.von Breslau mit Bischof Thomas /II./
Zwischen beiden hatte seit 1276 Streit bestanden über
zurückbehaltenen Zehnt, verlangte Steuern von bischöflichen
Unterthanen, Schulden des Herzogs, über dessen Herbergsrecht
auf den bischöflichen Gütern, Rückgabe kirchlicher Grundstücke etc.
Thomas zog sich nach Ratibor zurück. Am 18. April 1287
verlangte Heinrich von Herzog Mesko, er solle dem Bischofe
nicht länger den Aufenthalt gewähren und zog mit
Heeresmacht gegen ihn. Um die Stadt nicht einer langen
Belagerung und Hungersnoth auszusetzen, begab sich der Bischof
im Ornate mit seinen Domherrn in das Lager des Herzogs,
der von der Ankunft benachrichtigt, ganz umgewandelt aus
seinem Zelte entgegeneilte und den Oberhirten ehrerbietig
empfing. Nach erfolgter Versöhnung begaben sich Beide
in die nahe Kirche, wo in längerer Besprechung Heinrich
die Streitpunkte fallen ließ und dem Bischofe Alles zurückgab,
was er ihm entrissen 1).
In Urkunden von 1313 und 1317 wird das Thor,
welches die Stadt im Nordwesten begrenzt, Nicolaithor, im
18. Jahrhundert auch Coseler Thor genannt.
-----
1) Ehedem stand mitten im Dorfe dicht an der mit dem
Dorfwege sich kreuzenden Leobschützer Landstraße eine Kapelle, welche
das Bild der Versöhnung aufbewahrte. Bild und Kapelle stürzten
noch vor dem Jahre 1780 ein und trat an deren Stelle eine
einfache, 21' hohe, viereckige Säule von Ziegeln oben durchbrochen.
In meiner Geschichte Ratibors ist zwar auf Grund eines im
Landrathsamte befindlichen Actenstückes über Denkmäler des Kreises
der 6. Januar als Versöhnungstag angenommen, aber jener Referent
der Königlichen Regierung hatte dieses Ereigniß mit einem ganz
anderen vom 6. Januar 1285 vorangegangenen verwechselt. Die
Versöhnung dürfte noch vor dem Herbst 1287 stattgefunden haben.
--- S.52/#67
Auf der Feldmark und im Dorfe gehörten einzelne
Parzellen den Geistlichen. Bei Uebersiedelung des Collegiatstifts
von der Burg in die Stadt 1416 waren dem Decan
unter anderen Bezügen ein Vierdung d. h. der vierte Theil
einer Mark Groschen, die damals über 11 Thaler Silberwerth
hatte, auf einem Garten bei der St. Nikolaikirche
und ein Bierdung auf einem Garten in Altendorf ausgesetzt.
Zu dem dereinstigen Witthum, welches Herzog Wenzel
seiner Gemahlin Margarethe 19. Januar 1445 verschrieb,
werden auch die Dörfer Altendorf, Breitegasse, Proschowitz,
Niedane, Neugarten etc. genannt.
Ritter Zbislav v. Tworkau verkaufte 21. August 1455
dem Canonicus Wenzel von Koltorowitz für 40 Mark
böhmische Groschen 8 Bauerstellen in Altendorf und eine
Wiese vor dem neuen Thore. 3 Mark Zinsen davon sollte
der genannte Altarist und seine Nachfolger zu einem Altare
in der Pfarrkirche zu unserer lieben Frauen erhalten. Am
8. März 1456 überwies Herzog Wenzel für 10
übernommene Mark dem Jungfrauenkloster eine Mark Zins
aus Altendorf, welchen der Schulz von den Unterthanen
einnehmen und jährlich dem Stift abliefern sollte. Die
geldbedürftige Herzogin Margareth lieh vom Collegiatstift
am 25. Juli 1457 eine Summe, für welche sie einen Zins
von 10 Mark auf Altendorf und Proschowitz anwies. Am
6. December 1470 wurde die große Marienbruderschaft zu
Ratibor mit 5 Gulden Angerzins in Altendorf bedacht.
Nach dem Aussterben der Herzoge wurde 1532 ein
Urbar von der Stadt uud den Kammergütern der
Schloßherrschaft angefertigt. Damals hatten die Bauern in Altendorf
vor der Coseler Vorstadt 34 3/4 Hufen; einige Besitzer
von Altendorf und Neugarten hatten auf dem Gut Ottitz
9 Hufen Grundstücke; die Mönche und der Kreuzherrnpropst
besaßen je einen großen Garten frei. Die Altendorfer entrichteten
ihrem Pfarrer an Zehnt von jeder Hufe 18 Groschen,
gaben auch Zehnt von drei zum St. Valentin Altare
gehörigen Hufen, das übrige dem Pfarrer zu Slawentzitz.
--- S.53/#68
Nach dem Abgange der Königin Isabella ' hielt
der Hauptmann des Fürsteuthums Georg von persdorff
Freiherr v0n Eich und Friedstein die Domäne auf Rechnung,
seit 1564 für eine geliehene Summe als Pfandgut ; 3 Jahr
später übernahm die Stadt den Pfandbesitz. Da sie aber
durch üble Wirthschach und Feuersbrunst in Schulden g~~h,
wurde mit den Gläubigern und Schuldnern ein Bergleich
dahin geschlossen, daß H~~nek Petrowitz Charwat v. Wiecze
auf Brzesnitz die Güter Altendorf, Neugarten, Proschowitz,
Vorwerk Niedane 2c. gegen Zahlung einer Pfandsumme auf
20 Jahre übernahm.
Nach dem Urbar von 1595 hatte das Kammergut
41 Bauern, welche 29~/~ Hufen hielten, ferner 5~/~ Frei=
hufcn, 14 Gärtner; sie zinsten an Geld fast 100 Thaler,
4 Malter 10's~ Scheffel Roggen, 12 Malter 4~ Scheffel
Hafer und 100 Hühuer. Kaiser Rudolf gab 18. October
1603 den Einwohnern des Dorfes ein Stück Landes, ~~~
genannt, zur Hutung für baar 500 Thaler und einen
Jahreszins von 60 Thalern. Bei dem Verkauf der Schloßherrschaft
1607 wurde Altendorf auf 7168 Thaler taxirt.
Im Jahre 1631 wurde die Schloßherrschaft Ratibor wieder
kaiserliches Kammergut und vom Oberregent Andreas v. Miscin
verwaltet. Die Unterthanen von Altendorf und Neugarten
beschwerten sich bei ihm wegen übermäßigen Roboten und
baten Juni 1637 dieselben auf das Maaß von 1562
wieder herabzusetzen ; die ~8~e1~ füi· welche sie wegen
Armut den Zins nicht aufbringen konnten, hatten sie 1630
wieder abgetreten und baten um r,.chmalige Einräumung
derselben, wofür sie jährlich 30 Thaler Zins zahlen wollten.
Im Jahre 1641 lag eine halbe Compagnie Reiter in
Altendorf einquartiert und wurden gerade die Kammergüter
am wenigsten geschont, welche gleichzeitig wöchentlich
Verpflegungsgelder an andere Orte aufbringen mußten. Bisher
hatte Altendorf 1600 Thaler zu Contributionen ausgegeben.
Nach dem Urbar von 1642 war auf dem herrschachlichen
Vorwerke eine Schäferei mit 550 Stück Schafen. Unter
--- S.54/#69
dem Schloßhauptmann Wolf Niclas Mettich wurden drei
Bauerstellen durch Austausch schlechter Aecker erworben und
davon ein neues Vorwerk geschaffen. Die Dominikaner
hatten 1636 um dasselbe gebeten. Am 11. Februar 1642
räumte ihnen der Kaiser das Wohnhaus, Scheune und die
umzäunten Gärten dieses neuen Vorwerks ein mit der
Bedingung, Steuern und Zinsen, welche die ehemaligen
Bauern entrichtet, zu geben. Die Sache verzog sich, weil
der Schloßhauptmanu Georg Iedziny erst die Berechnung
machen mußte. Die Dominikaner baten November d. I.
um Einweisung in den Besitz und Herabsetzung des Zinses.
Am 24. April d. I. schenkte die Bürgerin Catharina
Klimaschek mit C1nwilligung ihres Ehemannes Johann dem
Prior Cyprian Uterbowic ihren ererbten Garten, der am
Ende von ~lltendorf lag. Es war damals Brauch, daß
wenn ein Ort Liefergelder und Getreidereste nicht abführte,
sich ein Commissar einlegte und die Ausstände eintrieb.
Nun hatte sich aber Commissar Schröter in Altendorf, das
doch keine Reste vom M'~chaelistermin hatte, hier einlogirt.
Georg Graf Oppersdorff, für das Wohl seiner Unterthanen
besorgt, bat 15. Februar 1645 von dem Jagdhause Hammer=
Segenberg aus di~ Oberhauptmannschaft in Breslau den
Executionscommissar, der bisher weder auf den Landes~
hauptmann noch auf den Kriegscommissar gehö~·t und will=
kürlich am Orte geblieben war, zu entfernen und ihn ans
zuhalten, die Unkosten zu ersetzen. In Folge dessen erging
21. Februar ~n den Oberstkriegscommissar Ma~nilian von
Gersdorf der Befehl, den Schröter, der nicht in den Greuzen
seines Auftrages verblieben, zu versetzen.
Der Vicar der Dominikaner Alanus Sulik ver=
pachtete Neujahr 1692 den Garten 1~1~e3, nebst einem
Häuschen für 5 Thaler Zins. Das Gut Altendorf lag
in der Jndiction ') mit 661'/~ Thaler. Die Herrschaft
-----
~) Seit 1527 bestand eine Schatzungssteuer. Jeder Gutsherr
gab sein und seiner 11nterthanen Vermögen und Einkommen ge=
wissenhaft an. Die Summe nannte man Schatzung oder An=
--- S.55/#70
hatte nach den Befundtabellen vom Jahre 1725 Gärte mit
3's~ Scheffcl Aussaat ~), 350 Schafe, 28 geringe Kühe,
5 Schweine, säete zum Winter und Sommer aus je 10'/,
Malter. Im Kretscham wurden ~usgcschänkt 74 Achtel
(4 200 Quart) Bier, ein Eimer (4 80 Quart) Branntwein.
Die 11nterthanen des Dorfes lagen in der Indiction mit
1372 Thalern, hatten 50 Gärtchen zusammen von einem
Malter 9'/, Scheffel Aussaat im Herbst und Frühjahr,
hielten 170 Schafe, 75 mittlere, 11 geringere Kühe,
31Zuchtschweine, säeten aus Herbst und Frühjahr je 37 Malter.
Orts=Schulze war Mathes Gatzka, außerdem waren 7 Groß ,
17 andere Bauern, 10 Robotgärtner, 4 Häusler. Freigüter
besaßen von Zmeskal, von Burska, Türtztus, von Hoschek
und Dr. Simon Michalski. Der Dechant besaß im Alten=
dorfer Felde ~ Hu~~n Acker in 3 Feldern und |:ine Scheuer.
Wilhelm von Angelis, Decan bei der Collegiatkirche, ver.
pachtete 6. Iuli 1729 diese Grundstücke den Bürgern
Johann Iäkel und Marttn Waczlawik auf 6 Jahr für 80
(nach 3 Jahren für 86) Gulden rheinisc, 2 Viertel Erbsen
und 2 Schock Stroh; der Pfarrer in Altendorf erhielt von
diesem Acker an Missalien je 2 Scheffel großes Maaß
Roggen und Hafer. Diese zur Dechantei gehörigen Aecker,
welche 38'/. Scheffel Aussaat betrugen, ka1~ mit den
übrigen geistlichen Besitzungen bei der Säcularisation an
die Schloßherrschach.
-----
sage (i~1(1i0ti0). Wurde nun eine Steuer ausgeschrieben, so gab die
111di~ti.0 den Maaßstab an, wie viel ein Jeder 1~r0 mi11~ beizutragen
hatte~ Unter Kaiser Carl ~~o beabsichtigte man~ die Sä)atzungs=
steuer in eine feste Grundsteuer zu verwandeln~ Jeder mußte seme
steuerbaren Realitäten genau angeben, was dann revidirt wurde.
Das Fürstenthum Ratibor allein umfaßt 15 Folianten und verdanken
wir die Kenntniß des damaligen Besitzstandes sowohl der
Dominien als der Unterthanen dieser hochwichtigen Quelle. Die
Angabe von Pferden, Ochsen und Federvieh war ausgeschlossen,
weil diese in der Wi~~hschach verbraucht werden. Merkwürdig ist
die geringe Anzahl von Schwarzvieh.
-----
1) Man rechnete die Flächen uicht nach Morgenzahl, sondern
nach der Aussaat und betrug der große Scheffel 2 Morgen. Es
wurde auch nicht das ganze Feld bestellt, sondern ein großer Theil
zur Brach gelassen.
--- S.56/#71
In den Freiheitskriegen fiel im 9. Husaren=Regiment
Jacob Pirnitzka bei Dresden und Jacob Pielka im 1. Schle=
sis,~:en Husaren=Regiment blieb bei Meaux auf dem Felde
der Ehr~. Bom Jahre 1870 ab wurde der größte Theil
des .~ominialgrundbesitzes in Altendorf parzellenweise verkauch.
Das noch bestehende Rittergut Altendorf umfaßt nach Hcctaren
gerechnet 113,88 Acker und Gärten, 1,47 Hutung, 0,92 Wald,
0,17 11nland (im Gan~n 116,44 Hectar).
Vorwerke und Freigüter in Altendorf.
Ehemals bestanden hier außer dem bereits genannten
herrschaftlichen )rwerke ~nehrere andere, die jedoch allmälig
von der Schloßherrschast angekauft und schließlich di~nembrirt
wurden. Schon im Urbar von 1532 sind zwei derselben
erwähnt. Anna, die Wittwe de~ Kanzler Wyskota v. Wodnik,
hatte 2% Freihufen und Nicolaus Klema ,,Koczur" auf
Sudol besaß einen Freihof von 2 Hufen. Durch
Verheirathung gelangte derselbe an die Familien Reiswitz und
Gaschin. Stanislaus Reiswitz ~nachte 1586 ein Leibgeding
seiner Gattin Anna Tochter des zu Pawlau gestorbenen
Sebastian von Stoltz auf sein bei dem Jungfrauenkloster
gelegenes Freihaus, auf das Vorwerk in Altendorf und halb
Sudol mit den Bauern in Studziena auch auf die Mühle
in Janowitz. Das Vorwerk Pieklo (Ort hinter dem Ofen)
(1im~Uti~ auch Piekelko genannt, verkauchen mit dem Frei=
hause in Ratibor nebst einhalb Sudol 19. März 1682 die
Geschwister Grafen Gaschin an Gotfried Bernard Schalscha
von Ehrenfeld auf Silberkopf. Es gelangte [äter in den
Besitz des Johann Rudolf Kolbe, der es steuerfrei genoß
und 1726 dem Carl Friedrich von Rogoiski und dieser
1747 für 1000 Gulden dem Felix Graf Sobeck verkauche.
Ein anderes v.Schalschasches robotfreies Vorwerk erbte
Carl Josef von Wiplar von seiner Schwe|'ter und verkauche
es 25. Juni 1738 für 2212 Gulden dem Carl Graf Sobeck.
Das Stadnitzer Vorwerk: Feliciana von Tiessowitz
geb. S· ldnitz, verkauche 1630 ein Vorwerk in Altendorf
~in Haus in der Stadt dem Landrichter Johann
--- S.57/#72
von Kozlowski. Später erwarb es Johanna von Prazma
geb. von Gusnar. Johann Moritz Maximilian Graf
Praschma veräußerte das von der Mutter geerbte Gut mit
Gebäude, Garten und einem Häu~ zu Proschowitz, Sohrau
6. Mai 1658 für 700 Thaler der Jsolde Gräfin Praschma
geb. Gräfin Oppersdorff auf Rybnik und Schwirklan.
Nach dem Tode des Johann Bernard Graf Praschma kaufte
es 28. Juni 1688 Andreas Franz Jacobcci ~) von den
Commissarien für 1000 Thaler, da keiner ~ is dem Adel
mehr geben wollte, während de~~ Ratibor gehaltenen Land=
~·o~·hts 20. November b,stätiqt und in der Oppler Kanzlei
....~getragen 22. Juli 1689. 1690 erwarb es Joha~n Carl
von Cebulka; 1693 für 1259 Thaler Johann Georg
Ossi~~ski von Zitna. Er erhielt Wien 11. December 1693
von Kaiser Leopold einen Majestätsbrief mit dem Gute
frei schalten zu dürfen und 1708 (bestätigt 17. Januar 1714)
kaufte es Anna Therese geb. von Salisch, Gattin des Friedrich
Wenzel von Tiessowitz für 1660 Thaler. Nach den Befund=
tabellen war dies Vorwerk · ohne Schatzuug und öffentliche
Abgaben. Bei demselben war ein Obstgarten von 2 und
ein Säegarten von 4 Scheffeln. Obgleich der Besitzer Carl
Heinrich von Larisch das Brauurbar hatte, wurde doch weder
Bier noch Branntwein ausgeschänkt. Er hielt 100 Schafe,
6 Kühe, cin Schwein und betrug die Fcldaussaat je 2~/~
Malter. Ein zum Vorwerk gehöriger Dreschgärtner und
ein Häusler hielten 2 Kühe und säeten je ~/~ Scheffel au~
Der Besitzer des Vorwerks hatte freie Einfuhr in den
Schloß=Ratiborer Forsten. Am 25. November 1726 überließ
es Carl Heinrich von Larisch dem Schloßbesitzer Carl Heinrich
Graf Sobeck für 1840 Thaler resp. 2300 Gulden. Die
Bestätigung erfolgte erst 9. October 1747, nachdem die
Steuerreste vollständig entrichtct waren.
Da~ Kechendorf'sche Vorwerk. Paul Kiczka von
Plußnitz verkaufte 1611 für 1400 Thaler den Freihof
zwischen Hansel Kowarz und dem Hofe des Bürger Valentin
-----
1) Di~ ~Ia~.oveci war 1682 in Zyrawa,
--- S.58/#73
Fukaz dcm Balzar Kechendorf von Jendrzejkowitz. Letzterer
lieh 24. Februar 1632 vom Dominikaner=Convent 125 Thlr.
und zahlte 7's~ Thaler Jnteresscn. Balthasar war noch
1636 Besitzer. Aber auch Paul Kiczka wird bis 1631 auf
einem Freihofe zu Altendorf erwähnt. October 1630 kauche
er a11f Kreuz=Propsteigrund in Altendorf von Bartholomäus
Ludwig Reiswi+~ von Kandrzin auf Schammerwitz eine
Freihufe Acker ff1r 200 Thaler, wofür er dem Stift 2 Thaler
jährlich Grundz~11s zu zahlen hatte. 1659 besaß es Dorothea
von Holy geb. von Schipp. 1828 ist Obst als Pächter des
Kechend|~rfschen Vorwerks im K1rchenbuch genannt.
Das Kornitzer Vorwerk, von welchem der Kirche in
Altendorf jährlich ein Pfund Wachs und dem dortigen Hospital
ein halbes Kalb zu entrichten war, gehörte 1725 dem
Gotlieb Freiherrn von Trach; er konnte auf 5 Felder jährlich
4 Malter 2 Scheffel aussäen; die zwei Freien ~ ~hes
Murdin in Branek ein Scheffel, Blazek Polok in Neugarten
3 Schcffel; beide schänkten jährlich je ~/~ Eimer Branntwein
aus und hielten je 2 Stück Kühe. Die Gattin Helene
Freiin von Trach geb. Gräfin ~beck verkaufte es 17ten
October 1745 ihrem Bruder dem Schloßbesitzer Feli~ für
2700 Gulden.
Das Twardawasche Vorwerk. Der Amtsassessor
Franz von Twardawa starb 11. Jul~ 1711. Leg1pold
von Twardawa verehelichte sich 22. September 1733 mit
Anna Barbara Lyk.
Das von Holy'sche Höfel war 1740 im Besitz des
Karl von Holy.
Franz Josef von Hoschek, Justizrath des Ratiborer
Kreises, besaß gleichfalls ein freies Vorwerk. Nach dem
Tode der ersten Gattin von Eiselberg, mit der er vier
Kinder crzeu.~ Carl, Ferdinand, Iosefa, Franziska, verkaufte
er das Gut 29. Mai 1757 der Schloßherrschaft, weil er
inzwischen ~ ubowitz erworben.
--- S.59/#74
Dic Besitzer sämmtlicher Vorwerke lebten vor Mitte
des 18. ~~hrhunderts meist in dürftigen Berhältnissen und
konnten auf den kleinen Gütern nicht fortkommen. Es war
daher ein schöner Zug des Herzens, daß Maxi~iliana
von Fragstein, welche im Jungfrauenkloster als Pe11sionärin
lebte, im Testamente am 6. Februar 1751 außer mehreren
Meßfundationen auch die ,,arme Adelschaft ~a Altendorf
bedacht, und Eva von Fragstein, Franziska von Burzinska,
Maria von Rogoiska, Fräulein Dorothea 1md Mariane von
Twardawa t ·1t Legaten erfreute.
Das Dorf hatte 1784 bei 299 Einwohnern 33 Bauern,
16 Gärtner, 15 Häusler, 1819: 30 Bauern, 15 Gärtner,
'70 Häusler, 706 Seelen; 1844: in 196 Häusern 1767
Einwohner, darunter 40 evangelische, 28 jüdische; 1855
schon 2175 Einwohner, darunter 32 evangelische, 45 jüdische,
1861 in Summa 2622; 1883 in 275 Hausern 3260
Einwohner, welche 121 Pferde, 343 Stück R~~~ 167
Stück Schwarzvieh, 52 Ziegen, 34 Bienenstöcke halten.
"
Brunek
auch Brunken, Bronken, Branek ehemals genannt, ist die
bis an die Psinnabrücke reichende Vorstadt; das Wort ist
abzuleiten von branka das Pförtchen, nämlich das kleine
Thor vor dem nordwestlichen Eingange in die Stadt. So
ist nördlich von Grätz das Gebirgsdorf Branka ein Andenken
an die Heerstraße, welche dort das kleine Thor bewehrte,
um an die Opa zu gelangen. Im böhmischen Gebirge
giebt es mehrere Grenzorte gleicher Abstammung.
Ursprünglich hieß der Ort, durch welchen die nach
Cosel führende Landstraße ging, die breite Gasse. Am
24. Juni 1331 bekundeten die Rathmänner und Schöffen
zu Ratibor, daß der reiche Theodor Schuster einen Garten
in der breiten Straße dem Jungfrauenstifte als Mitgabe
seiner Tochter Christine geschenkt. In dem Testamente
der Prinzessin Eufemia 8. December 1358 wird ein Zins
von ein Schock Groschen aus den Häusern auf der breiten
Gasse und am Walle genannt, welcher später dem Kloster zufiel.
--- S.60/#75
Der Ort bestand aus 3 Antheilen, von denen einer
der Stadt, der andere (Jungfernhof) dem Jungfrauenkloster
und der dritte zur Schloßherrschaft gehörte. Auf den ersten
Antheil scheint sich der Erbzins von 7 Thalern 2 Groschen
4 Heller zu beziehen, den die städtische Kämmerei 1587
aus Altendorf bezog. Der Klosterhof lag in der Indiction
mit 1992 Thalern. Drei Gärten, einschließlich des Rechendorffschen,
waren auf 8 Scheffel Aussaat berechnet, die zum
Vorwerk gehörigen Dreschgärtner hatten zusammen 14 Gärten
mit 8 1/2 Scheffel. Außer dem Vorwerk standen auf dem
Klostergrunde 14 Häuschen, Scheunen, Wohnungen der
Beamten. 10 Häusler hatten das Recht, Branntwein zu
brennen und auszuschänken, die Consumption betrug 48 Eimer.
Die Häusler hatten 7 Kühe. Im Kretscham wurden 156
Achtel Bier ausgeschänkt. Die Schäferei war in Ottitz und
standen dort 300 Stück Schafe, 20 Kühe, 5 Schweine. Zur
Ackerbestellung wurden auf dem Vorwerk auch Pferde gehalten.
Die Aussaat betrug im Herbst und Frühling je 12 2/3 Malter.
Eine Mühle mit einem Rade vom Rudniker Wasser gespeist,
stand an der Grenze zwischen Rudnik und Niedane und zinste
10 Thaler. Zwei Mühlen lieferten an Metzgetreide 72
Scheffel und baar 22 Thaler. Der Niedaner Müller und
14 Häusler hielten 20 Kühe, ein Schwein; er und zwei
Häusler säeten je 1 1/2 Scheffel aus. Später durfte das Kloster
dort nur zum Hausgebrauch, für die Beamten und das
Gesinde brauen. Am 10. December 1746 erhielten sie ein Verbot,
Bier vereinzelt auszuschänken. Noch heut besteht daselbst eine
Brauerei, welche Füllbier nach der Säcularisation und Einführung
der Gewerbefreiheit erwarb und seit 1866 Gustav Kaul besitzt.
Im dritten Antheile hatte die Herrschaft keine steuerbaren
Realitäten. Die Indiction der Unterthanen betrug
15 Thlr. Sie hielten im Jahre 1725 15 Kühe, 3 Schweine.
Der Kretschmer Johann Störtz hielt nur eine Kuh. Scholz
war Mathes Gornik.
Außer dem Vorwerke des Klosters befanden sich in
Brunken noch einige:
--- S.61/#76
Das BRAUCHWITZ'sche Vorwerk, ein Rittersitz seit 1526,
ehemals Krumpitzhof genannt, vom Klosteramtmann Nicolaus
Brauchwitz 1573 erworben. Die Indiction des Brauchwitz'schen
Hofes betrug 200 Thaler.
Die Erben Susanna Jurgowitz geb. Czamor und ihr
Sohn Peter Ferdinand verkauften 26. Juli 1661 eine halbe
Hufe Acker in drei Feldern und eine Naplatkehufe für
140 Thaler dem Rathsherrn Paul Foltek 1). Von ihm
erwarb das Gut Christian Marcian Burzinski v. Burzin.
Es waren daselbst auch 3 Gärten, auf 7 Scheffel Aussaat
berechnet und wurden 6 Kühe und ein Schwein gehalten;
die zum Vorwerk gehörigen drei Häusler hielten 3 geringe
Kühe. Das Areal betrug nach der Winter- und Sommeraussaat
je 2 Malter 9 Scheffel. Wegen Armuth vermiethete
der Besitzer das Feld und bezog nur die dritte Garbe.
Er starb im Alter von 64 Jahren am 29. April 1724.
Die Wittwe Maria Veronica von Burzinski verkaufte das
Vorwerk 16. November 1726 für 1000 Thaler an Carl
Heinrich Graf Sobeck auf Schloß Ratibor.
Das Rittergut Klaiowitz, dessen Gasthof den Namen
Krebs (rak) führte. Donat Claj war mit einer Judith
vermählt und besaß in der großen Vorstadt ein freies
rittermäßiges Vorwerk mit Acker, Haus, Hofgebäuden und Kretscham.
Kaiser Matthias hatte 1611 und später Königin Ludovica
Privilegien ertheilt. Im Jahre 1724 hatte es Wittwe
Agnes Candida Claj. Außer zwei Gärten von 2 1/4 Scheffel
Aussaat betrug das Feld zur Winter- und Sommeraussaat
je 20 1/2 Scheffel und wurden 4 Kühe ein Schwein gehalten.
Ausgeschänkt wurden jährlich ein Achtel Bier zwei Eimer
Branntwein. Franz Zmeskal von Domanowitz, verehelicht
mit Josefa von Kloch, verkaufte 25. September 1761 dem
Neffen Johann Anton Tluk von Toschowitz und dessen
Gattin Maria Josefa geb. Brix von Montzel für 2600
Thaler das Clajsche Vorwerk. Am 19. Mai 1767 erwarb
---
1) Landbücher 454
--- S.62/#77
es Gotlieb Gusnar von Komorno für 5700 Gulden und
10 Ducaten Schlüsselgeld. Er starb 20. September 1787.
Dessen Erben veräußerten es für 11,500 Floren dem Carl
Jaroschek aus Beuthen. Bei der Uebergabe wurden die
alten Privilegien und Käufe, auch die evincirte Urbar- und
Schankgerechtigkeit beweisenden oberamtlichen Sentenzen dem
Käufer überreicht.
Nach dem Tode des Jaroschek erstand das Vorwerk
in der Subhastation 10. Juli 1811 für 6100 Thaler
Realmünze und 1000 Thaler Pfandbriefe Franz Kranzfeldner
und starb 11. April 1829. In der bald darauf
folgenden Subhastation erwarb das Gut Jacob Hausmann
aus Brunek für 5970 Thaler und veräußerte es für 7750
Thaler am 9. Mai 1833 an Johann Gotlieb Ender.
Letzterer überließ es 21. Januar 1846 für 7600 Thaler dem
Sohne Eduard, worauf es dismembrirt wurde.
Die katholischen Bewohner Brunkens wurden 1860
zur Stadt eingepfarrt.
Das Franciskanerkloster.
Kaiser Leopold hatte 17. April 1686 den Franciskanern
der böhmischen Provinz gestattet, sich in Ratibor
niederzulassen. Sie erkauften am 24. August d. J. zur
Erbauung des Klosters und der Kirche einen Garten in
der Großen Vorstadt für 1000 Thaler und hatte der
Ordensprovinzial Bernard Sannig zum Ankauf des Platzes 971
Gulden geschenkt. Der Grundstein zum Kloster wurde
1. Mai 1689 durch den Abt Josef Franz Herink aus
Rauden gelegt und das Gebäude 1692 vollendet. Inzwischen
war eine hölzerne Kapelle errichtet worden. Zur Kirche
legte den Grundstein am 6. October 1697 Abt Bernhard
Lorenz Czernek und Weihbischof Johann Jacob Brunetti
consecrirte das Hochaltar 24. Juli 1699. Im Jahre 1788
legte das Kloster ein Brauhaus an.
Nach Aufhebung der geistlichen Stifte wohnte die
Säcularisationscommission im Kloster. Das Gebäude diente
1813 als Lazareth, dann als Magazin, von 1819-1823
--- S.63/#78
als Gymnasium; später wieder als Lazareth, endlich wurde
das Zeughaus eingerichtet und die herrliche 1707 consecrirte
Kirche abgetragen. Den Klostergarten von 3 Morgen
160 Quadrat-Ruthen erkaufte die Commune Ratibor 23. November
1844 für 1125 Thaler vom Fiscus und verlegte dahin
den Viehmarkt.
Die Psinnamühle
Am 14. Februar 1317 schenkte Herzog Lestko eine
Mühle mit 3 Gängen bei der St. Nicolaikirche dem
Kreuzherrnstifte in Ratibor und befreite sie von allen Abgaben;
nur sollten sie dem Altendorfer Pfarrer 3 Mark jährlich
weiter entrichten. Später tauschte die Schlossherrschaft diese
Mühle gegen Naturalabgaben ein.
Nach dem Urabr von 1532 und 1567 hatte die
Psinnamühle 5 Gänge, das 6. war ein Stampfrad. Der
Müller hatte den dritten Theil der Nutzung und gewann
die Herrschaft jährlich 13 Malter Getreide. Außerdem
mußte er 10 Stück Schwarzvieh in Mast nehmen und 4
Kapauner als Zins entrcihten. Die Müllerin Sofie
verkaufte 1573 dem Nicolaus Brauchicz, Amtmann des Nonnenklosters,
das Vorwerk Krumpitzhof hinter der Psinnamühle,
worauf ein Freibrief von Herzog Hans von Oppeln 1526
gegeben war.
Das Jungfrauenkloster hatte 1581 im Jungfrauenhofe
vor der Stadt zu seinem und der Vorwerke Bedarf mit
kaiserlicher Erlaubniß ein Mühlchen errichtet, das die
Psinnamühle an Wasserzufuhr zu beeinträchtigen schien. Es wurde
daher schon 1606 ein Vertrag geschlossen, das Mühlchen
abzubrechen und dafür das 6. Rad der neuerbauten Psinnamühle
zu benutzen, was aber erst 1639 zur Ausführung kam. Im
Urbar von 1607 ist die Psinnamühle auf 2977 Thaler
taxirt. Am 24. Juli 1688 verpfändete sie Franz Eusebius
Graf Oppersdorff für 500 Thaler. Später ward sie
verkauft. Da aber die Besitzer die Kaufgelder und Zinsen
schuldig blieben, wurde die Mühle sequestriert und dann
subhastirt. Am 24. April 1704 erwarb sie Mathes Schlesiger
--- S.64/#79
nebst dem dritten Theil der Nutzungen, dem Gärtchen, dem
bei der Oder liegenden halben Stück Acker "Pasieka" von
1 1/2 Scheffel Aussaat und einer Wiese unter dem
Eichwäldchen Botzinietz für 1200 Thaler in Ratenzahlungen.
Die Mühlsteine konnte er aus dem Steinbruch in Radoschau
holen, von wo das Dominium über 15 Stück jährlich zu
disponiren hatte. Nach den Befundtabellen von 1725
gehörte das sechste Rad noch den geistlichen Jungfrauen, und
wurde mit demselben das Mehl für das Kloster, die
Stiftsbeamten, das Vorwerksgesinde, ferner Malz und Gemenge
zur Mast gemahlen.
Der Psinnamüller Thomas Lauster schloß sich am
2. Januar 1790 der städtischen Bäckerinnung an.
Die auf 6 Gängen betriebene in der Vorstadt Nr. 23
gelegene Mühle erkaufte Neujahr 1843 Josef Doms von
dem Vorbesitzer Josef Przyszkowski, Vater unseres
bestrenommirten Wein-Großhändlers Felix Przyszkowski in
Ratibor, dessen Ungar-Weine aus ganz Deutschland begehrt
werden. Doms construirte die Mühle im nächsten Jahre
nach amerikanischen Principien auf Bereitung von Dauermehl
und setzte sie November in Betrieb."
72 REISWITZ/Teschen
77-79 THOMICZEK und SOBECK
"Johann THOMICZEK, geboren 1736, ordinirt 1759,
1764 bis 1765 Kaplan in Guttentag, 1767 Kaplan in
Hammer, 23. Februar 1776 vom Weihbischof Moritz von
Strachwitz empfohlen, 18. März vom Minister v. Hoym
nominirt, wurde 1. Mai 1776 Pfarrer in Altendorf, hielt
11. Juni die erste Taufe; 1786 wurde der Glockenthurm
im Barokstyl neuerbaut. Carl von Manowski fundirte 500
Gulden auf Fürbitte und Geläut an Donnerstagen und
Freitagen. Für die Gruftstelle der Engelberta v. Por,ebska
12. December 1794 wurden 8 Thaler gezahlt. Das
Proventenbuch enthält über Häuser, welche der hiesigen
Kirche einen Zins entrichteten, weil sie auf geistlichem Grunde
standen, Folgendes: v. Burzinski giebt von dem hinter dem
Garten des Psinnamüllers bei dem Bauer Baron gelegenen
Hause 2 1/2 Thaler schlesisch; Anna Huptaska von dem hinter
dem Pfarrgarten gelegenen Hause, in welchem einst der
Kaplan gewohnt, 2 Thaler; Helene Kostka von dem an der
größeren Kirchhofspforte zur rechten Hand gelegenen Hause
2 Thaler. Diese Häuschen sind nicht kirchliches Eigenthum,
sondern wurden mit bischöflicher Genehmigung verkauft und
stehen auf Kirchengrund. Die Erwerbung fand also statt:
v. Burzinski kaufte 25. März 1730 und behielt sich Carl
Heinrich Graf Sobek die Jurisdiktion vor: Jacob Hupta
kaufte 1. Mai 1734 vom Pfarrer Klentzka und verkaufte
Simon Huptas 26. August 1787 dies Haus dem Simon
Malina; beide Käufe wurden vom bischöflichen Commissar
bestätigt. Der Kauf des dritten Hauses am 5. Februar
1766 von Anna Kostka an Johann Foltin wurde vom
Erzpriester Petricius bestätigt, der letzte Erwerb durch
Franz Kieba 13. Februar 1788 ist blos mit Zuziehung
des Pfarrers Thomiczek abgeschlossen worden. Der Pfarrer
starb 11. März 1795 und hatte 24. August auf heilige
Messen 200 Thaler fundirt. Unter ihm fungirten als Kapläne:
Franz MATUSSCZYK (MATUSCHEK) Kaplan in Tworkau
1774, dann in Altendorf von December 1776 bis Februar
1779; Pfarrer in Wieschowa, November 1805 Administrator
--- S.78
in Schmitsch, starb 10. Januar 1816 zu Marklowitz plötzlich
am Schlage.
Franz URBANI hier November 1780 bis Mai 1784.
Georg RONNERT, geboren Slawikau, erhielt 17. December
1785 die /minores/, das Subdiaconat 18. April 1786 auf
den Tischtitel der Josefa Gräfin Oppersdorff für Stiebendorf,
ordinirt 23. September 1786, dann 1787 hier angestellt bis
Juli 1788, kam Juli 1788 nach Grzendzin, später nach Lubowitz,
1793 Kaplan in Kostenthal, 1802 Fundatist in Stanisch, von
wo er alterschwach Juni 1806 abging, inzwischen 1805
Administrator in Lubom, Juli d. J. Administrator in Altzülz.
Bartholomäus KRUCZEK, geboren Ostrog, studirte in
Rauden von 1776 ab, erhielt 10. Juni 1786 die niederen
Weihen, auf den Tischtitel des Jungfrauenklosters über
Gaschowitz am 22. September 1787 das Subdiaconat, nachdem
er, erst 22 Jahre alt, am 30. April ins Alumnat getreten
war, 16. Februar des nächsten Jahres die Priesterweihe, taufte
als Neopresbyter am April und fungirte hier als Kaplan
weiter vom 18. August bis Februar 1790, ging dann nach
Guttentag, war von Februar bis 8. October 1791 Kaplan
in Kostenthal, 1794 in Deutsch-Mülmen, 1800 Pfarrer
in Autischkau, von wo er 14. Juni 1813 als Commendar
nach Woinowitz versetzt, am 21. Mai 1829 starb.
Carl DRONKE, geboren 29. October 1766 in
Slawentzitz, Sohn eines Garnbleichers, erhielt 7. März 1789
die niederen Weihen, am 6. Juni das Subdiaconat auf
den Tischtitel des Fürst Hohenlohe-Ingelfingen für alle Güter,
die Ordination am 19. December d. J. mit Dispense von
10 Monaten 13 Tagen, wurde 1. Februar 1790 als Kaplan
hier angestellt und blieb bis 21. September 1796,
administrierte inzwischen 1794 die Pfarrei, wurde October
1796 Vicar in Ratibor, vom 19. Juli 1801 bis April
1802 nochmals Administrator in Altendorf, wurde
Hofkaplan und Ceremoniar bei dem Weihbischof v. Schimonski,
kehrte aber nach Jahresfrist zu seinem Benefiz in Ratibor
zurück, war 1806-1811 Sacellan in Ostrog, wurde am
--- S.79
15. October 1811 als Pfarrer von Tost investirt und
starb dort als emeritirter Erzpriester, Schulen-Inspector,
Jubilar und Senior der Diöcese 22. Mai 1855.
Um die erledigte Pfarrei Altendorf, die als bedeutend
galt, obgleich sie keine Widmuth, sondern nur etwas
Fundationsacker hat, bewarben sich der dortige Kaplan Carl
Dronke, der Erzpriester Seypold aus Polnisch-Krawarn,
der Pfarrer Anton Jauernik aus Slawikau, der Fundatist
Johann Frentzel in Hammer, der Vicar Johann Zolondek
in Ratibor, der Kaplan Johann Wodarz in Cosel vom
Commandant Generalmajor von Otto empfohlen, der Kaplan
Georg Ronnert zu Kostenthal und Kaplan Bartholomäus
Kruczek in Deutsch-Mülmen. Frenzel motivirte seine Bitte
mit der bisher üblichen Praxis, daß bei Vacanz einer Pfarrstelle
unter dem Patronat der Ratiborer Schloßherrschaft
der Lokalkaplan von Hammer stets berücksichtigt worden.
Sogar der Pfarrer von Branitz, Johann Hornig, der vor
1782 aus dem Cistercienserorden in Rauden ausgetreten,
bat den Minister um Verleihung der hiesigen Pfründe.
Aber keiner der genannten Bewerber erhielt das Benefiz,
sondern der Minister von Schlesien Georg Carl Heinrich
Graf von Hoym meldete 24. April 1795 der Breslauer
Kammer, daß er diese beträchtliche Pfarrei, die einen
geschickten und sehr gut gesinnten Geistlichen benöthige, dem
Weirich verliehen."
83 Altendorf, Kapläne unter Pfarrer Anton Wilhelm JAUERNIK
"Valentin WISKONI, geboren Sudol 1789, Präparand
in Rauden, ordinirt 6. Januar 1813, hier Februar 1814
bis 7. Mai 1819, dann Kaplan in Lohnau, September
Administrator in Pawlowitz, wurde 1820 Pfarrer in Rudnik
und starb 19. März 1866."
88 Altendorf, Seelsorger
"Im Jahre 1860 wurden Brunken und Neugarten
von dem Pfarrbezirk Altendorf abgezweigt und der Stadtparochie
einverleibt. Da der innere Raum der auf dem
Felde stehenden Matka Bo.za Kirche so beschränkt ist, daß
Hunderte von Menschen außerhalb ihre Andacht verrichten
und der Geistliche kaum im Stande ist, in der Sacristei
die Amtskleidung zu wechseln, so haben die Jacob und
Franciska Gurkschen Eheleute zu Studzienna gegen eine
Rente von 120 Thalern und Wohnung im Gebäude 5ten
Februar 1874 der Matka Bo.za Kirche 2400 Thaler zum
Aufbau eines Hauses behufs Aufnahme der Geistlichen an
den Ablaßfesten geschenkt."
90 "Das Hospital zu Altendorf lag am großen Thore
und scheint eine Stiftung der Gutsherren von Kornitz zu
sein. Nikolaus Brawa´nski von Chobrzan auf Pawlau
vermachte testamentarisch 7. April 1659 dem Hospitale in
Altendorf 20 Thaler 1). Nach dem Visitationsberichte von
1679 waren in dem von Holz gebauten Spitale 6 Weiber;
Sorge für dieselben trug Anna Helena Baronin Reiswitz,
geb. von Moczelnitz, auf Bojanow, protestantische Wittwe
nach dem 23. Januar 1657 verstorbenen Heinrich Freiherrn
von Reiswitz auf Kornitz.
Die Hospitaliten, worunter auch Männer, werden bis
in den Anfang des 19. Jahrhunderts sehr oft als Taufzeugen
genannt, zuletzt 12. Mai 1805. Nachdem die Herrschaft
Kornitz zergliedert worden, nahm auch das Hospital
bald darauf ein Ende und ist das Andenken an dasselbe
unter den Zeitgenossen längst geschwunden. Später wurden
Hospitaliten aus der Stadt sehr oft gewählt in der Meinung,
wenn Pathen Arme sind, so werden die Kinder reich und
leben lange."
-------
1) Grundacten Pawlau v. I. Nr. IV.
115-116 Studzienna, 2. Teil (drei Bauerstellen), nach 1565:
"Nicolaus Wraninski
verkaufte seinen Antheil dem Sigismund Reiswitz auf Kornitz,
in welcher Familie das Gut verblieb, bis 16. Juli 1704
Ursula Marianne Freiin von Bayer geb. Freiin v. Reiswitz
es für 2700 Thaler schlesisch der Commune Ratibor verkaufte.
Letztere hatte bereits den größeren Antheil des Dorfes
erworben ...
Studzienna, 3. Teil (fürstlicher Antheil):
"Johann Klema (Koczur) von Elgot wurde von seinem
Bruder Nicolaus beerbt. Kaiser Ferdinand bestätigte ihm
13. Mai 1549 nicht nur den Pfandbesitz, sondern dehnte
ihn auch auf zwei Töchter desselben aus, von denen eine
Namens Anna in zweiter Ehe mit Sigismund Reiswitz
von Kandrzin, eine andere Namens Magdalena mit Nicolaus
Gaschinski von Gaschin auf Wrchles vermählt war.
Als Nicolaus von Klema auf Katscher 1557 gestorben
war, machte Ferdinand 12. November der Stadt auf Ihre
Bitte bereits das Versprechen, dies Pfandgut ihr nach dem
--- S.116
Abgange der beiden Töchter gegen 500 ungarische Goldgulden
zu überlassen, damit sie sich von dem durch Feuersbrunst
erlittenen Schaden erhole; aber sie mußte 26 Jahre
auf die Erfüllung der Hoffnung warten, denn die letzte
der Töchter Anna starb als betagte Witwe erst 1583 und
auch da fanden sich noch Hindernisse.
Der Schloßhauptmann Samuel Lessota von Steblau
und der Oberstzollbeamte von Schlesien und der Lausitz
Wenzel Eckher von Eckhofen sollten im August das Gut
dem Magistrat übergeben und wurden die Erben der Wittwe:
Stanislav von Reiswitz auf Kornitz, Hans von Reiswitz
auf Silberkopf und Nicolaus Gaschinski von Gaschin auf
Katscher aufgefordert dabei zu erscheinen. Aber Nicolaus
war zum Reichstage nach Wielun verreist und wurde auf
dem Wege nach Wrchles vor einem Kretscham durch den
Polen Bienicki 20. September erschossen. Seine Söhne
Hans und Melcher, sowie auch die Gebrüder Reiswitz
weigerten sich, bei den Terminen zu erscheinen und wollten
den Besitz, den ihre Ahnen mütterlicher Seits so lange
innegehabt, nicht abtreten, da die halbjährige Kündigung
nicht vorangegangen. Erst 16. Juli 1584 trat die Stadt
in den Besitz, nachdem ihr der Kaiser 12. November 1575
und 17. April 1583 den Antheil gegen Erlegung der 500
Goldgulden als Pfand auf 10 Jahre in Aussicht gestellt."
129-130 Colonie Ottitz
"Das schon 1294 genannte, westlich von Altendorf
gelegene Dorf, hat vier Antheile, von denen drei nach
Janowitz und einer nach Altendorf eingepfarrt sind. Der
Hauptantheil wurde 1629 vom Besitzer des Schlosses Ratibor
an Stanislaus Reiswitz von Kandrzin auf Kornitz verkauft
und gelangte in neuerer Zeit an Dr. Kuh, nach dessen Tode
an den königlichen Lieutenant Wuthe.
In Ober-Ottitz wurde 1829 eine Schule für den
Ort Schardzin, Mittel- und Nieder-Ottitz errichtet; Neu-ottitz,
1/8 Meile südlich von dem vorgenannten, ist ein
Vorwerk; Mittel-Ottitz, 1/8 Meile von dem ersteren abgelegen,
ist ein dem Herzog von Ratibor gehöriges Vorwerk und
--- S.130
Nieder-Ottitz ist eine Colonie desselben Herzogs. Letztre
beiden "Schloß Ottitz" genannt, wurden 1861 mit dem
Communalverbande von Altendorf vereinigt. Der Grundbesitz
dieses Pertinenzgutes beträgt an Hectaren 117,24 Acker,
0,93 Wiesen. Pächter ist Carl Heinrich Hans v. Zawadzki,
Hauptmann a.D. 1861 betrug die Zahl der Einwohner 63;
1883 schon 74."
131 Pawlau
"Johann
Stoltz nahm 1626 und 1629 Gelder gegen Schuldverschreibungen
auf; unter anderen lieh er auch von Anna
von Fragstein geb. von Stoltz, die auf dem Freihofe zu
Pawlau angesessen war, eine Summe; eine größere hatte
Jenem Nicolaus Brawanski von Chobrzan auf Zyttna
vorgestreckt. Zur Befriedigung der Gläubiger nach dem Tode
des Johann und Georg von Stoltz ordnete der Landeshauptmann
den Verkauf des Gutes an und erwarb dasselbe
August 1632 von Brawanski für 7200 Thaler, von welcher
Summe die Waisen nach der verstorbenen Wittwe Dorothea
von Stoltz einen Theil erhielten. Der Schloßbesitzer Freiherr
von Mettich hätte gern Pawlau erworben und hatte dem
Besitzer 20 mille vergeblich geboten."
133 Pawlau
"Maria Magdalena von Salisch, im Jungfrauenkloster sich
ausbildend, wurde in der Collegiatstiftskirche 28. Juli 1734
mit dem Wittwer Carl Wilhelm von Eicke copuliert und
waren ihr Bruder Heinrich auf Pawlau und Baron
Reiswitz junior auf Schammerwitz Trauzeugen."
135-136 Pawlau
"Thecla, Tochter des Karl von Harassowski, geboren
1768, hatte sich 18. Februar 1784 mit dem Hof- und
Justizrath Adam Bernard Kuska auf Chudow und nach
dessen am 12. Januar 1798 erfolgten Tode mit Lieutnant
Anton von Fragstein vermählt. Letzterer kaufte 1807 das
--- S.136
Rittergut Pawlau von Ernst von Sack für 35,000 Thaler
und verkaufte es 8. September 1809 an die Gattin. Dieselbe
setzte in ihrem Testamente October 1810 ihre aus
erster Ehe am 5. Januar 1791 geborene Tochter Amalie,
die bereits mit dem Hauptmann Johann von Fragstein zu
Rawitsch verehelicht war, für 41,000 Thaler als Erbin ein
und sollte der Gatte das Gut bis zu deren Majorennität
verwalten. Derselbe war Lieutenant bei der Ungarischen
Infanterie und am 2. October d. J. mit Amalie in Pawlau
copulirt worden. 28 Tage später starb deren Mutter
Thecla. Dominialpächter wurde Johann von Skrzissowski.
Amalie leistete 28. Februar 1817 aus Rawitsch des Vasalleneid
durch einen Bevollmächtigten."
138 Pawlau, Kirche
"Die Gattin des Naturalbesitzers des Gutes Lieutenant
Anton von Fragstein (Civilbesitzer war von Sack), Thecla
Caroline geb. von Harrassowska, welche 30. October 1810
im Alter von 41 Jahren gestorben, hatte testamentarisch
100 Gulden, die auf dem Gute haften, zu einer Messe und
Fürbitte am Sterbetage fundirt."
146 Parochie Benkowitz.
Benkowitz,
9 Kilometer südlich von Ratibor an der Zinna gelegen, von
welcher ein Arm, Psinna genannt, schon im 13. Jahrhundert
abgeleitet worden, der über Studzienna fließt und sich hinter
Ratibor in die Oder ergießt, während die Zinna noch auf
Benkowitzer Grund in den Fluß mündet. Der Ortsname
stammt vom mährischen Personennamen Benco (dreisilbig
Biënko ausgesprochen) = Benedict und wurde erst kurz
vor Ende des 17. Jahrhunderts von Deutschen in B nkowitz
zusammengezogen.
Unter den Zeugen einer in Ratibor am 4. April 1283
ausgestellten Urkunde des Klosters Rauden wird an letzter
Stelle der Zeugen Graf Jenscho (Jescho) von Benkowitz
genannt. In einer späteren Urkunde treten Söhne und
Verwandte des Jescho, nämlich Zygota und Georg, Arnold
und Benco, sämmtlich als Erbherren des Dorfes auf. Am
11. Juni 1313 nämlich verkaufte Zygota dem Swoysko
von Zauditz sein väterliches Erbtheil: den dritten Theil des
Dominiums im Dorfe und auf den Feldern, Wiesen, in
Wäldern und Teichen mit Ausnahme der großen Wiese, die
dem Herzoge verpflichtet ist und derjenigen Aecker, die den
Unterthanen gehören.
Das Kloster der Dominikanerinnen zu Ratibor, welches
zur besseren Dotation mehrere Güter in der Umgegend
erwarb, gelangte durch Schenkung und Kauf auch in den
Besitz von Benkowitz. Zunächst verkaufte Peter, Erbherr
dieses Dorfes, herzoglicher Kaplan, Canonicus des Collegiatstiftes
auf dem Schloß und Pfarrer von Rybnik mit
Einwilligung seiner Verwandten Benko, Nicolaus genannt
Tursecz und Herbord genannt Coberna, seiner Nichte Veronika
im Jungfrauenstifte 29. September 1334 eine Hufe und
Bischof Nanker verlieh am selben Tage bei der Consecration
der Ratiborer Stiftskirche die Feldzehnten von Benkowitz
und von drei andern Dörfern dem Kloster. Damals scheint
--- S.147/#162
der Ort auch Berendorf genannt worden zu sein, denn der
Canonicus nennt sich also auf dem Siegel, bemerkt aber
zugleich, daß dies Dorf gewöhnlich Benkowitz heiße.
Am 2. Februar 1343 verkaufte Herzog Nicolaus
demselben Stift sein Oberrecht und 20 1/2 Zinshufen in
Benkowitz für 200 Mark Groschen. Den letzten Antheil
erwarben die Nonnen 8 Jahre später von den Gebrüdern
Benco, Turez und Cobern.
Am 25. Juli 1540 veräußerte das Stift seinem
Kretschmer Stanislav Baron zu Benkowitz eine hinter der
Zinnabrücke gelegene Wiese,Okrulica(Rundebene) genannt,
für einen jährlichen Zins von 1 Gulden und 5 Hammeln.
Herzog Johann der Jüngere befreite 1479 dem arbeitssamen
Manne Jan Chrzon seinen Acker zu Benkowitz, über
welchen er ein Document von dem Kloster hatte, von allen
herzoglichen Diensten, von den zwei Vierteln Hafer, die er
von dem Acker gezinst und von anderen Abgaben. Derselbe
Herzog schenkte 18. Februar 1493 kurz vor dem Tode zu
seinem Seelenheile unter anderen Stiftungen all sein Recht
an Benkowitz, Zawade und Elgot, so daß die Einwohner
dieser Dörfer frei sein sollen von allen fürstlichen Abgaben,
die nunmehr dem Kloster zu leisten waren.
1498 war Stanislaus von Benkowitz Canonicus in
Ratibor.
Im Jahre 1541 wurde ein Vergleich zwischen den
Dominien Benkowitz und Tworkau geschlossen, zufolge dessen
letzteres durch des Ersteren Grund das Wasser in seinen
Teich für einen Jahreszins von 6 Thaler leiten konnte.
Die Priorin Anna Filusowna und der Convent
verkauften 23. Februar 1556 einen Garten in Benkowitz für
30 Gulden.
Jacob Zurski, Prior der Dominikaner, erwarb 1603
den Garbenzehnt von Bojanow und Benkowitz von der
Schloßherrschaft Ratibor, die damals mehrere Kammergüter
veräußerte.
--- S.148/#163
Nach den Bekenntniß- und Befundtabellen vom Jahre
1723 bis 1725 lag das Gut in der Indiction mit 1289
Thalern. Die Herrschaft hatte zwei Gärtchen von einem
Scheffel Aussaat; säete auf dem Felde je 7 1/6 Malter
zur Winterung und Sommerung aus, bezog von den zwei
Mühlen 144 Scheffel; das Brauurbar belief sich auf 291
Achtel Bier, 26 Eimer Branntwein. Der Wald enthielt
an hartem Holz 3 1/2 Stallung und wurde die Klafter unter
einem Floren verkauft. Auf dem Vorwerk standen 31 Kühe,
4 Schweine. Da das Dominium wenig Acker besaß, ein
namhafter Theil der Ueberschwemmung ausgesetzt war, der
Acker in vielen Theilen bestand, weder Viehtrieb noch Weide
existirte, konnten Schafe nicht gehalten werden.
Die Indiction der Unterthanen betrug 2000 Thaler.
Richter war Paul Galda; engesessen waren 48 Bauern,
6 Gärtner, 69 Häusler; sie hielten 425 Schafe, 158 mittlere
77 geringere Kühe, 52 Schweine, hatten 126 Gärtchen
von 2 1/2 Malter und säeten 68 2/3 Malter aus.
1735 standen die Bauern in Bezug ihrer Dienste
mit der Herrschaft im Proceß.
Nach einer Specification von 1769 bezog das
Jungfrauenstift aus Benkowitz an Grundzinsen in Geld 312
Thaler 13 Silbergroschen 1 Heller, 180 Stück Hühner,
im damaligen Werth von 12 Thalern, 15 Schock Eier,
im Werth von 3 Thalern, 62 Stück 6 Haspel Gespinnst,
im Werth von 12 Thalern 15 Silbergroschen, vom Vorwerk
Pacht 724 Thaler 25 Silbergroschen 6 Pfennige.
1776 war der ehemalige Pächter von Gaschowitz
Carl von Schweinichen Pächter des hiesigen Vorwerks;
dessen Familienwappen: in Roth ein springender silberner
Eber mit hervorstehendem Zahn ziert noch die Patronatsbank.
Im Jahre 1788 oder bald darauf wurden die
Waldungen durch den Feldmesser Tieltsch aufgenommen und
durch drei sachverständige Forstmänner abgeschätzt. Bei
Benkowitz war ehemals ein Eichenwald von 1775 Morgen,
aber es standen nur noch 800 alte Eichen dort, der Erlenbusch
--- S.149/#164
hatte 156, das Weidengesträuch an der Oder 186 Morgen.
Pächter war 1789 Franz von Porembski. Derselbe wurde
21. Januar 1777 in Altendorf copulirt mit Maria Josefa
von Schalscha und war Adam von Por,ebski aus Schonowitz
Trauungszeuge.
Adam = Erdmann von Porembski, geboren 1731,
seit 19. Juni 1772 auf Schonowitz, vermählt mit Anna
Barbara geb. von Fragstein, Wittwe nach Johann Christof
von Wiplar auf Trawnik († 1777), in zweiter Ehe zu
Ratibor 17. Februar 1778 mit der 1750 geborenen Johanna,
Tochter des Carl von Tluk auf Dubensko, starb am Faulfieber
22. December 1793 und wurde in der Kirche bestattet.
Dessen Bruder Franz beerbte ihn. Aus diesem Geschlecht
schlossen drei Fräulein in der hiesigen Pfarrkirche den
Ehebund, nämlich 28. November 1797 Antonie, älteste Tochter
des Adam mit dem Pächter von Ganiowitz Johann Miketta,
Sohn des Andreas aus Zawada, seit 1810 auf Hultschin;
6. October 1801 Therese, geboren 1778, Tochter des
ehemaligen Pächters Franz von Porembski und waren Zeugen
Georg von Porembski und Anton Miketta Pächter von
Ganiowitz und 17. Juni 1806 Nathalie, 19 Jahr alt,
Tochter des verstorbenen Anton von Porembski, mit Anton,
Sohn des Scholzen Josef Mikeschka aus Koblau.
Am 17. April 1794 brach während einer Predigt in
später Nacht in dem neben der Pfarrei gelegenen Hause
des Mathias Wolnik (Jarkulisz) ein Feuer aus, das sich
auf beiden Seiten des Dorfes bis zum Oberkretscham
fortpflanzte. Die Kirche war mit Zuhörern, die auch aus der
Umgegend herbeigeströmt waren, überfüllt. Das Dach
brannte in hellen Flammen und nur eine einzige Seitenthür
war geöffnet, die obendrein durch das Herandrängen des
Volkes sich schloß. Ein Angstschrei erhob sich in der Menge,
die in banger Erwartung schwebte, verbrennen zu müssen.
Doch drang das Feuer nicht in das Innere der Kirche,
auch der östliche Theil des Dorfes blieb erhalten. Ein
Pferdejunge hatte, weil die Rosse unruhig waren, die Lampe
--- S.150/#165
im Stalle stehen lassen, und waren in Folge dessen 21
Stellen niedergebrannt.
An Steuern zahlte das Dominium 843 Thlr. 6 Gr.
der Pfarrer 55 " 11 "
der Schulmeister 2 " 4 "
die Bauern 761 " 7 "
die kleinen Ackerleute 88 " 7 "
------------------
1750 Thlr. 8 Gr.
Die Breslauer Domänenkammer gab 15. Juli 1800
dem Jungfrauenstift die Erlaubniß, die Vorwerke Benkowitz,
wo 31 Kühe und Ottitz, wo 300 Schafe standen, zu
zergliedern und die Aecker an die Unterthanen veräußern zu
dürfen. Das Abkommen war bereits 16. September 1799
getroffen und von der Priorin Amalie von Tluk, Suppriorin
Agnes von Wallis, den vier Consiliarinen Franziska von
Bujakowska, Rosalie von Rohowska, Gabriele Seichter und
Eufemia von Rohowska unterzeichnet. Benkowitz kaufte sich
für 44,000 Thaler und einen jährlichen Grundzins von
2000 Thalern frei. Die Grundherrschaft behielt sich den
Hofplatz, die Gerichtsbarkeit, das Patronat, die
Jagdgerechtigkeit, den Brau- und Branntweinurbar, die Grund-
und Schankzinsen, Mühl- und Getreidezinsen, 92 Scheffel
Zinshafer, Inseltzinsen von den Fleischern, von den Fischern
und der Oelschlägerei, die Ehrungen an Hühnern und Eiern
vor; die Unterhaltung des Spitals mit Geld, Getreide
und Holz übernahm die Gemeinde, ebenso die Pflicht,
Brücken, Wege und Gräben im Stande zu halten, die
bisher vom Stift gezahlten Steuern zu 50 pCt. zu entrichten.
Dies Abkommen bestätigte die Oberamtsregierung
Brieg, 25. Juni 1804. Die Ottitzer Realitäten gab die
Gemeinde bald auf und den Zinshafer löste sie in Renten ab.
Die Zergliederung des Vorwerks war für die Herrschaft
wie auch für die Unterthanen vortheilhaft, für das Stift,
da es mehr Einkünfte als früher erhielt, für die Bauern
in mehrfacher Beziehung. Letztere konnten ihre Wirthschaften
erweitern und nachdem sie von den Roboten und der Abgabe
--- S.151/#166
des Zehntels vom Getreide in natura frei geworden, mehr
Futter und Stroh für ihr Vieh benutzen, die Aecker bequemer
bearbeiten, der Wirthschaft besser obliegen. Ehemals hielt
das Dominium 31 Stück Kühe, die Bauern 150, die kleinen
Leute 85; im Jahre 1803 aber hatten sämmtliche Gemeindemitglieder
bereits 712 Stück Kühe und Kälber. Die Hutung
bei der Oder, das darauf wachsende Strauchholz und die
Eichen konnten sie allein benutzen, trockene Stellen einackern,
andere roden, das Weidig bot Absatz an die Büttner und
Korbmacher; auch waren auf der großen Wiese hinter der
Mühlbrücke bereits 11 Häuschen entstanden, von denen ein
Zins entrichtet wurde. Seit der Naturalvertheilung im
Jahre 1800 hatte die Gemeinde außer den Zinsen aus
ihren Ueberschüssen 1801 761, 1802 484, 1803 607 Thaler
auf Abschlag des Kapitals eingezahlt.
Durch Cabinetsordre vom 28. November 1811 erwarb
der Schloßbesitzer von Ratibor auch die säcularisirten Güter des
Jungfrauenstiftes und das Patronat der Kirchen und Schulen.
Das Dominialrestgut Nr. 82 hatte Franz Peterknecht
in Pacht und wurde Arendator genannt. Lucas Cwik
erwarb es 1828 für 3050 Thaler als Eigenthum und
führte den Titel Arendebesitzer. Im Jahre 1841 kaufte
das Gut der Erbscholz von Janowitz Johann Meixner für
2900 Thaler, veräußerte es aber schon 18. August 1843
an den Pachtbrauer in Kochanietz Anton Möser, der das
Gasthaus stattlich aufführte und im Alter von 48 Jahren am
22. April 1856 starb. Die Witwe Therese Möser geb. Gold,
folgte ihm am 21. November 1860 im Tode nach. Am
24. Juni 1861 kaufte der Schwiegersohn Heinrich Wodarz,
bisher Lehrer in Brzezie, das Gut für 6500 Thaler.
Matthias Pospiech, Hornist im 2. Schlesischen
Infanterie-Regiment erhielt in den Freiheitskriegen 1813 bis
1815 das eiserne Kreuz 2. Klasse. Der 74 Jahre alte
Einlieger Gregor Dembon wurde 13. Juni 1816 auf der
Hutweide unter einer Eiche vom Blitz getödtet.
--- S.152/#167
Die Nachricht, die Cholera sei am 23. April 1831
in Warschau ausgebrochen und richte furchtbare Verheerungen
an, erfüllte die Gemüther der nächst gelegenen Bewohner
mit banger Besorgniß. Die Regierungtraf zum Schutze
unserer Provinz Vorsichtsmaßregeln. Gegen Polen und
Oesterreich wurde ein Grenzcordon aufgestellt. Das zweite
Bataillon des 10. Schlesischen Landwehr-Infanterie-Regiments
besetzte zur Beaufsichtigung die Odergegend. Vom 12. bis
14. September trat eine große Ueberschwemmung des Oderthales
ein. Auch die Zinna war seit Menschengedenken
nicht so hoch gestiegen, als damals. Das ausgetretene
Wasser verursachte unerhörten Schaden. Es drangin 16
Häuser, wodurch die Wände, Oefen, Küchen und Rauchfänge
einstürzten. Die 1823 gebaute Brücke, welche an
500 Thaler gekostet, wurde ganz ruinirt. Der Gemeindevorsteher
sammelte Lebensmittel für die Verunglückten,
der Pfarrer Galda sendete jedem ein Laib Brod. Da das
Wasser immer höher anschwoll, so ritt am 13. früh der
Scholze mit drei Gerichtsmännern zum Fischer Rybarz,
um die dort stehenden Militärposten abzuholen und die
Schilderhäuser zu retten, aber mit Gefahr mußten sie
sich nach Tworkau begeben, dort übernachten und am 14. über
Kranowitz und Schammerwitz heimkehren. Die kleinen Leute
haben verhältnismäßig den meisten Schaden gelitten, da
Kartoffeln, Kraut und Hanf verloren gingen.
Die Cholera, welche in Oberschlesien Herbst 1831
auftrat, raffte vom 3. November bis 23. December zehn
Personen aus Benkowitz und eine in Bojanow dahin. Im
nächsten Jahre starben an derselben in Bojanow vom 25ten
September bis Allerheiligen 13 Personen, Benkowitz
vom 5. Oktober bis 7. November 6 Personen. Vier Jahr
später erlagen derselben vom 26. September bis 5. December
42 Personen aus der Parochie. Vom Januar bis Juli
1848 starben in der Parochie 90 Personen an Nervenfieber
und Typhus; vom 19. Juli bis Ende September 1855
erlagen 45 Personen der Cholera.
--- S.153/#168
Bei Anlage der Eisenbahn 1845 wurde ein Theil des
Psinnagrabens cassirt und ein neuer geworfen. Den 7. Juni
1868 vernichtete ein heftiger Brand einen großen Theil der
Scheuern. Am 28. September 1878 anderthalb Stunden vor
Mitternacht brannten 13 Scheuern ab; auch die mit 2100 Mark
versicherte Pfarrscheuer wurde eingeäschert. Die Brücke über die
Zinna an der Chaussee wurde Sommer 1884 von Holz neugebaut.
Das Wehr und die Mühlen.
Am Orte befinden sich zwei Mühlen und ein Wehr,
die Obermühle im Oberdorfe, die Niedermühle in der Mitte
des Dorfes nahe der Kirche am Wege, der von Ratibor
über eine Brücke nach Tworkau führt und das Wehr am
untern Dorfe, wo die Psinna und die Zinna sich theilen.
Das Wehr ist östers verlegt und erhöht worden, wodurch
Klagen der benachbarten Grundbesitzer wegen Ausgießung
des Wassers auf die Felder hervorgerufen wurden.
Am 24. Februar 1552 erschienen vor versammeltem
Magistrat in Hultschin fünf glaubwürdige Männer aus
Boleslau, das dem Lorenz von Drahotuß auf Beneschau gehörte
im Namen der gesammten Gemeinde und ebenso fünf
Männer aus Pyschcz, das den Herren Bruntalsky v. Wrbna
gehörte und gaben unter Eidesleistung, wobei sie zwei Finger
auf das Kreuz legten, Folgendes zu Protokoll: Die Psinna,
welche von Benkowitz nach Ratibor fließt und das Wasser,
welches in Benkowitz unterhalb der /Piskorsch/mühle seit
Jahren zum Psinnamüller geht, wird jetzt höher gehalten,
als es früher gewesen und durch das Hochhalten wird der
Weg unterhalb der Benkowitzer Brücke überschwemmt. Deshalb
hat ein Mann aus Pischcz zur Wegebesserung sechs Gulden
vermacht und hat der in Benkowitz geborene Johann Skadlek
aus Pischcz bezcugt, daß durch die Wasserspannung bedeutender
Schaden auf Feldern und Wiesen des Benkowitzer Grundes
geschehe, was früher nicht vorgekommen. Diese Aussage
versah der Magistrat mit Unterschrift und Siegel, damit
das Schriftstück zur Klage gegen den Klosteramtmann
Johann Koczenski von Rudno verwendet werde.
--- S.154/#169
Troppau war für Ratibor mit einigen tausend Gulden
Bürge geworden und hatte das Vorwerk Ottitz, einige
Dörfer und die Psinnamühle sür die Bürgschaft auf einige
Jahre in Pfand erhalten. Diese Güter überließ Troppau
dem Rathsherrn Daniel Maczak. Das große Wasser
Fastnacht 1583 hat das Wehr an der Zinna so beschädigt,
daß die Psinnamühle nicht mehr mahlen konnte. Man
beabsichtigte das nicht gut gelegeene Wehr bei Benkowitz nicht
auszubessern, weil zur Herstellung des weggerissenen Dammes
wohl 1000 Fuhren Reisig erforderlich wären, und das
Ganze doch nur Flickwerk bliebe, sondern auf den Rath des
Schloßhauptmann Samuel von Lessota ein neues und zwar
in Benkowitz aufzurichten. Um einen neuen Graben zu
schlagen und das Wasser abzuleiten, war Erde von etwa
drei Viertel Aussaat erforderlich, die vom Grunde des
Stifts und der Unterthanen genommen und entschädigt
werden sollte. Das Kloster wollte dies nur gestatten, wenn
ihm das auf dem Jungfernhofe zwei Jahre vorher erbaute
Mühlchen, dessen Errichtung der Psinnamühle nachtheilig
erschien, belassen werde.
Laut eines vom Kaiser Rudo1f 1606 bestätigten
Vergleichs waren die Gemeinden Benkowitz, Sudol und
Studzienna verpflichtet, den Mühlgraben, welcher vom Benkowitzer
Wehr zur Psinnamühle bei Ratibor sührt, zu räumen.
Nach dem Tode des Sch1oßbesitzers Georg Graf
Oppersdorff auf Oberglogau, Friedek und Ratibor erhielt
der jüngste Sohn Mathias die Schloßherrschaft Ratibor
und wurde, weil er erst sieben Jahre zählte, von dem
Oberstlandrichter Johann Bernhard Graf Praschma Freiherrn von
Bilkau auf Rybnik etc. und Wenzel Paczynski von
Groß-Patschin auf Zembowitz bevormundet. Zur Schlichtung des
Streites zwischen dem Minorennen und dem Jungfrauenkloster
wegen des Wehres in Benkowitz ordnete das Landrecht
10. Januar und 20. November 1658 eine Commission an.
Dieselbe begab sich 5. Juni 1659 nach Benkowitz, nahm
Einsicht von den Documenten, verhörte die Zeugen und
--- S.155/#170
schloß einen Vergleich dahin: Zunächst wollen die Parteien
die von Kaiser Rudolf Prag 25. November 1606 getroffene
Bestimmung in allen Punkten einhalten und beschließen,
innerhalb drei Wochen von beiden Seiten durch solche Männer,
die aus dem Müllerstande und Zimmermannshandwerk sich
auf Wasserabzug verstehen, gemeinschaftlich die Mühle zu
Benkowitz und das Wehr daselbst abwägen und alles so
einrichten zu lassen, daß die Mühle dem Wehr und das
Wehr der Mühle entspreche. Das Kloster soll einen Pfahl
unter dem Rade machen und die Räder heben lassen, der
Vormundschaft ein Wehr bauen, so daß laut vorerwähnter
Bestätigung sie einen Graben auf die Psinnamühle, wie
vormals in ganzer Tiefe und Breite überall schaffe; was
die Räder bei der Psinnamühle und die Cassirung des
Conventmühlchens betrifft, das haben beide Parteien bis
Weihnachten auszuführen versprochen.
Schon am 16. Juni d. J. bat der Vormund Graf
Praschma das Stift zur Erneuerung des Benkowitzer Wehres
die erforderliche Erde aus der Nähe nehmen zu können.
Im nächsten Jahre wurden die Grundsteine im
Psinnamühlgraben vom Schloßwehr bis Ratibor gelegt zum Zeichen,
wie tief dieser Graben geworfen werden solle, damit das
Wafser den nöthigen Fall und Gang habe.
Das Kloster beabsichtigte im Frühjahr 1672 das neue
Wasserwehr fünf bis sechs Schritt von dem vorigen entfernt
weiter hinaufzubauen. Die Boleslauer in Besorgniß, eine
Ueberschwemmung zu erleiden, wollten dies nicht zugeben
und legten bei dem Landeshauptmann des Fürstenthums
Jägerndorf, Verwalter des Landeskämmereramtes, Fürst
Lichtensteinschen Rath Heinrich Matuszka von Topolczan
auf Jacubowitz, Auchwitz und Kaldaun Verwahrung ein.
Letzterer ersuchte 28. April die Priorin eine bestimmmte
Erklärung zu geben, ob die Boleslauer darüber zu vernehmen
seien, daß der Bau ihnen nachtheilig sei oder nicht.
Zur vollständigen Einrichtung und gänzlichen
Verbesserung des Wehres in Benkowitz tauschte 5. August 1695
--- S.156/#171
der Schloßbesitzer Franz Eusebius Graf Oppersdorff einen
Garten gegenüber dem Tworkauer Graben, um die Erde
daraus zu nehmen, gegen ein Ackerstück bei dem Ottitzer
Vorwerk ein.
Franz Bernhard von Lichnowsky hatte aus der Zinna
einen kleinen Graben auf Boleslauer Grund angelegt,
wodurch er dem Fluße das Wasser entzog; er versprach dem
Stiftshauptmann Martin Heinrich Skro´nski von Budzow
den Graben zuwerfen zu lassen, verlangte aber, daß zu den
zwei Schleussen im Wehre eine dritte zum leichtern Abfall
des Wassers hinzukomme, damit bei zeitiger Oeffnung der
drei Schleussen einer Ueberschwemmung vorgebeugt werde.
Jndeß blieb der Graben noch einige Zeit bestehen, wodurch
die Niedermühle um einen Gang geringer wurde. Die
Priorin Rosa Gawlowska von Grzimalow verklagte den
Besitzer und ordnete der Kaiser Wien 6. September 1712
eine Commission an, welche den Thatbestand untersuchen
und die Parteicn vergleichen sollte. Die Commissare
verfügten sich an Ort und Stelle, nahmen Alles in Augenschein
und verglichen die Parteien dahin: Weil der Niedermüller
das Wehr weiter hinaufgerückt und die Schwelle um eine
viertel Elle erhöht, soll er das neuangelegte Wehr abtragen
und solches in den vorigen Stand auf den alten Ort setzen,
der Freiherr aber den Graben, durch welchen das Wasser
dem Fluß entzogen wird, zuwerfen. Um bei hohem
Wasserstand Schaden abzuwenden und der Ausgießung vorzubeugen,
soll der Müller die vier Schleußen im Wehr öffnen.
Das Dominium Schloßherrschaft Ratibor war wegen
der Psinnamühle verbunden, das Wehr bei Benkowitz im
Stande zu erhaltcn. Da solches April 1800 einer Reparatur
bedurfte, übernahm der Psinnamüller Johann Tomiczek die
Ausführung gegen Erstattung der Kosten. Er ließ Faschinen
hinausfahrer und am 28. d. Mts. durch sechs Mann nebst
einem Aufseher dieselben einlegen und befestigen. Bis zum
Abend des nächsten Tages hatten sie bereits sechs Schock
verarbeitet. Am nächsten Morgen aber kamen an 100
--- S.157/#172
Mann aus dem Dorfe, der Niedermüller, Scholz und
Gerichtsleute, verjagten die Arbeiter, zerhieben und zerissen
mit den mitgebrachten Aexten das begonnene Werk, bedrohten
auch die Arbeiter nochmals herzukommen und das Wasser
zu spannnen. Der Psinnamüller erlitt dadurch Schaden,
denn statt mit vier Gängen zu mahlen, konnte er nur mit
einem klappern. Er hatte aber ohne die Betheiligten zuzuziehen,
eigenmächtig gehandelt und die Faschinen höher gelegt,
als der Sattel oder Wehrbaum ist. Er wollte dadurch die
Schloßherrschaft veranlassen, daß der Mühlgraben bei Sudol
geschlemmt werde, damit er dann nicht nötig habe, das
Wassermaaß zu erhöhen.
Herbst 1823 fand eine Erneuerung des Wehres statt.
Zimmermeister Seidel wurde beauftragt, die Spundwand
dergestalt abzuschneiden und zu zäpfen, auch den neuen
Fachbaum so darauf zulegen, daß dessen Oberkante genau
die Höhe des vom Wasserbau-Inspector Uhlig am 4. October
am Markpfahl eingehauenen Zeichen erhalte und überall
mit diesem Zeichen in vollkommener waagerechter Lage sich
befinde.
Die Niedermühle
war vor Mitte des 17. Jahrhunderts schadhaft geworden.
Die Priorin Magdalena Witkowska vun Rudeltau ließ durch
die Gerichtsmänner der Klosterdörfer Benkowitz, Kornowatz
und Elgot den Werth und die zu entrichtenden Zinsen
abschätzen. Hierauf kaufte Jacob Ryska 15. December 1656
die Mühle für 380 Thaler und wurde verpflichtet 3 1/2 Malter
jährlich dem Kloster zu entrichten. Zum Aufbau schenkte
es ihm 4 Eichen und 30 Buchenstämme, gewährte ihm
auch, bis er sich erhole, die Nachsicht in den drei ersten
Jahren nur je 8 Scheffel, dann durch drei Jahre 2 Malter,
nach sechs Jahren aber 3 Malter Korn und einen Scheffel
Gerstengraupe, vom Teich 3 Thaler und 4 Hühner, von
dem Stücklein unterhalb des Teichels 22 1/2 Groschen zu
zinsen.
---S.158/[#173 defekt ]
1725 war Hans Georg Marschalek, Niedermüller.
Er entrichtete 72 Scheffel Breslauer Maaß Roggen, 2
Scheffel halbe Perlengraupe, 2 2/3 Thaler Grundzins, baute
auf eigene Kosten Wehr und Wasserbett, reinigte auch den
Graben.
Georg Meltzer, 1748 genannt, starb im Alter von
46 Jahren am 15. October 1763.
Anton Meltzer, geboren 1711, wird 1788 als Auszügler
genannt, starb 24. October 1789. Seine Wittwe
folgteim 86 Jahre alt erst 7. Juli 1833 im Tode nach.
Michael Lokaj beschwerte sich Mitte September 1798,
daß die Einwohner den Mühlgraben ganz voll mit Hanf
belegt, wodurch das Wasser nicht den gehörigen Abfluß
habe und er Schaden leide. Der Landrath befahl am
18. d. Mts. den Dorfgerichten binnen 24 Stunden Hanf
und Flachs aus dem Graben zu räumen. Michael Lokaj
starb 26. Juni 1836.
Franz Schraj starb 25. August 1867.
Julius Schraj übernahm vom Vater die Niedermühle
und betreibt dieselbe seit 1876 mit Dampf.
Die Obermühle.
Blasius Kigacz hatte 1636 eine vom Jungfrauenstift
erhaltene Urkunde und einen alten Kaufbrief dem Stadtvogt
Johann Czermak in Ratibor zum Aufheben gegeben. Beide
Schriftstücke wurden bei dem großen Stadtbrande in der
Nacht des 10. September 1637 vernichtet. Auf die Bitte
des Müllers erneuerte ihm am 4. December d. J. die
Priorin Constantia Klema von Elgot das eine Document,
in welchem sie den Besitz und die Obliegenheiten des
Mühlenbesitzers beschrieb. Das Feld geht von der Vorwerksfurche
bis an die Kranowitzer Grenze (am Teich und
Klostergrund), dann bis an das Wehr und mit der Wiese
bei dem Teiche, beide Ufer der Psinna vom alten Wehr
bis an die Vorwerksfurche mit Erlen, Weiden, Gärten,
Wiesen und einem Viertel Acker vom Vorwerk, welches ihm
ehemals für 30 Thaler schlesisch verkauft worden. Er hat
--- S.159/#174
jährlich drei Malter Korn Ratiborer Maaß ( aber nur zwei
Malter, wenn der Teich mit Fischen besetzt sei), 18 Groschen
Wasserzins und 15 Groschen vom Vorwerksacker abzugeben.
Die andere Urkunde erneuerte der Kranowitzer Magistrat
am 19. December 1640. Diese Stadt hatte nämlich von
Johann Brawanski von Chobrzan auf Borutin und Kranowitz
ein Stück Wiese gekauft und den Vorfahren des gegenwärtigen
Müllers für einen Zins von vier Gulden überlassen. In
der Erneuerung des Kaufbriefes wird ausdrücklich hervorgehoben,
daß nur Letzterem die Benutzung der Hutung zustehe.
1725 war Andreas Kiatz Obermüller. Er zinste
für zwei Gänge der Herrschaft zu Michaeli 72 Scheffel
Breslauer Maaß Roggen, baute sich das Wehr und Wasserbett
auf eigene Kosten und reinigte den Graben.
Am 6. August 1742 wurde der Obermüller Andreas
Kiatz in der Kirche unter den Bänken an der nach Süden
liegenden Thür bestattet. Gregor Krzewki starb 7. Juni
1747, 24 Jahre alt, Andreas Krzewki wurde im Alter
von 42 Jahren am 26. April 1763 begraben.
Der Obermüller Carl Spiller war Brauer zu Kuchelna
und fundirte 160 Thaler auf monatlich zwei Messen.
Die Ehefrau Marianne ertrank 15. Juli 1774 Vormittag
10 Uhr auf der Boleslauer Hutung in der alten Bache
48 Jahre alt.
Johann Koza erwarb 1782 für 2400 Thaler die
Mehlmühle von zwei Gängen nebst Acker von sechs Scheffel
Breslauer Maaß Aussaat und verkaufte sie 20. Juni 1799
dem Sohne Johann, behielt sich aber einen lebenslänglichen
Auszugvor, er fundirte 200 Thaler auf zwei Cantata und
acht stille Messen und starb 28. Juni 1806, der Sohn starb
21. März 1810, erst 37 Jahre alt. Die Wittwe Martine
Dembow heirathete den Ignaz Langer und starb 28. August
1827 im Alter von 45 Jahren. Die einzige Intestaterbin
Josefa Koza erwarb die Mühle und ehelichte den Carl
Peterknecht, der bereits 1840 als Obermüller auftrat. Sie
starb 17. November 1848, er folgte 25. Februar 1851
--- S.160/#175
im Tode nach. Pächter wurde August Beyer. Franz
Schraj erstand bei der Licitation 3. Juli 1854 die Mühle
für 10,810 Thaler und starb 25. August 1867 beerbt von
seinem gleichnamigen Sone, der die Mühle seit 1. Juli
1875 mit Dampf betreibt.
Die Erbscholtisei.
Ehemals wurden die Schulzen aus Mitgliedern der
Gemeinde gewählt. Da aber bei dem steten Wechsel die
Unterthanen wenig Gehorsam leisteten, wodurch sowohl das
Dominium in wirthschaftlicher Beziehung Schaden litt, als
auch die kaiserlichen Abgaben nicht abgeführt wurden, so
beschlossen die Priorin Magdalena Januschowska v. Wyszehrad
und der ganz Convent zur besseren Ordnung einen Erb-
und Freischulzen in der Person des Kretschmer Paul Galda
einzusetzen. In dem Erbbriefe vom 29. April 1715 befreiten
sie ihn von allen Roboten und hatte er nur von seinen
zwei Vierteln Acker und einigen Wiesen einen Grundzins
von 2 Thaler à 36 Groschen an die Herrschaft zu
entrichten. Seine Verpflichtungen waren mannigfach und glichen
denen eines Wirthschafts-Inspectors. Er hatte nämlich auch
die Aufsicht über das hiesige und das Ottitzer Vorwerk zu
führen, bei den Handarbeiten und Brauholzfuhren gegenwärtig
zu sein, bei dem Scheuern Acht zu geben, daß daß das
Getreide gut ausgedroschen, das Stroh nicht verschleppt und
auf den Schüttboden gebracht werde, von wo es durch die
Unterthanen in das Kloster, oder auf dem Jungfernhof
abgeführt wurde. Bier und Branntwein zum Ausschank mußte
er aus dem Klosterkeller mit seinen Pferden holen. Er
konnte mit Wein, Eisen und Gespinnst handeln, 12 Stück
Hornvieh und 15 Stück Schwarzvieh mit dem der Herrschaft
hüten lassen und bezog von den herrschaftlichen Wiesen ein
Fuder Heu. Paul erreichte ein Alter von 63 Jahren und
hatte vor dem am 2. Januar 1745 erfolgten Tode das
Schulzenamt und die Wirthschaft seinem Sohne Thomas
Galda übergeben, der 1770 100 Achtel Bier und 30 Eimer
Branntwein ausschänkte, im hohen Alter von 81 Jahren
--- S.161/#176
am 17. September 1790 starb. Inzwischen war auch der
Scholz Franz Galda, erst 33 Jahre alt, 17. Januar
1785 gestorben. Franz Stuka starb 26. November 1809
im Alter von 47 Jahren. Franz Wiskoni, der ihm im
Amt gefolgt war und noch 1836 dasselbe bekleidete, starb
81 Jahre alt am 8. August 1865. Johann Wiskoni trat
1837 ein. Josef Maiß erwarb die Wirthschaft und hielt
in der Gemeinde gute Ordnung. Er ließ aus der
Gemeindekasse die Sacristei vergrößern und eine Thür nebst Treppe
als Eingang herrichten. Er starb an einem Magenleiden
7. August 1870 im Alter von 52 Jahren.
Der Erbschulz war auch im Besitz des Niederkretschams
neben der Schule und verschänkte im Jahre 1770 an 100
Achtel Bier und 30 Eimer Branntwein.
Der Oberkretscham.
Andreas Czernik wird 1730 genannt.
Bartek Czerny verkaufte seine Stelle 1746, gab 10
Floren 48 Kreuzer Zins, schänkte circa 60 Achtel Bier
und 12 Eimer Brannwein aus. Beide Kretschmer mußten
das Bier aus der Dominialbrauerei entnehmen.
Georg Heine war Schreiber des Klosteramtmanns
gewesen und kaufte 1676 den Kretscham.
Josef Czernik, genannt 1795. Die Eigenthümer
wechselten oft.
Die Zahl der Einwohner und die Größe der /Feldmark/
betreffend, hatte der Ort im Jahre 1784 48 Bauern,
34 Gärtner, 46 Häusler und 553 Einwohner, worunter
viele Leinweber. 1795 waren 129 Feuerstellen; 1819 zählte
das Dorf noch 48 Bauern, aber nur 7 Gärtner, 155
Häusler und Einlieger zusammen 1057 Seelen; 1825
schon 1159, 1842 in 148 Häusern 1216, 1861 in 156
Häusern 1337 und 1885 in 301 Häusern 1686 Einwohner,
die 269 Pferde, 703 Stück Rindvieh, 331 Stück Schwarzvieh,
84 Ziegen und 54 Bienenstöcke halten.
--- S.162/#177
Wegen der Theilung unter die Bauernschaft und die
kleineren Ackerleute betrug laut Vermessungsregister vom
15. Juli 1822 die Hutung und Forstfläche nebst Unland
1222 Morgen 8 Quadratruthen, nämlich 662 Morgen 122
Quadratruthen Hutung, 310 Morgen 60 Quadratruthen Forstland,
249 Morgen 6 Quadratruthen Wasser und ertraglose Stücke.
Die ganze Feldmark beträgt 1), an steuerpflichtigen
Liegenschaften 1306 Hectar 24 Ar 70 Quadratmeter; 2) an
steuerfreien ertraglosen Grundstücken: 1. Wege 45 Hectar
71 Ar; b. Wasser 22 Hectar 96 Ar 10 Quadratmeter; 3)
Hofräume und Gärten 32 Hectar 53 Ar 90 Quadratmeter, zusammen
1407 Hectar 45 Ar 70 Quadratmeter.
Kirche und Pfarrei
Die Kirche wird 1447 in dem Register des
eingesammelten Peterspfennig bereits genannt. Nach einem im
Raudener Schloßarchive noch vorhandenen Originalschreiben
aus Neisse den 30. November 1573 trug Bischof Caspar
von Logau wegen seiner Krankheit dem Abt Martin die
feierliche Consecration der Pfarrkirche in Benkowitz auf,
damit deßwegen der Gottesdienst in irgendeiner Art nicht
vernachlässigt werde. Nach den Visitationsacten vom Jahre
1679 und 1713 war übrigens die Kirche schon 1544
errichtet. Um jene Zeit oder kurz vorher amtirte nach dem
Album der literatischen Bruderschaft Pfarrer /Marcus/.
Hynek oder Heinrich findet sich unter den älteren Fundatoren
des Collegiatstifts als Pfarrer von Benkowitz. Stanislaus
Larisch 1614 hier, starb 1647 als Pfarrer von Tworkau.
In den Ortsacten des Königlichen Staatsarchives zu
Breslau ist noch die Investitururkunde erhalten, welche
Neisse 12. Juni1631 nach dem Tode des hiesigen Pfarrers
Zacharias Michaelides auf Präsentation des Jungfrauenklosters
dem Matthäus Zurius ausgestellt worden. Nach
einem alten im Pfarrarchiv aufbewahrten Verzeichnisse,
welches die beiden vorhergehenden Pfarrer, doch ohne Angabe
der Zeit und ersteren mit dem bloßen Taufnamen aufführt,
--- S.163/#178
folgte Georg /Logetius/, vormals Pfarrer in Autischkau,
welcher Ort gleichfalls dem Jungfrauenstifte gehörte.
Georg /Tobiades/, seit Neujahr 1642 angestellt, legte
die noch erhaltenen Matriken an, erscheint bei einer Taufe
in Ratibor am 11. Juni 1652 als Pate und starb 1661.
Gallus /Kissetius/, geboren Benkowitz, erhielt 29ten
März 1659 das Subdiaconat auf das Vicariat Benkowitz,
7. Juni die Priesterweihe, war 21. December 1659 Vicar,
wurde 1661 Pfarrer in Tworkau.
Thomas /Tobiades/, vom 20. Januar 1642 bis
28. Januar 1646 Vicar bei dem Collegiatstift, beschaffte
1668 aus Sammlungen und eigenen Mitteln das St.
Antoniusaltar. Tobiades und Pfarrer Laurentius Fabricius
von Lubom waren Testamentsvollstrecker des im Jahre 1675
gestorbenen Pfarrers Gallus Johann Kissetius aus Tworkau.
Ersterer fundirte Messen für seine Seelenruhe und starb
12. März 1678 Abends 7 Uhr, bestattet am 15. März.
Kapläne unter ihm waren:
Paul Sebastian /Dersska/, geboren Benkowitz 19ten
Januar 1637, wurde nach Absolvirung der philosophischen
Studien und der Moraltheologie zu Olmütz am 11. März
1661 Minorist, erhielt am nächsten Tage auf den Tischtitel
des Jungfrauenklosters das Subdiaconat, wurde 16. April
desselben Jahres in Neisse ordinirt, feierte am Trinitatissonntage
die Primiz am Geburtsorte, war noch 14. Januar
1675 Vicar daselbst und wurde im Herbst d. J. Pfarrer
in Tworkau.
Franz /Novatius/, geboren 1650 zu Zawiscz bei
Pleß, erzogen in Rybnik, studirte in Olmütz und Krakau,
wurde an letzterem Orte 1675 ordinirt, war zunächst ein
Vierteljahr Vicar in Sohrau, dann 3 Jahre Sacellan in
Benkowitz, hierauf 3 Jahre Vicar in Loslau, am 28. März
1681 als Pfarrer in Ruptau investirt und vom Erzpriester
Andreas Flaccius aus Loslau eingeführt. Als Vicar in
Benkowitz tritt er am 28. Februar 1677 bei einer
Copulation auf.
--- S.164/#179
Albert Ignatz /Wienczkowski/, geboren Cosel 1. April
1620, studirte in Olmütz, wurde in Neisse 24. Februar 1657
ordinirt, war in Kostenthal 4 Jahre Sacellan, in Autischkau
17 Jahre Pfarrer, auf Präsentation des Jungfrauenklosters am
26. März 1678 für Benkowitz als Pfarrer investirt und von
seinem Nachbar Johann Franz Zbiretius aus Janowitz in
das hiesige Pfarramt eingeführt. Er war ein braver Priester
und wurden auch seine Predigten gelobt. Er hinterließ das
erste Wirthschafts-Inventar, das später vermehrt und zum
Theil in Geld umgewandelt wurde. Er braute nach damaliger
Sitte seinen Haustrunk. Die Widmut betrug 1 1/2 Hufe,
den Garbenzehnt erhielt er von fünf Getreidesorten, an
Missalien bezog er aus Benkowitz je 8 1/4 Malter Roggen
und Hafer, aus Sudol 3 2/3, aus Bojanow 3 1/2, aus
Podhagi (Unterwald) und Brzecowa (am Ufer) je 7 Scheffel
Roggen und Hafer; die beiden Müller am Orte gaben zu
Ostern je ein Viertel Weizenmehl; vier Bauern in Sudol
zinsten 24 Groschen. Die Kirche war von Holz, 30 Ellen
lang, 16 breit, hatte 4 Fenster mit Eisenstäben, 3
consecrirte Altäre (das Hochaltar /adbeat. Virgenem/, die
Seitenaltäre ad St. Antonium und /Matrem dolorosam/);
ein Becher zur Nachspülung der Communikanten, je 12
Caseln und Fahnen, eine Orgel zu 80 Thaler, Decke und
Wände waren gemalt, die Kanzel geschnitzt, später schwarz
staffirt, 3 Glocken hingen im hölzernen abseitsgelegenen
Thurme; der Kirchhof war umzäunt. Der Pfarrer legte
1682 das Copulations- und im nächsten Jahre das Taufbuch
an, meldete 10. Mai 1686, daß in der Parochie 925
Ostercommunikanten vorhanden, fundirte 1690 dem Kloster
zu Loslau 150 Floren und in Benkowitz 60 Thaler auf
sechs stille Messen. Er starb 1698.
Martin /Pieczuch/, geboren zu Pogrzebin im Jahre
1669, hatte in Olmütz studirt und war /Baccalaureus/
geworden, erhielt 17. am December 1695 die Priesterweihe
und wurde vom Pfarrer als Hilfspriester
aufgenommen.
--- S.165/#180
Georg Anton /Chorus/, geboren Ratibor 1657, studirte
als bischöflicher Alumnus in Breslau Philosophie und
Theologie, wurde Neisse 17. März 1685 ordinirt, war
2 1/2 Jahr Kaplan in Bukowitz (Frauwaldau), 5 Jahre
Vicar an der Collegiatkirche zu Oppeln, dann 6 Jahre
Pfarrer in Walzen, Canonicus 12. August 1692, in
Benkowitz 1. November 1698 als Pfarrer installirt.
Im Jahre 1710 wurde von den Parochianen ein
hölzernes Pfarrhaus mit drei Stuben, Stallung und Scheuer
aufgeführt, wozu Chorus viel aus eigenen Mitteln beitrug.
Im Jahre 1712 hatte er schon 1078 Ostercommunikanten.
Prälat-Cantor wurde er 1715. Chorus hatte ein tragische
Ende. Am Portiunkulafeste (2. August) 1717 besuchte er
die Klosterkirche der Franciskaner. Abends 1/2 8 Uhr kehrte
er aus Ratibor heim. Unterwegens mochte ihn ein Schwindel
oder Schlaganfall betroffen haben, denn er wurde mit dem
Antlitz in der Psinna, die damals 6 Zoll tief war, gefunden
/sub pratis superioris zagumnie ad flumen immersa)
facie in flumen)/, Stock und Hut lagen am Ufer, ebenso
ein Balsambüchslein, das er gebraucht zu haben schien.
Da seit 19 Monaten kein Erzpriester im Cirkel war,
der Prälat-Decan resignirt hatte, Custos, Cantor und Scholastikus
innerhalb 5 Monaten gestorben waren, so unternahm es
der einzige Resident Propst Julias Pilati Freiherr v. Thassul,
gestützt auf § 17 der pragmatischen Sanction und auf ein
Decret des General-Vicariat-Amtes vom 10. Februar 1716
das zum Begräbnisse Erforderliche zu veranlassen. Erst
Nachmittags hatte er das traurige Ereigniß von weltlichen
Leuten vernommen und machte sich sofort nach Benkowitz
auf, wo er bereits 3 Vicare und den Stiftshauptmann
Georg Josef Czesch, der zur Siegelung erschienen war,
vorfand. Der Propst verordnete, daß der Leichnam am
nächsten Tage in der Kirche zwischen dem Bruder und der
Schwester, wie der Verstorbene früher den Wunsch
ausgesprochen, in der Gruft verwahrt werde, am 5. aber solenne
Exequien stattfinden sollten; dann versiegelte er den Speicher,
--- S.166/#181
eine Kiste und Kammer, in welche er nach aufgenommenem
Verzeichnisse das Mobiliar bringenließ; zur Aufsicht über
die Wirthschaft, zumal Getreide eben in die Scheuer gebracht
wurde, bestellte er den Vicar Andreas Wilczek, einen Freund
des Verstorbenen und trug dem hiesigen Kaplan die weitere
Verwaltung der Seelsorge auf. Am 5. fand die Leichenfeier
statt, zu der 32 Priester erschienen. Hierauf meldete
der Propst den Vorgang der Geistlichen Behörde und bat,
recht bald einen Erzpriester zu ernennen, für welche Stelle
er als würdigsten den Pfarrer Caspar Thaddäus Gawlik
von Pogrzebin in Vorschlag brachte. Da Chorus zugleich
als Altarist der Tuchmacherzunft ein besonderes Haus in
der Stadt und in demselben eine volle Ausstattung (Bilder,
Bücher, Meubles, Kleider, Schuldscheine etc.) hatte, so nahm
der Propst mit mehreren Zeugen am 18. d. Mts. auch dieses
Inventar auf. Für die Seelenruhe des Chorus sind 65 Gulden
auf sechs heilige Messen fundirt. Kapläne unter ihm waren:
Franz /Bartziaga/, geboren Benkowitz 1673, studirte
in Olmütz, wurde Priester und 1698 vom Pfarrer zu seiner
Bequemlichkeit angenommen, wird 1714 noch hier genannt,
wurde 1715-1727 Vicar am Collegiatstift, Altarist der
literatischen Bruderschaft und starb, falls es derselbe ist,
im hohen Alter am 8. Februar 1761.
Paul Ignatz /Popela/, geboren Benkowitz 1687, studirte
speculative Theologie, wurde 1713 auf den Tischtitel des
Johann Heinrich Rogoiski für Walzen ordinirt, Kaplan
in Oderberg, Testamentsvollstrecker des verstorbenen Pfarrer
Mathias Franz Meißel, wohnte in der Schule und erhielt
den vierten Theil des Accidenz, kam nach Benkowitz, wurde
1741 Pfarrer in Ujest und starb 1748.
Franz Lorenz /Novatius/, geboren Radoschau 1675,
studirte in Olmütz, wurde 1700 auf den Tischtitel von
Adamowitz, eines dem Jungfrauenstifte gehörigen Gutes
ordinirt, Vicar in Rybnik, kam 1703 als Pfarrer nach
Mschanna und 15. September 2727 hieher. Zum
Weihnachtsgeschenk erhielt er vom Kloster alljährlich zwei Eichen.
--- S.167/#182
In Benkowitz war ehemals unter den Knechten von Ostern
bis Pfingsten ein Schulze aufgestellt, welcher mit seinen
Adjuncten die von dem Gesinde in der Kirche begangenen
Unziemlichkeiten bestrafte; da letztere aber die übrige Zeit
des Jahres Excesse frei beginge, wurde auf Veranlassung
des Pfarrers aus den Knechten ein Schulz auf das ganze
Jahr bestellt, was sich auch in der Umgegend bis auf den
heutigen Tag erhalten hat. Der Pfarrer begann 1719 den
massiven Kirchbau und ließ sowohl am Orte wie in
Tworkau und Schillersdorf Ziegeln anfertigen, deren sehr
viele in den Grund versenkt werden mußten. Er hatte 1500
Parochianen, katechisirte auch in der Schule fleißig und bezog
aus den noch geringen Fundationen 7 Floren, aus den übrigen
Einkünften 174 Floren. Er taufte 6. Juli 1729 ein Zwillingspaar
aus Tworkau in Benkowitz , fundirte auf eine monatliche
Messe für seine Seele 80 Thaler und starb in demselben Jahr.
Anton Paul Schuster (siehe Erzpriester Seite 48.)
Seit 1732 Pfarrer in Benkowitz, beendete er den Kirchenbau,
den sein Vorgänger bis zum Tode fortgeführt und
wozu 5000 Floren aus der Kirchenkasse verwendet worden
waren. Im Jahre 1730 wurde das Kreuz auf den Thurm
aufgesetzt.
Von 1736-1738 ist die Kirchhofmauer auf der
Straßenseite massiv hergestellt und über deren kleinen Pforte
1744 die St. Johannis von Nepomuk Statue von Stein
zwischen zwei Genien mit Chronogramm aufgestellt worden.
Der Kirchhof enthielt 80 Quadratruthen 30 Quadratfuß.
Das Ober-Steueramt in Breslau bestimmte 1. April
1748, daß nach einer vom Landrath gehaltenen Untersuchung
der Pfarrer laut seiner eingereichten Nachweisung einzunehmen
habe: 1. an Missalien Getreide je 99 Scheffel Roggen und
Hafer; b. an Manipulardecem (=Feldzehnt) 11 1/4 Scheffel
Weizen, 117 Scheffel Roggen, 12 Scheffel Gerste und
106 1/2 Scheffel Hafer. Das von ihm angelegte, noch
erhaltene Todtenbuch beginnt mit dem Jahre 1741.
--- S.168/#183
Nachdem der Bau der Kirche vollendet war, wurde sie am
22. Juni 1749 durch den Fürstbischof Philipp Gothard Graf
Schaffgotsch auf den alten Titel Allerheiligen consecrirt und
findet das Kirchweihfest Sonntag vor Johannis dem Täufer
statt. Das Gotteshaus ist 96 Ellen lang, 32 Ellen breit
und hat 10 Fenster. Der Canonicus führte 3. Juni 1753
den Kreuzweg ein und errichtete 3 Jahre später die Bruderschaft
zum heiligen Altarsacramente, fundirte die Predigten
am Montag und Dinstag während des 40stündigen Gebets,
200 Gulden auf vier Cabtata und zwei stille Messen,
wurde nach dem Tode des Anton von Mazurek Erzpriester,
starb am 14. September 1756 und ist vor dem Altar des
heiligen Johannes von Nepomuk bestattet, zu dessen
Beschaffung er 100 Gulden verwendet hatte. Sein Porträt
befindet sich im Pfarrhause zu Benkowitz.
Dem Hirten folgten zwei Wohltäter der Kirche im
Tode bald nach: nämlich am 26. August 1757 der Kirchvater
Jacob Lokaj im Alter von 68 Jahren, bestattet unter dem
Chor und 16. Januar 1760 Thomas Nawrath 56 Jahre
alt, der zu den Stationsbildern Beiträge eifrig gesammelt.
Kapläne waren:
Johann /Woznicka/, ordinirt 23. September 1724,
war 1731 Kaplan in Cosel, von November 1736-1740
hier, 1747 Kaplan in Gleiwitz, 1748 Administrator, dann
Pfarrer in Pilchowitz, starb 1754
Simon /Schemiczek/, /Bukoviensis/, erhielt 22.
September 1736 die /minores/, 16. März 1737 auf den Tischtitel
des Josef Wenzel von Salisch für Kornowatz das
Subdiaconat und 28. Februar 1738 die Priesterweihe, war
hier Kaplan von 1741 bis 7. April 1751, wo er
gottergeben starb und am nächsten Tage im Schiff der Kirche
auf der rechten Seite neben dem Chor bestattet wurde.
Während er October und November 1744 in Woinowitz
Administrator gewesen, half in Benkowitz Marcell Janke
aus. Dann leisteten Franziskaner Aushilfe, bis wieder
Cooperatoren angestellt wurden.
--- S.169/#184
Georg Josef /Kubicza/, geboren Radlin bei Loslau,
erhielt 8. Juni 1743 die /minores/, trat 28. November d. J.
ins Alumnat, wurde 30. Mai 1744 Subdiacon auf den
Tischtitel des Adam Wenzel von Kisielowski für Seibersdorf,
12. Juni 1745 ordinirt, 1748 Kaplan in Groß-Dubensko,
1750 in Loslau, dann in Gieraltowitz, Juli 1751 hier,
ging März 1753 nach Tost und war 1755 in Namslau.
Martin /Philippi/, geboren 1730, 1. April 1752
Subdiacon, 23. December d. J. ordinirt mit bischöflicher
Dispens, da 11 Monate fehlten; heir April 1753 bis
2. Juni 1754, Cooperator in Bohrau, wurde 1757-1776
Pfarrer in Kujau, starb als Pfarrer von Loncznik 4. März 1786.
Georg /Foiczik/, geboren Sohrau, trat 5. November
1753 ins Alumnat, erhielt 29. März 1754 die Priesterweihe,
war Kaplan in Benkowitz vom 11. Juni 1754 bis
26. März 1756, in Oltaschin 1760 bis 1761, kam nach
Bodland.
Matthäuse /Adametz/, geboren Benkowitz, war bereits
September 1752 als Magister der freien Künste hierorts
Pathe, erhielt 8. Juni 1754 die niederen Weihen, am
13. October des Jahres als Minorist Pathe in Janowitz,
trat 4. April 1755 ins Alumnat, erhielt am 24. Mai auf
den Tischtitel des Carl von Eicke für Lonitz, Pstronzna,
Krzischkowitz, Rzuchow das Subdiaconat, am 20. September
desselben Jahres die Priesterweihe, war hier Cooperator
vom 27. März 1756 bis 26. Mai 1763, wurde Curatus
in Woinowitz, October 1783 Administrator in Benkowitz,
fundirte 160 Thaler auf ein Cantatum und acht stille
Messen am hiesigen Orte, machte auch Fundationen in
Polnisch-Krawarn und Woinowitz und starb als Pfarrer
in Woinowitz 1. Februar 1785.
Franz von Wyplar wurde zunächst Commendar 1) in
Autischkau. Am 1. October 1743 trug das General-Vicariat-Amt
dem Commissar Anton von Mazurek auf, den
----------
1) Commendar ist ein Seelsorger ohne Investitur.
--- S.170/#185
bisherigen Commendar als Pfarrer einzuführen. Letzterer
wurde Anfang 1757 als Pfarrer hieher befördert, wo er
bereits am 7. Januar die erste Taufe hielt. Auch dieser
Pfarrer fand einen schnellen Tod. Am 29. November 1764
Abends 8 Uhr stürzte er in den Keller, blieb todt und wurde
am nächsten Tage bestattet. Der Franciskaner P. Christian
Piwko fungirte bis am 22. Januar, wo Ignatz Hanusek
aus Tworkau als Administrator eintraf.
Andreas /Puff/, geboren Ratibor, studirte 1752 als
Grammatist in Rauden, war vom 22. Juli 1763 bis
14. April 1764 hierorts Kaplan, taufte 5. Mai 1764 in
Janowitz, starb 27. März 1806 in Rauden und wurde in
der Gruft unter dem Thurme bestattet.
Mathias /Opperskalski/, Sohn des hiesigen Lehrers,
starb am 28. Juli 1764. Sein Bruder Florian hielt am
17. Juni eine Taufe.
Johann von /Burzinski/. (Siehe Altendorf S. 75.)
Es war von der Breslauer Kammer angeordnet worden,
daß auch die Geistlichen sich mit der verbesserten Lehrmethode
in Sagan bekannt machen und darüber durch ein Zeugniß
des Abt von Felbiger sich ausweisen sollten. Das
General-Vicariat-Amt ersuchte 28. December 1764 die Breslauer
Kammer, dem präsentirten Pfarrer das Placitum zu ertheilen
und von der Reise nach Sagan zu entbinden, weil er bei dem
Mangel an Seelsorgern von der Parochie nicht lange
wegbleiben, sich auch durch die inzwischen gedruckte Instruction
mit der Methode bekannt machen und später, wenn nähergelegene
Seminarien vorhanden, eins derselben besuchen könne.
Die Schlesische Kammer bestand aber 8. Januar auf der
Forderung und könne kein Benefiziat, so lange anderwärts
Seminarien noch nicht etablirt seien, von der Reise nach
Sagen dispensirt werden. Inzwischen hatte Franz Julius
Sommer, Pfarrer in Rathmannsdorf bei Neisse als Dechant
von Ratibor gewünscht, dem Collegiatstift näher zu sein und
um das Benefiz in Benkowitz gebeten, zog jedoch auf die
Kunde, daß Benkowitz durchaus polnisch, er aber dieser
--- S.171/#186
Sprache im allermindesten mächtig sei, das Gesuch 13. Mai
zurück. Gleichwohl wurde er 1791 Pfarrer von Markowitz,
wo er bis zum Tode durch 6 Jahre fungirte.
v. Burzinski hatte sich, die Kosten nicht scheuend,
von einem Ende Schlesiens zum andern reisend, nach Sagan
verfügt, sich dort die für die Schule nöthigen Kenntnisse
erworben, einen Attest über seinen angewendeten Fleiß
erhalten und bat 23. März um das Placet zur Erlangung
des Benkowitzer Benefiz, dessen Einkünfte auf 212 2/3 Thaler
geschätzt wurden.
Ehemals genossen Kirchväter die Auszeichnung, nach
dem Tode in der Gruft beigesetzt zu werden; als letzter
wurde Johann Adametz, ein Bauer, am 9. October 1767
in der Kirche bestattet.
Seit 26. Juni 1765 Pfarrer in Benkowitz, wurde
von Burzinski 1776 /Actuar circuli/, baute den Holzstall,
schaffte abergläubische Gebräuche ab, z. B. das Baden der
Pferde am Charfreitage, war ein eifriger Kanzelredner und
Katechet, hielt 7. September die letzte Taufe, fundirte
100 Thaler auf ein Cantatum und vier stille Messen, starb
am Blusturt 19. d. Mts. und wurde am nächsten Tage
vor dem Altare Matris dolorum bestattet.
Caspar /Misera/, geboren 1734 zu Benkowitz, war
1749 Grammatist, 1758 Theologe in Rauden, wurde 1760
ordinirt, half hier vom 11. Juli 1765 bis März 1767
aus, taufte inzwischen vom 1. Juni bis 13. d. Mts. in
Janowitz, wurde 1775-1801 Präbendar in Myslowitz.
Ignatz /Hanusek/, geboren Ratibor 1712, erhielt
Pfingsten 1746 die niederen Weihen, 25. Februar 1747
das Subdiaconat, wurde 25. Juni d. J. Priester, war 1748
Cooperator in Dzieckowitz, 1750 in Otmuth, 1751 in
Chroscina, 1752 in Brosetz, 1753 in Altzülz, 1756 in
Jedlownik, September 1757 bis März 1769 in Tworkau,
inzwischen nach v. Wiplar's Tode Administrator in Benkowitz,
wurde, nachdem er sehr oft hier Aushilfe geleistet, Kaplan,
--- S.172/#187
starb 25. APril 1779 und wurde zwei Tage später in der
Kirche bestattet.
Ignatz /Leja/, geboren August 1740, Kaplan in
Benkowitz, war von 1773-1778 Kaplan in Cosel, Sacristan
in Ratibor, starb als Vicar 28. November 1807.
Lorenz /Kurek/, geboren 1737 in Oppeln, erhielt
21. Juni 1761 die niederen Weihen, 5. Juni 1762 die
Ordination mit Dispens über 3 Monate, war 1765 Kaplan
in Krappitz, hier Mai 1773.
Caspar /Staß/, Kaplan vom 20. Juni 1773 ab.
Valentin /Schade/, hier Kaplan vom 16. März 1774
bis 2. Februar 1775.
Andreas /Jaroszczik/, heir Kaplan vom 17. Mai
bis 4. Juni 1776.
Heinrich /Poznalek/, geboren Ratibor, 19. Februar
1774 Minorist, erhielt 23. December 1775 die Priesterweihe,
war Januar 1777 Cooperator in Lubowitz, wurde
März bis April 1778 Cooperator in Pschow, hier Kaplan
vom 13. APril bis 25. August d. J. und kam als Pfarrer
nach Pstronzna. Nach ihm war längere Zeit kein Kaplan
am Orte; Franciskaner und Nachbargeistliche leisteten
bisweilen Aushilfe. Administratoren waren nach dem Tode
des von Burzinski:
Anton /Preidel/, geboren Militsch, Sohn eines Kochs,
studirte von 170 ab in Rauden, traf 21. November 1781
ins Alumnat, das er 4. Mai ohne Decret verließ, wurde
November 1783 Kaplan in Gleiwitz.
Matthäus /Adametz/, der ehemalige Kaplan seit dem
9. October 1783, im späten Winter fungirte ein Franciskaner.
Maximilian von /Por,ebski/, geboren Brodek
November 1744, Sohn des Georg von Por,ebski und der
Marianne von Kamienitz, ordinirt 1767, zunächst Pfarrer
in Repten 1768, wurde Decan des Beuthner Cirkels 1773,
am 21. September 1783 vom Jungfrauenstift für die
hiesige Pfarrei präsentirt, vom Vicariatamt 29. October zur
Ertheilung des Placet dem dirigirenden Minister von
--- S.173/#188
Schlesien empfohlen, am 15. November nominirt und
Februar 1784 eingeführt, hielt die Trauungen meist selbst,
begrub 12. Mai 1794 seine 85jährige Mutter, die drei
Tage vorher im Herrn verschieden und 5. November d. J.
den Vater, der am 2. d. Mts. 82 1/2 Jahr alt gestorben
war. Das Jungfrauenstift überreichte 15. Februar 1794
laut Edict vom 14. Februar 1793 das Vermögensverzeichniß
der Benkowitzer Kirche, nämlich ein Rechnungsbuch von 1748,
ein Proventenbuch von 1651, welches 7. November 1736
vom Erzpriester und 20. Mai 1737 bei der Generalvisitation
vom Generalvicar Joachim von Strachwitz approbirt
worden, wie auch ein Beschreibung der Gebäude, des
Kircheninventars, der Einnahmen. Die massive Kirche
hatte sechs Altäre, bedurfte der Pflasterung, der Glockenthurm
war noch nicht völlig aufgeführt, der Kirchhof nur von der
Dorfseite mit einer Mauer umgeben. Der Pfarrer beschaffte
neue für 120 Thaler von Krause in Frankenstein gemalte
Kreuzwegbilder, wozu er 114 Thaler beitrug und die beiden
Staffirer durch 18 Wochen beköstigte. Während der
Anfertigung, als eben die Bruderschaftsexhorten am
Gründonnerstag Abends den 17. April gehalten wurde,
entstand ein Brand, welcher das Dach der Kirche, den Thurm
mit 5 Glocken, das Pfarrhaus (die Stallungen blieben
stehen) einen bedeutenden Theil des Dorfes in Asche legte.
Leider ging auch die Pfarrregistratur mit Ausnahme eines
einzigen Schriftstückes zu Grunde. Noch in demselben Jahre
wurde die Pfarrei, Thurm und Dach der Kirche wiederhergestellt.
Stanke in Troppau goß drei Glocken, eine
große von 15 Centner 50 Pfund, eine mittlere von 6 Centner
82 Pfund, eine kleine von 44 Pfund, wozu die Kirchenkasse
500 Thaler, die Gemeinde 101 Thaler, Georg Wyskoni
aus Sudol 80 Thaler gegeben. Die Sterbeglocke von 80
Pfund und Signalglocke von 90 Pfund beschafften zwei
andere Wohlthäter.
Johann von Wostrowski residirender Domherr in
Breslau erbot sich die Glocken zu benediciren und waren
--- S.174/#189
die geistlichen Jungfrauen aus Ratibor bei der Feierlichkeit
anwesend. es herrschte allgemeine Freude und Trost nach
der schweren Heimsuchung. Zur Erneuerung des Kirchendaches
und Thurmes hatte das Stift 800 Thaler, der
Pfarrer 400 Gulden, die Kirche 200 Thaler, Thomas
Lamzych 50 Gulden gegeben, zur Eindeckung des kleinen
Thurmes die Knechte und Mägde 100 Gulden. Da das
ehemals feste Gewölbe im Feuer sehr gelitten, so wurde
dasselbe durch eine Thür verschlossen, um das Herumlaufen
der Jugend auf demselben zu verhüten. Der westliche,
südliche und östliche Theil der Kirchhofmauer wurde 1795
aufgeführt, wozu das Jungfrauenstift als Patron den Kalk
und der Pfarrer 200 Thaler gaben.
Ein großer Wohltäter der Kirche war der Obermüller
Johann Koza; er beschaffte im letzten Jahrzehnt des vorigen
Jahrhunderts ein Leichentuch zur Bahre, für 120 Gulden
ein rothes Meßgewand mit weißem Rücken und echten Tressen;
für 40 Gulden ein schwarzes Meßgewand aus Manchester,
gab 18 Thaler als Beitrag zum Kreuzweg, zur 80 Pfund
schweren Signaturglocke 100 Gulden, zur 40 Pfund schweren
Sterbeglocke 40 Thaler. Er und der ehelose Simon Jaschik
fundirten 120 Thaler zu Predigten am Gründonnerstage,
welche zwei Franciskaner halten sollten, für deren Abholung
und Abfuhr die Gemeinde sorgte. Anfangs fanden Abends
vor Charfreitag Geißelungen der Männer bei sechs Predigten
statt, was später abgeschafft wurde. Seit dem Brande
wurden nur drei Predigten gehalten und zwar zwei in der
Nacht und eine am nächsten Morgen; da aber die beiden
Reden die Zuhörer ermüdeten, so wurde die erste auf den
Palmsonntag, wo großer Markt stattfindet, verlegt; die am
Abend des Charfreitages übliche blieb weiter bestehen.
Als sich 1799 die Gemeinde freikaufte und die
Dominialgrundstücke erwarb, wurde der auf denselben haftende
Feldzehnt in eine Rente von 200 Gulden verwandelt. Aus
der 1794 erbauten Pfarrwohnung wurden 1801 Schüttboden
und Stallungen geschaffen und ein neues Pfarrhaus
--- S.175/#190
massiv aufgeführt; es ist 2 Stock hoch, 64 1/4' lang, 37 1/3'
breit und unterkellert; in der Bel-Etage befinden sich Gesindestuben
mit Kammer, Kaplanstube mit Kammer, ein Stübchen
für die Wirthin, Küche und Speisegewölbe, alles gewölbt;
im Oberstock ein Speisesaal und vier Stuben. Das
Jungfrauenstift gab das Bauholz, 80 Thaler auf Holz zum
Ziegelbrennen; die Kirchenkasse 200 Thaler, der Pfarrer
schoß 1380 Thaler zu, die Parochianen leisteten Spann-
und Handdienste. Die Sudoler wurden zur Leistung ihres
Antheils gerichtlich verurtheilt. In dem Abkommen zwischen
der Gemeinde und dem Kloster vom 16. September 1799
lautete § 10: die alten Stallungen des Vorwerks neben
dem Pfarrgrunde, den Schüttboden im Garten, die mittleren
und neueren Scheuern müssen die Käufer vom herrschaftlichen
Grunde hinwegräumen und da die Pfarrscheuern daselbst
baufällig sind, soll die Gemeinde die neuen Scheuern auf
dem Pfarrgrunde setzen. Auch hat sie dem Pfarrer und
Organisten das Heu zu geben und alle Lasten des Hospitals
zu tragen. 1803 wurde die hölzerne Scheuer mit zwei
Tennen und drei Bansen nebst Wandschoppen und die
Wagenremise gebaut.
Maria Anna, getauft 12. September 1737, Tochter
des Franz Graf Wengersky auf Rybnik, ahtte sich als
verwittwete von Lippa 15. Juni 1773 mit Anton Freiherr"
von Kalkreuth vermählt, der am 3. März 1800 auf
Pogrzebin starb. Die Wittwe fundirte 23. November 1806
bei dieser Kirche 480 Thaler zum Geläut der Todesangst
und des Abscheidens Christi, wie auch auf ein
Jahresgedächtniß und ging am letzten Tage des nächsten Jahres
in die Ewigkeit.
Der Pfarrer resignirte 1809 wegen Augenschwäche
und blieb bis zum Tode am Orte. Am 16. April 1818
meldete der Erzpriester dem Capitularvicariatamte, daß
von Porembski am zweiten Pfingstfeiertage sein 50jähriges
Priesterjubiläum feiern werde und erhielt am 30. d. Mts.
den Auftrag, ein von demselben Amte an der Jubilar
--- S.176/#191
gerichtetes Glückwunschschreiben am Feste einzuhändigen und
ihm auch mündlich die Theilnahme und Achtung der geistlichen
Behörde zu versichern.
Der emeritirte Pfarrer Maximilian von Porembski
starb am 28. Februar 1824. Er hatte des Morgens die
Dorfgerichte berufen, um sein Testament zu amchen. Als
er die Legate niederschrieb, traf ihn ein Nervenschlag, worauf
er sofort seinen Geist aufgab. Seine nächsten Erben waren
die verheiratheten Töchter seines Bruders: Caroline
verehelichte Lieutenant von Dombrowski, Luise verehelichte
Conducteur Jurzyczek (beide in Rybnik) und Natalie verehelichte
Erbrichter Miketta in Koblau.
Erzpriester Zolondek verfügte sich sofort nach Benkowitz
zur Versiegelung. Am 3. März erschien der Justizrath
Kersten vom Oberlandesgericht, nahm einige Siegel ab,
Silbersachen, Hypotheken und das bare Geld in Depositum
und versiegelte das Zurückbleibende. Das Vicariatamt machte
Gegenvorstellungen, das Gericht aber berief sich auf das
Reglement Berlin 8. August 1750, wonach blos die active
Geistlichkeit, welche in der Seelsorge sei, in Bezug auf die
Regulirung des Nachlasses unter dem geistlichen Amte stehe,
aber das Reglement erwähnt weder Activität noch Emeritirung,
sondern spricht von Geistlichen überhaupt und v. Porembski
verrichtete alle Geschäfte eines Seelsorgers bis zum Tode,
so weit es seine Kräfte zuließen. Das Oberlandesgericht
beauftragte 6. April den Erzpriester, die Entsiegelung und
Inventur baldigst vorzunehmen, den Mobilarnachlaß nach
Ratibor zu schaffen und das gelöste Geld /ad depositum/
zu geben. Etwas später setzte es zur Versteigerung des
Nachlasses eine Termin auf den 24. Mai loco Benkowitz an.
Der Pfarrer, welcher mit dem Adel der Geburt
zugleich ein edles Herz verband, war wohlthätig gegen die
Armen, ein gewissenhaften Priester, treuer Freund, Urheber
und Beförderer der Ackervertheilung in der Gemeinde. Bei
seinem Begräbniß am 4. März waren 29 Priester
erschienen und ruht er vor dem Altar /matris dolorum/.
--- S.177/#192
Die Universalerben des Verstorbenen, Pfarrer Galda und
Erzpriester Kubiczek errichteten 1840 für ihn eine Fundation
von 75 Thaler auf ein Anniversar mit Conduct und Salve.
Kapläne: Johann /Wystyrk/, war zweimal hier
angestellt, zunächst von 4. April 1786 bis 22. April 1788
und von Juli 1796 bis Juli 1796, starb vor 1802.
Albert /Kalu.za/, geboren 1765 zu Loslau, erhielt
21. Februar 1785 die /minores/, 10. Juni 1786 auf den
Tischtitel des von Januschowski-Goldmannsdorf das
Subdiaconat, 22. September 1787 mit päpstlicher Dispense
von 19 Monaten 19 Tagen die Priesterweihe, hier von
29. April 1788 bis 30. Juli 1789, dann Kaplan in Cosel,
1790 Pfarrer in Rzctziz, wo er 23. April 1796 starb.
Jacob /Menzel/, geboren Türkwitz, erhielt 17.
December 1785 die niederen Weihen, 10 Juni 1786 auf den
Tischtitel des Breslauer Archidiacon Ernst von
Strachwitz-Buchelsdorf das Subdiaconat, 29. October d. J. die
Priesterweihe, hier August 1789 bis 10. Januar 1791, wurde
Pfarrer in Landsberg, wo er 18. Mai 1806 starb.
Daniel /Blachnik/, geboren Rosenberg, erhielt 24ten
September 1785 die /minores/, 17. December d. J. auf
den Tischtitel des v. Schweinichen-Radau das Subdiaconat,
25. März 1786 die Priesterweihe, hier von 18. Januar
1791 bis 15. Februar d. J., wurde Kaplan in Pilchowitz,
dann Lokalist in Koschentin und wird 1802 nicht mehr genannt.
Andreas /Baron/, geboren Groß-Strehlitz 1764, erhielt
23. Devember 1786 die /minores/, am 2. Juni 1787 auf
den Tischtitel des Johann Erdmann Graf Tenczin-Grodzisko
das Subdiaconat, 22. December d. J. die Priesterweihe, hier
von 25. Februar 1791 bis 12. Juli 1794, schenkte zu
dem Kreuzweg 9 Thaler, wurde Pfarrer in Sierokau und
starb als Jubilar 5. Januar 1846.
Simon /Galda/, Kaplan von 3. September 1798
bis 1809, wurde hier Pfarrer. Er war 22. October 1769
zu Benkowitz als Sohn eines Schmiedemeisters geboren,
studirte in Rauden, erhielt 21. September 1793 die niederen
--- S.178/#193
Weihen, 3. November auf den Tischtitel des Jungfrauenklosters
für das Gut Benkowitz das Subdiaconat, trat 5ten
November ins Alumnat, erhielt 5. April 1794 die Ordination,
feierte die Primiz in der noch rauchenden Kirche des Geburtsortes,
die wenige Tage vorher das Dach eingebüßt, wurde
Kaplan in Polnisch-Neukirch, 1796 in Lohnau, 1798 in
Benkowitz, Pfarradministrator am 9. October 1809, vom
Jungfrauenkloster präsentirt, 15. November vom General-Vicariat-Amt
zur Ertheilung des Placet der Breslauer
Kammer empfohlen, zahlte der Seminarien-Kasse 128 2/3
Thaler, worauf er die Rechte, Einkünfte, Privilegien und Lasten
der Pfarrei und der Organistenstelle, wie auch das Inventar
beider Kirchen verzeichnete. Da das Pfarrarchiv 1794
verbrannt war, so schöpfte er seine Nachrichten aus dem
Archipresbyteratsarchiv, aus der mündlichen Ueberlieferung und
sachilderte den Zustand der Kirchen und Schulen aus eigner
Anschauung. Damals bestanden bereits zwei äußere Kapellen,
eine mitten auf dem Wege bei dem Gasthause, die andere
zu Ehren des heiligen Johannes von Nepomuk an der
Westseite des Dorfes; gemauerte Säulen waren eine außerhalb
des Dorfes bei der Ziegelei mit den Bilern des heiligen
Nicolaus und des heiligen Florian; eine zum heiligen Urban
an der Grenze der Dorfäcker neben der Ratiborer Straße.
Kreuze standen je eins auf beiden Seiten des Kirchhofs,
das dritte am Ende des Dorfes (/na chechlowie/), das
vierte na Padzielkach (=Parzelle) am Ratiborer Wege,
hieher geht die Procession am Gedächtnistage der heiligen
Martyrer Johannes und Paulus. Das bei der Scheuerbrücke
ist nicht benedicirt.
Galda erwähnt bei Beschreibunge, wie der Gottesdienst
gehalten wurde, eines alten Gebrauches, der sichauch in der
Umgegend bis auf die Gegenwart erhalten hat, nämlich,
daß am ersten Sonntage nach jeder Quatemberwoche nach
dem Ausläuten eine lange Reihe eingetragener Verstorbener,
--- S.179/#194
und zwar aus jedem Hause zwei oder drei von der Kanzel
verlesen werden, hierauf folgt ein kurze Exhorte über das
Sonntagsevangelium und fünf Vaterunser mit dem englischen
Gruße; nach dem Asperges wird das Hochamt mit Opfergang
gehalten, woran sich die Procession wie am
Allerseelentage anschließt 1).
Die Kirche hat sechs Altäre: das Hochaltar zu Allerheiligen
in Mistek durch Oczko geschnitzt, der auch die Kanzel
enfertigte, kostete 47 Thaler; das Altar Johannes von
Nepomuk, beschafft durch Pfarrer Schuster; das Corporis Christialtar;
das Altar zur schemrzhaften Mutter Gottes, 1568
durch den Junggesellen Gregor Musiol aus Sudol besorgt;
das Altar des heiligen Anton von Padua, durch Pfarrer
Thoams Tobiades angeschafft; St Anna-Altar nach der
Säcularisation des Klarenklosters in Troppau durch den
Pächter des hiesigen Vorwerks Carl. v. Schweinichen gekauft.
Um die Bojanower vom Besuche der Kirche in
Kranowitz abzuhalten, hatte Bauer Josef Zbeczka aus
Bojanow 200 Thaler fundirt, damit nach allen Hochämtern
an Sonn- und Feiertagen der sacramentale Segen gegeben
werde, wie dies in der Olmützer Diöcese, wozu Kranowitz
gehört, üblich gewesen. Hochämter fanden außergewöhnlich
statt an den drei Freitagen nach Ostern, Himmelfahrt und
Pfingsten mit Procession durchs Dorf, am Tage St. Johannes
von Nepomuk, der heiligen Martyrer Johannes und Paulus,
Florian, Urban durchs Feld, an dem Gelöbnißtage St. Nicolai
-----------
1) Zu den Pflichten der im Jahre 1343 zu Ratibor errichteten
heut noch bestehenden literatischen Bruderschaft gehört auch die
Verbindlichkeit, daß die Mitglieder Sonntags nach den Quatembern
den Vigilien und am folgenden Tage der Bruderschaftsmesse
beiwohnen und für die gestorbenen Brüder und Schwestern beten.
Nach den Statuten des Bischof Rudolf findet am ersten freien
Tage nach der Quatemberzeit Officium und Requiem für die
Bruderschaft statt. In Gleiwitz wurde schon in alter Zeit Sonntags
das officium defunctorum mit neun Lectionen und ein /sacrum/
für die Verstorbenen gehalten, was bei der canonischen Visitation
im Jahre 1679 verboten wurde.
--- S.180/#195
ohne Procession; an den Tagen St. Mathias, Maria Magdalena,
Anna und Laurentius wurde wenigstens Nachmittag gearbeitet;
wegen der gut ausgefallenen Ackertheilung zwischen Dominium
und Gemeinde wurde am Annafeste nach dem Hochamte
der Segen ertheilt; damals zählte die Parochie 1477
Communikanten, akatholisch war nur ein Häusler in Sudol.
"
197-198 Pfarrei Benkowitz, Sudol
"Sudol,
nördlich von Benkowitz gelegen, wird das erste Mal 1334
erwähnt, als Bischof Nanker den Feldzehnten dem
Jungfrauenkloster schenkte. Der Ort hieß damals Suchdol Trockenthal
im Gegensatz zu dem benachbarten auf Ratibor zu
gelegenen quellreichen Dorfe Studena (Studna=Brunnen).
Das Gut gehörte bereits im 15. Jahrhunderte dem Geschlecht
Klema von Elgot. Als die Herzöge Nicolaus und Wenzel
am 25. April 1435 dem Sobek Bielik von Oderberg und
dessen Bruder Mathes ihr Dorf Olsau für treue Dienste
schenkten, steht unter den Zeugen Johann Klema v. Suchdol
am zweiter Stelle. Derselbe tritt auch 23. Februar 1479
in einer zu Ratibor ausgestellten Urkunde auf. Der Landrichter
Nicolaus Klema-Kocur (Kater), wohnte in Ratibor
und gab dem Prior des Dominikanerklosters 1530 alle
Quartale 1 1/2 Thaler auf fromme Fürbitten. Er kaufte
1545 von der Familie Bitowski von Fulstein das bischöfliche
Lehn Katscher und hatte mit seiner Gattin Salome v. Zwole
nur Töchter. Eine derselben Anna vermählte sich zunächst
mit Nicolaus von Skrzidlowski, in zweiter Ehe mit Sigmund
Reiswitz von Kandrzin auf Kornitz. Der Vater verschrieb
ihr 1555 800 Thaler auf Sudol. Eine andere Tochter
Magdalena verehelichte sich mit Nicolaus von Gaschin und
schenkte ihm 1557 halb Sudol, ein Haus und Garten in
Ratibor, auch brachte sie ihm den halben Lehnsantheil
--- S.198/#213
Katscher zu. Zwei Jahre später übergab Anna ihrem
Schwager ihren Antheil an Katscher, so daß er das ganze
Lehn allein besaß: Sudol aber behielt er nur zur Hälfte,
so daß letzterer Ort fortan aus zwei Antheilen bestand.
Erster Antheil von Sudol.
Nicolaus von Gaschin, welcher 20. September 1583
in Polen erschossen worden, hinterließ zwei Söhne Johann
und Melchior. Ersterer theilte mit seinem Bruder 24ten
März 1584 den vom Vater ererbten Besitz und übernahm
Halbsudol, erhielt 1586 für seine Familie den böhmischen
Ritterstand, starb 1610 und wurde in der Kreuzkapelle der
Dominikanerklosterkirche bestattet. Sein Denkstein ist in
der Wand noch zu sehen. Sein Bruder Melchior auf
Katscher, der Rosenberg und Albrechtsdorf gekauft, erbte
Halbsudol und verschrieb am 24. August 1611 den Dominikanern
auf dies Gut 100 Thaler, für deren Zinsen sie alle
Freitage ein eheilige Messe für die Familie lesen sollten.
Melchior hielt treu zum Hause Habsburg und erlangte
am 5. April 1621 die Freiherrenwürde mit dem Prädikat
'von und zu Rosenberg.' Er hinterließ von seiner Gattin
Margareth von Skal vier Söhne und zwei Töchter, welche
7. Januar 1633 in den Grafenstand erhoben wurden.
Joachim Ludwig, der zweite Sohn hinterließ nur zwei Töchter:
Judith Margareth und Euphemia Polixena. Letzte ehelichte
1673 den Franz Albrecht von Lichnowsky auf Lubowitz und
starb schon in den nächsten Jahren; auch Judith war vor
dem 21. Juli 1679 aus dem Leben geschieden; denn an
diesem Tage schlossen die Mitglieder der Familie mit ihrem
Neffen Julius Ferdinand Graf Jaroschin einen Vergleich,
wonach letzterer halb Sudol (Vorwerk und Feld), Vorwerk
Pieklo in Altendorf und einen freien Platz in Ratibor für
1500 Thaler überließen, welche Güter ihm bereits verpfändet
waren. Letztere fielen aber an die Gaschin zurück,
denn am 19. März 1682 verkauften die Geschwister Ferdinand
Otto Graf Gaschin Freiherr von Rosenberg auf Freistadt,
Wyssoka, Katscher zugleich in Vertretung der Johanna
--- S.199/#214
Emerentia Gräfin Gallas geb. Gräfin Gaschin und Comtesse
Catharina Benigna, ferner Georg Adam Franz und Rudolf
Graf Gaschin dem Gotfried Bernard Schalscha v. Ehrenfeld
auf Silberkopf den Antheil Sudol mit dem Platze vom
Freihause in Ratibor und dem Vorwerk in Altendorf für
4166 2/3 Thaler. Der Käufer war Wirthschaftshauptmann
bei Graf Gaschin in Polnisch-Neukirch gewesen, hatte 16ten
Mai 1676 den böhmischen Ritterstand erhalten und 1680
Silberkopf erworben. In zweiter Ehe vermählte er sich
28. Mai 1684 mit Eva Constanze Victoria von Skal,
kaufte 1687 Makau, 1698 Mosurau, machte 6. Mai 1698
sein Testament und starb am nächsten Tage. Die Söhne
theilten sich in die väterlichen Güter. Philipp Florian erhielt
halb Makau, Josef Anton die andere Hälfte des Ortes,
Carl Franz Mosurau und Johann Georg Silberkopf mit
Halbsudol. Letztgenannter verkaufte am 16. Februar 1718
mit seiner Gattin Johanna Therese, Tochter des Carl von
Zagiczek, halb Sudol dem Christian Florian v. Ehrencron
auf Brzesnitz, Lodnitz und Tabor für 4800 Thaler schlesisch.
Von nun an blieb dieser Antheil durch 91 Jahre bei dem
1 3/8 Meilen entfernten Brzesnitz und führte davon seinen
Beinamen.
Die Indiction des Gutes Halbsudol betrug nur 14
Thaler, da der Besitzer hier keine steuerbaren Realitäten
hatte, außer daß im Kretscham 30 Achtel Bier und ein
Eimer Branntwein jährlich ausgeschänkt wurden. Vieh
wurde nicht gehalten und das Wiesenheu nach Brzesnitz
geführt. Im Antheile waren 11 Bauern 2 Halbbauern
1 Häusler, die 49 Stück Kühe 150 Schafe und 13 Schweine
hielten.
Der aus Kuchelna stammende Viehhirt Simon Biskup
wurde 23. September 1747 von einem ungezähmten Stier
durchbohrt und starb sofort ehe der Priester herbeieilen konnte.
Die nachfolgenden Besitzer sind bei Brzesnitz
aufgeführt. Als Carl von Schimonski auf Brzesnitz am
4. October 1809 den Antheil Sudol an den Justizcommissar
--- S.200/#215
und Syndicus der Oberschlesischen Landschaft Franz August
Taistrik für 8000 Thaler verkaufte, erhielt dies Zweiggut
den Namen Ober-Sudol. Der Besitzer desselben erwarb
erwarb von dem andern Antheile 27 Morgen Ländereien und Wiesen,
das Bier- und Branntweinregal für 1241 Thaler und
verkaufte am 21. Februar 1817 sein Rittergut für 17,500
Thaler an die Gemeinde Ober-Sudol.
Zweiter Antheil.
Derselbe führte durch fast dreihundert Jahre den
Namen Kornitzer, seit dem Anfange des 18. Jahrhunderts
auch den Namen: Trach'scher Antheil und hieß seit 1809
Nieder-Sudol. Der fleißige Topograph Knie machte 1845
in seiner Uebersicht der Dörfer, Flecken und Städte die
Bemerkung, daß in Sudol die Aecker und Gehöfte des
Brzesnitzer und Kornitzer Antheils unter einander gemengt
liegen und der Grund dieser nicht einmal örtlich bedingten
Trennung nicht ermittelt werden kann! Im Vorstehenden
ist bereits nachgewiesen, wie der eine Antheil 1718 zur
Herrschaft Brzesnitz gelangte und auch schon angedeutet,
wann und wie der andere an Kornitz gedieh und soll nunmehr
die Aufeinanderfolge der Besitzer dieses zweiten Antheils
gleichfalls verzeichnet werden.
Nicolaus Klema von Elgot hatte noch Ganzsudol
besessen. Durch dessen Töchter trat die Theilung ein.
Magdalena brachte ihren Antheil dem Nicolaus von Gaschin
auf Katscher zu und Anna den ihrigen dem Gemahl Sigismund
Reiswitz auf Kornitz, der 11. Februar 1625
Vorwerk Ottitz, die Dörfer Bojanow, Woinowitz und Lekartow
erkauft, wurde von seinem Sohne Heinrich beerbt, der
23. Januar 1657 starb und nur zwei Töchter hinterließ.
Anna vermählte sich zunächst mit Ferdinand Dreski von
Märzdorf aus Bransdorf, dann mit Carl Freiherr v. Trach,
Edler von Birkau. Ursula Marianna, welche Kornitz,
Lekartow, Bojanow, Ottitz, Woinowitz und Halbsudol geerbt,
nahm 1669 in erster Ehe den Melchior Wilhelm v. Skal
--- S.201/#216
auf Moschen, Müllmen etc. und in zweiter Ehe 22. Juli
1680 den Paul Reinhard von Beyer. Am 2. Januar
1705 verkaufte sie mit Einwilligung ihres Ehemannes für
25 mille Thaler schlesisch Bojanow, Ottitz, Lekartow, Halbsudol,
das Kornitzer Haus und den Garten in Ratibor an
ihren Neffen, den Sohn des Carl Freiherrn von Trach,
Namens Silvius Erdmann auf Bransdorf, Kornitz, Woinowitz,
Slawikau, Zittna, der schon am 28. Juli 1710 starb und
von seinem Bruder Gotlieb Carl beerbt wurde. Letzterer
erwarb die Herrschaft Tworkau und war Landeshauptmann
von Jägerndorf. Die Indiction von Ottitz, Lekartow und
Halbsudol betrug 1249 Thaler, die des ganzen Dorfes
744 Thaler.
Der Ausschank in Sudol wechselte alljährlich mit dem
Kretscham im andern Theile und wurden 8 Achtel Bier,
wie auch etwas Branntwein consumirt. Die 11 Bauern
und 10 Gärtner hielten 62 Schafe, 44 Kühe und 11 Schweine.
Gottlieb Freiherr von Trach verkaufte 2. Mai 1731
die Güter Kornitz, Bojanow, Woinowitz, Lekartow, Dzimirz,
Zittna, Vorwerk Ottitz und Halbsudol an Hieronymus
Edler von Bernini. Der Verkauf des in Altendorf
gelegenen Kornitzer Vorwerks ist S. 58 erwähnt; das Kornitzer
Landhaus auf der Jungfrauenstraße (Grotefendts Hotel
'Deutsches Haus') nebst Spitalgarten veräußerte die Wittwe
des Gottlieb Freiherrn von Trach, geb. Gräfin Sobeck, die
sich mit dem General von Weichs in dritter Ehe vermählt,
1765 für 1000 Thaler an Johann Anton Toscani.
Antheil Sudol II. blieb mit Kornitz in der Familie
von Bernini bis 1788, wo es Kurt Graf Haugwitz kaufte.
Dominial-Ländereien befanden sich in diesem Antheile
nicht, sondern die Unterthanen gaben Zins: in Geld 71
Thaler 13 Silbergroschen 8 Pfennige und in Getreide
11 Scheffel 4 Metzen. Die Robot der zur Herrschaft Kornitz
gehörenden Ackerbauern zu Lekartow, Halbsudol, Bojanow
und Woinowitz bestand in je dreitägigem (vierspännigem)
--- S.202/#217"
Roß- und Fußdienst auf den Vorwerken. Die Großbauern
waren, weil sie mehr Acker besaßen, verpflichtet,
in der Saatzeit an einem vierten Tage der Woche mit drei
Pferden und drei Eggen hinter dem Hofezuge zu eggen.
In den Wintermonaten hatten die Bauern statt Ackerdienste
zu leisten, Klaftern zu schlagen, Holz aus dem Zyttnaer,
später aus dem Dzimirzer Walde, Dung, Kalk etc.
anzufahren. Donnerstag im Winter war wegen des Ratiborer
Marktes robotfrei. Da jeder Bauer Gesinde und sechs
bis acht Pferde hielt, so konnte neben der Frohnarbeit für
die Herrschaft der eigene Acker ganz gut bestellt werden.
Doch klagten die Unterthanen wegen Ueberbürdung und
scheint eine kleine Erleichterung eingetreten zu sein.
Justizratz Taistrik kaufte 22. October 1814 vom Freibauer
Johann Wollny das Gut N. 9 für 2000 Thaler. Die
beiden Bauern Mathes Zajonc und Franz Burzig, welche
von Georgi bis Martini wöchentlich je drei Tage, von
Martini bis Georgi je zwei Tage Spanndienste der
Grundherrschaft leisteten, je 3 Thaler 18 Silbergroschen
Grundzinsen, an Wachtgeld 20 Silbergroschen zahlten, Gespinnst
lieferten, beim Schafebaden und -scheren halfen, machten
sich 26. October 1814 robotfrei, indem sie die Hälfte ihrer
Felder und Wiesen gegen Empfang von je 100 Thalern
dem Justizrath Taistrik überließen und nur die Hälfte der
Grundzinsen erlegten.
Anfang October 1816 verkaufte der Staats- und
Cabinetsminister Graf Haugwitz durch den Bevollmächtigten
Justiziar der Kornitzer Herrschaft Greupner der Gemeinde
Sudol Kornitzer Antheils (Scholz war Marcell Kurzidem,
Gerichtsleute Johann Kostka, Thomas Badziura, Valentin
Ploch, im Beistand des Rector Frank aus Benkowitz) das
Dorf mit Rechten und Lasten, Roboten, Zinsen und Ehrungen
für 8600 Thaler.
Am 4. September 1857 entstand ein großes Feuer,
welches 33 Wohnhäuser, 12 Scheunen und 2 Speicher in
Asche legte.
--- S.203/#218
Im Jahre 1784 hatte der Brzesnitzer Antheil 11
Bauern 3 Gärtner 87 Seelen; der Kornitzer Antheil 11
Bauern 10 Gärtner 3 Häusler.
1825 zählte ganz Sudol 356 Seelen; 1844 Sudol I.
in 36 Häusern 210 Einwohner und Sudol II. in 32
Häusern 256 Einwohner; 1855 Sudol I. 206, Sudol II.
261 Einwohner; 1861 Sudol I. in 39 Privatwohnhäusern
232 und Sudol II. in 44 Häusern 243 Seelen. 1883
in 74 Häusern 578 Seelen, welche 98 Pferde, 265 Stück
Rindvieh, 122 Stück Schwarzvieh, 25 Ziegen und 29
Bienenstöcke halten.
Gratialkirche.
Eine Kapelle am Orte stand seit 1771, obgleich
Dr. Luchs im zweiten Bande der Schlesischen Vorzeit
Seite 30 meint, daß der dreiseitig schließende Chor noch
dem alten gothischen Bau zuzusprechen sein dürfte.
Der Auszügler Caspar Ploch beabsichtigte dieselbe
zu erweitern, damit jährlich wenigstens einige Male,
besonders an den aufgehobenen Feiertagen darin Gottesdienst
gehalten werde. Bei einem Besuch des Generalvicars
Emanuel von Schimonski an seinem Geburtsorte Brzesnitz
trug Ploch seinen Wunsch vor und erhielt mündlich die
Genehmigung zur Erweiterung. Er erbaute auf eigene Kosten
ein massives Kirchlein mit Hochaltar, Kanzel und Orgel,
bestimmte Neujahr 1803 zur Bestreitung der Unterhaltungskosten
und Reparaturen 100 Thaler der Benkowitzer Pfarrkirche
und machte sich verbindlich zur Salarirung eines
Geistlichen nach erfolgter Einweihung 200 Floren zu bezahlen.
Die Gemeinden beider Antheile beschlossen 17. Juni 1804
einstimmig, zur Unterhaltung eines Geistlichen der Benkowitzer
Pfarrkirche als einbeständiges Fundationskapital
1200 Floren zu bestimmen und machten sich verbindlich,
das Kapital entweder mit 5 pCt. zu verzinsen und die
Zinsen an den Pfarrer in Benkowitz jährlich abzuführen,
oder aber die Summe in vier Terminen abzuzahlen und
die Ausleihung des Kapitals demselben zu überlassen. Die
--- S.204/#219
Verbindlichkeit zur Zinsenzahlung solle vom Tage der
Einweihung der Gratialkirche halbjährlich gerechnet werden.
Zur Sicherheit verpfändeten sie correaliter ihre
Wirthschaften und Grundstücke. Der Pfarrer soll jeden Monat
an einem ihm beliebigen Sonntage entweder selbst oder
durch seinen Kaplan Gottesdienst halten und soll der Klingelbeutel
zur Unterhaltung der Kaplelle verwendet werden.
Schließlich erklärten sie, in der Folge nie dahin trachten zu
wollen, daß die Gratialkirche zu einer Filiale erhoben werde
und machten sich verbindlich, ohne Beihilfe der Dominien
die etwa fehlenden Unterhaltungskosten und Reparaturen des
Gotteshauses selbst zu bestreiten, die bisherigen Beiträge
zur Pfarrkirche zu leisten und die Emolumente dem Pfarrer
abzuführen.
Die Gratialkirche wurde 11. November 1804 unter
dem Titel „Mariä Verlobung“ durch den Fürstbischöflichen
Commissar Franz Seypold aus Polnisch-Krawarn benedicirt
und wird das Kirchweihfest am zweiten Sonntage im
November gehalten. Das Gotteshaus führt den Namen Gratialkirche
deßhalb, weil die ehemalige St. Nicolaikapelle aus
besonderer Begnadigung zur Kirche umgestaltet wurde. Die
beiden Dominien gaben ihren Consens am 6. August und
6. December desselben Jahres. Das Fundationsinstrument
wurde von der Kriegs- und Domänenkammer 3. März
1805 und vom General-Vicariat-Amte am 13. April
desselben Jahres bestätigt. Von den 12 Bänken beschaffte eine
Josef Carl von Schimonski, der auch das Repositorium
in der Sacristei und ein Reliquiarium Sanct Crucis mit
Anthentica besorgte.
Die Gemeinde schaffte die Mauer um den Kirchhof,
ließ später öfters auf eigene Kosten Gottesdienst halten und
sendete die Fuhren, aber außer Beicht und Messe werden
keine Sacramente gespendet. Ein Kreuz steht auf dem Kirchhofe,
ein zweites mit 10 Thaler Fundationskapital zur Conservirung
an der Studzinnaer Grenze. Der Bauerauszügler Caspar
Ploch starb 24. November 1808 im Alter von 70 Jahren
--- S.205/#220
und wurde als Fundator in hiesiger Kirche bestattet. Allmählig
wurden auch Fundationen errichtet, die hier persolvirt werden
sollten. So gab 7. Juni 1822 die unverehelichte Hedwig
Tomiczek 60 Thaler auf drei Seelenmessen an den drei ersten
Freitagen der Fastenzeit, wobei der Sudoler Lehrer ein Lied
zum Leiden Christi zu singen habe. Am 30. December
1829 gaben die Philipp und Hedwig Wiskonischen Eheleute
100 Thaler auf fünf heilige Messen an drei Freitagen in
der Fastenzeit und an dem ersten Freitage nach Ostern
und Pfingsten nebst Lied oder Litanei, die der Sudoler Lehrer
unter Orgelbegleitung zu singen habe. Bei Mangel eines
Kaplans kann mit Wissen des Pfarrers ein fremder Geistlicher
die heiligen Messen celebrieren.
Bei der Errichtung der Kirche war auf die Besoldung
des Organisten keine Rücksicht genommen worden. Als es
1840 zur Differenz zwischen Pfarrer und Gemeinde kam,
so stiftete, obgleich die Geistliche Behörde entschieden, daß
die Gemeinde für die Besoldung des Organisten Sorge
tragen müsse, doch Pfarrer Marcinek um allen späteren
Unannehmlichkeiten zu entgehen, 15. August 1845 freiwillig
40 Thaler, wofür der Lehrer in Sudol jährlich die Zinsen
empfing. Bei Einzahlung des Stiftungskapitals wurde der
Brzesnitzer Antheil mit 458 Thalern 24 Silbergroschen
10 Pfennige, der Kornitzer mit 341 Thaler 5 Silbergroschen
2 Pfennige berechnet.
Der Freibauer Vincent Kostka vermachte 24. Februar
1850 auf ein Anniversar 80 Thaler, der Bauer Nicolaus
Kotula 11. April 1853 auf Fürbitten an den 12 Sonntagen
20 Thaler, die Anbauer Wittwe Josefa Kramarczyk
10. Juni 1860 auf ein Requiem cantatum und eine stille
Messe 100 Thaler; 7. Juni 1863 wurden auf zwei /Requiem
cantata/ für Franz und Adam Thomiczek 120 Thaler
fundirt. Für den 21. November 1870 im Kriege gefallenen
Simon Konieczny gab der Stiefvater Anastasius Popela am
30. Juli 1872 auf ein Requiem cantatum und eine Messe
100 Thaler; für Josefa Kramarczyk geb. Glombik, wurden
--- S.206/#221
auf ein Anniversar und eine stille Messe 4. August 1872
100 Thaler fundirt.
Zur Begründung eines Pfarrsystems stiftete der in
Sudol geborene Pfarrer Wiskoni in Rudnik am 14. Januar
1864 ein Legat von 17,750 Mark, welches bis Ende 1873
auf 25,380 Mark, bis 1884 auf 35,730 Mark anwuchs.
Am 6. Dezember 1868 kaufte die Gemeinde von
Wilhelm Morawetz die Häuslerstelle N. 128 für 400 Thaler
und im Viehtriebe 1 Morgen 140 Quadratruthen für 40 Thaler
und überließ diese Grundstücke 24. März 1871 der Kirche
zur Errichtung einer Pfarrei, wozu der Minister 24. Mai
1871 die Genehmigung ertheilte.
Andreas Kramarczyk testirte 29. Januar 1883 ein
Grundstück von einem Morgen Flächeninhalt und wurde im
nächsten Jahre ein massives Pfarrhaus mit schönen Räumen
aufgeführt.
Schule.
In der Disposition der Schulen des Kreises 1765
wurde Bojanow nach Sudol geschlagen.
Der Landrath Johann Heinrich von Wrochem zeigte
10. October 1782 den Dominien zu Kornitz und Brzezie
an: Bei Revision des Dorfes Sudol haben die Ortsgerichte
beider Antheile erklärt, eine eigene Schule zu erbauen und
einen besoldeten Schulmeister zu halten, was unter der
Bedingung angenommen worden sei, daß das Schulhaus
für eine Wohn- und geräumige Lehrstube angelegt und mit
gemauertem Schornstein versehen werden müsse; der Platz,
wo ehemals ein gemeinschaftliches Hirtenhaus gestanden, sei
auszuzeichnen. Am 16. April 1788 verfügte er die
Absetzung des bisherigen Schulmeisters wegen Untüchtigkeit
und Streitsucht und genehmigte die Ansetzung des Invaliden
vom Haggerschen Regiment Lorenz /Piella/. An Gehalt
bezog er: a. vom Dominium 5 Floren rheinisch, 5 Scheffel
Roggen, 1 1/2 Fuder Heu, freie Hutung; b. von Sudol
6 Floren und 5 Scheffel Roggen; c. von Bojanow 8 Floren
und 8 Scheffel Roggen.
--- S.207/#222
Die Kinder kamen 1798 wegen Hofearbeit und
Gesindemangel nicht fleißig in die Schule, doch wollte der
Lehrer ein Verzeichnis der schulpflichtigen Schüler aufnehmen.
Das Gebäude, nämlich noch das Hirtenhaus, war in
gutem Stande. Der Lehrer bezog von der Gemeinde nur
5 Floren und 3 Scheffel Roggen großes Maaß, vom
Dominium nichts.
Am 29. August 1800 befahl der Landrath der Gemeinde,
unter Vermeidung unangenehmer Ahndung dem Hirten eine
andere Wohnung anzuweisen. Am 9. April 1801 erklärte
sichdas Kornitzer Wirthschaftsamt bereit, das zur Vergrößerung
des Schulgebäudes erforderliche Holz unentgeltlich zu geben.
Am 22. April 1802 verfügte der Landrath an die Dominien,
das Stübchen für den Lehrer in Stand zu setzen und die
Lehrstube zu repariren und die Breslauer Kammer befahl
9. Juni für den neuen Lehrer das im Reglement 18ten
Mai 1801 festgesetzte Gehalt auszumitteln.
Carl Krzewki, Schulhalter von Sudol, starb 2.
November 1801 im Alter von 67 Jahren. Seine Wittwe
Marianna, die nach Benkowitz zog, folgte ihm 27. April
1806, 68 Jahre alt, im Tode nach.
Georg /Heber/, geboren 1748, war von 1802-1805
Lehrer in Studzienna gewesen (Seite 119), wurde hieher
versetzt und starb 6. März 1808.
--- S.208/#223
Josef Krause erwarb 1793 das Seminarzeugniß in
Rauden, trat zum Militär, wurde als Trompeter nach
14jährigem Dienst entlassen und 1808 als Lehrer hier
angestellt. Nach dem am 28. März geschlossenen Contract
erhielt er 7 Scheffel Getreide großes Maaß, 4 Klaftern
Holz und 25 Thaler, Hutung für zwei Kühe, Schwarzvieh
und Gänse.
Das Schulhaus war bereits schlecht und drang 1818
die Behörde auf einen Neubau. Im Januar waren bereits
40 mille Ziegeln und 12 Balken Holz vorräthig.
Da die Schülerzahl sich vermehrte und die Kinder
wenig lernten, so wurde die Anstellung eines Adjuvanten
nöthig. Es war Mathias /Sobetzko/, geboren 1799, aus
dem Seminar 1823.
Nachdem Krause 17 Jahre 5 Monate hier gelehrt,
mußte er unter der Bedingung abgehen, daß ihm 10 Gulden
und 2 Scheffel Roggen vom Nachfolger jährlich gereicht
wurden; er starb pensionirt 14. April 1843, 70 Jahre alt.
Am 4. Februar 1826 wurde der Gehalt von dem
Steueramt für den ehemaligen Adjuvanten und neuen Lehrer
repartirt, die Vocation aber erst 19. December 1829 bestätigt.
Er nahm Sofie Seifried zur Ehegattin und wurde 1. Januar
1833 nach Ruderswald versetzt.
Franz /Machaczek/, geboren 1809, in Breslau 1829
bis 1832 gebildet, Adjuvant in Janowitz seit 15. Juli 1832,
wurde Sommer 1833 hier Lehrer, 1. April 1843 Organist
und Lehrer in Woinowitz, starb 29. Juni 1876.
Durch Wegschaffung des Backofens und Anwendung
von Subsellien wurde das Lehrzimmer 1841 vergrößert.
Robert /Gottwaldt/, geboren 27. Juli 1815 Ratibor,
besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, machte 1839
in Oberglogau vor der Commission die Prüfung, wurde
für befähigt gefunden und Mai d. J. Adjuvant in Markowitz;
1. Juli 1840 nach Bukau als selbstständiger Lehrer befördert,
erhielt er 1. März 1843 für Sudol die Vocation, bestätigt
4. März 1844. Das Einkommen dieser Stelle betrug
--- S.209/#224
18 Scheffel 8 1/2 Metzen Preußisches Maaß Roggen, 3
Scheffel Weizen, 16 Centner Heu und 4 Schock Stroh,
3 Scheffel Gerste, 9 Klaftern Leibholz und 50 Thaler
Gehalt und Nutznießung von circa 5 1/2 Scheffel Preußisches
Maaß Aussaat Hutungsland, für welche die Schule im
Jahre 1861 bei der Ackerseparation in der Nähe des Dorfes
nur 4 Morgen erhielt. Das Gehalt, anfänglich 50 Thaler,
wurde im Jahre 1867 auf 70 Thaler und im Jahre 1868
auf 168 Thaler jährlich erhöht. Ein Erweiterungsbau sollte
im Jahre 1848 stattfinden, doch unterblieb derselbe bei den
damaligen unruhigen Zeiten und erst im Jahre 1857 wurde
der Neubau des Schulhauses auf der Stelle des alten
Schulgebäudes ausgeführt; im Oberstocke befindet sich die
Schulstube und im Unterstocke die Wohnung des Lehrers.
Schulkinder waren: 1799 40, 1842 76, 1857 71,
1865 74, 1878 110, 1884 110.
Bojanow,
8 Kilometer südwestlich von Ratibor an der Zinna und eine
kleine Strecke südlich von Woinowitz gelegen, hat mit letzterem
Orte in alter Zeit nicht nur eine gemeinsame Geschichte,
sondern auch die Bedeutung der Namen beider Orte ist
eine gleiche. Wojna und boj heißt Krieg, Kampf und ist
leicht möglich, daß in grauer Vorzeit dort eine Schlacht
stattgefunden und bei Anlage beider Dörfer der Name von
dem ehemaligen Schlachtfelde gewählt worden.
Ein Ritter und Landsasse Gerhard von Bojanow tritt
1313 in einer Benkowitz betreffenden Urkunde als Zeuge
auf. Prinzessin Eufemia vermachte in ihrem Testamente
1358 unter anderen Dotationen dem Jungfrauenstifte auch
das Dorf Bojanow mit dem Vorwerk und allem Zubehör;
das Gut wurde aber 50 Jahre später als heimgefallene
Apanage eingezogen. Im Jahre 1370 hatte der
Dominikaner-Convent in Bojanow eine Wiese, die unter den Wiesen
des Jungfrauenstiftes lag. Mitte September 1522
verpfändete Herzog Johann von Oppeln und Ratibor das
--- S.210/#225
Dorf den Gebrüdern Johann und Nicolaus Klema von Elgot,
welche ihm 300 ungarische und 100 böhmische Gulden
geliehen und dafür aus Bojanow einen Zins von 32 Gulden
erhielten.
Nach dem Urbar von 1532 hatte Bojanow 30
angesessene Unterthanen, welche 19 1/4 Hufen hielten und 38
Gulden zinsten. Die Mühle hatte zwei Räder und war
Eigenthum des Müllers, zinste 4 Malter Mehl, 1 Scheffel
Malz, mästete von Michaelis bis Fastnacht und von da
bis Ostern je 2 Schweine. Nachdem der Kaiser 1567
bewilligt, die verpfändeten Schloßgüter und Zinsen zur
Herrschaft einzulösen und Ratibor letztere in Pfand nahm,
wurde die Stadt aufgefordert, den Schwiegersöhnen des
Nicolaus Klema: Sigismund von Reiswitz und Nicolaus
von Gaschin auf Wrchles die 300 ungarische Floren und
100 Thaler in Münze auszuzahlen, aber Ratibor hatte sich
durch Uebernahme der Schloßherrschaft so tief in Schulden
gestürzt, daß es auch die kleine Summe nicht aufbringen
konnte oder auch weil es nur wiederkäufliche Zinsen betraf,
nicht zahlen wollte.
Rathsherr Daniel Maczak in Troppau, dessen Magistrat
für die Schulden der Stadt Ratibor Bürgschaft geleistet,
erhielt auch Bojanow, Woinowitz und Lekartow bis 1588
in Pfand. Nach dem Urbar von 1595 hatte ersteres Dorf
27 Bauern mit 26 1/4 Zins- und 1 Freihufe, 7 Gärtner;
es zinste 56 Thaler 5 Groschen, 1 Scheffel Weizen, vier
Malter Roggen, 1/2 Stein Inselt, 4 Schweine, 248 Hühner,
9 13/30 Schock Eier, 66 Fuder Heu. 1607 wurde Bojanow
auf 6086 Thaler, der Erlenwald auf 150 Thaler taxirt. Die
drei vorgenannten Dörfer und das Vorwerk Ottitz kamen
als bisheriger Theil der Schloßherrschaft Ratibor 1629 für
34,000 Thaler in den Erbbesitz des Stanislaus Reiswitz
von Kanderzin auf Kornitz und blieben bei diesem Hauptgute
bis gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts.
Nach den Befundtabellen von 1725 lag das Herrschaftliche
Gut mit 300 Thalern in der Indiction, hatte vier
--- S.211/#226
Gärtchen auf 7 Scheffel Aussaat, hielt 400 Schafe, 16 Kühe,
2 Schweine, säete je 11 1/2 Malter zur Winterung und
Sommerung aus, hatte 20 Dreschgärtner, 6 Freigärtner,
bezog von der Mühle mit zwei Gängen des Georg Steiner
50 Scheffel Metzgetreide. Im Kretscham wurden 57 Achtel
Bier ausgeschänkt. Da der Branntweinurbar auf sämmtlichen
Gütern der Herrschaft Tworkau-Kornitz um 100 Floren
verpachtet war, so entfiel auf Bojanow 1 Thaler 12 Silbergroschen.
Die Unterthanen lagen in der Indiction mit
600 Thalern. Scholz war Mathes Wieczorek, außerdem
waren angesessen 14 Bauern, 30 Gärtner, die 43 Gärtchen
zusammen auf 6 Scheffel besaßen und je 28 Malter zum
Herbst und Frühjahr aussäeten. Das Gut hatte mit Nieder-Sudol
denselben Herrn, seit 1788 Curt Graf Haugwitz S.201.
Die drei bisher zum Dominium Kornitz gehörigen
Gemeinden Bojanow, Woinowitz und Lekartow haben sich
1796 nicht nur von allen herrschaftlichen Roboten, Zinsen,
Ehrungen, Laudemien frei gekauft, sondern es fielen ihnen
auch die den Dominien zustehenden Hutungs-, Brau-, Brenn-,
Arende- und Jagdgerechtigkeiten, auch die in jedem Orte
belegenen Vorwerksrealitäten, nämlich der Gemeinde Bojanow
das Vorwerk daselbst, der zu Woinowitz das dortige Vorwerk
und der Gemeinde Lekartow das Vorwerk Ober-Ottitz eigenthümlich
zu. Der Kaufpreis dafür war 16,000 Thaler,
außerdem kauften die drei Gemeinden von demselben Staatsminister
Graf Haugwitz noch die Hälfte des zu Zyttna
gelegenen Dominialwaldes von 589 Morgen 170 Quadratruthen
für 30,000 Thaler. Nur die Gerichtsbarkeit behielt
sich der ehemalige Besitzer vor, wofür sie einen jährlichen
Schutz- oder Jurisdictionszins von 176 Thalern in die
Kornitzer Rentkasse erlegen sollten.
Dieser Dismembrations- und Freikaufsvertrag, in
welchem sich die Schuldner Alle für Einen und Einer für
Alls zur Zahlung verpflichteten, wurde unterm 5. October
1797 vom Staatsminister für Schlesien Graf Hoym auf
Allerhöchsten Specialbefehl genehmigt, unterm 29. Januar
--- S.212/#227
von der Oberamtsregierung nach beigebrachter Zustimmung
der Oberschlesischen Landschaft verlautbart, unterm 2. Februar
bestätigt und am 12. October 1798 das Gerichtsamt
befehligt, die Regulirung des Hypothekenwesens nach Lage der
Dismembration vorzunehmen. In Folge dessen rissen die
Erwerber die Vorwerke ein, verkauften die Bestände und
Inventarienstücke, ließen die Dominialäcker ihren Stellen
zutheilen, lichteten den schönen Wald, besaßen die Brau-,
Brenn-, Jagd- etc. Gerechtigkeiten in Gemeinschaft und zahlten
dem Grafen auf Abschlag der Kaufgelder 129 /mille/, so
daß sie ihm noch 62 mille schuldig blieben. Allein von
dem gezahlten Gelde war auch nicht ein Groschen aus dem
Vermögen der Käufer hergegeben, vielmehr hatten sie mit
großen Opfern und auf mancherlei Wegen bedeutende Summen
aufgenommen, die später zu Protestationen wegen nicht
vollständig empfangener Valuta und andern processualischen
Weitläufigkeiten wegen Zinsen und nicht innegehaltenen
Abschlagszahlungen vielfältige Veranlassung gaben, so daß
schon im Entstehen dieses Correalbandes der Keim zu seiner
künftigen Auflösung gelegt wurde.
Ursprünglich hatten die reluirten Gemeinden von Otto
Sigismund von Ramin 130 mille zu 5 pCt. geliehen, die
auf sämmtliche Stellenbesitzer als Correalschuld eingetragen,
später an den Hofagenten Dr. Kuh zu Breslau gediehen
und von diesem, da verschiedene Einwendungen gegen die
Valuta gemacht wurden, 23,600 Thaler nachgelassen und
gelöscht wurden. Die Forderung von 106,400 Thaler
gedieh durch Erbschaftsgang und Cessionen an den /Dr. med./
Carl Kuh zu Breslau (wovon 1/5 seiner minorennen Schwester
Julie zustand). Eine zweite Schuld stammte von Otto Gottlieb
v. Ramin, welche durch Concessionen an die Graf Schlabrendorffschen
Erben gedieh, deren Forderung 10 mille betrug;
die dritte Post zu 4 procent zinsbar, bestand aus rückständigen
Kaufgeldern für die zergliederten Vorwerke, gehörte
dem Graf Haugwitz zu Este bei Venedig und btrug 62,000
Thaler. Schon zu Anfang des Jahrhunderts und noch
--- S.213/#228
mehr in den Kriegsjahren kamen wegen rückständigen
Zinszahlungen Mandate, Executionen, Abalienationen und
Subhastationen vor. Im Jahre 1828 waren bereits 44,600
Thaler Zinsen rückständig. Die Kuhschen Erben ließen von
144 Stellenbesitzern 116 subhastiren und mußten, um ihr
Kapital zu retten, dieselben erstehen.
Bojanow hatte 2402 Preußische Morgen Flächeninhalt.
Kuh arrondirte die Feldmarken, stellte 926 Morgen für die
Gemeinde Bojanow zum Ankauf und dotirte jedes Bauerngut
robotfrei mit 50 Morgen Grund für 800 Thaler, verlangte
nur den vierten Theil baar als Angeld, schenkte ihnen die
Wirthschaftsgebäude und Inventarienstücke; diejenigen, welche
nicht kaufen konnten, erhielten die Stellen in billige Zeitpacht.
Trotz der Menschenfreundlichkeit und Uneigennützigkeit Seitens
des Dr. Kuh beschwerten sich Einige der ehemals /frei/
Gewesenen über das Unglück: jetzt selbst arbeiten und hinter
dem Pfluge einhergehen zu müssen!
Bis zum Jahre 1845 zahlte die Gemeinde einen
Geldzins der Kirche in Jedlownik, über welchen im Abschnitt
Woinowitz S. 571 und 575 Näheres folgen wird.
Am 1. Juli 1851 kaufte das Vorwerk Lieutenant
Rudolf von Gräve. Willisch wurde 2. Januar 1858
landschaftlicher Sequester. Carl Fürst Lichnowsky erwarb das
Gut in der Subhastation laut Adjudicatoria vom 11ten
März 1859 für 69,000 Thaler. Am 31. Mai d. J.
wurde der Besitztitel berichtigt.
1863 ist der Ort mit Bränden stark heimgesucht
worden und Juni 1879 verursachte die ausgetretene Zinna
bedeutende Schaden.
Das Gut Bojanow umfaßt 204,19 Hectar Acker und
Gärten, 39,47 Hectar Wiesen, 8,54 Hectar Unland, in
Summa 252,20 Hectar. Die Gemeinde enthält 8 Halbbauern,
6 Viertelbauern, 18 Gärtner, 46 Häuslerstellen,
die Feldmark umfaßt 1021 Morgen; es werden 90 Pferde,
an 200 Stück Rindvieh, 32 Schweine und 11 Ziegen
gehalten. Der Müller Ignatz Thomiczek schloß sich am
--- S.214/#229
2. Januar 1790 der Bäckerzunft in Ratibor an. Die
Wassermühle befindet sich noch am Orte und ist als
Mehlmühle, seit 25 Jahren mit Dampfbetrieb, im Besitz des
Kaufmann Tarlau, hat gegenwärtig einen Umsatz von mehr
als eine Million Mark jährlich.
Die Zahl der Einwohner betrug: 1784 257 Seelen
(15 Bauern, 31 Gärtner, 2 Häusler), 1825 513, 1842
584 Seelen in 111 Häusern, 1861 512, 1875 616; Ende
1880 hatte der Gutsbezirk 82, der Gemeindebezirk 543
Personen; 1885 bestehen 14 Bauerngüter, 16 Gärtner-,
52 Häuslerstellen mit 630 Seelen.
Kapelle.
Noch zu Anfang des Jahrhunderts wurde mit einer
an einer Linde hängenden Glocke Angelus geläutet, dann
ein hölzernes Kapellchen errichtet. Die 1818 erweiterte,
massiv erbaute Kapelle weihte Prälat Zolondek in Gegenwart
des Pfarrer Simon Galda ein und schenkte ihr ein großes
1673 angefertigtes Oelgemälde, den heiligen Nicolaus
darstellend, welches 1818 und 1853 renovirt wurde.
Die Gemeinde richtete die bisherige Kapelle zur
Darbringung des heiligen Meßopfers ein und erhielt 20ten
November 1871 durch den Ceremoniar an der Domkirche
Franz Wache aus Breslau ein /Altare portatile/. Fürstbischof
Heinrich gab 20. Januar 1872 die Erlaubniß zur
Celebrirung, jedoch nur für solche Wochentage, an denen
sich der Pfarrer dazu geneigt erklärt; an Sonn- und Feiertagen
solle darin keinerlei Function stattfinden; auch dürfen
keinerlei Rechtsansprüche auf besondere gottesdienstliche
Verrichtungen in derselben in Folge dieser Erlaubniß gemacht
werden, noch sollen dem Pfarrer von Benkowitz dadurch
Verpflichtungen erwachsen. Die Gemeinde habe um Celebrirung
geziemend nachzusuchen und wegen Fuhre und
Remuneration das Erforderliche mit den Geistlichen zu
vereinbaren. Zufolge des unter demselben Datum ertheilten
fürstbischöflichen Auftrags benedicirte Pfarrer Marcinek 11ten
November 1872 die Kapelle, welche im nächsten Jahre nach
--- S.215/#230
Westen um einige Fuß erweitert wurde. Tischler Theodor
Piela erbaute das Altar im gothischen Stile und dessen
Bruder, der Historienmaler Franz Piela, fertigte das Bild
der unbefleckten Empfängniß. Der Forstmeister Vincent
Magerle, der in Bojanow als Pensionär lebte, gab nachdem
er Kohlengrubenantheile in Niewiadom geerbt, mehrere Beiträge
zum Bau der Kapelle und fundirte 10. September 1874
300 Mark, deren Zinsen er, sei es zu Bauten sei es zur
Anschaffung des zum Gottesdienst Erforderlichen bestimmte.
Er starb 14. Februar 1882 und hat ein Denkmal auf dem
Kirchhofe in Benkowitz. Am 12. Mai 1879 erfolgte die
Abnahme der von Dürschlag aus Rybnik erbauten Orgel.
Schule.
Ehemals war der Ort nach Benkowitz eingeschult.
Die Vorschrift der Breslauer Kriegs- und Domänenkammer
vom 24. Mai 1764 und das Reglement vom 3. November
1765 veranlaßte die hiesige Gemeinde eine Schule zu
errichten und wurde Carl Krzewki als Lehrer angestellt.
Derselbe ließ 21. Januar 1767 in der Pfarrkirche ein Kind
taufen. Sein Nachfolger Andreas Macioch erscheint 29ten
October 1794 als Pate. Georg /Rohrbeck/, bisher Lehrer
in Studzienna (siehe Seite 119), bekleidete nach ihm den
Posten längere Zeit ohne Tadel, aber die Gemeinde kündigte
ihm im Sommer 1806 den Dienst und schloß mit dem
Oeconom Fröhlich über die Verwaltung des Schul- und
Gemeindeschreiberdienstes einen Contract. Der Landrath
rügte am 20. Juni, daß die Dorfgerichte sich hatten
beikommen lassen, ohne nähere Instruction der Königlichen
Schul-Inspectio zu handeln und befahl den Lehrer
ungekränkt und in den Emolumenten befriedigt, erst im October
abgehen zu lassen. Er fand in Zawada und 1818 in
Thurse Anstellung.
Johann /Kiebel/, vom Schulen-Inspector Zolondek
empfohlen, wurde Neujahr 1808 gleichfalls von der Gemeinde
seines Amtes entlassen und der Unterricht dem Lehrer Werner
am 4. Januar anvertraut. Die Schuldirection ließ aber
--- S.216/#231
durch den Pfarrer Andreas Bensch aus Lissek und Justizcommissar
Wodak im Termine zu Bojanow 11. März die
gegen den Lehrer gemachten Anklagen untersuchen und bis
zum Austrage der Sache die Emolumente durch die Gemeinde
verabreichen. Laut Nachweisung von 1810 bezog der Lehrer
an Gehalt 22 1/3 Thaler, 6 Scheffel Roggen, je 2 Scheffel
Weizen und Gerste, 4 Klaftern Holz.
Franz Mucha begrub 1812 ein Kind.
Jacob /Liko/, geboren 1785, gebildet in Troppau und
Leobschütz, wurde 26. November 1813 angestellt und heirathete
30. August 1814 Gertrud, Tochter des Josef Clemenz aus
Bojanow. Er erhielt 50 Thaler Nominalmünze = 28
Thaler 27 Silbergroschen 2 Pfennige, 10 Scheffel Deputat,
4, später 5 Klaftern Holz. Am 3. März 1818 befahl
die Königliche Regierung durch den Landrath, dem Lehrer
das reglementsmäßige Einkommen auszumitteln und den
Neubau eines Schulhauses einzuleiten, auch die Leute durch
Strafen anzuhalten, ihre Kinder fleißiger in die Schule zu
schicken. Die Deputirten erklärten im Termin am 14ten
April: das Haus sei noch gut, nur wohne der Lehrer wegen
Enge des Raumes sehr unbequem: eine Erweiterung lasse
sich nicht anbringen, da das Schulhaus zwischen zwei
Possessionen eingekeilt sei; man wolle einen Platz aussuchen,
um ein massives Haus auszuführen. Mai 1821 begannen die
Sammlungen der Gemeinde auf die Anschaffung des Kalkes.
Maurermeister Josef Pietrzyk machte Ende des Monats
den Kostenanschlag auf 651 1/4 Thaler. Herbst desselben
Jahres war der Bau vollendet; das Lehrzimmer 18 1/2'
breit, 20' lang, der Anbau 23 1/4' lang, 14 1/4' breit; drei
Fenster im alten, vier Fenster im neuen Anbau; die Lehrerwohnung
19 1/2' lang und 19' breit, das Nebenzimmer
15 1/4' lang und 14' breit; das alte Wohnhaus war
einstöckig, der massive Anbau zweistöckig.
Johann Niewrzela (S. 119), wurde 1. Juni 1805
in Studzienna als Lehrer angestellt, mußte aber auf
Vorschlag des Landraths mit dem Lehrer Jacob Liko tauschen.
--- S.217/#232
Am 9. Januar 1822 begann er hier sein Amt. Da die
Schulstelle weder Acker noch Garten hatte, so einigten sich
Mai 1824 Lehrer und Gemeinde auf zwei Stückchen Wiese
von 11 Metzen, ein Gärtchen von 2 Metzen, 2 Schock
Roggenstroh, das Gebund von 24 Pfund, 6 Centner Heu
á 15 Gebund á 10 Pfund, 1 Scheffel Land zur Hutung.
Das Behältnis zur Aufnahme von Stroh und Heu fand
eine Erweiterung. Der Lehrer wohnte im Oberstock und
starb 30. Januar 1828 im Alter von 42 Jahren. Die
Gemeinde wählte als Nachfolger den ehemaligen Kanzleiassistent
und nunmehrigen Gemeindeschreiber Gol,abek, der
aber von der Behörde nicht angenommen wurde.
Lorenz /Moczigemba/, geboren Rudnik 1799, 1824 im
Seminar geprüft, Adjuvant in Thurse, wurde bei der Gromada
Anfang April 1828 als Nachfolger erwählt. Der bisher an
der Schule fehlende Brunnen wurde 1831 gebaut. Die definitive
Vocationdes bisher interimistisch fungirenden Lehrers durch
Dr. Kuh erfolgte 15. Februar 1832. Da keine Hutung am
Orte existirte, wurden 2 Morgen 30 Quadratruthen Acker und
1 Morgen 98 Quadratruthen Wiese der Schulstelle geschenkt.
Das Lehrlocal war bereits zu klein und erhielten die
Kinder abwechselnd Unterricht, weßhalb die Königliche
Regierung 20. August 1842 das Landrathsamt beauftragte,
einen Erweiterungsbau zu veranlassen. Das Project dazu nebst
Situationsplan lieferte Bauinspector Linke 13. Januar 1843
und wurden von April ab monatlich 20 Thaler in die
Steuerkasse als Baufonds eingezahlt. September 1844
konnte bereits in der neuen Schulstube Unterricht ertheilt
werden. Professor Dr. Kuh hatte als Vorschuß sämmtliches
Baumaterial gegeben, wie auch das Arbeitslohn an Maurer
und Zimmerleute vorgestreckt. Die Kosten betrugen 597 1/3
Thaler, wozu das Dominium 356 Thaler 8 Silbergroschen,
die Gemeinde 241 Thaler 2 Silbergroschen beitrug. Im
Jahre 1852 war der Gurtbogen in einem Lehrzimmer im
Erdgeschoß gesprungen und wurde die Reparatur durch
Mauermeister Benke aus Ratibor ausgeführt.
--- S.218/#233
Moczygemba ließ sich 1. October 1871 pensioniren und
bezog das Emeritendrittel mit 60 Thaler, erhielt vom 1ten
Februar 1872 ab aus der Wittwen- und Waisenkasse 15
Thaler, wohnte einige Zeit bei seinem Schwiegersohne Lehrer
Benek in Pyschcz und starb 17. December 1882 in Bojanow.
Ignatz /Planetorz/, geboren Czissek 31. Juli 1846,
Oberglogau 1865 geprüft, ging auf kurze Zeit nach Syrin,
Mai 1866 nach Lubom, December 1867 nach Benkowitz,
wurde 17. Juni 1871 Substitut in Bojanow, erhielt 21ten
August 1872 die Bestätigung als Lehrer und leistete 14ten
November 1872 den Diensteid. Planetorz ist seit 1874
zugleich Gemeindeschreiber. Weil mehrere Lehrer des Oppler
Departements wegen Verbesserung in andere Regierungsbezirke
übersiedelten, so suchte die Königliche Regierung dem
entstehenden Mangel durch eine den dort geltenden Normen
entsprechende Erhöhung der Gehälter vorzubeugen. Für
Bojanow setzte sie das Einkommen der Lehrerstelle vom
1. Januar 1876 von 750 auf 810 Mark fest.
Da die Räume, welche ohne dies dem Zwecke nicht
entsprachen, unzulänglich geworden und ein Neubau dringend
geboten erschien, wurden zu den Verhandlungen durch fünf
Jahre wiederholt Termine abgehalten. Am 20. Mai 1879
beschloß die Gemeinde, vom 1. Juli ab alle Quartale 300
Mark aufzubringen, erklärte aber 20. April 1881 in Folge
der Armuth des größten Theils der Einsassen und der
Belastung des Grundbesitzes mithohen Abgaben außer
Stande zu sein, den Bau aus eigenen Mitteln auszuführen
und baten um Staatsbeihilfe. Nachdem ein von Schmied
Anton Lukoschek an dessen Besitzung gelegenes Gartengrundstück
eingetauscht, aber wegen Nähe des Dominialstalles und der
Schmiede als ungeeignet befunden worden, erbot sich am
3. Juli 1882 die Gemeinde ein am Anfang des Dorfes
nach Kranowitzer zu belegenes Grundstück von 18 Aar 27
Quadratmeter als Schulbauplatz zu schenken. Die Königliche
Regierung genehmigte 5. Juni 1883 das vom Kreisbau-Inspector
Schorn für 231 Mark angefertigte Project.
--- S.219/#234
In der Streitsache der Gemeinde gegen Fürst
Lichnowsky ist erstere durch Beschluß des Kreisausschusses vom
20. November 1883 mit der Klage wegen Heranziehung
zu 2/3 der Baukosten abgewiesen worden, weßhalb sie die
Bitte um Staatshilfe erneuerte, aber am 1. Juli 1885
entschied das Ratiborer Amtsgericht zu Gunsten der Gemeinde.
Am 16. Juni 1884 hatte Regierungs- und Schulrath
Dr. Montag mit dem Kreis-Schulen-Inspector Dr. Rhode
das Aeußere der Schule in Augenschein genommen, um die
Dringlichkeit des Neubaues zu prüfen.
Schulkinder waren: 1828 74, 1842 87, 1857 66,
1865 83, 1873 135, 1878 113, 1881 107, 1884 113.
Parochie Janowitz.
Dazu gehören folgende Ortschaften: Janowitz,
Czyprzanow, Lekartow mit Bahnhof „Woinowitz“, Ober-Ottitz,
Neu-Ottitz, Schardzin mit Ausschluß der fünf Häuser von
Pawlau-Schardzin, Kornitz mit der Colonie Sechshäuser
und dem Vorwerk Paulshof, endlich die Colonie Pobiehof
bei Groß-Peterwitz. Bei der Personenstands-Aufnahme im
November 1884 zum Zwecke der Steuereinschätzung wurde
in diesen Ortschaften die Seelenzahl auf zusammen 2212
festgestellt, darunter vier Familien evangelisch und keine
Juden. Die Sprache der Bewohner ist polnisch und mährisch
untermischt.
Dorf Janowitz,
8,5 Kilometer südwestlich der Kreisstadt, an der Zinna
gelegen, gehört zu den ältesten Orten der Gegend.
Am 15. April 1339 vermachte der Besitzer des Gutes
Ritter Mesco von Kornitz mit Genehmigung des Herzog
Nicolaus von Ratibor das halbe Dorf der Stadtpfarrkirche
mit der Bedingung, daß der jedesmalige Pfarrer von Ratibor,
dem die Nutznießung des Gutes zukommt, wöchentlich eine
heilige Messe für das Seelenheil der Familie des Fundators
celebrire.
--- S.220/#235
Pfarrer Johannes Dzecko hatte sich die Gunst seines
Landesherrn in hohem Maaße erworben. In einer Urkunde
vom 30. November 1364 spricht der Herzog von den großen
Diensten, welche der genannte Pfarrer ihm und seinem
Lande, besonders bei de apostolischen Stuhle und auch
anderweitig geleistet. Wahrscheinlich hatte letzterer die
Dispensation zur Vermählung mit der Falkenberger Prinzessin
Jutta, die im dritten Grade mit der ersten Gemahlin
verwandt war, in Rom ausgewirkt. Aus Dankbarkeit nun
will der Herzog den Stadtpfarrer belohnen und befreit die
Bauern von Janowitz und Ganiowitz, welche der Pfarrkirche
unterthan sind, von allen Leistungen und Abgaben an den
Herzog und seine Nachfolger.
Johann Strzelka von Belschnitz und Rohow besaß
einen Antheil von Janowitz und verkaufte denselben am
12. November 1498 dem Propst Gallus Gwo´zdz um 170
ungarische Gulden; doch sollte der Schulz dem Herzoge mit
einem Pferde dienen.
Magdalena und Nicolaus gaben 24. Juni 1499 kund:
Der verstorbene Herzog Hanus habe 40 Gulden Zins auf
Woinowitz und Bojanow für 400 ungarische Gulden dem
Propst Peter und dem Kapitel verschrieben; darauf haben
sie für 170 Gulden dem Propst Gawel Gwo´zdz und seinem
Nachfolger das halbe Dorf Janowitz erblich überlassen, so
daß sie ihm nur noch 230 ungarische Gulden schuldig bleiben;
den Zins von 23 Gulden legen sie auf ihre Nutzungen in
Woinowitz; sollten die Unterthanen säumig sein, so haben
die Gläubiger das Recht, den Vogt zur Zahlung anzuhalten.
Es haben sich noch Zinsregister aus der Mitte des
16. Jahrhunderts erhalten, aus welchen zu ersehen ist, daß
das Collegiatstift 16 Unterthanen in Janowitz hatte. Laut
Visitationsbericht von 1688 bezog der Propst aus Janowitz
an Geldzins 30 Thaler 8 Groschen, an Getreidezins je
14 Scheffel Roggen und Hafer.
Die Gemeinde (Vogt Jacob Kubiczek) und die
Aeltesten des Dorfgerichts (Andreas und Martin Nowak) schlossen
--- S.221/#236
mit dem Propst als Grundherrschaft 2. April 1681 folgenden
Vergleich: Bisher hatten sie 14 Scheffel Hafer, 18 Scheffel
Korn alljährlich als osep (= Schüttgetreide), außerdem
den geistlichen Decem in die Propstei entrichtet und die
Roboten geleistet; der Propst erließ ihnenauf deren Bitte
diese Verpflichtungen gegen Uebernahme der landesherrlichen
Steuern, die sie fortan für die Grundherrschaft abführen
sollten. Aber das gegenseitige Abkommen bestand nicht lange;
wegen der Roboten entstanden schwere Prozesse, die an das
Oberamt und an den kaiserlichen Hof gediehen. Ehe dort
entschieden wurde, vereinigten sich die Parteien auf dem Schloß
Ratibor 18. Mai 1729 auf Veranlassung der Commissarien
Johann Bernard Freiherr von Welczek und Groß-Dubensko
auf Laband, Johann Gotlieb Tluk von Toschonowitz auf
Rogoisna Landesältesten. Als Mandator des Propstes
Johann Jacob v. Brunetti war der Decan Wilhelm v. Angelis
erschienen und der Franz Ignatz von Morawetz als richterlicher
Beistand gewählt. Die unterthänigen Bauern
versprachen außer den Steuern der Herrschaft einen Grundzins
zu zahlen und statt der Frohndienste je 4 Thaler jährlich
abzuführen. Am 27. Juni d. J. wurde der Vergleich zu Janowitz
zu Protokoll gebracht und auch vom Ratiborer Stadtsyndikus
Franz Johann Friderici unterschrieben und untersiegelt.
Am 22. September 1707 wurde ein gefundenes Kind
getauft, welches durch einen reitenden Schloßdiener anderswoher
gebracht und an der Straße auf Lekartow zu unter
einem Zaun ausgesetzt worden war. Nach begründeter
Vermuthung stammte es von adeligen Eltern und wurden
Franz Freiherr Lichnowsky auf Kuchelna und Frau Dorothea
geb. Kotuli´nska, Gattin des Burggraf aus Schammerwitz,
als Paten erbeten und dem Kinde der Name Moritz nach
dem Heiligen des Tages gegeben.
Am 13. August 1717 wurde dem verstorbenen
herrschaftschaftlichen Schäfer Laurentius Cyrz von dessen Eheweibe
Susanna in Kornitz ein Kind als Hermaphrodit geboren,
das die Namen Laurentius oder Marianna erhielt.
--- S.222/#237
Zur Vermeidung von Streitigkeiten zwischen dem
Propst und Kapitel wurde 1721 ein Vergleich geschlossen
und vom Bischof bestätigt; nach demselben wurde Ersterer
von letzterem abgesondert und ihm die Kapitulargüter Janowitz
und Grzegorzowitz cedirt, so daß er als Dominialherr die
Roboten, Zinsen, Laudemien zu seinem Nutzen verwenden
konnte. Die Indiction des Gutes betrug 375 Thaler. Am
Orte waren damals 17 Bauern, 16 Gärtner, 12 Häusler,
welche 100 Schafe, 66 Kühe, 17 Schweine hielten und je
29 Malter aussäeten.
Das Kapitel zu Ratibor leistete in Neisse 18. März
1743 wegen der demselben gehörigen Güter Janowitz etc.
durch den Mandator Custos und Erzpriester von Mazurek
den Eid der Treue an den König.
Am 3. April 1743 machten sich sechs Kinder Kügelchen
aus einer Wurzel, spielten damit und aßen sie schließlich;
zum großen Schmerz der Eltern und Umstehenden fielen
sie zu Boden, tobten und brüllten; erst nach sechs Stunden
kamen sie wieder zu sich, aber zwei der schwächsten, nämlich
Johann, Sohn des Nicolaus Strzyczeko 3 1/2 Jahr und
Barbara, Tochter des Urban Kajnus, 3 1/4 Jahr alt starben.
Bisher hatten die Gemeinden Janowitz und Ganiowitz
nach der Indiction von 1350 Thalern auch die propsteilichen
Steuern abgeführt, aber seit 1. Juni 1743 wurden Herrschaft
und Unterthanen getrennt catastrirt und führte der Propst
vom 1. Juni 1744 seine Steuern monatlich mit 6 Thaler
18 gute Groschen 8 Denar regelmäßig ab. Obgleich die
Gemeinde die propsteilichen Aecker besaß, führte sie doch die
Zinsen nicht ab. Vicar Thomas Walter als Administrator
der Propstei ließ, da die Gemeinde die viermonatliche
Contribution mit 41 Gulden schuldig geblieben, eine Execution
von 15 Husaren mit einem hitzigen Officier October 1745
nach Janowitz abgehen. Letztere verlangten 6 Dukaten pro
Stunde Gebühren und mußten die Leute 67 Thaler aus
der Kirchenkasse aufnehmen. Das goß Oel ins Feuer.
Auf Veranlassung einiger unruhiger Köpfe reichten die beiden
--- S.223/#238
Gemeinden Beschwerden an die Breslauer Kammer ein,
welche dem Landrath auftrug, unter Zuziehung eines Juristen
dieselben zu untersuchen und beizulegen. Das Protokoll
wurde Janowitz 12. October 1746 aufgenommen und von
dem Landrath Carl Josef von Schimonski, dem Assistent
Franz Johann von Hoschek, Rudolf von Grohmann, Amts-
und Landesadvocat aus Oppeln und Thomas Walter auf
Seite der Unterthanen, die nicht schreiben konnten,
unterzeichnet. Es handelte sich hauptsächlich darum, daß die
Gemeinden seit alter Zeit 1062 Gulden Steuer im Rest
waren, die sie dem Propst aufbürden wolletn. Die Sache
gelangte an die Oberamtsregierung zu Oppeln und schwebte
der Prozeß ziemlich lange. Das Tribunal Berlin 8.
December 1750 bestätigte das Abkommen von 1729 und
erklärte die Gemeinde schuldig, den Decem in Garben und
Körnern für die Vergangenheit von der Zeit ab, wo der
Propst die Dominialsteuern selbst eingezahlt, wie auch in
Zukunft zu entrichten und die versessenen Steuern an den
Staat abzuführen. Das Rescript vom 31. Juli 1751
wurde am 15. September den Parteien publicirt.
Als das Collegiatstift 13. März 1754 sich über den
Besitz der Güter Janowitz, Ganiowitz, Gammau, Studzienna,
Schardzin, Czyprzanow auswies, brachte es nur die Schenkung
des Myscie von Kornitz 1339 zum Zeugnis. Nach der
Säcularisation wurde auch dieser Antheil, der doch nicht
dem Stift, sondern der Pfarrkirche geschenkt worden,
eingezogen und auf Antrag des Staatsraths Wilken wurde
12. April 1813 der Besitztitel der obengenannten Güter
für den Fiscus eingetragen. Durch Verträge gelangten die
Güter des Jungfrauenstiftes, Collegiatstiftes, Dominikanerklosters,
der Kreuzpropstei unddes Cisterzienserstiftes Rauden
an den Schloßbesitzer.
Juli 1853 grassirte die Viehpest in Janowitz. Am
1. September 1861 Nachmittag 3 Uhr brach in einer
Scheuer ein Feuer aus, welches bei starkem Nordwestwinde
in einer Stunde die Hälfte des Dorfes sammt Kirche und
--- S.224/#239
Schule, auch Czyprzanow bis auf 7 Häuser mit allen
Nebengebäuden und Scheuern in einen Aschenhaufen verwandelte.
Am 8. November 1877 äscherte eine größere Feuersbrunst
das halbe Dorf ein.
Die Erbscholtisei.
Barbara, Wittwe des Jacob Scholtysek, verkaufte am
19. December 1685 für 300 Thaler dieselbe dem Schwiegersohn
Franz Modlich. Letzterer erhielt 10. Februar 1696
die Bestätigung großer Privilegien, deren Documente 1637
in Ratibor verbrannt waren. Das Gut war frei von allen
Zinsen, Roboten, Kriegsvorspann, hatte den Branntweinurbar,
das Recht des Ausschanks auch von Wein, Handwerker auf
seinem Grunde und eine Koppel Windhunde zur Hasenhetze
zu halten. Nur in Landesnothdurft hatte es dem Kapitel
mit einem Pferde unter dem Adel aufzusitzen. Propst Julius
Freiherr Pilate von Thassul verkaufte 29. August 1723
das neuerbaute Wirths, Brau- und Branntweinhaus mit
Inventar dem Georg Brylka von Ujest für 200 Thaler
schlesisch, 32 Thaler Zins und 4 Fäßchen Bier á 60 Quart.
Er schänkte 40 Achtel Bier und einen Eimer Branntwein
aus. Die Landstraße lag außer dem Dorfe. Thomas
Jedlitzke, Pächter in Gammau, kaufte 1728 von der Gemeinde
die Freischoltisei sammt den dazu gehörigen fünf Viertel
Acker, Wiesen, Hutungen, Gärten und veräußerte den Besitz
7. Februar 1743 an Johann Friedrich Jeitner für 1800
Thaler schlesisch. Derselbe Erb-, Lehn- und Gerichtsscholz
überließ 1777 das Eigenthum dem Sohne Michael, der
sich 28. Januar d. J. mit Thecla, Tochter des Kretschmer
Gotfried Engelbrecht zu Brunek verehelicht hatte. Der Vater
starb 23. Mai 1779, der Sohn 10. Februar 1828. Letzterer
hinterließ nur Töchter. Sie verkauften 22. März 1827
die Erbscholtisei mit Bier- und Branntweinurbar für 7000
Thaler dem Brauer Johann Meixner in Beneschau. Derselbe
wurde 12. Juni 1842 als Wittwer mit Caroline,
Tochter des Bauer Franz Sciborski in hiesiger Kirche
copulirt. Am 22. August 1880 kauften Carl Thomas
--- S.225/#240
Wirthschaftsinspector aus Nassiedel und dessen Gemahlin
Caroline geb. Borzutzki die Erbrichterei nebst Inventar und
Zubehör für 111,000 Mark.
Janowitz zählte 1784 16 Bauern, 16 Gärtner, 5
Häusler, 198 Seelen; 1819 16 Bauern, 16 Gärtner, 8
Häusler, 242 Seelen; 1842 in 43 Häusern 344; 1855
in 43 Häusern 362 Seelen; 1861 in 52 Häusern 365
Seelen; 1883 in 50 Häusern 410 Seelen, hält 77 Pferde,
223 Stück Rindvieh, 2 Schafe, 124 Stück Schwarzvieh,
18 Ziegen, 52 Bienenstöcke.
Die Pfarrkirche
wird zuerst bei Schenkung des Sandvorwerks behufs
Errichtung einer Canonicatspräbende am Collegiatstift 1368
und dann 1416 unter den Bezügen der Domherren bei
Versetzung des Stifts von der Burg nach der Stadtpfarrkirche
erwähnt. Der Propst besaß nämlich unter anderen
Einkünften im Dorfe Janowitz an Zehnt und Zins 9 1/2
Mark Groschen im Werth zugleich mit dem Patronatsrechte
über die Pfarrkirche daselbst. Eine Bestätigung für die
Existenz der letzteren finden wir 1447 in dem Zinsregister
des Peterspfennig. In der Stiftsmatrikel erfahren wir
zum Jahre 1463 sogar den Namen des damaligen Pfarrers.
Auf Antrag der Vicare und des Pfarrers Valentin in
Janowitz wurde nämlich im Generalkapitel bewilligt, daß
letzterer vom Chordienst in der Collegiata frei bleibe und
den Vicaren für die Vertretung jährlich 3 Mark böhmische
Groschen zu entrichten habe; als Strafe für Nichteinhaltung
des Abkommens wurden 20 Gulden festgesetzt, die zur
Hälfte dem Kapitel, zur Hälfte dem verletzten Theile
zufließen sollten.
Aus den gerichtsbüchern lernen wir den Pfarrer
Andreas Flakius kennen. Er hatte den Wenzel von
Reiswitz auf Kornitz verklagt und entschied das Landrecht zu
Ratibor den 2. September 1596 also: Der Garbenzehnt vom
Kornitzer Vorwerke ist nach Janowitz zu führen; von den
Neuländereien, das heißt den zum Vorwerk hinzugegrabenen
--- S.226/#241
Aeckern gebührt dem Pfarrer nichts; da aber letzerer
nachgewiesen, daß in Kornitz ehemals Bauerstellen gewesen,
von denen der Pfarrer pro Hufe je 1 Scheffel Roggen und
Hafer an Missalien erhalten, sich auch herausgestellt, daß
der Besitzer einige Bauernäcker in Benutzung hat, soll er
binnen 12 Wochen die Missalien davon entrichten 1).
Ein Andreas Flaccius war 1597 Pastor an der
Schloßkapelle zu Janowitz bei Römerstadt, ein Pfarrer
gleichen Namens etwas später in Pohlom und zuletzt in
Loslau.
Simon Canabius war bis 1605 Vicar in Gleiwitz
gewesen und dann hierselbst Pfarrer. Unter ihm wurde
1607 der Thurm errichtet. Canabius wurde 1611-1618
Pfarrer in Bauerwitz, dann Commendar in Fridek und
Canonicus in Ratibor. Als Dekan von Loslau fundirte er
1623 in Ratibor 120 Floren auf Messen, vermachte dem
Seminar in Olmütz 600 Floren und der Kirche zu Loslau
1000 Thaler auf heilige Messen. Er starb am 23. Juni 1625.
Im Jahre 1614 legten die Janowitzer auf ein Altar
in der Collegiatkirche 7 Gulden zusammen, die der Geistliche
Jacob übergab.
Simon Franz Fabricius war bis 1619 Pfarrer
in Markowitz und wurde dann hieher befördert; er legte
1648 die ältesten Matriken an. Franz Fabricius wurde
26. Februar 1667 von Carl Max v. Reiswitz für Kranowitz
präsentirt und starb daselbst 12. April 1680.
Simon Czech soll nach den Aufzeichnungen des
Pfarrers Weiß hierorts das Pfarramt verwaltet haben. Da
-----
1) Zu derselben Angelegenheit hatte sich das Kapitel in Ratibor
an den Bischof gewendet, daß er als Oberhauptmann auf den
Landeshauptmann der Fürstenthümer Oppeln-Ratibor einwirke.
Andreas v. Jerin schrieb 2. September 1595 an Georg Freiherrn
von Oppersdorf, darob zu sein und die Sachen dahin zu richten,
daß dem Pfarrer in Janowitz der gebührende Zehnt von Wenzel
von Reiswitz zu Theil und nicht Ursache fernerer Klage gegeben
werde. K. Staatsarchiv Breslau, Ortsacten von Janowitz Seite 14.
--- S. 227/#242
Simon Ludwig Czech von 1647-1651 in Slawikau auftritt,
so mag er vorher oder nachher das hiesige Benefiz inne
gehabt haben.
Von 1659-1678 nennt sich in den Kirchenbüchern
Thomas Villicus /sacellanus/. Derselbe als Vicar in Janowitz
gab 6. September 1659 in einem noch im Archiv der
Ratiborer Pfarrkirche befindlichen Schreiben Auskunft über
einen ihm gewordenen Auftrag.
Johann Franz /Zbiretius/, geboren 1634 in Ratibor,
lag den Studien der Philosophie und Moraltheologie in
Olmütz ob, erhielt in Schlesien 21. December 1657 die
minores und am nächsten Tage auf den Tischtitel des
Pfarrer zu Bielitz das Subdiaconat, im nächsten Jahre zu
Olmütz die Priesterweihe. Er wurde zunächst vier Jahr
Commendar in Groß-Gorzütz und auf Präsentation des
Patrons Propst Doctor Andreas Marquardt am 3. August
1665 durch Thomas Tobiades von Benkowitz als Pfarrer
eingeführt, bewohnte ein hölzernes Haus und gab sich seinem
Berufe mit Fleiß und Eifer hin. An Einkünften hatte er
1 Hufe Acker, je 7 Malter 8 Scheffel Roggen und Hafer,
außer 4 verpachteten Hufen, von denen das Dominium
Ottitz die Frucht nahm und solche dem Pfarrer verweigerte.
In Janowitz entrichteten Bauer Laurentius Niewiera und
seine Nachfolger Garbenzehnt von Weizen, Roggen, Gerste,
Hafer und Buchweizen; in Kornitz erhielt er aus den der
Mühle anliegenden Äckern Garbenzehnt und von jeder
Mühle ein Viertel Weizenmehl. Am 5. März 1672
bestattete Zbiretius seine verstorbene Mutter in der Gruft.
Nach dem Visitationsbericht vom Jahre 1679 war
die Kirche zu Ehren des heiligen Bischof Martin v. Tours
von Holz erbaut und consecrirt, die Decke getäfelt und
gemalt; ein großes Crucifix befand sich in der Mitte, ein
Chor fürs Volk über der Thür nach Westen, Kanzel und
Bänke waren einfach, der Fußboden gepflastert, die drei
Altäre von schöner Form, aber nicht consecrirt; der Tabernakel
geschnitzt und gemalt, der Taufstein von Holz; im
--- S. 228/#243
Thurme befanden sich drei Glocken, der Kirchhof war
umzäunt, das Patronatsrecht hatte der Propst.
Die Kirche bezog von der Gemeinde Lekartow einen
Zins von 8 Silbergroschen, genannt /z moczyd/la/, das heißt
von der Bleiche; der Baarbestand betrug 40 Thaler;
an Inventar waren vorhanden: 2 silberne vergoldete Kelche
mit Patene, 4 Leuchter, 1 Rauchfaß, 8 Caseln und Alben,
16 Kelchtücher, 3 Antipendien, 3 zinnerne Ampel, 1 Missale,
14 Altardecken, 8 Vela, Corporalien, Purificatorien und 6
Fahnen. Im Jahre 1683 fundirte Müller Valentin
Zarzyna in Janowitz eine Wise hinter Ratibor unter den
Spitalwiesen, für deren Benutzung der Pfarrer 6 Messen
für den Fundator zu lesen, der Kirche 18 Groschen zu
entrichten und dem Kreuzherrenstift in Ratibor 27 Groschen
zu zinsen hatte.
Im Jahre 1688 wurde die Kirche, weil alt und
baufällig von Grund aus, nach allen Richtungen vergrößert
und ein Chor auf drei Seiten errichtet; der hoge, mit
Schindeln gedeckte rothangestrichene Thurm hatte eine mit
Blech beschlagene Kuppel und drei Glocken, die vierte auf
der Kirche; vor dem Kirchhofe standen zwei Kreuze, von
denen eins mit rothangestrichenem Gitter umgeben war.
Zur Parochie gehörten drei Dörfer und ein Vorwerk, nämlich:
1) Janowitz, dem Kapitel gehörig; 2) Kornitz, den Erben
des Carl Heinrich von Trach auf Kieferstädtel gehörig, deren
Vormünderin Frau Anna Helene v. Reiswitz auf Bojanow
war; 3) Lekartow, im Besitz des Melchior Wilhelm v. Skal
auf Moschen und 4) das zu Lekartow gehörige Vorwerk
Ottitz, erst damals nach Janowitz eingepfarrt. Amtmann
und Rendant in Kornitz waren protestantisch. An Einkünften
sind 1688 angegeben: a. der Kirche: Der Ertrag des Klingelbeutels,
welcher währen der Predigt eingesammelt wird;
freiwillige Gaben für Leiche, die in der Kirche stehen,
18 Groschen für die halbe Wiese na spitalkach hinter
Ratibor, 52 Groschen von der Gemeinde Lekartow für die
Wiese /z moczyd/la/. Nach dem Credo wird die Predigt
--- S. 229/#244
in polnischer Sprache gehalten: Katechese findet das ganze
Jahr statt, Sonnabends wird die lauretanische Litanei gebetet,
bei der taufe werden drei Paten zugelassen, Ostercommunikanten
waren 340; der im Dorfe stattfindende Krankenbesuch
geschieht feierlich, die Hostien werden von der Collegiatkirche
zu Ratibor bezogen, Kirchweioh wird Sonntag nach Martini
gefeiert, das Aveläutern erfolgt täglich dreimal; die Türkenglocke
wird wieder aufgenommen werden. In der Kirchenkasse
lagen damals 230 Thaler und 50 Thaler waren zu dem
eben stattfindenden Kirchenbau von Wohlthätern gesammelt
worden. Schule und Pfarrei wurden aus dem Holze der
alten Kirche reparirt. Die Parochianan aller drei Dörfer
waren sonst zu den Baulasten verpflichtet, aber der Pfarrer
baute soeben auf eigene Kosten ein Wohnstube mit Kammer
und Eingang, einen Speicher, Ställe, Keller und Gartenzaun.
b. Einkünfte des Pfarrers: Er hat freie Hutung für das
Vieh, das mit der Gemeinde weidet, kauft das
erforderliche Holz, hält ein altes Dorfweib als Wirthschafterin.
Der Pfarrbeilaß beträgt 3 Scheffel Roggen. Ein Garten
liegt bei der Pfarrei, ein anderer bei dem Bauer Niewiera;
der Acker in drei Theilen hat 14, 13 und 11 Scheffel
Aussaat. Von Pobiegow bezieht er statt Garbenzehnt
1 Thaler, von der Gemeinde Janowitz an Decem 17 3/4
Scheffel; vom Müller daselbst ein Viertel Weizenmehl, an
Tischgroschen gaben die Bauern je 1 Obolus (=Silbergroschen),
Gärtner und Einlieger je 2 Kreuzer, zur Kolenda
die bauern Hülsenfrüchte und je 1 Groschen, die Gärtner
und Einlieger je 1 Groschen. Aus Kornitz: vom Dominium
für die eingezogenen Bauerstellen je 14 Scheffel Roggen
und Hafer; von einem nach der Kornitzer Mühle zu gelegenen
Acker Garbenzehnt. Aus /Lekartow/: an Decem von der
Gemeinde je 11 Scheffel Roggen und Hafer. Aus /Czyprzanow/:
von der Gemeinde je 6 3/4 Scheffel Roggen und Hafer. Aus
/Ottitz/: Decem vom Vorwerk statt der Gärtner, denen es einen
Theil der Aecker verliehen. 1 Scheffel, von einem Bauernacker,
den das Dominium besäet. 1 Scheffel Roggen und Hafer.
--- S.230/#245
Zbiret copulirte in Makau am 18. Juli 1695 den
Georg Fabian mit Ursula Luucznia aus Cosel, fundirte 40
Thaler auf 6 Messen und starb Ende des Jahres.
Andreas Johannes Böhm (Siehe Seite 47), wurde
15. November 1696 als Pfarrer von Janowitz installirt,
1708 Canonicus, begrub 11. August 1710 seine 80jährige
Mutter Catharina in der Kirche neben den Weiberbänken.
1712 waren 547 Ostercommunikanten. Am 13. Mai 1713
starb Marianna, Tochter des Michael Heymann aus Kornitz,
die obgleich erst 9 Jahre alt, doch schon die heilige
Wegzehrung empfangen. Im selben Jahr starben noch zwei
besondere Wohlthäter der Kirche, nämlich am 4. October
die fast 100 Jahr alte Agnes Herud, die in der Kirche
bestattet wurde und am 10. November Valentin Kubisch,
der auf Anschaffung der Orgel 100 Thaler schlesisch gegeben.
Im Jahre 1713 werden vier Altäre genannt; drei auf der
Evangelienseite, das der Mutter Gottes vom Kalvarienberge,
das das Josefs- und das Marienaltar.
Andreas Johann Böhm, seit 19 Jahren Pfarrer, wurde
4. November 1715 als Custos erwählt. Das Collegiatstift
wies in einem Bericht über verschiedene Angelegenheiten an
den Fürstbischof auf Annullirung der Wahl hin. Da aber
aus dem beigelegten Wahlprotokoll hervorging, daß sämmtliche
Kapitularen ihre Stimme durch den Scholastikus den
Scrutatoren verschlossen eingehändigt und der Propst den
Vorsitz geführt, so ließ Franz Ludwig durch das Consistorium
12. April 1717 erwidern, er sehe nicht ein, warum die
Wahl für ungültig erklärt werden solle, etwa vorgekommene
Mängel könnten ergänzt werden. Am 13. October erfolgte
die Bestätigung. Auf die Bitte, das Janowitzer Benefiz
beibehalten zu dürfen, hatte der Fürstbischof 27. September
die Dispensation auf zwei Jahre ertheilt, doch solle er die
Stelle durch einen Kaplan, der sein anständiges Auskommen
habe, verwalten lassen. Böm hatte nun einen schlimmen
Stand gegen den Propst, der als Dominialherr von Janowitz
den Feldzehnt bezog und den Sackzehnt dem nicht residirenden
--- S.231/#246
Pfarrer verweigern wollte. In dem Processe, der mehrere
Jahre währte, wendete sich der Propst Julius Pilati Freiherr
von Thassul bis an die Nuntiatur in Wien.
Die 16jährige Tochter des Juden Jacob Löwl aus
Groß-Peterwitz hatte vom 19. November 1714 bis 10ten
Februar 1715 im Pfarrhause zu Janowitz Religionsunterricht
genossen und um die heilige Taufe gebeten. Diese fand am
10. Februar in feierlicher Weise statt und empfing Maria
Barbara während des Hochamts die heilige Communion.
Paten waren der Propst Julius Freiherr Pilati von Thassul,
Johann Ludwig Reiswitz von Kanderzin auf Kranowitz und
Schammerwitz, Anna Helene v. Reiswitz, Helene von Rogoiska,
Georg Josef Czesch, Wirthschaftshauptmann des Ratiborer
Jungfrauenstifts, Matthäus Wenner, Pächter in Kornitz,
Jacob Baluschek, Wirthschaftshauptmann in Groß-Peterwitz,
Matthäus Wenner, Rentschreiber aus Bojanoe, die Fräulein
Johanna uns Josefa von Reiswitz; Assistenten der Taufe
waren Andreas Josef Gitzler, Scholastikus, Christofor Canin,
Pfarrer in Kranowitz, Tobias Duchek, Pfarrer in
Groß-Peterwitz, Franz Kurz, Commendar in Woinowitz. Die
Neophytin hatte vorher an der Krätze gelitten, von der keine
ärztliche Kunst sie zu befreien vermocht, aber nach der Taufe
schwand ohne Heilmittel der Ausschlag. Am 16. Janua
1716 verehelichte sie sich in Janowitz mit dem Bürger
Franz Opolski aus Ratibor. Böhm setzte im Testamente
23. August 1726 das Collegiatstift als Erben ein, er
hatte die Stiftung des vierzigstündigen Gebets an den drei
Tagen vor Aschermittwoch in Ratibor, wozu die Bürgerin
Brzozowska 200 Thaler vermacht hatte, durch 100 Thaler
erhöht und starb am 13. December 1727.
Damals waren in der Kirche, wie bereits angedeutet,
zwei Marienaltäre, das eine zu Ehren der Gottesmutter
zu Czenstochau. Bei den Glocken ist im Visitationsbericht
von 1719 notirt, daß Schlangen wegen des Geläutes hier
nicht existiren und wenn hergebracht, bald verenden. 1724
waren 660 Katholiken und nur 1 Protestant in der ganzen
--- S.232/#247
Parochie, wozu Janowitz, Kornitz, Lekartow, Czyprzanow,
Ottitz und Pobiegow gehörten.
Am 30. December 1726 starb der Scholz Jacob
Wiskoni aus Lekartow und wurde als besonderer Wohltäter
vor einem Marienaltare an der Wand bestattet. Kapläne:
Paul Ignatz /Popela/, geboren Benkowitz 1687, studirte
speculative Theologie, erhielt 20. December 1710 die /minores/,
24. September 1712 auf den Tischtitel des Johann Heinrich
von Rogoiski aus Dzimirz das Subdiaconat, 15. April 1713
die Priesterweihe, wurde zunächst Kaplan in Oderberg, wo
er in der Schule wohnte, war von December 1717-1718
Vicar in Janowitz, 1726-1737 Erzpriester in Ujest.
Georg Josef /Modlich/, Sohn des Schulzen Georg
in Janowitz, geboren 18. April 1687 (siehe Altendorf S. 71),
taufte als Schloßkaplan von Schammerwitz 5. Mai 1713
in hiesiger Kirche, war von 1716 bis 1718 Kaplan in
Altendorf, von November 1718 bis Ende 1719 Adminstrator
in Janowitz, erhielt 24 Gulden (=20 Thaler schlesisch)
Salar und den dritter Theil des Accidenz und betrug die
Pfarreinnahme nur noch 80 Floren. Die weiteren Schicksale
des Kaplans bei Altendorf Seite 71.
Andreas Franz /Bindosz/, geboren 15. November
1691 in Ratibor, Sohn des Mathias Pindos, wurde
Kaplan und 1719 Pfarrer hierselbst, bestattete 21. Februar
1729 seine 70 Jahre alte Mutter Marie am St. Josefsaltare,#
starb 15. Januar 1734 und wurde rechts vor dem
Hochaltare bestattet.
Josef Mathias Rosali (Siehe Erzpriester Seite 48),
taufte als Nachfolger im Pfarramte zuerst 11. Februar 1734.
Er nennt die Pfarrkirche noch „zu St. Martini.“ Da aber
ehemals Carl Maximilian von Reiswitz auf Schammerwitz
eine silberne Krone der heiligen Dreieinigkeit auf dem
Hochaltare abfertigen ließ, so gab dies, wie ähnliche Umstände
bei anderen Kirchen, auch hier Veranlassung, den alten Titel
fallen zu lassen und das Gotteshaus statt zu Ehren Sanct
Martini später zur heiligen Dreieinigkeit zu nennen, auch
--- S.233/#248
das Patrocinium auf diesen Tag zu verlegen. Der Pfarrer
erkrankte vom December 1734 bis 12. Februar 1735.
Der Wirthschaftsbeamte in Kornitz hatte mit
Genehmigung der Herrschaft zu Ehren des heiligen Johannes
von Nepomuk eine würdige Kapelle erbaut und den Pfarrer
ersucht, dieselbe nebst der Statue des Heiligen zu benediciren.
Ein anderer Parochian hatte um Bendicirung des Statue
des heiligen Florian, die er neben seinem Hause aufstellen
wolle, gebeten. Da auch in der Parochie mehrere Kreuze
errichtet waren, sowolh in Dörfern als auf Feldern und
Wegen, wo am Tage St. Markus und an den Bittagen
Stationen gehalten werden, da ebenso nächstens ein neues
Kreuz neben der Kirche aufzustellen war, weil das vorige
morsch umgestürzt, so bat Rosali April 1748 ihm die
facultas benedicendi verleihen zu wollen oder durch einen
Würdigeren, vielleicht den Erzpriester von Mazurek die
Segnung halten zu lassen. Das Vicariatamt trug dem
genannten Commissar am 23. d. Mts. auf, die Benediction
vorzunehmen falls ein Fonds zur Erhaltung ausgemittelt
oder sonst Sicherheit wegen des Fortbestehens vorhanden sei.
Der Pfarrer bestattete 7. Januar 1749 seinen 70
Jahre alten Vater Johann, der ein Sohn des aus Italien
eingewanderten Bürgers gewesen, wurde 1756
Decanatsadministrator, bald darauf wirklicher Erzpriester, fundirte
80 Thaler auf Messen, starb 27. Juli 1758 und wurde
2 Tage später vor dem Hochaltare bestattet. Während der
folgenden Vakanz fungirte sein jüngerer Bruder Franz Rosali,
Pfarrer in Polnisch-Neukirch.
Kapläne waren: Anton /Hanke/, heir 1735, starb als
Pfarrer von Chroscina 1753.
Paul /Smeja/, geboren Ratibor, erhielt 22. December
1736 die /minores/, 8. September 1737 das Subdiaconat
auf das dem Carl Ludwig Graf Gaschin gehörige Gut Polnisch-Leuthen,
28. Februar 1738 die Priesterweihe, nannte sich
1. Mai 1738 Administrator, 24. Juni d. J. Cooperator,
taufte noch am 19. März 1739.
--- S.234/#249
Laurentius Bernard /Rompel/, geboren Rauden 1711,
erhielt 26. December 1733 die niederen Weihen, den 15ten
Juni 1734 das Subdiaconat auf den Tischtitel des Johann
Adam von Larisch, Besitzer von Dzierzno und Lubie, wurde
1758 Pfarrer, hielt 20. August die erste Taufe, starb
plötzlich am 11. April 1764 und wurde vor dem Sanct
Josefsaltare bestattet. Administrator wurde Commendar
Paul Cwienciek aus Woinowitz.
Johann Sczyrba, siehe Erzpriester Seite 48, durch
die Brslauer Domänenkammer hierher präsentirt unter der
Bedingung, daß er eine deutsche Schule anlegen und zum
Unterhalt des Lehrers beitragen werde, nahm unter
Ablehnung diese der Gemeinde zukommenden Last das Benefiz
16. Juli 1764 an, tritt am 27. October bereits als Pfarrer
auf, wurde /Actuarius circuli/, baute die Gruft in der
Kirche und wurde nach dem Tode des Gregor Petricius
1785 Erzpriester. Paul Cwienciek, der nach Resignirung
der Woinowitzer Pfründe hier wohnte und die kleine Glocke
im Thurme beschaffte, starb als Jubilar 14. Mai 1789
im Alter von 86 Jahren und wurde zwei Tage später in
der Gruft bestattet.
Sczyrba resignirte Juni 1796, wurde Pfarrer und
Erzpriester in Slawentzitz, wo er 26. December 1803 starb.
Carl Lontzik (siehe S. 80), Sohn des lehrer in
Preiswitz, wurde zunächst Kaplan in Janowitz, wo er bis
Juli 1796 blieb, dann nach Friedland ging.
Josef /Schneider/,geboren Rauden 29. März 1768,
trat als Theologe des zweiten Jahres 5. November 1787
ins Alumnat, erhieltvon Anton Graf Strachwitz auf Wirbitz
den Tischtitel und 27. Februar 1790 das Subdiaconat,
9. April 1791 die Priesterweihe, wurde zunächst Kaplan
in Lubowitz bis 1793, dann Vicar und Mitglied der literatischen
Bruderschaft in Ratibor, 24. Juni 1796 Pfarrer
in Janowitz, zahlte 35 1/2 Thaler an die Seminarienkasse
als Einkommen der ersten Quartals und erscheint 1797
als Taufzeuge in Rudnik. Im Jahre 1812 wurde der
--- S.235/#250
Glockenthurm vom Blitz getroffen. Die Pfarrei kam bei
der Säcularisation unter das Patronat des Schloßbesitzers.
Am 7. April 1815 wurde der Pfarrer sowohl vom
Sacularisationscommissar als auch vom Generalbevollmächtigten
des Fürst Sayn von Witgenstein, Hauptmann Brockmann
aufgefordert, die Kirchenrechnung zu legen und den
Vermögensstand nachzuweisen. Der Pfarrer starb 13. April
1818 am Nervenkrampf. Zu der erledigten Stelle meldete
sich 17. April vergeblich Kaplan Andreas Bierniak in Gleiwitz.
Franz de Paula Thaddäus /Weiß/, geboren Rauden
1782, besuchte seit 1790 das Gymnasium daselbst, trat in
den Cisterzienserorden, erhielt 1808 die Priesterweihe, wurde
Professor am Gymnasium daselbst und nach Verlegung
desselben nach Gleiwitz Februar 1816 Seelsorger im Königlichen
Arbeitshause zu Brieg. Durch den Oberlandesgerichtspräsident
Scheller aus Ratibor empfohlen, erhielt er vom
Fürst Sayn von Witgenstein die Vocation für Janowitz.
Das General-Vicariat-Amt beauftragte 21. Mai 1818 den
Erzpriester Zolondek, dem Exconventual Weiß das
Pfarrexamen abzunehmen und ihn in Janowitz einzuführen, was
erst am 13. Juli erfolgte, nachdem er schon 12. Juni hier
eingetroffen war. Das Placet ertheilte der Oberpräsident
24. August d. J. Die quarta seminaristica betrug 74
Thaler. Die Investitururkunde datirt vom 23. September.
Bereits bei seinem Antritte war die Wohnung so schlecht,
daß sie nach dem Gutachten des Bau-Inspector Degner
einer gründlichen Reparatur unfähig, nur für kurze Zeit
in bewohnbaren Zustand versetzt werden konnte. An
Missalien bezog er von der Gemeinde Janowitz je 35 1/2 Scheffel
Roggen und Hafer, von der Gemeinde Cyzprzanow je
13 1/2 Scheffel, von der Gemeinde Lekartow je 21 Scheffel,
vom Vorwerk Kornitz je 28 Scheffel, vom Vorwerk Ottitz
je 2 Scheffel; an Garbenzehnt von einem Acker bei der
Kornitzer Mühle 2 Schock, vom Vorwerk Pobiehof 24
Silbergroschen Zins. Im Jahre 1828 wurde die Scheuer
mit massivem Fundament und gemauerten Pfeilern gebaut
--- S.236/#251
und die Stallungen neu bedeckt, wozu Patron 2/3 beitrug.
Am 5. Februar 1821 wurde durch Gewaltsamen Einbruch von
der Sacristeidecke aus das ganze Silberzeug der Kirche bis auf
einen Kelch von vier Räubern gestohlen; einige zerbrochene
Stücke wurden später aufgefunden und von denselben mit
Hinzunahme milder Beiträge eine Monstranz und zwei
Kelche in Breslau angefertigt; diese Beiträge (500 Gulden)
wurden vom Patron Franz Fürst Hohenlohe-Schillingsfürst
und den Gemeinden aufgebracht.
Nach dem Tode des Pfarrer Ring wurde Weiß
Administrator in Woinowitz und bat 19. Januar 1830 um
Verleihung dieser Pfründe, da er das Vertrauen der
Parochianen sich erworben. Die Königliche Regierung
vermeinte jedoch in dem Schreiben an den Minister Freiherrn
von Altenstein, ihn nicht vorschlagen zu können, da er noch
nicht genug Verdienste habe und seine bisherige Stelle nicht
zu den geringeren gehöre
Nachdem der Pfarrer im baufälligen Wohnhause zu
Janowitz unter Lebensgefahr zugebracht und sechsmal vergeblich
die Herzogliche Kammer um einen Neubau ersucht, endlich
sich auch an die Königliche Regierung gewendet, wurde das
Pfarrhaus neu erbaut und am 30 October 1837 eingeweiht.
Weiß war ein bedeutender Hortologe, verschönerte den Garten
und schmückte ihn mit einem Sommerhäuschen.
Im Jahre 1838 wurde die Kirche von der Mittagseite
mit Schindeln für 35 Thaler neu gedeckt. Pfarrer
Ludwig Piszczan in Preiswitz, ehemals Vicar in Ratibor,
fundirte August 1838 bei hiesiger Kirche ein Jahresgedächtniß
für seinen Vater, den ehemaligen hiesigen Lehrer Ignatz Piszczan.
Im Jahre 1845 wurden Schüttboden und Wagenremise
neu gebaut. Der Besitzer des Vorwerks Ober-Ottitz Dr.
Kuh und die vier Parcellenbesitzer der abalienirten Stücke
lösten die Verpflichtung von jedem Morgen Land 6 Pfennige,
in Summa 5 Thaler 22 Silbergroschen an die Pfarrei zu
zahlen, 27, August 1849 in Geld ab. Müller Franz Jahn
aus Schammerwitz fundirte 1854 zur Rosenkranzandacht
--- S.237/#252
150 Thaler. Der Pfarrer starb 6. Januar 1856 und
ruht in der von seinem Legat erbauten Gruftkapelle, von
welcher laut Bestimmung des General-Vicariat-Amts vom
2. juli d. J. die 72 Quadratfuß zum Pfarrgarten gehörig
verbleiben. Die Bücher waren der Pfarrbibliothek vermacht
worden. Administrator wurde der unten genannte Kaplan
Glombik.
Der russisch-polnische Emigrant Emmerich Podolski
half vom 15. August 1845-1846 mit genehmigung der
geistlichen und weltlichen Behörde dem bejahrten Pfarrer
in der Seelsorge aus. Später fungirte ein Kaplan als
Hilfspriester, dem die Gemeinde Salar und Weiß die Kost gab.
Robert /Uherek/, geboren Hultschin 1823, ordinirt
1848, Kaplan in Ratibor bis Juli 1852, dann hier, wurde
Pfarrer in Königshütte und starb 9. Mai 1860.
Valentin /Glombik/, geboren Altendorf 1827, ordinirt
1854, wurde 23. August Kaplan hierselbst, erhielt 18ten
Januar 1856 das Administrationsdecret und fand 12.
Februar die uebergabe statt. Er wurde 19. April d. J.
Kaplan in SLawikau und 12. Mai 1860 Lokalist in
Dziergowitz, wo er 25. Mai 1864 starb.
Franz Mohr (siehe Altendorf S. 86), erhielt auf
Präsentation des Herzog von Ratibor 29. März 1856 die
Investitur und wurde 24. April eingeführt. Die Kirchengemeinde
kaufte 1860 einen Morgen vom Pfarrgarten zum
Begräbnisplatze für 200 Thaler. Am 21. Juli 1861
wurde der neue Kirchhof benedicirt. Am 1. September 1861
wurden Kirche und Schule durch Feuer zerstört, letztere unter
Aufnahme von 2500 Thalern aus der Provinzialhilfskasse
für den Kirchenbau bald wiederhergestellt und eine Schulstube
zum Gottesdienst eingerichtet. Am 22. Juni 1864 genehmigte
das General-Vicariat-Amt und 17. September der Fürstbischof
die Abtretung eines Theiles des Pfarrgartens gegen
2 Thalere pro Quadratruthe zum Kirchplatz und die
Ziegelfabrikation auf dem Pfarracker gegen 5 Silbergroschen pro
mille und sollte der Ertrag als Pfarrbeilaß capitalisirt
--- S.238/#253
werden. Am 15. Juni 1865 Mittags bald nach der
Frohnleichnamsprocession brach nochmals im gottesdienstlichen
Locale ein feuer aus, wobei aber wegen der Glut nichts
gerettet werden konnte und das Schulgebäude abermals
niederbrannte. Der Gottesdienst wurde zunächst in der
kleinen Gruftkapelle gehalten. Am 26. d. Mts. beschloß
die Gemeinde, in der ehemaligen Malzdörre der Brauerei
für 25 Thaler Miethe ein Andachtslocal einzurichten, das
am 29. August benedicirt wurde. Der Tabernakel war
aus der Ostroger Kirche geliehen. Am 11. Juni 1865
fand die Grundsteinlegung zur neuen Kirche statt.
Pfarrer Mohr starb am Lungenschlage erst 55 Jahre
10 Monate alt am 13. September 1866 früh um 1 Uhr.
Pfarre Schödon aus Krzi.zanowitz hielt die Grabrede.
Administrator wurde der bisherige Kaplan.
Franz /Arnold/, geboren Ratibor 1835, ordinirt 1861,
war vorher Kaplan in Rachowitz, seit 10. Juli 1866 Kaplan
in Janowitz; die Uebergabe der Administration fand am
3. October statt. Arnold kam 10. October nach Ostrog
und wurde 23. December 1872 Pfarrer in Deutsch-Czernitz.
Isidor Jacob /Zawadzki/, geboren in Lublinitz 10ten
Mai 1833, ordiniert 1859, Kaplan in Ratibor seit 1.
September 1860, wurde 20. October 1866 Administrator und
fand die Uebergabe der Parochie am 3. November statt, die
Investitururkunde datirt vom 1. Juni 1867.
Zawadzki sorgte dafür, daß der Kirchenbau, welcher
wegen des Krieges sistirt war, bald wieder in herrlicher
Weise fortgesetzt und binnen 2 Jahren so weit gediehen
war, daß am 22. November 1868 die Benediction durc h
den Erzpriester Morawe stattfinden konnte. Am 26. Juli
war bereits das Thurmkreuz in Gegenwart des Patrons
und seiner erlauchten Gemahlin in feierlichster Weise benedicirt
und aufgestellt worden. Die Frau Herzogin verehrte einen
messingnen 16armigen Kronleuchter; mehrere Wohlthäter
schenkten die drei gemalten Fenster im Presbyterium, welche
von Adolf Seiler aus Breslau gefertigt worden. Im
--- S.239/#254
nächsten Jahre wurde mit dem vom Kirchbau gebliebenen
Bau- und Rüstmaterial das baufällige Stallgebäude massiv
wiederhergestellt. Die Franz und Agnes Ottlikschen Eheleute
schenkten noch in demselben Jahre die beiden vor der Kirche
stehenden Sandsteinfiguren der Immaculata und des heiligen
Johannes von Nepomuk, gefertigt vom Bildhauer Rosenberg
zu Münster in Westfalen. Im Jahre 1871 wurden die
Altäre und der ganz innere Ausbau vom Tischlermeister
Josef Winkler aus Breslau geliefert und im folgenden Jahre
die 17stimmige Orgel von Haas aus Leobschütz, zu welcher
Fürstbischof Heinrich 500 Thaler beigetragen, aufgestellt.
Am 11. November 1872 benedicirte mit bischöflicher
Genehmigung der Ortspfarrer sämmtliche fünf von Liebold
aus Gnadenfeld gegossene Glocken. Im nächsten Jahre
wurde die mit Stroh gedeckte und mit Holzwänden bekleidete
Scheuer in ein völlig massives Gebäude umgestaltet. Von
1875 ab fand durch mehrere Jahre die Ablösung des
sämmtlichen Decems statt. Die Anton und Magdalena
Plockschen Eheleute schenkten 1883 eine prachtvolle silberne
und ganz vergoldetet gothische Monstranz mit vielen echten
Edelsteinen, Emaillen und Figuren, ein Kunstwerk aus dem
Atelier des Emailleur und Goldschmied Franz Winter zu Cöln.
Zawadzki hat eine ausführliche Chronik aller zur
Parochie gehörigen Orte ausgearbeitet, welche einen starken
Folianten einnimmt und besonders die Kirchen-, Pfarrei-
und Schulverhältnisse umfaßt.
Pfarr-Schule.
Ehemals waren mehrere Dörfer der Umgegend
eingeschult, nämlich außer Czyprzanow und Lekartow noch
Schardzin, Kornitz, Ober-, Neu und Galli-Ottitz.
Am 7. Januar 1661 war bei einer Taufe in Janowitz
der dasige Rector Blasius Sralek, sonst Sylvester genannt,
Pate. Derselbe starb 17. November 1684.
Matthäus /Silvester/, geboren 1653, dessen Sohn
hatte Philosophie absolvirt und folgte 1684 im Amte. Am
25. November 1685 führte er die Jungfrau Barbara
--- S.240/#255
Larysczyk als Gattin heim. Er hatte einen Garten von
3 Viertel Aussaat; jeder Bauer in Janowitz gab ihm von
einer halben Hufe vier Brode und zwei Wettergarben und
einen Groschen, für das Singen der Passion erhielt er
6 Groschen, von 17 Gärtnern 1 Thaler. Aus Kornitz erhielt
er ehemals 56 Brode, aber da das Dominium nach
Verjagung der Bauern aus deren Aecker ein Vorwerk gemacht,
verweigerte es die Brode. Von der Kolenda erhielt er den
dritten Theil. Die Schule war 1687 baufällig. Er starb
am 20. April 1714 im Alter von 61 Jahren, nachdem er
durch 30 Jahre hier hochverdient fungirt und wurde in der
Kirche unter dem Chore bestattet.
Dem Vater folgte im Amte 1714 der in Janowitz
31. August 1697 geborene Sohn Johann /Silvester/. Auch
er erhielt 94 Brode und ging jährlich viermal mit dem
Aspergill. Er hatte einen Garten bei der Schule von drei
Viertel Aussaat. Von den 23 Bauern erhielt er je zwei
Garben, auch aus den übrigen Orten hatte er Bezüge.
Am 21. October 1721 heirathete er Jungfrau Susanna,
Tochter des Michael Moczygemba aus Czyprzanow; war
9. Januar 1758 noch Taufzeuge, fehlt aber im Todtenbuch,
war somit verzogen.
Simon /Winkler/, geboren 1729, tritt als Pate schon
23. März 1759 auf. Die Breslauer Domänenkammer
berichtet 19. Juni 1764 dem Landrath Johann Heinrich
von Wrochem auf Dolendzin: dem Pfarrer Sczyrba in
Bralin sei die einträgliche Pfarrei in Janowitz verliehen
worden, er müsse sich aber verpflichten, eine deutsche Schule
anzulegen und auf eigene Kosten einen deutschen Lehrer
anzusetzen. Der Landrath erwiderte, daß Schule und deutscher
Lehrer bereits vorhanden, letzterer aber wenig Emolumente
habe und sollen ihm vom Dominium 12 Scheffel Roggen
und 12 Gulden als Zuschuß gewährt werde, auch der
Pfarrer könne zu besserer Einrichtung der Schule etwas
hergeben. Indeß wählte die Gemeinde statt des bisherigen
Lehrer Winkler, der nach Benkowitz ging, am 1. September
--- S.241/#256
1764 mit Genehmigung des Propstes als Grundherrn von
Janowitz den bisherigen Lehrer von Tworkau Wenzel
/Karwinski/, Sohn des gleichnamigen Bürgers in Fridek,
welcher 6. April 1767 Taufzeuge ein von der Gattin
Anna Hoffmann geborenes Knäblein 9. Juli d. J. taufen
ließ. Wenzel Karwinski ist noch 4. Januar 1772 Taufzeuge
bei einem Mädchen des Schaffers auf dem Kornitzer
Vorwerk Grzibowitz und scheint als Lehrer von Woinowitz
gestorben zu sein.
Ignatz /Piszczan/, geboren 1751, war drei Jahre
in Ruderswald, drei Jahre in Pogrzebin angestellt, hatte
1770 die Normalschule in Ratibor besucht und das Fähigkeitszeugnis
erhalten, sprach aber nur gebrochen deutsch, unterrichtete
hier seit 1774 in der polnischen, mährischen und
deutschen Sprache. Als Lehrer erhielt er an Salar von
janowitz 5 Floren, von Lekartow und Kornitz je 4 und
von Czyprzanow und Schardzin je 3 Floren. Das
baufällige Schulhaus hatte nur eine Stube. Am 14. August
1774 ließ Piszczan einen Sohn Ludwig taufen, der 1798
die Priesterweihe empfing. Im Jahre 1786 wurde ein
Anschlag auf einen Neubau gemacht, der sich auf 135 Thaler
belief. Herbst 1787 war das Schulgebäude fertig, hatte
aber nur ein Lehrzimmer und wohnte der Lehrer in der
Kammer. Von Czyprzanow und Lekartow kamen nur wenige,
von Kornitz fast gar keine Kinder in die Schule.
Schulpflichtig wareb aus Janowitz 15, von Kornitz 8,
von Czyprzanow, Lekartow und Schardzin je 6 Kinder. Im Jahre
1794 lernten 4 Kinder schreiben.
Im Jahre 1798 besuchten aus Janowitz von 28
schulfähigen Kindern 23 die Anstalt, aus de übrigen Dörfern
kamen wegen Armuth und Entfernung keine. Als Organist
erhielt Pischczan von der Kirche 2 Thaler Festivalien, von
den Gemeinden 135 Brode, 1 Schock Wettergarben; drei
Viertel sandigen Ackers waren für 36 Silbergroschen
verpachtet. 1799 waren bereits 102 schulfähige Kinder und
beschlossen die Gemeinden einen Präceptor anzunehmen,
--- S. 242/#257
wozu es aber noch nicht kam. Am 31. März d. J. fiel
die auf die Kirche zu gelegene Wand ein und wurde das
Schulhaus aus Mitteln der Gemeinden für 193 Thaler
erweitert; es war 12 Ellen lang, 10 Ellen breit, 4 1/2 Ellen
hoch. Lekartow weigerte sich den Beitrag von 23 1/3 Thaler
zu entrichten und zog der Kreisdragoner das Geld ein.
Pischczan starb 30. April 1806. Sein Sohn Ludwig, der
Pfarrer von Preiswitz geworden, fundirte 1838 ein Requiem
mit Conduct für ihn und machte auch für die armen Schulkinder
eine Fundation von 100 Thalern.
Franz /Kaschny/, geboren 1782, 20. März 1806 in
Oberglogau geprüft und sofort hier angestellt, amtirte 49
Jahre am Orte. 1817 wurde der normalmäßige Gehalt
repartirt. 1816 war die Wand in der Wohnstube und die
Querwand in der Kammer, worauf das Kuchelgewölbe lag,
eingestürzt und wurde das ganze Gebäude 1818 reparirt,
auch die Lehrstube erweitert, daß sie die 104 schulfähigen
Kinder aufnehmen konnte, doch blieb letztere dunkel; 1822
wurden deßhalb zwei neue Fenster angebracht. Damals
besuchten 146 Kinder die Schule und sollten die größeren
früh, die kleineren Nachmittag unterrichtet werden. Am
16. November 1819 hatte Consistorialrath Seidel auf einer
Revisionsreise auch die hiesige Schule besucht.
Nachdem das Local als zu finster und niedrig, auch
für die 140 Kinder zu beengt befunden worden, beschloß
man einen Neubau auszuführen, zwei Lehrstuben anzulegen
und einen Adjuvanten anzustellen. Bau-Inspector Fritsch
machte Mai 1826 den Anschlag und am 19. December
1827 wurde ein Termin anberaumt, um die Ausführung
dem Mindestfordernden zu übergeben. Am 30. October
hatte sich die Herzogliche Kammer auf Schloß Ratibor
geweigert, mehr als das Material zu geben, zumal die
Wohnung des Organisten keines Neubau's bedürfe und früher
nur die Gemeinden die Pfarr- und Schulgebäude unterhalten.
Damals wurden 7 Ottitzer Häuser vom Janowitzer
Schulverbande getrennt; Herbst 1828 lagen 70 mille Ziegeln
--- S.243/#258
und 500 Fuhren Sand vorräthig. Der Bau wurde
ausgeführt. Im Frühjahr 1830 waren nur noch zwei Oefen
und die Bänke zu beschaffen. Zu den Kosten von 1000
thalern trugen bei:
Die Gemeinde Janowitz 469 Thl. 9 Silbgr. 9 Pfg.
" " Czyprzanow 190 " 1 " 6 "
" " Lekartow 143 " 4 " 9 "
Das Dominium " 143 " 4 " 9 "
Die Gemeinde Kornitz 54 Thl. 9 Silbgr. 3 Pfg.
Ober-Ottitz und Schardzin waren 1829 ausgeschult
worden, da ersterer Ort eine eigene Schule erhielt. 1831
waren 172 schulfähige Kinder, nämlich aus dem Orte 57,
aus Czyprzanow 36, Lekartow 34 und Kornitz 45.
Franz Machaczek wurde hier 15. Juli 1832 als
Adjuvant angestellt, ging April 1833 nach Sudol (S. 208.)
Ferdinand /Peuker/, geboren 1813, in Oberglogau
von 1830-1832, hier 1833-1838, hatte zuletzt die Oberklasse
und war 1857 Lehrer in Syrin.
Johann /Wildner/, geboren 1818, 1839 in Oberglogau
geprüft, 26. April desselben Jahres hier, wurde
Lehrer in Schonowitz.
Josef /Fabian/, geboren 1818, in Oberglogau 1836
bis 1839, Mai 1839 hier, unterrichtete die mittleren und
größeren Kinder, wurde 1845 Gemeindeschreiber, war 1856
Lehrer in Nieder-Mschanna, woselbst er starb.
Im Jahr 1843 war das Schulhaus für 207 Thaler
mit Schiefer gedeckt worden.
Franz /Krause/, geboren 1827, Schulcandidat, kam
April 1847 hieher als Adjuvant, wurde December 1849
nach Tworkau, später nach Ober-Ottitz versetzt.
Theodor /Krayczyrski/, geboren 1829, in Breslau
1847-1849, hier 1849 angestellt, unterrichtete die Größeren.
Im Jahre 1851 wurden 12 Thaler Beköstigungszuschuß
für den Adjuvanten bewilligt.
--- S.244/#259
Seit sämmtliche Rusticalbesitzungen von Lekartow
subhastirt wurden und die Hälfte durch Dr. Kuh zum Vorwerk
Neu-Ottitz zugeschlagen wurde, sind dem Lehrer von den
eingezogenen Stücken jährlich 5 Scheffel 3 3/4 Metzen Roggen
und 5 1/3 Thaler Holzgeld geliefert worden. 1851 kaufte
Kaufmann Scheurich das Vorwerk, wollte ihm aber das
Einkommen nur als Lehrer, nicht als Organist geben.
Kaschny, der in der Revolutionszeit wegen seiner treuen und
conservativen Gesinnung mancherlei Unannehmlichkeiten
erlitten und bereits 1852 kränkelte, starb 31. August 1855.
Emil Jauernik (S. 99), Adjuvant in Altendorf,
am 1. October 1855 in Janowitz als Lehrer und Organist
angestellt, 18. Januar 1856 von der Herzoglichen Kammer
vocirt, vom General-Vicariat-Amt 17. April decretirt, 7ten
Juni vereidet und eingeführt, unterrichtete in beiden Klassen.
Seit alter Zeit hat jede Bauerstelle der eingepfarrten
Orte ein gewisses Stück des Pfarr- und Schulgartens
einzufriedigen und zwar die in Czyprzanow die Südseite des
Schulgartens.
Der Retablissementsbau der 1861 abgebrannten Schule
kostete 600 Thaler.
Johann Pluhatsch (S. 99), kam 1. März 1853
oder Ende 1855 nach Janowitz, erkrankte Anfang 1856
und im darauf folgenden Sommer am Nervenfieber, erhielt
1859 statt der bisherigen 12 Thaler Beköstigungszuschuß
20 Thaler; auch gab die Schulgemeinde zur Beheizung der
beiden Lehrzimmer statt der bisherigen 7 nunmehr 12 Tonnen
Kohlen. Adjuvant Pluhatsch und der Lehrer Jauernik
erhielten für die Verluste bei dem Feuer 1861 von der
Königlichen Regierung je 10 Thaler. Ersterer wurde
Hilfslehrer in Lubom, später in Pogrzebin.
Julius /Steiner/, geboren 1844, am 10. August
1863 in Oberglogau für das Lehrfach geprüft, wurde hier
Hilfslehrer, vertrat im ersten Semester 1865 den erkrankten
Lehrer Machaczek in Woinowitz und erhielt, da am 15ten
Juni 1865, ein Tag nach der Prüfung die Schule nochmals
--- S. 245/#260
abbrannte, von der Königlichen Regierung 8, der Rector
20 Thaler. Aus der Schulkasse wurden zur Anschaffung
von neuen Lehrmitteln 20 Thaler bewilligt. Steiner ging
21. October 1865 nach Zabelkau.
Das neuerbaute Schulhaus erhielt zwei Lehrstuben
und Wohnung für den Hauptlehrer und Adjuvanten.
Johann /Osieka/, geboren 1846, für das Lehramt
4. August 1866 zu Oberglogau mit N. II. censirt, trat
15. August d. J. die hiesige Stelle an, ertheilte den
Turnunterricht und ging 1. Februar 1872 nach Zabelkau, 10ten
Juli 1873 Roschkau und Januar 1880 nach Ruderswald.
Die Gemeinde hatte Mai 1868 einen weiteren Beköstigungzuschuß
von 15 Thalern bewilligt. 1872 schied Kornitz,
wo eine besondere Schule errichtet worden, aus und fiel die
Schülerzahl in Janowitz von 230 auf 160 herab. Jauernik
erhielt laut Regierungs-Verfügung vom 18. Mai 1869 in
Vertretung der Adjuvantenstelle für Mehrunterricht 40 Thaler,
seit 1. Januar 1876 180 Mark.
Josef Stosiek aus Wilkau, Oberglogau, 1872 vom
vom General-Vicariat-Amt 7.August decretirt, hier am 3ten
September, 29. Juli 1873 nach Polnisch-Krawarn als
zweiter Lehrer vocirt, verwaltete von Neujahr 1876 ab die
Stelle in Rohow, ging 1. August 1877 nach Lublinitz und
ist gegenwärtig Lehrer in Slawitz.
Auf Antrag des Gutsbesitzers Wuthe verfügte die
Königliche Regierung 10. August 1874 Vorwerk Neu-Ottitz
aus dem hiesigen Verbande auszuschulen und mit Ober-Ottitz
zu vereinigen. Ein Protest des Schulvorstandes vom 28ten
November wegen dadurch entstehender Ueberbürdung hatte
keinen Erfolg.
Die Lehrerfrau ertheilte seit 1. Juli 1875 Industrieunterricht
gegen 60 Mark. Auch wurde damals ein neuer Turnplatz eingerichtet.
Kreis-Schulen-Inspector Bottig hatte den 20 Jahre
alten Primaner Heinrich Przybyla als Hospitant nach
Janowitz geschickt, nachdem die Adjuvantenstelle zwei Jahre
--- S.246/#261
unbesetzt geblieben. Er wurde 19. April 1876 provisorisch
angestellt mit der Verpflichtung, die Lehrerprüfung im nächsten
Jahre zu machen und wurde 25. April vereidigt. Aber
schon in demselben Jahre wagte er in Ziegenhals die Prüfung,
die für ihnungünstig ausfiel. So war Jauernik seit
10. November wieder allein. Auch Carl /Böhm/, geboren
in Leschnitz, Peiskretscham 1877, der 1. April hieher berufen
und 11. d. Mts. vereidigt worden, bliebnur kurze Zeit
und ist gegenwärtig Lehrer in Dubensko. Der Hauptlehrer
wurde 1879 als Schiedsmann erwählt.
Max /Onderka/, geboren 1861, Sohn des Rector
in Altendorf, hatte 7. Juli 1881 zu Oberglogau die Prüfung
bestanden und wurde 1. August angestellt, am 21. vereidigt,
ging aber schon im nächsten Jahre als vierter Lehrer nach
Altendorf. Am 1. October 1881 wurde durch Schulen-Inspector
Porske das Dreiklassensystem eingeführt.
August /Hartmann/, geboren 1863", geprüft in Oppeln
3. August 1882, Adjuvant in Altendorf, hier 15. November
1882 bis Ostern 1885. Seitdem unterrichtete Jauernik
alle 3 Klassen allein. Die Gemeinden Janowitz, Lekartow
und Czyprzanow verzichteten 20. Februar 1883 auf
Weiterbewilligung der Staatshilfe zur Besoldung der Lehrer.
Paul /Wientlocha/, geboren 1864, Rosenberg 1885,
hier Adjuvant seit 10. Juli d. J.
Schulkinder waren: 1787 41, 1799 105, 1822 146,
1842 177, 1857 136, 1865 192, 1874 162, 1878 170,
1884 199, nämlich 106 Knaben, 93 Mädchen.
Das Hospital
in Janowitz hatte der 1718 verstorbene Schulz Paul Wisconi
aus Lekartow erbaut. Es wird schon 1706 erwähnt, da
Anna Herodica am 12. Februar in demselben verstarb.
Am Neujahr 1721 starb darin Martin Czorny.
Pfarrer Pischczan in Preiswitz, gebürtig aus Janowitz,
vermachte 1838 50 Thaler zur Zinsen-Vertheilung unter
--- S.247/#262
die Spitalweiber; zu selbigem Zwecke Pfarrer Weiß 50
Thaler und Pfarrer Sczyrba 80 Thaler. Außerdem legirte
Pfarrer Weiß 80 Thaler als Hospitalbaufonds, welches
Zins auf Zins capitalisirt wird, bis ein Neubau des 1861
abgebrannten Hospitals möglich werden wird.
Czyprzanow,
östlich mit Janowitz zusammenhängend und mit diesem Orte
eine Dorfreihe bildend, erhielt diesen Namen erst 1461,
hieß früher Sandvorwerk und galt als Antheil von Janowitz.
Um den Gottesdienst zu erhöhen und zum Seelenheile der
Angehörigen hatte Herzog Johann und seine Gemahlin Anna
am 26. December 1368 ein neues Canonikat in der Schloßkapelle
errichtet und ausgestattet. Zur Dotation gehörte auch
ein Vorwerk in Janowitz frei von allen Diensten und
Abgaben, nur der Feldzehnt mußte an die Pfarrkirche fortgezahlt
werden. Das 7 Hufen betragende Feld setzte der Canonicus
Johann Mensura Neujahr 1389 zum Besten des Kapitels
mit Genehmigung des Herzogs und mit Einwilligung der
Stiftsherrn zu Bauerngüter aus; sieben Wirthe kauften
nämlich für 42 Mark Groschen das Terrain als Erbbesitz,
theilten es gleichmäßig unter sich und zahlten jährlich einen
Zins von 7 Mark Groschen, entrichteten außerdem von
jeder Hufe an Weihnachten 4 Hühner, an Ostern 24 Eier;
sonst waren sie frei von allen Diensten, Roboten und Lasten.
Der Präbendar behielt sich jedoch vor, auf diesem Grunde
eine Mühle zu bauen, das Schulzenamt und den Kretscham
zu besetzen. Dies Sandvorwerk gehörte zu den Bezügen
des vierten Canonicus und mag vom Cantor Cyprian
(† April 1431), dem es zuerst ausschließlich zugetheilt
worden, den Namen erhalten haben. Im 17. und 18ten
Jahrhunderte wird der Ort auch nebenbei mit /P`´ep`´ranow/
(= Pfefferdorf) bezeichnet.
Nach einem Zinregister vom Jahre 1550 hatte das
Collegiatstift am Orte 5 Unterthanen, die einige Robot bei
dem Vorwerk Gammau leisteten. Das Gut lag in der
--- S. 248/#263
Indiction mit 120 Thalern, hatte weder Gärten noch Vorwerk,
da der Acker, welcher 13 Malter betrug, aber nur zum
dritten Theil besäet wurde, meist an die Janowitzer
verpachtet war. Die Dreschgärtner hatten zwei Gärten mit
11 Scheffel Aussaat, hielten 3 Kühe, 1 Schwein; am Orte
waren 1725 6 ganze, 2 Halbbauern; 7 Häusler hatten
18 Gärtchen von 6 Scheffeln, säeten je 9 1/4 Malter Roggen
und Hafer, hielten 100 Schafe, 37 Kühe, 9 Zuchtschweine.
Die Indiction der Unterthanen betrug 30 Thaler. Scholz
war damals Bartholomäus Kotula.
Nach der Säcularisation gelangte der Ort an die
Schloßherrschaft. Er hatte 1865 6 Bauern, 2 Gärtner,
15 Häusler, welche 371 Morgen Acker, 8 Morgen Gärten,
14 Morgen Wiesen, 13 Morgen Hutung, 22 Pferde,
35 Kühe und 6 Schweine hielten. Das Dorf ist in Folge
der großen Feuersbrunst vom 1. September 1861 fast ganz
neu erbaut; die Ratiborer Feuerwehr leistete außerordentliche
Hilfe, leider büßte dabei das brave Mitglied Gasthofbesitzer
Horatschek aus Neugarten sein Leben ein. (S. 224.) Im
Jahre 1875 fand die Gemeindetheilung statt.
Die Mühle mit zwei Rädern, auf Janowitzer Grunde
liegend, pachtete 29. September 1681 Valentin Zarzina
und vermachtete 3. November 1683 testamentarisch seine bei
Brzezie gelegene Wiese der Pfarrei und Kirche zu Janowitz
als Meßfundation. Georg Zarzina erwarb 1. Juni 1693
vom Kapitel die Mühle erblich und zinste 18 Thaler.
Franz, Sohn des Müller Johann Skopek verehelichte
sich 8. Januar 1770 mit Elisabeth, Tochter des Janowitzer
Schulzen Gotfried Jaitner und erscheint noch 1784 als
Mühlenbesitzer.
Die Wassermühle mit zwei Rädern und je zwei Gängen,
seit 1869 mit Dampfbetrieb, 1 Kilometer westlich als Enclave
von Janowitz, soll ehemals im Dorfe Czyprzanow gestanden
haben. Gegenwärtig besitzt die Mühle die Landwirthschaftliche
Zuckerfabrik-Actien-Gesellschaft Groß-Peterwitz, welche
statutenmäßig ein christlich sociales Unternehmen ist.
--- S.249/#264
Mathias Jurasch verkaufte 24. October 1677 den
Kretscham für 106 Thaler dem Michael Moczygemba, 1701 war
Paul Smolka Besitzer und 16. August 1727 kaufte Ignatz
Smolka die väterliche Besitzung. Durch Anlage des Janowitzer
Kruges erlitt der hiesige Kretschmer viel Einbuße, doch da
eine Kirche in der Nähe und Durchtrieb zum Schwarzviehmarkt
stattfand, wurden in den Befundtabellen 1725 auf
den Ausschank 20 Achtel Bier und 2 Eimer Branntwein
angenommen. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts
besaß den Kretscham Ignatz Moczygemba, dem Michael
Ploch, verehelicht mit Marianna geb. Moczygemba folgte;
Anton Ploch seit 1787 Besitzer, starb 17. October 1802
im Alter von 42 Jahren.
Czyprzanow hatte 1819 128, 1842 178, 1855 170,
1861 162, 1882 196, 1884 221 Einwohner, die 26 Pferde,
84 Stück Rind- und 16 Stück Schwarzvieh und 15 Ziegen
halten.
Kornitz,
9 Kilometer westlich von Ratibor, ist einer der ältesten Orte
Oberschlesiens und wurde in den letzten Jahrhunderten
Hauptgut einer großen Herrschaft.
In einer zu Ratibor am 4. April 1283 ausgestellten
Urkunde für das Stift Rauden, welchen die Herzoge Mesco
von Ratibor und Przemyslav von Auschwitz den Umtausch
von Deutsch-Cernitz gegen Woschczütz gestatten, erscheint
Jescho von Kornitz, Unterkämmerer von Teschen, als Zeuge.
Es ist wahrscheinlich, daß dieser Ritter den Ort gegründet,
da er sich hier niedergelassen und seine Familie in der
Umgegend sich ansiedelte. Seine Tochter Bogusca, Gattin
des Thomeslaus von Chyrnice, verkaufte 1317 ihr Erbe
in Bogunitz dem Jungfrauenstift in Ratibor. Derselbe
Johann und sein Sohn Misco hatten damals ihren Hofplatz
in Ratibor für dasselbe Kloster umgetauscht. Mstik von
Kornitz tritt in Urkunden von 1337-1340 wiederholt auf,
ebenso Janko und Hanko von Kornitz 1375-1376.
--- S.250/#265
1479 saßen die Gebrüder Johann und Georg (Rottenberg)
von Katscher auf Pobiehof und Kornitz. Die Familie
Rottenberg führte den slavischen Namen Perzina = Pyrzina
von pyrzic roth sein. Georg Perzina, Erbherr in Kornitz,
mit Schulz und Gemeinde von Kornitz verpflichteten sich
15. Juni 1498 für geliehene 40 Floren jährlich 4 Floren
Zins an den deutschen Curatus des Collegiatstiftes zu zahlen.
Elsca, Tochter des Nicolaus v. Rottenberg, vermählte
sich mit Wenzel von Reiswitz und brachte ihm Kornitz zu.
Dessen Sohn Sebastian Reiswitz v. Kanderzin, Landrichter
der Fürstenthümer Oppeln-Ratibor, 1555 mit Groß-Petrowitz
belehnt, nahm das bischöfliche Tafelgut Petrowitz 1560 in
Pfandbesitz. Stanislaus Reiswitz, seit 1614 im Besitz von
Kornitz, vergrößerte die Herrschaft Kornitz 11. Februar 1625
durch Erwerb von Vorwerk Ottitz, den Dörfern Bojanow,
Woinowitz und Lekartow, mit der Wiese in Proschowitz für
20,000 Thaler. Ihm folgte der Sohn Heinrich, der auch
halb Sudol besaß und 23. Januar 1657 starb. Er hinterließ
nur die Wittwe und Töchter: Ludmilla wurde 21. November
1661 mit Georg von Trach in Ratibor copulirt; Anna
vermählte sich zunächst mit Ferdinand Dreski von Märzdorf
und schloß nach dessen Tode 6. August 1669 Ehepacten
mit Carl Trach von Birkau auf Kieferstädtel. Am 14ten
Januar 1684 machte sie ihr Testament. Ihre Kinder
waren a) aus erster Ehe Anna verehelicht mit Carl
Heinrich von Zahradek; b) aus zweiter Ehe Silvius Erdmann,
Carl Gotlieb, Marie Helene, Johanne Eleonore
vermählt mit dem Wittwer Hans Heinrich Sebastian Graf
Cirschwand, Franciska Charlotte. Gotlieb und dessen
Schwester Gräfin Curschwand waren 16. Mai 1704 Paten
bei der Taufe der Tochter des Burggraf Michael Neumann
in Kornitz. Als Silvius Erdmann (ein eifriger Protestant)
in erster Ehe 1697 mit Leopoldine Luise Gräfin Maltzan
(geboren 2. Juni 1660, + 6. November 1706) Slawikau
gegen Kieferstädtel eingetauscht und in zweiter Ehe mit
Gottliebe Agnes Freiin von Bludowska vermählt, mit
--- S.251
Hinterlassung eines Posthumus Traugot Erdmann am
28. Juli 1710 gestorben war, entstand mit der Wittwe
und dem Bruder Gotlieb ein Proceß. Man einigte sich
jedoch gerichtlich in Teschen am 16. Juni 1711 dahin,
daß Gotlieb Kornitz, Woinowitz, Zittna, Bojanow, Ottitz,
Lekartow, halb Sudol, das Kornitzer Vorwerk in Altendorf,
das Haus in Ratibor, alles im Gesammtwerth von 80 mille
übernahm mit der Verpflichtung, nachdem ihm 20 mille
Erbes gelassen, er die Schulden von 25 mille bezahle und
5 mille der Freiin von Beyer geb. Reiswitz auf Lebenszeit
mit 6 pCt. verinteressire; Slawikau, Grzegorzowitz, Summin,
Surek, Elgot-Gottartowitz, Rowin, Klokoczin, Gardawitz,
Mosczisk blieb der Wittwe, welche den Ernst Christof
Graf Manteuffel heirathete.
Die zweite Tochter Heinrichs Ursula Maria verkaufte
2. Januar 1705 mit Consens ihres Ehegemahls Paul
Reinhard Freiherr von Beyer Bojanow, Ottitz, Lekartow,
halb Sudol etc. an Silvius Erdmann auf Bransdorf, Kornitz,
Woinowitz, Slawikau, Zytna, der von seinem Bruder Gotlieb,
welcher 1714 Tworkau kaufte, nach obengenannter Einigung
beerbt wurde.
Die zweite Tochter Heinrichs Ursula Maria verkaufte
2. Januar 1705 mit Consens ihres Ehegemahls Paul
Reinhard Freiherr von Beyer Bojanow, Ottitz, Lekartow,
halb Sudol etc. an Silvius Erdmann auf Bransdorf, Kornitz,
Woinowitz, Slawikau, Zytna, der von seinem Bruder Gotlieb,
welcher 1714 Tworkau kaufte, nach obengenannter Einigung
beerbt wurde.
Die Indiction des Gutes Kornitz betrug 825 Thaler.
Der Küchengarten, der große Garten, der Hopfengarten,
das Gärtchen zwischen den Scheuern und das bei der Mühle
hatten eine Fläche von 1 Malter 1 Scheffel Aussaat.
Auf dem Vorwerk wurden 800 Schafe, 33 Kühe, 4 Schweine
gehalten und je 20 Malter 9 Scheffel zum Winter und
Sommer ausgesäet. Zum Vorwerk gehörten 22 Dreschgärtner
und 10 Freigärtner, die 35 Kühe, 12 Schweine
hielten und je 3 Malter im Herbst und Frühjahr aussäeten;
die 32 Gärtchenhatten 3 Scheffel Aussaat Flächeninhalt.
Die erbliche Mühle mit einem Gange an einem von Regenwasser
gespeisten Bach zinste 18 Scheffel Getreide; der
Dorf- und der Bergkretscham oberhalb des Dorfes schänkten
zusammen 97 Achtel aus; der Branntweinurbar war auf
der gesammten Kornitzer Herrschaft einem Juden für
--- S.252/#267
100 Thaler verpachtet. Im Schloß-, Mittel- und Langenteich
waren Kapfen; der Nieder- und Oberteich wüst; zwei kleine
Strichteiche. Der Birkenwald hatte 3 Stallungen. Der
Freiherr, welcher schon im Sommer 1718 sich bemüht,
Kornitz zuveräußern, verkaufte 2. Mai 1731 die Güter
Kornitz, Bojanow, Woinowitz, Lekartow, Dzimirz, Zytna,
Vorwerk Ottitz, Halbsudol an Hieronymus Edler v. Bernini.
(Seite 200 und 201.)
Die Familie Bernini aus dem Venetianischen stammend,
erhielt Wien 2. Januar 1731 den Ritterstand und das
Incolat. Bei einem Brande in Kornitz am 5. Februar
1732 wurde ein 50 Jahre alter Maurer aus Troppau bei
Einsturz des Schornsteins von den Ziegeln erdrückt und
blieb auf der Stelle todt. Die drei Brüder Hieronymus,
Stefan, Abt in Gargnano und Josef besaßen die oberschlesischen
Güter gemeinschaftlich. Hieronymus erwarb 1736
laut Abkommen von Anna Maria v. Twardawa geb. v. Mletzko
das Gut Dzimirz und starb 1740, Paul Josef starb 1758
und hinterließ die Söhne Carl, Bernardin, Johann Anton,
Benedict, Paul, von denen die ersten vier Geistliche waren
und nur Paul sich mit Therese Gräfin Verila verehelichte.
Paul war Bevollmächtigter der übrigen Familienglieder,
welche die Republik Venedig 1751 in den Grafenstand erhob
und ihr die Grafschaft Santi Bonifazi zu verwalten gab.
Paul starb 1763, sein Oheim, Abt Stefan, am 10. Februar
1770. Nach dessen Tode folgten als Erben Pauls
Kinder Hieronymus, Bernard, Stefan und Josef. Stefan
am churfürstlichen Hofe zu Coblenz leistete 11. Juli 1770
durch den Justizcommissar Adam Bernard Kusska den
Vasalleneid. Hieronymus Graf Bernini verkaufte 5. November
1788 für sich und seine Brüder Kornitz und Dzimirz
an Curt Graf Haugwitz auf Krappitz, Steinau und Rogau
für 120,000 Thaler. Letzterer nahm sofort auf die
erworbenen Güter 67 mille auf und ließ zur bequemeren
Bewirthschaftung die Vorwerke Paulshof und Neuhof bauen.
Am 31. März 1792 wurden Dzimirz und Zytna von der
--- S. 253/#268
Herrschaft separirt und letztere mit Ausschluß des Waldes,
Jägerhaus und der Wiesen bei Ratibor dem Moritz
Freiherrn von Stillfried für 49,500 Floren veräußert.
1732-1745 war Johann Franz Ludwig Geschworener
Landesbuchhalter des Fürstenthums Troppau, Administrator
der Stiftsgüter St. Clarae, bevollmächtigter Inspector der
Güter Kornitz, Dzimirz und der Herrschaft Beneschau und
1751 Johann Georg Czagotty. 1765 war Amtsverwalter
Anton Franz Müller, 1767 Georg Josef Schindler Substitut.
Am 23. August 1776 starb der Pächter von Kornitz Johann
Jurczyk im Alter von 49 Jahren.
Der Königliche Kammerherr Paul Graf Haugwitz,
welcher die Herrschaft Kornitz und die Dominialrealitäten
der Güter Woinowitz, Lekartow, Bojanow sub hasta 20ten
September 1828 meistbietend erstanden, verkaufte Kornitz
mit Paulshof und Neuhof für 63.610 Thaler an den Fiscus,
nachdem Friedrich Wilhelm III. am 1. Mai 1830 die
Ermächtigung ertheilt. Am 1. Juli fand die erfolgte
Materialübergabe des Ritterguts Kornitz an den Königlichen
Fiscus (vertreten durch Präsident Rother), ausgefertigt.
Fiscus verkaufte Kornitz 16. Juni 1836 dem Dr. Wilhelm
von Eickstedt zu Breslau, Bruder des Major Friedrich auf
Silberkopf für 37,800 Thaler, welche noch heut als Kaufgelder
hypothekarisch eingetragen sind. Ihm folgte 26ten
Januar 1874 Bruno von Eickstedt.
Dominialvorwerke: Neuhof oder Grzobowiec, südöstlich,
1849 cassiert, Paulshof, nordöstlich, nahe bei Schardzin
gelegen. Die Colonie Sechshäuser hieß ehemals Wesola,
Wydmuchow, auch Wymyslow.
Das ehemals befestigte Schloß hatte unter Bernini
eine Kapelle und ist die Kirchenfa,cade an dem zu Wohnzimmern
eingerichteten Gebäude noch erkennbar. Die Glocke
am Giebel des Wirthschaftsgebäudes, früher an der Schloßkapelle
enthält als Inschrift: PAVLUS JOSEPHUS
--- S.254/#269
DE BERNINI, DOMINUS KORNITZ 1747. Schloßkapläne
von Kornitz werden in den Kirchenbüchern von
Janowitz und Groß-Peterwitz nicht erwähnt, während die von
Schammerwitz in der Janowitzer Kirche häufig functionirten.
Wie an vielen andern Orten, so verließen auch hier
im 30jährigen Kriege die Bauern ihre verwüsteten Besitzungen,
welche das Dominium einzog; seitdem giebt es
hier nur Gärtner und Häusler. Der Ort hatte 1784 ein
Vorwerk, eine Mühle, eine Bleiche, 30 Gärtner, 5 Häusler,
185 Seelen; 1842 376, 1855 352, 1861 374 und 1884
schon 442 Einwohner und zwar zählte der Gemeindebezirk
in 46 Häusern 292, der Hutsbezirk 150 Seeln; im ersteren
werden 4 Pferde, 99 Stück Rindvieh, 25 Stück Schwarzvieh,
28 Ziegen, 8 Bienenstöcke, im letzteren 47 Pferde,
134 Stück Rindvieh, 22 Stück Schwarzvieh, 760 Schafe
gehalten. Im Jahre 1871 hatte die Gemeinde, in der ein
Kretscham, ein Müller, 20 Gärtner, 21 Häusler, außerdem
Einlieger und Auszügler sich befanden, 294 Morgen Grundbesitz,
auf dem 13 mille Schulden lasteten.
Schule.
In Folge des Reglements von 1765 war hier eine
Schule, zugleich für Lekartow errichtet und am 30. August
1768 waren die Emolumente festgesetzt worden; die Schule
ging jedoch wieder ein.
Die 1817 gefaßte Absicht für Kornitz und Schardzin
ein eigenes System zu gründen, scheiterte an der Armuth
dieser Gemeinden. Als 1828 in Janowitz ein neues
Schulhaus aufgebaut werden sollte, tauchte wiederum der
Entschluß auf, ein eignes zu errichten; aber der neue Gutsherr
war dem Plane abgeneigt und die Gemeinde selbst zur
Ausführung zu schwach. Der Schulbesuch wurde durch die
drückenden Unterthänigkeitsverhältnisse gehemmt, indem (fünf
Häuser ausgenommen, welche täglich nur eine Person zur
Robot stellten) jedes Haus täglich zwei Personen zu
herrschaftlichen Dienst schicken mußte und die Leute für ihre
--- S. 255/#270
häuslichen Arbeiten die heranwachsenden Kinder nicht
entbehren konnten.
Auf Anregung des Landraths beschlossen 1840 die
Einwohner, wenn ihnen Staatshilfe zu Theil werde, ein
eignes Schulsystem zu bilden, aber aus eigenen Mitteln
für den Schulhausbau und Lehrergehalt aufzukommen, seien
sie außer Stande. Etwas später wurde eine Wanderschule
im Kretscham errichtet. Da nämlich der Weg nach Janowitz
für die Kinder zu beschwerlich war, erhielten sie im Winter
dreimal wöchentlich durch den Adjuvanten von Janowitz
Unterricht im gemietheten Locale. Weil Adjuvant Krause
mit der Gemeinde Kornitz nicht gut stimmte, wurde 1849
Krayczyrski in Janowitz angestellt. Das Local war klein
und obwohl noch ein Fenster eingesetzt wurde, dunkel. Die
Gemeinde besaß 1855 nur 45 Possessionen mit 258 Morgen.
Da die Wanderschule ihre Uebelstände hatte und Kornitz
bereits 63 schulpflichtige Kinder zählte, so wurde doch endlich
dem Plane eine eigene Schule zu beschaffen näher getreten
und sollten laut Verfügung vom 20. Januar 1857 jährlich
50 Thaler zum Schulbau aufgesammelt werden. Zum
Schulhause selbst schenkte der Gutsherr einen Platz 85' lang,
59 2/3' breit, 45 Quadratruthen enthaltend, welche Schenkung
erst später, nämlich 19. August 1868 gerichtlich aufgenommen
wurde.
Die Beiträge, welche bereits erhöht worden, wurden
1863 auf 10 Thaler monatlich herabgesetzt, so daß April
1863 erst 431 Thaler an Baufonds gesammelt waren.
Der Kirchen- und Schulbau in Janowitz nahm damals die
Kräfte der Gemeinde sehr in Anspruch, denn von den aus
der Provinzialhilfskasse geliehenen 2500 Thalern entfielen
auf Kornitz 8 pCt.
Im Jahre 1868 waren 54 schulpflichtige Kinder
und wurde 10. August d. J. das Bauproject und der
Kostenanschlag auf 2120 Thaler gemacht. Nachdem durch
Allerhöchste Ordre vom 28. März 1870 ein Gnadengeschenk
von 550 Thaler bewilligt worden, wurde am 1. März
--- S. 256/#271
1871 dem Gärtner Hyacinth Sollich als Entrepreneur für
2000 Thaler der Zuschlag ertheilt. Der Fürstbischof
genehmigte eine Collecte zum Schulbau, welche 291 Thaler
26 Silbergroschen 6 Pfennige einbrachte. Am 27.
September d. J. wurden laut Verfügung der Königlichen
Regierung vom 26. August Verhandlungen über Dotirung
des Lehrers gepflogen und am 6. Juni 1872 vom Dominium
die Vocation ausgestellt. Zwei Tage später nahm Baurath
Linke das im Bau vollendete Schulhaus ab.
Frant Trtzka (S. 120), Hilfslehrer in Studzienna,
kam am 1. Juli 1872 an; am 2. fand die Einweihung
der Schule statt und am 3. begann der Unterricht. Trtzka
wurde auch Gemeindeschreiber. Laut Revenueenverzeichniß
vom 6. Juni erhielt der Lehrer 20 Scheffel 7 Metzen
Roggen, 4 Scheffel 1 1/2 Metzen Gerste, 7 Klaftern Holz,
101 Thaler fixirtes Gehalt aus Staatsfonds auf 10 Jahre
je 30 Thaler (die vom Neujahr 1873 bis Ende 1882 auf
70 Thaler erhöht worden), Benutzung von 1/2 Morgen
Gartenland, 18 Thaler als Entschädigung für Hutung und
Winterfutter. 1878 waren 75 Schüler.
Franz Trtzka ging 31. Januar 1881 als Lehrer
nach Stolzmütz.
Peter /Latta/, geboren Groß-Peterwitz, war als Knabe
schon am hiesigen Orte beschäftigt und bekannt, 1874 in
Oberglogau geprüft, zunächst in Bielschowitz, dann bis 1ten
December 1878 in Mikultschütz angestellt, hierauf in Rosdzin
Lehrer geworden und wurde 20. November 1880 von
Bruno von Eickstedt hieher vocirt."
Die Industrieschule übernahm October 1876 für
40 Thaler die Frau des Lehrer Trtzka und begann den
Unterricht am 6. d. Mts. Nach der Versetzung des Gatten
folgte als Industrielehrerin die Ehefrau des Latta und seit
April 1882-1885 die Frau des Lehrer a. D. Dubowy
aus Groß-Peterwitz, welche vor ihrem Tode daselbst zur
katholischen Kirche zurückkehrte.
--- S. 257/#272
Lekartow,
östlich von Janowitz gelegen und mit dem Dorfe ziemlich
verbunden. Der Ort war 1445 mit andern Dörfern als
Witthum der Herzogin Margareth bestimmt. Unter den
Mannen und Landsassen des Herzogs Hans junior v. Ratibor
begegnen wir 23. Februar 1479 an letzter Stelle dem Ritter
Friedrich von Lekartow. Das Dorf gehörte zum fürstlichen
Kammergut. Laut Urbar von 1532 hatte der Scholz Nicolaus
eine Freihufe und einen Freikretscham, mußte den herrschaftlichen
Zins einnehmen, die Unterthanen bei der Robot ordnen
und bei Kriegszeiten auf dem Schloße (mit einer Armbrust)
dienen. Die Unterthanen gaben außer dem Zehnt von
21 Groschen und 5 Gulden Zins an die Herrschaft an
Decem dem Pfarrer zu Steinau 1 Gulden 8 Groschen,
der propstei Ratibor 50 Groschen und dem Pfarrer von
Janowitz von jeder Viertelhufe je 1/2 Scheffel Roggen und
Hafer. Die Verleihung der Janowitzer Pfarrei hat der
Fürst (Georg Markgraf von Brandenburg). Bernard von
Tieschowski nahm Lekartow in Pfand bis es 1567 die Stadt
Ratibor für 350 Thaler an sich brachte. Aber schon 1577
wurde es mit einigen andern Gütern dem Daniel Ma`´cak
überlassen. (S. 210).
Nach dem Urbar der Schloßherrschaft von 1595 hatte
Lekartow 8 Bauern, welche 2 Frei- und 8 1/4 Zinshufe
besaßen und 13 Thaler 3 Groschen, Hafer, Hühner und
Eier zinsten. 1607 wurde das Gut auf 1104 Thaler
taxirt, von dem Freiherrn von Mettich zunächst in Pfand,
zwei Jahre später in Erbbesitz genommen und 1625 mit
Bojanow, Woinowitz und Vorwerk Ottitz an Stanislav
Reiswitz von Kanderzin auf Kornitz verkauft. Nach den
Befundtabellen von 1725 hatte die Herrschaft nur den Bier-
und Branntweinausschank zur Nutzung und wurden 17 Achtel
Bier wie auch etwas Branntwein jährlich ausgeschänkt.
Die Indiction der Unterthanen betrug 300 Thaler. Der
Scholz Johann Wiskoni hatte ein Teichel, von Regenwasser
unterhalten, besetzt mit anderthalb Schock dreijährigem
--- S.258/#273
Karpfensamen; es waren 9 Ackerbauern und 10 Gärtner
am Orte, deren 27 Gärtchen betrugen Aussaat an Flächeninhalt
4 Scheffel; die Feldsaat im Herbst und Winter
betrug je 16 1/3 Malter. Die Unterthanen hielten 75 Schafe,
46 Kühe, 11 Schweine.
Lekartow blieb bei der Herrschaft Kornitz, bis es sich
1796 freikaufte.
Dr. Kuh erwarb als Realgläubiger sub hasta 1829
die Dominial- und fast zwei Drittel der Rusticalgrundstücke
(mit Ausnahme der Erbscholtisei) und vereinigte sie mit
dem Vorwerk Ober-Ottitz, veräußerte aber 70 Morgen
131 Quadratruthen an die Besitzerin der Erbscholtisei Josefa
Wiskoni. 1830 besaß er in Lekartow 508 Morgen und
die Stellenbesitzer 488 Morgen. 1851 veräußerte Dr. Kuh
in Lekartow 700 Morgen an Wilhelm von Eickstedt auf
Ober-Ottitz. Die Erbscholtisei blieb sehr lange in der
Familie Wiskoni. Auf Paul folgte 1718 Johann, Jakob
1726, Andreas starb 24. Mai 1782 als Auszügler im
Alter von 83 Jahren. Josef starb 28. Juli 1774 im
Alter von 35 Jahren; die noch junge Wittwe Magdalena
heirathete 30. Januar 1775 den Bauernsohn Johann
Schramek aus Alt-Ratschein. Florian Wiskoni starb als
Auszügler 2. November 1853, 82 Jahre alt und war ein
gelehrter Mann. Josef Wiskoni wurde 1. Februar 1837
im Rudniker Walde von einem Baumast erst 28 Jahre alt
erschlagen. Ihm folgte als Erbscholz Bernard Tlach.
Lekartow zählte 1532 nur 17 Unterthanen; 1784
hatte das Dorf und Vorwerk Ottitz 10 Bauern, 9 Gärtner.
Die Zahl der Einwohner betrug 1842 230, 1855 232,
1861 265, 1882 in 50 Häusern 312, die 26 Pferde,
118 Stück Rindvieh, 39 Stück Schwarzvieh, 14 Ziegen,
7 Bienenstöcke halten.
Ottitz,
westlich von Ratibor in der Nähe der Matka Bo.za Kirche
gelegen, hieß ehemals Ottonis villa, Ottendorf, slavisch
Oczycy. Am 3. September 1291 verlieh Herzog Przemyslav
--- S.259/#274
dem Vogt Thilo von Ratibor volle Freiheitfür seine vier
Hufen in Ottendorf und am 23. Januar 1298 schenkte
derselbe Herzog seinem Diener Fritsche zwei Freihufen daselbst.
Dem Jungfrauenkloster vermachte er 1306 das auf dem
blanken Felde gelegene Dorf Ottitz mit 30 kleinen Hufen.
Der ehemalige Stadtvogt Werner und dessen Schwiegersohn
Heinrich von Grauden verkauften 1321 dem Jungfrauenstift
drei zur Scholtisei gehörige Hufen in Ottitz, was der
Stadtmagistrat am 4. November bekundete. Zu den Einkünften
des Propstes am Collegiatstift, gehörte 1416 eine Freihufe
in Ottitz, die jährlich 1 Mark 2 Groschen eintrug; die
Vicare hatten den Decem, der sich auf 14 Mark belief,
mit dem Herzoglichen Vorwerk daselbst. Bei dem Aussterben
der Herzoge gehörte Ottitz zur Kammerherrschaft des Schlosses.
Die Stadt Troppau leistete 1567 für Ratibor, welches die
Schloßherrschaft in Pfandbesitz nahm, Bürgschaft und erhielt
als Pfand Vorwerk Ottitz mit mehreren Dörfern. Dasselbe
Pfand cedirte Troppau 1577 dem Daniel Ma`´cak, der ihr
10,000 Floren geliehen, auf vier Jahre.
Nach dem Urbar von 1595 waren bei dem Vorwerk
Ottitz drei alte und zwei neue Teiche, nach dem vom Jahre
1607 war das Vorwerk auf 9823 Thaler, das Gehölz
dabei auf 100 Gulden rheinisch taxirt.
Hans Christof Freiherr v. Mettich, der das kaiserliche
Kammergut 1609 erblich erworben, verkaufte davon 1625
das Vorwerk Ottitz, die Dörfer Bojanow, Woinowitz und
Lekartow für 34,000 Thaler an Stanislaus Reiswitz von
Kanderzin auf Kornitz und Lubom. Die Indiction des
Vorwerks Ottitz betrug 549 Thaler. Im Jahre 1725
wurden 600 Schafe, 24 Kühe, 3 Schweine gehalten, in
vier Strichteichlein befanden sich 24 Schock dreijähriger
Karpfensaamen; ein Garten hatte 6 Scheffel Aussaat, auf
dem Felde wurden im Herbst und Frühjahr je 16 1/2 Malter
Roggen und Hafer ausgesäet. 12 Dreschgärtner und 8 Freibesitzer
gehörten zum Vorwerk; ein Kretscham war zu Lekartow
und einer zu Sudol.
--- S.260/#275
Dieser Antheil Ottitz blieb bei der Herrschaft Kornitz
bis zum Jahre 1796, wo ihn die Gemeinde Lekartow erwarb.
Letztere veräußerte 5. Juli 1806 vom Vorwerk Ottitz 135
Morgen Acker und 8 Morgen Hutung robotfrei für 12,812
Thaler an die Gemeinde Schardzin und siedelten sich 15
Häusler auf den erkauften Vorwerksländereien an.
Ober-Ottitz erwarb 1846 Dr. Reimann, vermählt
mit Charlotte geb. von Gilgenhein, die als Wittwe hierselbst
17. Juli 1852 im Alter von 70 Jahren 9 Monaten am
Schlagfluß starb, später Premier-Lieutenant Paul Wuthe.
Das Gut mit neuem Wohnhause umfaßt 720, die Rusticalfelder
42 Morgen, wovon 698 Morgen Acker, 28 Morgen
Gärten und 15 Morgen Wiese. Ober-Ottitz zählte 1842
308, 1855 nur 167 und 1861 163 Einwohner; 1884
mit Neu-Ottitz 254 Einwohner.
Vorwerk Neu-Ottitz, südlich vom vorbenannten gelegen,
gehörte ebenfalls zur Herrschaft Kornitz und gedieh nach
Dr. Kuh an Freiherrn von Eickstedt auf Gieraltowitz und
von diesem kaufte es der Besitzer von Ober-Ottitz Paul
Wuthe, der es noch inne hat.
Der dem Jungfrauenkloster gehörige Antheil von
Ottitz, nämlich ein Vorwerk war mit dem in Brunnek (S. 60)
gelegenen Vorwerk vereinigt und brachte zu Ende des vorigen
Jahrhunderts 426 Thaler 17 Silbergroschen ein. Von
den Dominialrealitäten des 1802 dismembrirten Vorwerks
Ottitzwurde 30. August eine Ackerparzelle von einem großen
Scheffel Aussaat an den Landrath Gottlob von Wrochem
verkauft.
Durch die Säcularisation der Stifte und Klöster im
Jahre 1810 fielen deren Besitzungen dem Fiscus anheim.
Der König überließ durch Cabinetsordre vom 28. November
1811 die Güter des Jungfrauen- und Collegiatstifts, der
Kreuzpropstei etc. an den Besitzer der Schloßherrschaft Ratibor.
Colonie Ottitz (S.129) ist bei der Parochie Altendorf
beschrieben.
--- S.261/#276
Schule.
Auf Veranlassung des Besitzers Dr. Kuh wurde 1829
für den Ort und Schardzin ein eigenes Schulsystem gegründet
und festgestellt, daß auch die Kinder von Neu-Ottitz von
Janowitz getrennt hierhereingeschult werden. Letzteres wurde
erst 1874 perfect. Das Schullocal, welches noch bis heute
existirt, wurde aus einem Stallehergestellt. Erster Lehrer
daselbst war Anton /Unger/. Er war tüchtig in seinem
Fache, außerdem ein Pomologe und Seidenbauer.
Franz Krause 1847 aus dem Seminar, kam sofort
als Adjuvant nach Janowitz, December 1849 nach Tworkau,
1850 nach Ober-Ottitz; wurde 1861 aus dem Schulfach
entlassen.
Franz Werner (Seite 144), hier seit 1861, ging
8. December 1866 nach Pawlau.
Oscar Knura (Seite 100), hier seit 1867, wurde
in Pawlau 9. Mai 1871 mit Ottilie, Tochter des Gendarmen
Josef Himmel aus Wilhelmsdorf, copulirt.
1874 trat Neu-Ottitz in den Verband.
Schulkinder waren: 1842 73, 1856 70, 1865 60,
1874 80, 1878 123, 1883 148.
Schardzin,
5,5 Kilometer westlich von Ratibor, ehemals Czardyna, Zarzyna,
auch Scherdze genannt. Der Canonicus und herzogliche
Kaplan Gerlach hatte zur Dotation des St. Margarethenaltares
in der Stiftskirche zu Schloß Ratibor vier Hufen
in Schardzin mit allen Einkünften nebst dem Vorwerk in
Pawlau geschenkt. Herzog Nicolaus genehmigte 10. April
1350 die Schenkung und befreite die etwaigen Ansiedler
von allen Lasten. Da aber die Cultur des zu einer Canonicatspräbende
gehörigen Vorwerks Schardzin unsägliche Mühe
und Kosten verursachte und wenig einbrachte, so beabsichtigte
man die Aecker des Allods an Bauern gegen einen
--- S.262/#277
Jahreszins nach deutschem Rechte auszusetzen. Herzog Johann
gab seine Einwilligung dazu und Bischof Wenzeslaus
genehmigte den Plan nach reiflicher Ueberlegung mit seinem
Domcapitel Breslau am 17. November 1383.
Das Vorhaben scheint aber nicht zur Ausführung
gekommen zu sein. Im Jahre 1416 bezog der Dechant
von einer halben Hufe des Feldes Schardzin 1 1/2 Mark
breiter Groschen und 1561 hatte das Kapitel Streit mit
Wyskota von Wodnyk wegen einiger Felder „Schardzin“
genannt.
Der Ort wird, wahrscheinlich wegen seiner
Unbedeutendheit in keinem Visitationsberichte der Archidiaconatsacten
als irgend wohin eingepfarrt genannt und erst 1730
in den Kirchenmatriken von Janowitz aufgeführt. Nach einem
Bericht des Collegiatstifts vom Jahre 1750 hatte
Schardzin keine Bauern, sondern nur Gärtner und Häusler,
welchedem Decan, Custos und Scholastikus Handdienste
leisteten. Am 5. November 1810 wurde das Stift
aufgelöst und auch Schardzin kam an die Schloßherrschaft.
Im Jahre 1784 bestand hier ein Vorwerk und waren
13 Gärtner ansäßig. 1842 waren 168, 1855 schon 205,
1861 nur 194 und 1882 bereits 333 Seelen. Das
Dörflein enthielt 1861 nur 28 Häuslerstellen, 1883 schon
52 Häuser mit 249 Morgen milden Lehmboden, worauf
21 Pferde, 126 Kühe, 51 Schweine, 22 Ziegen, 5 Bienenstöcke
gehalten werden. Eingeschult ist der Ort nach Ober-Ottitz.
1873 sprang die alte Glocke in dem Thürmchen der
Dorfkapelle St. Johannes v. Nepomuk, welche umgegossen
wurde. Sie trug folgende Inschrift: DANIEL NICL
HAT MICH GOSEN LUBOWITZ 1800. SANCT
JOANNES ORA PRO NBOIS. (sic anstatt NOBIS.)
1885 ist der Neubau einer Schule begonnen, welcher
auf 13,149 Mark 84 Pfennige Baarkosten und 2116 Mark
Hand- und Spanndienste Kosten veranschlagt ist.
--- S.263/#278
Pobiehof (= Pobiegow),
mährisch Pobehov, nördlich vom Kirchdorfe auf Gr.-Peterwitz
zu gelegen. Ritter Martin von Pobiehow war am 19ten
September 1415 einer der 11 Schöffen des Ratiborer
Landgerichts. Nicolaus, Besitzer des Vorwerks, machte 1426
mit Propst Nicolaus in Ratibor einen Vertrag, nach welchem
er für einen auf einer Kirchenwiese anzulegenden Teich und
Aufwerfen eines Dammes eine halbe Mark Groschen Zins
zu zahlen sich verpflichtete, was Herzog Wenzel 5. April
1441 bestätigte.
1479 waren Johann und Georg Gebrüder (Rottenberg)
von Katscher auf Pobiehof und Kornitz angesessen.
Nach dem Tode des Johann Rottenberg fiel der Ort 1555
durch Theilzettel der Schwester Elisabeth, vermählt mit
Wenzel von Reiswitz zu; drei Jahre später überließen
Stanislav, Wenzel, Johann, Sigismund und Bartholomäus
ihrem Bruder Sebastian Reiswitz auf Peterwitz das vom
Oheim Johann Rottenberg geerbte Pobiehof. Im August
desselben Jahres schenkte die Wittwe des Wenzel Reiswitz
Elisabeth geb. Rottenberg die Mühle dem Sohn Stanislav
mit der Verpflichtung, nach ihrem Tode seinen Geschwistern
200 Thaler auszuzahlen. Ursula Maria von Beyer geb.
Freiin v. Reiswitz verkaufte 1681 die Mühle, wegen welcher
schon seit dem Großvater Stanislav v. Reiswitz auf Kornitz
Streit gewesen, für 500 Thaler dem Collegiatstift. Das
Vorwerk blieb bei dem Allodialantheil Gr.-Peterwitz, welchen
Heinrich v. Reiswitz 14. September 1676 an Wenzel Graf
Oppersdorf veräußerte. Am 22. März 1717 brach des
Nachts im Dorfe Feuer aus, wobei zwei aus Groß-Peterwitz
geborene Knaben im Schafstalle verbrannten. Nach dem
Tode des Carl Josef Graf Oppersdorff erwarb den Allodialantheil
10. April 1772 sub hasta Otto Heinrich Graf
Schrattenbach für 12,500 Thaler. Auf dem Allod, dessen
Indiction schon zur Zeit des Wenzel v. Reiswitz 200 Thaler
betrug, wurden 300 Schafe, 4 Schweine gehalten; der
Schäfer, Flur- und Scheuerwärter hatten zusammen vier
--- S.264/#279
Kühe; das Vorwerksareal wurde mit je 9 1/2 Malter im
Herbst und Frühjahr besäet. Der Kaiserlich Königliche
Kämmerer Otto Heinrich starb 1733. Ihm folgte sein
Sohn Franz Anton geboren 1712, wirklicher Geheimer Rath,
Landeshauptmann in Mähren, 1736 vermählt mit Maria
Josefa Gräfin von Wrbna; er entließ 24. Juli 1740 zwei
Bräute aus der Erbunterthänigkeit. 1783 erbten die Söhne
Otto Wolfgang, vermählt mit Elisabeth Gräfin Starhemberg
und Fürstbischof zu Lavant Vincent Josef Graf Schrattenbach.
Nachdem die Güter 16. Mai 1801 allodificirt worden,
kaufte Peterwitz 2. December 1803 für 25,300 Thaler der
Stiftskanzler Peter Alois Bolik, der am 19. October 1819
starb. Dessen Schwiegersohn, Husaren-Rittmeister Benneke
erwarb es 11. November 1823 für 10 /mille/; das Vorwerk
wurde cassirt und die Grundstücke dismembrirt, woraus die
Colonie Pobiehof entstand, welche nebst dem diesseitigen
Theile des Dorfes Groß-Peterwitz zur Parochie Janowitz
gehört. Das Dorf jenseits der alten Zinna gehört schon
zum Olmützer Bisthum.
Bei dem Bau des Pfarrhauses zu Janowitz 1836
erklärten die 12 Pobiehofer Häusler, daß sie zwar der Nähe
wegen die Kirche zu Groß-Peterwitz besuchen, auch die meisten
kirchlichen Handlungen daselbst verrichten lassen, dafür aber
dem Pfarrer von Janowitz besonders bezahlen; sie würden
lieber zur Kirche nach Peterwitz halten, umsomehr als sie
alle Steuern und Abgaben dahin leisten, auch die Kinder
dorthin in die Schule schicken und den Geistlichen von dort
zur Krankenversehung rufen; außer den Stolataxgebühren
leisten sie dem Pfarrer in Janowitz und den Kirchenbedienten
keinen Decem. In Folge dessen werden seit den letzten
Decennien sämmtliche actus parochiales in der Pfarrkirche
zu Janowitz vorgenommen und die Krankenbesuche von
ebendaselbst besorgt.
Philipp Waxmann kaufte Peterwitz 19. December 1854
für 60 mille, Kaufmann Emanuel Friedländer aus Gleiwitz
1862 für 35,000 Thaler; Reinhold Seidel, Brauer in
--- S.265/#280
Tworkau, kaufte 14. April 1869 Schloß-Brauerei, Hofraum
und Garten für 16 /mille/. Später erwarb diesen Besitz
sub hasta die Gemeinde.
Das ehemalige Dominium Pobiehof umfaßt jetzt drei
Grundbücher: Pobiehof-Groß-Peterwitz, Pobiehof-Janowitz
und Pobiehof-Czyprzanow.
Parochie Polnisch-Krawarn.
Dazu gehören nur die beiden Kirchorte Polnisch-Krawarn
und Makau."
269-270 Pfarrei Polnisch-Krawarn, Dorf Polnisch-Krawarn
"Franz Albrecht Pacynski, Reichsgraf von Tenczin
und Groß-Patschin auf Bitschin etc., verlobt seit 5. August
--- S.270
1728 und vermählt am 14. Februar 1729 mit Caroline
Josefa, Tochter des Landeshauptmann Carl Heinrich Graf
v. Sobeck auf Koschentin und Ratibor, nach deren am 2. Mai
1734 erfolgten Tode 1736 mit Maximiliane Gräfin Sobeck
und endlich in dritter Ehe mit der 1723 geborenen Schwester
der Verstorbenen, Comtesse Caroline, starb als kaiserlicher
wirklicher Kämmerer 14. Juni 1770 zu Bitschin und wurde
am 17. Juni bei den Franziskanern zu Gleiwitz bestattet.
Ihm folgte aus dritter Ehe der einzige Sohn Johann
Erdmann auf Schimischow, wo er 1777 eine Fundatistenstelle
gründete, dessen Inhaber zugleich Kaplan von Rosmierz
wurde. Johann Erdmann war vermählt in erster Ehe
mit Maria Therese Gräfin Wiltzek, in zweiter mit Anna
Gräfin von Thun und starb 1803. Ehe die hiesige Herrschaft
verkauft wurde, finden wir vom Spätherbst 1772 bis Frühjahr
1773 auf dem Schlosse zwei polnische Herren: Franz Xaver
Albinowski (?), der 23. October eine Patenstelle übernahm
und den Starost Johann Graf Dembowski, der mit seiner
Dienerschaft hier weilte.
[...]
Ernst Joachim Graf Strachwitz, Sohn des am
3. März 1724 geborenen, 11. Juli 1810 gestorbenen Graf
Carl Josef auf Kamienitz und der Maria geb. Bujakowska,
welche 14. August 1732 geboren, schon 29. September 1775
starb. Der Graf besaß Kalinow von 1781-1780, Sacrau
und Oberwitz 1788-1796, Nieder-Elgot 1793-1797,
Dombrowka 1797-1802, kaufte 1796 die Standesherrschaft
Loslau, die er bis 1807 besaß, erwarb 1799 Ottmuth und
Odersch und am 3. Februar 1800 die beiden Herrschaften
Krawarn und Makau, 1816 Rösnitz, 1822 Roswadze.
In erster Ehe 28. September 1780 mit Maria Franziska
Gräfin Nayhaus vermählt, welche 11. August 1793 zu
Miedar starb, nahm er in zweiter Ehe die 5. August 1770
geb. Elisabeth v. Schimonska, Wittwe des Anton v. Gilgenheim.
272 Pfarrei Polnisch-Krawarn, Dorf Polnisch-Krawarn
"Carl Graf Strachwitz, geboren 9. September 1769
aus der zweiten Ehe, wurde königlicher Lieutenant, vermählte
sich 31. März 1818 mit Friderike von Stockmans, welche
25. März 1837 starb, erwarb 1820 Pawlau, wurde Landesältester
von 1820-1839, übernahm die Herrschaften
Krawarn und Makau, überließ dieselben jedoch von 1834
bis 1839 der Mutter Elisabeth Gräfin Strachwitz geb.
Schimonska, verehelichte sich 27. April 1841 zu Troppau
mit Maria Freiin von Harassowska und verkaufte 1842
Krawarn und Makau für 311,000 Thaler dem Neffen
Amand Graf Gaschin. Derselbe geboren 17. August 1815,
Sohn des Graf Leopold und der 19. September 1836
verstorbenen Ernestine geb. Gräfin Strachwitz, Mitbesitzer
der Lehnsherrschaft Katscher, war vermählt mit Fanny geb.
Gräfin Leszczyc-Suminska auf Neu-Grabia in Westpreußen."
301 Pfarrei Kreuzenort, Dorf Kreuzenort
"Anna Helene geb. Gräfin Praschma, seit 1686 gattin
des Max Ludwig Freiherr von Jaroschin, cedirte 13. December
1687 den vom vater ererbten Anthel dem Johann
Bernard Graf Praschma auf Brzezie, Pogrzebin, Klokoczin,
Gottartowitz und Rowkowin. Letzterer verkaufte 9. October
1699 Halb Krzi.zanowitz für 9000 rheinische Gulden dem
Mathias Nicolaus von Rostek auf Pilgramsdorf [=Pielgrzymowice] und von
diesem erwarb denselben Antheil schon im nächsten Jahre
Benigna Esther Freiin Wengerska geb. Gräfin Praschma
auf Rybnik für 7800 Thaler, den andern Theil verkauften
1708 nach dem Tode des Johann Bernard Graf Praschma,
der in Krzi.zanowitz ein stattliches Herrenhaus aufgeführt,
Commissare für die Waisenkinder in der Subhastation für
6000 Thaler dem Carl Gabriel Freiherrn von Wengersky
auf Rybnik, so daß nunmehr das ganze Gut vereinigt war."
309 Pfarrei Kreuzenort, Seelsorger
"Johann Bomba aus Gammau, 16. März 1726
Minorist, 12. März 1729 ordinirt, wurde Schloßkaplan
in Brzesnitz und von Juli 1735 bis Januar 1755 Pfarrer
in Krzi.zanowitz. Marie Kachel, Hedwig Harusek aus
Markowitz und Franz Michalski, Bauer in Kornitz, schenkten
2. September 1740 als Pfarrbeilaß je eine Kuh gegen die
Verpflichtung je eine heilige Messe jährlich zu lesen; später
bezog der Benefiziat statt des Nutzviehes je 8 Thaler und
mußte dafür die fundirten Messen celebriren."
312 Pfarrei Kreuzenort, Seelsorger
"Jacob Moritz, geboren am 6. Juli 1769 zu Alt-Hratschein
bei Nassiedel, Sohn eines Schulzen."
324-325 Pfarrei Kreuzenort, Roschkau, Schule
"Johann Osieka, seit 1. Februar 1872 in Zabelkau,
10. Juli 1873 nach Roschkau vociert, von der Königlichen
Regierung 28. d. Monats bestätigt; 1875 wurden die Kellerräume
zur Entfernung der Feuchtigkeit drainirt und im
nächsten Jahre ein Brunnen bei der Schule angelegt.
Osieka wurde Januar 1880 nach Ruderswalde befördert.
Die Bauerntochter Marie Wyrchowy ertheilt seit
23. Februar 1875 Industrieunterricht und nach deren
Verheiratung vom 1. August 1879 ab Franciska Riemel, der
seit Mai 1880 Frau Lehrer Bortlik folgte. Die bisherige
Remuneration von 24 Mk. wurde 1882 auf 42 Mk. erhöht.
--- S.325
Peter Bortlik (S.321), nach Kreuzenort 1. Februar
1879 als zweiter Lehrer vocirt, wurde im Herbst desselben
Jahres nach Roschkau befördert. Die Vocation datirt vom
10. October, die Bestätigung vom 21. Januar 1880.
Juli 1882 wurde der Turnplatz nebst Geräthen
angelegt. 1884 die Scheuer aufgeführt.
Schulkinder waren: 1878 109, 1883 119."
328-329 Dorf Lubowitz
[ROSTEK sind IIRC verbunden mit v.Kloch => Anschluss an die Fam. Eichendorff!]
"Gottlieb von Gusnar veräußerte schon 21. September
1765 für 5100 Speciesdukaten á 2 1/2 Reichthaler sein
Gut an Marie Eleonore verwittwete von Studnitz geborne
von Hein, Gattin des Carl Heinrich von Kloch, der am
4. Januar 1726 geboren, in Brieg studirt hatte, Capitän
bei dem Regiment v. Tauentzien, später Major wurde und
Radoschau erwarb. v. Gusnar erwarb Klajowitz (S. 62).
Heinrich v. Kloch starb 24. Juni 1799. Schon am 23. August
1785 hatte die Gattin für 41,000 Thaler Lubowitz und für
87,000 Thaler Radoschau an Adolf Freiherrn v. Eichendorff
--- S.329
verkauft, nachdem derselbe 23. November 1784 die Erbtochter
Caroline von Kloch, mit der er schon 1. Juni 1782 in
Lubowitz eine Beamtentochter aus der Taufe gehoben, zur
Gattin gewählt. Ihre Eltern erfreuten sich des Glücks bei
ihren Kindern auf Schloß Lubowitz, wo heitere Glanz und
frohe Geselligkeit herrschte, zumal die Offiziere der Garnison
Ratibor häufige Gäste waren, den Lebensabend zuzubringen.
Adolf besaß von 1791 bis 1797 die Herrschaft Tost und
Peiskretscham, überließ 1791 Radoschau seinem Bruder
Rudolf und erwarb 23. Mai 1795 für 106 mille die
Herrschaft Slawikau. Als seine Mutter 18. September
1798 zu Radoschau gestorben, nahm er dies Gut wieder
an sich und starb am 27. April 1818 zu Lubowitz an
einem Lungenleiden im Alter von 62 Jahren; die Wittwe
Caroline folgte ihm 56 Jahre alt an Brustentzündung
leidend am 15. April 1822 im Tode nach. Erben wurden
die Söhne Wilhelm und Josef, letzterer als romantischer
Dichter hoch gefeiert. Ihr Onkel Vincent Freiherr von
Eichendorff blieb in Lubowitz wohnen und starb 65 Jahre
alt an Entkräftung am 23. November 1823. Der Glanz
des Hausstandes, die langjährigen schweren Lasten des
französischen Krieges hatten die Güter mit Schulden
überbürdet und wurden dieselben allmälig verkauft. Lubowitz
fiel sub hasta 1823 an den Oberlandesgerichtsrath Wilhelm
Zöllmer, Radoschau 1824 an Carl Graf Strachwitz, Slawikau
1831 an Justizrath Ernst von Eickstedt."
330,331 Lubowitz, Kirche und Pfarrei
"[...] Der jedesmalige Pfarrer bezog den Garbenzehnten nicht
blos aus Schichowitz und Zawade, sondern auch aus Podlesie
bei Nicolai, aus Sczenkowitz und Palowitz bei Sohrau.
Eine Urkunde Sohraus vom Jahre 1518 bestätigt, daß die
Palowitzer Gemeinde den Zehnt nach Lubowitz abführte.
Im Jahre 1568 Freitag nach dem Fest der
Enthauptung des heiligen Johannes 3. September wurden die
--- S.331
Unterthanen zu Leng von dem in Ratibor gehegten Landrecht
verurtheilt, dem Pfarrer zu Lubowitz den Garbendecem zu
geben und weil sie ihn zwei Jahre nicht abgeliefert, dafür
innerhalb 12 Wochen 20 Gulden zu zahlen. Leider wird
der Pfarrer nicht genannt, wohl aber der Patron und
Mitkläger Wenzel Wranicki und der Sachwalter der Gegenpartei
Wenzel von Reiswitz."
336 Schimonski
355 Kornitz
359 Schimonski
359 Schimonski, Sobeck
368 Reiswitz
465 Rudnik, Pfarrei
"valentin Wiskoni (S. 83), für Rudnik 14. August
investirt. Der neue Pfarrer fand prachtvolle Ornamente
vor - einige waren aus der Propsteikirche gewonnen -,
aber das Kirchlein in der traurigsten Lage. Zwei Seitenaltäre
--- S.466
standen in den abgebrochenen Ecken des Presbyteriums
kaum drei Fuß von den Stufen des Hochaltars entfernt,
der Beichtstuhl war an einer alten Thür angelehnt und
dem Luftzuge ausgesetzt, 10 kleine Sitzbänke für alte Leute,
4 Fenster mit fünfkantigen kleinen, in Blei gelegten
Glasscheiben; die Sacristei gleichfalls klein und von Holz. Die
Kirche 34' lang, 28 1/4' breit, hatte 955 Quadratfuß, der
hölzerne Glockenthurm mit Vorhalle von 22 1/2' Länge,
15' Breite, hatte 337 Quadratfuß. Das Gotteshaus
bedurfte einer baldigen Reparatur, wenn es nicht einstürzen
sollte. Im Mai 1831 sollte der Neubau eines massiven
Brunnens 40' tief, 4 1/2' im Lichten mit 3' Umschrotung
erfolgen und belief sich der Kostenanschlag, Winde, Kette
und Eimer eingerechnet, auf 145 Thaler; die Gemeinden
aber protestirten und wollten einen, wenn auch nicht massiven,
so doch genügenden Brunnen für 40 Thaler herstellen.
Im Jahre 1837 erlitt die Kirche durch zwei Orkane
heftige Stöße und mußte gestützt werden. Der Pfarrer
zeigte am 22. November der Herzoglich Ratiborer Kammer
an, daß die Kirche einer erheblichen Reparatur bedürfe und
machte Tschech den Anschlag auf 335 Thaler exclusive der
Hand- und Spanndienste. Zwei Jahre später war die
südliche Wans, ein neues Dach und Deckenverschalung nöthig.
Auf Antrag des Pfarrer verlangte das fürstbischöfliche
General-Vicariatamt eine Erweiterung der Kirche entweder
durch An- oder Neubau. Man entschied sich im Termin
15. Januar 1840 für einen Erweiterungsbau und erbot
sich Wiskoni zu einem Beitrage von 50 Thalern. Kammerdirector
Lange erklärte, zunächst nur einen Theil auszubauen
und den anderen späterer Zeit vorzubehalten. Der
Erweiterungsbau wurde im Termin 13. Juli 1841 abgelehnt
und sollte einstweilen nur eine Reparatur stattfinden,
inzwischen aber Kapital zum Massivbau gesammelt und zwar
der halbe Betrag der Grundsteuer an die Kirchenkasse
eingezahlt werden. Die ersten Beiträge erfolgten von Februar
1842 ab, wo die Gemeinden 22 Thaler 4 Silbergroschen
--- S.467
9 Pfennige, die Herzogliche Kammer das Doppelte
deponirten.
Für das Pfarrhaus war 14. November 1839 ein
Anschlag auf Berappung des Mauersokels, Dielung der
Tafelstube, Raparatur des Flachwerkdaches, für die Stallung
Bedachung, Dielung, Ausbesserung, Beschaffung einer Thür
und neuer Krippen gemacht, 1843 Hof- und Gartenzaun
auf 88 Thaler veranschlagt. Im nächsten Jahre wurde
die Orgel in Bauerwitz reparirt. In demselben Jahre
wurden aus der Parochie 732 Personen in Ratibor gefirmt.
Im Jahre 1862 wurde die Bedachung der Kirche
und Bekleidung des Thurms erneuert, auch eine Reparatur
an dem Wohnhause durch David Richter ausgeführt. Der
Baufonds betrug 1861 circa 1100 Thaler, 1864 schon
1350 Thaler, 1884 11,414 Mark. Im Jahre 1865
fand durch Zimmermeister Seidel für 250 Thaler der
Neubau des Pfarrhof- und Gartenzauns statt. Wiskoni
starb als Jubilar am 19. März 1866.
Als Kapläne fungirten unter ihm:
August Krayczyczek, geboren Neugarten 1832,
ordinirt 2. Juli 1859, zunächst 8. August Kaplan in Rudnik,
4. februar 1862 in Berun, 14. Mai 1866 Administrator
daselbst, dann Administrator in Deutsch-Weichsel, wo er
14. November 1869 Pfarrer wurde.
Josef Sobel, geboren Gleiwitz 25. Juni 1836,
ordinirt 1861, heir von 14. Januar 1862 bis 29. Juli
1862, dann in Falkowitz, 13. Januar 1863 Gr.-Rosmirz,
18. April 1865 Namslau, 29. Juli 1865 Lohnau, 10ten
April 1866 Landsberg, 27. Juni 1867 Frauwaldau,
26. November 1870 Loslau, später in Miechowitz.
Carl Dittrich, geboren Mochau 1831, ordinirt 1859,
19. Juli 1859 Kreuszendorf, hier 8. August 1859, dann in
Berun, Kaplan in Kreuzendorf bis 4. Februar 1862,
29. Juli 1862 nach Groß-Rudno, 15. August 1863
namslau, 18. April 1865 Groß-Rosmirz, 22. Januar 1867
--- S.468
Altcosel, 9. Februar 1867 Groß-Dubensko, 23. August 1871
Administrator in Centawa, investirt 31. Januar 1873.
Carl Weckert, geboren Oppeln 20. December 1833,
ordinirt 12. Juni 1858, wurde 18. September Kaplan in
Lohnau, 18. April 1861 Oberkaplan in Groß-Rauden,
28. Juli 1863 Pfarradministrator in Rudnik, investirt
29. Mai 1866. Er ließ durch Maler Klose der Hochaltar
staffiren und an der Kirche ein hölzernes Kreuz aufführen."
529 Pfarrei Tworkau, Dorf Tworkau
"August Liwowski, Oberglogau 1837-1840 gebildet,
kam Mai 1840 her. Kurz vorher war das Lehrer- und
Organistenamt neu besetzt worden. Stolarz tauschte nämlich
seine Stelle mit der zu Lasisk, blieb aber nur kurze Zeit
dort und starb als Privatlehrer in Loslau. Liwowski wurde
Lehrer und Organist in Kostelnitz."
549 Lokalie Ruderswald, Pfarrschule
"Johann Osieka, geboren am 29. Mai 1846 zu
Walzen, Kreis Neustadt O.-S., ein Zögling des Seminars
zu Oberglogau seit dem 15. September 1864 bis zum
9. August 1866, wurde am 1. October Adjuvant in Janowitz,
am 1. Januar 1870 in Zabelkau und am 1. September
erster Lehrer in Roschkau, wo er sich mit der Bauerntochter
Josefa Nawrath aus Zabelkau am 2. September 1873
verehelichte; seit dem 1. Januar 1880 ist er in Ruderswald
als Lehrer, Küster und Organist angestellt. Derselbe bezieht
zur Zeit als
a) Lehrer: Baargehalt 402 Mk. 40 Pfg.; Entschädigung
für Schwarzviehhutung 3 Mk. 10 Pfg.; Naturalien
20 Scheffel 7 Metzen Roggen; 4 Scheffel 1 1/2 Metzen
Gerste; 7 Klaftern oder 23,37 rm. Leibholz (Klobenholz),
welches von den bespannten Wirthen unentgeldlich
anzufahren und von den Einliegern unentgeldlich
klein zu hacken ist.
b) Küster: Freie Wohnung im Küster- und Schulhause;
Landnutzung: 2 Morgen Acker und den Garten am
Schulhause, in welchem letzteren ein geeigneter Theil
zur Baumschule zu verwenden ist.
c) Organist: An fixirten Accidentien, von neun Fundationsmessen
8 Mk. 80 Pf.; an Renten 49 Mk. 80 Pf.;
Landnutzung: 12 Morgen Acker; die gewöhnlichen
Stolagebühren für Taufen, Trauungen, Begräbnisse
etc. etc., wie solche dem früheren Organisten gewährt
worden sind."
567 Pfarrei Woinowitz, Dorf Woinowitz
"[...] Woinowitz gehörte zu den Kammergütern
der Schloßherrschaft und war von 1577
bis 1588 nebst Bojanow und Lekartow dem Daniel Maczak
auf Deutsch-Krawarn verpfändet. (Canonicus Wenzel Maczak
war Altarist der Tuchmacherzunft).
Nach dem Urbar von 1532 hatte das Dorf 30
angesessene Unterthanen, 1595 aber 30 Bauern mit 30 1/2
Hufen und 3 Freihufen, 3 Gärtner, einen Müller. Sie
zinsten zusammen 88 Thaler 1 Groschen, 4 Malter Roggen,
2 Malter 7 3/4 Scheffel Hafer, 3 Schweine, 252 Hühner,
62 1/2 Schock Eier und 43 Fuder Heu. Am 6. Juli und
6. August 1601 beschwerte sich die hiesige Gemeinde nebst
der zu Lekartow bei der Schlesischen Kammer gegen Georg
Maczak von Ortenburg wegen aufgedrungener neuer Fuhren
und andrer Frohndienste, die sie gegen die Robotordnung
nach Ottitz und Groß-Hoschitz leisten mußten. Als man
den Verkauf einiger Kammergüter 1607 beabsichtigte, wurde
auch Woinowitz abgeschätzt und auf 6097 Thaler taxirt.
Die Brüder Balthasar und Georg von Tschetschau-Mettich,
welche kurz vorher einen Theil der Ratiborer Schloßherrschaft
in Pfand genommen und 1609 als Eigenthum erworben,
veräußerten 1625 das Ottitzer Vorwerk, die Dörfer Bojanow,
Woinowitz und Lekartow für 34,000 Thaler an Stanislaus
Reiswitz von Kanderzin auf Kornitz, Halb Sudol und Lubom.
Von da ab gehörten die genannten Orte bis 1796 zur
Herrschaft Kornitz (Seite 250.)"
593 Seelsorger, Parochie Benkowitz, Sudol
"Valentin Wiskoni, geboren 14. Februar 1789 (siehe
Altendorf und Rudnik Seite 83 und 465)."
"Josef Rostek, geboren 5. November 1829, ordinirt 1860,
8. Juli Kaplan in Slawikau, 11. Februar 1866 Administrator in
Rogau, daselbst investirt 25. November 1868, 5. Juni 1872 als
Pfarrer von Sakrau investirt."
593-594 Seelsorger, Parochie Benkowitz, Bojanow
"Ignatz THOMICZEK, geboren 1793, bestand 1815 mit sechs
anderen Kandidaten die Concursprüfung, trat 30. November ins
Alumnat, wurde 8. September 1816 Diacon, im nächsten Jahre
ordinirt, ging März 1818 als Kaplan nach Schalkowitz, Juli 1819
--- S.594
nach Polnisch-Wartenberg, später nach Czarnowanz, Jelowa, 21ten
December 1838 Administrator in Boischow, 26. September 1839
investirt, starb 3. Februar 1843."
597 Seelsorger, Parochie Rudnik
"Valentin Riemel, geboren 19. Februar 1834, ordinirt 1859,
Kaplan in Nicolai, an der Kreuzkirche Breslau, in Leschnitz, ist
Hilfsseelsorger in Wallendorf."
[Handschriftliche Ergänzung: + Juli 1896]