Excerpt

Enthaltene Seiten: i-xv, 1-52, 60-63, diverse kurze Abschnitte, 146-180, 197-265, diverse kurze Abschnitte

Geschichte
des
Ratiborer Archipresbyterats.


Historisch topographisch statistische
Beschreibung
der zu demselben gehörigen Dörfer,
Kirchen, Kapellen, Schulen u. s. w.
als Ergänzung der Kirchengeschichte Ratibors
und als Beitrag zur Adelsgeschichte Oberschlesiens.

Aus Urkunden und amtlichen Acten verfaßt
von
A. Weltzel,
Geistlichen Rath und Pfarrer von Tworkau.

Im Selbstverlage.

Ratibor 1885.
[gleichlautender Innentitel]
Sr. fürstbischöflichen Gnaden
dem
Hochwürdigsten Fürstbischof von Breslau
Herrn Robert Herzog
Sr. Heiligkeit Hausprälaten und Thron-Assistenten
Doctor der Theologie etc. etc.
dem Beförderer Schlesischer Geschichtsschreibung
in
tiefster Ehrfurcht
gewidmet.
[frei]

Vorrede.

Vorliegende Blätter sind ein Beitrag zur Geschichte des Breslauer Bisthums, dessen Ansehn und Reichthum kein anderes im Osten der Elbe und in den slavischen Ländern erreichte. Wie eine sachgemäße, zuverlässige, gediegene und umfassende Darstellung der Universalgeschichte nur auf Grundlage emsiger Forschungen auf den einzelnen Gebieten aufgebaut werden kann, so erfordert auch die Geschichte jedes Bisthums ein tieferes Eingehen auf die Gestaltung, das Leben und die Schicksale der einzelnen Pfarreien.

Wir besitzen zwar in unserer Diöcese ein umfangreiches, mit ungemeinem Fleiß gearbeitetes Werk, welches die Entwicklung der Kirche Schlesiens bis zum Jahre 1648 urkundlich darstellt, aber abgesehen von der Vertheilung des Stoffes, (wobei z. B. die Bischöfe, statt an der Spitze des Ganzen, erst im 8. Hauptstück des zweiten Buches eine Stelle finden) und abgesehen von dem Uebermaß bei Citaten, da Druckort und Jahr bekannter Werke immer wieder angeführt und nicht blos die Seitenzahl, sondern auch Zeitraum, Abtheilung und Abschnitt beigefügt sind, ist die Enttäuschung der Leser bisweilen groß, wenn sie auf Grund des Registers belangreiche Denkwürdigkeiten für einzelne Orte hoffen, aber nur dürftige Angaben über die erste Erwähnung des Namens finden.

Zweckmäßiger hat mein verstorbener Freund Dr. Gregor Wolny, ehemals Subprior im Benedictinerstift Raigern, seine kirchliche Topographie von Mähren in 9 Bänden ausgearbeitet und geordnet, indem er zunächst eine historische Skizze der Bischöfe, dann eine Uebersicht der geistlichen Orden, deren Klöster oder Collegien gab und hierauf die Archipresbyterate und Dekanate mit den zugehörigen Pfarreien unter Beschreibung der Kirchen und Kapellen, Aufzählung der Seelsorger, Angabe der Emolumente etc. folgen ließ.

Für die Geschichte der Bisthümer sind in der ersten Reihe Pfarrchroniken von besonderer Wichtigkeit. Anfänge zu denselben stammen schon aus früher Zeit. Zunächst wurde vorzugsweise der Zweck verfolgt, die Kirchengüter vor Verlusten zu bewahren. Bischof Peter Nowak verordnete auf der Diöcesansynode 1454, daß sowohl bei der Domkirche und den Collegiatstiften als auch bei den Pfarrkirchen zwei Verzeichnisse angelegt werden; in ersterem sollen die Einkünfte, die zu den einzelnen Benefizien gehören, im anderen die kirchlichen Geräthschaften gewissenhaft eingetragen und die Nachweisungen von ersteren durch den Dekan, von letzteren durch die Erzpriester dem Bischofe eingereicht und in seiner Kanzlei aufbewahrt werden. Daß der Archidiakon noch in der Zeit vor der Glaubensspaltung eine Matrikel über die Emolumente der Pfarreien führte, ist Seite 27 nachgewiesen.

Da viele kirchliche Benefizien verloren gingen, weil die Urkunden und Privilegienbriefe abhanden kamen, befahl Bischof Martin Gerstmann auf der im Jahre 1580 gehaltenen Synode, solche Schriftstücke in der Kirche aufzubewahren. Die Archidiakone sollten von den Pfarrern die Fundations- und Bestätigungsurkunden, die Gerechtsame und Privilegien sich vorzeigen lassen, damit sie in einem Buche verzeichnet und in der nächsten Synode vorgelegt werden. Die Diöcesansynode unter Bischof Andreas v. Jerin aus dem Jahre 1592 beschäftigte sich gleichfalls mit den Temporalien der Benefizien.

Aus der Zeit der Glaubenstrennung haben sich in Oberschlesien, außer bei Collegiatstiften und Klöstern, fast gar keine kirchlichen Urkunden erhalten. Es scheint, daß die Prediger, nachdem die Erbfürstenthümer zur Mutterkirche zurückgekehrt waren, die Schriftstücke entfremdet haben. Als z. B. Sohrau 1629 wieder katholisch geworden, nahm der Pastor Ignatz Lison zwei Urkunden über Altäre, die sich dessen Vater und Vorgänger im protestantischen Stadt-Pfarramte vom Bischof Carl (1608-1624) hatte bestätigen lassen, nach Ungarn mit. Der katholische Pfarrer Molicer hatte, als er den alten Stiftungen nachforschte, alle Mühe, eine Abschrift zu erlangen.

Bischof Franz Ludwig erließ 1695 an die Archidiakone und Erzpriester die Weisung: über die Namen sämmtlicher Kirchen des Bisthums, über das Alter derselben und über die Heiligen, zu deren Ehren sie gestiftet worden, sorgfältige Ermittlungen anzustellen. Von höchstem Werthe für die Geschichte der Pfarreien und Schulen sind die noch erhaltenen Berichte, welche bei den kanonischen Visitationen über sämmtliche Parochien im 17. und im Anfang des 18. Jahrhunderts verfaßt und gesammelt wurden (S. 15). Auch die Beschreibungen der Kirchen und Schulen, Einkünfte etc., welche die Schlesische Kammer und später die Kgl. Regierungen von den Pfarren einforderten, bieten einigen Stoff zu Pfarrchroniken.

Ein kräftigen Anlauf nahmen die Verhandlungen bei dem Ratiborer Archipresbyteratsconvent am 12. Mai 1810 unter dem Vorsitze des Erzpriesters Seypold. Es wurde der Vorschlag gemacht, daß von jedem Pfarrer des Cirkels eine genaue Beschreibung der Inventarstücke, der Rechte und Nutzungen, der Art und Weise des Gottesdienstes, Angabe: wem das Patronat zustehe etc. doppelt ausgefertigt, ein Exemplar bei der Pfarrei, das andere im Archipresbyteratsarchiv aufbewahrt werde. Das Generalvicariatamt erwiderte auf das eingesandte Protokoll: Nicht blos die älteren Synodalstatuten, sondern die neuere Instruction, welche den Erzpriestern bei ihrer Anstellung mitgetheilt wird, setzen fest, daß bei jedem Benefiz die Gerechtsame, Einnahmen etc. der Kirche und Parochie in besonderen Büchern vermerkt und diese sorgfältig aufbewahrt werden sollen. Dieselbe geistliche Behörde gab in der Schilderung des Nutzens vertheilhaft angelegter Beschreibungen die Art und Weise an, wie die Arbeit ausgeführt werden solle. Durch zweckmäßige Darstellung wird sich jeder Pfarrer ein Verdienst für seine Nachfolger erwerben, wenn diese sogleich alle erforderlichen Nachrichten vorfinden. Mancher Anstoß in der Gemeinde, manche Verlegenheit in der Amtsführung, die Abhängigkeit von untergebenen Kirchenbeamten, bei denen sonst Belehrung gesucht werden müßte, auch Processe werden dadurch vermieden. Würde der Beschreibung zugleich eine Chronik über merkwürdige Schicksale und eine Charakteristik der Gemeinden in Ansehung ihrer Bildung, Sittlichkeit, ihrer lebhaften oder geringen Theilnahme an der Förderung des Schul-Unterrichts u. s. w. beigefügt, so würde solche für die Nachfolger noch nützlicher sein, ihnen zweckmäßigen Stoff zu Gelegenheitsreden geben.

Das 9. Heft der 1829 erschienenen Zeitschrift: Von der kathol. Kirche muntert gleichfalls zu historisch-topographischen Beschreibungen auf: Am Kirchweihfeste und Patrocinium, die alljährlich wiederkehren, hegen wohl die meisten Zuhörer den Wunsch, Aufschlüsse über die Vergangenheit, der sie das Bestehende zu verdanken haben, zu erhalten, eine ansprechende Auskunft auf die Fragen: wer sind die Besitzer des Orts gewesen, wann ist die Kirche erbaut und erneuert worden, welche Schicksale hat sie erfahren, wer hat sich besonders verdienst gemacht, was für Ereignisse, Gefahren, Nothstände haben obgewaltet und manche Stiftungen veranlaßt? Jeder Pfarrer hat für das ihm theure Gotteshaus auch leibevollen Sinn und Eifer seiner Gemeinde möglichst zu wecken und zu mehren; er wird diesen Zweck leichter erreichen, wenn er Ursprung, Veränderung, Wohlthäter und sonstige Merkwürdigkeiten mittheilt.

Die Nützlichkeit der Pfarrchroniken ist auch in der Geschäftsverwaltung des verewigten Dr. Sauer § 88 gebührend hervorgehoben. Mehrere Artikel des Schlesischen Kirchenblatts, so namentlich Jahrgang 1868 Nummer 39 und 40, enthalten eine Anleitung zur Bearbeitung.

Unterzeichneter hatte sich neben seinen Berufsgeschäften ehemals mit der Geschichte Norddeutschlands und seit fast 5 Jahrzehnten ausschließlich mit der Vorzeit Oberschlesiens vertraut gemacht und aus allen ihm zugänglichen Archiven reiche Sammlungen angelegt, auch mehrere Städtechroniken und Monographien hervorragender Adelsgeschlechter veröffentlicht, als er nach Erscheinen der 2. Auflage der Geschichte der Stadt Ratibor, in welcher die kirchlichen Verhältnisse ausführlich behandelt sind, angeregt wurde, auch eine historisch-topographische Beschreibung sämmtlicher zum Archipresbyterat Ratibor gehörigen Landpfarreien auszuarbeiten. Behufs zweifelloser Sicherheit ging er nochmals die schon früher benutzten Archivalien (Urkunden, Acten, Kirchenmatriken), wie solche S. XI verzeichnet sind, durch, vervollständigte das Material mit neuen Auszügen und bietet hiermit die gewonnenen Erfolge den Freunden Oberschlesischer Geschichte dar mit dem Bemerken, daß die Veröffentlichung nur durch die Freigebigkeit Sr. fürstlichen Ganden, des hochwürdigen Herrn Fürstbischofs Robert, möglich geworden, weil dieser hohe Gönner und Förderer vaterländischer Geschichtsschreibung die ansehnlichen Druckkosten aus eigenen Mitteln huldreichst gewährte und somit den Verfasser, wie alle Freunde der Heimathskunde zum lebhaftesten Danke verpflichtet.

Was die Anordnung des Stoffs betrifft, so wurde für angemessen erachtet, die Geschichte des Oppelner Archidiakonats und des Ratiborer Commissariats an die Spitze zu stellen, da diese kirchlichen Aemter in innigster Verbindung zu dem untergebenen Curatclerus stehen und über jene Würdenträger der Breslauer Diöcese, außer einem im Schles. Kirchenblatte mitgetheilten Aufsatze Kastners, das Neisser Commissariat betreffend, nirgendswo etwas Zusammenhängendes gegeben ist. Die Vorbesitzer der Rittergüter wurden, soweit als möglich zurückreichend nach Stand und Namen, mit Erwerbszeit und genealogischen Angaben verzeichnet, weil sie meist nicht blos Patrone der Kirche, sondern auch Wohlthäter derselben gewesen sind. Die Communalverhältnisse aller zu jeder Pfarrei gehörenden Ortschaften wurden wegen der Zugehörigkeit zu den Pfarrgemeinden erörtert. Die eingehende Behandlung der Schulen in besonderen Abschnitten findet ihre Rechtfertigung in der Thatsache, daß die Schule stets eine Tochter der Kirche gewesen ist. Die Lehrer der Gegenwart und Zukunft erhalten zugleich ausgiebige und zuverlässige Nachrichten für die Erweiterung der ihnen aufgetragenen Orts- und Schulchroniken.

Sollte die getreue Schilderung der Schulzustände aus älterer Zeit manche Leser befremden, so möge nicht vergessen werden, welch furchtbare Verwüstung auch Oberschlesien in dem 30jährigen Kriege wie in der Zeit von 1741-1745 und 1757-1763 erlitten, wie die Landbevölkerung unter der Robotpflicht gedrückt wurde, bis 1785 die Urbarien-Commissionen in Bezug auf Lasten und Dienste zwischen Unterthanen und Herrschaften billige Vergleiche schlossen. Von jener Zait ab hoben sich die bis dahin traurigen Verhältnisse in erfreulichem Fortschritte. Auch ist zu beachten, daß es bis zur zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts keine Schulseminare gab. Entweder lernten Lehrersöhne das Wenige, was sie zu ihrem Amte brauchten, vom Vater, oder strebsame Jünglinge, die das höhere Studium nicht fortsetzen konnten, Wirthschaftsschreiber, welche keine feste Stellung bei der Oeconomie erhielten, schritten zum Lehrfach und führten meist bei überaus geringen Einkünften ein bescheidenes, eingezogenes Leben. Die endliche Errichtung von Seminarien und deren Unterhaltung wurde nur dadurch möglich, daß seit 1765 jeder Pfarrer bei Antritt seines Beneficiums den 4. Theil seiner Jahreseinkünfte (Quarta Seminaristica) für diesen Zweck erlegte und seit 1833 eine jährliche Kirchencollecte für die katholischen Schullehrer-Seminare zu Breslau und Oberglogau vorgeschrieben ist.

Die Citate unter dem Text wurden möglichst kurz nur für die ersten Abschnitte gegeben, weil für jeden Satz der folgenden Abschnitte die Quelle vom aufmerksamen Leser in dem nachfolgenden Verzeichnisse ohne Mühe gefunden werden kann.

Tworkau, den 4. December 1885.

Der Verfasser.

Handschriftliche Quellen.

  1. Breslau.
    1. Königliches Staatsarchiv.
      1. Landbücher der Fürstenthümer Oppeln-Ratibor von 1532 bis 1740. 18 Folianten.
      2. Gerichtsbücher derselben Fürstenthümer, von 1558 bis 1724, 7 Folianten.
      3. Urbarien der Herrschaft Ratibor von 1532, 1567, 1595, 1642
      4. Lorenzens Privilegiensammlung, enthält die Copien der ältesten Gutskäufe
      5. 181 Urkunden des Collegiatstiftes Ratibor von 1308-1752
      6. Matrikel desselben (Kapitelsverhandlungen) von 1432 ab
      7. 103 Urkunden der Dominikaner von 1258-1809
      8. 181 Urkunden der Dominikanerinnen von 1291-1809.
      9. Orts- und Personalacten, meist aus den Archiven des ehemaligen Oberamts und der Schlesischen Kammer.
    2. Domarchiv.
      Catalogus cleri 1724.
    3. Fürstbischöfliche Kanzlei.
      Visitations-Protokolle des Oppelner Archidiaconats von 1679, 1687, 1713, 1719
    4. Registratur des General-Vicariatamtes.
      Visistationsberichte der Erzpriester, Schulsachen, Fundationsurkunden, Jahresrechnungen.
    5. Vicedechantei.
      libri Ordinandorum von 1652 ab.
    6. Alumnat.
      Liber morum 1731 und Alumni Seminarii Clericalis Vratisl. 1790-1785, pars II (der erste Theil ist verloren), zeitweise mit Notizen über Anstellungen und Versetzungen. Der Aufenthalt im Alumnat war ehemals nicht obligatorisch; ein großer Theil des oberschlesischen Clerus erhielt die Weihen außerhalb der Diöcese.
  2. Oppeln. Registratur der Königlichen Regierung.
    1. Bekenntniß- und Befundtabellen des Fürstenthums Ratibor von 1723 bis 1725, 15 Folianten. Im Bureau der Steuerverwaltung befinden sich im Ganzen 120 starke Bände dieser für die Statistik Oberschlesiens ergiebigen Tabellen.
    2. Acten katholischer Kirchensachen, Angelegenheiten derselben; für jede Kirche meist mehrere Fascikel, in denen auch Gesuche um vacante Stellen mit biographischen Notizen sich vorfinden.
    3. Acten katholischer Schulen, Visitationsprotokolle seit Gründung der Centralstelle.
  3. Ratibor.
    1. Das Archiv der Pfarrkirche ist überaus reichhaltig; außer den alten Currenden sind unzählige Schriftstücke vorhanden, welche zumm Theil, leider meist ohne Auswahl mit Rücksicht auf den Inhalt, vor mehr als 50 Jahren in Fascikel zusammengeheftet worden sind. Hauptsächlich aus diesen Sammlungen war es bei unendlicher Mühe möglich, den Abschnitt über das Commissariat, dessen Archiv 1822 in Loslau verbrannt ist, auszuarbeiten.
    2. Das Schloßarchiv enthält Acten über Anstellung von Pfarrern an Kirchen, Lehrern an Schulen, die unter dem Herzoglichen Patronat stehen, Bauten etc.
    3. Das Königliche Landrathsamt enthält umfangreiche Acten über Erfindung und Bauten der Schulen, Statistisches über Guts- und Gemeindebezirke.
    4. Das Königliche Landgericht. Das Grundbuchamt enthält Originalurkunden aus den letzten 3 bis 4 Jahrhunderten über Gutskäufe, Eheverträge, Leibgedinge, Testamente, sämmtlich mit den Siegeln und eigenhändigen Unterschriften der Aussteller und Zeugen, und ist für Sphragistik und Genealogie eine hochwichtige Quelle.
    5. Die Oberschlesische Fürstenthumslandschaft führt eine Matrikel über den Besitz und Erwerb der Rittergüter seit 1770, hat auch Acten über letztere.
    6. Magistratsarchiv
      1. Urkunden über Studzienna von 1364-1704
      2. Acten über die Schule in Neugarten
  4. Altendorf.

    Das Archipresbyteratsarchiv enthält Acten und Rechnungen aus allen Pfarreien. Das Proventenbuch von 1722, von dem in den Schriftstücken einiger Pfarreien Excerpte enthalten sind, ist nicht aufzufinden und wahrscheinlich bei dem wiederholten Wechsel der Standorte verloren gegangen. Wie der Catalogus Cleri von 1724, so war auch dies Revenüenverzeichniß aus den Aufzeichnungen bei den kurz vorher gehaltenen kanonischen Visitationen geschöpft und ist deshalb der Verlust nicht wesentlich fühlbar.

  5. Rauden. Schloßarchiv.

    Origo humaniorum studiorum 1744-1816 ist ein Schülerverzeichniß mit Angabe, wer Priester geworden.

  6. Außerdem sind die Tauf-, Copulations- und Todtenbücher, Proventenbücher etc. jeder Pfarrei des Archipresbyterats und einiger angrenzenden Parochien benutzt worden.

Gedruckte Hilfsmittel.

Syllabus Defunctorum sodalitatis Marianae 1652-1767.

Syllabus Confoederatorum sodalitatis Marianae 1732-1751 und 1831. Diese beiden aus Rhedigers Bibliothek stammenden, im Breslauer Stadtarchiv befindlichen Verzeichnisse sind überaus wichtig. Von ersterem hatte selbst der Präses der Sodalität Dr. Herber keine Kenntniß, weßhalb seine Angaben im Schlesischen Kirchenblatt 1836 Seite 361 über den Anfang der lateinischen Bruderschaft in Breslau um 91 Jahr zu spät datirt sind. Die im Verzeichniß angegebenen Todestage der Mitglieder geistlichen und weltlichen Standes aus dem 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts sind um so werthvoller, als die Todtenbücher vieler Pfarreien nicht soweit zurückreichen.

Der Catalogus Cleri aus dem Jahre 1748-1757 und 1765 ist im Breslauer Stadtarchiv, spätere Schematismen sind im Archiv der Ratiborer Pfarrkirche vorhanden. Die älteren Schlesischen Provinzialblätter und die Amtsblätter enthalten bisweilen Anstellungen resp. Versetzungen . Die Instanziennotiz von 1744 ab bringt die Namen der Archidiacone und fürstbischöflichen Commissare, das Diöcesanblatt 1803-1822, die Breslauer Zeitschrift für Theologie 1831-1833, das Schlesische Kirchenblatt seit 1835 berichten Todesfälle und Anstellungen der Priester.

Zimmermanns Beiträge für Schlesien 1784, Knie's Uebersicht der Dörfer etc. 1845, und Triest, Topographisches Handbuch von Oberschlesien (Breslau 1865) enthalten Statistisches.

Codex dipl. Silesiae II., VI. und VII. (Breslau 1859, 1865 und 1868.)

Inhalts-Verzeichniß.

Das Oppelner Archidiaconat Seite 1.

Das fürstbischöfliche Commissariat Ratibor Seite 21.

Das Archipresbyterat Ratibor S.39.

Parochie Altendorf. Dorf S. 51, Pfarrkirche S. 64, Hospital 90, Pfarrschule 91, Neugarten Dorf 105, Schule 109, Studzienna Dorf 113, Schule 119, Niedane Dorf 123, Schule 126, Proschowitz 128, Ottitz 129.

Parochie Pawlau. Dorf 130, Pfarrkirche 137, Pfarrschule 142, Wilhelmsdorf, Schardzin 145.

Parochie Benkowitz. Dorf 146, Pfarrkirche 162, Hospital, Pfarrschule 187, Sudol Dorf 197, Gratialkirche 203, Schule 206, Bojanow Dorf 209, Kapelle 214, Schule 215.

Parochie Janowitz. Dorf 219, Pfarrkirche 225, Pfarrschule 239, Hospital 246, Kornitz Dorf 249, Schule 254, Lekartow 257, Ottitz Dorf 258, Schule 261, Schardzin 261, Pobiehof 263.

Parochie Polnisch-Krawarn. Dorf 265, Pfarrkirche 274, Pfarrschule 282, Dorf Makau 286, Adjuncta 293, Pfarrschule 297.

Parochie Kreuzenort. Dorf 299, Pfarrkirche 305, Pfarrschule 319, Roschkau Dorf 321, Kapelle, Schule 323.

Parochie Lubowitz. Dorf 325, Pfarrkirche 330, Pfarrschule 347, Brzesnitz Dorf 353, Kapelle 365, Schule 366; Elgot 367, Ganiowitz 369, Grzegorzowitz 371.

Lokalie Zawada. Dorf Leng 375, Schule 376, Schichowitz 378, Dorf Zawada 379, Kirche 380, Schule 383.

Parochie Ostrog. Schloß 390, Schloßkapelle 395, Grabkapelle 401; Bosatz 402; Dorf Ostrog 407, Pfarrkirche 417, Pfarrschule 431; Plania Dorf 441, Schule 444.

Parochie Rudnik. Dorf 449, Pfarrkirche 463, Pfarrschule 469; Silberkopf Dorf, Kapelle 481.

Parochie Tworkau. Dorf 483, Pfarrkirche 501, Feldkirche St. Urban 520, Pfarrschule, 522; Elgot 536.

Lokalie Ruderswald. Dorf 537, Kirche 539, Pfarrschule 544.

Lokalie Zabelkau. Dorf 550, Kirche 553, Schule 559; Annaberg Dorf 562, Schule 563.

Parochie Woinowitz. Dorf 566, Pfarrkirche 570, Pfarrschule 582.

Kirchensiegel 587.

Schulen-Inspectoren 588.

Priester, die aus den Dörfern des Archipresbyterats stammen Seite 588.

Nachträge 599.


Druck von Rudolph Müntzberg in Ratibor.

Das Archidiaconat Oppeln von 1230-1810.

Der Bischof hat die Leitung der kirchlichen Angelegenheiten in seinem Bezirke. Da es den Kirchenoberen wegen des großen Umfanges der Diöcesen und wegen bisweiliger Abwesenheit von ihren Sprengeln unmöglich wurde, selbstständig alle Geschäfte zu übernehmen und auszuführen, so übertrugen sie die Verwaltung der Diöcese und die Ausübung der geistlichen Gerichtsbarkeit nächst dem Official den Archidiaconen.

Das Bisthum Breslau finden wir um die Mitte des 13. Jahrhunderts in vier Archidiaconate Gr.-Glogau, Liegnitz, Breslau und Oppeln eingetheilt. Jedem derselben war eine Anzahl von Archipresbyteraten zugewiesen, die wieder einen bestimmten Kreis von Pfarrsprengeln umfaßten. Das Amt des Archidiacon, für welches man immer einen der tüchtigsten und geschäftsgewandtesten Priester wählte, war namentlich in älterer Zeit umfassend und einflußreich. Er prüfte die Candidaten des geistlichen Standes und führte die Angestellten in ihr Amt ein, hatte das Aufsichts- und Strafrecht über den Clerus, ertheilte Dispensationen, sendete die bischöflichen Verordnungen den Erzpriestern zur weiteren Publication an die Seelsorger zu und erstattete der geistlichen Behörde genauen Bericht über den Zustand der Kirchen und Schulen, wie er ihn auf den Visitationsreisen gefunden 1). Das Archidiaconats-Amt war meist mit einer Stiftspräbende verbunden. Als Capitulare der Cathedrale

  1. v. Montbach, Stat. synod. p. 10, 46, 161, 209.
werden genannt die Archidiacone von Breslau Stefan 1189 bis 1200, Egydius 1202-1216, Johann 1220-1226, Raceslav 1226-1234; des Collegiatstiftes Gr.-Glogau: Archidiacon Theoderich 1228-1234 1). Doch finden wir in Liegnitz lange vor Gründung des Collegiatstiftes (1348) Archidiacone, nämlich 1262 Milejus, der 1268 Archidiacon von Glogau wurde und bis 1284 lebte, 1285 Stefan, 1288-1298 Heinrich.

Auch in Oppeln erscheint der Archidiacon schon vor Stiftung des Collegiums, in welchem er dann unter den Prälaten die 2. Stelle einnahm und von 1295 bis zum Ausgange des 17. Jahrhunderts zugleich Pfarrer der Deutschen war, während der Decan die Seelsorge für die Polen ausübte.

Reginald (Reinhold) war Mai 1223 noch Pfarrer an der St. Adalbertskirche in Oppeln, im September desselben Jahres bereits Erzpriester daselbst und von 1230 bis 1245 Archidiacon 2). In dem Vergleiche zwischen Herzog Heinrich und Bischof Lorenz, vermittelt durch Bischof Wilhelm v. Modena, über Gerichtserträge im Neisse'schen am 5. Januar 1230 ist er einer der vielen Zeugen. Als derselbe Herzog zu Oppeln 2. October 1232 der Kirche des hl. Grabes in Miechow die Verleihungen seiner Vorgänger bestätigte, war er gleichfalls Zeuge. Ebenso steht er nächste dem Bischofe aufgeführt, als dieser 15. Juni 1233 die Kirche in Pramsen fundirte. Auch erschien er am 6. Juli d. J. auf der Synode in Siwierz, wo er den Titel Magister führt.

Die Benedictiner, welche aus dem Stift auf dem Elbing bei Breslau entfernt worden waren, machten von Tiniec aus wiederholt Versuche, in den früheren Besitz, den inzwischen Prämonstratenser eingenommen, zurückzugelangen. Diesen Streit zu schlichten, wurde nächst dem Bischofe und dem Dechant Gregor in Krakau unser Archidiacon erkoren und erfolgte am 6. Februar 1234 durch deren Schiedsspruch auf dem Bischofshofe zu Breslau ein Vergleich, dessen unverbrüchliche Festhaltung beide Parteien mit Handschlag gelobten. Reinhold verdient noch in anderer Beziehung hervorgehoben zu werden, als er der erste Pfarrer ist, der in oberschlesischen Urkunden auftritt, während in Niederschlesien ein solcher schon 1217 in Arnold Pfarrer von Löwenberg erscheint 1). Vorher begegnen uns Dom- und Stiftsherren, Vicare, bischöfliche und Hofkapläne, Priester, Aebte und Mönche, aber nie die Bezeichnung Pfarrer, obgleich Parochien schon zu Ende des 12. Jahrhunderts, namentlich bei Klöstern aufgeführt werden. Es ist wahrscheinlich, daß die Pfarrsprengel erst im Anfange des 13ten Jahrhunderts abgegrenzt wurden, so daß bestimmte Kirchen ihre besondere Parochie erhielten und dem eingesetzten Geistlichen die cura plebis übertragen wurde, wovon er den Namen plebanus erhielt.

Im Laufe des Jahrhunderts mehrten sich die Kirchen und Altäre und mit ihnen die Geistlichen (Hilfspriester, Altaristen), die unter dem Pleban standen, der sie leitete und regierte und deshalb den Namen Rector ecclesiae erhielt. Daß beide Ausdrücke gleichbedeutend sind, ersehen wir aus einer Streitsache, welche 1283 zwischen zwei Pfarrern durch den Hofofficial entschieden wurde. Letzterer nennt die Pfarrer Volkmar von Petrowitz und Hermann von Schönwald Rectoren, sie selbst aber nennen sich plebani 2).

Auch über Kapellen gab es Rectoren, so war 1340 Jacob Rector der Vogteikapelle in der Pfarrkirche zu Neisse 3). Unter Archidiacon Reginald von Oppeln war die Kirche zum hl. Kreuz daselbst zu einem Collegiatstift erhoben worden. Da der Verfasser der Geschichte von Oppeln und der Autor der Breslauer Bisthumsgeschichte in der Zeitbestimmung um 130 Jahr differieren, indem Idzikowski S. 40 die Gründung um fast 80 Jahre zu früh und Heyne I., 832


1) ibidem Nr. 175. 2) Stenzel, Heinrichau S. 179. 3) Stenzels Bisth. S. 281. dieselbe um 50 Jahre zu spät ansetzt, so wollen wir einige Data mittheilen, aus denen hervorgeht, daß die Stiftung circa 1240 fällt.

Bekanntlich nennt Bischof Rudolf 1471 seinen Vorgänger Thomas als Stifter des Collegiums zu Oppeln, welche Thatsache das Capitel selbst noch 1579 und 1622 festhielt. Da wir nun unter den Inhabern des bischöflichen Stuhles zu Breslau zwei Männer Namens Thomas haben, von denen der erstere von 1232-1268, der letztere von 1270-1292 regierte, so dürfen wie über 1232, als das Antrittsjahr des erstgenannten nicht zurückgehen. Sehen wir uns auf dem Schauplatze seiner Amtswirksamkeit einigermaßen um, so begegnen wir schon im 1. Jahrzehnt dem Dasein jenes Stiftes. Herzog Mesko von Oppeln erneuerte nämlich am 22. December 1240 die dem Collegiatstifte gemachten Schenkungen seiner Vorfahren, indem er 4 Mk. Silber von der Münze zu Oppeln und das Recht in der Oder eine Mühle anzulegen bestätigte.

Diese Urkunde ist allerdings nur einem Transsumpt von 1271 entnommen, in welchem sehr leicht der spätere Name Stift statt Kirche gebraucht werden konnte, aber der 1239 genannte Propst Gregor von Oppeln war sicher schon Domherr, und wenn dies Amt nicht als Stifts-Prälator gelten sollte, so steht doch 1243 neben ihm Maczko ausdrücklich als Canonicus in Oppeln aufgeführt 1). Unserm Reginald begegnen wir zum letzten Male an Ratibor am 12. April 1245, als Herzog Mesco dem Kloster Leubus im Austausch gegen Schönau und Gläsen das Gut Kasimir und zwei Dörfer verliehen 2).

Die Archidiacone Boguslav von Breslau und Magister Stefan von Oppeln waren am 8. März 1260 in der bischöfl. Residenz zu Neisse Zeugen, als Herzog Heinrich III. von Breslau sich für eine Schuld verbürgte, welche sein Bruder Boleslaus von Liegnitz dem Bischofe zu entrichten


1) Grünhagen, Regesten Nr. 527 u. 593. 2) ibidem Nr. 635. hatte. Denselben Stefan finden wir am 14. Mai d. J. zu Ottmachau bei dem Bischofe, am 30. November bei Herzog Wladislav zu Slawentziz und am 15. December zu Oppeln a, herzoglichen Hofe. Am 16. März 1262 erscheint er wieder in Neisse, von wo ab er zugleich als Domherr von Breslau auftritt, nämlich noch am 28ten Juni 1262 zu Breslau 1).

In einer Urkunde vom 19. März 1264, in welcher Bischof Thomas I. den Cisterziensern von Rauden die Incorporation der Kirchen zu Matzkirch und Stanitz gestattet, und in einer anderen vom 20. Juni 1264 wegen Zehntentausch desselben Klosters, steht Archidoacon Thomas von Oppeln an der Spitze der Zeugen. Dieser Thomas, aus dem berühmten Geschlecht der Zaremba, war der Schwestersohn des gleichzeitigen Bischofs Thomas und Neffe des Canonicus Magister Eckehard udn erscheint schon 1252 als Breslauer Domherr, bischöfl. Notar und Propst in Neisse.

Am 28. Juli und 2. August 1264 war Thomas mit Archidiacon Milejus von Liegnitz am herzoglichen Hofe und bei dem Bischofe in Breslau; dann begegnen wir ihm am 13. und 15. Mai und 10. September 1265, endlich am 9. Januar 1268, als Bischof Thomas das Domcapitel begabt 2).

Unser Archidiacon wurde März 1268 Custos der Breslauer Cathedrale 3), und als sein Oheim 30. Mai desselben Jahres starb, zum Bischof ausersehen. Doch bestieg er erst 2 Jahre später den bischöflichen Stuhl, für welchen ihn das Capitel nach dem Tode des Wladislav Erzbischof von Salzburg gewählt.

Sein Nachfolger in Oppeln war Magister Francko, seit 1260 Domherr. Als Thomas I. am 23. März 1268 von seinen Einkünften die 10. Präbende in Oppeln stiftete und dieselbe dem bisherigen Archidiacon, dann Custos der


1) Regesten Nr. 1039, 1046, 1066, 1069, 1129. 2) Regesten 1179, 1182, 1188, 1189, 1206, 1207, 1214, 1289. 3) Regesten Nr. 1295. Breslauer Cathedrale, verlieh 1), und als er am 17. Mai d. J. die Besitzungen der Kreuzherren in Neisse von allen Lasten des polnischen Rechts befreite, war der neue Archidiacon zugegen. 20. October 1271 war er in Breslau Zeuge einer bischöflichen Urkunde. Im Schlosse des Herzogs Heinrich finden wir am 26. November die Bischöfe Thomas II. von Breslau und Wilhelm von Lebus, der aus dem Neisse'schen stammte. Unser Archidiacon hatte damals die Stifts-Privilegien von 1240 seinem Herzoge Wladislav von Oppeln vorgelegt und bewirkt, daß dieselben durch Vorlesen seitens des Lebuser Bischofs zur öffentlichen Kenntniß gelangten.

Als Bischof Thomas II. am 8. Jnauar 1272 zu Ujest dem herzoglichen Ministerial Bogdal und dessen Erben bewilligte, den Zehnten von seinen Aeckern in Czerwentzitz nach freiem Ritterrecht zu geben, welcher Kirche er wolle, finden wir den Archidoacon von Oppeln an der Spitze der Zeugen. In demselben Jahre treffen wir ihn am 24ten März und 7. Juni noch in der Umgebung des Bischofs; dann entschwindet er fast 10 Jahre. Herzog Bernhard Herr zu Löwenberg hatte 18. März 1281 den Johannitern das Patronat der dortigen Kirche verliehen. Als Bischof Thomas 19. April 1282 die Schenkung bestätigte, war auch Francko Zeuge. Letzterer dotirte 30. September d. J. während seiner Anwesenheit in Neisse bei dem dortigen Hospital der Kreuzherrn zum hl. Grabe eine Altaristenstelle, indem er 3 Hufen Acker, Geld auf einen Kelch und eine von ihm eingerichtete Kapelle dem Procurator überwies. Letztere war so nahe dem Hospitale, daß die Kranken in ihren Betten die tägliche hl. Messe hören und das Altarssacrament sehen konnten. An seinem Todestage sollte ein Jahresgedächtnis stattfinden und 2 Kerzen auf dem Altare brennen.

Am 3. März 1283 war er bei einer den Zehnt betreffenden Entscheidung des Bischofs Zeuge in Breslau und am 29. und 30. Juli 1284 Zeuge zweier in Ottmachau


1) Collegiatstift Opppeln Nr. 2. ausgestellten bischöflichen Urkunde. Am 28. August 1284 wiederholte er die Dotirung des Altaristen im Neisser Hospitale 1), dann verschwindet er, denn die in den Regesten Nr. 2064 mitgetheilte Urkunde ist um 6 Jahre zu spät datirt und Nr. 1703 bereits verzeichnet; auch die in Tzschoppes und Stenzel's Urkundensammlung der Städte S. 411 mitgetheilte Copie einer Urkunde, angeblich aus dem Jahre 1291, in welcher Magister Francko zu Neisse erwähnt wird, als der Bischof die durch Herzog Heinrich und Bischof Thomas I. geschehene Gründung der Stadt Weidenau bestätigte, trägt ein viel zu spätes Datum und muß wenigstens 8 Jahr zurückgestellt werden, da der bischöfliche Procurator Peter in Ujest, der 1272 auftritt, bereits 1283 in Stanislaus einen Nachfolger hatte 2). Francko's Andenken wurde im Kloster zu Czarnowanz alljährlich am 5. Juni geehrt 3).

Als die Herzoge Mesco und Przemyslav von Ratibor am 13. November 1288 drei Dörfer des Klosters Czarnowanz von Lasten und Diensten befreiten, unterschrieben sich Stephan, Archidiacon von Oppeln und seine Brüder, die Ritter Jasko und Przibislav, wahrscheinlich aus dem Geschlechte der Kornitz 4).

Von dem Jahre 1254-1295 hatten die Dominikaner in Oppeln die Pfarrrechte ausgeübt. Von da ab wurde das Collegiatstift zugleich Pfarrkirche 5).

In der Stiftungsurkunde des Jungfrauenklosters zu Ratibor (1299-1306) bezeichnet Herzog Przemyslav eine Hofstätte, die dem verstorbenen Archidiacon von Oppeln namens Stefan gehört hatte, welche derselbe noch bei Lebzeiten den Nonnen bestimmt habe 6).

Auf der Synode zu Breslau, die 1305 unter Bischof Heinrich I. gehalten wurde, begegnen wir bereits dem Archidiacon Johann von Oppeln 7). Am 13. Juni 1306 war der Bischof in Oppeln und traf mehrere Einrichtungen für


1) Regesten 1303, 1377, 1380, 1386, 1398. 2) Reg. 1740. 3) Zeitschrift v. Schl. I. 227. 4) Regesten Nr. 2091. 5) Oppelner Collegiatstiftsurk. N. 3. 6) Cod. dipl. Sil. II. 113. 7) v. Montbach Stat. syn. S. 9. das Collegiatstift. Auch hier erschien Johann 1). Er hatte schon 1307 einen Nachfolger in Christian, der am 14. Aug. als Zeuge auftritt, als Bischof Heinrich der neugestifteten Burgkapelle und deren Caplan den Decem anwies. 2).

Andreas von Wiesenburg, zugleich Canonicus in Breslau, begegnet uns von 1218-1335 als Arcidiacon von Oppeln 3).

Aus dem Jahre 1335 hat unser verdienstvolle Landsmann Theiner in seinen Monum. Pol. I. 369 ein Decemregister mitgetheilt, in welchem die Archipresbyterate und viele Pfarrkirchen aufgezählt werden. Das Archidiaconat Oppeln umfaßte damals die Decanate Rosenberg, Groß-Strehlitz, Tost, Ujest, Gleiwitz, Sohrau, Teschen, Ratibor, Cosel, Oberglogau, Zülz und Falkenberg 4).

Im Jahre 1336 war bereits Johann Archidiacon 5).

Im März 1352 genehmigte Papst Clemens, daß Arnold, Cardinalis S. Sixti, als Archidiacon von Oppeln die Visitation durch einen Andern verrichten lassen könne 6).

Von 1356-1360 war Heinrich von Dambrau Vicearchidiacon 7).

Der Archidiacon Johann, Sohn des Johann Pakoslaus, verkaufte 1365 den Mühlplatz auf dem Grund und Boden seiner Präbende dem Erbvogt Peter zu Oppeln mit der Bedingung, daß er dem Capitel jährlich 1/2 Mark zinse und dem jedesmaligen Archidoacon bestimmtes Getreide, auch Mehl etc. liefere. Vicearchidiacon war damals Saulus 8). Am 18. December 1385 tritt der Decan Mathias von Strobicz als Vicearchidiacon auf 9).


1) Coll.-Urk. Nr. 5. 2) Ebendaselbst Nr. 7. 3) Cod. dipl. Sil. I. 29; II. 124; V. 166 u. Oppl. Coll.-Urk. N. 14. 4) Zeitschrift für Schles. VII. 291-302, mitgeth. von Curatus Schade. Die Namen sind meist glücklich entziffert, nur ist unter magna villa (wielowie´s) Langendorf, Stinavia Steinau, Gostomi Simsdorf statt Gostoria zu verstehen und statt Bolensis Solecensis (Solec = Altzülz) zu lesen. 5) Cod. dipl. Sil. V. 12 und Theiner Mon. Pol. 375 seq. 6) Theiner Mon. Pol. II 537. 7) Cod. dipl. Sil. VI. Nr. 25 und Theiner Mon. Pol. II. 597. 8) Coll.-Urk. Nr. 2 und Heyne II. 531. 9) ibidem Nr. 27.

Der Archidiacon Nicolaus Talkenberg und sein Bruder Bartholomäus liehen dem Stefan von Witoslawitz, dessen Ehefrau Offca und dem Paschko von Wronin 200 Mark. Herzog Conrad der Kauthner gab am 16. Mai 1414 die Erlaußniß zu dieser Anlage auf Zins (20 Mark) 1). Auch im nächsten Jahre tritt der genannte Archidiacon auf 2), Um diese Zeit war Nicolaus Deutscher Vicearchidiacon und wird das Archidiaconatssiegel erwähnt 3). Am 8. Januar 1421 finden wir ihn an der Spitze einiger Prälaten bei dem bejahrten Herzog und Bischof Johann auf dem neuen Schlosse bei Oppeln, als dieser einige wohlthätige Stiftungen machte 4).

In einer Collegiatsurkunde (Nr. 124) aus dem Jahre 1428 tritt Peter v. Heltpurg als Archidiacon auf.

Im Jahre 1446 und 1447 war Nicolaus Wolf decretorum doctor Archidiacon. Es ist dies wahrscheinlich derselbe, welcher 1429 als bischöflicher Consistorialadvocat erscheint 5). Ihm verdanken wir ein Verzeichniß sämmtlicher Decanate und Pfarreien seines Bezirkes, das er auf Befehl des Bischofs Conrad wegen der Einsammlung des Peterspfennigs angefertigt. Das Archidiaconat Oppeln war das größte des Bisthums, es umfaßte damals noch 12 Archipresbyterate mit 237 Pfarreien 6).

Von 1453-1462 war Magister Caspar Weigel, Lehrer der hl. Schrift, Archidiacon zu Oppeln und Breslau. Er war zu Heinzendorf bei Wohlau geboren, hatte in Leipzig studirt,


1) Cod. dipl. Sil. I. 125. 2) Coll-Urk. Nr. 96 u. Heyne II. 531. 3) Cod. dipl. Sil. I. 125. 4) Idzikowski Gesch. von Oppeln. 5) Heyne II. 479. 6) Obgleich Heyne, der im I. Bande S. 697 folg. die Namen der Pfarreien zum Theil verstümmelt brachte, im II. Bande S. 112 viele Verbesserungen machte, so ist doch noch mancher Ortsname zu berichtigen. D., II., 4 ist nicht Boyczow, sondern Bujakow gemeint, ersteres ist bei dem Archipresbyterat Ujest aufgezählt; 22, ist unter Endersdorf Ornuntowitz zu verstehen; VI. 16 Alt Krzepitze liegt bei Sternalitz, aber schon im Posenschen; die 1267 daselbst fundirte Pfarrei gehörte laut Archidiaconatsacten noch 1720 zum Archipresbyterat Rosenberg; VIII. 13 ist Grodzisko statt Groschowitz zu lesen. war 1452 Pfarrer in Schweidnitz und Kanzler des Bisthums geworden. Er starb 1462 und ruht in der Cathedrale neben der Sacristei 1). Ende November 1462 erscheint Magister Martin Lindner als Nachfolger 2). Auch er war bischöfl. Kanzler und Domherr zu Breslau. 1464 wird er Secretär des Bischofs Jost genannt, dem er in Neisse das vom Legat Hieronymus, Erzbischof von Creta, zu Breslau ergangene Verbot in Bezug auf Besitzveränderungen befestigter Orte überreicht 3). Der Archidiacon, welcher aus Leschnitz stammte und 1482 starb 4), begegnet uns noch von 1466-1480 im Cod. dipl. Sil. I. 131, VI. 325 und im Incorporationsbuch des Bischofs Jodokus fol. 166.

Am 22. März 1501 bezeugte Bischof Johann nachträglich, daß vor dem Archidiacon Nicolaus Panaczek und dem Notar Henesch Jacob von Sprzentziz in Langendorf die Collatur des Altares zum hl. Geist in der alten Kapelle der Pfarrkirche zu Strehlitz den Herzögen Johann und Nicolaus (1467-1497) von Oppeln übergeben habe 5). Herzog Johann schenkte 1519 die erste Fleischbank auf der Kreuzgasse an der Pfarrkirche in Oppeln und bezog der Archidiacon jährlich zwei Stein Inselt (liquati saevi) 6).

Melchior Przyssowski, seit 1504 Baccalaureus der freien Künste 7), Canonicus von Oppeln, bischöfl. Commissar für das Appler Archidiaconat, transsumirte am 16. Dec. 1516 auf Ansuchen des Herzogs Johann ein Breve Leo X. in Bezug auf die beiden Minoritenklöster in Oppeln 8). Herzog Johann empfahl 1524 unsern Melchior als Archidiacon dem apostolischen Stuhle 9). Letzterer war in oder bei Gleiwitz geboren, verkaufte 1537 nebst seinem Bruder Christoph die Hälfte seines Stammsitzes Preiswitz dem


1) Heyne III. 452., Zeits. f. Schles. XVII. 205. 2) Neisse, Lagerb 3) Script. Rer. Sil, IX. 30. 4) Hanke de Siles. erud. 159 5) Cod. dipl. Sil. VI. 448. 6) Oppler Pfarrarchiv lib. memorabilium p. 10. 7) Muczkowski lib. prom. 139. 8) Cod. dipl. Sil. VI. 493. 9) Theiner Mon. Pol. II. 424. Joh. Gieraltowski auf Chudoba und kaufte dafür mit seinem Bruder von Nicolans Pückler von Grodisk Dzielau und Grzendzin, das er 1541 nach des Bruders Tode dem Landeshauptmann Johann Jordan von Alt-Patschkau veräußerte 1). Melchior war damals auch schon Domherr von Breslau 2) und erlangte 1540 die Magisterwürde in Krakau 3). Unter ihm hatten am 10. November 1531 der Herzog und der Bischof dem Collegiatstifte Oppeln alle Privilegien bestätigt. In dieser Urkunde (Nr. 206 der Oppler Collegiatstiftsurkunden), welche wegen ihrer Wichtigkeit auch in den Oppler Landbüchern (I., 74-79) Aufnahme fand, sind alle Besitzungen nach den einzelnen kirchlichen Würden und Präbenden ausführlich enthalten und erfahren wir über die Einkünfte des Archidiacon Folgendes: Die zweite Stelle rechts im Chor nimmt ein der Archidiacon Melchior Przyssowski, Magister der freien Künste, er besitzt ein Haus an der Mauer neben dem Custos und eins in der Vorstadt an dem nach Czarnowanz führenden Wege; in der Fischerei hat er ein Vorwerk und Garten, dann acht Gärten und Wiesen zwischen den Bürgerfeldern, 2 Weinberge, 1 Garten mit Scheuer vor dem Beuthener Thore, 1 Fleischbank auf der Kreuzgasse; in der Odervorstadt besitzt er Gärten in den Viehweiden und bezieht den Zins von den Hospitalgärten und von der Stelle an der Stadtmauer. Neudorf zahlt von jeder Hufe 1 Vierdung, welche Summe er mit dem Custos theilt, nachdem der Schulrector den 4. Theil erhalten. Von Birkowitz bezieht er gleichfalls 1 Vierdung pro Hufe. In Twardawa und Nesselwitz hat er den Feldzehnten, Sprentschitz giebt 21 Groschen. Es gehören ihm Niewke im Gr.-Strehlitzer Kreise und die Stibelgasse zwischen Ujest und Slawentziz, wie auch einige Hufen Acker außerhalb der Gartenverzäunung gegen Slawentziz hin. Den Zehnten hat er fast auf allen zu Oppeln gehörenden
1) Oppler Landbücher I. 25, 29, 279. 2) Kastner, Archiv I. 286. 3) Muczkowski, lib. promot. 197. Feldern, von einem halben Feld bei Goslawitz und einem in Sakrau, den ganzen Zehnt in Kl.-Stein, Chrzowitz, Schodnia, Kraszeyow, Chronstau, Leudzin, Slynitze 1), Chrzelitz, Gr.- und Kl.-Schimnitz, Boguschütz in Konty. Sein Vicar, der deutsche Prediger, hat ein eigenes Haus bei der neuen Vicarie und der Dechantei, Messalien aus Oppeln und wo er die Seelsorge ausübt. Melchior gab unter Genehmigung des Kapitels dem Schulzen von Niewke einen Freibrief über 2 Hufen.

Von 1548-1556 begegnen wir in der Ratiborer Collegiatsstiftsmatrikel und in den Landbüchern wiederholt dem Bartholomäus Christof Czornberg von Galowitz, Sohn des Christof Czornberg auf Schierot. Er war Canonicus in Ratibor, wurde daselbst 1556 Cantor und starb 1560. Das Concil von Trient hob in mehreren Verordnungen einzelne Rechte der Archidiacone, namentlich das Excommunicationsrecht auf, entzog ihnen die Gerichtsbarkeit in Ehe- und Strafsachen und verlangte, daß sie entweder Lehrer der Theologie oder doch Doctoren resp. Liccetiaten des canonischen Rechtes seien.

Nach einem Zinsregister des Ratiborrr Collegiatstifts bezog der Archidiacon als Canonicus den Decem von 7 Dörfern im Oppler Gebiete, 1 Schock vom Vorwerk in Czerwentziz (Ratiborer Fürstenthum); im Teschner Gebiete hatte er zwar den Zehnt von 6 Dörfern, aber seit einigen Jahren verweigerte der protestantische Herzog denselben. Anfang Mai 1555 ist er in Oppeln Zeuge des Verzichts der Schwestern Talkenberg von Tietierzin, welche quittiren, von ihren Brüdern das elterliche Erbtheil erhalten zu haben 2).

Aus einem Bittschreiben der städtischen Bevölkerung an die Königl. Commissare v. J. 1566 erfahren wir, daß


1) Lendzin und Slynitze wurden 1560 zu einem Teiche verwendet. 2) Landbücher, Oppeln V. 120. in Oppeln die deutsche Nation in letzteren Jahren merklich zugenommen und die deutsche Sprache den Vorzug hatte 1).

Jacob Joachim Schwinka, seit 1548 Canonicus in Ratibor, berieth 1561 als Canonicus von Oppeln die Landesordnung der Fürstenthümer 2), war bischöfl. Commissar in Oppeln und erscheint 1569 als Archidiacon. Er fundirte ein Anniversar für 50 Thlr.

Georg Scholz (Sculteti), 1573-1588 Archidiacon, war 1578 Domherr in Breslau, wurde Abt bei St. Vincent und von 1605-1613 Weihbischof (Episc. Lyddensis), † am 17. September 3). Der Erbherr v. Wyssoka, Martin v. Dzierzanowski, nahm sich seines Pfarrers Daniel wegen des Decem an und verklagte 1573 den Archidiacon bei dem Landrecht 4). Am 8. November 1580 verkaufte der Archidiacon einen zu seiner Jurisdiction gehörigen Garten 5). 1583 beschwerte er sich gegen Balthasar von Pückler auf Falkenberg, der die Prädikanten nicht entfernen wollte 6).

Johann Kuna, geb. in Wansen, ordinirt 1581, 1585 Canonicus in Neisse, war Archidiacon von 1590-1599, intercedirte am 3. März 1591 bei dem Bischof für Nicolaus von Blacha, welcher für das von ihm gepachtete, im Tost'schen Kreise belegene Czarnowanzer Stiftsgut Radun, das gegen den Willen der Prämonstratensernonnen jedoch mit Kaiserl. Genehmigung dem Georg v. Reder für 1500 Thlr. verkauft worden, gern den doppelten Preis zahlen wolle 7); erschien 1592 auf der Diöcesansynode und überreichte mit den übrigen Archidiaconen die Visitatiousberichte, lieh 1594 dem Wenzel Przyssowski auf Preiswitz Ge1d für einen Zins von 24 ung. Gulden (Oppler Ldb. VIII., 44), und starb 1607 als Pfarrer von Wansen 8).

Von 1599-1612 tritt auf als Archidiacon Christofor Lachnit v. Hardenberg 9). Er schloß am 18. Juni 1600


1) Dipl. Beiträge IV. 146. 2) Schikfuß Chronik III. 451. 3) Zeitschrift X. 423. 4) Oppelner Gerichtsbücher 98. 5) Colleg. 232. 6) Rescript des Oberamts 47. 7) ibidem 27. 8) Kastner Archiv I. 130 und III. 359. 9) Idzikowski 149. einen Contract mit Joh. Christof Freiherrn v. Proskau über den Decem in Boguschütz, für welchen das Schloßrentamt 10 Rthlr. jährlich zahlte 1).

David Jüngling, Archidiacon in Oppeln, Pfarrer in Gr.-Carlowitz, wurde Dec. 1615 Propst am Collegiatstift zu Neisse und fürstbischöfl. Commissar 2), 1619 Pfarrer in Zuckmantel.

Georg Walter bestätigte Juni 1617 unter dem Archidiaconatssiegel die Privilegien des Schulzen zu Niewke, fundirte ein Anniversar zu 50 Rthlr. und wurde am Himmelfahrtfeste 1622 bestattet. Die Leichenrede hielt der Propst von Falkenberg, der sein Nachfolger wurde, nämlich:

Bartholomäus Reinhold von Reichau 1622 bis 1652. Er wird 1630 in den Neisser Lagerbüchern S.647 erwähnt. Ein großer Theil der Kirchen war seit Mitte des 16. Jahrhunderts in protestantische Hände gekommen, wurde aber nach dem Restitutionsedict von 1629 den Katholiken zurückgegeben. In Gegenwart des Archidiacon und des Pfarrers Joh. Srenest von Tarnau und Stubendorf ist 12. Juli 1638 zwischen dem Decan und Adam Skrzidlowski auf Schimischow über die Rückstände des Decem aus Kl.-Rosmirz und Jendrin ein Vergleich geschlossen worden 3). Nach den Capitelsbeschlüssen von 1637 und 1642 hatte der Archidiacon das Recht, in Oppeln Rector, Cantor, Organist und Gehilfen dem Capitel zu präsentiren, hatte aber nach alter Ueberlieferung die Pfarrschule zu repariren und darin dem Rector angemessene Wohnung zu geben. Reinhold wurde am 7. Juni 1649 Canonicus in Ratibor und fundirte 100 Rthlr. auf ein Anniversar.

Vom 23. Mai 1653 bis 20. März 1686 war Archidiacon Johann Franz Ignaz Welczek, Freiherr von Groß-Dubensko und Petersdorf, geb. 1628, wurde protonot. apost., Kanzler der Cathedrale, 1652 Decan in Ratibor, war Pfarrer in Leschnitz, woselbst er einen Vicar hielt. Da


1) lib. memor. 34. 2) Kastner, Neisse II. 363. 3) Grundacten von Jendrin. der Kaiser beschlossen, daß die von den Protestanten occupirten Kirchen in seinen Erbfürstenthümern den Katholiken zurückgegeben werden, so wählte zur Uebernahme derselben Bischof Carl Ferdinand auf der October 1653 gehaltenen Synode für die 6 Fürstcnthümer je einige Commissare und zwar für die Fürstenthümer Oppeln, Ratibor, Teschen und die Herrschaft Pleß unseren Archidiacon nebst Constantin Iwanicki jur. utr. Doctor Decan in Oppeln, Commissarius in Spiritualibus, und Andreas Scodon Propst in Ober-Glogau, Custos in Ratibor, Canonicus von Oppeln 3). Als die Protestantin Cath. Skrzydlowska in Xi,azlas im Febr. 1669 starb, ertheilte der Archidiacon Erlaubniß, sie in der Gruft der Kirche beizusetzen und ein Epitaphium zu errichten.

Aus seiner Zeit sind uns umfangreiche Visitationsberichte erhalten. Am 6. Juli 1679 hatte nämlich der Cardinal Friedrich Landgraf von Hessen, da der Archidiacon krank war, den Erzpriester von Namslau, Lorenz Joansthon, beauftragt, die Fürstenthümer Oppeln-Ratibor nach der Ernte canonisch zu visitiren, welchem Befehle dieser von August bis November nachkam und auf 615 Folioseiten Bericht erstattete. Diese Notizen sind ein kostbarer Schatz für oberschlesische Kirchen- und Schulgeschichte, da nicht blos die Gebäude (Altäre, Glocken, Orgel) sorgfältig beschrieben, die Einkünfte und eingepfarrten Ortschaften genau verzeichnet, sondern auch die Personalien der Geistlichen und Lehrer gewissenhaft angegeben sind. Spätere Berichte von 1688, 1713 und 1719 enthalten vielfach das Jahr des Kirchen- und Schulbaus, die Zahl der Communicanten, die Feier des Gottesdienstes, die Gelöbnißtage der einzelnen Gemeinden, Vor- und Zuname der Patronatsinhaber etc. etc.

Welczek hatte, wie sein Codicill bezeugt, seine Residenz als Archidiacon und das zugehörige Präbendengut, die er aus dem 30jährigen Kriege in desolatem Zustande vorgefunden, aus eignem Vermögen aufgebessert, fundirte 250


1) von Montbach, Stat. Syn. 292. Rthlr. auf ein Anniversar in Oppeln und 300 Gulden zu einer wöchentlichen Messe in der Thursokapelle, wo er bestattet ist. Den vom König Kasimir von Polen erhaltenen Ring mei eienm Saphir und Diamant vermachte er dem Weihbischofe. Die dem Prälat vom Jesuit P. Hohmann zu Breslau gehaltene Leichenrede ist in der Stadtbibliothek aufbewahrt.

Vom 2. December 1686-1709 amtirte als Archidiacon Martin Teofil Stephetius v. Thurstern, geboren in Oppeln 1641, erwarb in Prag den Doctorhut, erhielt zu Breslau 6. September 1671 die niederen Weihen, 1672 die Priesterweihe, wurde am 31. October 1674 Pfarrer in Kostenthal und dann nach Oppeln versetzt, wo er am 22. December 1709 starb und vor dem Hochaltare bestattet wurde. 1687 visitirte er seinen Bezirk, der sich bis hinter Teschen erstreckte und die Archipresbyterate Cosel mit 19. Gleiwitz mit 17, Rosenberg mit 16, Oppeln, Tost, Ratibor mit 14, Glogau und Zülz mit je 13, Groß-Strehlitz, Ujest, Loslau mit je 11, Sohrau mit 9 Pfarreien umfaßte. Das Fürstenthum Teschen hatte die Archipresbyterate Bielitz, Friedek, Teschen und Freistadt. Das ganze Archidiaconat zählte damals 193 Pfarrer, 18 Administratoren, 26 Kapläne; an Kirchen 122 gemauerte, 268 hölzerne; an Kapellen 6 massive, 9 von Holz und 31 Hospitäler.

Wir haben bereits mitgetheilt, daß dem Archidoacon das Dorf Niewke und die Stibelgasse in Ujest gehörten. Beide Orte erhielten am 27. Februar 1688 ein Urbar, nachdem die ganze Gemeinde den Eid der Treue vor ihrem geistlichen Grundherrn in Gegenwart des Canonicus Paul Szydlowski, des Pfarrer Peter Kaptur aus Wyssoka als Seelsorger von Niewke und des geschworenen Schöppen aus Oppeln Lucas Stefanides geleistet. Der Archidiacon und der Decan Georg Wilh. Alois Stablowski aus Oppeln bestätigten als bischöfliche Commissare einen zwischen den Vicaren und Dominikanern zu Ratibor in Bezug auf die Begräbnisse getroffenen Vergleich am 2. October 1691 1).


1) Collegiatstiftsmatrikel Ratibor II. 238. Der Archidiacon Stefetius von Thurstern hat ein Denkmal in der Pfarrkirche. Auch ein als Geschenk hinterlassenes Missale daselbst trägt noch seinen Namen und ein redendes Wappen (Thurm und 3 Sterne).

Von den nachfolgenden Archidiaconen geben uns Kunde die Grundacten der bäuerlichen Stellen zu Niewke, da der Archidiacon als Grundherr bei Hegung des Gerichts Erbbriefe ertheilte und Käufe bestätigte.

Heinrich Groutars, ord. 6. April 1704, Canonicus in Neisse, war Archidiacon von 1713-1719 und hielt im Winter 1714 zu 1715 canonische Visitation, wie seine Unterschrift in den Kirchenbüchern bezeugt.

Gottfried Ferdinand Zimmermann, geb. 1673 zu Neisse, ordinirt 1707, wurde 1716 Pfarrer in Groschowitz, wo er einen Vicar hielt, und war Archidiacon bis 1722.

Aus dem Visitationsberichte von 1719 erfahren wir, daß der Canonicus Martin Wolny in Oppeln die deutsche Kanzel unter sich hatte. Interessant ist der Zusatz: die deutsche Curatie war früher nicht Canonicat, sondern der Archidiacon hatte die Seelsorge für die Deutschen und hielt sich einen Kaplan für Salar und Accidenz; als aber Breslauer Domherren das Oppler Archidiaconat verwalteten und dort nicht residiren konnten, wurde ein neues Canonicat errichtet und mit der deutschen Kanzel verbunden, dem Besitzer aber die canonische Portion zugewiesen, nämlich die Missalien und 60 Rthlr. Fundationsbezüge, die früher dem Archidiacon zufielen.

Carl Josef Freiherr v. Stingelheimb, dessen Familie aus Baiern stammt und der 1719 böhmischer Freiherr wurde, hatte 20. December 1721 die Priesterweihe erhalten, war von 1722 bis 1732 Archidiacon. Er hielt October und Nov. 1727, Februar 1728, Juni und Juli 1731 canonische Visitation und finden wir seinen Namen wiederholt in den Kirchenmatrikeln.

Da in vielen Kirchen Oberschlesiens wegen Armuth noch keine ewige Lampe existirte, so befahl der Archidiacon 17. November 1731 den Pfarrern, die Gutsherrschaft um eine Fundation anzugehen, widrigenfalls das Sanctissimum nicht (in der Kirche) aufbewahrt werden dürfe. In Tworkau fundirte die Herrschaft die heut noch aus der gräfl. Kanzlei gezahlte ewige Lampe. Der Prälat zaog sich 1732 in seine Heimath zurück und starb als k. k. Geheimrath und emeritirter Propst von Breslau zu Regensburg 5. September 1756 1).

Papst Clemens XII. gestattete am 29. Novb. 1732 dem Michael Carl Graf Althann, Erzpriester zu Waitzen bei Pesth, das Breslauer Archidiaconat mit dem am Oppler Collegiatstift, deren Einkünfte 24 Ducaten jährlich betrugen, zugleich mit der Kirche zu Waitzen inne zu haben 2). Der Archidiacon verkaufte 1736 die Stibelgasse in der Ujester Vorstadt (26 Possessionen, die bis 1809 einen eigenen Magistrat, Bürgermeister und Stadtnotar behielten) an den Besitzer von Ujest, Carl Heinrich Graf Sobeck für 3000 Rthlr. Der alte Name verschwand allmählich und erhielt den Namen Dechantei, nicht als ob der Besitz an den Decan gekommen sei, sondern aus der corrumpirten Verdeutschung des Wortes Archidiacon. Schon im Urbar von Groß-Strehlitz aus dem Jahre 1581 tritt der Besitzer von Niewke als Erzdechant auf. Michael von Althann wurde Canonicus der Cathedrale und starb zwischen 1756 und 1757.

Joachim Ernst v. Strachwitz, geb. 1682 zu Czieschowa, studirte in Breslau, kam Februar 1720 als Pfarrer nach Groß-Strehlitz. Der Erzpriester wurde 1738 Administrator und 1748 wirklicher Archidiacon. Im Jahre 1739 hielt er canonische Visitation. Daß die Amtswirksamkeit noch fortbestand, ersehen wir aus mehreren, im Pfarrkirchenarchive zu Ratibor befindlichen Actenstücken. So publicirte er am 2. Juni 1743, daß alle Seelsorger, welche im Alumnat zu Breslau gewesen, ihrer Verpflichtung eingedenk, die jährliche Rate (Erzpriester 1 Thaler, Pfarrer 1 Gulden, Caplan 30 Kreuzer) entrichten sollen. Bei dieser Gelegenheit


1) Rosenkranz-Bruderschaft zu St. Adalbert in Breslau. 2) Collegiatstifts-Urkunde Nr. 279. schärfte er sämmtlichen Seelsorgern ein, wenn sie in einer die Pfarrrechte betreffenden Angelegenheit oder in einec sonst wichtigen Sache Klagen oder Bitten an ihn gelangen lassen, das schriftliche Ansuchen stets in duplo auszustellen. Am 15. Juni 1743 publicirte er, daß König Friedrich II. das Asylrecht in Kirchen und Klöstern aufgehoben, mithin Verbrecher, die sich an heilige Orte gflüchtet, auszuliefern seien. Am 28. Januar 1747 verlangte er die Einsendung des Beneficienetats und schrieb am 3. April d. J. die Collecte zur Erbauung der Hedwigskirche in Berlin aus. Väterliche Ermahnungen richtete er Mai 1748 an die Priester, „seine Mitbrüder“, als Fürstbischof Philipp Gothard von Schaffgotsch, der durch schlimme Gerüchte gegen den oberschlesischen Clerus eingenommen war, die Visitation persönlich zu halten beschloß. Erst ein Jahr später konnte der Kirchenfürst seinen Entschluß ausführen, äußerte aber schon in Ratibor, wie viel Trost er in Oberschlesien gefunden. Der Archidiacon, ein Musterbild der Geistlichen, dem namentlich Gr.-Strehlitz viel verdankt, der auch für die Strachwitzsche Familie eine Studienfundation von 2000 Floren gestiftet, starb am 22. Mai 1753. Von den Nachfolgern können wir nur kurze Notizen geben.

Leopold Junck, fürstbischöflicher Commissar, war schon 1752 Administrator.

Jean Martin de Prades, geb. 1725, residirender Domherr von Breslau und Ehrendomherr von Glogau, erscheint 1756 als Archidiacon; als solcher schloß er mit dem Canonicus Johann Anton Riedel einen vom Bischof bestätigten Vertrag, dem gemäß er die Einkünfte bezog und für die Verwaltung eine Entschädigung gab 1). Riedel erscheint noch 1764 als Administrator, de Prades starb 1782 in Festungshaft.

Leopold Winkler, geb. Oppeln 1719, ord. 18. September 1745, war 1750 Kaplan in Gleiwitz, 1752 Pfarrer in Ziemientziz, wurde Custos in Oppeln und 1767 Administrator des Archidiaconats.


1) Idzikowski Geschichte Oppeln Seite 253.

Carl von Russig, geb. 1735, Pfarrer in Patschkau, Domherr der Cathedrale zu Breslau und des Collegiatstifts zu Brünn, war 1780-1788 Administrator und starb am 30. Mai 1809.

Leopold Ihm, geb. zu Ohlau, ord. 16. Mai 1764, 1789 Administrator, wurde Canonicus, Erzpriester und Pfarrer in Zirkwitz, † 21. Mai 1808.

Joh. Friedr. Graf v. Dunin aus Zabrze, hatte 1758 in Rauden studirt, wurde Propst in Myslowitz 1780 bis 1788, dann Domherr in Breslau und begegnet uns 1791 bis 1794 als Archidiaconatsverweser.

Carl Wenzel Durich, Custos in Oppeln, Canonicus in Oberglogau, war 1795 Administrator, starb als Pfarrer von Groschowiz 70 Jahre alt am 16. Januar 1813 zu Oppeln.

Ludwig Constantin Corvisart v. Montmarin, geb. 9. August 1767 zu Lichtenberg im Elsaß, studirte in Straßburg, wurde 1786 Licent. theo1., emigrirte, vom Dompropst von Hohenlohe eingeladen, nach Breslau, erhielt 22. September 1792 die Priesterwcihe, wurde Canonicus der Cathedrale und zum hl. Kreuz in Breslau, wie auch in Oppeln, 1796-1810 Archidiacon, November 1825 Generalvicar und starb 11. October 1838 1).

Mit der Aufhebung der Collegiatstifte quiescirte das Amt der Archidiacone. Nur in Gr.-Glogau blieb die Würde als Ehrentitel eines Präbendars.


1) Schlesisches Kirchenblatt IV. Jahrgang S. 337. 1)
  1. 1) v. Montbach, Stat. synod. p. 10, 46, 161, 209.
  1. 1) Grünhagen, Regesten Nr. 55-741.
  2. 2) ibidem Nr. 265-635.
             

             --- S.21/#36
             

Das fürstbischöfliche Commissariat Ratibor

----- Commissar im Allgemeinen ist jeder von einer Behörde mit Aufträgen betraute Beamte. Wie die Justiz- und Regierungsbehörde einzelne Gerichtsacte und Verwaltungsgeschäfte an andere amtsfähige Personen überträgt, so beauftragt auch der Bischof geschäftskundige Priester zur Vornahme einzelner in seinem Namen auszuführender Amtshandlungen. Der Auftrag ist entweder ein vorübergehender, in welchem Falle das Amt nach Ausrichtung des übertragenen Geschäfts erlischt, oder ein dauernder, wenn ein größerer Umfang von Pflichten in einem abgegrenzten Bezirke auf längere Zeit übertragen wird. In den Synodalacten treten öfters solche Commissarien auf, die einen nur vorübergehenden Auftrag ausrichteten. So hatte Bischof Martin vor der im Jahre 1580 abzuhaltenden Synode durch seine Commissarien, die Collegiatkirchen, einige Jungfrauenklöster, die Schulen, Hospitäler und andere milde Anstalten visitiren und den vorgefundenen Zustand aufzeichnen lassen, um gegen öffentliche und Privat-Mißstände in der Versammlung Rath und Mittel zu finden. Bei der im September gehaltenen Synode überreichten dann diese vom Bischof verordneten Commissare ihre Berichte und beschloß die Versammlung, daß das Gute beibehalten, das einer Besserung Bedürftige dem Bischof nach seiner Weisheit und Frömmigkeit zur Abhilfe durch geeignete Heilmittel überlassen werde 1). Auch zur Wahl der Vorsteher von Klöstern, mochten diese exemt sein oder nicht, sendete der Bischof einen Commissar und war die Wahl ohne dessen Gegenwart ungiltig 2). Daß die Commissarii perpetui an die Stelle der früheren Archidiacone (mit wesentlich veränderter Befugniß) getreten, ist eine vielfach verbreitete aber irrige Meinung. Wir finden vielmehr schon im 15. Jahrhundert fest angestellte bischöfliche Bevollmächtigte, die über eine ziemlich große Anzahl von Archipresbyteraten die Aufsicht führten. In älterer Zeit scheint jedes Archidiaconat nur ein Commissariat ----- 1) v. Montbach stat. syn. 136 und 143 mit dem Druckfehler quidem statt quidam. 2) ibidem 233. --- S.22/#37 gehabt zu haben. Der Propst Gregor Czefflen zu Oppeln, der 1481 als Decan von Ober-Glogau und Canonicus zu Neisse auf der Universität Krakau sich hatte immatriculiren lassen 1), war 1487 Commissar des Bischos Johannes Roth im Oppler Archidiaconat. Auf eidliche Aussage des Heinrich v. Skarbic stellte er damals ein Zeugniß aus, daß auf Zawischcz (welches damals und auch noch im Oppler Urbar 1532 Sowiczic hieß), kein geistlicher Zins hafte; die Zeugen der Urkunde Michael von Jasiona, Domherr zu Brieg und Andreas von Gleiwitz, Vicar zu Oppeln, waren Beisitzer der Verhandlung 2). Auch der S. 10 genannte Archidiacon Melchior v. Przyssowski war 1516 bischöflicher Commissar für das Archidiaconat Oppeln 3) und Christofor v. Czornberg, zuletzt Archidiacon, war bischöflicher Commissar, als er 1546 Canonicus von Ratibor wurde. (Swinka Jacob Joahim) Siehe S. 13. Bischof Caspar von Logau sagte zum Dienstag nach Cantate 1563 eine Synode zu Breslau an und trug 14. Januar den Commissaren in Neisse und Oppeln in besonderen Schreiben auf: dies allen Aebten, Pröpsten, Prälaten, Domherrn, Commendebesitzern, Erzpriestern, Pfarrern ihres Bezirkes rechtzeitig mitzutheilen, damit Niemand einen Grund habe, seine Abwesenheit zu entschuldigen 4). Durch Landesbrauch und unvorsichtige Gewohnheit war der Teschener Bezirk von der Herrschaft und Jurisdiction der Oppler geistlichen Behörde losgelöst. Die zu Neisse 1653 gehaltene Synode beschloß den District und die Bewohner in Bezug auf geistliche Gerichtsbarkeit dem Commissariat Oppeln und der Jurisdiction des Archidiacon zurückzustellen 5). Später erhielt Teschen und Freiwaldau je einen eigenen Commissar. Erst nach dem Westphälischen Frieden, als ein Theil der von den Protestanten occupirten Kirchen in den kaiserlichen Erbsürstenthümern zurückgegeben wurde, scheint jedes ----- 1) Zeisberg, Matrikel der Universität Krakau S. 61. 2) Cod. dipl. Sil. VI. N. 376. 3) ibidem N. 493. 4) Kastner Archiv I. 242. 5) v. Montbach stat. 298. --- S.23/#38 Fürstenthum mit Ausnahme des Breslauer ein Commissariat erhalten zu haben. Es bildete ein Collegium, das aus dem Commissar, 2 Assessoren (Domherren, Erzpriester oder Pfarrer des Bezirks) und einem Notar bestand. Den lateinischen Namen Vicariatus foraneus führte es von der auswärtigen Stellvertretung im Gegensatze zu dem Vicarius generalis in Breslau. Die Schlesische Instanziennotiz von 1744 weist nach je ein Commissariat in geistlichen Sachen für das Fürstenthum Groß-Glogau, für die Fürstenthümer Schweidnitz-Jauer in Hirschberg und Jauer, für das ganze Fürstcnthum Liegnitz, für das Fürstenthum Neisse, für das Fürstenthum Oppeln und endlich für das Fürstenthum Ratibor. Bei den zwei letztgenannten steht das Commissariat in geistlichen Sachen an der Spitze des Abschnittes. Die allgemeine Uebersicht des Bisthum Breslau in seinen geistlichen und weltlichen Behörden vom Jahre 1802 zählt in Pr.-Schlesien die fürstbischöflichen Commissariatämter zu Hirschberg, Gr.-Glogau, Jauer, Münsterberg, Neisse, Oppeln und Ratibor auf. Das durch Bulle vom 9. Septcmber 1800 der Breslauer Diöcese einverleibte Neuschlesien und einen Theil vom Bezirk Czenstochau lassen wir, da der Bezirk nur kurze Zeit bei dem Bisthum blieb, unberücksichtigt. Nachdem die Landdecanate Beuthen und Pleß, über welche Bischof von Gawronski zu Krakau, Warschau 22ten October 1811 die geistliche Gerichtsbarkeit dem Breslauer Bischof bis zur Genehmigung des apostolischen Stuhles übertragen, durch die Bulle de sa1ute animarum 16ten Juli 1821 mit dem Bisthum Breslau vereinigt worden, erhielten auch diese ein bischöfliches Commissariat. Zunächst gehörten sie einige Zeit zum Ratiborer Commissariat, bis Erzpriester Valentin Hanusek in Pleß, der die Geschäfte einstweilen provisorisch verwaltete, 13. December 1826 als wirklicher Commissar ernannt wurde. Die Commissariate Breslau und Trachenberg wurden 20. Januar 1844 errichtet und das Commissariat G.-Strehlitz 25. April 1854 --- S.24/#39 von Oppeln abgezweigt. Der Schematismus von 1857 zählt S. 8 außer den Commissarien nur noch die Syndici und Notare von 9 Commissariaten auf. Im Ratiborer Bezirk war es Thomas Strzybny, Kr.-Ger.-Rath, der als Königl. Justizrath am 19. Februar 1866 starb. Ueber den Umfang der Pflichten gab es schon in älterer Zeit mehrere Berordnungen. Eine bischöfliche Currende aus dem 17. Jahrhundert bestimmte: Wenn wegen großer Gefahr im Verzuge der verwaisten Heerde auf das Schleunigste ein Hirt zu stellen ist, z. B. wenn ein Patron nicht sofort einen Pfarrer präsentirt 1), so sollen die bischöflichen Commissarien die Seelsorge einem geeigneten Nachbarpfarrer übertragen und unverzüglich den Generalvicar benachrichtigen 2). Die pragmatische Sanction des Bischof Franz Ludwig vom 26. October 1699 enthält unter den Vorschriften auch folgende Bestimmung: Die Commissarien (Propst von Gr.-Glogau, Pfarrer von Neisse, Erzpriester von Landshut, von Jauer etc. haben jeden Monat dem Generalvicar und dem Official in je einem Protocollextract Alles zu berichten, was sie inzwischen in ihrem Amte verrichtet 3). Derselbe Fürstbischof befahl 10. April 1722 zu Gunsten des Clerus: In Zukunft seien bei dem Tode eines Pfarrers oder sonst eines kirchlichen Benefizinhabers Testamente, wenn solche vorhanden, nicht durch die Commissare, sondern durch die Erzpriester an das Generalvicariatamt zu schicken 4). Die allgemeine Uebersicht des Bisthums Breslau vom Jahre 1802 verzeichnet bei jedem Commissariat nicht nur die Beisitzer und Notare, sondern enthält S. 91 auch die Amtspflichten: die Vorsitzer haben nämlich die Gewalt 1. durch kleine Strafen die Geistlichen ihres Districts zu genauer Erfüllung ihrer Obliegenheiten anzuhalten, ----- 1) Die Patrone hatten laut Oberamtspatent vom 25. Februar 1665 die Präsente binnen 6 Wochen zu ertheilen, nach deren Ablauf das Recht an den Bischof fiel. 2) Friedeberg von den in Schlesien üblichen Rechten, Breslau 1743 I. S. 212. 3) ibidem S. 219. 4) ibidem S. 240. --- S.25/#40 2. kleinere Fälle unter den Eheleuten, worüber kein Proceß eingeleitet wird, zu untersuchen und zu entscheiden; die größeren Vorfälle in Ehesachen mit dem Commissariats-Syndico zu instruiren und sodann an das fürstbischöfl. Consistorium einzusenden, 3. die Klagen der Geistlichkeit, wenn solche nicht von Wichtigkeit sind, zu untersuchen und beizulegen, 4. darauf zu sehen, daß sich keine fremde Geistliche einschleichen und geistliche Functionen vornehmen, ohne sich vorher hierzu zu legitimiren; 5. die neuauzustelleuden Pfarrer über ihre Tauglichkeit zu einem Pfarrbenefiz zu prüfen; 6. die an die Geistlichkeit ergehenden Verordnungen durch die Erzpriester zu publiciren und darauf zu sehen, daß dieselben genau befolgt und ausgeübt werden; 7. die Kirchen der Erzpriester jährlich zu visitiren; 8. bei erfolgtem Ableben eines Erzpriesters die zurückgelassenen Effecten desselben zu versiegeln und zu entsiegeln, der Inventur beizuwohnen und dafür zu sorgen, daß die Kirchen und Fundationsäraria von dem Nachlaß oder der Erbmasse abgesondert und alle zur Kirche, Parochie und dem Archipresbyterate gehörige Inventaria, Urkunden und Schriften asservirt und dem Amtsnachfolger übergeben werden. Jedes Commissariat soll aus 2 Assessoren und einem Syndico oder Notario bestehen, welche ordentliche Sessionen halten. Durch längere Zeit hatten sich die Bewerber um ein Benefiz einer Prüfung vor dem Erzpriester oder Commissar unterzogen. Fürstbischof Emanuel von Schimonski aber führte 24. August 1825 das Pfarrconcursexamen in allen Commissariaten wieder ein. Die Prüfungen fanden im Mai und August durch 3 Tage vor einem Präses und mehreren Examinatoren statt und wurden die Themata für --- S.26/#41 die schriftlichen Arbeiten vom General-Vicariat-Amt gestellt. Es bestand also eine Pfarrconcursprüfungs-Commission in der Regel unter Vorsitz des Commissars; nur das Beuthner Archipresbyterat hatte sich an das Oppler Commissariat und das Plesser Archipresbyterat an das Ratiborer Commissariat anzuschließen. Seit 1844 wurden aber die Prüfungen nur in Breslau und Ratibor, seit 1848 nur in Breslau jährlich zweimal gehalten. Der Schematismus von 1842, Vorrede XXX., nennt die bischöflichen Commissariatämter und Erzpriestereien subdelegirte Behörden, bestimmt, dem Bischofe resp. dem Vicariatamt und Consistorium in Ausübung der geistlichen und weltlichen Jurisdiction zu assistiren. Dr. Sauer's Pfarramtliche Geschäfts-Anweisimg II. Auflage S. 38 giebt folgende Pflichten an: Die Commissarien revidiren die Erzpriester in ihrer ezpriesterlichen und pfarrlichen Amtsführung, während sie selbst von einem andern Commissar in gleicher Weise revidirt werden. Sie führen die ihnen übertragene Untersuchung, erstatten die erforderlichen Berichte und Gutachten und sind wie die Erzpriester die Augen des Bischofs in ihren Bezirken. Nach einem Erlaß aus dem Jahre 1885 ist in Rücksicht auf die schwere Arbeitslast, welche bei den gegenwärtigen Verhältnissen auf diesen Würdeträgern ruht, nachgegeben, daß die canonische Visitation bei den Archipresbyteratskirchen und Pfarreien alle 2 oder 3 Jahre abgehalten werde. Das Ratiborer Commissariat umfaßt die Archipresbyterate: Dubensko, Gleiwitz, Kostenthal, Lohnau, Loslau (vor 1742 zu Teschen gehörig), Pogrzebin, Ratibor, Sohrau. Ein großer Theil der Acten ist noch in dem Archiv der Pfarrkirche zu Ratibor erhalten. Längere Zeit hatte der Decan des Collegiatstiftes von Oppeln als Commissar daselbst auch den hiesigen Bezirk zu verwalten; daneben erscheinen auch Vicecommissarien. --- S.27/#42 Georg Stefetius, seit 22. Januar 1592 Decan und Commissar in Oppeln, führte 15. October 1599 den Magister Valentin Caulonius in sein Pfarramt zu Gleiwitz ein. Johann Stefetius, geboren 25. April 1578, seit 28. Februar 1614 Decan und bischöflicher Commissar. Auf seine Zuschrift und auf die Klage des Pfarrer Johann Karzel in Rybnik, verhandelte auf der Loslauer Pfarrei am 5. Januar 1616 Bernard Durcius von Obornik Erzpriester des Sohrauer Sprengels und Pfarrer von Loslau wegen des Decems zu Niewiadom. Stefetius wurde Kanzler der Kathedrale in Breslau und starb 30. October 1644. Andreas Horzycki von Horzyc, Decan seit 23ten October 1622, 1633 Canonicus des Ratiborer Collegiatstifts und bei dem hl. Kreuz in Breslau, tritt als Commissarius in spiritualibus für die vereinigten Fürstenthümer Oppeln-Ratibor am 6. September 1634 auf 1), wurde 1644 an die Cathedrale befördert, woselbst er noch 1650 erscheint. Er hatte dem Pfarrer von Sohrau Martin Molicer, nachdem die Stadt 1629 wieder zum katholischen Bekenntnisse zurückgekehrt war, einen Auszug aus der Oppler Matrik über die Einkünfte der Pfarrei im Anfange des 16. Jahrhunderts gegeben 2). Horzycki führte den 1636 ordinirten und 18. Juli 1640 investirten Franz Ochotski als Pfarrer in Ponischowitz ein. Friedrich Graf Oppersdorff auf Polnisch-Neukirch, der auch Güter jenseits der Oder hatte, wollte den dortigen Unterthanen den Besuch des Gottesdienstes erleichtern und beschloß in Dziergowitz eine St. Annakapelle zu errichten. v. Horzycki genehmigte 11. November 1650 die Ausführung. Die Kapelle auf einem Hügel, 17 Ellen lang 13 breit, erhielt 2 Altäre einen Tabernakel und Taufstein, eine Sacristei, ein Thürmchen mit einer Glocke und wurde consecrirt. Solarnia wurde eingepfarrt. Am 3. Sonntage und 3. Feiertage der hohen Feste wurde Gottesdienst gehalten. Der Pfarrer von Lohnau erhielt jährlich 30 Thaler und 15 Hühner. ----- 1) Altes Rechnungsbuch der Ratiborer Pfarrkirche 2) In der Zunftlade der Tuchmacher zu Sohrau.
Constantin Franz Iwanicki, Dr. theol., Pfarrer in Leschnitz, Decan in Oppeln und Commissarius von 1654 bis 1680, trat 1656 all seine Rechte auf das St. Annakirchlein auf dem Chelm an die Franciskaner ab, worauf die Stiftung des Klosters daselbst erfolgte. Auch für den Ratiborer Bezirk gab er den Priestern behufs der Vollmacht Beicht zu hören, die Jurisdiction und führte mehrere Pfarrer in ihr Amt ein. Am 10. Juni 1679 verlieh er dem Michael Samuel Plauca die Pfarrei Geraltowitz bei Gleiwitz als Commende auf 6 Monate, um dieselbe Zeit dem Jacob Talapacz die Pfarrei Ornuntowitz, welche einen Beneficiat nicht aushalten konnte, als Commende und die Parochie Leszezin dem Joh. Zelasco als Commende auf 6 Monate. Andreas Florian Scodonius, Canonicus in Oppeln, wurde auf Präsentation Ferdinand III. von der bischöflichen Administration Neisse 28. Juli 1633 als Canonicus von Ratibor investirt, 1634 Pfarrer in Leschnitz, 20. Juni 1650 Custos in Ratibor, 1651 Propst in Ober-Glogau. In dem Copulationsbuche der Ratiborer Collegiatkirche zeichnete er sich 1652 als Vicecommissarius in Spiritualibus ein. Er starb in Ratibor 2. Februar 1660. Sein in Stein gemeißeltes Bild befindet sich auf der Epistelseite nahe dem Hochaltare in der Pfarrkirche zu Ratibor in der Wand ein= gemauert. Andreas Franz Sendecius, geb. zu Nicolai am 31. October 1614, wurde 1643 Canonicus, 1653 Cantor, 1660 Custos, 1666 Erzpriester, wird in den Visitationsberichten von 1687 ausdrücklich Commissarius Ratiboriensis genannt und zwar S. 189 als er den am 18. September 1677 ordinirten Gregor Panczoszyk, der später Vicar, endlich Pfarrer von Pschow wurde, die Jurisdiction ertheilte, ebenso S. 195, als er dem in Loslau geborenen, 1670 ordinirten Nicolaus Johann Macioszek, der im nächsten Jahre Pfarrer in Polom wurde, gleiche Vollmacht verlieh; abwechselnd wird Sendecius auch Commissar in Teschen genannt. Er selbst nennt sich Ratibor 5. April 1673 --- S.29/#44 Custos, senior Canonicus, Erzpriester und Commissar im Herzogthum Teschen und den angrenzenden Bezirken, unter welchen die Herrschaften Loslau und Oderberg zu verstehen sind. Er starb in Ratibor am 2. October 1679 und ruht in der St. Barbara-Kapelle, deren Wohlthäter er gewesen. Matthias Alois Scharkow, geboren Oppeln 1634, hatte auf der Universität Prag die Würden eines Magisters der Philosophie und Baccalaureus der Theologie erhalten, war der slavischen und deutschen Sprache gleich mächtig, zählte erst das 28. Lebensjahr als er 1662 die Pfarrei Neustadt übernahm, wo er sich große Verdienste erwarb. Am 25. August 1671 stellten die Bisthumsadministratoren ein gutes Zeugniß über das priesterliche Leben und die 10jährige Wirksamkeit des eifrigen Hirten aus. Er hinterließ eine gute Pfarrmatrikel, welche bis 1556 zurückgeht und reiche Nachträge der späteren Pfarrer erhielt. Scharkow, der bereits in Neustadt Canonicus von Oppeln geworden, wurde 5. Juni 1680 daselbst Decan und fürstbischöflicher Commissar. Zum Andenken an die Pest in Oppeln, welche 1679 und 1680 in der Stadt 900 Personen, also beinahe die Hälfte der Bevölkerung hinraffte, ließ er ein Bild malen, welches eine getreue Vorstelluug von dem damaligen Aussehen der Stadt und der Umgebung gewährt und sich heut noch in der Hedwigskapelle der Kreuzkirche befindet. Der Commissar war auch im hiesigen Bezirk thätig und begegnen wir ihm sehr oft in den Visitationsberichten, indem er Vielen die Jurisdiction zum Beichthören ertheilte und manchen Benefiziaten, unter audern 1685 den bisherigen Vicar Carl Ferdinand Fetscher an der Collegiatkirche als Pfarrer von Kostenthal, 1687 den Sacellan in Gieraltowitz Johann Alexander Matthacides als Pfarrer von Kieferstädtel installirte. Scharkow starb 1688. Georg Stablowski von Kowalowitz, Decan in Oppeln seit 14. Februar 1689, unterschrieb sich im Einnahmebuche der Pfarrkirche zu Altendorf. Als er den Erzpriestern zu Falkenberg, --- S.30/#45 Zülz, Ober-Glogau, Cosel, Ratibor etc. einen vom Fürstbischof den Erzpriestern gegebenen Auftrag durch Currende mittheilte, nennt er sich am 20. Januar 1703 Verordneter Commissar in Geistlichen Angelegenheiten für das Fürstenthum Oppeln und Ratibor. Laut Visitationsbericht von 1719 gehörten die Archipresbyterate Ratibor, Sohrau, Gleiwitz und Cosel zum Commissariat Oppeln. Kurz darauf zweigten sich ab von Ratibor das Archipresbyterat Pogrzebin, von Gleiwitz die Archipresbyterate Groß-Dubensko und Peiskretscham, von Cosel die Archipresbyterate Kostenthal und Lohnau. Stablowski starb 17. November 1732. Jeremias Ignatz Zange, geb. Oppeln 1670, studirte in Prag, erhielt in Krakau 1695 die Priesterweihe, wurde 21. März 1697 Pfarrer in Brande, 1702 in Riegersdorf, 1714 Erzpriester in Zülz, war ein vorzüglicher Redner, 1728 Administrator des Archidiaconats, März 1729 Vicecommissar in den Fürstenthümern Oppeln-Ratibor, 3ten April 1732 Decan in Oppeln und fürstbischöflicher Commissar des Fürstenthum Oppeln, starb 1745. Anton Paul v. Mazurek, von bürgerlichen Eltern in Ratibor am 22. Januar 1688 geboren, Sohn des Georg, erhielt die niederen Weihen 14. Juni 1710, die Priesterweihe 24. September 1712, wurde Vicar in Friedland, Juni 1714 in Ratibor, 13. September 1717 Notar des dasigen Capitels, 22. September 1720 Erzpriester zu Sohrau, 14. Januar 1728 Prälat-Custos; hielt einen Caplan, der die polnischen Predigten übernahm, wurde bischöflicher Rath, Erzpriester, 2. Februar 1730 in den Adelstand erhoben, 1736 bischöflicher Commissar, ausschließlich für den Ratiborer Bezirk. Bisher hatte die Wahl einer Priorin in Ratibor stets ohne Gegenwart eines bischöflichen Commissars stattgefunden. Da dies gegen die Rechte des Ordinarius verstieß, so trug das Geistliche Amt 2. Januar 1738 dem Ratiborer Commissar auf, bei der nächsten Wahl, wofern kein bischöflicher Abgesandter vorhanden, geziemend Einspruch zu thun. Bei der Wahl der Martina Skal von Elgot am 27. März 1744 --- S.31/#46 erschien unser Commissar Anton von Mazurek. In den Acten der Pfarrkirche ist noch ein Extract der Sitzung vom 7. Mai 1738 enthalten, in welcher er mit seinen Beisitzern: Scholastikus Johann Adam Bock und Erzpriester Josef Franz Waclawczik aus Lohnau über die Schulden des Erzpriesters Gotfried v. Schimonski in Sohrau verhandelt. v. Mazurck hatte einem fremden, nicht angestellten Priester Namens Scholtyssek für die Pfarrei Mechnitz die Jurisdiction verliehen. Das Geistliche Amt rügte dies am 16ten Mai 1740, da bischöflichen Commissaren dies nicht zustehe; in Zukunft möge er es unterlassen, einem in der Seelsorge nicht angestellten Priester, sei er Expfarrer oder Excaplan die Jurisdiction zu ertheilen. v. Mazurek erschien öfters im Prälatenstande auf den in Oberschlesien gehaltenen Landtagen von 1741-1743. Die Instanziennotiz vom Jahre 1744 zählt dieselben Assiessoren des Ratiborer Commissariatamtes, und als Notar Georg Gendel, Stadtsyndicus in Ratibor auf; die Sessionen wurden in der Custodie-Residenz wöchentlich Donnerstags gehalten. Am 22. April 1748 meldete das Vicariatamt dem hiesigen Commissar v. Mazurek, daß der erwählte Fürstbischof Philipp Gotthard Graf Schaffgotsch sich geäußert: es werde , ihm sehr angcnehm sein, wenn angesehene Männer aus dem Clerus seiner Consecration am 1. Mai beiwohnen; er möge daher, wenn nicht durch Krankheit oder rechtliches Hinderniß abgehalten, dabei erscheinen. v. Mazurek starb in Breslau 12. Januar 1749. Josef Franz Waclawczyk erhielt die niederen Weihen 21. December 1720, die Priesterweihe 28. Februar 1722, wurde Pfarrer und Erzpriester in Lohnau, Canonicus zu Ratibor 23. April 1731, 1eistete 1740 den Eid als apostolischer Protonotar, 1748 bischöflicher Commissar, von Fürstbischof Gothard von Schaffgotsch während dessen Aufenthaltes in Friedek 24. Juli 1761 als Scholasticus ernannt und 28ten September in Breslau bestätigt, starb 23. November 1762. --- S.32/#47 Franz Ignatz Skiba, geb. 1705 in Lohnau, erhielt 15. Juni 1726 die minores, am 21. December d. J. auf den Tischtitel des Franz Graf Gaschin-Witoslawitz das Subdiaconat und am 21. Februar 1728 mit Dispens des Alters die Priesterweihe, wurde Caplan in Poln.-Neukirch, dann Pfarrer in Pogrzebin und Erzpriester des 1738 errichteten Archipresbyterats, 1763 fürstbischöflicher Commissar, Domherr in Ratibor, starb 1779. Gregor Jos. Petricius, geb. Peiskretscham 1716, erhielt 20. December 1738 die minores, 24. September 1740 das Subdiaconat, war 1748-1751 Caplan in Wansen, wurde Januar 1752 Administrator und im Juli wirklicher Pfarrer von Lubowitz, später Erzpriester, 23. Juli 1779 bischöflicher Commissar und starb 30. März 1785. Joh. Emanuel Schimonski v. Schimoni, geboren 23. Juli 1752, Sohn des Landrath Carl Josef auf Brzesnitz und der Caroline Freiin v. Gruttschreiber, wurde 22ten Februar 1771 Canonicus in Neisse, erhielt 16. März d. J. in Breslau die niederen Weihen, studirte hierauf in Rom, wurde Pfarrer in Lohnau, Canon. der Kathedrale, Prael. Cust. ad. s. Cruc. daselbst, fürstbischöfl. Commissar, copulirte in der Schloßkapelle zu Brzesnitz 18. August 1783 seine Schwester Marie Philippine mit Rudolf v. Blacha aus Glinitz, taufte 7. März 1791, 8. Juli 1792 und 18. August 1793 drei Kinder seines Bruders Joh. Heinrich, wurde 1795 Generalvicar, 1796 Scholasticus in Breslau, 11. Februar 1798 Weihbischof, 1805 Decan, 1817 /Vicarius apostolicus/, 16. October 1823 als Fürstbischof gewählt, starb 27. December 1832 und ist im Schiff der Kathedrale bestattet. Andreas Weirich, geboren zu Breslau, erhielt 17ten April 1774 die niederen Weihen, 24. September auf den Tischtitel des Graf Gaschin-Lenke das Subdiaconat, 11ten März 1775 die Priesterweihe, wurde 1779 Pfarrer von Ostrosnitz, 1791 Prälat-Cantor des Collegiatstiftes, 1794 --- S.33/#48 bischöflicher Commissar, 1. Mai 1795 Pfarrer von Altendorf, Fürstbischof Josef Christian Fürst von Hohenlohe meldete 14. April 1796 dem Collegiatcapitel: da aus den Acten des vergangenen Jahres hervorgehe, daß bei dem Stift nicht diejenige Ordnung herrsche, von welcher sich allein die Erhaltung und Erhebung hofen läßt, habe er eine Generalvisitation bei dem Collegiatstift beschlossen und den Prälat Cantor und Commissar Andreas Weirich mit der Ausführung beauftragt. Der Bischof befahl dem Capitel, da er dabei das Beste des Stifts beabsichtige, dem Commissar alle Urkunden und Rechnuugcn zur Einsicht vorzulegen und nach Kräften beizutragen, daß das Collegiatstift aus seinem dermaligen bedenklichen Zustande gerettet und zu seinem ehemaligen Flor wieder erhoben werde. Weirich führte den Auftrag aus und reichte am 7. November das Protokoll ein. Weirich wurde 1799 Custos, 1801 Archidiacon von Groß-Glogau, Canonicus und bischöflicher Commissar daselbst. Er vermachte dem Priesterhause zu Neisse 400 Thaler und starb 30. April 1817. Franz Seypold, geboren zu Ober-Glogau 14ten November 1753, erhielt 21. December 1776 die Priesterweihe, wurde Cooperator in Poln.-Krawarn, 19. August 1778 Administrator und 24. October d. J. wirklicher Pfarrer daselbst, 1785 /Act. circuli/, 15. April 1794 Erzpriester, 29. Juni 1798 Canonicus in Ober-Glogau, 3. Juni 1801 fürstbischöflicher Commissar, 15. August d J. Scholasticus und Curatus der Deutschen. Am 31. Juli 1814 fand die Einweihung des Klosters der Barmherzigen Brüder zur hl. Anna in Pilchowitz statt, zu dessen Kapelle schon am 2. Juli 1802 der Grundstein gelegt, der Fortgang des Baues aber durch die kriegerischen Unruhen gehemmt worden war. Zur Feier erschienen aus Umgegend 6 Landräthe und 20 Geistliche, darunter die beiden Assessoren des fürstbischöflichen Commissariatsamtes, der emeritirte Erzpriester Georg v. Walhofen aus Sohrau und Pfarrer Stanislaus Sigismund aus Pilchowitz. Seypold hielt die Einsegnung und Festrede, am nächsten Morgen das Requiem für den --- S.34/#49 Stifter des Klosters Rentmeister Anton Welzel. Seypold übernahm 2. April 1816 die Pfarrei Loslau, blieb fürstbischöflicher Commissar bis 1822. Am 12. Juni 1822 ist in Loslau nahe der Pfarrei plötzlich ein heftiges Feuer ausgebrochen, welches das Pfarrhaus schnell ergriff, so daß Seypold nichts retten konnte und auch die Commmissariatsregistratur vernichtet wurde. Er feierte 16. Januar 1827 sein Jubiläum, fundirte 18. August d. J. 340 Thaler auf ein Anniversar mit Officium und Conduct, 2 Cantata und 11 hl. Messen. Er starb 9. April 1828. Unter ihm wurde November 1808 der Referendar bei der Königlichen Ober~Amtsregierung Jgnatz Wodak zum Notar und Syndicus des Ratiborer Commissariats an die Stelle des nach Leobschütz abgegangenen Königlichen Justizcommissar Heinze ernannt. Johann Nepomuk Zolondek (= Magen), geboren zu Krappitz am 16. Mai 1767, wurde in Rauden, wo er 1778 als Principist 1) eintrat, mit seinem deutschen Namen ins Album eingtragen, bezog die Universität Breslau, erhielt 22. September 1787 die minores, trat als Theologe des 3. Jahres 4. Mai 1789 ins Alumnat, wurde auf den Tischtitel des Jungfrauenklosters zu Ratibor für Adamowitz 6. Juni 1789 Subdiacon und am 29. Mai 1790 ordinirt. Nachdem er zu Belk seit 19. Juni 1790 und Gr.-Strehlitz seit 17. September d. J. als Kaplan fungirt, wurde er 7. December 1792 als Vicar an der Collegiatkirche zu Ratibor investirt, Director des Seminars daselbst, 15. December 1799 als Scholasticus investirt, nachdem er vom Kapitel dem König präsentirt, Berlin 18. November zu dieser Prälatur nominirt worden. Seit 18. Juni 1801 Custos und 12. Januar 1801 Schulen-Inspector, wurde er 1. Januar 1806 Erzpriester des Pogrzebiner Archipresbyterats. Schon 1803 hatte Zolondek in einem Umlaufschreiben den Geistlichen und Lehrern seiner Inspection den ----- 1) Die Schüler der vier untern Klassen hießen Parvisten, Principisteu, Grammatisten und Syntaxisten, die der zwei oberen: Poeten und Rhetoren; jeder Cursus dauerte ein Jahr. --- S.35/#50 Vorschlag zur Errichtung einer pädagogischen Lesegesellschaft gemacht. Erstere hatten sich sämmtlich, von letzteren nur einige dafür erklärt. In Folge eines 1810 erneuerten Circulars traten auch die übrigen Lehrer der Lesegesellschaft bei. Es wurden sofort 50 Thaler subscribirt und hiervon 37 Schulschriften besorgt, welche unter den Subscribenten circulirten und Eigenthum der Kreisbibliothek blieben. Nach Aufhebung des Collegiatstiftes wurde er Mai 1813 Pfarradministrator und nachdem die Dotation festgestellt war, im Juni 1818 wirklicher Pfarrer. Im Jahre 1816 hatte er auch das Ratiborer Archipresbyterat übernommen, schmückte 16. August 1818 den Neumarkt mit einer renovirten Statue des hl. Johannes von Nepomuk, die früher im Hofe des Jungfrauenklosters gestanden, wurde 15. September 1822 fürstbischöflicher Commissar, 1825 Synodal-Examinator. Drei Iahre später ließ er sich von der Schulen-Inspection entbinden, gab ansehnliche Beiträge zum Bau einer neuen Stadt-Schule, kaufte den Begräbnißplatz in Neugarten und stattete denselben mit einem freundlichen Kirchlein aus, stiftete 1830 einen Commensalen im Alumnat. Zolondek wurde dafür im Amtsblatte öffentlich belobt und erhielt als Auszeichnung 20. Januar 1833 den Rothen Adlerorden. Er resignirte 30. März 1834 auf die beiden Erzpriesterämter. Zolondek starb am Weihnachtsabende 1836 und fand am 28ten December seine Ruhestätte in der von ihm erbauten Kreuzkapelle. Sein Porträt, ein Oelgemälde wird im Speisesaale der Pfarrei aufbewahrt. Das Brustbild im Prälatenschmuck zeigt ein noch frisches Antlitz von slavischem Typus, das mit der Mozette bedeckte Rochett ist von reicher Stickerei, zur linken Seite ist das von ihm erbaute Pfarrhaus sichtbar. Die von seinem Nachfolger im Pfarramte gehaltene Trauerrede ist im Schlesischen Kirchenblatte Jahrgang 1837 abgedruckt. Franz Xaver Heide, geboren 2. Juni 1801 zu Frankenstein, besuchte das Gymnasium zu Glatz, bezog 1821 die Universität Breslau, wo er theologischen und philosophischen Studien oblag, trat am 30. October 1824 ins Alumnat, --- S.36/#51 erhielt 18. April 1825 die Priesterweihe, wurde Kaplan in Klein-Oels, dreiviertel Jahr später an die Pfarrkirche nach Ratibor versetzt, zugleich Religionslehrer am Gymnasium, wo er Unterricht nicht nur in Religion und Hebräisch, sondern auch in der griechischen und deutschen Sprache ertheilte. Am 15. März 1831 wurde er Curatus und 10. Juli Schulen-Inspector, weshalb er Ostern 1832 vom Gymnasium entbunden wurde. Der eifrige Priester fand neben fleißiger Seelsorge Muße zu historischen Forschungen auf dem Felde der ältesten Geschichte Oberschlesiens, wovon die 3 Jahrgänge der Zeitschrift Eunomia 1832-1834 und mehrere Aufsätze in den Schlesischen Provinzialblättern glänzendes Zeugniß ablegen. Heide wurde 28. December 1836 Administrator, 12. Mai 1837 wirklicher Pfarrer, 12. November 1837 fürstbischöflichcr Commissar, 30. März 1844 Erzpriester, erhielt Pfingsten 1846 das Ehrencanonicat von Breslau, 1849 den Rothen Adlerorden, am 16. Juli 1852 das Doctor-Diplom von der theologischen Facultät in Breslau und in Folge einer beim Empfange des Kronprinzen am Bahnhofe Kandrzin Juli 1866 gehaltenen patriotischen Anrede das Ritterkreuz des Hohenzollerschen Hausordens. Heide erwarb sich große Verdienste um Schule und Kirche, Staat und Wissenschast. Er gründete die Handwerker-Fortbildungsschule, richtete an der Stadtschule gehobene K1assen ein, in welchen Knaben bis zur Quarta vorbereitet wurden, berief 1863 die Ursulaschwestern aus Breslau, opferte zum Bau des Klosters sein ganzes Vermögen und war durch 4 1/2 Jahr bis zu seinem Tode Vorsitzender des Verwaltungsrathes der Taubstummen-Anstalt. Zur Zeit der Typhusepidemie 1847 bewies er sich als Helfer der Wittwen und Waisen. Treu und fest stand er zur Kirche auch in stürmischer Zeit, kämpfte gegen die Rongeanischen Bestrebungen, rief im Revolutionsjahre unter Wahrung des confessionellen Friedens den katholischen Volksverein zur Befestigung kirchlicher Gesinnung ins Leben. Auch an der Gründung des constitutionellen Vereins nahm er Theil und --- S.37/#52 trat in den Versammlungen oft als Redner auf. Auf die Wahl des Felix Fürst Lichnowsky in das Frankfurter Parlament den meisten Einfluß übend, wurde er dessen Stellvertreter und nahm nach der Ermordung des Fürsten 18ten September 1848 an den Berathungen des Par1aments Theil, bis es den Sitz nach Stuttgart verlegte. Ende 1850 legte er das Amt als Kreis-Schulen-Inspector nieder. Obschon er einen reichen Schatz von Kenntnissen besaß, drang er immer tiefer in die Wissenschaft und seine bedeutende Bibliothek, die er der Pfarrkirche vermachte, giebt Zeugniß von der Vielseitigkeit seines Wissens. Seine Mäßigung, Schonung und Milde erwarb ihm einen großen Freundeskreis. Höhere Stellungen, die ihm angetragen wurden, schlug er wiederholt aus, da er seine liebe Gemeinde nicht verlassen wollte. Das Amt als Erzpriester gab er Ostern 1865 auf und starb am 25. März 1867. Die Leichenrede hielt Domherr Dr. Sauer. In der Gruft der Grabeskapelle auf dem Friedhofe zu Neugarten wurde er bestattet. Sein Lebensbild ist nicht blos von Hugo Sterba in einer Broschüre gezeichnet, sondern auch die Provinzialblätter brachten sein Bildniß nach dem Originale von J. Kostka und eine Skizze des Lebens und Wirkens eines Mannes, dessen Name weithin noch einen guten Klang hat. Josef Kühn, geb. Grüssau den 27. November 1817, kam 1837 von Schweidnitz auf das Mathias-Gymnasium zu Breslau, machte Ostern 1838 das Abiturientenexamen, ging nach dem Königreich Polen als Informator zu einer hocharistokratischen Familie, wo er als Deutscher auch von der Dienerschaft über die Achsel angesehen wurde. Das bewog ihn, sich auf die polnische Sprache mit Eifer zu verlegen und brachte er es in Kurzem so weit, daß er sich sogar einer Prüfung unterzog und ihm die /Facultas docendi/ ertheilt wurde, trat 18. April 1842 ins Alumnat zu Breslau, erhielt 6. November d. J. die Priesterweihe, wurde 22ten d. Mts. Kaplan in Lublinitz, 10. April 1843 Kaplan in Gleiwitz, seit Ostern 1847 Religionslehrer und /Regens/ --- S.38/#53 Convictorii am Gymnasium zu Breslau; am 28. April 1853 als Administrator nach Gleiwitz berufen, wurde er 24. Juni wirklicher Pfarrer daselbst, 2. Mai 1854 Curator der Barmherzigen Brüder in Pilchowitz, 18. Mai d. J. Erzpriester, 1. August 1867 Commissarius des Ratiborer Commissariats. Kühn machte sich durch die Gründung des katholischen Waisenhauses, das am 1. November 1862 eingeweiht wurde und durch die Herausgabe des polnischen Gebet- und Gesangbuches „Katolik“ zum Besten des Waisenhauses verdient. Zuletzt an der Gicht schwer leidend starb er 21ten April 1880. Wilhelm Strzybny, geboren Schloß-Ratibor den 31. März 1825, Sohn des Königlichen Justizrath Thomas Strzybny und der Johanna von Vagedas, bezog das Gymnasium der Vaterstadt, studirte in Breslau und Bonn Theologie, erhielt 1. Juli 1849 die Priesterweihe und feierte 8 Tage später umgeben von 11 geistlichen Confratern in der Stadtpfarrkirche seine Primiz. Am 31. d. Mts. als Kaplan nach Ratibor decretirt, wurde er 3 Jahre später Curatus daselbst, gründete 8. Mai 1855 den Gesellen-Verein, wurde am 10. März 1857 Schulen-Inspector, am 27. April Pfarradministrator von Altendorf, am 9ten December 1869 wirklicher Pfarrer. Von 1862-1863 war er Mitglied des Abgeordnetenhauses. Am 24. April 1875 übernahm er die Geschäfte des Erzpriesters, wurde 12ten Mai 1877 definitiv als solcher ernannt, im Auftrage des Fürstbischofs Robert am 23. October 1882 durch den Stadtpfarrer und Geistlichen Rath Schaffer vereidet und in sein Amt eingeführt, Januar 1884 als fürstbischöflicher Commissar ernannt und am 24. d. Mts. durch Obengenannten in sein neues Amt eingeführt. Der erste Auftrag vom Fürstbischof war, mehrere Schulen des Oppelner Regierungs-Bezirks in Bezug auf die gemachten Fortschritte in der deutschen Sprache zu revidiren, welchem Befehle er im Frühlinge mit Zuziehung der Königlichen Kreis-Schulen-Inspectoren nachkam. --- S.39/#54

Das Archipresbyterat Ratibor.

Die hierarchische Einrichtung der Kirche bedingt Träger verschiedener Aemter in bestimmter Stufenfolge. Die Archipresbyterats-Einrichtung in der Breslauer Diöcese fand zugleich mit der Abgrenzung der Pfarrbezirke statt und reicht bis in den Anfang des 13. Jahrhunderts. Ein District mit einer Anzahl von Pfarreien stand nämlich unter Aufsicht eines Erzpriesters und dieser unter dem Commissar und Archidiacon. Ersterer führte auch den Namen Landdecan, /decanus ruralis/, im Gegensatz zu der in den Kapiteln bestehenden Dignität der Decane. Die Geschäfte des Erzpriesters waren folgende: Er hatte im Namen des Bischofes nicht nur über die Geistlichen, sondern auch über das kirchliche und sittliche Leben der Gemeinden seines Bezirkes die Aufsicht zu führen, die bischöflichen und Synodalverordnungcn durch Circulare bekannt zu machen und über deren Befolgung zu wachen, die kleineren Streitigkeiten seines Clerus zu schlichten, jährlich jede Pfarrei seines Bezirks zu visitiren und die Kirchenbücher zu prüfen, die hl. Oele in Empfang zu nehmen und an die Pfarrkirchen zu vertheilen, die Pfarrer in ihr Amt einzuführen, die Beerdigung der verstorbenen Geistlichen vorzunehmen und bei Erledigung der Benefizien Obsorge zu tragen. Auch hielt er jahrlich einige Male Zusammenkünfte, um durch gegenseitigen Austausch der Erfahrungen Mittel zur Abhilfe von Schäden zu berathen, eventuell Anträge der geistlichen Behörde zu unterbreiten. Der Erzpriester wird vom Bischofe ernannt und ist durch besondere Amtskleidung von den übrigen Pfarrern, falls diese nicht Dignitäre sind, ausgezeichnet. Eine eigentliche Jurisdiction steht ihm so wenig, als dem Commissar zu, doch erhalten beide vom Bischof gewöhnlich besondere Facultäten für den Bereich ihres Sprengels. Die Befugnisse änderten sich im Laufe der Zeit und wollen wir einige Bestimmungen aus älterer Zeit nachweisen: --- S.40/#55 Die unter Bischof Heinrich I. im Jahre 1305 gehaltene Synode befahl den Archidiaconen bei Strafe der Suspension von ihrem Amte, eine Abschrift der Statuten zu nehmen und sie den Erzpriestern mitzutheilen, die sie dann unverzüglich den Pfarrern binnen Monatsfrist zur Kenntnißnahme zustellen sollen, damit letztere dieselben in ihren Kirchen, um sie stets vor Augen zu haben, an die Wand heften. Einen gleichen Befehl gab Bischof Nanker 1331. Auch Bischof Wenzel befahl, daß jeder Erzpriester eine Abschrift der Synodalstatuten besitzen solle. Bischof Conrad verordnete 1446: die Erzpriester sollen ihre von der Synode fernbleibenden Priester dem Archidiacon schriftlich anzeigen. Unter Bischof Rudolf beschloß die 1473 gehaltene Synode: Bei dem Ableben eines Priesters soll der Erzpriester oder näher wohnende Pfarrer oder die bischöflichen Commissarien, falls diese nahe sind, ein Inventar der Hinterlassenschaft aufrichten und den Verstorbenen anständig begraben. Bischof Johann befahl 1509, daß jeder Erzpriester an allen Quatemberzeiten sämmtliche Priester seines Cirkels an geeignetem Orte zur Versammlung einlade und daß diejenigen, welche wegen kirchlicher Function nicht erscheinen können, das nächste Mal kommen. Im Jahre 1580 befahl Bischof Martin, daß alle Pfarrer in jedem Archipresbyterate zweimal jährlich zusammenkommen und auf den Versammlungen über Beseitigung der Mißstände und über kirchliche Geschäfte unter Vorsitz des Erzpriesters berathen. Wer Tadel verdient, soll vom Chef brüderlich ermahnt werden; schwerere Vergehen sind dem Generalvicar oder dem Bischofe selbst anzuzeigen. Auf der unter Andreas Jerin 1592 gehaltenen Synode wurde beschlossen: Die Erzpriester sollen darauf achten, daß der Ritus bei der heiligen Messe, Sacramentenspende und den Ceremonien gleichmäßig sei und nicht andere Agenden gebraucht werden; auf den Archipresbyteratsconventen sollen die Pfarrer ihre Beschwerden wegen Verkürzung der Einkünfte schriftlich überreichen. Die Synodalstatuten unter Bischof Carl Ferdinand 1652 --- S.41/#56 verordnen: Die Convente sollen jährlich zweimal nämlich zwischen Ostern und Pfingsten uud zwischen Michaelis und Martini der Reihe nach in je einer Kirche des Decanats mit der Messe vom hl. Geist beginnen, worauf eine Exhorte den Berathungen vorangeht. Wer ohne zureichende Ursache die Versammlung versäumt, wird mit Geld bestraft und hat ein Pfarrer und Commendar einen Thaler, ein Vicar die Hälfte zu zahlen, welcher der Kasse jener Kirche zufließt, in welcher der Convent gefeiert wird 1). Das bischöfliche Consistorium gab 1. December 1678 ausführliche Vorschriften für die Erzpriester. Nachdem die Synoden einelange Unterbrechung erlitten, schärften Verordnungen der geistlichen Behörde die Pflichten. Die pragmatische Sanction vom 26. Octobcr 1699 enthält auch für Erzpriester verschiedene Vorschriften: Zu diesem Amte gelangen nur gesittete, wissenschaftlich gebildete, in der Seelsorge eifrige und erfahrene Priester, die 6 Jahr fleißig im Weinberg des Herrn gearbeitet und Beweise ihrer Tüchtigkeit gegeben. Daß in geringeren Ehesachen auch Erzpriester Commissionen erhielten, zeigt folgender Fall: Bäcker Friedrich Stefan zu Ratibor hatte sich bemüht, die Liebe der Tochter des Wirthschaftsverwalter Caspar Bernhardt in Lohnitz zu gewinnen und war in der Fastnacht 1703 mit dem Bäcker Melchior Ruzanski zur Braut Judith gegangen, hatte öffentlich Verlobung geschlossen, ihr einen goldenen Ring gegeben und den Termin zum Ehevertrage bestimmt. Aber am 6. Mai schrieb er dem Vater ab. Der betagte Verwalter sah dies als Schimpf an und bat das Consistorium die Sache durch den Erzpriester in Ratibor untersuchen zu lassen. Die geistliche Bchörde trug, um den Parteien die Kosten zu so weiter Reise nach Breslau zu ersparen, demselben am 28. Juni 1703 auf, unter Zuziehung eines Rechtsverständigen die Betreffenden zu vernehmen, die Zeugen
1) Montbach Statuta pag. 5, 8, 9, 14, 16, 94, 114, 162, 226, 282 --- S.42/#57 eidlich abzuhören und das Protokoll an das Consistorium zur Entscheidung einzusenden. Auch das Jurisdictionsexamen hatte der Erzpriester bisweilen abzunehmen. Da sich P. Angelus Neugebauer im Franciskanerkloster zu Ratibor noch ohne Jurisdiction zum Beichthören in hiesiger Diöcese befand, so wurde Gitzler vom General-Vicariat-Amt 3. August d. J. beauftragt, mit Zuziehung eines anderen Priesters sowohl jenen als die noch der Jurisdiction Ermangelnden zu examiniren und über den Ausfall zu berichten. Das General-Vicariat-Amt befahl 4. März 1716: Alljährlich soll bei jedem Erzpriester eine Zusammenkunft der Pfarrer und Curaten gehalten, die Verhandlungcn nach Ostern dem Generalvicar berichtet, auch die Namen der Pfarrer und Kapläne beigesetzt werden. Das General-Vicariat-Amt ließ 14. März 1716 nach, daß die Convente, welche sonst zwei- bis viermal jährlich stattfanden, nur einmal im Jahre und zwar zur österlichen Zeit gehalten werden und befahl 14. September d. I. den Erzpriestern Kirchenvisitation alljährlich vorzunehmen. Am 18. Januar 1718 verordnete das General-Vicariat-Amt, daß bei den jährlich zu haltenden Kirchenvisitationen ein Pfarrcr per Majora vota gewählt als /Actuarius Circuli/ assistire und befahl den Erzpriestern, bei den Visitationen die Jugend zu examiniren und die Lehrer zum Eifer anzuhalten; am 21. Juli 1718: Die Erzpriester sollen sich von ihren untergebenen Geistlichen monatlich schriftlichen Nachweis über den Lebenswandel der Parochianen geben lassen und dem Vicariat-Amt vierteljährlich gutachtlich berichten, wie etwaige Ausschreitungen und Aergernisse zu beheben seien: nachlässige und ungehorsame Geistliche können sie, wenn gütliches Mahnen und Strafbedrohung nichts fruchtet, mit einem bis zwei Dukaten strafen. Am 5. März 1720 befahl der Bischof: Die Erzpriester sollen eine Specification der Pfarreinkünfte bei den jährlichen VBisitationen abfordern uud nebst ihrer und des Actuars Unterschrift mit dem Berichte einschicken, damit das Schriftstück --- S.43/#58 im Archiv der bischöflichen Canzlei deponirt werde. Am 18. März 1727 befahl er: Die Erzpriester sollen in ihren Quartalsberichten auf einem besonderen Blatte über die Testamentsvollstrecker genau berichten, welche in ihrem Presbyterat jetzt vorhanden, wie lange, Ursachen der Verzögerung, welche Mittel zur Beschleunigung und Beendigung vorhanden; und am 22. Juli d. J. verordnete er: bei den Zusammenkünften ist der Actuar zu wählen und die Wahl dem Vicariat-Amt zur Bestätigung einzureichen 1). Der Erzpriester hat dem Actuar die Kirchrechnungen zur Revision zu übergeben. Das General-Vicariat-Amt befahl am 22ten Februar 1810 nach Verordnung der Königlichen Regierung, daß Kirchenvorsteher, welche bisher vom Justizamte in der Gerichtsstube vereidet worden, nunmehr vom Pfarrer mittelst Handschlag verpflichtet, bei den Kirchenvisitationen aber vom Erzpriester vereidet und ins Amt eingeführt werden. Dieselbe Behörde wies 9. Juli 1849 die Erzpriester an, die jährlichen Communikantenlisten unmittelbar an den Fürstbischof einzureichen. 1851 befahl Cardinal Melchior, die Kassenrevision der Erzpriester nicht durch den Actuar /circuli/, sondern durch den Commissar vorzunehmen. Fürstbischof Heinrich gab am 29. Januar 1858 den Erzpriestern eine genaue Instruction in 14 Paragraphen und wies auch auf die Bestimmungen des untcr Papst Benedict XIII. im Jahre 1725 zu Rom gehaltenen Concils, wie auf die von seinem Vorgänger auf dem fürstbischöflichen Stuhle zu Breslau Josef Christian Fürst von Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein 16. Mai 1808 den Erzpriestern gegebenen Anweisungen zurück. " Die Erzpriester haben gegenwärtig die Obliegenheit: die öffentlichen Currenden und Circulare, die ihnen zukommen, bekannt zu machen, die untergeordneten Pfarrkirchen jährlich zu visitiren, die Kirchenrechnungen zu revidiren, deren Richtigkeit resp. Unrichtigkeit zu bezeugen und darüber an das General-Vicariat-Amt zu berichten k1einere Streitigkeiten des Clerus
Friedeberg von den schles. Rechten I. Kap. /X./ --- S.44/#59 in ihrem Cirkel zu untersuchen und beizulegen, bei Todesfällen derselben die Siegelung vorzunehmen. Sie sind ebensowenig als die Commissare an denjenigen Ort gebunden, von welchem das Archipresbyterat den Namen trägt. Anfangs waren einzelne Archipresbyterate von großer Ausdehnung. Laut Register des Peterspfennig vom Jahre 1447 waren dem Ratiborer Archipresbyterat 19 Pfarreien unterstellt, nämlich Ratibor, Altendorf, Lubowitz, Markowitz, Lissek, Pstronzna, Lubom, Oderberg, Krzi.zanowitz, Benkowitz, Janowitz, Rudnik, Krawarn, Tworkau, Waindorf (eingegangen), Woinowitz, Rudersvald, Raschütz, Makau. 1644 hatte das Archipresbyterat 18 Parochien und 4 Filialkirchen 1). Nach den Visitationsberichten von 1679 hatte es folgende Pfarr- und Filialkirchen: Altendorf mit Pawlau und /Matka Bo.za/, Benkowitz, Janowitz, Makau mit Krawarn, Krzi.zanowitz, Lissek, Lubom mit Syrin, Lubowitz, Markowitz mit Raschütz, Pogrzebin mit Brzezie 2), Pstronzna, Rogau, Tworkau mit Ruderswald, Woinowitz. 1719 wird auch Rudnik genannt, das vordem wie auch das Collegiatstift nicht visitirt worden. Die canonische Visitation des Letzteren hielt 6. November 1717 der Domdechant Johann Christof von Rummerskirch aus Breslau und 15. Mai 1737 der Archidiacon Joachim Ernst von Strachwitz. 1687 waren 14 Pfarrer, 3 Kapläne, 1 Sacellan, 18 massive Kirchen, 4 Kapellen von Holz, 1 Hospital. 1738 wurden Lissek, Lubom, Markowitz, Pogrzebin, Pstronzna und Rogau abgezweigt und bildeten nebst Ratibor-Hammer das Pogrzebiner Archipresbyterat. Wir wollen nachstehend aus den letzten Jahrhunderten die Reihenfolge der Erzpriester im Ratiborer Archipresbyterat mit kurzen Notizen angeben:
1) Böhme, Dipl. Beiträge II. 97. 2) Brzezie ist wahrscheinlich das früher im Sohrauer Archipresbyterat genannte Birkendorf. Das Geschlecht der in Brzezie angesessenen Trach nannte sich nach dem Orte Trach von Brzezie und Trach von Birkau. --- S.45/#60 Georg Richtinek, Pfarrer in Lissek uud Valentin Sartoris als Senior des Cirkels waren 1592 auf der Diöcesansynode. Andreas Franz Sendecius wurde 1643 Canonicus in Ratibor, 1653 Cantor daselbst, am 24. Februar 1660 als Custos erwählt und am 19. Juli eingeführt, wird 1666 Erzpriester des Ratiborer Cirkels genannt. Er führte den 1650 ordinirten Andreas Sigismund Hartmann am 24ten August 1666 als Pfarrer von Pogrzebin ein. Sendecius wurde fürstbischöflicher Commissar in Teschen. Siehe S. 28. Paul Franz Rainoch, geboren 1621 zu Gleiwitz, ordinirt in Neisse 1649, 1icentiat der Theologie, Pfarrer in Schmitsch und seit 30. Mai 1650 Erzpriester des Zülzer Archipresbyterats, wurde 1654 Canonicus in Ratibor, am 22. November 1679 als Custos erwählt, 2. December investirt und am 18. d. Mts. in sein Amt eingeführt. Er starb als Erzpriester des Ratiborer Cirkels am 15. Juni 1680 und liegt in der elterlichen Ruhestätte zu Gleiwitz bestattet. Johann Franz v. Fluschke, geboren in Breslau 1646, studirte zu Rom im Collegium Germanicum, war bereits Dr. der Theologie aber noch nicht Subdiacon, als er vom Kaiser zum Prälat-Cantor in Ratibor präsentirt und vom Bischof 1668 investirt wurde. Er erhielt zwar Sitz, aber keine Stimme im Kapitel, bis er, seit 15. Juni 1669 Diacon, 21. September d. J. die Priesterweihe erhalten. Im Jahre 1671 als Pfarrer von Zirkwitz investiert, wurde er daselbst Erzpriester, am 20. August 1680 zum Custos erwählt, als solcher 16. September eingeführt, tritt schon 1681 als Erzpriester des Ratiborer Cirkels auf. Franz Georg Plumlowsky, Pfarrer in Rogau, sendete ihm am 8ten Mai 1688 das Verzeichniß der Osterpönitenten mit genauer Angabe der Protestanten: Der Pächter Stolz pflegte bisweilen der Predigt beizuwohnen und veranlaßte andere Adelige zum Besuch des Gottesdienstes, aber die Wittwe (Gutsfrau) mit ihren Kindern kam nicht. Im October 1688 wurde er von Papst Innocenz XI. zum Domherrn von Breslau und Erzpriester bei St. Nicolai erhoben. In der Seelsorge --- S.46/#61 führte er Mehrere zur Mutterkirche zurück und starb 19ten November 1691." Friedrich Ferdinand Flade war Curatus in Brieg, wurde Scholastikus in Ratibor vom 24. Januar 1687 bis zu seinem am 12. Februar 1689 erfolgten Tode. Das Ratiborer Archipresbyterat zählte damals 14 Pfarrer, 3 Sacellane, 1 massive, 18 hölzerne Kirchen, 4 hölzerne Kapellen, 1 Hospital. Dabei ist die Stadt nicht eingerechnet, wohl aber die damals noch zum Archipresbyterat zugehörigen Pfarrorte Markowitz mit der Filiale Raschütz und Kapelle in Hammer, Lissek, Pstronzna, Pogrzebin mit der /Adjuncta/ Brzezie, Lubom mit Syrin, Rogau. Georg /Christofor Giersdorf/, /baccal. theol./, wurde 7. Juli 1689 Scholastikus und Erzpriester bis 1696; ging 1704 nach Wohlau, wo er noch 1707 genannt wird. Basilius Sebastian Brettschneider, geboren 4ten September 1662 zu Freiwaldau, Sohn des Weißgerber Michael B. und der Rosina Hackenberger, studirte auf der Universität Olmütz. Nachdem er die Würde eines Baccalaureus der Philosophie erworben, widmete er sich 2 Jahr und 2 Monate den theologischen Studien und dem canonischen Recht. Am 10. Februar 1685 erhielt er vom Bisthumsadministrator Carl Neander v. Petersheide das /Dimissoriale/, die Weihen außerhalb der Breslauer Diöcese empfangen zu können, worauf er in Olmütz vor Pfingsten d. J. die minores und 22. September das Subdiaconat erhielt. Der Decan der theologischen Facultät Dr. Wilhelm Fröhlich stellte ihm über sein Wohlverhalten und seinen Lerneifer am 5. December ein vorzügliches Zeugniß aus. Hierauf kehrte Brettschneider nach Schlesien zurück, empfing in der Collegiatkirche zu Neisse vom Weihbischof Carl Neander am 6ten Juni 1686 das Diaconat und am 21. September die Priesterweihe. Derselbe ertheilte ihm am 18. März 1687 die Jurisdiction um Beicht zu hören. Nachdem Giersdorf nach Wohlau befördert worden, wurde Brettschneider im November 1696 Scholastikus und Curatus der Deutschen, --- S.47/#62 20. März 1698 Erzpriester des Ratiborer Cirkels. In dem vom Fürstbischof Franz Ludwig Pfalzgraf bei Rhein zu Breslau ausgestellten Diplom werden die Hauptpflichten eines Erzpriesters kurz aufgeführt. Brettschneider starb 9. März 1700. Andreas Josef Gitzler, Sohn des Tuchmacher Jacob Franz Gitzler in Ratibor, geboren October 1670, erhielt in Prag die Magisterwürde, studirte hierauf 2 Jahre die Rechtswissenschaft und 1 Jahr Theologie in Krakau, erhielt in Schlesien 18. September 1694 die niederen Weihen, wurde am 17. Juni 1695 auf Präsentation des Kaiser Leopold als Domherr in Ratibor investirt, am 26. Februar 1696 in Krakau ordinirt, administrirte vom 26. März 1697 ab die Pfarrei Lubowitz, wurde Scholastikus am 21. Juni 1700, zugleich Erzpriester des hiesigen Districts. Die Verehrung gegen den seligen Johann v. Nepomuk war so groß, daß man ihm noch vor seiner im Jahre 1719 erfolgten Heiligsprechung Statuen errichtete. Auch in der Kirche zu Ratibor hatte man ein solche bei dem Altare der heil. Dreieinigkeit aufgestellt. Das General-Vicariat-Amt trug aber dem Erzpriester 12. October 1706 auf, dieselbe sofort an die Seite der Kirche setzen zu lassen. Da Gitzler im Herbst 1713 den Visitationsbericht des vorigen Jahres noch nicht eingesendet, so wurde er 16. October mit 10 schweren Mark bestraft, die er binnen 8 Tagen an die bischöfliche Kanzlei einsenden uud die Pfarrer, welche die Communikantenlisten nicht eingeschickt, mit je 2 schweren Mark binnen 14 Tagen belegen sollte. Er starb 8. Januar 1716. Andreas Johann Böhm, geboren Ratibor 1662, absolvirte in Olmütz Philosophie und speculative Theologie, wurde dort Baccalaureus und am 18. September 1688 ordinirt; dann studirte er in Prag die Rechtswissenschaft, wurde /1icent. juris utriusque/, war 9 Wochen in Rogau, dreiviertel Jahr in Freistadt Kaplan und kam im Frühling 1696 als Pfarrer nach Janowitz. Bischof Franz Ludwig Pfalzgraf bei Rhein verlieh ihm Neisse 23. Juli 1696 auf --- S.48/#63 Empfehlung des Propst Johann Jacob Hoffmann v. Leichtenstern die Investitur, worauf Böhm am 15. November eingeführt wurde. Er war ein ausgezeichneter, besonders im Recht bewanderter Priester, erhielt 20. October 1702 die /facultas absolvendi ab haeresi/, wurde 1708 Canonicus und nach Gitzler's Tode Erzpriester, 4. November 1715 als Custos erwählt, aber erst 13. October 1717 bestätigt. Er starb 13. December 1727 Anton v. Mazurek, Erzpriester von 1736 an, siehe S.30. Josef Franz Waclawczyk, Pfarrer in Lohnau, 1729 bereits Actuar, November 1748 Erzpriester; siehe Seite 31. Paul Anton Schuster, geboren Ratibor, ordinirt 29. März 1721, wurde sofort Kaplan iu Lubowitz, 1723 Vicar in Ratibor, 1732 Pfarrer in Benkowitz, Actuar 1735, 15. Februar 1737 als Canonicus in Ratibor investirt und am 20. März vom Decan Wilhelm v. Angelis eingeführt, November 1751 Erzpriester und starb 14. Juni 1756. Josef Rosali, geboren Groß-Strehlitz 1702, seit 1734 Pfarrer in Janowitz, wurde nach dem Tode Schusters zunächst Decanatsadministrator, bald darauf wirklicher Erzpriester, benedicirte auf Einladung des Frhrn. v. Eichendorf die von Letzterem errichtete St. Johannisstatue in Tworkau und starb 27. Juli 1758. Gregor Petricius, seit 1735 Pfarrer in Lubowitz, wurde 1758 Erzpriester. Der apostolische Vicar Moritz von Strachwitz ertheilte ihm 8. Mai 1770 die Facultät, Paramente, Bilder, Statuen und Kreuze zu benediciren. Er wurde 1779 fürstbischöflicher Commissar und starb 1785. Siehe Seite 32. Johann Sczyrba, geboren 1721 Ratibor, erhielt 18. September 1745 die /minores/, 18. December das Subdiaconat, 9. April 1746 das Presbyterat, wurde Pfarrer in Bralin, seit October 1764 Pfarrer in Janowitz, /Act. circ./ 1785, als Erzpriester benedicirte er 22. October 1793 die neuerbaute Kirche in Krzi.zanowitz und wurde 1796 Pfarrer in Slawentziz, wo er 26. December 1803 starb.
--- S.49/#64 Franz Seypold, Pfarrer in Polnisch-Krawarn, Erzpriester von 1795 bis 1816, wurde Commissar. Siehe S. 34. Johann Zolondek, Sohn des Tischlermeister Laurenz Żołandek zu Krappitz und der Eva geb. Halama, Erzpriester von 1816 bis 1836, wurde Commissar. Siehe Seite 36. Wegen der kriegerischen Zeit zu Anfang des Jahrhunderts und weil der Erzpriester und Commissar in Krawarn am äußersten Winkel des Archipresbyterats seinen Sitz hatte, auch wegen überaus schlechter Wohnung meist kränkelte, endlich weil er wegen geringer Dotation keinen Kaplan halten konnte, war die Visitation 14 Jahre unterblieben. Zolondek nahm sie 1816 wieder auf und berücksichtigte bei dem Revisionsgeschäfte hauptsächlich das Kirchen- und Fundationsärar und gelang es ihm das Vermögen möglichst sicher zu stellen; nur bei Lubowitz, wo der Pfarrer als Cridarius starb, konnte der erlittene Schaden nicht beseitigt werden. Das General-Vicariat-Amt gab 4. Januar und 19. December 1817 seine Zufriedenheit über den Fleiß und Eifer zu erkennen mit der Erwartung, daß er die vorgefundenen Mängel beheben und die Visitation auch auf andere Gegenstände ausdehnen werde. Andreas Kubiczek, geboren 21. November 1774 zu Benkowitz, studirte in Rauden, Leobschütz uud Breslau, kam 1798 als Kaplan nach Autischkau, wurde 1805 Vicar in Ratibor, September 1811 Sacellan in Ostrog, April 1834 Erzpriester und starb 7. April 1845. Franz Heide war bereits fürstbischöflicher Commissar, ehe er Erzpriester wurde. Er bekleidete letzteres Amt vom 30. März 1844 bis Ostern 1865. † 1867. Siehe S.38. Nicolaus Morawe, geboren Zottwitz 6.December 1813, wurde 25. Mai 1839 ordinirt, am 11. Juni Kaplan in Reichthal, 13. November 1840 Kreisvicar in Loslau. Obgleich am 10. August 1841 an die Stadtpfarrkirche nach Neisse decretirt, blieb er auf dringende Vorstellung von Seiten des Magistrats und der Gemeinde in Loslau daselbst belassen, seit 28. Januar 1842 Pfarradministrator und --- S.50/#65 sodann Kreisvicar. Am 14. Januar 1844 Administrator in Ostroppa, am 19. Juni d. J. interimistischer und 24ten November definitiv angestellter Lokalist in Dziergowitz. Am 15. December 1846 Curatus in Ratibor, 16. November 1854 Pfarrer in Ostrog, 7. Mai 1857 /Actuar circuli/, 5. April 1865 Erzpriester, starb am 28. Juli 1872. Franz Marcinek, geboren 23. März 1803 zu Köberwitz, widmete sich zunächst der Landwirthschaft in Krzi.zanowitz, besuchte dann das Gymnasium zu Gleiwitz und die Universität in Breslau, erhielt 29. April 1832 die Priesterweihe, wurde Kaplan in Sodow, Pfarradministrator und seit 30. Mai 1837 wirklicher Pfarrer in Markowitz, 11. Juli 1839 Administrator in Benkowitz. Die Investitururkunde ist vom 31. August d. J. datirt. 1856 machte er eine Reise in das heilige Land, die er später in den polnischen Heften des Vereins zum heiligen Grabe beschrieb. Für die reichlichen Almosen, die er nach Jerusalem sendete, erhielt er von dem dortigen Patriarchen Josef Valerga das Diplom als Ordensritter des heiligen Grabes, wurde 15ten August 1865 /Actuar circuli/, 26. October 1872 Erzpriester und starb 1. Juni 1877. Wilhelm Strzybny. Siehe Seite 39. " --- S.51/#66

Pfarrei Altendorf.

Dorf Altendorf,

" lateinisch antiqua villa polnisch stara wie´s, nordwestlich der Stadt gelegen, hieß ursprünglich: (bei der) Kirche des heiligen Nicolaus, welcher Heilige Schutzpatron der Schiffer ist. Dieses Gotteshaus ist denkwürdig wegen der Versöhnung Herzog HeinrichIV.von Breslau mit Bischof Thomas /II./ Zwischen beiden hatte seit 1276 Streit bestanden über zurückbehaltenen Zehnt, verlangte Steuern von bischöflichen Unterthanen, Schulden des Herzogs, über dessen Herbergsrecht auf den bischöflichen Gütern, Rückgabe kirchlicher Grundstücke etc. Thomas zog sich nach Ratibor zurück. Am 18. April 1287 verlangte Heinrich von Herzog Mesko, er solle dem Bischofe nicht länger den Aufenthalt gewähren und zog mit Heeresmacht gegen ihn. Um die Stadt nicht einer langen Belagerung und Hungersnoth auszusetzen, begab sich der Bischof im Ornate mit seinen Domherrn in das Lager des Herzogs, der von der Ankunft benachrichtigt, ganz umgewandelt aus seinem Zelte entgegeneilte und den Oberhirten ehrerbietig empfing. Nach erfolgter Versöhnung begaben sich Beide in die nahe Kirche, wo in längerer Besprechung Heinrich die Streitpunkte fallen ließ und dem Bischofe Alles zurückgab, was er ihm entrissen 1). In Urkunden von 1313 und 1317 wird das Thor, welches die Stadt im Nordwesten begrenzt, Nicolaithor, im 18. Jahrhundert auch Coseler Thor genannt. ----- 1) Ehedem stand mitten im Dorfe dicht an der mit dem Dorfwege sich kreuzenden Leobschützer Landstraße eine Kapelle, welche das Bild der Versöhnung aufbewahrte. Bild und Kapelle stürzten noch vor dem Jahre 1780 ein und trat an deren Stelle eine einfache, 21' hohe, viereckige Säule von Ziegeln oben durchbrochen. In meiner Geschichte Ratibors ist zwar auf Grund eines im Landrathsamte befindlichen Actenstückes über Denkmäler des Kreises der 6. Januar als Versöhnungstag angenommen, aber jener Referent der Königlichen Regierung hatte dieses Ereigniß mit einem ganz anderen vom 6. Januar 1285 vorangegangenen verwechselt. Die Versöhnung dürfte noch vor dem Herbst 1287 stattgefunden haben. --- S.52/#67 Auf der Feldmark und im Dorfe gehörten einzelne Parzellen den Geistlichen. Bei Uebersiedelung des Collegiatstifts von der Burg in die Stadt 1416 waren dem Decan unter anderen Bezügen ein Vierdung d. h. der vierte Theil einer Mark Groschen, die damals über 11 Thaler Silberwerth hatte, auf einem Garten bei der St. Nikolaikirche und ein Bierdung auf einem Garten in Altendorf ausgesetzt. Zu dem dereinstigen Witthum, welches Herzog Wenzel seiner Gemahlin Margarethe 19. Januar 1445 verschrieb, werden auch die Dörfer Altendorf, Breitegasse, Proschowitz, Niedane, Neugarten etc. genannt. Ritter Zbislav v. Tworkau verkaufte 21. August 1455 dem Canonicus Wenzel von Koltorowitz für 40 Mark böhmische Groschen 8 Bauerstellen in Altendorf und eine Wiese vor dem neuen Thore. 3 Mark Zinsen davon sollte der genannte Altarist und seine Nachfolger zu einem Altare in der Pfarrkirche zu unserer lieben Frauen erhalten. Am 8. März 1456 überwies Herzog Wenzel für 10 übernommene Mark dem Jungfrauenkloster eine Mark Zins aus Altendorf, welchen der Schulz von den Unterthanen einnehmen und jährlich dem Stift abliefern sollte. Die geldbedürftige Herzogin Margareth lieh vom Collegiatstift am 25. Juli 1457 eine Summe, für welche sie einen Zins von 10 Mark auf Altendorf und Proschowitz anwies. Am 6. December 1470 wurde die große Marienbruderschaft zu Ratibor mit 5 Gulden Angerzins in Altendorf bedacht. Nach dem Aussterben der Herzoge wurde 1532 ein Urbar von der Stadt uud den Kammergütern der Schloßherrschaft angefertigt. Damals hatten die Bauern in Altendorf vor der Coseler Vorstadt 34 3/4 Hufen; einige Besitzer von Altendorf und Neugarten hatten auf dem Gut Ottitz 9 Hufen Grundstücke; die Mönche und der Kreuzherrnpropst besaßen je einen großen Garten frei. Die Altendorfer entrichteten ihrem Pfarrer an Zehnt von jeder Hufe 18 Groschen, gaben auch Zehnt von drei zum St. Valentin Altare gehörigen Hufen, das übrige dem Pfarrer zu Slawentzitz. --- S.53/#68 Nach dem Abgange der Königin Isabella ' hielt der Hauptmann des Fürsteuthums Georg von persdorff Freiherr v0n Eich und Friedstein die Domäne auf Rechnung, seit 1564 für eine geliehene Summe als Pfandgut ; 3 Jahr später übernahm die Stadt den Pfandbesitz. Da sie aber durch üble Wirthschach und Feuersbrunst in Schulden g~~h, wurde mit den Gläubigern und Schuldnern ein Bergleich dahin geschlossen, daß H~~nek Petrowitz Charwat v. Wiecze auf Brzesnitz die Güter Altendorf, Neugarten, Proschowitz, Vorwerk Niedane 2c. gegen Zahlung einer Pfandsumme auf 20 Jahre übernahm. Nach dem Urbar von 1595 hatte das Kammergut 41 Bauern, welche 29~/~ Hufen hielten, ferner 5~/~ Frei= hufcn, 14 Gärtner; sie zinsten an Geld fast 100 Thaler, 4 Malter 10's~ Scheffel Roggen, 12 Malter 4~ Scheffel Hafer und 100 Hühuer. Kaiser Rudolf gab 18. October 1603 den Einwohnern des Dorfes ein Stück Landes, ~~~ genannt, zur Hutung für baar 500 Thaler und einen Jahreszins von 60 Thalern. Bei dem Verkauf der Schloßherrschaft 1607 wurde Altendorf auf 7168 Thaler taxirt. Im Jahre 1631 wurde die Schloßherrschaft Ratibor wieder kaiserliches Kammergut und vom Oberregent Andreas v. Miscin verwaltet. Die Unterthanen von Altendorf und Neugarten beschwerten sich bei ihm wegen übermäßigen Roboten und baten Juni 1637 dieselben auf das Maaß von 1562 wieder herabzusetzen ; die ~8~e1~ füi· welche sie wegen Armut den Zins nicht aufbringen konnten, hatten sie 1630 wieder abgetreten und baten um r,.chmalige Einräumung derselben, wofür sie jährlich 30 Thaler Zins zahlen wollten. Im Jahre 1641 lag eine halbe Compagnie Reiter in Altendorf einquartiert und wurden gerade die Kammergüter am wenigsten geschont, welche gleichzeitig wöchentlich Verpflegungsgelder an andere Orte aufbringen mußten. Bisher hatte Altendorf 1600 Thaler zu Contributionen ausgegeben. Nach dem Urbar von 1642 war auf dem herrschachlichen Vorwerke eine Schäferei mit 550 Stück Schafen. Unter --- S.54/#69 dem Schloßhauptmann Wolf Niclas Mettich wurden drei Bauerstellen durch Austausch schlechter Aecker erworben und davon ein neues Vorwerk geschaffen. Die Dominikaner hatten 1636 um dasselbe gebeten. Am 11. Februar 1642 räumte ihnen der Kaiser das Wohnhaus, Scheune und die umzäunten Gärten dieses neuen Vorwerks ein mit der Bedingung, Steuern und Zinsen, welche die ehemaligen Bauern entrichtet, zu geben. Die Sache verzog sich, weil der Schloßhauptmanu Georg Iedziny erst die Berechnung machen mußte. Die Dominikaner baten November d. I. um Einweisung in den Besitz und Herabsetzung des Zinses. Am 24. April d. I. schenkte die Bürgerin Catharina Klimaschek mit C1nwilligung ihres Ehemannes Johann dem Prior Cyprian Uterbowic ihren ererbten Garten, der am Ende von ~lltendorf lag. Es war damals Brauch, daß wenn ein Ort Liefergelder und Getreidereste nicht abführte, sich ein Commissar einlegte und die Ausstände eintrieb. Nun hatte sich aber Commissar Schröter in Altendorf, das doch keine Reste vom M'~chaelistermin hatte, hier einlogirt. Georg Graf Oppersdorff, für das Wohl seiner Unterthanen besorgt, bat 15. Februar 1645 von dem Jagdhause Hammer= Segenberg aus di~ Oberhauptmannschaft in Breslau den Executionscommissar, der bisher weder auf den Landes~ hauptmann noch auf den Kriegscommissar gehö~·t und will= kürlich am Orte geblieben war, zu entfernen und ihn ans zuhalten, die Unkosten zu ersetzen. In Folge dessen erging 21. Februar ~n den Oberstkriegscommissar Ma~nilian von Gersdorf der Befehl, den Schröter, der nicht in den Greuzen seines Auftrages verblieben, zu versetzen. Der Vicar der Dominikaner Alanus Sulik ver= pachtete Neujahr 1692 den Garten 1~1~e3, nebst einem Häuschen für 5 Thaler Zins. Das Gut Altendorf lag in der Jndiction ') mit 661'/~ Thaler. Die Herrschaft ----- ~) Seit 1527 bestand eine Schatzungssteuer. Jeder Gutsherr gab sein und seiner 11nterthanen Vermögen und Einkommen ge= wissenhaft an. Die Summe nannte man Schatzung oder An= --- S.55/#70 hatte nach den Befundtabellen vom Jahre 1725 Gärte mit 3's~ Scheffcl Aussaat ~), 350 Schafe, 28 geringe Kühe, 5 Schweine, säete zum Winter und Sommer aus je 10'/, Malter. Im Kretscham wurden ~usgcschänkt 74 Achtel (4 200 Quart) Bier, ein Eimer (4 80 Quart) Branntwein. Die 11nterthanen des Dorfes lagen in der Indiction mit 1372 Thalern, hatten 50 Gärtchen zusammen von einem Malter 9'/, Scheffel Aussaat im Herbst und Frühjahr, hielten 170 Schafe, 75 mittlere, 11 geringere Kühe, 31Zuchtschweine, säeten aus Herbst und Frühjahr je 37 Malter. Orts=Schulze war Mathes Gatzka, außerdem waren 7 Groß , 17 andere Bauern, 10 Robotgärtner, 4 Häusler. Freigüter besaßen von Zmeskal, von Burska, Türtztus, von Hoschek und Dr. Simon Michalski. Der Dechant besaß im Alten= dorfer Felde ~ Hu~~n Acker in 3 Feldern und |:ine Scheuer. Wilhelm von Angelis, Decan bei der Collegiatkirche, ver. pachtete 6. Iuli 1729 diese Grundstücke den Bürgern Johann Iäkel und Marttn Waczlawik auf 6 Jahr für 80 (nach 3 Jahren für 86) Gulden rheinisc, 2 Viertel Erbsen und 2 Schock Stroh; der Pfarrer in Altendorf erhielt von diesem Acker an Missalien je 2 Scheffel großes Maaß Roggen und Hafer. Diese zur Dechantei gehörigen Aecker, welche 38'/. Scheffel Aussaat betrugen, ka1~ mit den übrigen geistlichen Besitzungen bei der Säcularisation an die Schloßherrschach. ----- sage (i~1(1i0ti0). Wurde nun eine Steuer ausgeschrieben, so gab die 111di~ti.0 den Maaßstab an, wie viel ein Jeder 1~r0 mi11~ beizutragen hatte~ Unter Kaiser Carl ~~o beabsichtigte man~ die Sä)atzungs= steuer in eine feste Grundsteuer zu verwandeln~ Jeder mußte seme steuerbaren Realitäten genau angeben, was dann revidirt wurde. Das Fürstenthum Ratibor allein umfaßt 15 Folianten und verdanken wir die Kenntniß des damaligen Besitzstandes sowohl der Dominien als der Unterthanen dieser hochwichtigen Quelle. Die Angabe von Pferden, Ochsen und Federvieh war ausgeschlossen, weil diese in der Wi~~hschach verbraucht werden. Merkwürdig ist die geringe Anzahl von Schwarzvieh. ----- 1) Man rechnete die Flächen uicht nach Morgenzahl, sondern nach der Aussaat und betrug der große Scheffel 2 Morgen. Es wurde auch nicht das ganze Feld bestellt, sondern ein großer Theil zur Brach gelassen. --- S.56/#71 In den Freiheitskriegen fiel im 9. Husaren=Regiment Jacob Pirnitzka bei Dresden und Jacob Pielka im 1. Schle= sis,~:en Husaren=Regiment blieb bei Meaux auf dem Felde der Ehr~. Bom Jahre 1870 ab wurde der größte Theil des .~ominialgrundbesitzes in Altendorf parzellenweise verkauch. Das noch bestehende Rittergut Altendorf umfaßt nach Hcctaren gerechnet 113,88 Acker und Gärten, 1,47 Hutung, 0,92 Wald, 0,17 11nland (im Gan~n 116,44 Hectar).

Vorwerke und Freigüter in Altendorf.

Ehemals bestanden hier außer dem bereits genannten herrschaftlichen )rwerke ~nehrere andere, die jedoch allmälig von der Schloßherrschast angekauft und schließlich di~nembrirt wurden. Schon im Urbar von 1532 sind zwei derselben erwähnt. Anna, die Wittwe de~ Kanzler Wyskota v. Wodnik, hatte 2% Freihufen und Nicolaus Klema ,,Koczur" auf Sudol besaß einen Freihof von 2 Hufen. Durch Verheirathung gelangte derselbe an die Familien Reiswitz und Gaschin. Stanislaus Reiswitz ~nachte 1586 ein Leibgeding seiner Gattin Anna Tochter des zu Pawlau gestorbenen Sebastian von Stoltz auf sein bei dem Jungfrauenkloster gelegenes Freihaus, auf das Vorwerk in Altendorf und halb Sudol mit den Bauern in Studziena auch auf die Mühle in Janowitz. Das Vorwerk Pieklo (Ort hinter dem Ofen) (1im~Uti~ auch Piekelko genannt, verkauchen mit dem Frei= hause in Ratibor nebst einhalb Sudol 19. März 1682 die Geschwister Grafen Gaschin an Gotfried Bernard Schalscha von Ehrenfeld auf Silberkopf. Es gelangte [äter in den Besitz des Johann Rudolf Kolbe, der es steuerfrei genoß und 1726 dem Carl Friedrich von Rogoiski und dieser 1747 für 1000 Gulden dem Felix Graf Sobeck verkauche. Ein anderes v.Schalschasches robotfreies Vorwerk erbte Carl Josef von Wiplar von seiner Schwe|'ter und verkauche es 25. Juni 1738 für 2212 Gulden dem Carl Graf Sobeck. Das Stadnitzer Vorwerk: Feliciana von Tiessowitz geb. S· ldnitz, verkauche 1630 ein Vorwerk in Altendorf ~in Haus in der Stadt dem Landrichter Johann --- S.57/#72 von Kozlowski. Später erwarb es Johanna von Prazma geb. von Gusnar. Johann Moritz Maximilian Graf Praschma veräußerte das von der Mutter geerbte Gut mit Gebäude, Garten und einem Häu~ zu Proschowitz, Sohrau 6. Mai 1658 für 700 Thaler der Jsolde Gräfin Praschma geb. Gräfin Oppersdorff auf Rybnik und Schwirklan. Nach dem Tode des Johann Bernard Graf Praschma kaufte es 28. Juni 1688 Andreas Franz Jacobcci ~) von den Commissarien für 1000 Thaler, da keiner ~ is dem Adel mehr geben wollte, während de~~ Ratibor gehaltenen Land= ~·o~·hts 20. November b,stätiqt und in der Oppler Kanzlei ....~getragen 22. Juli 1689. 1690 erwarb es Joha~n Carl von Cebulka; 1693 für 1259 Thaler Johann Georg Ossi~~ski von Zitna. Er erhielt Wien 11. December 1693 von Kaiser Leopold einen Majestätsbrief mit dem Gute frei schalten zu dürfen und 1708 (bestätigt 17. Januar 1714) kaufte es Anna Therese geb. von Salisch, Gattin des Friedrich Wenzel von Tiessowitz für 1660 Thaler. Nach den Befund= tabellen war dies Vorwerk · ohne Schatzuug und öffentliche Abgaben. Bei demselben war ein Obstgarten von 2 und ein Säegarten von 4 Scheffeln. Obgleich der Besitzer Carl Heinrich von Larisch das Brauurbar hatte, wurde doch weder Bier noch Branntwein ausgeschänkt. Er hielt 100 Schafe, 6 Kühe, cin Schwein und betrug die Fcldaussaat je 2~/~ Malter. Ein zum Vorwerk gehöriger Dreschgärtner und ein Häusler hielten 2 Kühe und säeten je ~/~ Scheffel au~ Der Besitzer des Vorwerks hatte freie Einfuhr in den Schloß=Ratiborer Forsten. Am 25. November 1726 überließ es Carl Heinrich von Larisch dem Schloßbesitzer Carl Heinrich Graf Sobeck für 1840 Thaler resp. 2300 Gulden. Die Bestätigung erfolgte erst 9. October 1747, nachdem die Steuerreste vollständig entrichtct waren. Da~ Kechendorf'sche Vorwerk. Paul Kiczka von Plußnitz verkaufte 1611 für 1400 Thaler den Freihof zwischen Hansel Kowarz und dem Hofe des Bürger Valentin ----- 1) Di~ ~Ia~.oveci war 1682 in Zyrawa, --- S.58/#73 Fukaz dcm Balzar Kechendorf von Jendrzejkowitz. Letzterer lieh 24. Februar 1632 vom Dominikaner=Convent 125 Thlr. und zahlte 7's~ Thaler Jnteresscn. Balthasar war noch 1636 Besitzer. Aber auch Paul Kiczka wird bis 1631 auf einem Freihofe zu Altendorf erwähnt. October 1630 kauche er a11f Kreuz=Propsteigrund in Altendorf von Bartholomäus Ludwig Reiswi+~ von Kandrzin auf Schammerwitz eine Freihufe Acker ff1r 200 Thaler, wofür er dem Stift 2 Thaler jährlich Grundz~11s zu zahlen hatte. 1659 besaß es Dorothea von Holy geb. von Schipp. 1828 ist Obst als Pächter des Kechend|~rfschen Vorwerks im K1rchenbuch genannt. Das Kornitzer Vorwerk, von welchem der Kirche in Altendorf jährlich ein Pfund Wachs und dem dortigen Hospital ein halbes Kalb zu entrichten war, gehörte 1725 dem Gotlieb Freiherrn von Trach; er konnte auf 5 Felder jährlich 4 Malter 2 Scheffel aussäen; die zwei Freien ~ ~hes Murdin in Branek ein Scheffel, Blazek Polok in Neugarten 3 Schcffel; beide schänkten jährlich je ~/~ Eimer Branntwein aus und hielten je 2 Stück Kühe. Die Gattin Helene Freiin von Trach geb. Gräfin ~beck verkaufte es 17ten October 1745 ihrem Bruder dem Schloßbesitzer Feli~ für 2700 Gulden. Das Twardawasche Vorwerk. Der Amtsassessor Franz von Twardawa starb 11. Jul~ 1711. Leg1pold von Twardawa verehelichte sich 22. September 1733 mit Anna Barbara Lyk. Das von Holy'sche Höfel war 1740 im Besitz des Karl von Holy. Franz Josef von Hoschek, Justizrath des Ratiborer Kreises, besaß gleichfalls ein freies Vorwerk. Nach dem Tode der ersten Gattin von Eiselberg, mit der er vier Kinder crzeu.~ Carl, Ferdinand, Iosefa, Franziska, verkaufte er das Gut 29. Mai 1757 der Schloßherrschaft, weil er inzwischen ~ ubowitz erworben. --- S.59/#74 Dic Besitzer sämmtlicher Vorwerke lebten vor Mitte des 18. ~~hrhunderts meist in dürftigen Berhältnissen und konnten auf den kleinen Gütern nicht fortkommen. Es war daher ein schöner Zug des Herzens, daß Maxi~iliana von Fragstein, welche im Jungfrauenkloster als Pe11sionärin lebte, im Testamente am 6. Februar 1751 außer mehreren Meßfundationen auch die ,,arme Adelschaft ~a Altendorf bedacht, und Eva von Fragstein, Franziska von Burzinska, Maria von Rogoiska, Fräulein Dorothea 1md Mariane von Twardawa t ·1t Legaten erfreute. Das Dorf hatte 1784 bei 299 Einwohnern 33 Bauern, 16 Gärtner, 15 Häusler, 1819: 30 Bauern, 15 Gärtner, '70 Häusler, 706 Seelen; 1844: in 196 Häusern 1767 Einwohner, darunter 40 evangelische, 28 jüdische; 1855 schon 2175 Einwohner, darunter 32 evangelische, 45 jüdische, 1861 in Summa 2622; 1883 in 275 Hausern 3260 Einwohner, welche 121 Pferde, 343 Stück R~~~ 167 Stück Schwarzvieh, 52 Ziegen, 34 Bienenstöcke halten. "

Brunek

auch Brunken, Bronken, Branek ehemals genannt, ist die bis an die Psinnabrücke reichende Vorstadt; das Wort ist abzuleiten von branka das Pförtchen, nämlich das kleine Thor vor dem nordwestlichen Eingange in die Stadt. So ist nördlich von Grätz das Gebirgsdorf Branka ein Andenken an die Heerstraße, welche dort das kleine Thor bewehrte, um an die Opa zu gelangen. Im böhmischen Gebirge giebt es mehrere Grenzorte gleicher Abstammung. Ursprünglich hieß der Ort, durch welchen die nach Cosel führende Landstraße ging, die breite Gasse. Am 24. Juni 1331 bekundeten die Rathmänner und Schöffen zu Ratibor, daß der reiche Theodor Schuster einen Garten in der breiten Straße dem Jungfrauenstifte als Mitgabe seiner Tochter Christine geschenkt. In dem Testamente der Prinzessin Eufemia 8. December 1358 wird ein Zins von ein Schock Groschen aus den Häusern auf der breiten Gasse und am Walle genannt, welcher später dem Kloster zufiel. --- S.60/#75 Der Ort bestand aus 3 Antheilen, von denen einer der Stadt, der andere (Jungfernhof) dem Jungfrauenkloster und der dritte zur Schloßherrschaft gehörte. Auf den ersten Antheil scheint sich der Erbzins von 7 Thalern 2 Groschen 4 Heller zu beziehen, den die städtische Kämmerei 1587 aus Altendorf bezog. Der Klosterhof lag in der Indiction mit 1992 Thalern. Drei Gärten, einschließlich des Rechendorffschen, waren auf 8 Scheffel Aussaat berechnet, die zum Vorwerk gehörigen Dreschgärtner hatten zusammen 14 Gärten mit 8 1/2 Scheffel. Außer dem Vorwerk standen auf dem Klostergrunde 14 Häuschen, Scheunen, Wohnungen der Beamten. 10 Häusler hatten das Recht, Branntwein zu brennen und auszuschänken, die Consumption betrug 48 Eimer. Die Häusler hatten 7 Kühe. Im Kretscham wurden 156 Achtel Bier ausgeschänkt. Die Schäferei war in Ottitz und standen dort 300 Stück Schafe, 20 Kühe, 5 Schweine. Zur Ackerbestellung wurden auf dem Vorwerk auch Pferde gehalten. Die Aussaat betrug im Herbst und Frühling je 12 2/3 Malter. Eine Mühle mit einem Rade vom Rudniker Wasser gespeist, stand an der Grenze zwischen Rudnik und Niedane und zinste 10 Thaler. Zwei Mühlen lieferten an Metzgetreide 72 Scheffel und baar 22 Thaler. Der Niedaner Müller und 14 Häusler hielten 20 Kühe, ein Schwein; er und zwei Häusler säeten je 1 1/2 Scheffel aus. Später durfte das Kloster dort nur zum Hausgebrauch, für die Beamten und das Gesinde brauen. Am 10. December 1746 erhielten sie ein Verbot, Bier vereinzelt auszuschänken. Noch heut besteht daselbst eine Brauerei, welche Füllbier nach der Säcularisation und Einführung der Gewerbefreiheit erwarb und seit 1866 Gustav Kaul besitzt. Im dritten Antheile hatte die Herrschaft keine steuerbaren Realitäten. Die Indiction der Unterthanen betrug 15 Thlr. Sie hielten im Jahre 1725 15 Kühe, 3 Schweine. Der Kretschmer Johann Störtz hielt nur eine Kuh. Scholz war Mathes Gornik. Außer dem Vorwerke des Klosters befanden sich in Brunken noch einige: --- S.61/#76 Das BRAUCHWITZ'sche Vorwerk, ein Rittersitz seit 1526, ehemals Krumpitzhof genannt, vom Klosteramtmann Nicolaus Brauchwitz 1573 erworben. Die Indiction des Brauchwitz'schen Hofes betrug 200 Thaler. Die Erben Susanna Jurgowitz geb. Czamor und ihr Sohn Peter Ferdinand verkauften 26. Juli 1661 eine halbe Hufe Acker in drei Feldern und eine Naplatkehufe für 140 Thaler dem Rathsherrn Paul Foltek 1). Von ihm erwarb das Gut Christian Marcian Burzinski v. Burzin. Es waren daselbst auch 3 Gärten, auf 7 Scheffel Aussaat berechnet und wurden 6 Kühe und ein Schwein gehalten; die zum Vorwerk gehörigen drei Häusler hielten 3 geringe Kühe. Das Areal betrug nach der Winter- und Sommeraussaat je 2 Malter 9 Scheffel. Wegen Armuth vermiethete der Besitzer das Feld und bezog nur die dritte Garbe. Er starb im Alter von 64 Jahren am 29. April 1724. Die Wittwe Maria Veronica von Burzinski verkaufte das Vorwerk 16. November 1726 für 1000 Thaler an Carl Heinrich Graf Sobeck auf Schloß Ratibor. Das Rittergut Klaiowitz, dessen Gasthof den Namen Krebs (rak) führte. Donat Claj war mit einer Judith vermählt und besaß in der großen Vorstadt ein freies rittermäßiges Vorwerk mit Acker, Haus, Hofgebäuden und Kretscham. Kaiser Matthias hatte 1611 und später Königin Ludovica Privilegien ertheilt. Im Jahre 1724 hatte es Wittwe Agnes Candida Claj. Außer zwei Gärten von 2 1/4 Scheffel Aussaat betrug das Feld zur Winter- und Sommeraussaat je 20 1/2 Scheffel und wurden 4 Kühe ein Schwein gehalten. Ausgeschänkt wurden jährlich ein Achtel Bier zwei Eimer Branntwein. Franz Zmeskal von Domanowitz, verehelicht mit Josefa von Kloch, verkaufte 25. September 1761 dem Neffen Johann Anton Tluk von Toschowitz und dessen Gattin Maria Josefa geb. Brix von Montzel für 2600 Thaler das Clajsche Vorwerk. Am 19. Mai 1767 erwarb --- 1) Landbücher 454 --- S.62/#77 es Gotlieb Gusnar von Komorno für 5700 Gulden und 10 Ducaten Schlüsselgeld. Er starb 20. September 1787. Dessen Erben veräußerten es für 11,500 Floren dem Carl Jaroschek aus Beuthen. Bei der Uebergabe wurden die alten Privilegien und Käufe, auch die evincirte Urbar- und Schankgerechtigkeit beweisenden oberamtlichen Sentenzen dem Käufer überreicht. Nach dem Tode des Jaroschek erstand das Vorwerk in der Subhastation 10. Juli 1811 für 6100 Thaler Realmünze und 1000 Thaler Pfandbriefe Franz Kranzfeldner und starb 11. April 1829. In der bald darauf folgenden Subhastation erwarb das Gut Jacob Hausmann aus Brunek für 5970 Thaler und veräußerte es für 7750 Thaler am 9. Mai 1833 an Johann Gotlieb Ender. Letzterer überließ es 21. Januar 1846 für 7600 Thaler dem Sohne Eduard, worauf es dismembrirt wurde. Die katholischen Bewohner Brunkens wurden 1860 zur Stadt eingepfarrt.

Das Franciskanerkloster.

Kaiser Leopold hatte 17. April 1686 den Franciskanern der böhmischen Provinz gestattet, sich in Ratibor niederzulassen. Sie erkauften am 24. August d. J. zur Erbauung des Klosters und der Kirche einen Garten in der Großen Vorstadt für 1000 Thaler und hatte der Ordensprovinzial Bernard Sannig zum Ankauf des Platzes 971 Gulden geschenkt. Der Grundstein zum Kloster wurde 1. Mai 1689 durch den Abt Josef Franz Herink aus Rauden gelegt und das Gebäude 1692 vollendet. Inzwischen war eine hölzerne Kapelle errichtet worden. Zur Kirche legte den Grundstein am 6. October 1697 Abt Bernhard Lorenz Czernek und Weihbischof Johann Jacob Brunetti consecrirte das Hochaltar 24. Juli 1699. Im Jahre 1788 legte das Kloster ein Brauhaus an. Nach Aufhebung der geistlichen Stifte wohnte die Säcularisationscommission im Kloster. Das Gebäude diente 1813 als Lazareth, dann als Magazin, von 1819-1823 --- S.63/#78 als Gymnasium; später wieder als Lazareth, endlich wurde das Zeughaus eingerichtet und die herrliche 1707 consecrirte Kirche abgetragen. Den Klostergarten von 3 Morgen 160 Quadrat-Ruthen erkaufte die Commune Ratibor 23. November 1844 für 1125 Thaler vom Fiscus und verlegte dahin den Viehmarkt.

Die Psinnamühle

Am 14. Februar 1317 schenkte Herzog Lestko eine Mühle mit 3 Gängen bei der St. Nicolaikirche dem Kreuzherrnstifte in Ratibor und befreite sie von allen Abgaben; nur sollten sie dem Altendorfer Pfarrer 3 Mark jährlich weiter entrichten. Später tauschte die Schlossherrschaft diese Mühle gegen Naturalabgaben ein. Nach dem Urabr von 1532 und 1567 hatte die Psinnamühle 5 Gänge, das 6. war ein Stampfrad. Der Müller hatte den dritten Theil der Nutzung und gewann die Herrschaft jährlich 13 Malter Getreide. Außerdem mußte er 10 Stück Schwarzvieh in Mast nehmen und 4 Kapauner als Zins entrcihten. Die Müllerin Sofie verkaufte 1573 dem Nicolaus Brauchicz, Amtmann des Nonnenklosters, das Vorwerk Krumpitzhof hinter der Psinnamühle, worauf ein Freibrief von Herzog Hans von Oppeln 1526 gegeben war. Das Jungfrauenkloster hatte 1581 im Jungfrauenhofe vor der Stadt zu seinem und der Vorwerke Bedarf mit kaiserlicher Erlaubniß ein Mühlchen errichtet, das die Psinnamühle an Wasserzufuhr zu beeinträchtigen schien. Es wurde daher schon 1606 ein Vertrag geschlossen, das Mühlchen abzubrechen und dafür das 6. Rad der neuerbauten Psinnamühle zu benutzen, was aber erst 1639 zur Ausführung kam. Im Urbar von 1607 ist die Psinnamühle auf 2977 Thaler taxirt. Am 24. Juli 1688 verpfändete sie Franz Eusebius Graf Oppersdorff für 500 Thaler. Später ward sie verkauft. Da aber die Besitzer die Kaufgelder und Zinsen schuldig blieben, wurde die Mühle sequestriert und dann subhastirt. Am 24. April 1704 erwarb sie Mathes Schlesiger --- S.64/#79 nebst dem dritten Theil der Nutzungen, dem Gärtchen, dem bei der Oder liegenden halben Stück Acker "Pasieka" von 1 1/2 Scheffel Aussaat und einer Wiese unter dem Eichwäldchen Botzinietz für 1200 Thaler in Ratenzahlungen. Die Mühlsteine konnte er aus dem Steinbruch in Radoschau holen, von wo das Dominium über 15 Stück jährlich zu disponiren hatte. Nach den Befundtabellen von 1725 gehörte das sechste Rad noch den geistlichen Jungfrauen, und wurde mit demselben das Mehl für das Kloster, die Stiftsbeamten, das Vorwerksgesinde, ferner Malz und Gemenge zur Mast gemahlen. Der Psinnamüller Thomas Lauster schloß sich am 2. Januar 1790 der städtischen Bäckerinnung an. Die auf 6 Gängen betriebene in der Vorstadt Nr. 23 gelegene Mühle erkaufte Neujahr 1843 Josef Doms von dem Vorbesitzer Josef Przyszkowski, Vater unseres bestrenommirten Wein-Großhändlers Felix Przyszkowski in Ratibor, dessen Ungar-Weine aus ganz Deutschland begehrt werden. Doms construirte die Mühle im nächsten Jahre nach amerikanischen Principien auf Bereitung von Dauermehl und setzte sie November in Betrieb." 72 REISWITZ/Teschen 77-79 THOMICZEK und SOBECK "Johann THOMICZEK, geboren 1736, ordinirt 1759, 1764 bis 1765 Kaplan in Guttentag, 1767 Kaplan in Hammer, 23. Februar 1776 vom Weihbischof Moritz von Strachwitz empfohlen, 18. März vom Minister v. Hoym nominirt, wurde 1. Mai 1776 Pfarrer in Altendorf, hielt 11. Juni die erste Taufe; 1786 wurde der Glockenthurm im Barokstyl neuerbaut. Carl von Manowski fundirte 500 Gulden auf Fürbitte und Geläut an Donnerstagen und Freitagen. Für die Gruftstelle der Engelberta v. Por,ebska 12. December 1794 wurden 8 Thaler gezahlt. Das Proventenbuch enthält über Häuser, welche der hiesigen Kirche einen Zins entrichteten, weil sie auf geistlichem Grunde standen, Folgendes: v. Burzinski giebt von dem hinter dem Garten des Psinnamüllers bei dem Bauer Baron gelegenen Hause 2 1/2 Thaler schlesisch; Anna Huptaska von dem hinter dem Pfarrgarten gelegenen Hause, in welchem einst der Kaplan gewohnt, 2 Thaler; Helene Kostka von dem an der größeren Kirchhofspforte zur rechten Hand gelegenen Hause 2 Thaler. Diese Häuschen sind nicht kirchliches Eigenthum, sondern wurden mit bischöflicher Genehmigung verkauft und stehen auf Kirchengrund. Die Erwerbung fand also statt: v. Burzinski kaufte 25. März 1730 und behielt sich Carl Heinrich Graf Sobek die Jurisdiktion vor: Jacob Hupta kaufte 1. Mai 1734 vom Pfarrer Klentzka und verkaufte Simon Huptas 26. August 1787 dies Haus dem Simon Malina; beide Käufe wurden vom bischöflichen Commissar bestätigt. Der Kauf des dritten Hauses am 5. Februar 1766 von Anna Kostka an Johann Foltin wurde vom Erzpriester Petricius bestätigt, der letzte Erwerb durch Franz Kieba 13. Februar 1788 ist blos mit Zuziehung des Pfarrers Thomiczek abgeschlossen worden. Der Pfarrer starb 11. März 1795 und hatte 24. August auf heilige Messen 200 Thaler fundirt. Unter ihm fungirten als Kapläne: Franz MATUSSCZYK (MATUSCHEK) Kaplan in Tworkau 1774, dann in Altendorf von December 1776 bis Februar 1779; Pfarrer in Wieschowa, November 1805 Administrator --- S.78 in Schmitsch, starb 10. Januar 1816 zu Marklowitz plötzlich am Schlage. Franz URBANI hier November 1780 bis Mai 1784. Georg RONNERT, geboren Slawikau, erhielt 17. December 1785 die /minores/, das Subdiaconat 18. April 1786 auf den Tischtitel der Josefa Gräfin Oppersdorff für Stiebendorf, ordinirt 23. September 1786, dann 1787 hier angestellt bis Juli 1788, kam Juli 1788 nach Grzendzin, später nach Lubowitz, 1793 Kaplan in Kostenthal, 1802 Fundatist in Stanisch, von wo er alterschwach Juni 1806 abging, inzwischen 1805 Administrator in Lubom, Juli d. J. Administrator in Altzülz. Bartholomäus KRUCZEK, geboren Ostrog, studirte in Rauden von 1776 ab, erhielt 10. Juni 1786 die niederen Weihen, auf den Tischtitel des Jungfrauenklosters über Gaschowitz am 22. September 1787 das Subdiaconat, nachdem er, erst 22 Jahre alt, am 30. April ins Alumnat getreten war, 16. Februar des nächsten Jahres die Priesterweihe, taufte als Neopresbyter am April und fungirte hier als Kaplan weiter vom 18. August bis Februar 1790, ging dann nach Guttentag, war von Februar bis 8. October 1791 Kaplan in Kostenthal, 1794 in Deutsch-Mülmen, 1800 Pfarrer in Autischkau, von wo er 14. Juni 1813 als Commendar nach Woinowitz versetzt, am 21. Mai 1829 starb. Carl DRONKE, geboren 29. October 1766 in Slawentzitz, Sohn eines Garnbleichers, erhielt 7. März 1789 die niederen Weihen, am 6. Juni das Subdiaconat auf den Tischtitel des Fürst Hohenlohe-Ingelfingen für alle Güter, die Ordination am 19. December d. J. mit Dispense von 10 Monaten 13 Tagen, wurde 1. Februar 1790 als Kaplan hier angestellt und blieb bis 21. September 1796, administrierte inzwischen 1794 die Pfarrei, wurde October 1796 Vicar in Ratibor, vom 19. Juli 1801 bis April 1802 nochmals Administrator in Altendorf, wurde Hofkaplan und Ceremoniar bei dem Weihbischof v. Schimonski, kehrte aber nach Jahresfrist zu seinem Benefiz in Ratibor zurück, war 1806-1811 Sacellan in Ostrog, wurde am --- S.79 15. October 1811 als Pfarrer von Tost investirt und starb dort als emeritirter Erzpriester, Schulen-Inspector, Jubilar und Senior der Diöcese 22. Mai 1855. Um die erledigte Pfarrei Altendorf, die als bedeutend galt, obgleich sie keine Widmuth, sondern nur etwas Fundationsacker hat, bewarben sich der dortige Kaplan Carl Dronke, der Erzpriester Seypold aus Polnisch-Krawarn, der Pfarrer Anton Jauernik aus Slawikau, der Fundatist Johann Frentzel in Hammer, der Vicar Johann Zolondek in Ratibor, der Kaplan Johann Wodarz in Cosel vom Commandant Generalmajor von Otto empfohlen, der Kaplan Georg Ronnert zu Kostenthal und Kaplan Bartholomäus Kruczek in Deutsch-Mülmen. Frenzel motivirte seine Bitte mit der bisher üblichen Praxis, daß bei Vacanz einer Pfarrstelle unter dem Patronat der Ratiborer Schloßherrschaft der Lokalkaplan von Hammer stets berücksichtigt worden. Sogar der Pfarrer von Branitz, Johann Hornig, der vor 1782 aus dem Cistercienserorden in Rauden ausgetreten, bat den Minister um Verleihung der hiesigen Pfründe. Aber keiner der genannten Bewerber erhielt das Benefiz, sondern der Minister von Schlesien Georg Carl Heinrich Graf von Hoym meldete 24. April 1795 der Breslauer Kammer, daß er diese beträchtliche Pfarrei, die einen geschickten und sehr gut gesinnten Geistlichen benöthige, dem Weirich verliehen." 83 Altendorf, Kapläne unter Pfarrer Anton Wilhelm JAUERNIK "Valentin WISKONI, geboren Sudol 1789, Präparand in Rauden, ordinirt 6. Januar 1813, hier Februar 1814 bis 7. Mai 1819, dann Kaplan in Lohnau, September Administrator in Pawlowitz, wurde 1820 Pfarrer in Rudnik und starb 19. März 1866." 88 Altendorf, Seelsorger "Im Jahre 1860 wurden Brunken und Neugarten von dem Pfarrbezirk Altendorf abgezweigt und der Stadtparochie einverleibt. Da der innere Raum der auf dem Felde stehenden Matka Bo.za Kirche so beschränkt ist, daß Hunderte von Menschen außerhalb ihre Andacht verrichten und der Geistliche kaum im Stande ist, in der Sacristei die Amtskleidung zu wechseln, so haben die Jacob und Franciska Gurkschen Eheleute zu Studzienna gegen eine Rente von 120 Thalern und Wohnung im Gebäude 5ten Februar 1874 der Matka Bo.za Kirche 2400 Thaler zum Aufbau eines Hauses behufs Aufnahme der Geistlichen an den Ablaßfesten geschenkt." 90 "Das Hospital zu Altendorf lag am großen Thore und scheint eine Stiftung der Gutsherren von Kornitz zu sein. Nikolaus Brawa´nski von Chobrzan auf Pawlau vermachte testamentarisch 7. April 1659 dem Hospitale in Altendorf 20 Thaler 1). Nach dem Visitationsberichte von 1679 waren in dem von Holz gebauten Spitale 6 Weiber; Sorge für dieselben trug Anna Helena Baronin Reiswitz, geb. von Moczelnitz, auf Bojanow, protestantische Wittwe nach dem 23. Januar 1657 verstorbenen Heinrich Freiherrn von Reiswitz auf Kornitz. Die Hospitaliten, worunter auch Männer, werden bis in den Anfang des 19. Jahrhunderts sehr oft als Taufzeugen genannt, zuletzt 12. Mai 1805. Nachdem die Herrschaft Kornitz zergliedert worden, nahm auch das Hospital bald darauf ein Ende und ist das Andenken an dasselbe unter den Zeitgenossen längst geschwunden. Später wurden Hospitaliten aus der Stadt sehr oft gewählt in der Meinung, wenn Pathen Arme sind, so werden die Kinder reich und leben lange." ------- 1) Grundacten Pawlau v. I. Nr. IV. 115-116 Studzienna, 2. Teil (drei Bauerstellen), nach 1565: "Nicolaus Wraninski verkaufte seinen Antheil dem Sigismund Reiswitz auf Kornitz, in welcher Familie das Gut verblieb, bis 16. Juli 1704 Ursula Marianne Freiin von Bayer geb. Freiin v. Reiswitz es für 2700 Thaler schlesisch der Commune Ratibor verkaufte. Letztere hatte bereits den größeren Antheil des Dorfes erworben ... Studzienna, 3. Teil (fürstlicher Antheil): "Johann Klema (Koczur) von Elgot wurde von seinem Bruder Nicolaus beerbt. Kaiser Ferdinand bestätigte ihm 13. Mai 1549 nicht nur den Pfandbesitz, sondern dehnte ihn auch auf zwei Töchter desselben aus, von denen eine Namens Anna in zweiter Ehe mit Sigismund Reiswitz von Kandrzin, eine andere Namens Magdalena mit Nicolaus Gaschinski von Gaschin auf Wrchles vermählt war. Als Nicolaus von Klema auf Katscher 1557 gestorben war, machte Ferdinand 12. November der Stadt auf Ihre Bitte bereits das Versprechen, dies Pfandgut ihr nach dem --- S.116 Abgange der beiden Töchter gegen 500 ungarische Goldgulden zu überlassen, damit sie sich von dem durch Feuersbrunst erlittenen Schaden erhole; aber sie mußte 26 Jahre auf die Erfüllung der Hoffnung warten, denn die letzte der Töchter Anna starb als betagte Witwe erst 1583 und auch da fanden sich noch Hindernisse. Der Schloßhauptmann Samuel Lessota von Steblau und der Oberstzollbeamte von Schlesien und der Lausitz Wenzel Eckher von Eckhofen sollten im August das Gut dem Magistrat übergeben und wurden die Erben der Wittwe: Stanislav von Reiswitz auf Kornitz, Hans von Reiswitz auf Silberkopf und Nicolaus Gaschinski von Gaschin auf Katscher aufgefordert dabei zu erscheinen. Aber Nicolaus war zum Reichstage nach Wielun verreist und wurde auf dem Wege nach Wrchles vor einem Kretscham durch den Polen Bienicki 20. September erschossen. Seine Söhne Hans und Melcher, sowie auch die Gebrüder Reiswitz weigerten sich, bei den Terminen zu erscheinen und wollten den Besitz, den ihre Ahnen mütterlicher Seits so lange innegehabt, nicht abtreten, da die halbjährige Kündigung nicht vorangegangen. Erst 16. Juli 1584 trat die Stadt in den Besitz, nachdem ihr der Kaiser 12. November 1575 und 17. April 1583 den Antheil gegen Erlegung der 500 Goldgulden als Pfand auf 10 Jahre in Aussicht gestellt." 129-130 Colonie Ottitz "Das schon 1294 genannte, westlich von Altendorf gelegene Dorf, hat vier Antheile, von denen drei nach Janowitz und einer nach Altendorf eingepfarrt sind. Der Hauptantheil wurde 1629 vom Besitzer des Schlosses Ratibor an Stanislaus Reiswitz von Kandrzin auf Kornitz verkauft und gelangte in neuerer Zeit an Dr. Kuh, nach dessen Tode an den königlichen Lieutenant Wuthe. In Ober-Ottitz wurde 1829 eine Schule für den Ort Schardzin, Mittel- und Nieder-Ottitz errichtet; Neu-ottitz, 1/8 Meile südlich von dem vorgenannten, ist ein Vorwerk; Mittel-Ottitz, 1/8 Meile von dem ersteren abgelegen, ist ein dem Herzog von Ratibor gehöriges Vorwerk und --- S.130 Nieder-Ottitz ist eine Colonie desselben Herzogs. Letztre beiden "Schloß Ottitz" genannt, wurden 1861 mit dem Communalverbande von Altendorf vereinigt. Der Grundbesitz dieses Pertinenzgutes beträgt an Hectaren 117,24 Acker, 0,93 Wiesen. Pächter ist Carl Heinrich Hans v. Zawadzki, Hauptmann a.D. 1861 betrug die Zahl der Einwohner 63; 1883 schon 74." 131 Pawlau "Johann Stoltz nahm 1626 und 1629 Gelder gegen Schuldverschreibungen auf; unter anderen lieh er auch von Anna von Fragstein geb. von Stoltz, die auf dem Freihofe zu Pawlau angesessen war, eine Summe; eine größere hatte Jenem Nicolaus Brawanski von Chobrzan auf Zyttna vorgestreckt. Zur Befriedigung der Gläubiger nach dem Tode des Johann und Georg von Stoltz ordnete der Landeshauptmann den Verkauf des Gutes an und erwarb dasselbe August 1632 von Brawanski für 7200 Thaler, von welcher Summe die Waisen nach der verstorbenen Wittwe Dorothea von Stoltz einen Theil erhielten. Der Schloßbesitzer Freiherr von Mettich hätte gern Pawlau erworben und hatte dem Besitzer 20 mille vergeblich geboten." 133 Pawlau "Maria Magdalena von Salisch, im Jungfrauenkloster sich ausbildend, wurde in der Collegiatstiftskirche 28. Juli 1734 mit dem Wittwer Carl Wilhelm von Eicke copuliert und waren ihr Bruder Heinrich auf Pawlau und Baron Reiswitz junior auf Schammerwitz Trauzeugen." 135-136 Pawlau "Thecla, Tochter des Karl von Harassowski, geboren 1768, hatte sich 18. Februar 1784 mit dem Hof- und Justizrath Adam Bernard Kuska auf Chudow und nach dessen am 12. Januar 1798 erfolgten Tode mit Lieutnant Anton von Fragstein vermählt. Letzterer kaufte 1807 das --- S.136 Rittergut Pawlau von Ernst von Sack für 35,000 Thaler und verkaufte es 8. September 1809 an die Gattin. Dieselbe setzte in ihrem Testamente October 1810 ihre aus erster Ehe am 5. Januar 1791 geborene Tochter Amalie, die bereits mit dem Hauptmann Johann von Fragstein zu Rawitsch verehelicht war, für 41,000 Thaler als Erbin ein und sollte der Gatte das Gut bis zu deren Majorennität verwalten. Derselbe war Lieutenant bei der Ungarischen Infanterie und am 2. October d. J. mit Amalie in Pawlau copulirt worden. 28 Tage später starb deren Mutter Thecla. Dominialpächter wurde Johann von Skrzissowski. Amalie leistete 28. Februar 1817 aus Rawitsch des Vasalleneid durch einen Bevollmächtigten." 138 Pawlau, Kirche "Die Gattin des Naturalbesitzers des Gutes Lieutenant Anton von Fragstein (Civilbesitzer war von Sack), Thecla Caroline geb. von Harrassowska, welche 30. October 1810 im Alter von 41 Jahren gestorben, hatte testamentarisch 100 Gulden, die auf dem Gute haften, zu einer Messe und Fürbitte am Sterbetage fundirt." 146

Parochie Benkowitz.

Benkowitz,

9 Kilometer südlich von Ratibor an der Zinna gelegen, von welcher ein Arm, Psinna genannt, schon im 13. Jahrhundert abgeleitet worden, der über Studzienna fließt und sich hinter Ratibor in die Oder ergießt, während die Zinna noch auf Benkowitzer Grund in den Fluß mündet. Der Ortsname stammt vom mährischen Personennamen Benco (dreisilbig Biënko ausgesprochen) = Benedict und wurde erst kurz vor Ende des 17. Jahrhunderts von Deutschen in B nkowitz zusammengezogen. Unter den Zeugen einer in Ratibor am 4. April 1283 ausgestellten Urkunde des Klosters Rauden wird an letzter Stelle der Zeugen Graf Jenscho (Jescho) von Benkowitz genannt. In einer späteren Urkunde treten Söhne und Verwandte des Jescho, nämlich Zygota und Georg, Arnold und Benco, sämmtlich als Erbherren des Dorfes auf. Am 11. Juni 1313 nämlich verkaufte Zygota dem Swoysko von Zauditz sein väterliches Erbtheil: den dritten Theil des Dominiums im Dorfe und auf den Feldern, Wiesen, in Wäldern und Teichen mit Ausnahme der großen Wiese, die dem Herzoge verpflichtet ist und derjenigen Aecker, die den Unterthanen gehören. Das Kloster der Dominikanerinnen zu Ratibor, welches zur besseren Dotation mehrere Güter in der Umgegend erwarb, gelangte durch Schenkung und Kauf auch in den Besitz von Benkowitz. Zunächst verkaufte Peter, Erbherr dieses Dorfes, herzoglicher Kaplan, Canonicus des Collegiatstiftes auf dem Schloß und Pfarrer von Rybnik mit Einwilligung seiner Verwandten Benko, Nicolaus genannt Tursecz und Herbord genannt Coberna, seiner Nichte Veronika im Jungfrauenstifte 29. September 1334 eine Hufe und Bischof Nanker verlieh am selben Tage bei der Consecration der Ratiborer Stiftskirche die Feldzehnten von Benkowitz und von drei andern Dörfern dem Kloster. Damals scheint --- S.147/#162 der Ort auch Berendorf genannt worden zu sein, denn der Canonicus nennt sich also auf dem Siegel, bemerkt aber zugleich, daß dies Dorf gewöhnlich Benkowitz heiße. Am 2. Februar 1343 verkaufte Herzog Nicolaus demselben Stift sein Oberrecht und 20 1/2 Zinshufen in Benkowitz für 200 Mark Groschen. Den letzten Antheil erwarben die Nonnen 8 Jahre später von den Gebrüdern Benco, Turez und Cobern. Am 25. Juli 1540 veräußerte das Stift seinem Kretschmer Stanislav Baron zu Benkowitz eine hinter der Zinnabrücke gelegene Wiese,Okrulica(Rundebene) genannt, für einen jährlichen Zins von 1 Gulden und 5 Hammeln. Herzog Johann der Jüngere befreite 1479 dem arbeitssamen Manne Jan Chrzon seinen Acker zu Benkowitz, über welchen er ein Document von dem Kloster hatte, von allen herzoglichen Diensten, von den zwei Vierteln Hafer, die er von dem Acker gezinst und von anderen Abgaben. Derselbe Herzog schenkte 18. Februar 1493 kurz vor dem Tode zu seinem Seelenheile unter anderen Stiftungen all sein Recht an Benkowitz, Zawade und Elgot, so daß die Einwohner dieser Dörfer frei sein sollen von allen fürstlichen Abgaben, die nunmehr dem Kloster zu leisten waren. 1498 war Stanislaus von Benkowitz Canonicus in Ratibor. Im Jahre 1541 wurde ein Vergleich zwischen den Dominien Benkowitz und Tworkau geschlossen, zufolge dessen letzteres durch des Ersteren Grund das Wasser in seinen Teich für einen Jahreszins von 6 Thaler leiten konnte. Die Priorin Anna Filusowna und der Convent verkauften 23. Februar 1556 einen Garten in Benkowitz für 30 Gulden. Jacob Zurski, Prior der Dominikaner, erwarb 1603 den Garbenzehnt von Bojanow und Benkowitz von der Schloßherrschaft Ratibor, die damals mehrere Kammergüter veräußerte. --- S.148/#163 Nach den Bekenntniß- und Befundtabellen vom Jahre 1723 bis 1725 lag das Gut in der Indiction mit 1289 Thalern. Die Herrschaft hatte zwei Gärtchen von einem Scheffel Aussaat; säete auf dem Felde je 7 1/6 Malter zur Winterung und Sommerung aus, bezog von den zwei Mühlen 144 Scheffel; das Brauurbar belief sich auf 291 Achtel Bier, 26 Eimer Branntwein. Der Wald enthielt an hartem Holz 3 1/2 Stallung und wurde die Klafter unter einem Floren verkauft. Auf dem Vorwerk standen 31 Kühe, 4 Schweine. Da das Dominium wenig Acker besaß, ein namhafter Theil der Ueberschwemmung ausgesetzt war, der Acker in vielen Theilen bestand, weder Viehtrieb noch Weide existirte, konnten Schafe nicht gehalten werden. Die Indiction der Unterthanen betrug 2000 Thaler. Richter war Paul Galda; engesessen waren 48 Bauern, 6 Gärtner, 69 Häusler; sie hielten 425 Schafe, 158 mittlere 77 geringere Kühe, 52 Schweine, hatten 126 Gärtchen von 2 1/2 Malter und säeten 68 2/3 Malter aus. 1735 standen die Bauern in Bezug ihrer Dienste mit der Herrschaft im Proceß. Nach einer Specification von 1769 bezog das Jungfrauenstift aus Benkowitz an Grundzinsen in Geld 312 Thaler 13 Silbergroschen 1 Heller, 180 Stück Hühner, im damaligen Werth von 12 Thalern, 15 Schock Eier, im Werth von 3 Thalern, 62 Stück 6 Haspel Gespinnst, im Werth von 12 Thalern 15 Silbergroschen, vom Vorwerk Pacht 724 Thaler 25 Silbergroschen 6 Pfennige. 1776 war der ehemalige Pächter von Gaschowitz Carl von Schweinichen Pächter des hiesigen Vorwerks; dessen Familienwappen: in Roth ein springender silberner Eber mit hervorstehendem Zahn ziert noch die Patronatsbank. Im Jahre 1788 oder bald darauf wurden die Waldungen durch den Feldmesser Tieltsch aufgenommen und durch drei sachverständige Forstmänner abgeschätzt. Bei Benkowitz war ehemals ein Eichenwald von 1775 Morgen, aber es standen nur noch 800 alte Eichen dort, der Erlenbusch --- S.149/#164 hatte 156, das Weidengesträuch an der Oder 186 Morgen. Pächter war 1789 Franz von Porembski. Derselbe wurde 21. Januar 1777 in Altendorf copulirt mit Maria Josefa von Schalscha und war Adam von Por,ebski aus Schonowitz Trauungszeuge. Adam = Erdmann von Porembski, geboren 1731, seit 19. Juni 1772 auf Schonowitz, vermählt mit Anna Barbara geb. von Fragstein, Wittwe nach Johann Christof von Wiplar auf Trawnik († 1777), in zweiter Ehe zu Ratibor 17. Februar 1778 mit der 1750 geborenen Johanna, Tochter des Carl von Tluk auf Dubensko, starb am Faulfieber 22. December 1793 und wurde in der Kirche bestattet. Dessen Bruder Franz beerbte ihn. Aus diesem Geschlecht schlossen drei Fräulein in der hiesigen Pfarrkirche den Ehebund, nämlich 28. November 1797 Antonie, älteste Tochter des Adam mit dem Pächter von Ganiowitz Johann Miketta, Sohn des Andreas aus Zawada, seit 1810 auf Hultschin; 6. October 1801 Therese, geboren 1778, Tochter des ehemaligen Pächters Franz von Porembski und waren Zeugen Georg von Porembski und Anton Miketta Pächter von Ganiowitz und 17. Juni 1806 Nathalie, 19 Jahr alt, Tochter des verstorbenen Anton von Porembski, mit Anton, Sohn des Scholzen Josef Mikeschka aus Koblau. Am 17. April 1794 brach während einer Predigt in später Nacht in dem neben der Pfarrei gelegenen Hause des Mathias Wolnik (Jarkulisz) ein Feuer aus, das sich auf beiden Seiten des Dorfes bis zum Oberkretscham fortpflanzte. Die Kirche war mit Zuhörern, die auch aus der Umgegend herbeigeströmt waren, überfüllt. Das Dach brannte in hellen Flammen und nur eine einzige Seitenthür war geöffnet, die obendrein durch das Herandrängen des Volkes sich schloß. Ein Angstschrei erhob sich in der Menge, die in banger Erwartung schwebte, verbrennen zu müssen. Doch drang das Feuer nicht in das Innere der Kirche, auch der östliche Theil des Dorfes blieb erhalten. Ein Pferdejunge hatte, weil die Rosse unruhig waren, die Lampe --- S.150/#165 im Stalle stehen lassen, und waren in Folge dessen 21 Stellen niedergebrannt. An Steuern zahlte das Dominium 843 Thlr. 6 Gr. der Pfarrer 55 " 11 " der Schulmeister 2 " 4 " die Bauern 761 " 7 " die kleinen Ackerleute 88 " 7 " ------------------ 1750 Thlr. 8 Gr. Die Breslauer Domänenkammer gab 15. Juli 1800 dem Jungfrauenstift die Erlaubniß, die Vorwerke Benkowitz, wo 31 Kühe und Ottitz, wo 300 Schafe standen, zu zergliedern und die Aecker an die Unterthanen veräußern zu dürfen. Das Abkommen war bereits 16. September 1799 getroffen und von der Priorin Amalie von Tluk, Suppriorin Agnes von Wallis, den vier Consiliarinen Franziska von Bujakowska, Rosalie von Rohowska, Gabriele Seichter und Eufemia von Rohowska unterzeichnet. Benkowitz kaufte sich für 44,000 Thaler und einen jährlichen Grundzins von 2000 Thalern frei. Die Grundherrschaft behielt sich den Hofplatz, die Gerichtsbarkeit, das Patronat, die Jagdgerechtigkeit, den Brau- und Branntweinurbar, die Grund- und Schankzinsen, Mühl- und Getreidezinsen, 92 Scheffel Zinshafer, Inseltzinsen von den Fleischern, von den Fischern und der Oelschlägerei, die Ehrungen an Hühnern und Eiern vor; die Unterhaltung des Spitals mit Geld, Getreide und Holz übernahm die Gemeinde, ebenso die Pflicht, Brücken, Wege und Gräben im Stande zu halten, die bisher vom Stift gezahlten Steuern zu 50 pCt. zu entrichten. Dies Abkommen bestätigte die Oberamtsregierung Brieg, 25. Juni 1804. Die Ottitzer Realitäten gab die Gemeinde bald auf und den Zinshafer löste sie in Renten ab. Die Zergliederung des Vorwerks war für die Herrschaft wie auch für die Unterthanen vortheilhaft, für das Stift, da es mehr Einkünfte als früher erhielt, für die Bauern in mehrfacher Beziehung. Letztere konnten ihre Wirthschaften erweitern und nachdem sie von den Roboten und der Abgabe --- S.151/#166 des Zehntels vom Getreide in natura frei geworden, mehr Futter und Stroh für ihr Vieh benutzen, die Aecker bequemer bearbeiten, der Wirthschaft besser obliegen. Ehemals hielt das Dominium 31 Stück Kühe, die Bauern 150, die kleinen Leute 85; im Jahre 1803 aber hatten sämmtliche Gemeindemitglieder bereits 712 Stück Kühe und Kälber. Die Hutung bei der Oder, das darauf wachsende Strauchholz und die Eichen konnten sie allein benutzen, trockene Stellen einackern, andere roden, das Weidig bot Absatz an die Büttner und Korbmacher; auch waren auf der großen Wiese hinter der Mühlbrücke bereits 11 Häuschen entstanden, von denen ein Zins entrichtet wurde. Seit der Naturalvertheilung im Jahre 1800 hatte die Gemeinde außer den Zinsen aus ihren Ueberschüssen 1801 761, 1802 484, 1803 607 Thaler auf Abschlag des Kapitals eingezahlt. Durch Cabinetsordre vom 28. November 1811 erwarb der Schloßbesitzer von Ratibor auch die säcularisirten Güter des Jungfrauenstiftes und das Patronat der Kirchen und Schulen. Das Dominialrestgut Nr. 82 hatte Franz Peterknecht in Pacht und wurde Arendator genannt. Lucas Cwik erwarb es 1828 für 3050 Thaler als Eigenthum und führte den Titel Arendebesitzer. Im Jahre 1841 kaufte das Gut der Erbscholz von Janowitz Johann Meixner für 2900 Thaler, veräußerte es aber schon 18. August 1843 an den Pachtbrauer in Kochanietz Anton Möser, der das Gasthaus stattlich aufführte und im Alter von 48 Jahren am 22. April 1856 starb. Die Witwe Therese Möser geb. Gold, folgte ihm am 21. November 1860 im Tode nach. Am 24. Juni 1861 kaufte der Schwiegersohn Heinrich Wodarz, bisher Lehrer in Brzezie, das Gut für 6500 Thaler. Matthias Pospiech, Hornist im 2. Schlesischen Infanterie-Regiment erhielt in den Freiheitskriegen 1813 bis 1815 das eiserne Kreuz 2. Klasse. Der 74 Jahre alte Einlieger Gregor Dembon wurde 13. Juni 1816 auf der Hutweide unter einer Eiche vom Blitz getödtet. --- S.152/#167 Die Nachricht, die Cholera sei am 23. April 1831 in Warschau ausgebrochen und richte furchtbare Verheerungen an, erfüllte die Gemüther der nächst gelegenen Bewohner mit banger Besorgniß. Die Regierungtraf zum Schutze unserer Provinz Vorsichtsmaßregeln. Gegen Polen und Oesterreich wurde ein Grenzcordon aufgestellt. Das zweite Bataillon des 10. Schlesischen Landwehr-Infanterie-Regiments besetzte zur Beaufsichtigung die Odergegend. Vom 12. bis 14. September trat eine große Ueberschwemmung des Oderthales ein. Auch die Zinna war seit Menschengedenken nicht so hoch gestiegen, als damals. Das ausgetretene Wasser verursachte unerhörten Schaden. Es drangin 16 Häuser, wodurch die Wände, Oefen, Küchen und Rauchfänge einstürzten. Die 1823 gebaute Brücke, welche an 500 Thaler gekostet, wurde ganz ruinirt. Der Gemeindevorsteher sammelte Lebensmittel für die Verunglückten, der Pfarrer Galda sendete jedem ein Laib Brod. Da das Wasser immer höher anschwoll, so ritt am 13. früh der Scholze mit drei Gerichtsmännern zum Fischer Rybarz, um die dort stehenden Militärposten abzuholen und die Schilderhäuser zu retten, aber mit Gefahr mußten sie sich nach Tworkau begeben, dort übernachten und am 14. über Kranowitz und Schammerwitz heimkehren. Die kleinen Leute haben verhältnismäßig den meisten Schaden gelitten, da Kartoffeln, Kraut und Hanf verloren gingen. Die Cholera, welche in Oberschlesien Herbst 1831 auftrat, raffte vom 3. November bis 23. December zehn Personen aus Benkowitz und eine in Bojanow dahin. Im nächsten Jahre starben an derselben in Bojanow vom 25ten September bis Allerheiligen 13 Personen, Benkowitz vom 5. Oktober bis 7. November 6 Personen. Vier Jahr später erlagen derselben vom 26. September bis 5. December 42 Personen aus der Parochie. Vom Januar bis Juli 1848 starben in der Parochie 90 Personen an Nervenfieber und Typhus; vom 19. Juli bis Ende September 1855 erlagen 45 Personen der Cholera. --- S.153/#168 Bei Anlage der Eisenbahn 1845 wurde ein Theil des Psinnagrabens cassirt und ein neuer geworfen. Den 7. Juni 1868 vernichtete ein heftiger Brand einen großen Theil der Scheuern. Am 28. September 1878 anderthalb Stunden vor Mitternacht brannten 13 Scheuern ab; auch die mit 2100 Mark versicherte Pfarrscheuer wurde eingeäschert. Die Brücke über die Zinna an der Chaussee wurde Sommer 1884 von Holz neugebaut.

Das Wehr und die Mühlen.

Am Orte befinden sich zwei Mühlen und ein Wehr, die Obermühle im Oberdorfe, die Niedermühle in der Mitte des Dorfes nahe der Kirche am Wege, der von Ratibor über eine Brücke nach Tworkau führt und das Wehr am untern Dorfe, wo die Psinna und die Zinna sich theilen. Das Wehr ist östers verlegt und erhöht worden, wodurch Klagen der benachbarten Grundbesitzer wegen Ausgießung des Wassers auf die Felder hervorgerufen wurden. Am 24. Februar 1552 erschienen vor versammeltem Magistrat in Hultschin fünf glaubwürdige Männer aus Boleslau, das dem Lorenz von Drahotuß auf Beneschau gehörte im Namen der gesammten Gemeinde und ebenso fünf Männer aus Pyschcz, das den Herren Bruntalsky v. Wrbna gehörte und gaben unter Eidesleistung, wobei sie zwei Finger auf das Kreuz legten, Folgendes zu Protokoll: Die Psinna, welche von Benkowitz nach Ratibor fließt und das Wasser, welches in Benkowitz unterhalb der /Piskorsch/mühle seit Jahren zum Psinnamüller geht, wird jetzt höher gehalten, als es früher gewesen und durch das Hochhalten wird der Weg unterhalb der Benkowitzer Brücke überschwemmt. Deshalb hat ein Mann aus Pischcz zur Wegebesserung sechs Gulden vermacht und hat der in Benkowitz geborene Johann Skadlek aus Pischcz bezcugt, daß durch die Wasserspannung bedeutender Schaden auf Feldern und Wiesen des Benkowitzer Grundes geschehe, was früher nicht vorgekommen. Diese Aussage versah der Magistrat mit Unterschrift und Siegel, damit das Schriftstück zur Klage gegen den Klosteramtmann Johann Koczenski von Rudno verwendet werde. --- S.154/#169 Troppau war für Ratibor mit einigen tausend Gulden Bürge geworden und hatte das Vorwerk Ottitz, einige Dörfer und die Psinnamühle sür die Bürgschaft auf einige Jahre in Pfand erhalten. Diese Güter überließ Troppau dem Rathsherrn Daniel Maczak. Das große Wasser Fastnacht 1583 hat das Wehr an der Zinna so beschädigt, daß die Psinnamühle nicht mehr mahlen konnte. Man beabsichtigte das nicht gut gelegeene Wehr bei Benkowitz nicht auszubessern, weil zur Herstellung des weggerissenen Dammes wohl 1000 Fuhren Reisig erforderlich wären, und das Ganze doch nur Flickwerk bliebe, sondern auf den Rath des Schloßhauptmann Samuel von Lessota ein neues und zwar in Benkowitz aufzurichten. Um einen neuen Graben zu schlagen und das Wasser abzuleiten, war Erde von etwa drei Viertel Aussaat erforderlich, die vom Grunde des Stifts und der Unterthanen genommen und entschädigt werden sollte. Das Kloster wollte dies nur gestatten, wenn ihm das auf dem Jungfernhofe zwei Jahre vorher erbaute Mühlchen, dessen Errichtung der Psinnamühle nachtheilig erschien, belassen werde. Laut eines vom Kaiser Rudo1f 1606 bestätigten Vergleichs waren die Gemeinden Benkowitz, Sudol und Studzienna verpflichtet, den Mühlgraben, welcher vom Benkowitzer Wehr zur Psinnamühle bei Ratibor sührt, zu räumen. Nach dem Tode des Sch1oßbesitzers Georg Graf Oppersdorff auf Oberglogau, Friedek und Ratibor erhielt der jüngste Sohn Mathias die Schloßherrschaft Ratibor und wurde, weil er erst sieben Jahre zählte, von dem Oberstlandrichter Johann Bernhard Graf Praschma Freiherrn von Bilkau auf Rybnik etc. und Wenzel Paczynski von Groß-Patschin auf Zembowitz bevormundet. Zur Schlichtung des Streites zwischen dem Minorennen und dem Jungfrauenkloster wegen des Wehres in Benkowitz ordnete das Landrecht 10. Januar und 20. November 1658 eine Commission an. Dieselbe begab sich 5. Juni 1659 nach Benkowitz, nahm Einsicht von den Documenten, verhörte die Zeugen und --- S.155/#170 schloß einen Vergleich dahin: Zunächst wollen die Parteien die von Kaiser Rudolf Prag 25. November 1606 getroffene Bestimmung in allen Punkten einhalten und beschließen, innerhalb drei Wochen von beiden Seiten durch solche Männer, die aus dem Müllerstande und Zimmermannshandwerk sich auf Wasserabzug verstehen, gemeinschaftlich die Mühle zu Benkowitz und das Wehr daselbst abwägen und alles so einrichten zu lassen, daß die Mühle dem Wehr und das Wehr der Mühle entspreche. Das Kloster soll einen Pfahl unter dem Rade machen und die Räder heben lassen, der Vormundschaft ein Wehr bauen, so daß laut vorerwähnter Bestätigung sie einen Graben auf die Psinnamühle, wie vormals in ganzer Tiefe und Breite überall schaffe; was die Räder bei der Psinnamühle und die Cassirung des Conventmühlchens betrifft, das haben beide Parteien bis Weihnachten auszuführen versprochen. Schon am 16. Juni d. J. bat der Vormund Graf Praschma das Stift zur Erneuerung des Benkowitzer Wehres die erforderliche Erde aus der Nähe nehmen zu können. Im nächsten Jahre wurden die Grundsteine im Psinnamühlgraben vom Schloßwehr bis Ratibor gelegt zum Zeichen, wie tief dieser Graben geworfen werden solle, damit das Wafser den nöthigen Fall und Gang habe. Das Kloster beabsichtigte im Frühjahr 1672 das neue Wasserwehr fünf bis sechs Schritt von dem vorigen entfernt weiter hinaufzubauen. Die Boleslauer in Besorgniß, eine Ueberschwemmung zu erleiden, wollten dies nicht zugeben und legten bei dem Landeshauptmann des Fürstenthums Jägerndorf, Verwalter des Landeskämmereramtes, Fürst Lichtensteinschen Rath Heinrich Matuszka von Topolczan auf Jacubowitz, Auchwitz und Kaldaun Verwahrung ein. Letzterer ersuchte 28. April die Priorin eine bestimmmte Erklärung zu geben, ob die Boleslauer darüber zu vernehmen seien, daß der Bau ihnen nachtheilig sei oder nicht. Zur vollständigen Einrichtung und gänzlichen Verbesserung des Wehres in Benkowitz tauschte 5. August 1695 --- S.156/#171 der Schloßbesitzer Franz Eusebius Graf Oppersdorff einen Garten gegenüber dem Tworkauer Graben, um die Erde daraus zu nehmen, gegen ein Ackerstück bei dem Ottitzer Vorwerk ein. Franz Bernhard von Lichnowsky hatte aus der Zinna einen kleinen Graben auf Boleslauer Grund angelegt, wodurch er dem Fluße das Wasser entzog; er versprach dem Stiftshauptmann Martin Heinrich Skro´nski von Budzow den Graben zuwerfen zu lassen, verlangte aber, daß zu den zwei Schleussen im Wehre eine dritte zum leichtern Abfall des Wassers hinzukomme, damit bei zeitiger Oeffnung der drei Schleussen einer Ueberschwemmung vorgebeugt werde. Jndeß blieb der Graben noch einige Zeit bestehen, wodurch die Niedermühle um einen Gang geringer wurde. Die Priorin Rosa Gawlowska von Grzimalow verklagte den Besitzer und ordnete der Kaiser Wien 6. September 1712 eine Commission an, welche den Thatbestand untersuchen und die Parteicn vergleichen sollte. Die Commissare verfügten sich an Ort und Stelle, nahmen Alles in Augenschein und verglichen die Parteien dahin: Weil der Niedermüller das Wehr weiter hinaufgerückt und die Schwelle um eine viertel Elle erhöht, soll er das neuangelegte Wehr abtragen und solches in den vorigen Stand auf den alten Ort setzen, der Freiherr aber den Graben, durch welchen das Wasser dem Fluß entzogen wird, zuwerfen. Um bei hohem Wasserstand Schaden abzuwenden und der Ausgießung vorzubeugen, soll der Müller die vier Schleußen im Wehr öffnen. Das Dominium Schloßherrschaft Ratibor war wegen der Psinnamühle verbunden, das Wehr bei Benkowitz im Stande zu erhaltcn. Da solches April 1800 einer Reparatur bedurfte, übernahm der Psinnamüller Johann Tomiczek die Ausführung gegen Erstattung der Kosten. Er ließ Faschinen hinausfahrer und am 28. d. Mts. durch sechs Mann nebst einem Aufseher dieselben einlegen und befestigen. Bis zum Abend des nächsten Tages hatten sie bereits sechs Schock verarbeitet. Am nächsten Morgen aber kamen an 100 --- S.157/#172 Mann aus dem Dorfe, der Niedermüller, Scholz und Gerichtsleute, verjagten die Arbeiter, zerhieben und zerissen mit den mitgebrachten Aexten das begonnene Werk, bedrohten auch die Arbeiter nochmals herzukommen und das Wasser zu spannnen. Der Psinnamüller erlitt dadurch Schaden, denn statt mit vier Gängen zu mahlen, konnte er nur mit einem klappern. Er hatte aber ohne die Betheiligten zuzuziehen, eigenmächtig gehandelt und die Faschinen höher gelegt, als der Sattel oder Wehrbaum ist. Er wollte dadurch die Schloßherrschaft veranlassen, daß der Mühlgraben bei Sudol geschlemmt werde, damit er dann nicht nötig habe, das Wassermaaß zu erhöhen. Herbst 1823 fand eine Erneuerung des Wehres statt. Zimmermeister Seidel wurde beauftragt, die Spundwand dergestalt abzuschneiden und zu zäpfen, auch den neuen Fachbaum so darauf zulegen, daß dessen Oberkante genau die Höhe des vom Wasserbau-Inspector Uhlig am 4. October am Markpfahl eingehauenen Zeichen erhalte und überall mit diesem Zeichen in vollkommener waagerechter Lage sich befinde.

Die Niedermühle

war vor Mitte des 17. Jahrhunderts schadhaft geworden. Die Priorin Magdalena Witkowska vun Rudeltau ließ durch die Gerichtsmänner der Klosterdörfer Benkowitz, Kornowatz und Elgot den Werth und die zu entrichtenden Zinsen abschätzen. Hierauf kaufte Jacob Ryska 15. December 1656 die Mühle für 380 Thaler und wurde verpflichtet 3 1/2 Malter jährlich dem Kloster zu entrichten. Zum Aufbau schenkte es ihm 4 Eichen und 30 Buchenstämme, gewährte ihm auch, bis er sich erhole, die Nachsicht in den drei ersten Jahren nur je 8 Scheffel, dann durch drei Jahre 2 Malter, nach sechs Jahren aber 3 Malter Korn und einen Scheffel Gerstengraupe, vom Teich 3 Thaler und 4 Hühner, von dem Stücklein unterhalb des Teichels 22 1/2 Groschen zu zinsen. ---S.158/[#173 defekt ] 1725 war Hans Georg Marschalek, Niedermüller. Er entrichtete 72 Scheffel Breslauer Maaß Roggen, 2 Scheffel halbe Perlengraupe, 2 2/3 Thaler Grundzins, baute auf eigene Kosten Wehr und Wasserbett, reinigte auch den Graben. Georg Meltzer, 1748 genannt, starb im Alter von 46 Jahren am 15. October 1763. Anton Meltzer, geboren 1711, wird 1788 als Auszügler genannt, starb 24. October 1789. Seine Wittwe folgteim 86 Jahre alt erst 7. Juli 1833 im Tode nach. Michael Lokaj beschwerte sich Mitte September 1798, daß die Einwohner den Mühlgraben ganz voll mit Hanf belegt, wodurch das Wasser nicht den gehörigen Abfluß habe und er Schaden leide. Der Landrath befahl am 18. d. Mts. den Dorfgerichten binnen 24 Stunden Hanf und Flachs aus dem Graben zu räumen. Michael Lokaj starb 26. Juni 1836. Franz Schraj starb 25. August 1867. Julius Schraj übernahm vom Vater die Niedermühle und betreibt dieselbe seit 1876 mit Dampf.

Die Obermühle.

Blasius Kigacz hatte 1636 eine vom Jungfrauenstift erhaltene Urkunde und einen alten Kaufbrief dem Stadtvogt Johann Czermak in Ratibor zum Aufheben gegeben. Beide Schriftstücke wurden bei dem großen Stadtbrande in der Nacht des 10. September 1637 vernichtet. Auf die Bitte des Müllers erneuerte ihm am 4. December d. J. die Priorin Constantia Klema von Elgot das eine Document, in welchem sie den Besitz und die Obliegenheiten des Mühlenbesitzers beschrieb. Das Feld geht von der Vorwerksfurche bis an die Kranowitzer Grenze (am Teich und Klostergrund), dann bis an das Wehr und mit der Wiese bei dem Teiche, beide Ufer der Psinna vom alten Wehr bis an die Vorwerksfurche mit Erlen, Weiden, Gärten, Wiesen und einem Viertel Acker vom Vorwerk, welches ihm ehemals für 30 Thaler schlesisch verkauft worden. Er hat --- S.159/#174 jährlich drei Malter Korn Ratiborer Maaß ( aber nur zwei Malter, wenn der Teich mit Fischen besetzt sei), 18 Groschen Wasserzins und 15 Groschen vom Vorwerksacker abzugeben. Die andere Urkunde erneuerte der Kranowitzer Magistrat am 19. December 1640. Diese Stadt hatte nämlich von Johann Brawanski von Chobrzan auf Borutin und Kranowitz ein Stück Wiese gekauft und den Vorfahren des gegenwärtigen Müllers für einen Zins von vier Gulden überlassen. In der Erneuerung des Kaufbriefes wird ausdrücklich hervorgehoben, daß nur Letzterem die Benutzung der Hutung zustehe. 1725 war Andreas Kiatz Obermüller. Er zinste für zwei Gänge der Herrschaft zu Michaeli 72 Scheffel Breslauer Maaß Roggen, baute sich das Wehr und Wasserbett auf eigene Kosten und reinigte den Graben. Am 6. August 1742 wurde der Obermüller Andreas Kiatz in der Kirche unter den Bänken an der nach Süden liegenden Thür bestattet. Gregor Krzewki starb 7. Juni 1747, 24 Jahre alt, Andreas Krzewki wurde im Alter von 42 Jahren am 26. April 1763 begraben. Der Obermüller Carl Spiller war Brauer zu Kuchelna und fundirte 160 Thaler auf monatlich zwei Messen. Die Ehefrau Marianne ertrank 15. Juli 1774 Vormittag 10 Uhr auf der Boleslauer Hutung in der alten Bache 48 Jahre alt. Johann Koza erwarb 1782 für 2400 Thaler die Mehlmühle von zwei Gängen nebst Acker von sechs Scheffel Breslauer Maaß Aussaat und verkaufte sie 20. Juni 1799 dem Sohne Johann, behielt sich aber einen lebenslänglichen Auszugvor, er fundirte 200 Thaler auf zwei Cantata und acht stille Messen und starb 28. Juni 1806, der Sohn starb 21. März 1810, erst 37 Jahre alt. Die Wittwe Martine Dembow heirathete den Ignaz Langer und starb 28. August 1827 im Alter von 45 Jahren. Die einzige Intestaterbin Josefa Koza erwarb die Mühle und ehelichte den Carl Peterknecht, der bereits 1840 als Obermüller auftrat. Sie starb 17. November 1848, er folgte 25. Februar 1851 --- S.160/#175 im Tode nach. Pächter wurde August Beyer. Franz Schraj erstand bei der Licitation 3. Juli 1854 die Mühle für 10,810 Thaler und starb 25. August 1867 beerbt von seinem gleichnamigen Sone, der die Mühle seit 1. Juli 1875 mit Dampf betreibt.

Die Erbscholtisei.

Ehemals wurden die Schulzen aus Mitgliedern der Gemeinde gewählt. Da aber bei dem steten Wechsel die Unterthanen wenig Gehorsam leisteten, wodurch sowohl das Dominium in wirthschaftlicher Beziehung Schaden litt, als auch die kaiserlichen Abgaben nicht abgeführt wurden, so beschlossen die Priorin Magdalena Januschowska v. Wyszehrad und der ganz Convent zur besseren Ordnung einen Erb- und Freischulzen in der Person des Kretschmer Paul Galda einzusetzen. In dem Erbbriefe vom 29. April 1715 befreiten sie ihn von allen Roboten und hatte er nur von seinen zwei Vierteln Acker und einigen Wiesen einen Grundzins von 2 Thaler à 36 Groschen an die Herrschaft zu entrichten. Seine Verpflichtungen waren mannigfach und glichen denen eines Wirthschafts-Inspectors. Er hatte nämlich auch die Aufsicht über das hiesige und das Ottitzer Vorwerk zu führen, bei den Handarbeiten und Brauholzfuhren gegenwärtig zu sein, bei dem Scheuern Acht zu geben, daß daß das Getreide gut ausgedroschen, das Stroh nicht verschleppt und auf den Schüttboden gebracht werde, von wo es durch die Unterthanen in das Kloster, oder auf dem Jungfernhof abgeführt wurde. Bier und Branntwein zum Ausschank mußte er aus dem Klosterkeller mit seinen Pferden holen. Er konnte mit Wein, Eisen und Gespinnst handeln, 12 Stück Hornvieh und 15 Stück Schwarzvieh mit dem der Herrschaft hüten lassen und bezog von den herrschaftlichen Wiesen ein Fuder Heu. Paul erreichte ein Alter von 63 Jahren und hatte vor dem am 2. Januar 1745 erfolgten Tode das Schulzenamt und die Wirthschaft seinem Sohne Thomas Galda übergeben, der 1770 100 Achtel Bier und 30 Eimer Branntwein ausschänkte, im hohen Alter von 81 Jahren --- S.161/#176 am 17. September 1790 starb. Inzwischen war auch der Scholz Franz Galda, erst 33 Jahre alt, 17. Januar 1785 gestorben. Franz Stuka starb 26. November 1809 im Alter von 47 Jahren. Franz Wiskoni, der ihm im Amt gefolgt war und noch 1836 dasselbe bekleidete, starb 81 Jahre alt am 8. August 1865. Johann Wiskoni trat 1837 ein. Josef Maiß erwarb die Wirthschaft und hielt in der Gemeinde gute Ordnung. Er ließ aus der Gemeindekasse die Sacristei vergrößern und eine Thür nebst Treppe als Eingang herrichten. Er starb an einem Magenleiden 7. August 1870 im Alter von 52 Jahren. Der Erbschulz war auch im Besitz des Niederkretschams neben der Schule und verschänkte im Jahre 1770 an 100 Achtel Bier und 30 Eimer Branntwein.

Der Oberkretscham.

Andreas Czernik wird 1730 genannt. Bartek Czerny verkaufte seine Stelle 1746, gab 10 Floren 48 Kreuzer Zins, schänkte circa 60 Achtel Bier und 12 Eimer Brannwein aus. Beide Kretschmer mußten das Bier aus der Dominialbrauerei entnehmen. Georg Heine war Schreiber des Klosteramtmanns gewesen und kaufte 1676 den Kretscham. Josef Czernik, genannt 1795. Die Eigenthümer wechselten oft. Die Zahl der Einwohner und die Größe der /Feldmark/ betreffend, hatte der Ort im Jahre 1784 48 Bauern, 34 Gärtner, 46 Häusler und 553 Einwohner, worunter viele Leinweber. 1795 waren 129 Feuerstellen; 1819 zählte das Dorf noch 48 Bauern, aber nur 7 Gärtner, 155 Häusler und Einlieger zusammen 1057 Seelen; 1825 schon 1159, 1842 in 148 Häusern 1216, 1861 in 156 Häusern 1337 und 1885 in 301 Häusern 1686 Einwohner, die 269 Pferde, 703 Stück Rindvieh, 331 Stück Schwarzvieh, 84 Ziegen und 54 Bienenstöcke halten. --- S.162/#177 Wegen der Theilung unter die Bauernschaft und die kleineren Ackerleute betrug laut Vermessungsregister vom 15. Juli 1822 die Hutung und Forstfläche nebst Unland 1222 Morgen 8 Quadratruthen, nämlich 662 Morgen 122 Quadratruthen Hutung, 310 Morgen 60 Quadratruthen Forstland, 249 Morgen 6 Quadratruthen Wasser und ertraglose Stücke. Die ganze Feldmark beträgt 1), an steuerpflichtigen Liegenschaften 1306 Hectar 24 Ar 70 Quadratmeter; 2) an steuerfreien ertraglosen Grundstücken: 1. Wege 45 Hectar 71 Ar; b. Wasser 22 Hectar 96 Ar 10 Quadratmeter; 3) Hofräume und Gärten 32 Hectar 53 Ar 90 Quadratmeter, zusammen 1407 Hectar 45 Ar 70 Quadratmeter.

Kirche und Pfarrei

Die Kirche wird 1447 in dem Register des eingesammelten Peterspfennig bereits genannt. Nach einem im Raudener Schloßarchive noch vorhandenen Originalschreiben aus Neisse den 30. November 1573 trug Bischof Caspar von Logau wegen seiner Krankheit dem Abt Martin die feierliche Consecration der Pfarrkirche in Benkowitz auf, damit deßwegen der Gottesdienst in irgendeiner Art nicht vernachlässigt werde. Nach den Visitationsacten vom Jahre 1679 und 1713 war übrigens die Kirche schon 1544 errichtet. Um jene Zeit oder kurz vorher amtirte nach dem Album der literatischen Bruderschaft Pfarrer /Marcus/. Hynek oder Heinrich findet sich unter den älteren Fundatoren des Collegiatstifts als Pfarrer von Benkowitz. Stanislaus Larisch 1614 hier, starb 1647 als Pfarrer von Tworkau. In den Ortsacten des Königlichen Staatsarchives zu Breslau ist noch die Investitururkunde erhalten, welche Neisse 12. Juni1631 nach dem Tode des hiesigen Pfarrers Zacharias Michaelides auf Präsentation des Jungfrauenklosters dem Matthäus Zurius ausgestellt worden. Nach einem alten im Pfarrarchiv aufbewahrten Verzeichnisse, welches die beiden vorhergehenden Pfarrer, doch ohne Angabe der Zeit und ersteren mit dem bloßen Taufnamen aufführt, --- S.163/#178 folgte Georg /Logetius/, vormals Pfarrer in Autischkau, welcher Ort gleichfalls dem Jungfrauenstifte gehörte. Georg /Tobiades/, seit Neujahr 1642 angestellt, legte die noch erhaltenen Matriken an, erscheint bei einer Taufe in Ratibor am 11. Juni 1652 als Pate und starb 1661. Gallus /Kissetius/, geboren Benkowitz, erhielt 29ten März 1659 das Subdiaconat auf das Vicariat Benkowitz, 7. Juni die Priesterweihe, war 21. December 1659 Vicar, wurde 1661 Pfarrer in Tworkau. Thomas /Tobiades/, vom 20. Januar 1642 bis 28. Januar 1646 Vicar bei dem Collegiatstift, beschaffte 1668 aus Sammlungen und eigenen Mitteln das St. Antoniusaltar. Tobiades und Pfarrer Laurentius Fabricius von Lubom waren Testamentsvollstrecker des im Jahre 1675 gestorbenen Pfarrers Gallus Johann Kissetius aus Tworkau. Ersterer fundirte Messen für seine Seelenruhe und starb 12. März 1678 Abends 7 Uhr, bestattet am 15. März. Kapläne unter ihm waren: Paul Sebastian /Dersska/, geboren Benkowitz 19ten Januar 1637, wurde nach Absolvirung der philosophischen Studien und der Moraltheologie zu Olmütz am 11. März 1661 Minorist, erhielt am nächsten Tage auf den Tischtitel des Jungfrauenklosters das Subdiaconat, wurde 16. April desselben Jahres in Neisse ordinirt, feierte am Trinitatissonntage die Primiz am Geburtsorte, war noch 14. Januar 1675 Vicar daselbst und wurde im Herbst d. J. Pfarrer in Tworkau. Franz /Novatius/, geboren 1650 zu Zawiscz bei Pleß, erzogen in Rybnik, studirte in Olmütz und Krakau, wurde an letzterem Orte 1675 ordinirt, war zunächst ein Vierteljahr Vicar in Sohrau, dann 3 Jahre Sacellan in Benkowitz, hierauf 3 Jahre Vicar in Loslau, am 28. März 1681 als Pfarrer in Ruptau investirt und vom Erzpriester Andreas Flaccius aus Loslau eingeführt. Als Vicar in Benkowitz tritt er am 28. Februar 1677 bei einer Copulation auf. --- S.164/#179 Albert Ignatz /Wienczkowski/, geboren Cosel 1. April 1620, studirte in Olmütz, wurde in Neisse 24. Februar 1657 ordinirt, war in Kostenthal 4 Jahre Sacellan, in Autischkau 17 Jahre Pfarrer, auf Präsentation des Jungfrauenklosters am 26. März 1678 für Benkowitz als Pfarrer investirt und von seinem Nachbar Johann Franz Zbiretius aus Janowitz in das hiesige Pfarramt eingeführt. Er war ein braver Priester und wurden auch seine Predigten gelobt. Er hinterließ das erste Wirthschafts-Inventar, das später vermehrt und zum Theil in Geld umgewandelt wurde. Er braute nach damaliger Sitte seinen Haustrunk. Die Widmut betrug 1 1/2 Hufe, den Garbenzehnt erhielt er von fünf Getreidesorten, an Missalien bezog er aus Benkowitz je 8 1/4 Malter Roggen und Hafer, aus Sudol 3 2/3, aus Bojanow 3 1/2, aus Podhagi (Unterwald) und Brzecowa (am Ufer) je 7 Scheffel Roggen und Hafer; die beiden Müller am Orte gaben zu Ostern je ein Viertel Weizenmehl; vier Bauern in Sudol zinsten 24 Groschen. Die Kirche war von Holz, 30 Ellen lang, 16 breit, hatte 4 Fenster mit Eisenstäben, 3 consecrirte Altäre (das Hochaltar /adbeat. Virgenem/, die Seitenaltäre ad St. Antonium und /Matrem dolorosam/); ein Becher zur Nachspülung der Communikanten, je 12 Caseln und Fahnen, eine Orgel zu 80 Thaler, Decke und Wände waren gemalt, die Kanzel geschnitzt, später schwarz staffirt, 3 Glocken hingen im hölzernen abseitsgelegenen Thurme; der Kirchhof war umzäunt. Der Pfarrer legte 1682 das Copulations- und im nächsten Jahre das Taufbuch an, meldete 10. Mai 1686, daß in der Parochie 925 Ostercommunikanten vorhanden, fundirte 1690 dem Kloster zu Loslau 150 Floren und in Benkowitz 60 Thaler auf sechs stille Messen. Er starb 1698. Martin /Pieczuch/, geboren zu Pogrzebin im Jahre 1669, hatte in Olmütz studirt und war /Baccalaureus/ geworden, erhielt 17. am December 1695 die Priesterweihe und wurde vom Pfarrer als Hilfspriester aufgenommen. --- S.165/#180 Georg Anton /Chorus/, geboren Ratibor 1657, studirte als bischöflicher Alumnus in Breslau Philosophie und Theologie, wurde Neisse 17. März 1685 ordinirt, war 2 1/2 Jahr Kaplan in Bukowitz (Frauwaldau), 5 Jahre Vicar an der Collegiatkirche zu Oppeln, dann 6 Jahre Pfarrer in Walzen, Canonicus 12. August 1692, in Benkowitz 1. November 1698 als Pfarrer installirt. Im Jahre 1710 wurde von den Parochianen ein hölzernes Pfarrhaus mit drei Stuben, Stallung und Scheuer aufgeführt, wozu Chorus viel aus eigenen Mitteln beitrug. Im Jahre 1712 hatte er schon 1078 Ostercommunikanten. Prälat-Cantor wurde er 1715. Chorus hatte ein tragische Ende. Am Portiunkulafeste (2. August) 1717 besuchte er die Klosterkirche der Franciskaner. Abends 1/2 8 Uhr kehrte er aus Ratibor heim. Unterwegens mochte ihn ein Schwindel oder Schlaganfall betroffen haben, denn er wurde mit dem Antlitz in der Psinna, die damals 6 Zoll tief war, gefunden /sub pratis superioris zagumnie ad flumen immersa) facie in flumen)/, Stock und Hut lagen am Ufer, ebenso ein Balsambüchslein, das er gebraucht zu haben schien. Da seit 19 Monaten kein Erzpriester im Cirkel war, der Prälat-Decan resignirt hatte, Custos, Cantor und Scholastikus innerhalb 5 Monaten gestorben waren, so unternahm es der einzige Resident Propst Julias Pilati Freiherr v. Thassul, gestützt auf § 17 der pragmatischen Sanction und auf ein Decret des General-Vicariat-Amtes vom 10. Februar 1716 das zum Begräbnisse Erforderliche zu veranlassen. Erst Nachmittags hatte er das traurige Ereigniß von weltlichen Leuten vernommen und machte sich sofort nach Benkowitz auf, wo er bereits 3 Vicare und den Stiftshauptmann Georg Josef Czesch, der zur Siegelung erschienen war, vorfand. Der Propst verordnete, daß der Leichnam am nächsten Tage in der Kirche zwischen dem Bruder und der Schwester, wie der Verstorbene früher den Wunsch ausgesprochen, in der Gruft verwahrt werde, am 5. aber solenne Exequien stattfinden sollten; dann versiegelte er den Speicher, --- S.166/#181 eine Kiste und Kammer, in welche er nach aufgenommenem Verzeichnisse das Mobiliar bringenließ; zur Aufsicht über die Wirthschaft, zumal Getreide eben in die Scheuer gebracht wurde, bestellte er den Vicar Andreas Wilczek, einen Freund des Verstorbenen und trug dem hiesigen Kaplan die weitere Verwaltung der Seelsorge auf. Am 5. fand die Leichenfeier statt, zu der 32 Priester erschienen. Hierauf meldete der Propst den Vorgang der Geistlichen Behörde und bat, recht bald einen Erzpriester zu ernennen, für welche Stelle er als würdigsten den Pfarrer Caspar Thaddäus Gawlik von Pogrzebin in Vorschlag brachte. Da Chorus zugleich als Altarist der Tuchmacherzunft ein besonderes Haus in der Stadt und in demselben eine volle Ausstattung (Bilder, Bücher, Meubles, Kleider, Schuldscheine etc.) hatte, so nahm der Propst mit mehreren Zeugen am 18. d. Mts. auch dieses Inventar auf. Für die Seelenruhe des Chorus sind 65 Gulden auf sechs heilige Messen fundirt. Kapläne unter ihm waren: Franz /Bartziaga/, geboren Benkowitz 1673, studirte in Olmütz, wurde Priester und 1698 vom Pfarrer zu seiner Bequemlichkeit angenommen, wird 1714 noch hier genannt, wurde 1715-1727 Vicar am Collegiatstift, Altarist der literatischen Bruderschaft und starb, falls es derselbe ist, im hohen Alter am 8. Februar 1761. Paul Ignatz /Popela/, geboren Benkowitz 1687, studirte speculative Theologie, wurde 1713 auf den Tischtitel des Johann Heinrich Rogoiski für Walzen ordinirt, Kaplan in Oderberg, Testamentsvollstrecker des verstorbenen Pfarrer Mathias Franz Meißel, wohnte in der Schule und erhielt den vierten Theil des Accidenz, kam nach Benkowitz, wurde 1741 Pfarrer in Ujest und starb 1748. Franz Lorenz /Novatius/, geboren Radoschau 1675, studirte in Olmütz, wurde 1700 auf den Tischtitel von Adamowitz, eines dem Jungfrauenstifte gehörigen Gutes ordinirt, Vicar in Rybnik, kam 1703 als Pfarrer nach Mschanna und 15. September 2727 hieher. Zum Weihnachtsgeschenk erhielt er vom Kloster alljährlich zwei Eichen. --- S.167/#182 In Benkowitz war ehemals unter den Knechten von Ostern bis Pfingsten ein Schulze aufgestellt, welcher mit seinen Adjuncten die von dem Gesinde in der Kirche begangenen Unziemlichkeiten bestrafte; da letztere aber die übrige Zeit des Jahres Excesse frei beginge, wurde auf Veranlassung des Pfarrers aus den Knechten ein Schulz auf das ganze Jahr bestellt, was sich auch in der Umgegend bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Der Pfarrer begann 1719 den massiven Kirchbau und ließ sowohl am Orte wie in Tworkau und Schillersdorf Ziegeln anfertigen, deren sehr viele in den Grund versenkt werden mußten. Er hatte 1500 Parochianen, katechisirte auch in der Schule fleißig und bezog aus den noch geringen Fundationen 7 Floren, aus den übrigen Einkünften 174 Floren. Er taufte 6. Juli 1729 ein Zwillingspaar aus Tworkau in Benkowitz , fundirte auf eine monatliche Messe für seine Seele 80 Thaler und starb in demselben Jahr. Anton Paul Schuster (siehe Erzpriester Seite 48.) Seit 1732 Pfarrer in Benkowitz, beendete er den Kirchenbau, den sein Vorgänger bis zum Tode fortgeführt und wozu 5000 Floren aus der Kirchenkasse verwendet worden waren. Im Jahre 1730 wurde das Kreuz auf den Thurm aufgesetzt. Von 1736-1738 ist die Kirchhofmauer auf der Straßenseite massiv hergestellt und über deren kleinen Pforte 1744 die St. Johannis von Nepomuk Statue von Stein zwischen zwei Genien mit Chronogramm aufgestellt worden. Der Kirchhof enthielt 80 Quadratruthen 30 Quadratfuß. Das Ober-Steueramt in Breslau bestimmte 1. April 1748, daß nach einer vom Landrath gehaltenen Untersuchung der Pfarrer laut seiner eingereichten Nachweisung einzunehmen habe: 1. an Missalien Getreide je 99 Scheffel Roggen und Hafer; b. an Manipulardecem (=Feldzehnt) 11 1/4 Scheffel Weizen, 117 Scheffel Roggen, 12 Scheffel Gerste und 106 1/2 Scheffel Hafer. Das von ihm angelegte, noch erhaltene Todtenbuch beginnt mit dem Jahre 1741. --- S.168/#183 Nachdem der Bau der Kirche vollendet war, wurde sie am 22. Juni 1749 durch den Fürstbischof Philipp Gothard Graf Schaffgotsch auf den alten Titel Allerheiligen consecrirt und findet das Kirchweihfest Sonntag vor Johannis dem Täufer statt. Das Gotteshaus ist 96 Ellen lang, 32 Ellen breit und hat 10 Fenster. Der Canonicus führte 3. Juni 1753 den Kreuzweg ein und errichtete 3 Jahre später die Bruderschaft zum heiligen Altarsacramente, fundirte die Predigten am Montag und Dinstag während des 40stündigen Gebets, 200 Gulden auf vier Cabtata und zwei stille Messen, wurde nach dem Tode des Anton von Mazurek Erzpriester, starb am 14. September 1756 und ist vor dem Altar des heiligen Johannes von Nepomuk bestattet, zu dessen Beschaffung er 100 Gulden verwendet hatte. Sein Porträt befindet sich im Pfarrhause zu Benkowitz. Dem Hirten folgten zwei Wohltäter der Kirche im Tode bald nach: nämlich am 26. August 1757 der Kirchvater Jacob Lokaj im Alter von 68 Jahren, bestattet unter dem Chor und 16. Januar 1760 Thomas Nawrath 56 Jahre alt, der zu den Stationsbildern Beiträge eifrig gesammelt. Kapläne waren: Johann /Woznicka/, ordinirt 23. September 1724, war 1731 Kaplan in Cosel, von November 1736-1740 hier, 1747 Kaplan in Gleiwitz, 1748 Administrator, dann Pfarrer in Pilchowitz, starb 1754 Simon /Schemiczek/, /Bukoviensis/, erhielt 22. September 1736 die /minores/, 16. März 1737 auf den Tischtitel des Josef Wenzel von Salisch für Kornowatz das Subdiaconat und 28. Februar 1738 die Priesterweihe, war hier Kaplan von 1741 bis 7. April 1751, wo er gottergeben starb und am nächsten Tage im Schiff der Kirche auf der rechten Seite neben dem Chor bestattet wurde. Während er October und November 1744 in Woinowitz Administrator gewesen, half in Benkowitz Marcell Janke aus. Dann leisteten Franziskaner Aushilfe, bis wieder Cooperatoren angestellt wurden. --- S.169/#184 Georg Josef /Kubicza/, geboren Radlin bei Loslau, erhielt 8. Juni 1743 die /minores/, trat 28. November d. J. ins Alumnat, wurde 30. Mai 1744 Subdiacon auf den Tischtitel des Adam Wenzel von Kisielowski für Seibersdorf, 12. Juni 1745 ordinirt, 1748 Kaplan in Groß-Dubensko, 1750 in Loslau, dann in Gieraltowitz, Juli 1751 hier, ging März 1753 nach Tost und war 1755 in Namslau. Martin /Philippi/, geboren 1730, 1. April 1752 Subdiacon, 23. December d. J. ordinirt mit bischöflicher Dispens, da 11 Monate fehlten; heir April 1753 bis 2. Juni 1754, Cooperator in Bohrau, wurde 1757-1776 Pfarrer in Kujau, starb als Pfarrer von Loncznik 4. März 1786. Georg /Foiczik/, geboren Sohrau, trat 5. November 1753 ins Alumnat, erhielt 29. März 1754 die Priesterweihe, war Kaplan in Benkowitz vom 11. Juni 1754 bis 26. März 1756, in Oltaschin 1760 bis 1761, kam nach Bodland. Matthäuse /Adametz/, geboren Benkowitz, war bereits September 1752 als Magister der freien Künste hierorts Pathe, erhielt 8. Juni 1754 die niederen Weihen, am 13. October des Jahres als Minorist Pathe in Janowitz, trat 4. April 1755 ins Alumnat, erhielt am 24. Mai auf den Tischtitel des Carl von Eicke für Lonitz, Pstronzna, Krzischkowitz, Rzuchow das Subdiaconat, am 20. September desselben Jahres die Priesterweihe, war hier Cooperator vom 27. März 1756 bis 26. Mai 1763, wurde Curatus in Woinowitz, October 1783 Administrator in Benkowitz, fundirte 160 Thaler auf ein Cantatum und acht stille Messen am hiesigen Orte, machte auch Fundationen in Polnisch-Krawarn und Woinowitz und starb als Pfarrer in Woinowitz 1. Februar 1785. Franz von Wyplar wurde zunächst Commendar 1) in Autischkau. Am 1. October 1743 trug das General-Vicariat-Amt dem Commissar Anton von Mazurek auf, den ---------- 1) Commendar ist ein Seelsorger ohne Investitur. --- S.170/#185 bisherigen Commendar als Pfarrer einzuführen. Letzterer wurde Anfang 1757 als Pfarrer hieher befördert, wo er bereits am 7. Januar die erste Taufe hielt. Auch dieser Pfarrer fand einen schnellen Tod. Am 29. November 1764 Abends 8 Uhr stürzte er in den Keller, blieb todt und wurde am nächsten Tage bestattet. Der Franciskaner P. Christian Piwko fungirte bis am 22. Januar, wo Ignatz Hanusek aus Tworkau als Administrator eintraf. Andreas /Puff/, geboren Ratibor, studirte 1752 als Grammatist in Rauden, war vom 22. Juli 1763 bis 14. April 1764 hierorts Kaplan, taufte 5. Mai 1764 in Janowitz, starb 27. März 1806 in Rauden und wurde in der Gruft unter dem Thurme bestattet. Mathias /Opperskalski/, Sohn des hiesigen Lehrers, starb am 28. Juli 1764. Sein Bruder Florian hielt am 17. Juni eine Taufe. Johann von /Burzinski/. (Siehe Altendorf S. 75.) Es war von der Breslauer Kammer angeordnet worden, daß auch die Geistlichen sich mit der verbesserten Lehrmethode in Sagan bekannt machen und darüber durch ein Zeugniß des Abt von Felbiger sich ausweisen sollten. Das General-Vicariat-Amt ersuchte 28. December 1764 die Breslauer Kammer, dem präsentirten Pfarrer das Placitum zu ertheilen und von der Reise nach Sagan zu entbinden, weil er bei dem Mangel an Seelsorgern von der Parochie nicht lange wegbleiben, sich auch durch die inzwischen gedruckte Instruction mit der Methode bekannt machen und später, wenn nähergelegene Seminarien vorhanden, eins derselben besuchen könne. Die Schlesische Kammer bestand aber 8. Januar auf der Forderung und könne kein Benefiziat, so lange anderwärts Seminarien noch nicht etablirt seien, von der Reise nach Sagen dispensirt werden. Inzwischen hatte Franz Julius Sommer, Pfarrer in Rathmannsdorf bei Neisse als Dechant von Ratibor gewünscht, dem Collegiatstift näher zu sein und um das Benefiz in Benkowitz gebeten, zog jedoch auf die Kunde, daß Benkowitz durchaus polnisch, er aber dieser --- S.171/#186 Sprache im allermindesten mächtig sei, das Gesuch 13. Mai zurück. Gleichwohl wurde er 1791 Pfarrer von Markowitz, wo er bis zum Tode durch 6 Jahre fungirte. v. Burzinski hatte sich, die Kosten nicht scheuend, von einem Ende Schlesiens zum andern reisend, nach Sagan verfügt, sich dort die für die Schule nöthigen Kenntnisse erworben, einen Attest über seinen angewendeten Fleiß erhalten und bat 23. März um das Placet zur Erlangung des Benkowitzer Benefiz, dessen Einkünfte auf 212 2/3 Thaler geschätzt wurden. Ehemals genossen Kirchväter die Auszeichnung, nach dem Tode in der Gruft beigesetzt zu werden; als letzter wurde Johann Adametz, ein Bauer, am 9. October 1767 in der Kirche bestattet. Seit 26. Juni 1765 Pfarrer in Benkowitz, wurde von Burzinski 1776 /Actuar circuli/, baute den Holzstall, schaffte abergläubische Gebräuche ab, z. B. das Baden der Pferde am Charfreitage, war ein eifriger Kanzelredner und Katechet, hielt 7. September die letzte Taufe, fundirte 100 Thaler auf ein Cantatum und vier stille Messen, starb am Blusturt 19. d. Mts. und wurde am nächsten Tage vor dem Altare Matris dolorum bestattet. Caspar /Misera/, geboren 1734 zu Benkowitz, war 1749 Grammatist, 1758 Theologe in Rauden, wurde 1760 ordinirt, half hier vom 11. Juli 1765 bis März 1767 aus, taufte inzwischen vom 1. Juni bis 13. d. Mts. in Janowitz, wurde 1775-1801 Präbendar in Myslowitz. Ignatz /Hanusek/, geboren Ratibor 1712, erhielt Pfingsten 1746 die niederen Weihen, 25. Februar 1747 das Subdiaconat, wurde 25. Juni d. J. Priester, war 1748 Cooperator in Dzieckowitz, 1750 in Otmuth, 1751 in Chroscina, 1752 in Brosetz, 1753 in Altzülz, 1756 in Jedlownik, September 1757 bis März 1769 in Tworkau, inzwischen nach v. Wiplar's Tode Administrator in Benkowitz, wurde, nachdem er sehr oft hier Aushilfe geleistet, Kaplan, --- S.172/#187 starb 25. APril 1779 und wurde zwei Tage später in der Kirche bestattet. Ignatz /Leja/, geboren August 1740, Kaplan in Benkowitz, war von 1773-1778 Kaplan in Cosel, Sacristan in Ratibor, starb als Vicar 28. November 1807. Lorenz /Kurek/, geboren 1737 in Oppeln, erhielt 21. Juni 1761 die niederen Weihen, 5. Juni 1762 die Ordination mit Dispens über 3 Monate, war 1765 Kaplan in Krappitz, hier Mai 1773. Caspar /Staß/, Kaplan vom 20. Juni 1773 ab. Valentin /Schade/, hier Kaplan vom 16. März 1774 bis 2. Februar 1775. Andreas /Jaroszczik/, heir Kaplan vom 17. Mai bis 4. Juni 1776. Heinrich /Poznalek/, geboren Ratibor, 19. Februar 1774 Minorist, erhielt 23. December 1775 die Priesterweihe, war Januar 1777 Cooperator in Lubowitz, wurde März bis April 1778 Cooperator in Pschow, hier Kaplan vom 13. APril bis 25. August d. J. und kam als Pfarrer nach Pstronzna. Nach ihm war längere Zeit kein Kaplan am Orte; Franciskaner und Nachbargeistliche leisteten bisweilen Aushilfe. Administratoren waren nach dem Tode des von Burzinski: Anton /Preidel/, geboren Militsch, Sohn eines Kochs, studirte von 170 ab in Rauden, traf 21. November 1781 ins Alumnat, das er 4. Mai ohne Decret verließ, wurde November 1783 Kaplan in Gleiwitz. Matthäus /Adametz/, der ehemalige Kaplan seit dem 9. October 1783, im späten Winter fungirte ein Franciskaner. Maximilian von /Por,ebski/, geboren Brodek November 1744, Sohn des Georg von Por,ebski und der Marianne von Kamienitz, ordinirt 1767, zunächst Pfarrer in Repten 1768, wurde Decan des Beuthner Cirkels 1773, am 21. September 1783 vom Jungfrauenstift für die hiesige Pfarrei präsentirt, vom Vicariatamt 29. October zur Ertheilung des Placet dem dirigirenden Minister von --- S.173/#188 Schlesien empfohlen, am 15. November nominirt und Februar 1784 eingeführt, hielt die Trauungen meist selbst, begrub 12. Mai 1794 seine 85jährige Mutter, die drei Tage vorher im Herrn verschieden und 5. November d. J. den Vater, der am 2. d. Mts. 82 1/2 Jahr alt gestorben war. Das Jungfrauenstift überreichte 15. Februar 1794 laut Edict vom 14. Februar 1793 das Vermögensverzeichniß der Benkowitzer Kirche, nämlich ein Rechnungsbuch von 1748, ein Proventenbuch von 1651, welches 7. November 1736 vom Erzpriester und 20. Mai 1737 bei der Generalvisitation vom Generalvicar Joachim von Strachwitz approbirt worden, wie auch ein Beschreibung der Gebäude, des Kircheninventars, der Einnahmen. Die massive Kirche hatte sechs Altäre, bedurfte der Pflasterung, der Glockenthurm war noch nicht völlig aufgeführt, der Kirchhof nur von der Dorfseite mit einer Mauer umgeben. Der Pfarrer beschaffte neue für 120 Thaler von Krause in Frankenstein gemalte Kreuzwegbilder, wozu er 114 Thaler beitrug und die beiden Staffirer durch 18 Wochen beköstigte. Während der Anfertigung, als eben die Bruderschaftsexhorten am Gründonnerstag Abends den 17. April gehalten wurde, entstand ein Brand, welcher das Dach der Kirche, den Thurm mit 5 Glocken, das Pfarrhaus (die Stallungen blieben stehen) einen bedeutenden Theil des Dorfes in Asche legte. Leider ging auch die Pfarrregistratur mit Ausnahme eines einzigen Schriftstückes zu Grunde. Noch in demselben Jahre wurde die Pfarrei, Thurm und Dach der Kirche wiederhergestellt. Stanke in Troppau goß drei Glocken, eine große von 15 Centner 50 Pfund, eine mittlere von 6 Centner 82 Pfund, eine kleine von 44 Pfund, wozu die Kirchenkasse 500 Thaler, die Gemeinde 101 Thaler, Georg Wyskoni aus Sudol 80 Thaler gegeben. Die Sterbeglocke von 80 Pfund und Signalglocke von 90 Pfund beschafften zwei andere Wohlthäter. Johann von Wostrowski residirender Domherr in Breslau erbot sich die Glocken zu benediciren und waren --- S.174/#189 die geistlichen Jungfrauen aus Ratibor bei der Feierlichkeit anwesend. es herrschte allgemeine Freude und Trost nach der schweren Heimsuchung. Zur Erneuerung des Kirchendaches und Thurmes hatte das Stift 800 Thaler, der Pfarrer 400 Gulden, die Kirche 200 Thaler, Thomas Lamzych 50 Gulden gegeben, zur Eindeckung des kleinen Thurmes die Knechte und Mägde 100 Gulden. Da das ehemals feste Gewölbe im Feuer sehr gelitten, so wurde dasselbe durch eine Thür verschlossen, um das Herumlaufen der Jugend auf demselben zu verhüten. Der westliche, südliche und östliche Theil der Kirchhofmauer wurde 1795 aufgeführt, wozu das Jungfrauenstift als Patron den Kalk und der Pfarrer 200 Thaler gaben. Ein großer Wohltäter der Kirche war der Obermüller Johann Koza; er beschaffte im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts ein Leichentuch zur Bahre, für 120 Gulden ein rothes Meßgewand mit weißem Rücken und echten Tressen; für 40 Gulden ein schwarzes Meßgewand aus Manchester, gab 18 Thaler als Beitrag zum Kreuzweg, zur 80 Pfund schweren Signaturglocke 100 Gulden, zur 40 Pfund schweren Sterbeglocke 40 Thaler. Er und der ehelose Simon Jaschik fundirten 120 Thaler zu Predigten am Gründonnerstage, welche zwei Franciskaner halten sollten, für deren Abholung und Abfuhr die Gemeinde sorgte. Anfangs fanden Abends vor Charfreitag Geißelungen der Männer bei sechs Predigten statt, was später abgeschafft wurde. Seit dem Brande wurden nur drei Predigten gehalten und zwar zwei in der Nacht und eine am nächsten Morgen; da aber die beiden Reden die Zuhörer ermüdeten, so wurde die erste auf den Palmsonntag, wo großer Markt stattfindet, verlegt; die am Abend des Charfreitages übliche blieb weiter bestehen. Als sich 1799 die Gemeinde freikaufte und die Dominialgrundstücke erwarb, wurde der auf denselben haftende Feldzehnt in eine Rente von 200 Gulden verwandelt. Aus der 1794 erbauten Pfarrwohnung wurden 1801 Schüttboden und Stallungen geschaffen und ein neues Pfarrhaus --- S.175/#190 massiv aufgeführt; es ist 2 Stock hoch, 64 1/4' lang, 37 1/3' breit und unterkellert; in der Bel-Etage befinden sich Gesindestuben mit Kammer, Kaplanstube mit Kammer, ein Stübchen für die Wirthin, Küche und Speisegewölbe, alles gewölbt; im Oberstock ein Speisesaal und vier Stuben. Das Jungfrauenstift gab das Bauholz, 80 Thaler auf Holz zum Ziegelbrennen; die Kirchenkasse 200 Thaler, der Pfarrer schoß 1380 Thaler zu, die Parochianen leisteten Spann- und Handdienste. Die Sudoler wurden zur Leistung ihres Antheils gerichtlich verurtheilt. In dem Abkommen zwischen der Gemeinde und dem Kloster vom 16. September 1799 lautete § 10: die alten Stallungen des Vorwerks neben dem Pfarrgrunde, den Schüttboden im Garten, die mittleren und neueren Scheuern müssen die Käufer vom herrschaftlichen Grunde hinwegräumen und da die Pfarrscheuern daselbst baufällig sind, soll die Gemeinde die neuen Scheuern auf dem Pfarrgrunde setzen. Auch hat sie dem Pfarrer und Organisten das Heu zu geben und alle Lasten des Hospitals zu tragen. 1803 wurde die hölzerne Scheuer mit zwei Tennen und drei Bansen nebst Wandschoppen und die Wagenremise gebaut. Maria Anna, getauft 12. September 1737, Tochter des Franz Graf Wengersky auf Rybnik, ahtte sich als verwittwete von Lippa 15. Juni 1773 mit Anton Freiherr" von Kalkreuth vermählt, der am 3. März 1800 auf Pogrzebin starb. Die Wittwe fundirte 23. November 1806 bei dieser Kirche 480 Thaler zum Geläut der Todesangst und des Abscheidens Christi, wie auch auf ein Jahresgedächtniß und ging am letzten Tage des nächsten Jahres in die Ewigkeit. Der Pfarrer resignirte 1809 wegen Augenschwäche und blieb bis zum Tode am Orte. Am 16. April 1818 meldete der Erzpriester dem Capitularvicariatamte, daß von Porembski am zweiten Pfingstfeiertage sein 50jähriges Priesterjubiläum feiern werde und erhielt am 30. d. Mts. den Auftrag, ein von demselben Amte an der Jubilar --- S.176/#191 gerichtetes Glückwunschschreiben am Feste einzuhändigen und ihm auch mündlich die Theilnahme und Achtung der geistlichen Behörde zu versichern. Der emeritirte Pfarrer Maximilian von Porembski starb am 28. Februar 1824. Er hatte des Morgens die Dorfgerichte berufen, um sein Testament zu amchen. Als er die Legate niederschrieb, traf ihn ein Nervenschlag, worauf er sofort seinen Geist aufgab. Seine nächsten Erben waren die verheiratheten Töchter seines Bruders: Caroline verehelichte Lieutenant von Dombrowski, Luise verehelichte Conducteur Jurzyczek (beide in Rybnik) und Natalie verehelichte Erbrichter Miketta in Koblau. Erzpriester Zolondek verfügte sich sofort nach Benkowitz zur Versiegelung. Am 3. März erschien der Justizrath Kersten vom Oberlandesgericht, nahm einige Siegel ab, Silbersachen, Hypotheken und das bare Geld in Depositum und versiegelte das Zurückbleibende. Das Vicariatamt machte Gegenvorstellungen, das Gericht aber berief sich auf das Reglement Berlin 8. August 1750, wonach blos die active Geistlichkeit, welche in der Seelsorge sei, in Bezug auf die Regulirung des Nachlasses unter dem geistlichen Amte stehe, aber das Reglement erwähnt weder Activität noch Emeritirung, sondern spricht von Geistlichen überhaupt und v. Porembski verrichtete alle Geschäfte eines Seelsorgers bis zum Tode, so weit es seine Kräfte zuließen. Das Oberlandesgericht beauftragte 6. April den Erzpriester, die Entsiegelung und Inventur baldigst vorzunehmen, den Mobilarnachlaß nach Ratibor zu schaffen und das gelöste Geld /ad depositum/ zu geben. Etwas später setzte es zur Versteigerung des Nachlasses eine Termin auf den 24. Mai loco Benkowitz an. Der Pfarrer, welcher mit dem Adel der Geburt zugleich ein edles Herz verband, war wohlthätig gegen die Armen, ein gewissenhaften Priester, treuer Freund, Urheber und Beförderer der Ackervertheilung in der Gemeinde. Bei seinem Begräbniß am 4. März waren 29 Priester erschienen und ruht er vor dem Altar /matris dolorum/. --- S.177/#192 Die Universalerben des Verstorbenen, Pfarrer Galda und Erzpriester Kubiczek errichteten 1840 für ihn eine Fundation von 75 Thaler auf ein Anniversar mit Conduct und Salve. Kapläne: Johann /Wystyrk/, war zweimal hier angestellt, zunächst von 4. April 1786 bis 22. April 1788 und von Juli 1796 bis Juli 1796, starb vor 1802. Albert /Kalu.za/, geboren 1765 zu Loslau, erhielt 21. Februar 1785 die /minores/, 10. Juni 1786 auf den Tischtitel des von Januschowski-Goldmannsdorf das Subdiaconat, 22. September 1787 mit päpstlicher Dispense von 19 Monaten 19 Tagen die Priesterweihe, hier von 29. April 1788 bis 30. Juli 1789, dann Kaplan in Cosel, 1790 Pfarrer in Rzctziz, wo er 23. April 1796 starb. Jacob /Menzel/, geboren Türkwitz, erhielt 17. December 1785 die niederen Weihen, 10 Juni 1786 auf den Tischtitel des Breslauer Archidiacon Ernst von Strachwitz-Buchelsdorf das Subdiaconat, 29. October d. J. die Priesterweihe, hier August 1789 bis 10. Januar 1791, wurde Pfarrer in Landsberg, wo er 18. Mai 1806 starb. Daniel /Blachnik/, geboren Rosenberg, erhielt 24ten September 1785 die /minores/, 17. December d. J. auf den Tischtitel des v. Schweinichen-Radau das Subdiaconat, 25. März 1786 die Priesterweihe, hier von 18. Januar 1791 bis 15. Februar d. J., wurde Kaplan in Pilchowitz, dann Lokalist in Koschentin und wird 1802 nicht mehr genannt. Andreas /Baron/, geboren Groß-Strehlitz 1764, erhielt 23. Devember 1786 die /minores/, am 2. Juni 1787 auf den Tischtitel des Johann Erdmann Graf Tenczin-Grodzisko das Subdiaconat, 22. December d. J. die Priesterweihe, hier von 25. Februar 1791 bis 12. Juli 1794, schenkte zu dem Kreuzweg 9 Thaler, wurde Pfarrer in Sierokau und starb als Jubilar 5. Januar 1846. Simon /Galda/, Kaplan von 3. September 1798 bis 1809, wurde hier Pfarrer. Er war 22. October 1769 zu Benkowitz als Sohn eines Schmiedemeisters geboren, studirte in Rauden, erhielt 21. September 1793 die niederen --- S.178/#193 Weihen, 3. November auf den Tischtitel des Jungfrauenklosters für das Gut Benkowitz das Subdiaconat, trat 5ten November ins Alumnat, erhielt 5. April 1794 die Ordination, feierte die Primiz in der noch rauchenden Kirche des Geburtsortes, die wenige Tage vorher das Dach eingebüßt, wurde Kaplan in Polnisch-Neukirch, 1796 in Lohnau, 1798 in Benkowitz, Pfarradministrator am 9. October 1809, vom Jungfrauenkloster präsentirt, 15. November vom General-Vicariat-Amt zur Ertheilung des Placet der Breslauer Kammer empfohlen, zahlte der Seminarien-Kasse 128 2/3 Thaler, worauf er die Rechte, Einkünfte, Privilegien und Lasten der Pfarrei und der Organistenstelle, wie auch das Inventar beider Kirchen verzeichnete. Da das Pfarrarchiv 1794 verbrannt war, so schöpfte er seine Nachrichten aus dem Archipresbyteratsarchiv, aus der mündlichen Ueberlieferung und sachilderte den Zustand der Kirchen und Schulen aus eigner Anschauung. Damals bestanden bereits zwei äußere Kapellen, eine mitten auf dem Wege bei dem Gasthause, die andere zu Ehren des heiligen Johannes von Nepomuk an der Westseite des Dorfes; gemauerte Säulen waren eine außerhalb des Dorfes bei der Ziegelei mit den Bilern des heiligen Nicolaus und des heiligen Florian; eine zum heiligen Urban an der Grenze der Dorfäcker neben der Ratiborer Straße. Kreuze standen je eins auf beiden Seiten des Kirchhofs, das dritte am Ende des Dorfes (/na chechlowie/), das vierte na Padzielkach (=Parzelle) am Ratiborer Wege, hieher geht die Procession am Gedächtnistage der heiligen Martyrer Johannes und Paulus. Das bei der Scheuerbrücke ist nicht benedicirt. Galda erwähnt bei Beschreibunge, wie der Gottesdienst gehalten wurde, eines alten Gebrauches, der sichauch in der Umgegend bis auf die Gegenwart erhalten hat, nämlich, daß am ersten Sonntage nach jeder Quatemberwoche nach dem Ausläuten eine lange Reihe eingetragener Verstorbener, --- S.179/#194 und zwar aus jedem Hause zwei oder drei von der Kanzel verlesen werden, hierauf folgt ein kurze Exhorte über das Sonntagsevangelium und fünf Vaterunser mit dem englischen Gruße; nach dem Asperges wird das Hochamt mit Opfergang gehalten, woran sich die Procession wie am Allerseelentage anschließt 1). Die Kirche hat sechs Altäre: das Hochaltar zu Allerheiligen in Mistek durch Oczko geschnitzt, der auch die Kanzel enfertigte, kostete 47 Thaler; das Altar Johannes von Nepomuk, beschafft durch Pfarrer Schuster; das Corporis Christialtar; das Altar zur schemrzhaften Mutter Gottes, 1568 durch den Junggesellen Gregor Musiol aus Sudol besorgt; das Altar des heiligen Anton von Padua, durch Pfarrer Thoams Tobiades angeschafft; St Anna-Altar nach der Säcularisation des Klarenklosters in Troppau durch den Pächter des hiesigen Vorwerks Carl. v. Schweinichen gekauft. Um die Bojanower vom Besuche der Kirche in Kranowitz abzuhalten, hatte Bauer Josef Zbeczka aus Bojanow 200 Thaler fundirt, damit nach allen Hochämtern an Sonn- und Feiertagen der sacramentale Segen gegeben werde, wie dies in der Olmützer Diöcese, wozu Kranowitz gehört, üblich gewesen. Hochämter fanden außergewöhnlich statt an den drei Freitagen nach Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten mit Procession durchs Dorf, am Tage St. Johannes von Nepomuk, der heiligen Martyrer Johannes und Paulus, Florian, Urban durchs Feld, an dem Gelöbnißtage St. Nicolai ----------- 1) Zu den Pflichten der im Jahre 1343 zu Ratibor errichteten heut noch bestehenden literatischen Bruderschaft gehört auch die Verbindlichkeit, daß die Mitglieder Sonntags nach den Quatembern den Vigilien und am folgenden Tage der Bruderschaftsmesse beiwohnen und für die gestorbenen Brüder und Schwestern beten. Nach den Statuten des Bischof Rudolf findet am ersten freien Tage nach der Quatemberzeit Officium und Requiem für die Bruderschaft statt. In Gleiwitz wurde schon in alter Zeit Sonntags das officium defunctorum mit neun Lectionen und ein /sacrum/ für die Verstorbenen gehalten, was bei der canonischen Visitation im Jahre 1679 verboten wurde. --- S.180/#195 ohne Procession; an den Tagen St. Mathias, Maria Magdalena, Anna und Laurentius wurde wenigstens Nachmittag gearbeitet; wegen der gut ausgefallenen Ackertheilung zwischen Dominium und Gemeinde wurde am Annafeste nach dem Hochamte der Segen ertheilt; damals zählte die Parochie 1477 Communikanten, akatholisch war nur ein Häusler in Sudol. " 197-198 Pfarrei Benkowitz, Sudol "

Sudol,

nördlich von Benkowitz gelegen, wird das erste Mal 1334 erwähnt, als Bischof Nanker den Feldzehnten dem Jungfrauenkloster schenkte. Der Ort hieß damals Suchdol Trockenthal im Gegensatz zu dem benachbarten auf Ratibor zu gelegenen quellreichen Dorfe Studena (Studna=Brunnen). Das Gut gehörte bereits im 15. Jahrhunderte dem Geschlecht Klema von Elgot. Als die Herzöge Nicolaus und Wenzel am 25. April 1435 dem Sobek Bielik von Oderberg und dessen Bruder Mathes ihr Dorf Olsau für treue Dienste schenkten, steht unter den Zeugen Johann Klema v. Suchdol am zweiter Stelle. Derselbe tritt auch 23. Februar 1479 in einer zu Ratibor ausgestellten Urkunde auf. Der Landrichter Nicolaus Klema-Kocur (Kater), wohnte in Ratibor und gab dem Prior des Dominikanerklosters 1530 alle Quartale 1 1/2 Thaler auf fromme Fürbitten. Er kaufte 1545 von der Familie Bitowski von Fulstein das bischöfliche Lehn Katscher und hatte mit seiner Gattin Salome v. Zwole nur Töchter. Eine derselben Anna vermählte sich zunächst mit Nicolaus von Skrzidlowski, in zweiter Ehe mit Sigmund Reiswitz von Kandrzin auf Kornitz. Der Vater verschrieb ihr 1555 800 Thaler auf Sudol. Eine andere Tochter Magdalena verehelichte sich mit Nicolaus von Gaschin und schenkte ihm 1557 halb Sudol, ein Haus und Garten in Ratibor, auch brachte sie ihm den halben Lehnsantheil --- S.198/#213 Katscher zu. Zwei Jahre später übergab Anna ihrem Schwager ihren Antheil an Katscher, so daß er das ganze Lehn allein besaß: Sudol aber behielt er nur zur Hälfte, so daß letzterer Ort fortan aus zwei Antheilen bestand.

Erster Antheil von Sudol.

Nicolaus von Gaschin, welcher 20. September 1583 in Polen erschossen worden, hinterließ zwei Söhne Johann und Melchior. Ersterer theilte mit seinem Bruder 24ten März 1584 den vom Vater ererbten Besitz und übernahm Halbsudol, erhielt 1586 für seine Familie den böhmischen Ritterstand, starb 1610 und wurde in der Kreuzkapelle der Dominikanerklosterkirche bestattet. Sein Denkstein ist in der Wand noch zu sehen. Sein Bruder Melchior auf Katscher, der Rosenberg und Albrechtsdorf gekauft, erbte Halbsudol und verschrieb am 24. August 1611 den Dominikanern auf dies Gut 100 Thaler, für deren Zinsen sie alle Freitage ein eheilige Messe für die Familie lesen sollten. Melchior hielt treu zum Hause Habsburg und erlangte am 5. April 1621 die Freiherrenwürde mit dem Prädikat 'von und zu Rosenberg.' Er hinterließ von seiner Gattin Margareth von Skal vier Söhne und zwei Töchter, welche 7. Januar 1633 in den Grafenstand erhoben wurden. Joachim Ludwig, der zweite Sohn hinterließ nur zwei Töchter: Judith Margareth und Euphemia Polixena. Letzte ehelichte 1673 den Franz Albrecht von Lichnowsky auf Lubowitz und starb schon in den nächsten Jahren; auch Judith war vor dem 21. Juli 1679 aus dem Leben geschieden; denn an diesem Tage schlossen die Mitglieder der Familie mit ihrem Neffen Julius Ferdinand Graf Jaroschin einen Vergleich, wonach letzterer halb Sudol (Vorwerk und Feld), Vorwerk Pieklo in Altendorf und einen freien Platz in Ratibor für 1500 Thaler überließen, welche Güter ihm bereits verpfändet waren. Letztere fielen aber an die Gaschin zurück, denn am 19. März 1682 verkauften die Geschwister Ferdinand Otto Graf Gaschin Freiherr von Rosenberg auf Freistadt, Wyssoka, Katscher zugleich in Vertretung der Johanna --- S.199/#214 Emerentia Gräfin Gallas geb. Gräfin Gaschin und Comtesse Catharina Benigna, ferner Georg Adam Franz und Rudolf Graf Gaschin dem Gotfried Bernard Schalscha v. Ehrenfeld auf Silberkopf den Antheil Sudol mit dem Platze vom Freihause in Ratibor und dem Vorwerk in Altendorf für 4166 2/3 Thaler. Der Käufer war Wirthschaftshauptmann bei Graf Gaschin in Polnisch-Neukirch gewesen, hatte 16ten Mai 1676 den böhmischen Ritterstand erhalten und 1680 Silberkopf erworben. In zweiter Ehe vermählte er sich 28. Mai 1684 mit Eva Constanze Victoria von Skal, kaufte 1687 Makau, 1698 Mosurau, machte 6. Mai 1698 sein Testament und starb am nächsten Tage. Die Söhne theilten sich in die väterlichen Güter. Philipp Florian erhielt halb Makau, Josef Anton die andere Hälfte des Ortes, Carl Franz Mosurau und Johann Georg Silberkopf mit Halbsudol. Letztgenannter verkaufte am 16. Februar 1718 mit seiner Gattin Johanna Therese, Tochter des Carl von Zagiczek, halb Sudol dem Christian Florian v. Ehrencron auf Brzesnitz, Lodnitz und Tabor für 4800 Thaler schlesisch. Von nun an blieb dieser Antheil durch 91 Jahre bei dem 1 3/8 Meilen entfernten Brzesnitz und führte davon seinen Beinamen. Die Indiction des Gutes Halbsudol betrug nur 14 Thaler, da der Besitzer hier keine steuerbaren Realitäten hatte, außer daß im Kretscham 30 Achtel Bier und ein Eimer Branntwein jährlich ausgeschänkt wurden. Vieh wurde nicht gehalten und das Wiesenheu nach Brzesnitz geführt. Im Antheile waren 11 Bauern 2 Halbbauern 1 Häusler, die 49 Stück Kühe 150 Schafe und 13 Schweine hielten. Der aus Kuchelna stammende Viehhirt Simon Biskup wurde 23. September 1747 von einem ungezähmten Stier durchbohrt und starb sofort ehe der Priester herbeieilen konnte. Die nachfolgenden Besitzer sind bei Brzesnitz aufgeführt. Als Carl von Schimonski auf Brzesnitz am 4. October 1809 den Antheil Sudol an den Justizcommissar --- S.200/#215 und Syndicus der Oberschlesischen Landschaft Franz August Taistrik für 8000 Thaler verkaufte, erhielt dies Zweiggut den Namen Ober-Sudol. Der Besitzer desselben erwarb erwarb von dem andern Antheile 27 Morgen Ländereien und Wiesen, das Bier- und Branntweinregal für 1241 Thaler und verkaufte am 21. Februar 1817 sein Rittergut für 17,500 Thaler an die Gemeinde Ober-Sudol.

Zweiter Antheil.

Derselbe führte durch fast dreihundert Jahre den Namen Kornitzer, seit dem Anfange des 18. Jahrhunderts auch den Namen: Trach'scher Antheil und hieß seit 1809 Nieder-Sudol. Der fleißige Topograph Knie machte 1845 in seiner Uebersicht der Dörfer, Flecken und Städte die Bemerkung, daß in Sudol die Aecker und Gehöfte des Brzesnitzer und Kornitzer Antheils unter einander gemengt liegen und der Grund dieser nicht einmal örtlich bedingten Trennung nicht ermittelt werden kann! Im Vorstehenden ist bereits nachgewiesen, wie der eine Antheil 1718 zur Herrschaft Brzesnitz gelangte und auch schon angedeutet, wann und wie der andere an Kornitz gedieh und soll nunmehr die Aufeinanderfolge der Besitzer dieses zweiten Antheils gleichfalls verzeichnet werden. Nicolaus Klema von Elgot hatte noch Ganzsudol besessen. Durch dessen Töchter trat die Theilung ein. Magdalena brachte ihren Antheil dem Nicolaus von Gaschin auf Katscher zu und Anna den ihrigen dem Gemahl Sigismund Reiswitz auf Kornitz, der 11. Februar 1625 Vorwerk Ottitz, die Dörfer Bojanow, Woinowitz und Lekartow erkauft, wurde von seinem Sohne Heinrich beerbt, der 23. Januar 1657 starb und nur zwei Töchter hinterließ. Anna vermählte sich zunächst mit Ferdinand Dreski von Märzdorf aus Bransdorf, dann mit Carl Freiherr v. Trach, Edler von Birkau. Ursula Marianna, welche Kornitz, Lekartow, Bojanow, Ottitz, Woinowitz und Halbsudol geerbt, nahm 1669 in erster Ehe den Melchior Wilhelm v. Skal --- S.201/#216 auf Moschen, Müllmen etc. und in zweiter Ehe 22. Juli 1680 den Paul Reinhard von Beyer. Am 2. Januar 1705 verkaufte sie mit Einwilligung ihres Ehemannes für 25 mille Thaler schlesisch Bojanow, Ottitz, Lekartow, Halbsudol, das Kornitzer Haus und den Garten in Ratibor an ihren Neffen, den Sohn des Carl Freiherrn von Trach, Namens Silvius Erdmann auf Bransdorf, Kornitz, Woinowitz, Slawikau, Zittna, der schon am 28. Juli 1710 starb und von seinem Bruder Gotlieb Carl beerbt wurde. Letzterer erwarb die Herrschaft Tworkau und war Landeshauptmann von Jägerndorf. Die Indiction von Ottitz, Lekartow und Halbsudol betrug 1249 Thaler, die des ganzen Dorfes 744 Thaler. Der Ausschank in Sudol wechselte alljährlich mit dem Kretscham im andern Theile und wurden 8 Achtel Bier, wie auch etwas Branntwein consumirt. Die 11 Bauern und 10 Gärtner hielten 62 Schafe, 44 Kühe und 11 Schweine. Gottlieb Freiherr von Trach verkaufte 2. Mai 1731 die Güter Kornitz, Bojanow, Woinowitz, Lekartow, Dzimirz, Zittna, Vorwerk Ottitz und Halbsudol an Hieronymus Edler von Bernini. Der Verkauf des in Altendorf gelegenen Kornitzer Vorwerks ist S. 58 erwähnt; das Kornitzer Landhaus auf der Jungfrauenstraße (Grotefendts Hotel 'Deutsches Haus') nebst Spitalgarten veräußerte die Wittwe des Gottlieb Freiherrn von Trach, geb. Gräfin Sobeck, die sich mit dem General von Weichs in dritter Ehe vermählt, 1765 für 1000 Thaler an Johann Anton Toscani. Antheil Sudol II. blieb mit Kornitz in der Familie von Bernini bis 1788, wo es Kurt Graf Haugwitz kaufte. Dominial-Ländereien befanden sich in diesem Antheile nicht, sondern die Unterthanen gaben Zins: in Geld 71 Thaler 13 Silbergroschen 8 Pfennige und in Getreide 11 Scheffel 4 Metzen. Die Robot der zur Herrschaft Kornitz gehörenden Ackerbauern zu Lekartow, Halbsudol, Bojanow und Woinowitz bestand in je dreitägigem (vierspännigem) --- S.202/#217" Roß- und Fußdienst auf den Vorwerken. Die Großbauern waren, weil sie mehr Acker besaßen, verpflichtet, in der Saatzeit an einem vierten Tage der Woche mit drei Pferden und drei Eggen hinter dem Hofezuge zu eggen. In den Wintermonaten hatten die Bauern statt Ackerdienste zu leisten, Klaftern zu schlagen, Holz aus dem Zyttnaer, später aus dem Dzimirzer Walde, Dung, Kalk etc. anzufahren. Donnerstag im Winter war wegen des Ratiborer Marktes robotfrei. Da jeder Bauer Gesinde und sechs bis acht Pferde hielt, so konnte neben der Frohnarbeit für die Herrschaft der eigene Acker ganz gut bestellt werden. Doch klagten die Unterthanen wegen Ueberbürdung und scheint eine kleine Erleichterung eingetreten zu sein. Justizratz Taistrik kaufte 22. October 1814 vom Freibauer Johann Wollny das Gut N. 9 für 2000 Thaler. Die beiden Bauern Mathes Zajonc und Franz Burzig, welche von Georgi bis Martini wöchentlich je drei Tage, von Martini bis Georgi je zwei Tage Spanndienste der Grundherrschaft leisteten, je 3 Thaler 18 Silbergroschen Grundzinsen, an Wachtgeld 20 Silbergroschen zahlten, Gespinnst lieferten, beim Schafebaden und -scheren halfen, machten sich 26. October 1814 robotfrei, indem sie die Hälfte ihrer Felder und Wiesen gegen Empfang von je 100 Thalern dem Justizrath Taistrik überließen und nur die Hälfte der Grundzinsen erlegten. Anfang October 1816 verkaufte der Staats- und Cabinetsminister Graf Haugwitz durch den Bevollmächtigten Justiziar der Kornitzer Herrschaft Greupner der Gemeinde Sudol Kornitzer Antheils (Scholz war Marcell Kurzidem, Gerichtsleute Johann Kostka, Thomas Badziura, Valentin Ploch, im Beistand des Rector Frank aus Benkowitz) das Dorf mit Rechten und Lasten, Roboten, Zinsen und Ehrungen für 8600 Thaler. Am 4. September 1857 entstand ein großes Feuer, welches 33 Wohnhäuser, 12 Scheunen und 2 Speicher in Asche legte. --- S.203/#218 Im Jahre 1784 hatte der Brzesnitzer Antheil 11 Bauern 3 Gärtner 87 Seelen; der Kornitzer Antheil 11 Bauern 10 Gärtner 3 Häusler. 1825 zählte ganz Sudol 356 Seelen; 1844 Sudol I. in 36 Häusern 210 Einwohner und Sudol II. in 32 Häusern 256 Einwohner; 1855 Sudol I. 206, Sudol II. 261 Einwohner; 1861 Sudol I. in 39 Privatwohnhäusern 232 und Sudol II. in 44 Häusern 243 Seelen. 1883 in 74 Häusern 578 Seelen, welche 98 Pferde, 265 Stück Rindvieh, 122 Stück Schwarzvieh, 25 Ziegen und 29 Bienenstöcke halten.

Gratialkirche.

Eine Kapelle am Orte stand seit 1771, obgleich Dr. Luchs im zweiten Bande der Schlesischen Vorzeit Seite 30 meint, daß der dreiseitig schließende Chor noch dem alten gothischen Bau zuzusprechen sein dürfte. Der Auszügler Caspar Ploch beabsichtigte dieselbe zu erweitern, damit jährlich wenigstens einige Male, besonders an den aufgehobenen Feiertagen darin Gottesdienst gehalten werde. Bei einem Besuch des Generalvicars Emanuel von Schimonski an seinem Geburtsorte Brzesnitz trug Ploch seinen Wunsch vor und erhielt mündlich die Genehmigung zur Erweiterung. Er erbaute auf eigene Kosten ein massives Kirchlein mit Hochaltar, Kanzel und Orgel, bestimmte Neujahr 1803 zur Bestreitung der Unterhaltungskosten und Reparaturen 100 Thaler der Benkowitzer Pfarrkirche und machte sich verbindlich zur Salarirung eines Geistlichen nach erfolgter Einweihung 200 Floren zu bezahlen. Die Gemeinden beider Antheile beschlossen 17. Juni 1804 einstimmig, zur Unterhaltung eines Geistlichen der Benkowitzer Pfarrkirche als einbeständiges Fundationskapital 1200 Floren zu bestimmen und machten sich verbindlich, das Kapital entweder mit 5 pCt. zu verzinsen und die Zinsen an den Pfarrer in Benkowitz jährlich abzuführen, oder aber die Summe in vier Terminen abzuzahlen und die Ausleihung des Kapitals demselben zu überlassen. Die --- S.204/#219 Verbindlichkeit zur Zinsenzahlung solle vom Tage der Einweihung der Gratialkirche halbjährlich gerechnet werden. Zur Sicherheit verpfändeten sie correaliter ihre Wirthschaften und Grundstücke. Der Pfarrer soll jeden Monat an einem ihm beliebigen Sonntage entweder selbst oder durch seinen Kaplan Gottesdienst halten und soll der Klingelbeutel zur Unterhaltung der Kaplelle verwendet werden. Schließlich erklärten sie, in der Folge nie dahin trachten zu wollen, daß die Gratialkirche zu einer Filiale erhoben werde und machten sich verbindlich, ohne Beihilfe der Dominien die etwa fehlenden Unterhaltungskosten und Reparaturen des Gotteshauses selbst zu bestreiten, die bisherigen Beiträge zur Pfarrkirche zu leisten und die Emolumente dem Pfarrer abzuführen. Die Gratialkirche wurde 11. November 1804 unter dem Titel „Mariä Verlobung“ durch den Fürstbischöflichen Commissar Franz Seypold aus Polnisch-Krawarn benedicirt und wird das Kirchweihfest am zweiten Sonntage im November gehalten. Das Gotteshaus führt den Namen Gratialkirche deßhalb, weil die ehemalige St. Nicolaikapelle aus besonderer Begnadigung zur Kirche umgestaltet wurde. Die beiden Dominien gaben ihren Consens am 6. August und 6. December desselben Jahres. Das Fundationsinstrument wurde von der Kriegs- und Domänenkammer 3. März 1805 und vom General-Vicariat-Amte am 13. April desselben Jahres bestätigt. Von den 12 Bänken beschaffte eine Josef Carl von Schimonski, der auch das Repositorium in der Sacristei und ein Reliquiarium Sanct Crucis mit Anthentica besorgte. Die Gemeinde schaffte die Mauer um den Kirchhof, ließ später öfters auf eigene Kosten Gottesdienst halten und sendete die Fuhren, aber außer Beicht und Messe werden keine Sacramente gespendet. Ein Kreuz steht auf dem Kirchhofe, ein zweites mit 10 Thaler Fundationskapital zur Conservirung an der Studzinnaer Grenze. Der Bauerauszügler Caspar Ploch starb 24. November 1808 im Alter von 70 Jahren --- S.205/#220 und wurde als Fundator in hiesiger Kirche bestattet. Allmählig wurden auch Fundationen errichtet, die hier persolvirt werden sollten. So gab 7. Juni 1822 die unverehelichte Hedwig Tomiczek 60 Thaler auf drei Seelenmessen an den drei ersten Freitagen der Fastenzeit, wobei der Sudoler Lehrer ein Lied zum Leiden Christi zu singen habe. Am 30. December 1829 gaben die Philipp und Hedwig Wiskonischen Eheleute 100 Thaler auf fünf heilige Messen an drei Freitagen in der Fastenzeit und an dem ersten Freitage nach Ostern und Pfingsten nebst Lied oder Litanei, die der Sudoler Lehrer unter Orgelbegleitung zu singen habe. Bei Mangel eines Kaplans kann mit Wissen des Pfarrers ein fremder Geistlicher die heiligen Messen celebrieren. Bei der Errichtung der Kirche war auf die Besoldung des Organisten keine Rücksicht genommen worden. Als es 1840 zur Differenz zwischen Pfarrer und Gemeinde kam, so stiftete, obgleich die Geistliche Behörde entschieden, daß die Gemeinde für die Besoldung des Organisten Sorge tragen müsse, doch Pfarrer Marcinek um allen späteren Unannehmlichkeiten zu entgehen, 15. August 1845 freiwillig 40 Thaler, wofür der Lehrer in Sudol jährlich die Zinsen empfing. Bei Einzahlung des Stiftungskapitals wurde der Brzesnitzer Antheil mit 458 Thalern 24 Silbergroschen 10 Pfennige, der Kornitzer mit 341 Thaler 5 Silbergroschen 2 Pfennige berechnet. Der Freibauer Vincent Kostka vermachte 24. Februar 1850 auf ein Anniversar 80 Thaler, der Bauer Nicolaus Kotula 11. April 1853 auf Fürbitten an den 12 Sonntagen 20 Thaler, die Anbauer Wittwe Josefa Kramarczyk 10. Juni 1860 auf ein Requiem cantatum und eine stille Messe 100 Thaler; 7. Juni 1863 wurden auf zwei /Requiem cantata/ für Franz und Adam Thomiczek 120 Thaler fundirt. Für den 21. November 1870 im Kriege gefallenen Simon Konieczny gab der Stiefvater Anastasius Popela am 30. Juli 1872 auf ein Requiem cantatum und eine Messe 100 Thaler; für Josefa Kramarczyk geb. Glombik, wurden --- S.206/#221 auf ein Anniversar und eine stille Messe 4. August 1872 100 Thaler fundirt. Zur Begründung eines Pfarrsystems stiftete der in Sudol geborene Pfarrer Wiskoni in Rudnik am 14. Januar 1864 ein Legat von 17,750 Mark, welches bis Ende 1873 auf 25,380 Mark, bis 1884 auf 35,730 Mark anwuchs. Am 6. Dezember 1868 kaufte die Gemeinde von Wilhelm Morawetz die Häuslerstelle N. 128 für 400 Thaler und im Viehtriebe 1 Morgen 140 Quadratruthen für 40 Thaler und überließ diese Grundstücke 24. März 1871 der Kirche zur Errichtung einer Pfarrei, wozu der Minister 24. Mai 1871 die Genehmigung ertheilte. Andreas Kramarczyk testirte 29. Januar 1883 ein Grundstück von einem Morgen Flächeninhalt und wurde im nächsten Jahre ein massives Pfarrhaus mit schönen Räumen aufgeführt.

Schule.

In der Disposition der Schulen des Kreises 1765 wurde Bojanow nach Sudol geschlagen. Der Landrath Johann Heinrich von Wrochem zeigte 10. October 1782 den Dominien zu Kornitz und Brzezie an: Bei Revision des Dorfes Sudol haben die Ortsgerichte beider Antheile erklärt, eine eigene Schule zu erbauen und einen besoldeten Schulmeister zu halten, was unter der Bedingung angenommen worden sei, daß das Schulhaus für eine Wohn- und geräumige Lehrstube angelegt und mit gemauertem Schornstein versehen werden müsse; der Platz, wo ehemals ein gemeinschaftliches Hirtenhaus gestanden, sei auszuzeichnen. Am 16. April 1788 verfügte er die Absetzung des bisherigen Schulmeisters wegen Untüchtigkeit und Streitsucht und genehmigte die Ansetzung des Invaliden vom Haggerschen Regiment Lorenz /Piella/. An Gehalt bezog er: a. vom Dominium 5 Floren rheinisch, 5 Scheffel Roggen, 1 1/2 Fuder Heu, freie Hutung; b. von Sudol 6 Floren und 5 Scheffel Roggen; c. von Bojanow 8 Floren und 8 Scheffel Roggen. --- S.207/#222 Die Kinder kamen 1798 wegen Hofearbeit und Gesindemangel nicht fleißig in die Schule, doch wollte der Lehrer ein Verzeichnis der schulpflichtigen Schüler aufnehmen. Das Gebäude, nämlich noch das Hirtenhaus, war in gutem Stande. Der Lehrer bezog von der Gemeinde nur 5 Floren und 3 Scheffel Roggen großes Maaß, vom Dominium nichts. Am 29. August 1800 befahl der Landrath der Gemeinde, unter Vermeidung unangenehmer Ahndung dem Hirten eine andere Wohnung anzuweisen. Am 9. April 1801 erklärte sichdas Kornitzer Wirthschaftsamt bereit, das zur Vergrößerung des Schulgebäudes erforderliche Holz unentgeltlich zu geben. Am 22. April 1802 verfügte der Landrath an die Dominien, das Stübchen für den Lehrer in Stand zu setzen und die Lehrstube zu repariren und die Breslauer Kammer befahl 9. Juni für den neuen Lehrer das im Reglement 18ten Mai 1801 festgesetzte Gehalt auszumitteln. Carl Krzewki, Schulhalter von Sudol, starb 2. November 1801 im Alter von 67 Jahren. Seine Wittwe Marianna, die nach Benkowitz zog, folgte ihm 27. April 1806, 68 Jahre alt, im Tode nach. Georg /Heber/, geboren 1748, war von 1802-1805 Lehrer in Studzienna gewesen (Seite 119), wurde hieher versetzt und starb 6. März 1808. --- S.208/#223 Josef Krause erwarb 1793 das Seminarzeugniß in Rauden, trat zum Militär, wurde als Trompeter nach 14jährigem Dienst entlassen und 1808 als Lehrer hier angestellt. Nach dem am 28. März geschlossenen Contract erhielt er 7 Scheffel Getreide großes Maaß, 4 Klaftern Holz und 25 Thaler, Hutung für zwei Kühe, Schwarzvieh und Gänse. Das Schulhaus war bereits schlecht und drang 1818 die Behörde auf einen Neubau. Im Januar waren bereits 40 mille Ziegeln und 12 Balken Holz vorräthig. Da die Schülerzahl sich vermehrte und die Kinder wenig lernten, so wurde die Anstellung eines Adjuvanten nöthig. Es war Mathias /Sobetzko/, geboren 1799, aus dem Seminar 1823. Nachdem Krause 17 Jahre 5 Monate hier gelehrt, mußte er unter der Bedingung abgehen, daß ihm 10 Gulden und 2 Scheffel Roggen vom Nachfolger jährlich gereicht wurden; er starb pensionirt 14. April 1843, 70 Jahre alt. Am 4. Februar 1826 wurde der Gehalt von dem Steueramt für den ehemaligen Adjuvanten und neuen Lehrer repartirt, die Vocation aber erst 19. December 1829 bestätigt. Er nahm Sofie Seifried zur Ehegattin und wurde 1. Januar 1833 nach Ruderswald versetzt. Franz /Machaczek/, geboren 1809, in Breslau 1829 bis 1832 gebildet, Adjuvant in Janowitz seit 15. Juli 1832, wurde Sommer 1833 hier Lehrer, 1. April 1843 Organist und Lehrer in Woinowitz, starb 29. Juni 1876. Durch Wegschaffung des Backofens und Anwendung von Subsellien wurde das Lehrzimmer 1841 vergrößert. Robert /Gottwaldt/, geboren 27. Juli 1815 Ratibor, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, machte 1839 in Oberglogau vor der Commission die Prüfung, wurde für befähigt gefunden und Mai d. J. Adjuvant in Markowitz; 1. Juli 1840 nach Bukau als selbstständiger Lehrer befördert, erhielt er 1. März 1843 für Sudol die Vocation, bestätigt 4. März 1844. Das Einkommen dieser Stelle betrug --- S.209/#224 18 Scheffel 8 1/2 Metzen Preußisches Maaß Roggen, 3 Scheffel Weizen, 16 Centner Heu und 4 Schock Stroh, 3 Scheffel Gerste, 9 Klaftern Leibholz und 50 Thaler Gehalt und Nutznießung von circa 5 1/2 Scheffel Preußisches Maaß Aussaat Hutungsland, für welche die Schule im Jahre 1861 bei der Ackerseparation in der Nähe des Dorfes nur 4 Morgen erhielt. Das Gehalt, anfänglich 50 Thaler, wurde im Jahre 1867 auf 70 Thaler und im Jahre 1868 auf 168 Thaler jährlich erhöht. Ein Erweiterungsbau sollte im Jahre 1848 stattfinden, doch unterblieb derselbe bei den damaligen unruhigen Zeiten und erst im Jahre 1857 wurde der Neubau des Schulhauses auf der Stelle des alten Schulgebäudes ausgeführt; im Oberstocke befindet sich die Schulstube und im Unterstocke die Wohnung des Lehrers. Schulkinder waren: 1799 40, 1842 76, 1857 71, 1865 74, 1878 110, 1884 110.

Bojanow,

8 Kilometer südwestlich von Ratibor an der Zinna und eine kleine Strecke südlich von Woinowitz gelegen, hat mit letzterem Orte in alter Zeit nicht nur eine gemeinsame Geschichte, sondern auch die Bedeutung der Namen beider Orte ist eine gleiche. Wojna und boj heißt Krieg, Kampf und ist leicht möglich, daß in grauer Vorzeit dort eine Schlacht stattgefunden und bei Anlage beider Dörfer der Name von dem ehemaligen Schlachtfelde gewählt worden. Ein Ritter und Landsasse Gerhard von Bojanow tritt 1313 in einer Benkowitz betreffenden Urkunde als Zeuge auf. Prinzessin Eufemia vermachte in ihrem Testamente 1358 unter anderen Dotationen dem Jungfrauenstifte auch das Dorf Bojanow mit dem Vorwerk und allem Zubehör; das Gut wurde aber 50 Jahre später als heimgefallene Apanage eingezogen. Im Jahre 1370 hatte der Dominikaner-Convent in Bojanow eine Wiese, die unter den Wiesen des Jungfrauenstiftes lag. Mitte September 1522 verpfändete Herzog Johann von Oppeln und Ratibor das --- S.210/#225 Dorf den Gebrüdern Johann und Nicolaus Klema von Elgot, welche ihm 300 ungarische und 100 böhmische Gulden geliehen und dafür aus Bojanow einen Zins von 32 Gulden erhielten. Nach dem Urbar von 1532 hatte Bojanow 30 angesessene Unterthanen, welche 19 1/4 Hufen hielten und 38 Gulden zinsten. Die Mühle hatte zwei Räder und war Eigenthum des Müllers, zinste 4 Malter Mehl, 1 Scheffel Malz, mästete von Michaelis bis Fastnacht und von da bis Ostern je 2 Schweine. Nachdem der Kaiser 1567 bewilligt, die verpfändeten Schloßgüter und Zinsen zur Herrschaft einzulösen und Ratibor letztere in Pfand nahm, wurde die Stadt aufgefordert, den Schwiegersöhnen des Nicolaus Klema: Sigismund von Reiswitz und Nicolaus von Gaschin auf Wrchles die 300 ungarische Floren und 100 Thaler in Münze auszuzahlen, aber Ratibor hatte sich durch Uebernahme der Schloßherrschaft so tief in Schulden gestürzt, daß es auch die kleine Summe nicht aufbringen konnte oder auch weil es nur wiederkäufliche Zinsen betraf, nicht zahlen wollte. Rathsherr Daniel Maczak in Troppau, dessen Magistrat für die Schulden der Stadt Ratibor Bürgschaft geleistet, erhielt auch Bojanow, Woinowitz und Lekartow bis 1588 in Pfand. Nach dem Urbar von 1595 hatte ersteres Dorf 27 Bauern mit 26 1/4 Zins- und 1 Freihufe, 7 Gärtner; es zinste 56 Thaler 5 Groschen, 1 Scheffel Weizen, vier Malter Roggen, 1/2 Stein Inselt, 4 Schweine, 248 Hühner, 9 13/30 Schock Eier, 66 Fuder Heu. 1607 wurde Bojanow auf 6086 Thaler, der Erlenwald auf 150 Thaler taxirt. Die drei vorgenannten Dörfer und das Vorwerk Ottitz kamen als bisheriger Theil der Schloßherrschaft Ratibor 1629 für 34,000 Thaler in den Erbbesitz des Stanislaus Reiswitz von Kanderzin auf Kornitz und blieben bei diesem Hauptgute bis gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts. Nach den Befundtabellen von 1725 lag das Herrschaftliche Gut mit 300 Thalern in der Indiction, hatte vier --- S.211/#226 Gärtchen auf 7 Scheffel Aussaat, hielt 400 Schafe, 16 Kühe, 2 Schweine, säete je 11 1/2 Malter zur Winterung und Sommerung aus, hatte 20 Dreschgärtner, 6 Freigärtner, bezog von der Mühle mit zwei Gängen des Georg Steiner 50 Scheffel Metzgetreide. Im Kretscham wurden 57 Achtel Bier ausgeschänkt. Da der Branntweinurbar auf sämmtlichen Gütern der Herrschaft Tworkau-Kornitz um 100 Floren verpachtet war, so entfiel auf Bojanow 1 Thaler 12 Silbergroschen. Die Unterthanen lagen in der Indiction mit 600 Thalern. Scholz war Mathes Wieczorek, außerdem waren angesessen 14 Bauern, 30 Gärtner, die 43 Gärtchen zusammen auf 6 Scheffel besaßen und je 28 Malter zum Herbst und Frühjahr aussäeten. Das Gut hatte mit Nieder-Sudol denselben Herrn, seit 1788 Curt Graf Haugwitz S.201. Die drei bisher zum Dominium Kornitz gehörigen Gemeinden Bojanow, Woinowitz und Lekartow haben sich 1796 nicht nur von allen herrschaftlichen Roboten, Zinsen, Ehrungen, Laudemien frei gekauft, sondern es fielen ihnen auch die den Dominien zustehenden Hutungs-, Brau-, Brenn-, Arende- und Jagdgerechtigkeiten, auch die in jedem Orte belegenen Vorwerksrealitäten, nämlich der Gemeinde Bojanow das Vorwerk daselbst, der zu Woinowitz das dortige Vorwerk und der Gemeinde Lekartow das Vorwerk Ober-Ottitz eigenthümlich zu. Der Kaufpreis dafür war 16,000 Thaler, außerdem kauften die drei Gemeinden von demselben Staatsminister Graf Haugwitz noch die Hälfte des zu Zyttna gelegenen Dominialwaldes von 589 Morgen 170 Quadratruthen für 30,000 Thaler. Nur die Gerichtsbarkeit behielt sich der ehemalige Besitzer vor, wofür sie einen jährlichen Schutz- oder Jurisdictionszins von 176 Thalern in die Kornitzer Rentkasse erlegen sollten. Dieser Dismembrations- und Freikaufsvertrag, in welchem sich die Schuldner Alle für Einen und Einer für Alls zur Zahlung verpflichteten, wurde unterm 5. October 1797 vom Staatsminister für Schlesien Graf Hoym auf Allerhöchsten Specialbefehl genehmigt, unterm 29. Januar --- S.212/#227 von der Oberamtsregierung nach beigebrachter Zustimmung der Oberschlesischen Landschaft verlautbart, unterm 2. Februar bestätigt und am 12. October 1798 das Gerichtsamt befehligt, die Regulirung des Hypothekenwesens nach Lage der Dismembration vorzunehmen. In Folge dessen rissen die Erwerber die Vorwerke ein, verkauften die Bestände und Inventarienstücke, ließen die Dominialäcker ihren Stellen zutheilen, lichteten den schönen Wald, besaßen die Brau-, Brenn-, Jagd- etc. Gerechtigkeiten in Gemeinschaft und zahlten dem Grafen auf Abschlag der Kaufgelder 129 /mille/, so daß sie ihm noch 62 mille schuldig blieben. Allein von dem gezahlten Gelde war auch nicht ein Groschen aus dem Vermögen der Käufer hergegeben, vielmehr hatten sie mit großen Opfern und auf mancherlei Wegen bedeutende Summen aufgenommen, die später zu Protestationen wegen nicht vollständig empfangener Valuta und andern processualischen Weitläufigkeiten wegen Zinsen und nicht innegehaltenen Abschlagszahlungen vielfältige Veranlassung gaben, so daß schon im Entstehen dieses Correalbandes der Keim zu seiner künftigen Auflösung gelegt wurde. Ursprünglich hatten die reluirten Gemeinden von Otto Sigismund von Ramin 130 mille zu 5 pCt. geliehen, die auf sämmtliche Stellenbesitzer als Correalschuld eingetragen, später an den Hofagenten Dr. Kuh zu Breslau gediehen und von diesem, da verschiedene Einwendungen gegen die Valuta gemacht wurden, 23,600 Thaler nachgelassen und gelöscht wurden. Die Forderung von 106,400 Thaler gedieh durch Erbschaftsgang und Cessionen an den /Dr. med./ Carl Kuh zu Breslau (wovon 1/5 seiner minorennen Schwester Julie zustand). Eine zweite Schuld stammte von Otto Gottlieb v. Ramin, welche durch Concessionen an die Graf Schlabrendorffschen Erben gedieh, deren Forderung 10 mille betrug; die dritte Post zu 4 procent zinsbar, bestand aus rückständigen Kaufgeldern für die zergliederten Vorwerke, gehörte dem Graf Haugwitz zu Este bei Venedig und btrug 62,000 Thaler. Schon zu Anfang des Jahrhunderts und noch --- S.213/#228 mehr in den Kriegsjahren kamen wegen rückständigen Zinszahlungen Mandate, Executionen, Abalienationen und Subhastationen vor. Im Jahre 1828 waren bereits 44,600 Thaler Zinsen rückständig. Die Kuhschen Erben ließen von 144 Stellenbesitzern 116 subhastiren und mußten, um ihr Kapital zu retten, dieselben erstehen. Bojanow hatte 2402 Preußische Morgen Flächeninhalt. Kuh arrondirte die Feldmarken, stellte 926 Morgen für die Gemeinde Bojanow zum Ankauf und dotirte jedes Bauerngut robotfrei mit 50 Morgen Grund für 800 Thaler, verlangte nur den vierten Theil baar als Angeld, schenkte ihnen die Wirthschaftsgebäude und Inventarienstücke; diejenigen, welche nicht kaufen konnten, erhielten die Stellen in billige Zeitpacht. Trotz der Menschenfreundlichkeit und Uneigennützigkeit Seitens des Dr. Kuh beschwerten sich Einige der ehemals /frei/ Gewesenen über das Unglück: jetzt selbst arbeiten und hinter dem Pfluge einhergehen zu müssen! Bis zum Jahre 1845 zahlte die Gemeinde einen Geldzins der Kirche in Jedlownik, über welchen im Abschnitt Woinowitz S. 571 und 575 Näheres folgen wird. Am 1. Juli 1851 kaufte das Vorwerk Lieutenant Rudolf von Gräve. Willisch wurde 2. Januar 1858 landschaftlicher Sequester. Carl Fürst Lichnowsky erwarb das Gut in der Subhastation laut Adjudicatoria vom 11ten März 1859 für 69,000 Thaler. Am 31. Mai d. J. wurde der Besitztitel berichtigt. 1863 ist der Ort mit Bränden stark heimgesucht worden und Juni 1879 verursachte die ausgetretene Zinna bedeutende Schaden. Das Gut Bojanow umfaßt 204,19 Hectar Acker und Gärten, 39,47 Hectar Wiesen, 8,54 Hectar Unland, in Summa 252,20 Hectar. Die Gemeinde enthält 8 Halbbauern, 6 Viertelbauern, 18 Gärtner, 46 Häuslerstellen, die Feldmark umfaßt 1021 Morgen; es werden 90 Pferde, an 200 Stück Rindvieh, 32 Schweine und 11 Ziegen gehalten. Der Müller Ignatz Thomiczek schloß sich am --- S.214/#229 2. Januar 1790 der Bäckerzunft in Ratibor an. Die Wassermühle befindet sich noch am Orte und ist als Mehlmühle, seit 25 Jahren mit Dampfbetrieb, im Besitz des Kaufmann Tarlau, hat gegenwärtig einen Umsatz von mehr als eine Million Mark jährlich. Die Zahl der Einwohner betrug: 1784 257 Seelen (15 Bauern, 31 Gärtner, 2 Häusler), 1825 513, 1842 584 Seelen in 111 Häusern, 1861 512, 1875 616; Ende 1880 hatte der Gutsbezirk 82, der Gemeindebezirk 543 Personen; 1885 bestehen 14 Bauerngüter, 16 Gärtner-, 52 Häuslerstellen mit 630 Seelen.

Kapelle.

Noch zu Anfang des Jahrhunderts wurde mit einer an einer Linde hängenden Glocke Angelus geläutet, dann ein hölzernes Kapellchen errichtet. Die 1818 erweiterte, massiv erbaute Kapelle weihte Prälat Zolondek in Gegenwart des Pfarrer Simon Galda ein und schenkte ihr ein großes 1673 angefertigtes Oelgemälde, den heiligen Nicolaus darstellend, welches 1818 und 1853 renovirt wurde. Die Gemeinde richtete die bisherige Kapelle zur Darbringung des heiligen Meßopfers ein und erhielt 20ten November 1871 durch den Ceremoniar an der Domkirche Franz Wache aus Breslau ein /Altare portatile/. Fürstbischof Heinrich gab 20. Januar 1872 die Erlaubniß zur Celebrirung, jedoch nur für solche Wochentage, an denen sich der Pfarrer dazu geneigt erklärt; an Sonn- und Feiertagen solle darin keinerlei Function stattfinden; auch dürfen keinerlei Rechtsansprüche auf besondere gottesdienstliche Verrichtungen in derselben in Folge dieser Erlaubniß gemacht werden, noch sollen dem Pfarrer von Benkowitz dadurch Verpflichtungen erwachsen. Die Gemeinde habe um Celebrirung geziemend nachzusuchen und wegen Fuhre und Remuneration das Erforderliche mit den Geistlichen zu vereinbaren. Zufolge des unter demselben Datum ertheilten fürstbischöflichen Auftrags benedicirte Pfarrer Marcinek 11ten November 1872 die Kapelle, welche im nächsten Jahre nach --- S.215/#230 Westen um einige Fuß erweitert wurde. Tischler Theodor Piela erbaute das Altar im gothischen Stile und dessen Bruder, der Historienmaler Franz Piela, fertigte das Bild der unbefleckten Empfängniß. Der Forstmeister Vincent Magerle, der in Bojanow als Pensionär lebte, gab nachdem er Kohlengrubenantheile in Niewiadom geerbt, mehrere Beiträge zum Bau der Kapelle und fundirte 10. September 1874 300 Mark, deren Zinsen er, sei es zu Bauten sei es zur Anschaffung des zum Gottesdienst Erforderlichen bestimmte. Er starb 14. Februar 1882 und hat ein Denkmal auf dem Kirchhofe in Benkowitz. Am 12. Mai 1879 erfolgte die Abnahme der von Dürschlag aus Rybnik erbauten Orgel.

Schule.

Ehemals war der Ort nach Benkowitz eingeschult. Die Vorschrift der Breslauer Kriegs- und Domänenkammer vom 24. Mai 1764 und das Reglement vom 3. November 1765 veranlaßte die hiesige Gemeinde eine Schule zu errichten und wurde Carl Krzewki als Lehrer angestellt. Derselbe ließ 21. Januar 1767 in der Pfarrkirche ein Kind taufen. Sein Nachfolger Andreas Macioch erscheint 29ten October 1794 als Pate. Georg /Rohrbeck/, bisher Lehrer in Studzienna (siehe Seite 119), bekleidete nach ihm den Posten längere Zeit ohne Tadel, aber die Gemeinde kündigte ihm im Sommer 1806 den Dienst und schloß mit dem Oeconom Fröhlich über die Verwaltung des Schul- und Gemeindeschreiberdienstes einen Contract. Der Landrath rügte am 20. Juni, daß die Dorfgerichte sich hatten beikommen lassen, ohne nähere Instruction der Königlichen Schul-Inspectio zu handeln und befahl den Lehrer ungekränkt und in den Emolumenten befriedigt, erst im October abgehen zu lassen. Er fand in Zawada und 1818 in Thurse Anstellung. Johann /Kiebel/, vom Schulen-Inspector Zolondek empfohlen, wurde Neujahr 1808 gleichfalls von der Gemeinde seines Amtes entlassen und der Unterricht dem Lehrer Werner am 4. Januar anvertraut. Die Schuldirection ließ aber --- S.216/#231 durch den Pfarrer Andreas Bensch aus Lissek und Justizcommissar Wodak im Termine zu Bojanow 11. März die gegen den Lehrer gemachten Anklagen untersuchen und bis zum Austrage der Sache die Emolumente durch die Gemeinde verabreichen. Laut Nachweisung von 1810 bezog der Lehrer an Gehalt 22 1/3 Thaler, 6 Scheffel Roggen, je 2 Scheffel Weizen und Gerste, 4 Klaftern Holz. Franz Mucha begrub 1812 ein Kind. Jacob /Liko/, geboren 1785, gebildet in Troppau und Leobschütz, wurde 26. November 1813 angestellt und heirathete 30. August 1814 Gertrud, Tochter des Josef Clemenz aus Bojanow. Er erhielt 50 Thaler Nominalmünze = 28 Thaler 27 Silbergroschen 2 Pfennige, 10 Scheffel Deputat, 4, später 5 Klaftern Holz. Am 3. März 1818 befahl die Königliche Regierung durch den Landrath, dem Lehrer das reglementsmäßige Einkommen auszumitteln und den Neubau eines Schulhauses einzuleiten, auch die Leute durch Strafen anzuhalten, ihre Kinder fleißiger in die Schule zu schicken. Die Deputirten erklärten im Termin am 14ten April: das Haus sei noch gut, nur wohne der Lehrer wegen Enge des Raumes sehr unbequem: eine Erweiterung lasse sich nicht anbringen, da das Schulhaus zwischen zwei Possessionen eingekeilt sei; man wolle einen Platz aussuchen, um ein massives Haus auszuführen. Mai 1821 begannen die Sammlungen der Gemeinde auf die Anschaffung des Kalkes. Maurermeister Josef Pietrzyk machte Ende des Monats den Kostenanschlag auf 651 1/4 Thaler. Herbst desselben Jahres war der Bau vollendet; das Lehrzimmer 18 1/2' breit, 20' lang, der Anbau 23 1/4' lang, 14 1/4' breit; drei Fenster im alten, vier Fenster im neuen Anbau; die Lehrerwohnung 19 1/2' lang und 19' breit, das Nebenzimmer 15 1/4' lang und 14' breit; das alte Wohnhaus war einstöckig, der massive Anbau zweistöckig. Johann Niewrzela (S. 119), wurde 1. Juni 1805 in Studzienna als Lehrer angestellt, mußte aber auf Vorschlag des Landraths mit dem Lehrer Jacob Liko tauschen. --- S.217/#232 Am 9. Januar 1822 begann er hier sein Amt. Da die Schulstelle weder Acker noch Garten hatte, so einigten sich Mai 1824 Lehrer und Gemeinde auf zwei Stückchen Wiese von 11 Metzen, ein Gärtchen von 2 Metzen, 2 Schock Roggenstroh, das Gebund von 24 Pfund, 6 Centner Heu á 15 Gebund á 10 Pfund, 1 Scheffel Land zur Hutung. Das Behältnis zur Aufnahme von Stroh und Heu fand eine Erweiterung. Der Lehrer wohnte im Oberstock und starb 30. Januar 1828 im Alter von 42 Jahren. Die Gemeinde wählte als Nachfolger den ehemaligen Kanzleiassistent und nunmehrigen Gemeindeschreiber Gol,abek, der aber von der Behörde nicht angenommen wurde. Lorenz /Moczigemba/, geboren Rudnik 1799, 1824 im Seminar geprüft, Adjuvant in Thurse, wurde bei der Gromada Anfang April 1828 als Nachfolger erwählt. Der bisher an der Schule fehlende Brunnen wurde 1831 gebaut. Die definitive Vocationdes bisher interimistisch fungirenden Lehrers durch Dr. Kuh erfolgte 15. Februar 1832. Da keine Hutung am Orte existirte, wurden 2 Morgen 30 Quadratruthen Acker und 1 Morgen 98 Quadratruthen Wiese der Schulstelle geschenkt. Das Lehrlocal war bereits zu klein und erhielten die Kinder abwechselnd Unterricht, weßhalb die Königliche Regierung 20. August 1842 das Landrathsamt beauftragte, einen Erweiterungsbau zu veranlassen. Das Project dazu nebst Situationsplan lieferte Bauinspector Linke 13. Januar 1843 und wurden von April ab monatlich 20 Thaler in die Steuerkasse als Baufonds eingezahlt. September 1844 konnte bereits in der neuen Schulstube Unterricht ertheilt werden. Professor Dr. Kuh hatte als Vorschuß sämmtliches Baumaterial gegeben, wie auch das Arbeitslohn an Maurer und Zimmerleute vorgestreckt. Die Kosten betrugen 597 1/3 Thaler, wozu das Dominium 356 Thaler 8 Silbergroschen, die Gemeinde 241 Thaler 2 Silbergroschen beitrug. Im Jahre 1852 war der Gurtbogen in einem Lehrzimmer im Erdgeschoß gesprungen und wurde die Reparatur durch Mauermeister Benke aus Ratibor ausgeführt. --- S.218/#233 Moczygemba ließ sich 1. October 1871 pensioniren und bezog das Emeritendrittel mit 60 Thaler, erhielt vom 1ten Februar 1872 ab aus der Wittwen- und Waisenkasse 15 Thaler, wohnte einige Zeit bei seinem Schwiegersohne Lehrer Benek in Pyschcz und starb 17. December 1882 in Bojanow. Ignatz /Planetorz/, geboren Czissek 31. Juli 1846, Oberglogau 1865 geprüft, ging auf kurze Zeit nach Syrin, Mai 1866 nach Lubom, December 1867 nach Benkowitz, wurde 17. Juni 1871 Substitut in Bojanow, erhielt 21ten August 1872 die Bestätigung als Lehrer und leistete 14ten November 1872 den Diensteid. Planetorz ist seit 1874 zugleich Gemeindeschreiber. Weil mehrere Lehrer des Oppler Departements wegen Verbesserung in andere Regierungsbezirke übersiedelten, so suchte die Königliche Regierung dem entstehenden Mangel durch eine den dort geltenden Normen entsprechende Erhöhung der Gehälter vorzubeugen. Für Bojanow setzte sie das Einkommen der Lehrerstelle vom 1. Januar 1876 von 750 auf 810 Mark fest. Da die Räume, welche ohne dies dem Zwecke nicht entsprachen, unzulänglich geworden und ein Neubau dringend geboten erschien, wurden zu den Verhandlungen durch fünf Jahre wiederholt Termine abgehalten. Am 20. Mai 1879 beschloß die Gemeinde, vom 1. Juli ab alle Quartale 300 Mark aufzubringen, erklärte aber 20. April 1881 in Folge der Armuth des größten Theils der Einsassen und der Belastung des Grundbesitzes mithohen Abgaben außer Stande zu sein, den Bau aus eigenen Mitteln auszuführen und baten um Staatsbeihilfe. Nachdem ein von Schmied Anton Lukoschek an dessen Besitzung gelegenes Gartengrundstück eingetauscht, aber wegen Nähe des Dominialstalles und der Schmiede als ungeeignet befunden worden, erbot sich am 3. Juli 1882 die Gemeinde ein am Anfang des Dorfes nach Kranowitzer zu belegenes Grundstück von 18 Aar 27 Quadratmeter als Schulbauplatz zu schenken. Die Königliche Regierung genehmigte 5. Juni 1883 das vom Kreisbau-Inspector Schorn für 231 Mark angefertigte Project. --- S.219/#234 In der Streitsache der Gemeinde gegen Fürst Lichnowsky ist erstere durch Beschluß des Kreisausschusses vom 20. November 1883 mit der Klage wegen Heranziehung zu 2/3 der Baukosten abgewiesen worden, weßhalb sie die Bitte um Staatshilfe erneuerte, aber am 1. Juli 1885 entschied das Ratiborer Amtsgericht zu Gunsten der Gemeinde. Am 16. Juni 1884 hatte Regierungs- und Schulrath Dr. Montag mit dem Kreis-Schulen-Inspector Dr. Rhode das Aeußere der Schule in Augenschein genommen, um die Dringlichkeit des Neubaues zu prüfen. Schulkinder waren: 1828 74, 1842 87, 1857 66, 1865 83, 1873 135, 1878 113, 1881 107, 1884 113.

Parochie Janowitz.

Dazu gehören folgende Ortschaften: Janowitz, Czyprzanow, Lekartow mit Bahnhof „Woinowitz“, Ober-Ottitz, Neu-Ottitz, Schardzin mit Ausschluß der fünf Häuser von Pawlau-Schardzin, Kornitz mit der Colonie Sechshäuser und dem Vorwerk Paulshof, endlich die Colonie Pobiehof bei Groß-Peterwitz. Bei der Personenstands-Aufnahme im November 1884 zum Zwecke der Steuereinschätzung wurde in diesen Ortschaften die Seelenzahl auf zusammen 2212 festgestellt, darunter vier Familien evangelisch und keine Juden. Die Sprache der Bewohner ist polnisch und mährisch untermischt.

Dorf Janowitz,

8,5 Kilometer südwestlich der Kreisstadt, an der Zinna gelegen, gehört zu den ältesten Orten der Gegend. Am 15. April 1339 vermachte der Besitzer des Gutes Ritter Mesco von Kornitz mit Genehmigung des Herzog Nicolaus von Ratibor das halbe Dorf der Stadtpfarrkirche mit der Bedingung, daß der jedesmalige Pfarrer von Ratibor, dem die Nutznießung des Gutes zukommt, wöchentlich eine heilige Messe für das Seelenheil der Familie des Fundators celebrire. --- S.220/#235 Pfarrer Johannes Dzecko hatte sich die Gunst seines Landesherrn in hohem Maaße erworben. In einer Urkunde vom 30. November 1364 spricht der Herzog von den großen Diensten, welche der genannte Pfarrer ihm und seinem Lande, besonders bei de apostolischen Stuhle und auch anderweitig geleistet. Wahrscheinlich hatte letzterer die Dispensation zur Vermählung mit der Falkenberger Prinzessin Jutta, die im dritten Grade mit der ersten Gemahlin verwandt war, in Rom ausgewirkt. Aus Dankbarkeit nun will der Herzog den Stadtpfarrer belohnen und befreit die Bauern von Janowitz und Ganiowitz, welche der Pfarrkirche unterthan sind, von allen Leistungen und Abgaben an den Herzog und seine Nachfolger. Johann Strzelka von Belschnitz und Rohow besaß einen Antheil von Janowitz und verkaufte denselben am 12. November 1498 dem Propst Gallus Gwo´zdz um 170 ungarische Gulden; doch sollte der Schulz dem Herzoge mit einem Pferde dienen. Magdalena und Nicolaus gaben 24. Juni 1499 kund: Der verstorbene Herzog Hanus habe 40 Gulden Zins auf Woinowitz und Bojanow für 400 ungarische Gulden dem Propst Peter und dem Kapitel verschrieben; darauf haben sie für 170 Gulden dem Propst Gawel Gwo´zdz und seinem Nachfolger das halbe Dorf Janowitz erblich überlassen, so daß sie ihm nur noch 230 ungarische Gulden schuldig bleiben; den Zins von 23 Gulden legen sie auf ihre Nutzungen in Woinowitz; sollten die Unterthanen säumig sein, so haben die Gläubiger das Recht, den Vogt zur Zahlung anzuhalten. Es haben sich noch Zinsregister aus der Mitte des 16. Jahrhunderts erhalten, aus welchen zu ersehen ist, daß das Collegiatstift 16 Unterthanen in Janowitz hatte. Laut Visitationsbericht von 1688 bezog der Propst aus Janowitz an Geldzins 30 Thaler 8 Groschen, an Getreidezins je 14 Scheffel Roggen und Hafer. Die Gemeinde (Vogt Jacob Kubiczek) und die Aeltesten des Dorfgerichts (Andreas und Martin Nowak) schlossen --- S.221/#236 mit dem Propst als Grundherrschaft 2. April 1681 folgenden Vergleich: Bisher hatten sie 14 Scheffel Hafer, 18 Scheffel Korn alljährlich als osep (= Schüttgetreide), außerdem den geistlichen Decem in die Propstei entrichtet und die Roboten geleistet; der Propst erließ ihnenauf deren Bitte diese Verpflichtungen gegen Uebernahme der landesherrlichen Steuern, die sie fortan für die Grundherrschaft abführen sollten. Aber das gegenseitige Abkommen bestand nicht lange; wegen der Roboten entstanden schwere Prozesse, die an das Oberamt und an den kaiserlichen Hof gediehen. Ehe dort entschieden wurde, vereinigten sich die Parteien auf dem Schloß Ratibor 18. Mai 1729 auf Veranlassung der Commissarien Johann Bernard Freiherr von Welczek und Groß-Dubensko auf Laband, Johann Gotlieb Tluk von Toschonowitz auf Rogoisna Landesältesten. Als Mandator des Propstes Johann Jacob v. Brunetti war der Decan Wilhelm v. Angelis erschienen und der Franz Ignatz von Morawetz als richterlicher Beistand gewählt. Die unterthänigen Bauern versprachen außer den Steuern der Herrschaft einen Grundzins zu zahlen und statt der Frohndienste je 4 Thaler jährlich abzuführen. Am 27. Juni d. J. wurde der Vergleich zu Janowitz zu Protokoll gebracht und auch vom Ratiborer Stadtsyndikus Franz Johann Friderici unterschrieben und untersiegelt. Am 22. September 1707 wurde ein gefundenes Kind getauft, welches durch einen reitenden Schloßdiener anderswoher gebracht und an der Straße auf Lekartow zu unter einem Zaun ausgesetzt worden war. Nach begründeter Vermuthung stammte es von adeligen Eltern und wurden Franz Freiherr Lichnowsky auf Kuchelna und Frau Dorothea geb. Kotuli´nska, Gattin des Burggraf aus Schammerwitz, als Paten erbeten und dem Kinde der Name Moritz nach dem Heiligen des Tages gegeben. Am 13. August 1717 wurde dem verstorbenen herrschaftschaftlichen Schäfer Laurentius Cyrz von dessen Eheweibe Susanna in Kornitz ein Kind als Hermaphrodit geboren, das die Namen Laurentius oder Marianna erhielt. --- S.222/#237 Zur Vermeidung von Streitigkeiten zwischen dem Propst und Kapitel wurde 1721 ein Vergleich geschlossen und vom Bischof bestätigt; nach demselben wurde Ersterer von letzterem abgesondert und ihm die Kapitulargüter Janowitz und Grzegorzowitz cedirt, so daß er als Dominialherr die Roboten, Zinsen, Laudemien zu seinem Nutzen verwenden konnte. Die Indiction des Gutes betrug 375 Thaler. Am Orte waren damals 17 Bauern, 16 Gärtner, 12 Häusler, welche 100 Schafe, 66 Kühe, 17 Schweine hielten und je 29 Malter aussäeten. Das Kapitel zu Ratibor leistete in Neisse 18. März 1743 wegen der demselben gehörigen Güter Janowitz etc. durch den Mandator Custos und Erzpriester von Mazurek den Eid der Treue an den König. Am 3. April 1743 machten sich sechs Kinder Kügelchen aus einer Wurzel, spielten damit und aßen sie schließlich; zum großen Schmerz der Eltern und Umstehenden fielen sie zu Boden, tobten und brüllten; erst nach sechs Stunden kamen sie wieder zu sich, aber zwei der schwächsten, nämlich Johann, Sohn des Nicolaus Strzyczeko 3 1/2 Jahr und Barbara, Tochter des Urban Kajnus, 3 1/4 Jahr alt starben. Bisher hatten die Gemeinden Janowitz und Ganiowitz nach der Indiction von 1350 Thalern auch die propsteilichen Steuern abgeführt, aber seit 1. Juni 1743 wurden Herrschaft und Unterthanen getrennt catastrirt und führte der Propst vom 1. Juni 1744 seine Steuern monatlich mit 6 Thaler 18 gute Groschen 8 Denar regelmäßig ab. Obgleich die Gemeinde die propsteilichen Aecker besaß, führte sie doch die Zinsen nicht ab. Vicar Thomas Walter als Administrator der Propstei ließ, da die Gemeinde die viermonatliche Contribution mit 41 Gulden schuldig geblieben, eine Execution von 15 Husaren mit einem hitzigen Officier October 1745 nach Janowitz abgehen. Letztere verlangten 6 Dukaten pro Stunde Gebühren und mußten die Leute 67 Thaler aus der Kirchenkasse aufnehmen. Das goß Oel ins Feuer. Auf Veranlassung einiger unruhiger Köpfe reichten die beiden --- S.223/#238 Gemeinden Beschwerden an die Breslauer Kammer ein, welche dem Landrath auftrug, unter Zuziehung eines Juristen dieselben zu untersuchen und beizulegen. Das Protokoll wurde Janowitz 12. October 1746 aufgenommen und von dem Landrath Carl Josef von Schimonski, dem Assistent Franz Johann von Hoschek, Rudolf von Grohmann, Amts- und Landesadvocat aus Oppeln und Thomas Walter auf Seite der Unterthanen, die nicht schreiben konnten, unterzeichnet. Es handelte sich hauptsächlich darum, daß die Gemeinden seit alter Zeit 1062 Gulden Steuer im Rest waren, die sie dem Propst aufbürden wolletn. Die Sache gelangte an die Oberamtsregierung zu Oppeln und schwebte der Prozeß ziemlich lange. Das Tribunal Berlin 8. December 1750 bestätigte das Abkommen von 1729 und erklärte die Gemeinde schuldig, den Decem in Garben und Körnern für die Vergangenheit von der Zeit ab, wo der Propst die Dominialsteuern selbst eingezahlt, wie auch in Zukunft zu entrichten und die versessenen Steuern an den Staat abzuführen. Das Rescript vom 31. Juli 1751 wurde am 15. September den Parteien publicirt. Als das Collegiatstift 13. März 1754 sich über den Besitz der Güter Janowitz, Ganiowitz, Gammau, Studzienna, Schardzin, Czyprzanow auswies, brachte es nur die Schenkung des Myscie von Kornitz 1339 zum Zeugnis. Nach der Säcularisation wurde auch dieser Antheil, der doch nicht dem Stift, sondern der Pfarrkirche geschenkt worden, eingezogen und auf Antrag des Staatsraths Wilken wurde 12. April 1813 der Besitztitel der obengenannten Güter für den Fiscus eingetragen. Durch Verträge gelangten die Güter des Jungfrauenstiftes, Collegiatstiftes, Dominikanerklosters, der Kreuzpropstei unddes Cisterzienserstiftes Rauden an den Schloßbesitzer. Juli 1853 grassirte die Viehpest in Janowitz. Am 1. September 1861 Nachmittag 3 Uhr brach in einer Scheuer ein Feuer aus, welches bei starkem Nordwestwinde in einer Stunde die Hälfte des Dorfes sammt Kirche und --- S.224/#239 Schule, auch Czyprzanow bis auf 7 Häuser mit allen Nebengebäuden und Scheuern in einen Aschenhaufen verwandelte. Am 8. November 1877 äscherte eine größere Feuersbrunst das halbe Dorf ein.

Die Erbscholtisei.

Barbara, Wittwe des Jacob Scholtysek, verkaufte am 19. December 1685 für 300 Thaler dieselbe dem Schwiegersohn Franz Modlich. Letzterer erhielt 10. Februar 1696 die Bestätigung großer Privilegien, deren Documente 1637 in Ratibor verbrannt waren. Das Gut war frei von allen Zinsen, Roboten, Kriegsvorspann, hatte den Branntweinurbar, das Recht des Ausschanks auch von Wein, Handwerker auf seinem Grunde und eine Koppel Windhunde zur Hasenhetze zu halten. Nur in Landesnothdurft hatte es dem Kapitel mit einem Pferde unter dem Adel aufzusitzen. Propst Julius Freiherr Pilate von Thassul verkaufte 29. August 1723 das neuerbaute Wirths, Brau- und Branntweinhaus mit Inventar dem Georg Brylka von Ujest für 200 Thaler schlesisch, 32 Thaler Zins und 4 Fäßchen Bier á 60 Quart. Er schänkte 40 Achtel Bier und einen Eimer Branntwein aus. Die Landstraße lag außer dem Dorfe. Thomas Jedlitzke, Pächter in Gammau, kaufte 1728 von der Gemeinde die Freischoltisei sammt den dazu gehörigen fünf Viertel Acker, Wiesen, Hutungen, Gärten und veräußerte den Besitz 7. Februar 1743 an Johann Friedrich Jeitner für 1800 Thaler schlesisch. Derselbe Erb-, Lehn- und Gerichtsscholz überließ 1777 das Eigenthum dem Sohne Michael, der sich 28. Januar d. J. mit Thecla, Tochter des Kretschmer Gotfried Engelbrecht zu Brunek verehelicht hatte. Der Vater starb 23. Mai 1779, der Sohn 10. Februar 1828. Letzterer hinterließ nur Töchter. Sie verkauften 22. März 1827 die Erbscholtisei mit Bier- und Branntweinurbar für 7000 Thaler dem Brauer Johann Meixner in Beneschau. Derselbe wurde 12. Juni 1842 als Wittwer mit Caroline, Tochter des Bauer Franz Sciborski in hiesiger Kirche copulirt. Am 22. August 1880 kauften Carl Thomas --- S.225/#240 Wirthschaftsinspector aus Nassiedel und dessen Gemahlin Caroline geb. Borzutzki die Erbrichterei nebst Inventar und Zubehör für 111,000 Mark. Janowitz zählte 1784 16 Bauern, 16 Gärtner, 5 Häusler, 198 Seelen; 1819 16 Bauern, 16 Gärtner, 8 Häusler, 242 Seelen; 1842 in 43 Häusern 344; 1855 in 43 Häusern 362 Seelen; 1861 in 52 Häusern 365 Seelen; 1883 in 50 Häusern 410 Seelen, hält 77 Pferde, 223 Stück Rindvieh, 2 Schafe, 124 Stück Schwarzvieh, 18 Ziegen, 52 Bienenstöcke.

Die Pfarrkirche

wird zuerst bei Schenkung des Sandvorwerks behufs Errichtung einer Canonicatspräbende am Collegiatstift 1368 und dann 1416 unter den Bezügen der Domherren bei Versetzung des Stifts von der Burg nach der Stadtpfarrkirche erwähnt. Der Propst besaß nämlich unter anderen Einkünften im Dorfe Janowitz an Zehnt und Zins 9 1/2 Mark Groschen im Werth zugleich mit dem Patronatsrechte über die Pfarrkirche daselbst. Eine Bestätigung für die Existenz der letzteren finden wir 1447 in dem Zinsregister des Peterspfennig. In der Stiftsmatrikel erfahren wir zum Jahre 1463 sogar den Namen des damaligen Pfarrers. Auf Antrag der Vicare und des Pfarrers Valentin in Janowitz wurde nämlich im Generalkapitel bewilligt, daß letzterer vom Chordienst in der Collegiata frei bleibe und den Vicaren für die Vertretung jährlich 3 Mark böhmische Groschen zu entrichten habe; als Strafe für Nichteinhaltung des Abkommens wurden 20 Gulden festgesetzt, die zur Hälfte dem Kapitel, zur Hälfte dem verletzten Theile zufließen sollten. Aus den gerichtsbüchern lernen wir den Pfarrer Andreas Flakius kennen. Er hatte den Wenzel von Reiswitz auf Kornitz verklagt und entschied das Landrecht zu Ratibor den 2. September 1596 also: Der Garbenzehnt vom Kornitzer Vorwerke ist nach Janowitz zu führen; von den Neuländereien, das heißt den zum Vorwerk hinzugegrabenen --- S.226/#241 Aeckern gebührt dem Pfarrer nichts; da aber letzerer nachgewiesen, daß in Kornitz ehemals Bauerstellen gewesen, von denen der Pfarrer pro Hufe je 1 Scheffel Roggen und Hafer an Missalien erhalten, sich auch herausgestellt, daß der Besitzer einige Bauernäcker in Benutzung hat, soll er binnen 12 Wochen die Missalien davon entrichten 1). Ein Andreas Flaccius war 1597 Pastor an der Schloßkapelle zu Janowitz bei Römerstadt, ein Pfarrer gleichen Namens etwas später in Pohlom und zuletzt in Loslau. Simon Canabius war bis 1605 Vicar in Gleiwitz gewesen und dann hierselbst Pfarrer. Unter ihm wurde 1607 der Thurm errichtet. Canabius wurde 1611-1618 Pfarrer in Bauerwitz, dann Commendar in Fridek und Canonicus in Ratibor. Als Dekan von Loslau fundirte er 1623 in Ratibor 120 Floren auf Messen, vermachte dem Seminar in Olmütz 600 Floren und der Kirche zu Loslau 1000 Thaler auf heilige Messen. Er starb am 23. Juni 1625. Im Jahre 1614 legten die Janowitzer auf ein Altar in der Collegiatkirche 7 Gulden zusammen, die der Geistliche Jacob übergab. Simon Franz Fabricius war bis 1619 Pfarrer in Markowitz und wurde dann hieher befördert; er legte 1648 die ältesten Matriken an. Franz Fabricius wurde 26. Februar 1667 von Carl Max v. Reiswitz für Kranowitz präsentirt und starb daselbst 12. April 1680. Simon Czech soll nach den Aufzeichnungen des Pfarrers Weiß hierorts das Pfarramt verwaltet haben. Da ----- 1) Zu derselben Angelegenheit hatte sich das Kapitel in Ratibor an den Bischof gewendet, daß er als Oberhauptmann auf den Landeshauptmann der Fürstenthümer Oppeln-Ratibor einwirke. Andreas v. Jerin schrieb 2. September 1595 an Georg Freiherrn von Oppersdorf, darob zu sein und die Sachen dahin zu richten, daß dem Pfarrer in Janowitz der gebührende Zehnt von Wenzel von Reiswitz zu Theil und nicht Ursache fernerer Klage gegeben werde. K. Staatsarchiv Breslau, Ortsacten von Janowitz Seite 14. --- S. 227/#242 Simon Ludwig Czech von 1647-1651 in Slawikau auftritt, so mag er vorher oder nachher das hiesige Benefiz inne gehabt haben. Von 1659-1678 nennt sich in den Kirchenbüchern Thomas Villicus /sacellanus/. Derselbe als Vicar in Janowitz gab 6. September 1659 in einem noch im Archiv der Ratiborer Pfarrkirche befindlichen Schreiben Auskunft über einen ihm gewordenen Auftrag. Johann Franz /Zbiretius/, geboren 1634 in Ratibor, lag den Studien der Philosophie und Moraltheologie in Olmütz ob, erhielt in Schlesien 21. December 1657 die minores und am nächsten Tage auf den Tischtitel des Pfarrer zu Bielitz das Subdiaconat, im nächsten Jahre zu Olmütz die Priesterweihe. Er wurde zunächst vier Jahr Commendar in Groß-Gorzütz und auf Präsentation des Patrons Propst Doctor Andreas Marquardt am 3. August 1665 durch Thomas Tobiades von Benkowitz als Pfarrer eingeführt, bewohnte ein hölzernes Haus und gab sich seinem Berufe mit Fleiß und Eifer hin. An Einkünften hatte er 1 Hufe Acker, je 7 Malter 8 Scheffel Roggen und Hafer, außer 4 verpachteten Hufen, von denen das Dominium Ottitz die Frucht nahm und solche dem Pfarrer verweigerte. In Janowitz entrichteten Bauer Laurentius Niewiera und seine Nachfolger Garbenzehnt von Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Buchweizen; in Kornitz erhielt er aus den der Mühle anliegenden Äckern Garbenzehnt und von jeder Mühle ein Viertel Weizenmehl. Am 5. März 1672 bestattete Zbiretius seine verstorbene Mutter in der Gruft. Nach dem Visitationsbericht vom Jahre 1679 war die Kirche zu Ehren des heiligen Bischof Martin v. Tours von Holz erbaut und consecrirt, die Decke getäfelt und gemalt; ein großes Crucifix befand sich in der Mitte, ein Chor fürs Volk über der Thür nach Westen, Kanzel und Bänke waren einfach, der Fußboden gepflastert, die drei Altäre von schöner Form, aber nicht consecrirt; der Tabernakel geschnitzt und gemalt, der Taufstein von Holz; im --- S. 228/#243 Thurme befanden sich drei Glocken, der Kirchhof war umzäunt, das Patronatsrecht hatte der Propst. Die Kirche bezog von der Gemeinde Lekartow einen Zins von 8 Silbergroschen, genannt /z moczyd/la/, das heißt von der Bleiche; der Baarbestand betrug 40 Thaler; an Inventar waren vorhanden: 2 silberne vergoldete Kelche mit Patene, 4 Leuchter, 1 Rauchfaß, 8 Caseln und Alben, 16 Kelchtücher, 3 Antipendien, 3 zinnerne Ampel, 1 Missale, 14 Altardecken, 8 Vela, Corporalien, Purificatorien und 6 Fahnen. Im Jahre 1683 fundirte Müller Valentin Zarzyna in Janowitz eine Wise hinter Ratibor unter den Spitalwiesen, für deren Benutzung der Pfarrer 6 Messen für den Fundator zu lesen, der Kirche 18 Groschen zu entrichten und dem Kreuzherrenstift in Ratibor 27 Groschen zu zinsen hatte. Im Jahre 1688 wurde die Kirche, weil alt und baufällig von Grund aus, nach allen Richtungen vergrößert und ein Chor auf drei Seiten errichtet; der hoge, mit Schindeln gedeckte rothangestrichene Thurm hatte eine mit Blech beschlagene Kuppel und drei Glocken, die vierte auf der Kirche; vor dem Kirchhofe standen zwei Kreuze, von denen eins mit rothangestrichenem Gitter umgeben war. Zur Parochie gehörten drei Dörfer und ein Vorwerk, nämlich: 1) Janowitz, dem Kapitel gehörig; 2) Kornitz, den Erben des Carl Heinrich von Trach auf Kieferstädtel gehörig, deren Vormünderin Frau Anna Helene v. Reiswitz auf Bojanow war; 3) Lekartow, im Besitz des Melchior Wilhelm v. Skal auf Moschen und 4) das zu Lekartow gehörige Vorwerk Ottitz, erst damals nach Janowitz eingepfarrt. Amtmann und Rendant in Kornitz waren protestantisch. An Einkünften sind 1688 angegeben: a. der Kirche: Der Ertrag des Klingelbeutels, welcher währen der Predigt eingesammelt wird; freiwillige Gaben für Leiche, die in der Kirche stehen, 18 Groschen für die halbe Wiese na spitalkach hinter Ratibor, 52 Groschen von der Gemeinde Lekartow für die Wiese /z moczyd/la/. Nach dem Credo wird die Predigt --- S. 229/#244 in polnischer Sprache gehalten: Katechese findet das ganze Jahr statt, Sonnabends wird die lauretanische Litanei gebetet, bei der taufe werden drei Paten zugelassen, Ostercommunikanten waren 340; der im Dorfe stattfindende Krankenbesuch geschieht feierlich, die Hostien werden von der Collegiatkirche zu Ratibor bezogen, Kirchweioh wird Sonntag nach Martini gefeiert, das Aveläutern erfolgt täglich dreimal; die Türkenglocke wird wieder aufgenommen werden. In der Kirchenkasse lagen damals 230 Thaler und 50 Thaler waren zu dem eben stattfindenden Kirchenbau von Wohlthätern gesammelt worden. Schule und Pfarrei wurden aus dem Holze der alten Kirche reparirt. Die Parochianan aller drei Dörfer waren sonst zu den Baulasten verpflichtet, aber der Pfarrer baute soeben auf eigene Kosten ein Wohnstube mit Kammer und Eingang, einen Speicher, Ställe, Keller und Gartenzaun. b. Einkünfte des Pfarrers: Er hat freie Hutung für das Vieh, das mit der Gemeinde weidet, kauft das erforderliche Holz, hält ein altes Dorfweib als Wirthschafterin. Der Pfarrbeilaß beträgt 3 Scheffel Roggen. Ein Garten liegt bei der Pfarrei, ein anderer bei dem Bauer Niewiera; der Acker in drei Theilen hat 14, 13 und 11 Scheffel Aussaat. Von Pobiegow bezieht er statt Garbenzehnt 1 Thaler, von der Gemeinde Janowitz an Decem 17 3/4 Scheffel; vom Müller daselbst ein Viertel Weizenmehl, an Tischgroschen gaben die Bauern je 1 Obolus (=Silbergroschen), Gärtner und Einlieger je 2 Kreuzer, zur Kolenda die bauern Hülsenfrüchte und je 1 Groschen, die Gärtner und Einlieger je 1 Groschen. Aus Kornitz: vom Dominium für die eingezogenen Bauerstellen je 14 Scheffel Roggen und Hafer; von einem nach der Kornitzer Mühle zu gelegenen Acker Garbenzehnt. Aus /Lekartow/: an Decem von der Gemeinde je 11 Scheffel Roggen und Hafer. Aus /Czyprzanow/: von der Gemeinde je 6 3/4 Scheffel Roggen und Hafer. Aus /Ottitz/: Decem vom Vorwerk statt der Gärtner, denen es einen Theil der Aecker verliehen. 1 Scheffel, von einem Bauernacker, den das Dominium besäet. 1 Scheffel Roggen und Hafer. --- S.230/#245 Zbiret copulirte in Makau am 18. Juli 1695 den Georg Fabian mit Ursula Luucznia aus Cosel, fundirte 40 Thaler auf 6 Messen und starb Ende des Jahres. Andreas Johannes Böhm (Siehe Seite 47), wurde 15. November 1696 als Pfarrer von Janowitz installirt, 1708 Canonicus, begrub 11. August 1710 seine 80jährige Mutter Catharina in der Kirche neben den Weiberbänken. 1712 waren 547 Ostercommunikanten. Am 13. Mai 1713 starb Marianna, Tochter des Michael Heymann aus Kornitz, die obgleich erst 9 Jahre alt, doch schon die heilige Wegzehrung empfangen. Im selben Jahr starben noch zwei besondere Wohlthäter der Kirche, nämlich am 4. October die fast 100 Jahr alte Agnes Herud, die in der Kirche bestattet wurde und am 10. November Valentin Kubisch, der auf Anschaffung der Orgel 100 Thaler schlesisch gegeben. Im Jahre 1713 werden vier Altäre genannt; drei auf der Evangelienseite, das der Mutter Gottes vom Kalvarienberge, das das Josefs- und das Marienaltar. Andreas Johann Böhm, seit 19 Jahren Pfarrer, wurde 4. November 1715 als Custos erwählt. Das Collegiatstift wies in einem Bericht über verschiedene Angelegenheiten an den Fürstbischof auf Annullirung der Wahl hin. Da aber aus dem beigelegten Wahlprotokoll hervorging, daß sämmtliche Kapitularen ihre Stimme durch den Scholastikus den Scrutatoren verschlossen eingehändigt und der Propst den Vorsitz geführt, so ließ Franz Ludwig durch das Consistorium 12. April 1717 erwidern, er sehe nicht ein, warum die Wahl für ungültig erklärt werden solle, etwa vorgekommene Mängel könnten ergänzt werden. Am 13. October erfolgte die Bestätigung. Auf die Bitte, das Janowitzer Benefiz beibehalten zu dürfen, hatte der Fürstbischof 27. September die Dispensation auf zwei Jahre ertheilt, doch solle er die Stelle durch einen Kaplan, der sein anständiges Auskommen habe, verwalten lassen. Böm hatte nun einen schlimmen Stand gegen den Propst, der als Dominialherr von Janowitz den Feldzehnt bezog und den Sackzehnt dem nicht residirenden --- S.231/#246 Pfarrer verweigern wollte. In dem Processe, der mehrere Jahre währte, wendete sich der Propst Julius Pilati Freiherr von Thassul bis an die Nuntiatur in Wien. Die 16jährige Tochter des Juden Jacob Löwl aus Groß-Peterwitz hatte vom 19. November 1714 bis 10ten Februar 1715 im Pfarrhause zu Janowitz Religionsunterricht genossen und um die heilige Taufe gebeten. Diese fand am 10. Februar in feierlicher Weise statt und empfing Maria Barbara während des Hochamts die heilige Communion. Paten waren der Propst Julius Freiherr Pilati von Thassul, Johann Ludwig Reiswitz von Kanderzin auf Kranowitz und Schammerwitz, Anna Helene v. Reiswitz, Helene von Rogoiska, Georg Josef Czesch, Wirthschaftshauptmann des Ratiborer Jungfrauenstifts, Matthäus Wenner, Pächter in Kornitz, Jacob Baluschek, Wirthschaftshauptmann in Groß-Peterwitz, Matthäus Wenner, Rentschreiber aus Bojanoe, die Fräulein Johanna uns Josefa von Reiswitz; Assistenten der Taufe waren Andreas Josef Gitzler, Scholastikus, Christofor Canin, Pfarrer in Kranowitz, Tobias Duchek, Pfarrer in Groß-Peterwitz, Franz Kurz, Commendar in Woinowitz. Die Neophytin hatte vorher an der Krätze gelitten, von der keine ärztliche Kunst sie zu befreien vermocht, aber nach der Taufe schwand ohne Heilmittel der Ausschlag. Am 16. Janua 1716 verehelichte sie sich in Janowitz mit dem Bürger Franz Opolski aus Ratibor. Böhm setzte im Testamente 23. August 1726 das Collegiatstift als Erben ein, er hatte die Stiftung des vierzigstündigen Gebets an den drei Tagen vor Aschermittwoch in Ratibor, wozu die Bürgerin Brzozowska 200 Thaler vermacht hatte, durch 100 Thaler erhöht und starb am 13. December 1727. Damals waren in der Kirche, wie bereits angedeutet, zwei Marienaltäre, das eine zu Ehren der Gottesmutter zu Czenstochau. Bei den Glocken ist im Visitationsbericht von 1719 notirt, daß Schlangen wegen des Geläutes hier nicht existiren und wenn hergebracht, bald verenden. 1724 waren 660 Katholiken und nur 1 Protestant in der ganzen --- S.232/#247 Parochie, wozu Janowitz, Kornitz, Lekartow, Czyprzanow, Ottitz und Pobiegow gehörten. Am 30. December 1726 starb der Scholz Jacob Wiskoni aus Lekartow und wurde als besonderer Wohltäter vor einem Marienaltare an der Wand bestattet. Kapläne: Paul Ignatz /Popela/, geboren Benkowitz 1687, studirte speculative Theologie, erhielt 20. December 1710 die /minores/, 24. September 1712 auf den Tischtitel des Johann Heinrich von Rogoiski aus Dzimirz das Subdiaconat, 15. April 1713 die Priesterweihe, wurde zunächst Kaplan in Oderberg, wo er in der Schule wohnte, war von December 1717-1718 Vicar in Janowitz, 1726-1737 Erzpriester in Ujest. Georg Josef /Modlich/, Sohn des Schulzen Georg in Janowitz, geboren 18. April 1687 (siehe Altendorf S. 71), taufte als Schloßkaplan von Schammerwitz 5. Mai 1713 in hiesiger Kirche, war von 1716 bis 1718 Kaplan in Altendorf, von November 1718 bis Ende 1719 Adminstrator in Janowitz, erhielt 24 Gulden (=20 Thaler schlesisch) Salar und den dritter Theil des Accidenz und betrug die Pfarreinnahme nur noch 80 Floren. Die weiteren Schicksale des Kaplans bei Altendorf Seite 71. Andreas Franz /Bindosz/, geboren 15. November 1691 in Ratibor, Sohn des Mathias Pindos, wurde Kaplan und 1719 Pfarrer hierselbst, bestattete 21. Februar 1729 seine 70 Jahre alte Mutter Marie am St. Josefsaltare,# starb 15. Januar 1734 und wurde rechts vor dem Hochaltare bestattet. Josef Mathias Rosali (Siehe Erzpriester Seite 48), taufte als Nachfolger im Pfarramte zuerst 11. Februar 1734. Er nennt die Pfarrkirche noch „zu St. Martini.“ Da aber ehemals Carl Maximilian von Reiswitz auf Schammerwitz eine silberne Krone der heiligen Dreieinigkeit auf dem Hochaltare abfertigen ließ, so gab dies, wie ähnliche Umstände bei anderen Kirchen, auch hier Veranlassung, den alten Titel fallen zu lassen und das Gotteshaus statt zu Ehren Sanct Martini später zur heiligen Dreieinigkeit zu nennen, auch --- S.233/#248 das Patrocinium auf diesen Tag zu verlegen. Der Pfarrer erkrankte vom December 1734 bis 12. Februar 1735. Der Wirthschaftsbeamte in Kornitz hatte mit Genehmigung der Herrschaft zu Ehren des heiligen Johannes von Nepomuk eine würdige Kapelle erbaut und den Pfarrer ersucht, dieselbe nebst der Statue des Heiligen zu benediciren. Ein anderer Parochian hatte um Bendicirung des Statue des heiligen Florian, die er neben seinem Hause aufstellen wolle, gebeten. Da auch in der Parochie mehrere Kreuze errichtet waren, sowolh in Dörfern als auf Feldern und Wegen, wo am Tage St. Markus und an den Bittagen Stationen gehalten werden, da ebenso nächstens ein neues Kreuz neben der Kirche aufzustellen war, weil das vorige morsch umgestürzt, so bat Rosali April 1748 ihm die facultas benedicendi verleihen zu wollen oder durch einen Würdigeren, vielleicht den Erzpriester von Mazurek die Segnung halten zu lassen. Das Vicariatamt trug dem genannten Commissar am 23. d. Mts. auf, die Benediction vorzunehmen falls ein Fonds zur Erhaltung ausgemittelt oder sonst Sicherheit wegen des Fortbestehens vorhanden sei. Der Pfarrer bestattete 7. Januar 1749 seinen 70 Jahre alten Vater Johann, der ein Sohn des aus Italien eingewanderten Bürgers gewesen, wurde 1756 Decanatsadministrator, bald darauf wirklicher Erzpriester, fundirte 80 Thaler auf Messen, starb 27. Juli 1758 und wurde 2 Tage später vor dem Hochaltare bestattet. Während der folgenden Vakanz fungirte sein jüngerer Bruder Franz Rosali, Pfarrer in Polnisch-Neukirch. Kapläne waren: Anton /Hanke/, heir 1735, starb als Pfarrer von Chroscina 1753. Paul /Smeja/, geboren Ratibor, erhielt 22. December 1736 die /minores/, 8. September 1737 das Subdiaconat auf das dem Carl Ludwig Graf Gaschin gehörige Gut Polnisch-Leuthen, 28. Februar 1738 die Priesterweihe, nannte sich 1. Mai 1738 Administrator, 24. Juni d. J. Cooperator, taufte noch am 19. März 1739. --- S.234/#249 Laurentius Bernard /Rompel/, geboren Rauden 1711, erhielt 26. December 1733 die niederen Weihen, den 15ten Juni 1734 das Subdiaconat auf den Tischtitel des Johann Adam von Larisch, Besitzer von Dzierzno und Lubie, wurde 1758 Pfarrer, hielt 20. August die erste Taufe, starb plötzlich am 11. April 1764 und wurde vor dem Sanct Josefsaltare bestattet. Administrator wurde Commendar Paul Cwienciek aus Woinowitz. Johann Sczyrba, siehe Erzpriester Seite 48, durch die Brslauer Domänenkammer hierher präsentirt unter der Bedingung, daß er eine deutsche Schule anlegen und zum Unterhalt des Lehrers beitragen werde, nahm unter Ablehnung diese der Gemeinde zukommenden Last das Benefiz 16. Juli 1764 an, tritt am 27. October bereits als Pfarrer auf, wurde /Actuarius circuli/, baute die Gruft in der Kirche und wurde nach dem Tode des Gregor Petricius 1785 Erzpriester. Paul Cwienciek, der nach Resignirung der Woinowitzer Pfründe hier wohnte und die kleine Glocke im Thurme beschaffte, starb als Jubilar 14. Mai 1789 im Alter von 86 Jahren und wurde zwei Tage später in der Gruft bestattet. Sczyrba resignirte Juni 1796, wurde Pfarrer und Erzpriester in Slawentzitz, wo er 26. December 1803 starb. Carl Lontzik (siehe S. 80), Sohn des lehrer in Preiswitz, wurde zunächst Kaplan in Janowitz, wo er bis Juli 1796 blieb, dann nach Friedland ging. Josef /Schneider/,geboren Rauden 29. März 1768, trat als Theologe des zweiten Jahres 5. November 1787 ins Alumnat, erhieltvon Anton Graf Strachwitz auf Wirbitz den Tischtitel und 27. Februar 1790 das Subdiaconat, 9. April 1791 die Priesterweihe, wurde zunächst Kaplan in Lubowitz bis 1793, dann Vicar und Mitglied der literatischen Bruderschaft in Ratibor, 24. Juni 1796 Pfarrer in Janowitz, zahlte 35 1/2 Thaler an die Seminarienkasse als Einkommen der ersten Quartals und erscheint 1797 als Taufzeuge in Rudnik. Im Jahre 1812 wurde der --- S.235/#250 Glockenthurm vom Blitz getroffen. Die Pfarrei kam bei der Säcularisation unter das Patronat des Schloßbesitzers. Am 7. April 1815 wurde der Pfarrer sowohl vom Sacularisationscommissar als auch vom Generalbevollmächtigten des Fürst Sayn von Witgenstein, Hauptmann Brockmann aufgefordert, die Kirchenrechnung zu legen und den Vermögensstand nachzuweisen. Der Pfarrer starb 13. April 1818 am Nervenkrampf. Zu der erledigten Stelle meldete sich 17. April vergeblich Kaplan Andreas Bierniak in Gleiwitz. Franz de Paula Thaddäus /Weiß/, geboren Rauden 1782, besuchte seit 1790 das Gymnasium daselbst, trat in den Cisterzienserorden, erhielt 1808 die Priesterweihe, wurde Professor am Gymnasium daselbst und nach Verlegung desselben nach Gleiwitz Februar 1816 Seelsorger im Königlichen Arbeitshause zu Brieg. Durch den Oberlandesgerichtspräsident Scheller aus Ratibor empfohlen, erhielt er vom Fürst Sayn von Witgenstein die Vocation für Janowitz. Das General-Vicariat-Amt beauftragte 21. Mai 1818 den Erzpriester Zolondek, dem Exconventual Weiß das Pfarrexamen abzunehmen und ihn in Janowitz einzuführen, was erst am 13. Juli erfolgte, nachdem er schon 12. Juni hier eingetroffen war. Das Placet ertheilte der Oberpräsident 24. August d. J. Die quarta seminaristica betrug 74 Thaler. Die Investitururkunde datirt vom 23. September. Bereits bei seinem Antritte war die Wohnung so schlecht, daß sie nach dem Gutachten des Bau-Inspector Degner einer gründlichen Reparatur unfähig, nur für kurze Zeit in bewohnbaren Zustand versetzt werden konnte. An Missalien bezog er von der Gemeinde Janowitz je 35 1/2 Scheffel Roggen und Hafer, von der Gemeinde Cyzprzanow je 13 1/2 Scheffel, von der Gemeinde Lekartow je 21 Scheffel, vom Vorwerk Kornitz je 28 Scheffel, vom Vorwerk Ottitz je 2 Scheffel; an Garbenzehnt von einem Acker bei der Kornitzer Mühle 2 Schock, vom Vorwerk Pobiehof 24 Silbergroschen Zins. Im Jahre 1828 wurde die Scheuer mit massivem Fundament und gemauerten Pfeilern gebaut --- S.236/#251 und die Stallungen neu bedeckt, wozu Patron 2/3 beitrug. Am 5. Februar 1821 wurde durch Gewaltsamen Einbruch von der Sacristeidecke aus das ganze Silberzeug der Kirche bis auf einen Kelch von vier Räubern gestohlen; einige zerbrochene Stücke wurden später aufgefunden und von denselben mit Hinzunahme milder Beiträge eine Monstranz und zwei Kelche in Breslau angefertigt; diese Beiträge (500 Gulden) wurden vom Patron Franz Fürst Hohenlohe-Schillingsfürst und den Gemeinden aufgebracht. Nach dem Tode des Pfarrer Ring wurde Weiß Administrator in Woinowitz und bat 19. Januar 1830 um Verleihung dieser Pfründe, da er das Vertrauen der Parochianen sich erworben. Die Königliche Regierung vermeinte jedoch in dem Schreiben an den Minister Freiherrn von Altenstein, ihn nicht vorschlagen zu können, da er noch nicht genug Verdienste habe und seine bisherige Stelle nicht zu den geringeren gehöre Nachdem der Pfarrer im baufälligen Wohnhause zu Janowitz unter Lebensgefahr zugebracht und sechsmal vergeblich die Herzogliche Kammer um einen Neubau ersucht, endlich sich auch an die Königliche Regierung gewendet, wurde das Pfarrhaus neu erbaut und am 30 October 1837 eingeweiht. Weiß war ein bedeutender Hortologe, verschönerte den Garten und schmückte ihn mit einem Sommerhäuschen. Im Jahre 1838 wurde die Kirche von der Mittagseite mit Schindeln für 35 Thaler neu gedeckt. Pfarrer Ludwig Piszczan in Preiswitz, ehemals Vicar in Ratibor, fundirte August 1838 bei hiesiger Kirche ein Jahresgedächtniß für seinen Vater, den ehemaligen hiesigen Lehrer Ignatz Piszczan. Im Jahre 1845 wurden Schüttboden und Wagenremise neu gebaut. Der Besitzer des Vorwerks Ober-Ottitz Dr. Kuh und die vier Parcellenbesitzer der abalienirten Stücke lösten die Verpflichtung von jedem Morgen Land 6 Pfennige, in Summa 5 Thaler 22 Silbergroschen an die Pfarrei zu zahlen, 27, August 1849 in Geld ab. Müller Franz Jahn aus Schammerwitz fundirte 1854 zur Rosenkranzandacht --- S.237/#252 150 Thaler. Der Pfarrer starb 6. Januar 1856 und ruht in der von seinem Legat erbauten Gruftkapelle, von welcher laut Bestimmung des General-Vicariat-Amts vom 2. juli d. J. die 72 Quadratfuß zum Pfarrgarten gehörig verbleiben. Die Bücher waren der Pfarrbibliothek vermacht worden. Administrator wurde der unten genannte Kaplan Glombik. Der russisch-polnische Emigrant Emmerich Podolski half vom 15. August 1845-1846 mit genehmigung der geistlichen und weltlichen Behörde dem bejahrten Pfarrer in der Seelsorge aus. Später fungirte ein Kaplan als Hilfspriester, dem die Gemeinde Salar und Weiß die Kost gab. Robert /Uherek/, geboren Hultschin 1823, ordinirt 1848, Kaplan in Ratibor bis Juli 1852, dann hier, wurde Pfarrer in Königshütte und starb 9. Mai 1860. Valentin /Glombik/, geboren Altendorf 1827, ordinirt 1854, wurde 23. August Kaplan hierselbst, erhielt 18ten Januar 1856 das Administrationsdecret und fand 12. Februar die uebergabe statt. Er wurde 19. April d. J. Kaplan in SLawikau und 12. Mai 1860 Lokalist in Dziergowitz, wo er 25. Mai 1864 starb. Franz Mohr (siehe Altendorf S. 86), erhielt auf Präsentation des Herzog von Ratibor 29. März 1856 die Investitur und wurde 24. April eingeführt. Die Kirchengemeinde kaufte 1860 einen Morgen vom Pfarrgarten zum Begräbnisplatze für 200 Thaler. Am 21. Juli 1861 wurde der neue Kirchhof benedicirt. Am 1. September 1861 wurden Kirche und Schule durch Feuer zerstört, letztere unter Aufnahme von 2500 Thalern aus der Provinzialhilfskasse für den Kirchenbau bald wiederhergestellt und eine Schulstube zum Gottesdienst eingerichtet. Am 22. Juni 1864 genehmigte das General-Vicariat-Amt und 17. September der Fürstbischof die Abtretung eines Theiles des Pfarrgartens gegen 2 Thalere pro Quadratruthe zum Kirchplatz und die Ziegelfabrikation auf dem Pfarracker gegen 5 Silbergroschen pro mille und sollte der Ertrag als Pfarrbeilaß capitalisirt --- S.238/#253 werden. Am 15. Juni 1865 Mittags bald nach der Frohnleichnamsprocession brach nochmals im gottesdienstlichen Locale ein feuer aus, wobei aber wegen der Glut nichts gerettet werden konnte und das Schulgebäude abermals niederbrannte. Der Gottesdienst wurde zunächst in der kleinen Gruftkapelle gehalten. Am 26. d. Mts. beschloß die Gemeinde, in der ehemaligen Malzdörre der Brauerei für 25 Thaler Miethe ein Andachtslocal einzurichten, das am 29. August benedicirt wurde. Der Tabernakel war aus der Ostroger Kirche geliehen. Am 11. Juni 1865 fand die Grundsteinlegung zur neuen Kirche statt. Pfarrer Mohr starb am Lungenschlage erst 55 Jahre 10 Monate alt am 13. September 1866 früh um 1 Uhr. Pfarre Schödon aus Krzi.zanowitz hielt die Grabrede. Administrator wurde der bisherige Kaplan. Franz /Arnold/, geboren Ratibor 1835, ordinirt 1861, war vorher Kaplan in Rachowitz, seit 10. Juli 1866 Kaplan in Janowitz; die Uebergabe der Administration fand am 3. October statt. Arnold kam 10. October nach Ostrog und wurde 23. December 1872 Pfarrer in Deutsch-Czernitz. Isidor Jacob /Zawadzki/, geboren in Lublinitz 10ten Mai 1833, ordiniert 1859, Kaplan in Ratibor seit 1. September 1860, wurde 20. October 1866 Administrator und fand die Uebergabe der Parochie am 3. November statt, die Investitururkunde datirt vom 1. Juni 1867. Zawadzki sorgte dafür, daß der Kirchenbau, welcher wegen des Krieges sistirt war, bald wieder in herrlicher Weise fortgesetzt und binnen 2 Jahren so weit gediehen war, daß am 22. November 1868 die Benediction durc h den Erzpriester Morawe stattfinden konnte. Am 26. Juli war bereits das Thurmkreuz in Gegenwart des Patrons und seiner erlauchten Gemahlin in feierlichster Weise benedicirt und aufgestellt worden. Die Frau Herzogin verehrte einen messingnen 16armigen Kronleuchter; mehrere Wohlthäter schenkten die drei gemalten Fenster im Presbyterium, welche von Adolf Seiler aus Breslau gefertigt worden. Im --- S.239/#254 nächsten Jahre wurde mit dem vom Kirchbau gebliebenen Bau- und Rüstmaterial das baufällige Stallgebäude massiv wiederhergestellt. Die Franz und Agnes Ottlikschen Eheleute schenkten noch in demselben Jahre die beiden vor der Kirche stehenden Sandsteinfiguren der Immaculata und des heiligen Johannes von Nepomuk, gefertigt vom Bildhauer Rosenberg zu Münster in Westfalen. Im Jahre 1871 wurden die Altäre und der ganz innere Ausbau vom Tischlermeister Josef Winkler aus Breslau geliefert und im folgenden Jahre die 17stimmige Orgel von Haas aus Leobschütz, zu welcher Fürstbischof Heinrich 500 Thaler beigetragen, aufgestellt. Am 11. November 1872 benedicirte mit bischöflicher Genehmigung der Ortspfarrer sämmtliche fünf von Liebold aus Gnadenfeld gegossene Glocken. Im nächsten Jahre wurde die mit Stroh gedeckte und mit Holzwänden bekleidete Scheuer in ein völlig massives Gebäude umgestaltet. Von 1875 ab fand durch mehrere Jahre die Ablösung des sämmtlichen Decems statt. Die Anton und Magdalena Plockschen Eheleute schenkten 1883 eine prachtvolle silberne und ganz vergoldetet gothische Monstranz mit vielen echten Edelsteinen, Emaillen und Figuren, ein Kunstwerk aus dem Atelier des Emailleur und Goldschmied Franz Winter zu Cöln. Zawadzki hat eine ausführliche Chronik aller zur Parochie gehörigen Orte ausgearbeitet, welche einen starken Folianten einnimmt und besonders die Kirchen-, Pfarrei- und Schulverhältnisse umfaßt.

Pfarr-Schule.

Ehemals waren mehrere Dörfer der Umgegend eingeschult, nämlich außer Czyprzanow und Lekartow noch Schardzin, Kornitz, Ober-, Neu und Galli-Ottitz. Am 7. Januar 1661 war bei einer Taufe in Janowitz der dasige Rector Blasius Sralek, sonst Sylvester genannt, Pate. Derselbe starb 17. November 1684. Matthäus /Silvester/, geboren 1653, dessen Sohn hatte Philosophie absolvirt und folgte 1684 im Amte. Am 25. November 1685 führte er die Jungfrau Barbara --- S.240/#255 Larysczyk als Gattin heim. Er hatte einen Garten von 3 Viertel Aussaat; jeder Bauer in Janowitz gab ihm von einer halben Hufe vier Brode und zwei Wettergarben und einen Groschen, für das Singen der Passion erhielt er 6 Groschen, von 17 Gärtnern 1 Thaler. Aus Kornitz erhielt er ehemals 56 Brode, aber da das Dominium nach Verjagung der Bauern aus deren Aecker ein Vorwerk gemacht, verweigerte es die Brode. Von der Kolenda erhielt er den dritten Theil. Die Schule war 1687 baufällig. Er starb am 20. April 1714 im Alter von 61 Jahren, nachdem er durch 30 Jahre hier hochverdient fungirt und wurde in der Kirche unter dem Chore bestattet. Dem Vater folgte im Amte 1714 der in Janowitz 31. August 1697 geborene Sohn Johann /Silvester/. Auch er erhielt 94 Brode und ging jährlich viermal mit dem Aspergill. Er hatte einen Garten bei der Schule von drei Viertel Aussaat. Von den 23 Bauern erhielt er je zwei Garben, auch aus den übrigen Orten hatte er Bezüge. Am 21. October 1721 heirathete er Jungfrau Susanna, Tochter des Michael Moczygemba aus Czyprzanow; war 9. Januar 1758 noch Taufzeuge, fehlt aber im Todtenbuch, war somit verzogen. Simon /Winkler/, geboren 1729, tritt als Pate schon 23. März 1759 auf. Die Breslauer Domänenkammer berichtet 19. Juni 1764 dem Landrath Johann Heinrich von Wrochem auf Dolendzin: dem Pfarrer Sczyrba in Bralin sei die einträgliche Pfarrei in Janowitz verliehen worden, er müsse sich aber verpflichten, eine deutsche Schule anzulegen und auf eigene Kosten einen deutschen Lehrer anzusetzen. Der Landrath erwiderte, daß Schule und deutscher Lehrer bereits vorhanden, letzterer aber wenig Emolumente habe und sollen ihm vom Dominium 12 Scheffel Roggen und 12 Gulden als Zuschuß gewährt werde, auch der Pfarrer könne zu besserer Einrichtung der Schule etwas hergeben. Indeß wählte die Gemeinde statt des bisherigen Lehrer Winkler, der nach Benkowitz ging, am 1. September --- S.241/#256 1764 mit Genehmigung des Propstes als Grundherrn von Janowitz den bisherigen Lehrer von Tworkau Wenzel /Karwinski/, Sohn des gleichnamigen Bürgers in Fridek, welcher 6. April 1767 Taufzeuge ein von der Gattin Anna Hoffmann geborenes Knäblein 9. Juli d. J. taufen ließ. Wenzel Karwinski ist noch 4. Januar 1772 Taufzeuge bei einem Mädchen des Schaffers auf dem Kornitzer Vorwerk Grzibowitz und scheint als Lehrer von Woinowitz gestorben zu sein. Ignatz /Piszczan/, geboren 1751, war drei Jahre in Ruderswald, drei Jahre in Pogrzebin angestellt, hatte 1770 die Normalschule in Ratibor besucht und das Fähigkeitszeugnis erhalten, sprach aber nur gebrochen deutsch, unterrichtete hier seit 1774 in der polnischen, mährischen und deutschen Sprache. Als Lehrer erhielt er an Salar von janowitz 5 Floren, von Lekartow und Kornitz je 4 und von Czyprzanow und Schardzin je 3 Floren. Das baufällige Schulhaus hatte nur eine Stube. Am 14. August 1774 ließ Piszczan einen Sohn Ludwig taufen, der 1798 die Priesterweihe empfing. Im Jahre 1786 wurde ein Anschlag auf einen Neubau gemacht, der sich auf 135 Thaler belief. Herbst 1787 war das Schulgebäude fertig, hatte aber nur ein Lehrzimmer und wohnte der Lehrer in der Kammer. Von Czyprzanow und Lekartow kamen nur wenige, von Kornitz fast gar keine Kinder in die Schule. Schulpflichtig wareb aus Janowitz 15, von Kornitz 8, von Czyprzanow, Lekartow und Schardzin je 6 Kinder. Im Jahre 1794 lernten 4 Kinder schreiben. Im Jahre 1798 besuchten aus Janowitz von 28 schulfähigen Kindern 23 die Anstalt, aus de übrigen Dörfern kamen wegen Armuth und Entfernung keine. Als Organist erhielt Pischczan von der Kirche 2 Thaler Festivalien, von den Gemeinden 135 Brode, 1 Schock Wettergarben; drei Viertel sandigen Ackers waren für 36 Silbergroschen verpachtet. 1799 waren bereits 102 schulfähige Kinder und beschlossen die Gemeinden einen Präceptor anzunehmen, --- S. 242/#257 wozu es aber noch nicht kam. Am 31. März d. J. fiel die auf die Kirche zu gelegene Wand ein und wurde das Schulhaus aus Mitteln der Gemeinden für 193 Thaler erweitert; es war 12 Ellen lang, 10 Ellen breit, 4 1/2 Ellen hoch. Lekartow weigerte sich den Beitrag von 23 1/3 Thaler zu entrichten und zog der Kreisdragoner das Geld ein. Pischczan starb 30. April 1806. Sein Sohn Ludwig, der Pfarrer von Preiswitz geworden, fundirte 1838 ein Requiem mit Conduct für ihn und machte auch für die armen Schulkinder eine Fundation von 100 Thalern. Franz /Kaschny/, geboren 1782, 20. März 1806 in Oberglogau geprüft und sofort hier angestellt, amtirte 49 Jahre am Orte. 1817 wurde der normalmäßige Gehalt repartirt. 1816 war die Wand in der Wohnstube und die Querwand in der Kammer, worauf das Kuchelgewölbe lag, eingestürzt und wurde das ganze Gebäude 1818 reparirt, auch die Lehrstube erweitert, daß sie die 104 schulfähigen Kinder aufnehmen konnte, doch blieb letztere dunkel; 1822 wurden deßhalb zwei neue Fenster angebracht. Damals besuchten 146 Kinder die Schule und sollten die größeren früh, die kleineren Nachmittag unterrichtet werden. Am 16. November 1819 hatte Consistorialrath Seidel auf einer Revisionsreise auch die hiesige Schule besucht. Nachdem das Local als zu finster und niedrig, auch für die 140 Kinder zu beengt befunden worden, beschloß man einen Neubau auszuführen, zwei Lehrstuben anzulegen und einen Adjuvanten anzustellen. Bau-Inspector Fritsch machte Mai 1826 den Anschlag und am 19. December 1827 wurde ein Termin anberaumt, um die Ausführung dem Mindestfordernden zu übergeben. Am 30. October hatte sich die Herzogliche Kammer auf Schloß Ratibor geweigert, mehr als das Material zu geben, zumal die Wohnung des Organisten keines Neubau's bedürfe und früher nur die Gemeinden die Pfarr- und Schulgebäude unterhalten. Damals wurden 7 Ottitzer Häuser vom Janowitzer Schulverbande getrennt; Herbst 1828 lagen 70 mille Ziegeln --- S.243/#258 und 500 Fuhren Sand vorräthig. Der Bau wurde ausgeführt. Im Frühjahr 1830 waren nur noch zwei Oefen und die Bänke zu beschaffen. Zu den Kosten von 1000 thalern trugen bei: Die Gemeinde Janowitz 469 Thl. 9 Silbgr. 9 Pfg. " " Czyprzanow 190 " 1 " 6 " " " Lekartow 143 " 4 " 9 " Das Dominium " 143 " 4 " 9 " Die Gemeinde Kornitz 54 Thl. 9 Silbgr. 3 Pfg. Ober-Ottitz und Schardzin waren 1829 ausgeschult worden, da ersterer Ort eine eigene Schule erhielt. 1831 waren 172 schulfähige Kinder, nämlich aus dem Orte 57, aus Czyprzanow 36, Lekartow 34 und Kornitz 45. Franz Machaczek wurde hier 15. Juli 1832 als Adjuvant angestellt, ging April 1833 nach Sudol (S. 208.) Ferdinand /Peuker/, geboren 1813, in Oberglogau von 1830-1832, hier 1833-1838, hatte zuletzt die Oberklasse und war 1857 Lehrer in Syrin. Johann /Wildner/, geboren 1818, 1839 in Oberglogau geprüft, 26. April desselben Jahres hier, wurde Lehrer in Schonowitz. Josef /Fabian/, geboren 1818, in Oberglogau 1836 bis 1839, Mai 1839 hier, unterrichtete die mittleren und größeren Kinder, wurde 1845 Gemeindeschreiber, war 1856 Lehrer in Nieder-Mschanna, woselbst er starb. Im Jahr 1843 war das Schulhaus für 207 Thaler mit Schiefer gedeckt worden. Franz /Krause/, geboren 1827, Schulcandidat, kam April 1847 hieher als Adjuvant, wurde December 1849 nach Tworkau, später nach Ober-Ottitz versetzt. Theodor /Krayczyrski/, geboren 1829, in Breslau 1847-1849, hier 1849 angestellt, unterrichtete die Größeren. Im Jahre 1851 wurden 12 Thaler Beköstigungszuschuß für den Adjuvanten bewilligt. --- S.244/#259 Seit sämmtliche Rusticalbesitzungen von Lekartow subhastirt wurden und die Hälfte durch Dr. Kuh zum Vorwerk Neu-Ottitz zugeschlagen wurde, sind dem Lehrer von den eingezogenen Stücken jährlich 5 Scheffel 3 3/4 Metzen Roggen und 5 1/3 Thaler Holzgeld geliefert worden. 1851 kaufte Kaufmann Scheurich das Vorwerk, wollte ihm aber das Einkommen nur als Lehrer, nicht als Organist geben. Kaschny, der in der Revolutionszeit wegen seiner treuen und conservativen Gesinnung mancherlei Unannehmlichkeiten erlitten und bereits 1852 kränkelte, starb 31. August 1855. Emil Jauernik (S. 99), Adjuvant in Altendorf, am 1. October 1855 in Janowitz als Lehrer und Organist angestellt, 18. Januar 1856 von der Herzoglichen Kammer vocirt, vom General-Vicariat-Amt 17. April decretirt, 7ten Juni vereidet und eingeführt, unterrichtete in beiden Klassen. Seit alter Zeit hat jede Bauerstelle der eingepfarrten Orte ein gewisses Stück des Pfarr- und Schulgartens einzufriedigen und zwar die in Czyprzanow die Südseite des Schulgartens. Der Retablissementsbau der 1861 abgebrannten Schule kostete 600 Thaler. Johann Pluhatsch (S. 99), kam 1. März 1853 oder Ende 1855 nach Janowitz, erkrankte Anfang 1856 und im darauf folgenden Sommer am Nervenfieber, erhielt 1859 statt der bisherigen 12 Thaler Beköstigungszuschuß 20 Thaler; auch gab die Schulgemeinde zur Beheizung der beiden Lehrzimmer statt der bisherigen 7 nunmehr 12 Tonnen Kohlen. Adjuvant Pluhatsch und der Lehrer Jauernik erhielten für die Verluste bei dem Feuer 1861 von der Königlichen Regierung je 10 Thaler. Ersterer wurde Hilfslehrer in Lubom, später in Pogrzebin. Julius /Steiner/, geboren 1844, am 10. August 1863 in Oberglogau für das Lehrfach geprüft, wurde hier Hilfslehrer, vertrat im ersten Semester 1865 den erkrankten Lehrer Machaczek in Woinowitz und erhielt, da am 15ten Juni 1865, ein Tag nach der Prüfung die Schule nochmals --- S. 245/#260 abbrannte, von der Königlichen Regierung 8, der Rector 20 Thaler. Aus der Schulkasse wurden zur Anschaffung von neuen Lehrmitteln 20 Thaler bewilligt. Steiner ging 21. October 1865 nach Zabelkau. Das neuerbaute Schulhaus erhielt zwei Lehrstuben und Wohnung für den Hauptlehrer und Adjuvanten. Johann /Osieka/, geboren 1846, für das Lehramt 4. August 1866 zu Oberglogau mit N. II. censirt, trat 15. August d. J. die hiesige Stelle an, ertheilte den Turnunterricht und ging 1. Februar 1872 nach Zabelkau, 10ten Juli 1873 Roschkau und Januar 1880 nach Ruderswald. Die Gemeinde hatte Mai 1868 einen weiteren Beköstigungzuschuß von 15 Thalern bewilligt. 1872 schied Kornitz, wo eine besondere Schule errichtet worden, aus und fiel die Schülerzahl in Janowitz von 230 auf 160 herab. Jauernik erhielt laut Regierungs-Verfügung vom 18. Mai 1869 in Vertretung der Adjuvantenstelle für Mehrunterricht 40 Thaler, seit 1. Januar 1876 180 Mark. Josef Stosiek aus Wilkau, Oberglogau, 1872 vom vom General-Vicariat-Amt 7.August decretirt, hier am 3ten September, 29. Juli 1873 nach Polnisch-Krawarn als zweiter Lehrer vocirt, verwaltete von Neujahr 1876 ab die Stelle in Rohow, ging 1. August 1877 nach Lublinitz und ist gegenwärtig Lehrer in Slawitz. Auf Antrag des Gutsbesitzers Wuthe verfügte die Königliche Regierung 10. August 1874 Vorwerk Neu-Ottitz aus dem hiesigen Verbande auszuschulen und mit Ober-Ottitz zu vereinigen. Ein Protest des Schulvorstandes vom 28ten November wegen dadurch entstehender Ueberbürdung hatte keinen Erfolg. Die Lehrerfrau ertheilte seit 1. Juli 1875 Industrieunterricht gegen 60 Mark. Auch wurde damals ein neuer Turnplatz eingerichtet. Kreis-Schulen-Inspector Bottig hatte den 20 Jahre alten Primaner Heinrich Przybyla als Hospitant nach Janowitz geschickt, nachdem die Adjuvantenstelle zwei Jahre --- S.246/#261 unbesetzt geblieben. Er wurde 19. April 1876 provisorisch angestellt mit der Verpflichtung, die Lehrerprüfung im nächsten Jahre zu machen und wurde 25. April vereidigt. Aber schon in demselben Jahre wagte er in Ziegenhals die Prüfung, die für ihnungünstig ausfiel. So war Jauernik seit 10. November wieder allein. Auch Carl /Böhm/, geboren in Leschnitz, Peiskretscham 1877, der 1. April hieher berufen und 11. d. Mts. vereidigt worden, bliebnur kurze Zeit und ist gegenwärtig Lehrer in Dubensko. Der Hauptlehrer wurde 1879 als Schiedsmann erwählt. Max /Onderka/, geboren 1861, Sohn des Rector in Altendorf, hatte 7. Juli 1881 zu Oberglogau die Prüfung bestanden und wurde 1. August angestellt, am 21. vereidigt, ging aber schon im nächsten Jahre als vierter Lehrer nach Altendorf. Am 1. October 1881 wurde durch Schulen-Inspector Porske das Dreiklassensystem eingeführt. August /Hartmann/, geboren 1863", geprüft in Oppeln 3. August 1882, Adjuvant in Altendorf, hier 15. November 1882 bis Ostern 1885. Seitdem unterrichtete Jauernik alle 3 Klassen allein. Die Gemeinden Janowitz, Lekartow und Czyprzanow verzichteten 20. Februar 1883 auf Weiterbewilligung der Staatshilfe zur Besoldung der Lehrer. Paul /Wientlocha/, geboren 1864, Rosenberg 1885, hier Adjuvant seit 10. Juli d. J. Schulkinder waren: 1787 41, 1799 105, 1822 146, 1842 177, 1857 136, 1865 192, 1874 162, 1878 170, 1884 199, nämlich 106 Knaben, 93 Mädchen.

Das Hospital

in Janowitz hatte der 1718 verstorbene Schulz Paul Wisconi aus Lekartow erbaut. Es wird schon 1706 erwähnt, da Anna Herodica am 12. Februar in demselben verstarb. Am Neujahr 1721 starb darin Martin Czorny. Pfarrer Pischczan in Preiswitz, gebürtig aus Janowitz, vermachte 1838 50 Thaler zur Zinsen-Vertheilung unter --- S.247/#262 die Spitalweiber; zu selbigem Zwecke Pfarrer Weiß 50 Thaler und Pfarrer Sczyrba 80 Thaler. Außerdem legirte Pfarrer Weiß 80 Thaler als Hospitalbaufonds, welches Zins auf Zins capitalisirt wird, bis ein Neubau des 1861 abgebrannten Hospitals möglich werden wird.

Czyprzanow,

östlich mit Janowitz zusammenhängend und mit diesem Orte eine Dorfreihe bildend, erhielt diesen Namen erst 1461, hieß früher Sandvorwerk und galt als Antheil von Janowitz. Um den Gottesdienst zu erhöhen und zum Seelenheile der Angehörigen hatte Herzog Johann und seine Gemahlin Anna am 26. December 1368 ein neues Canonikat in der Schloßkapelle errichtet und ausgestattet. Zur Dotation gehörte auch ein Vorwerk in Janowitz frei von allen Diensten und Abgaben, nur der Feldzehnt mußte an die Pfarrkirche fortgezahlt werden. Das 7 Hufen betragende Feld setzte der Canonicus Johann Mensura Neujahr 1389 zum Besten des Kapitels mit Genehmigung des Herzogs und mit Einwilligung der Stiftsherrn zu Bauerngüter aus; sieben Wirthe kauften nämlich für 42 Mark Groschen das Terrain als Erbbesitz, theilten es gleichmäßig unter sich und zahlten jährlich einen Zins von 7 Mark Groschen, entrichteten außerdem von jeder Hufe an Weihnachten 4 Hühner, an Ostern 24 Eier; sonst waren sie frei von allen Diensten, Roboten und Lasten. Der Präbendar behielt sich jedoch vor, auf diesem Grunde eine Mühle zu bauen, das Schulzenamt und den Kretscham zu besetzen. Dies Sandvorwerk gehörte zu den Bezügen des vierten Canonicus und mag vom Cantor Cyprian († April 1431), dem es zuerst ausschließlich zugetheilt worden, den Namen erhalten haben. Im 17. und 18ten Jahrhunderte wird der Ort auch nebenbei mit /P`´ep`´ranow/ (= Pfefferdorf) bezeichnet. Nach einem Zinregister vom Jahre 1550 hatte das Collegiatstift am Orte 5 Unterthanen, die einige Robot bei dem Vorwerk Gammau leisteten. Das Gut lag in der --- S. 248/#263 Indiction mit 120 Thalern, hatte weder Gärten noch Vorwerk, da der Acker, welcher 13 Malter betrug, aber nur zum dritten Theil besäet wurde, meist an die Janowitzer verpachtet war. Die Dreschgärtner hatten zwei Gärten mit 11 Scheffel Aussaat, hielten 3 Kühe, 1 Schwein; am Orte waren 1725 6 ganze, 2 Halbbauern; 7 Häusler hatten 18 Gärtchen von 6 Scheffeln, säeten je 9 1/4 Malter Roggen und Hafer, hielten 100 Schafe, 37 Kühe, 9 Zuchtschweine. Die Indiction der Unterthanen betrug 30 Thaler. Scholz war damals Bartholomäus Kotula. Nach der Säcularisation gelangte der Ort an die Schloßherrschaft. Er hatte 1865 6 Bauern, 2 Gärtner, 15 Häusler, welche 371 Morgen Acker, 8 Morgen Gärten, 14 Morgen Wiesen, 13 Morgen Hutung, 22 Pferde, 35 Kühe und 6 Schweine hielten. Das Dorf ist in Folge der großen Feuersbrunst vom 1. September 1861 fast ganz neu erbaut; die Ratiborer Feuerwehr leistete außerordentliche Hilfe, leider büßte dabei das brave Mitglied Gasthofbesitzer Horatschek aus Neugarten sein Leben ein. (S. 224.) Im Jahre 1875 fand die Gemeindetheilung statt. Die Mühle mit zwei Rädern, auf Janowitzer Grunde liegend, pachtete 29. September 1681 Valentin Zarzina und vermachtete 3. November 1683 testamentarisch seine bei Brzezie gelegene Wiese der Pfarrei und Kirche zu Janowitz als Meßfundation. Georg Zarzina erwarb 1. Juni 1693 vom Kapitel die Mühle erblich und zinste 18 Thaler. Franz, Sohn des Müller Johann Skopek verehelichte sich 8. Januar 1770 mit Elisabeth, Tochter des Janowitzer Schulzen Gotfried Jaitner und erscheint noch 1784 als Mühlenbesitzer. Die Wassermühle mit zwei Rädern und je zwei Gängen, seit 1869 mit Dampfbetrieb, 1 Kilometer westlich als Enclave von Janowitz, soll ehemals im Dorfe Czyprzanow gestanden haben. Gegenwärtig besitzt die Mühle die Landwirthschaftliche Zuckerfabrik-Actien-Gesellschaft Groß-Peterwitz, welche statutenmäßig ein christlich sociales Unternehmen ist. --- S.249/#264 Mathias Jurasch verkaufte 24. October 1677 den Kretscham für 106 Thaler dem Michael Moczygemba, 1701 war Paul Smolka Besitzer und 16. August 1727 kaufte Ignatz Smolka die väterliche Besitzung. Durch Anlage des Janowitzer Kruges erlitt der hiesige Kretschmer viel Einbuße, doch da eine Kirche in der Nähe und Durchtrieb zum Schwarzviehmarkt stattfand, wurden in den Befundtabellen 1725 auf den Ausschank 20 Achtel Bier und 2 Eimer Branntwein angenommen. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts besaß den Kretscham Ignatz Moczygemba, dem Michael Ploch, verehelicht mit Marianna geb. Moczygemba folgte; Anton Ploch seit 1787 Besitzer, starb 17. October 1802 im Alter von 42 Jahren. Czyprzanow hatte 1819 128, 1842 178, 1855 170, 1861 162, 1882 196, 1884 221 Einwohner, die 26 Pferde, 84 Stück Rind- und 16 Stück Schwarzvieh und 15 Ziegen halten.

Kornitz,

9 Kilometer westlich von Ratibor, ist einer der ältesten Orte Oberschlesiens und wurde in den letzten Jahrhunderten Hauptgut einer großen Herrschaft. In einer zu Ratibor am 4. April 1283 ausgestellten Urkunde für das Stift Rauden, welchen die Herzoge Mesco von Ratibor und Przemyslav von Auschwitz den Umtausch von Deutsch-Cernitz gegen Woschczütz gestatten, erscheint Jescho von Kornitz, Unterkämmerer von Teschen, als Zeuge. Es ist wahrscheinlich, daß dieser Ritter den Ort gegründet, da er sich hier niedergelassen und seine Familie in der Umgegend sich ansiedelte. Seine Tochter Bogusca, Gattin des Thomeslaus von Chyrnice, verkaufte 1317 ihr Erbe in Bogunitz dem Jungfrauenstift in Ratibor. Derselbe Johann und sein Sohn Misco hatten damals ihren Hofplatz in Ratibor für dasselbe Kloster umgetauscht. Mstik von Kornitz tritt in Urkunden von 1337-1340 wiederholt auf, ebenso Janko und Hanko von Kornitz 1375-1376. --- S.250/#265 1479 saßen die Gebrüder Johann und Georg (Rottenberg) von Katscher auf Pobiehof und Kornitz. Die Familie Rottenberg führte den slavischen Namen Perzina = Pyrzina von pyrzic roth sein. Georg Perzina, Erbherr in Kornitz, mit Schulz und Gemeinde von Kornitz verpflichteten sich 15. Juni 1498 für geliehene 40 Floren jährlich 4 Floren Zins an den deutschen Curatus des Collegiatstiftes zu zahlen. Elsca, Tochter des Nicolaus v. Rottenberg, vermählte sich mit Wenzel von Reiswitz und brachte ihm Kornitz zu. Dessen Sohn Sebastian Reiswitz v. Kanderzin, Landrichter der Fürstenthümer Oppeln-Ratibor, 1555 mit Groß-Petrowitz belehnt, nahm das bischöfliche Tafelgut Petrowitz 1560 in Pfandbesitz. Stanislaus Reiswitz, seit 1614 im Besitz von Kornitz, vergrößerte die Herrschaft Kornitz 11. Februar 1625 durch Erwerb von Vorwerk Ottitz, den Dörfern Bojanow, Woinowitz und Lekartow, mit der Wiese in Proschowitz für 20,000 Thaler. Ihm folgte der Sohn Heinrich, der auch halb Sudol besaß und 23. Januar 1657 starb. Er hinterließ nur die Wittwe und Töchter: Ludmilla wurde 21. November 1661 mit Georg von Trach in Ratibor copulirt; Anna vermählte sich zunächst mit Ferdinand Dreski von Märzdorf und schloß nach dessen Tode 6. August 1669 Ehepacten mit Carl Trach von Birkau auf Kieferstädtel. Am 14ten Januar 1684 machte sie ihr Testament. Ihre Kinder waren a) aus erster Ehe Anna verehelicht mit Carl Heinrich von Zahradek; b) aus zweiter Ehe Silvius Erdmann, Carl Gotlieb, Marie Helene, Johanne Eleonore vermählt mit dem Wittwer Hans Heinrich Sebastian Graf Cirschwand, Franciska Charlotte. Gotlieb und dessen Schwester Gräfin Curschwand waren 16. Mai 1704 Paten bei der Taufe der Tochter des Burggraf Michael Neumann in Kornitz. Als Silvius Erdmann (ein eifriger Protestant) in erster Ehe 1697 mit Leopoldine Luise Gräfin Maltzan (geboren 2. Juni 1660, + 6. November 1706) Slawikau gegen Kieferstädtel eingetauscht und in zweiter Ehe mit Gottliebe Agnes Freiin von Bludowska vermählt, mit --- S.251 Hinterlassung eines Posthumus Traugot Erdmann am 28. Juli 1710 gestorben war, entstand mit der Wittwe und dem Bruder Gotlieb ein Proceß. Man einigte sich jedoch gerichtlich in Teschen am 16. Juni 1711 dahin, daß Gotlieb Kornitz, Woinowitz, Zittna, Bojanow, Ottitz, Lekartow, halb Sudol, das Kornitzer Vorwerk in Altendorf, das Haus in Ratibor, alles im Gesammtwerth von 80 mille übernahm mit der Verpflichtung, nachdem ihm 20 mille Erbes gelassen, er die Schulden von 25 mille bezahle und 5 mille der Freiin von Beyer geb. Reiswitz auf Lebenszeit mit 6 pCt. verinteressire; Slawikau, Grzegorzowitz, Summin, Surek, Elgot-Gottartowitz, Rowin, Klokoczin, Gardawitz, Mosczisk blieb der Wittwe, welche den Ernst Christof Graf Manteuffel heirathete. Die zweite Tochter Heinrichs Ursula Maria verkaufte 2. Januar 1705 mit Consens ihres Ehegemahls Paul Reinhard Freiherr von Beyer Bojanow, Ottitz, Lekartow, halb Sudol etc. an Silvius Erdmann auf Bransdorf, Kornitz, Woinowitz, Slawikau, Zytna, der von seinem Bruder Gotlieb, welcher 1714 Tworkau kaufte, nach obengenannter Einigung beerbt wurde. Die zweite Tochter Heinrichs Ursula Maria verkaufte 2. Januar 1705 mit Consens ihres Ehegemahls Paul Reinhard Freiherr von Beyer Bojanow, Ottitz, Lekartow, halb Sudol etc. an Silvius Erdmann auf Bransdorf, Kornitz, Woinowitz, Slawikau, Zytna, der von seinem Bruder Gotlieb, welcher 1714 Tworkau kaufte, nach obengenannter Einigung beerbt wurde. Die Indiction des Gutes Kornitz betrug 825 Thaler. Der Küchengarten, der große Garten, der Hopfengarten, das Gärtchen zwischen den Scheuern und das bei der Mühle hatten eine Fläche von 1 Malter 1 Scheffel Aussaat. Auf dem Vorwerk wurden 800 Schafe, 33 Kühe, 4 Schweine gehalten und je 20 Malter 9 Scheffel zum Winter und Sommer ausgesäet. Zum Vorwerk gehörten 22 Dreschgärtner und 10 Freigärtner, die 35 Kühe, 12 Schweine hielten und je 3 Malter im Herbst und Frühjahr aussäeten; die 32 Gärtchenhatten 3 Scheffel Aussaat Flächeninhalt. Die erbliche Mühle mit einem Gange an einem von Regenwasser gespeisten Bach zinste 18 Scheffel Getreide; der Dorf- und der Bergkretscham oberhalb des Dorfes schänkten zusammen 97 Achtel aus; der Branntweinurbar war auf der gesammten Kornitzer Herrschaft einem Juden für --- S.252/#267 100 Thaler verpachtet. Im Schloß-, Mittel- und Langenteich waren Kapfen; der Nieder- und Oberteich wüst; zwei kleine Strichteiche. Der Birkenwald hatte 3 Stallungen. Der Freiherr, welcher schon im Sommer 1718 sich bemüht, Kornitz zuveräußern, verkaufte 2. Mai 1731 die Güter Kornitz, Bojanow, Woinowitz, Lekartow, Dzimirz, Zytna, Vorwerk Ottitz, Halbsudol an Hieronymus Edler v. Bernini. (Seite 200 und 201.) Die Familie Bernini aus dem Venetianischen stammend, erhielt Wien 2. Januar 1731 den Ritterstand und das Incolat. Bei einem Brande in Kornitz am 5. Februar 1732 wurde ein 50 Jahre alter Maurer aus Troppau bei Einsturz des Schornsteins von den Ziegeln erdrückt und blieb auf der Stelle todt. Die drei Brüder Hieronymus, Stefan, Abt in Gargnano und Josef besaßen die oberschlesischen Güter gemeinschaftlich. Hieronymus erwarb 1736 laut Abkommen von Anna Maria v. Twardawa geb. v. Mletzko das Gut Dzimirz und starb 1740, Paul Josef starb 1758 und hinterließ die Söhne Carl, Bernardin, Johann Anton, Benedict, Paul, von denen die ersten vier Geistliche waren und nur Paul sich mit Therese Gräfin Verila verehelichte. Paul war Bevollmächtigter der übrigen Familienglieder, welche die Republik Venedig 1751 in den Grafenstand erhob und ihr die Grafschaft Santi Bonifazi zu verwalten gab. Paul starb 1763, sein Oheim, Abt Stefan, am 10. Februar 1770. Nach dessen Tode folgten als Erben Pauls Kinder Hieronymus, Bernard, Stefan und Josef. Stefan am churfürstlichen Hofe zu Coblenz leistete 11. Juli 1770 durch den Justizcommissar Adam Bernard Kusska den Vasalleneid. Hieronymus Graf Bernini verkaufte 5. November 1788 für sich und seine Brüder Kornitz und Dzimirz an Curt Graf Haugwitz auf Krappitz, Steinau und Rogau für 120,000 Thaler. Letzterer nahm sofort auf die erworbenen Güter 67 mille auf und ließ zur bequemeren Bewirthschaftung die Vorwerke Paulshof und Neuhof bauen. Am 31. März 1792 wurden Dzimirz und Zytna von der --- S. 253/#268 Herrschaft separirt und letztere mit Ausschluß des Waldes, Jägerhaus und der Wiesen bei Ratibor dem Moritz Freiherrn von Stillfried für 49,500 Floren veräußert. 1732-1745 war Johann Franz Ludwig Geschworener Landesbuchhalter des Fürstenthums Troppau, Administrator der Stiftsgüter St. Clarae, bevollmächtigter Inspector der Güter Kornitz, Dzimirz und der Herrschaft Beneschau und 1751 Johann Georg Czagotty. 1765 war Amtsverwalter Anton Franz Müller, 1767 Georg Josef Schindler Substitut. Am 23. August 1776 starb der Pächter von Kornitz Johann Jurczyk im Alter von 49 Jahren. Der Königliche Kammerherr Paul Graf Haugwitz, welcher die Herrschaft Kornitz und die Dominialrealitäten der Güter Woinowitz, Lekartow, Bojanow sub hasta 20ten September 1828 meistbietend erstanden, verkaufte Kornitz mit Paulshof und Neuhof für 63.610 Thaler an den Fiscus, nachdem Friedrich Wilhelm III. am 1. Mai 1830 die Ermächtigung ertheilt. Am 1. Juli fand die erfolgte Materialübergabe des Ritterguts Kornitz an den Königlichen Fiscus (vertreten durch Präsident Rother), ausgefertigt. Fiscus verkaufte Kornitz 16. Juni 1836 dem Dr. Wilhelm von Eickstedt zu Breslau, Bruder des Major Friedrich auf Silberkopf für 37,800 Thaler, welche noch heut als Kaufgelder hypothekarisch eingetragen sind. Ihm folgte 26ten Januar 1874 Bruno von Eickstedt. Dominialvorwerke: Neuhof oder Grzobowiec, südöstlich, 1849 cassiert, Paulshof, nordöstlich, nahe bei Schardzin gelegen. Die Colonie Sechshäuser hieß ehemals Wesola, Wydmuchow, auch Wymyslow. Das ehemals befestigte Schloß hatte unter Bernini eine Kapelle und ist die Kirchenfa,cade an dem zu Wohnzimmern eingerichteten Gebäude noch erkennbar. Die Glocke am Giebel des Wirthschaftsgebäudes, früher an der Schloßkapelle enthält als Inschrift: PAVLUS JOSEPHUS --- S.254/#269 DE BERNINI, DOMINUS KORNITZ 1747. Schloßkapläne von Kornitz werden in den Kirchenbüchern von Janowitz und Groß-Peterwitz nicht erwähnt, während die von Schammerwitz in der Janowitzer Kirche häufig functionirten. Wie an vielen andern Orten, so verließen auch hier im 30jährigen Kriege die Bauern ihre verwüsteten Besitzungen, welche das Dominium einzog; seitdem giebt es hier nur Gärtner und Häusler. Der Ort hatte 1784 ein Vorwerk, eine Mühle, eine Bleiche, 30 Gärtner, 5 Häusler, 185 Seelen; 1842 376, 1855 352, 1861 374 und 1884 schon 442 Einwohner und zwar zählte der Gemeindebezirk in 46 Häusern 292, der Hutsbezirk 150 Seeln; im ersteren werden 4 Pferde, 99 Stück Rindvieh, 25 Stück Schwarzvieh, 28 Ziegen, 8 Bienenstöcke, im letzteren 47 Pferde, 134 Stück Rindvieh, 22 Stück Schwarzvieh, 760 Schafe gehalten. Im Jahre 1871 hatte die Gemeinde, in der ein Kretscham, ein Müller, 20 Gärtner, 21 Häusler, außerdem Einlieger und Auszügler sich befanden, 294 Morgen Grundbesitz, auf dem 13 mille Schulden lasteten.

Schule.

In Folge des Reglements von 1765 war hier eine Schule, zugleich für Lekartow errichtet und am 30. August 1768 waren die Emolumente festgesetzt worden; die Schule ging jedoch wieder ein. Die 1817 gefaßte Absicht für Kornitz und Schardzin ein eigenes System zu gründen, scheiterte an der Armuth dieser Gemeinden. Als 1828 in Janowitz ein neues Schulhaus aufgebaut werden sollte, tauchte wiederum der Entschluß auf, ein eignes zu errichten; aber der neue Gutsherr war dem Plane abgeneigt und die Gemeinde selbst zur Ausführung zu schwach. Der Schulbesuch wurde durch die drückenden Unterthänigkeitsverhältnisse gehemmt, indem (fünf Häuser ausgenommen, welche täglich nur eine Person zur Robot stellten) jedes Haus täglich zwei Personen zu herrschaftlichen Dienst schicken mußte und die Leute für ihre --- S. 255/#270 häuslichen Arbeiten die heranwachsenden Kinder nicht entbehren konnten. Auf Anregung des Landraths beschlossen 1840 die Einwohner, wenn ihnen Staatshilfe zu Theil werde, ein eignes Schulsystem zu bilden, aber aus eigenen Mitteln für den Schulhausbau und Lehrergehalt aufzukommen, seien sie außer Stande. Etwas später wurde eine Wanderschule im Kretscham errichtet. Da nämlich der Weg nach Janowitz für die Kinder zu beschwerlich war, erhielten sie im Winter dreimal wöchentlich durch den Adjuvanten von Janowitz Unterricht im gemietheten Locale. Weil Adjuvant Krause mit der Gemeinde Kornitz nicht gut stimmte, wurde 1849 Krayczyrski in Janowitz angestellt. Das Local war klein und obwohl noch ein Fenster eingesetzt wurde, dunkel. Die Gemeinde besaß 1855 nur 45 Possessionen mit 258 Morgen. Da die Wanderschule ihre Uebelstände hatte und Kornitz bereits 63 schulpflichtige Kinder zählte, so wurde doch endlich dem Plane eine eigene Schule zu beschaffen näher getreten und sollten laut Verfügung vom 20. Januar 1857 jährlich 50 Thaler zum Schulbau aufgesammelt werden. Zum Schulhause selbst schenkte der Gutsherr einen Platz 85' lang, 59 2/3' breit, 45 Quadratruthen enthaltend, welche Schenkung erst später, nämlich 19. August 1868 gerichtlich aufgenommen wurde. Die Beiträge, welche bereits erhöht worden, wurden 1863 auf 10 Thaler monatlich herabgesetzt, so daß April 1863 erst 431 Thaler an Baufonds gesammelt waren. Der Kirchen- und Schulbau in Janowitz nahm damals die Kräfte der Gemeinde sehr in Anspruch, denn von den aus der Provinzialhilfskasse geliehenen 2500 Thalern entfielen auf Kornitz 8 pCt. Im Jahre 1868 waren 54 schulpflichtige Kinder und wurde 10. August d. J. das Bauproject und der Kostenanschlag auf 2120 Thaler gemacht. Nachdem durch Allerhöchste Ordre vom 28. März 1870 ein Gnadengeschenk von 550 Thaler bewilligt worden, wurde am 1. März --- S. 256/#271 1871 dem Gärtner Hyacinth Sollich als Entrepreneur für 2000 Thaler der Zuschlag ertheilt. Der Fürstbischof genehmigte eine Collecte zum Schulbau, welche 291 Thaler 26 Silbergroschen 6 Pfennige einbrachte. Am 27. September d. J. wurden laut Verfügung der Königlichen Regierung vom 26. August Verhandlungen über Dotirung des Lehrers gepflogen und am 6. Juni 1872 vom Dominium die Vocation ausgestellt. Zwei Tage später nahm Baurath Linke das im Bau vollendete Schulhaus ab. Frant Trtzka (S. 120), Hilfslehrer in Studzienna, kam am 1. Juli 1872 an; am 2. fand die Einweihung der Schule statt und am 3. begann der Unterricht. Trtzka wurde auch Gemeindeschreiber. Laut Revenueenverzeichniß vom 6. Juni erhielt der Lehrer 20 Scheffel 7 Metzen Roggen, 4 Scheffel 1 1/2 Metzen Gerste, 7 Klaftern Holz, 101 Thaler fixirtes Gehalt aus Staatsfonds auf 10 Jahre je 30 Thaler (die vom Neujahr 1873 bis Ende 1882 auf 70 Thaler erhöht worden), Benutzung von 1/2 Morgen Gartenland, 18 Thaler als Entschädigung für Hutung und Winterfutter. 1878 waren 75 Schüler. Franz Trtzka ging 31. Januar 1881 als Lehrer nach Stolzmütz. Peter /Latta/, geboren Groß-Peterwitz, war als Knabe schon am hiesigen Orte beschäftigt und bekannt, 1874 in Oberglogau geprüft, zunächst in Bielschowitz, dann bis 1ten December 1878 in Mikultschütz angestellt, hierauf in Rosdzin Lehrer geworden und wurde 20. November 1880 von Bruno von Eickstedt hieher vocirt." Die Industrieschule übernahm October 1876 für 40 Thaler die Frau des Lehrer Trtzka und begann den Unterricht am 6. d. Mts. Nach der Versetzung des Gatten folgte als Industrielehrerin die Ehefrau des Latta und seit April 1882-1885 die Frau des Lehrer a. D. Dubowy aus Groß-Peterwitz, welche vor ihrem Tode daselbst zur katholischen Kirche zurückkehrte. --- S. 257/#272

Lekartow,

östlich von Janowitz gelegen und mit dem Dorfe ziemlich verbunden. Der Ort war 1445 mit andern Dörfern als Witthum der Herzogin Margareth bestimmt. Unter den Mannen und Landsassen des Herzogs Hans junior v. Ratibor begegnen wir 23. Februar 1479 an letzter Stelle dem Ritter Friedrich von Lekartow. Das Dorf gehörte zum fürstlichen Kammergut. Laut Urbar von 1532 hatte der Scholz Nicolaus eine Freihufe und einen Freikretscham, mußte den herrschaftlichen Zins einnehmen, die Unterthanen bei der Robot ordnen und bei Kriegszeiten auf dem Schloße (mit einer Armbrust) dienen. Die Unterthanen gaben außer dem Zehnt von 21 Groschen und 5 Gulden Zins an die Herrschaft an Decem dem Pfarrer zu Steinau 1 Gulden 8 Groschen, der propstei Ratibor 50 Groschen und dem Pfarrer von Janowitz von jeder Viertelhufe je 1/2 Scheffel Roggen und Hafer. Die Verleihung der Janowitzer Pfarrei hat der Fürst (Georg Markgraf von Brandenburg). Bernard von Tieschowski nahm Lekartow in Pfand bis es 1567 die Stadt Ratibor für 350 Thaler an sich brachte. Aber schon 1577 wurde es mit einigen andern Gütern dem Daniel Ma`´cak überlassen. (S. 210). Nach dem Urbar der Schloßherrschaft von 1595 hatte Lekartow 8 Bauern, welche 2 Frei- und 8 1/4 Zinshufe besaßen und 13 Thaler 3 Groschen, Hafer, Hühner und Eier zinsten. 1607 wurde das Gut auf 1104 Thaler taxirt, von dem Freiherrn von Mettich zunächst in Pfand, zwei Jahre später in Erbbesitz genommen und 1625 mit Bojanow, Woinowitz und Vorwerk Ottitz an Stanislav Reiswitz von Kanderzin auf Kornitz verkauft. Nach den Befundtabellen von 1725 hatte die Herrschaft nur den Bier- und Branntweinausschank zur Nutzung und wurden 17 Achtel Bier wie auch etwas Branntwein jährlich ausgeschänkt. Die Indiction der Unterthanen betrug 300 Thaler. Der Scholz Johann Wiskoni hatte ein Teichel, von Regenwasser unterhalten, besetzt mit anderthalb Schock dreijährigem --- S.258/#273 Karpfensamen; es waren 9 Ackerbauern und 10 Gärtner am Orte, deren 27 Gärtchen betrugen Aussaat an Flächeninhalt 4 Scheffel; die Feldsaat im Herbst und Winter betrug je 16 1/3 Malter. Die Unterthanen hielten 75 Schafe, 46 Kühe, 11 Schweine. Lekartow blieb bei der Herrschaft Kornitz, bis es sich 1796 freikaufte. Dr. Kuh erwarb als Realgläubiger sub hasta 1829 die Dominial- und fast zwei Drittel der Rusticalgrundstücke (mit Ausnahme der Erbscholtisei) und vereinigte sie mit dem Vorwerk Ober-Ottitz, veräußerte aber 70 Morgen 131 Quadratruthen an die Besitzerin der Erbscholtisei Josefa Wiskoni. 1830 besaß er in Lekartow 508 Morgen und die Stellenbesitzer 488 Morgen. 1851 veräußerte Dr. Kuh in Lekartow 700 Morgen an Wilhelm von Eickstedt auf Ober-Ottitz. Die Erbscholtisei blieb sehr lange in der Familie Wiskoni. Auf Paul folgte 1718 Johann, Jakob 1726, Andreas starb 24. Mai 1782 als Auszügler im Alter von 83 Jahren. Josef starb 28. Juli 1774 im Alter von 35 Jahren; die noch junge Wittwe Magdalena heirathete 30. Januar 1775 den Bauernsohn Johann Schramek aus Alt-Ratschein. Florian Wiskoni starb als Auszügler 2. November 1853, 82 Jahre alt und war ein gelehrter Mann. Josef Wiskoni wurde 1. Februar 1837 im Rudniker Walde von einem Baumast erst 28 Jahre alt erschlagen. Ihm folgte als Erbscholz Bernard Tlach. Lekartow zählte 1532 nur 17 Unterthanen; 1784 hatte das Dorf und Vorwerk Ottitz 10 Bauern, 9 Gärtner. Die Zahl der Einwohner betrug 1842 230, 1855 232, 1861 265, 1882 in 50 Häusern 312, die 26 Pferde, 118 Stück Rindvieh, 39 Stück Schwarzvieh, 14 Ziegen, 7 Bienenstöcke halten.

Ottitz,

westlich von Ratibor in der Nähe der Matka Bo.za Kirche gelegen, hieß ehemals Ottonis villa, Ottendorf, slavisch Oczycy. Am 3. September 1291 verlieh Herzog Przemyslav --- S.259/#274 dem Vogt Thilo von Ratibor volle Freiheitfür seine vier Hufen in Ottendorf und am 23. Januar 1298 schenkte derselbe Herzog seinem Diener Fritsche zwei Freihufen daselbst. Dem Jungfrauenkloster vermachte er 1306 das auf dem blanken Felde gelegene Dorf Ottitz mit 30 kleinen Hufen. Der ehemalige Stadtvogt Werner und dessen Schwiegersohn Heinrich von Grauden verkauften 1321 dem Jungfrauenstift drei zur Scholtisei gehörige Hufen in Ottitz, was der Stadtmagistrat am 4. November bekundete. Zu den Einkünften des Propstes am Collegiatstift, gehörte 1416 eine Freihufe in Ottitz, die jährlich 1 Mark 2 Groschen eintrug; die Vicare hatten den Decem, der sich auf 14 Mark belief, mit dem Herzoglichen Vorwerk daselbst. Bei dem Aussterben der Herzoge gehörte Ottitz zur Kammerherrschaft des Schlosses. Die Stadt Troppau leistete 1567 für Ratibor, welches die Schloßherrschaft in Pfandbesitz nahm, Bürgschaft und erhielt als Pfand Vorwerk Ottitz mit mehreren Dörfern. Dasselbe Pfand cedirte Troppau 1577 dem Daniel Ma`´cak, der ihr 10,000 Floren geliehen, auf vier Jahre. Nach dem Urbar von 1595 waren bei dem Vorwerk Ottitz drei alte und zwei neue Teiche, nach dem vom Jahre 1607 war das Vorwerk auf 9823 Thaler, das Gehölz dabei auf 100 Gulden rheinisch taxirt. Hans Christof Freiherr v. Mettich, der das kaiserliche Kammergut 1609 erblich erworben, verkaufte davon 1625 das Vorwerk Ottitz, die Dörfer Bojanow, Woinowitz und Lekartow für 34,000 Thaler an Stanislaus Reiswitz von Kanderzin auf Kornitz und Lubom. Die Indiction des Vorwerks Ottitz betrug 549 Thaler. Im Jahre 1725 wurden 600 Schafe, 24 Kühe, 3 Schweine gehalten, in vier Strichteichlein befanden sich 24 Schock dreijähriger Karpfensaamen; ein Garten hatte 6 Scheffel Aussaat, auf dem Felde wurden im Herbst und Frühjahr je 16 1/2 Malter Roggen und Hafer ausgesäet. 12 Dreschgärtner und 8 Freibesitzer gehörten zum Vorwerk; ein Kretscham war zu Lekartow und einer zu Sudol. --- S.260/#275 Dieser Antheil Ottitz blieb bei der Herrschaft Kornitz bis zum Jahre 1796, wo ihn die Gemeinde Lekartow erwarb. Letztere veräußerte 5. Juli 1806 vom Vorwerk Ottitz 135 Morgen Acker und 8 Morgen Hutung robotfrei für 12,812 Thaler an die Gemeinde Schardzin und siedelten sich 15 Häusler auf den erkauften Vorwerksländereien an. Ober-Ottitz erwarb 1846 Dr. Reimann, vermählt mit Charlotte geb. von Gilgenhein, die als Wittwe hierselbst 17. Juli 1852 im Alter von 70 Jahren 9 Monaten am Schlagfluß starb, später Premier-Lieutenant Paul Wuthe. Das Gut mit neuem Wohnhause umfaßt 720, die Rusticalfelder 42 Morgen, wovon 698 Morgen Acker, 28 Morgen Gärten und 15 Morgen Wiese. Ober-Ottitz zählte 1842 308, 1855 nur 167 und 1861 163 Einwohner; 1884 mit Neu-Ottitz 254 Einwohner. Vorwerk Neu-Ottitz, südlich vom vorbenannten gelegen, gehörte ebenfalls zur Herrschaft Kornitz und gedieh nach Dr. Kuh an Freiherrn von Eickstedt auf Gieraltowitz und von diesem kaufte es der Besitzer von Ober-Ottitz Paul Wuthe, der es noch inne hat. Der dem Jungfrauenkloster gehörige Antheil von Ottitz, nämlich ein Vorwerk war mit dem in Brunnek (S. 60) gelegenen Vorwerk vereinigt und brachte zu Ende des vorigen Jahrhunderts 426 Thaler 17 Silbergroschen ein. Von den Dominialrealitäten des 1802 dismembrirten Vorwerks Ottitzwurde 30. August eine Ackerparzelle von einem großen Scheffel Aussaat an den Landrath Gottlob von Wrochem verkauft. Durch die Säcularisation der Stifte und Klöster im Jahre 1810 fielen deren Besitzungen dem Fiscus anheim. Der König überließ durch Cabinetsordre vom 28. November 1811 die Güter des Jungfrauen- und Collegiatstifts, der Kreuzpropstei etc. an den Besitzer der Schloßherrschaft Ratibor. Colonie Ottitz (S.129) ist bei der Parochie Altendorf beschrieben. --- S.261/#276

Schule.

Auf Veranlassung des Besitzers Dr. Kuh wurde 1829 für den Ort und Schardzin ein eigenes Schulsystem gegründet und festgestellt, daß auch die Kinder von Neu-Ottitz von Janowitz getrennt hierhereingeschult werden. Letzteres wurde erst 1874 perfect. Das Schullocal, welches noch bis heute existirt, wurde aus einem Stallehergestellt. Erster Lehrer daselbst war Anton /Unger/. Er war tüchtig in seinem Fache, außerdem ein Pomologe und Seidenbauer. Franz Krause 1847 aus dem Seminar, kam sofort als Adjuvant nach Janowitz, December 1849 nach Tworkau, 1850 nach Ober-Ottitz; wurde 1861 aus dem Schulfach entlassen. Franz Werner (Seite 144), hier seit 1861, ging 8. December 1866 nach Pawlau. Oscar Knura (Seite 100), hier seit 1867, wurde in Pawlau 9. Mai 1871 mit Ottilie, Tochter des Gendarmen Josef Himmel aus Wilhelmsdorf, copulirt. 1874 trat Neu-Ottitz in den Verband. Schulkinder waren: 1842 73, 1856 70, 1865 60, 1874 80, 1878 123, 1883 148.

Schardzin,

5,5 Kilometer westlich von Ratibor, ehemals Czardyna, Zarzyna, auch Scherdze genannt. Der Canonicus und herzogliche Kaplan Gerlach hatte zur Dotation des St. Margarethenaltares in der Stiftskirche zu Schloß Ratibor vier Hufen in Schardzin mit allen Einkünften nebst dem Vorwerk in Pawlau geschenkt. Herzog Nicolaus genehmigte 10. April 1350 die Schenkung und befreite die etwaigen Ansiedler von allen Lasten. Da aber die Cultur des zu einer Canonicatspräbende gehörigen Vorwerks Schardzin unsägliche Mühe und Kosten verursachte und wenig einbrachte, so beabsichtigte man die Aecker des Allods an Bauern gegen einen --- S.262/#277 Jahreszins nach deutschem Rechte auszusetzen. Herzog Johann gab seine Einwilligung dazu und Bischof Wenzeslaus genehmigte den Plan nach reiflicher Ueberlegung mit seinem Domcapitel Breslau am 17. November 1383. Das Vorhaben scheint aber nicht zur Ausführung gekommen zu sein. Im Jahre 1416 bezog der Dechant von einer halben Hufe des Feldes Schardzin 1 1/2 Mark breiter Groschen und 1561 hatte das Kapitel Streit mit Wyskota von Wodnyk wegen einiger Felder „Schardzin“ genannt. Der Ort wird, wahrscheinlich wegen seiner Unbedeutendheit in keinem Visitationsberichte der Archidiaconatsacten als irgend wohin eingepfarrt genannt und erst 1730 in den Kirchenmatriken von Janowitz aufgeführt. Nach einem Bericht des Collegiatstifts vom Jahre 1750 hatte Schardzin keine Bauern, sondern nur Gärtner und Häusler, welchedem Decan, Custos und Scholastikus Handdienste leisteten. Am 5. November 1810 wurde das Stift aufgelöst und auch Schardzin kam an die Schloßherrschaft. Im Jahre 1784 bestand hier ein Vorwerk und waren 13 Gärtner ansäßig. 1842 waren 168, 1855 schon 205, 1861 nur 194 und 1882 bereits 333 Seelen. Das Dörflein enthielt 1861 nur 28 Häuslerstellen, 1883 schon 52 Häuser mit 249 Morgen milden Lehmboden, worauf 21 Pferde, 126 Kühe, 51 Schweine, 22 Ziegen, 5 Bienenstöcke gehalten werden. Eingeschult ist der Ort nach Ober-Ottitz. 1873 sprang die alte Glocke in dem Thürmchen der Dorfkapelle St. Johannes v. Nepomuk, welche umgegossen wurde. Sie trug folgende Inschrift: DANIEL NICL HAT MICH GOSEN LUBOWITZ 1800. SANCT JOANNES ORA PRO NBOIS. (sic anstatt NOBIS.) 1885 ist der Neubau einer Schule begonnen, welcher auf 13,149 Mark 84 Pfennige Baarkosten und 2116 Mark Hand- und Spanndienste Kosten veranschlagt ist. --- S.263/#278

Pobiehof (= Pobiegow),

mährisch Pobehov, nördlich vom Kirchdorfe auf Gr.-Peterwitz zu gelegen. Ritter Martin von Pobiehow war am 19ten September 1415 einer der 11 Schöffen des Ratiborer Landgerichts. Nicolaus, Besitzer des Vorwerks, machte 1426 mit Propst Nicolaus in Ratibor einen Vertrag, nach welchem er für einen auf einer Kirchenwiese anzulegenden Teich und Aufwerfen eines Dammes eine halbe Mark Groschen Zins zu zahlen sich verpflichtete, was Herzog Wenzel 5. April 1441 bestätigte. 1479 waren Johann und Georg Gebrüder (Rottenberg) von Katscher auf Pobiehof und Kornitz angesessen. Nach dem Tode des Johann Rottenberg fiel der Ort 1555 durch Theilzettel der Schwester Elisabeth, vermählt mit Wenzel von Reiswitz zu; drei Jahre später überließen Stanislav, Wenzel, Johann, Sigismund und Bartholomäus ihrem Bruder Sebastian Reiswitz auf Peterwitz das vom Oheim Johann Rottenberg geerbte Pobiehof. Im August desselben Jahres schenkte die Wittwe des Wenzel Reiswitz Elisabeth geb. Rottenberg die Mühle dem Sohn Stanislav mit der Verpflichtung, nach ihrem Tode seinen Geschwistern 200 Thaler auszuzahlen. Ursula Maria von Beyer geb. Freiin v. Reiswitz verkaufte 1681 die Mühle, wegen welcher schon seit dem Großvater Stanislav v. Reiswitz auf Kornitz Streit gewesen, für 500 Thaler dem Collegiatstift. Das Vorwerk blieb bei dem Allodialantheil Gr.-Peterwitz, welchen Heinrich v. Reiswitz 14. September 1676 an Wenzel Graf Oppersdorf veräußerte. Am 22. März 1717 brach des Nachts im Dorfe Feuer aus, wobei zwei aus Groß-Peterwitz geborene Knaben im Schafstalle verbrannten. Nach dem Tode des Carl Josef Graf Oppersdorff erwarb den Allodialantheil 10. April 1772 sub hasta Otto Heinrich Graf Schrattenbach für 12,500 Thaler. Auf dem Allod, dessen Indiction schon zur Zeit des Wenzel v. Reiswitz 200 Thaler betrug, wurden 300 Schafe, 4 Schweine gehalten; der Schäfer, Flur- und Scheuerwärter hatten zusammen vier --- S.264/#279 Kühe; das Vorwerksareal wurde mit je 9 1/2 Malter im Herbst und Frühjahr besäet. Der Kaiserlich Königliche Kämmerer Otto Heinrich starb 1733. Ihm folgte sein Sohn Franz Anton geboren 1712, wirklicher Geheimer Rath, Landeshauptmann in Mähren, 1736 vermählt mit Maria Josefa Gräfin von Wrbna; er entließ 24. Juli 1740 zwei Bräute aus der Erbunterthänigkeit. 1783 erbten die Söhne Otto Wolfgang, vermählt mit Elisabeth Gräfin Starhemberg und Fürstbischof zu Lavant Vincent Josef Graf Schrattenbach. Nachdem die Güter 16. Mai 1801 allodificirt worden, kaufte Peterwitz 2. December 1803 für 25,300 Thaler der Stiftskanzler Peter Alois Bolik, der am 19. October 1819 starb. Dessen Schwiegersohn, Husaren-Rittmeister Benneke erwarb es 11. November 1823 für 10 /mille/; das Vorwerk wurde cassirt und die Grundstücke dismembrirt, woraus die Colonie Pobiehof entstand, welche nebst dem diesseitigen Theile des Dorfes Groß-Peterwitz zur Parochie Janowitz gehört. Das Dorf jenseits der alten Zinna gehört schon zum Olmützer Bisthum. Bei dem Bau des Pfarrhauses zu Janowitz 1836 erklärten die 12 Pobiehofer Häusler, daß sie zwar der Nähe wegen die Kirche zu Groß-Peterwitz besuchen, auch die meisten kirchlichen Handlungen daselbst verrichten lassen, dafür aber dem Pfarrer von Janowitz besonders bezahlen; sie würden lieber zur Kirche nach Peterwitz halten, umsomehr als sie alle Steuern und Abgaben dahin leisten, auch die Kinder dorthin in die Schule schicken und den Geistlichen von dort zur Krankenversehung rufen; außer den Stolataxgebühren leisten sie dem Pfarrer in Janowitz und den Kirchenbedienten keinen Decem. In Folge dessen werden seit den letzten Decennien sämmtliche actus parochiales in der Pfarrkirche zu Janowitz vorgenommen und die Krankenbesuche von ebendaselbst besorgt. Philipp Waxmann kaufte Peterwitz 19. December 1854 für 60 mille, Kaufmann Emanuel Friedländer aus Gleiwitz 1862 für 35,000 Thaler; Reinhold Seidel, Brauer in --- S.265/#280 Tworkau, kaufte 14. April 1869 Schloß-Brauerei, Hofraum und Garten für 16 /mille/. Später erwarb diesen Besitz sub hasta die Gemeinde. Das ehemalige Dominium Pobiehof umfaßt jetzt drei Grundbücher: Pobiehof-Groß-Peterwitz, Pobiehof-Janowitz und Pobiehof-Czyprzanow.

Parochie Polnisch-Krawarn.

Dazu gehören nur die beiden Kirchorte Polnisch-Krawarn und Makau." 269-270 Pfarrei Polnisch-Krawarn, Dorf Polnisch-Krawarn "Franz Albrecht Pacynski, Reichsgraf von Tenczin und Groß-Patschin auf Bitschin etc., verlobt seit 5. August --- S.270 1728 und vermählt am 14. Februar 1729 mit Caroline Josefa, Tochter des Landeshauptmann Carl Heinrich Graf v. Sobeck auf Koschentin und Ratibor, nach deren am 2. Mai 1734 erfolgten Tode 1736 mit Maximiliane Gräfin Sobeck und endlich in dritter Ehe mit der 1723 geborenen Schwester der Verstorbenen, Comtesse Caroline, starb als kaiserlicher wirklicher Kämmerer 14. Juni 1770 zu Bitschin und wurde am 17. Juni bei den Franziskanern zu Gleiwitz bestattet. Ihm folgte aus dritter Ehe der einzige Sohn Johann Erdmann auf Schimischow, wo er 1777 eine Fundatistenstelle gründete, dessen Inhaber zugleich Kaplan von Rosmierz wurde. Johann Erdmann war vermählt in erster Ehe mit Maria Therese Gräfin Wiltzek, in zweiter mit Anna Gräfin von Thun und starb 1803. Ehe die hiesige Herrschaft verkauft wurde, finden wir vom Spätherbst 1772 bis Frühjahr 1773 auf dem Schlosse zwei polnische Herren: Franz Xaver Albinowski (?), der 23. October eine Patenstelle übernahm und den Starost Johann Graf Dembowski, der mit seiner Dienerschaft hier weilte. [...] Ernst Joachim Graf Strachwitz, Sohn des am 3. März 1724 geborenen, 11. Juli 1810 gestorbenen Graf Carl Josef auf Kamienitz und der Maria geb. Bujakowska, welche 14. August 1732 geboren, schon 29. September 1775 starb. Der Graf besaß Kalinow von 1781-1780, Sacrau und Oberwitz 1788-1796, Nieder-Elgot 1793-1797, Dombrowka 1797-1802, kaufte 1796 die Standesherrschaft Loslau, die er bis 1807 besaß, erwarb 1799 Ottmuth und Odersch und am 3. Februar 1800 die beiden Herrschaften Krawarn und Makau, 1816 Rösnitz, 1822 Roswadze. In erster Ehe 28. September 1780 mit Maria Franziska Gräfin Nayhaus vermählt, welche 11. August 1793 zu Miedar starb, nahm er in zweiter Ehe die 5. August 1770 geb. Elisabeth v. Schimonska, Wittwe des Anton v. Gilgenheim. 272 Pfarrei Polnisch-Krawarn, Dorf Polnisch-Krawarn "Carl Graf Strachwitz, geboren 9. September 1769 aus der zweiten Ehe, wurde königlicher Lieutenant, vermählte sich 31. März 1818 mit Friderike von Stockmans, welche 25. März 1837 starb, erwarb 1820 Pawlau, wurde Landesältester von 1820-1839, übernahm die Herrschaften Krawarn und Makau, überließ dieselben jedoch von 1834 bis 1839 der Mutter Elisabeth Gräfin Strachwitz geb. Schimonska, verehelichte sich 27. April 1841 zu Troppau mit Maria Freiin von Harassowska und verkaufte 1842 Krawarn und Makau für 311,000 Thaler dem Neffen Amand Graf Gaschin. Derselbe geboren 17. August 1815, Sohn des Graf Leopold und der 19. September 1836 verstorbenen Ernestine geb. Gräfin Strachwitz, Mitbesitzer der Lehnsherrschaft Katscher, war vermählt mit Fanny geb. Gräfin Leszczyc-Suminska auf Neu-Grabia in Westpreußen." 301 Pfarrei Kreuzenort, Dorf Kreuzenort "Anna Helene geb. Gräfin Praschma, seit 1686 gattin des Max Ludwig Freiherr von Jaroschin, cedirte 13. December 1687 den vom vater ererbten Anthel dem Johann Bernard Graf Praschma auf Brzezie, Pogrzebin, Klokoczin, Gottartowitz und Rowkowin. Letzterer verkaufte 9. October 1699 Halb Krzi.zanowitz für 9000 rheinische Gulden dem Mathias Nicolaus von Rostek auf Pilgramsdorf [=Pielgrzymowice] und von diesem erwarb denselben Antheil schon im nächsten Jahre Benigna Esther Freiin Wengerska geb. Gräfin Praschma auf Rybnik für 7800 Thaler, den andern Theil verkauften 1708 nach dem Tode des Johann Bernard Graf Praschma, der in Krzi.zanowitz ein stattliches Herrenhaus aufgeführt, Commissare für die Waisenkinder in der Subhastation für 6000 Thaler dem Carl Gabriel Freiherrn von Wengersky auf Rybnik, so daß nunmehr das ganze Gut vereinigt war." 309 Pfarrei Kreuzenort, Seelsorger "Johann Bomba aus Gammau, 16. März 1726 Minorist, 12. März 1729 ordinirt, wurde Schloßkaplan in Brzesnitz und von Juli 1735 bis Januar 1755 Pfarrer in Krzi.zanowitz. Marie Kachel, Hedwig Harusek aus Markowitz und Franz Michalski, Bauer in Kornitz, schenkten 2. September 1740 als Pfarrbeilaß je eine Kuh gegen die Verpflichtung je eine heilige Messe jährlich zu lesen; später bezog der Benefiziat statt des Nutzviehes je 8 Thaler und mußte dafür die fundirten Messen celebriren." 312 Pfarrei Kreuzenort, Seelsorger "Jacob Moritz, geboren am 6. Juli 1769 zu Alt-Hratschein bei Nassiedel, Sohn eines Schulzen." 324-325 Pfarrei Kreuzenort, Roschkau, Schule "Johann Osieka, seit 1. Februar 1872 in Zabelkau, 10. Juli 1873 nach Roschkau vociert, von der Königlichen Regierung 28. d. Monats bestätigt; 1875 wurden die Kellerräume zur Entfernung der Feuchtigkeit drainirt und im nächsten Jahre ein Brunnen bei der Schule angelegt. Osieka wurde Januar 1880 nach Ruderswalde befördert. Die Bauerntochter Marie Wyrchowy ertheilt seit 23. Februar 1875 Industrieunterricht und nach deren Verheiratung vom 1. August 1879 ab Franciska Riemel, der seit Mai 1880 Frau Lehrer Bortlik folgte. Die bisherige Remuneration von 24 Mk. wurde 1882 auf 42 Mk. erhöht. --- S.325 Peter Bortlik (S.321), nach Kreuzenort 1. Februar 1879 als zweiter Lehrer vocirt, wurde im Herbst desselben Jahres nach Roschkau befördert. Die Vocation datirt vom 10. October, die Bestätigung vom 21. Januar 1880. Juli 1882 wurde der Turnplatz nebst Geräthen angelegt. 1884 die Scheuer aufgeführt. Schulkinder waren: 1878 109, 1883 119." 328-329 Dorf Lubowitz [ROSTEK sind IIRC verbunden mit v.Kloch => Anschluss an die Fam. Eichendorff!] "Gottlieb von Gusnar veräußerte schon 21. September 1765 für 5100 Speciesdukaten á 2 1/2 Reichthaler sein Gut an Marie Eleonore verwittwete von Studnitz geborne von Hein, Gattin des Carl Heinrich von Kloch, der am 4. Januar 1726 geboren, in Brieg studirt hatte, Capitän bei dem Regiment v. Tauentzien, später Major wurde und Radoschau erwarb. v. Gusnar erwarb Klajowitz (S. 62). Heinrich v. Kloch starb 24. Juni 1799. Schon am 23. August 1785 hatte die Gattin für 41,000 Thaler Lubowitz und für 87,000 Thaler Radoschau an Adolf Freiherrn v. Eichendorff --- S.329 verkauft, nachdem derselbe 23. November 1784 die Erbtochter Caroline von Kloch, mit der er schon 1. Juni 1782 in Lubowitz eine Beamtentochter aus der Taufe gehoben, zur Gattin gewählt. Ihre Eltern erfreuten sich des Glücks bei ihren Kindern auf Schloß Lubowitz, wo heitere Glanz und frohe Geselligkeit herrschte, zumal die Offiziere der Garnison Ratibor häufige Gäste waren, den Lebensabend zuzubringen. Adolf besaß von 1791 bis 1797 die Herrschaft Tost und Peiskretscham, überließ 1791 Radoschau seinem Bruder Rudolf und erwarb 23. Mai 1795 für 106 mille die Herrschaft Slawikau. Als seine Mutter 18. September 1798 zu Radoschau gestorben, nahm er dies Gut wieder an sich und starb am 27. April 1818 zu Lubowitz an einem Lungenleiden im Alter von 62 Jahren; die Wittwe Caroline folgte ihm 56 Jahre alt an Brustentzündung leidend am 15. April 1822 im Tode nach. Erben wurden die Söhne Wilhelm und Josef, letzterer als romantischer Dichter hoch gefeiert. Ihr Onkel Vincent Freiherr von Eichendorff blieb in Lubowitz wohnen und starb 65 Jahre alt an Entkräftung am 23. November 1823. Der Glanz des Hausstandes, die langjährigen schweren Lasten des französischen Krieges hatten die Güter mit Schulden überbürdet und wurden dieselben allmälig verkauft. Lubowitz fiel sub hasta 1823 an den Oberlandesgerichtsrath Wilhelm Zöllmer, Radoschau 1824 an Carl Graf Strachwitz, Slawikau 1831 an Justizrath Ernst von Eickstedt." 330,331 Lubowitz, Kirche und Pfarrei "[...] Der jedesmalige Pfarrer bezog den Garbenzehnten nicht blos aus Schichowitz und Zawade, sondern auch aus Podlesie bei Nicolai, aus Sczenkowitz und Palowitz bei Sohrau. Eine Urkunde Sohraus vom Jahre 1518 bestätigt, daß die Palowitzer Gemeinde den Zehnt nach Lubowitz abführte. Im Jahre 1568 Freitag nach dem Fest der Enthauptung des heiligen Johannes 3. September wurden die --- S.331 Unterthanen zu Leng von dem in Ratibor gehegten Landrecht verurtheilt, dem Pfarrer zu Lubowitz den Garbendecem zu geben und weil sie ihn zwei Jahre nicht abgeliefert, dafür innerhalb 12 Wochen 20 Gulden zu zahlen. Leider wird der Pfarrer nicht genannt, wohl aber der Patron und Mitkläger Wenzel Wranicki und der Sachwalter der Gegenpartei Wenzel von Reiswitz." 336 Schimonski 355 Kornitz 359 Schimonski 359 Schimonski, Sobeck 368 Reiswitz 465 Rudnik, Pfarrei "valentin Wiskoni (S. 83), für Rudnik 14. August investirt. Der neue Pfarrer fand prachtvolle Ornamente vor - einige waren aus der Propsteikirche gewonnen -, aber das Kirchlein in der traurigsten Lage. Zwei Seitenaltäre --- S.466 standen in den abgebrochenen Ecken des Presbyteriums kaum drei Fuß von den Stufen des Hochaltars entfernt, der Beichtstuhl war an einer alten Thür angelehnt und dem Luftzuge ausgesetzt, 10 kleine Sitzbänke für alte Leute, 4 Fenster mit fünfkantigen kleinen, in Blei gelegten Glasscheiben; die Sacristei gleichfalls klein und von Holz. Die Kirche 34' lang, 28 1/4' breit, hatte 955 Quadratfuß, der hölzerne Glockenthurm mit Vorhalle von 22 1/2' Länge, 15' Breite, hatte 337 Quadratfuß. Das Gotteshaus bedurfte einer baldigen Reparatur, wenn es nicht einstürzen sollte. Im Mai 1831 sollte der Neubau eines massiven Brunnens 40' tief, 4 1/2' im Lichten mit 3' Umschrotung erfolgen und belief sich der Kostenanschlag, Winde, Kette und Eimer eingerechnet, auf 145 Thaler; die Gemeinden aber protestirten und wollten einen, wenn auch nicht massiven, so doch genügenden Brunnen für 40 Thaler herstellen. Im Jahre 1837 erlitt die Kirche durch zwei Orkane heftige Stöße und mußte gestützt werden. Der Pfarrer zeigte am 22. November der Herzoglich Ratiborer Kammer an, daß die Kirche einer erheblichen Reparatur bedürfe und machte Tschech den Anschlag auf 335 Thaler exclusive der Hand- und Spanndienste. Zwei Jahre später war die südliche Wans, ein neues Dach und Deckenverschalung nöthig. Auf Antrag des Pfarrer verlangte das fürstbischöfliche General-Vicariatamt eine Erweiterung der Kirche entweder durch An- oder Neubau. Man entschied sich im Termin 15. Januar 1840 für einen Erweiterungsbau und erbot sich Wiskoni zu einem Beitrage von 50 Thalern. Kammerdirector Lange erklärte, zunächst nur einen Theil auszubauen und den anderen späterer Zeit vorzubehalten. Der Erweiterungsbau wurde im Termin 13. Juli 1841 abgelehnt und sollte einstweilen nur eine Reparatur stattfinden, inzwischen aber Kapital zum Massivbau gesammelt und zwar der halbe Betrag der Grundsteuer an die Kirchenkasse eingezahlt werden. Die ersten Beiträge erfolgten von Februar 1842 ab, wo die Gemeinden 22 Thaler 4 Silbergroschen --- S.467 9 Pfennige, die Herzogliche Kammer das Doppelte deponirten. Für das Pfarrhaus war 14. November 1839 ein Anschlag auf Berappung des Mauersokels, Dielung der Tafelstube, Raparatur des Flachwerkdaches, für die Stallung Bedachung, Dielung, Ausbesserung, Beschaffung einer Thür und neuer Krippen gemacht, 1843 Hof- und Gartenzaun auf 88 Thaler veranschlagt. Im nächsten Jahre wurde die Orgel in Bauerwitz reparirt. In demselben Jahre wurden aus der Parochie 732 Personen in Ratibor gefirmt. Im Jahre 1862 wurde die Bedachung der Kirche und Bekleidung des Thurms erneuert, auch eine Reparatur an dem Wohnhause durch David Richter ausgeführt. Der Baufonds betrug 1861 circa 1100 Thaler, 1864 schon 1350 Thaler, 1884 11,414 Mark. Im Jahre 1865 fand durch Zimmermeister Seidel für 250 Thaler der Neubau des Pfarrhof- und Gartenzauns statt. Wiskoni starb als Jubilar am 19. März 1866. Als Kapläne fungirten unter ihm: August Krayczyczek, geboren Neugarten 1832, ordinirt 2. Juli 1859, zunächst 8. August Kaplan in Rudnik, 4. februar 1862 in Berun, 14. Mai 1866 Administrator daselbst, dann Administrator in Deutsch-Weichsel, wo er 14. November 1869 Pfarrer wurde. Josef Sobel, geboren Gleiwitz 25. Juni 1836, ordinirt 1861, heir von 14. Januar 1862 bis 29. Juli 1862, dann in Falkowitz, 13. Januar 1863 Gr.-Rosmirz, 18. April 1865 Namslau, 29. Juli 1865 Lohnau, 10ten April 1866 Landsberg, 27. Juni 1867 Frauwaldau, 26. November 1870 Loslau, später in Miechowitz. Carl Dittrich, geboren Mochau 1831, ordinirt 1859, 19. Juli 1859 Kreuszendorf, hier 8. August 1859, dann in Berun, Kaplan in Kreuzendorf bis 4. Februar 1862, 29. Juli 1862 nach Groß-Rudno, 15. August 1863 namslau, 18. April 1865 Groß-Rosmirz, 22. Januar 1867 --- S.468 Altcosel, 9. Februar 1867 Groß-Dubensko, 23. August 1871 Administrator in Centawa, investirt 31. Januar 1873. Carl Weckert, geboren Oppeln 20. December 1833, ordinirt 12. Juni 1858, wurde 18. September Kaplan in Lohnau, 18. April 1861 Oberkaplan in Groß-Rauden, 28. Juli 1863 Pfarradministrator in Rudnik, investirt 29. Mai 1866. Er ließ durch Maler Klose der Hochaltar staffiren und an der Kirche ein hölzernes Kreuz aufführen." 529 Pfarrei Tworkau, Dorf Tworkau "August Liwowski, Oberglogau 1837-1840 gebildet, kam Mai 1840 her. Kurz vorher war das Lehrer- und Organistenamt neu besetzt worden. Stolarz tauschte nämlich seine Stelle mit der zu Lasisk, blieb aber nur kurze Zeit dort und starb als Privatlehrer in Loslau. Liwowski wurde Lehrer und Organist in Kostelnitz." 549 Lokalie Ruderswald, Pfarrschule "Johann Osieka, geboren am 29. Mai 1846 zu Walzen, Kreis Neustadt O.-S., ein Zögling des Seminars zu Oberglogau seit dem 15. September 1864 bis zum 9. August 1866, wurde am 1. October Adjuvant in Janowitz, am 1. Januar 1870 in Zabelkau und am 1. September erster Lehrer in Roschkau, wo er sich mit der Bauerntochter Josefa Nawrath aus Zabelkau am 2. September 1873 verehelichte; seit dem 1. Januar 1880 ist er in Ruderswald als Lehrer, Küster und Organist angestellt. Derselbe bezieht zur Zeit als a) Lehrer: Baargehalt 402 Mk. 40 Pfg.; Entschädigung für Schwarzviehhutung 3 Mk. 10 Pfg.; Naturalien 20 Scheffel 7 Metzen Roggen; 4 Scheffel 1 1/2 Metzen Gerste; 7 Klaftern oder 23,37 rm. Leibholz (Klobenholz), welches von den bespannten Wirthen unentgeldlich anzufahren und von den Einliegern unentgeldlich klein zu hacken ist. b) Küster: Freie Wohnung im Küster- und Schulhause; Landnutzung: 2 Morgen Acker und den Garten am Schulhause, in welchem letzteren ein geeigneter Theil zur Baumschule zu verwenden ist. c) Organist: An fixirten Accidentien, von neun Fundationsmessen 8 Mk. 80 Pf.; an Renten 49 Mk. 80 Pf.; Landnutzung: 12 Morgen Acker; die gewöhnlichen Stolagebühren für Taufen, Trauungen, Begräbnisse etc. etc., wie solche dem früheren Organisten gewährt worden sind." 567 Pfarrei Woinowitz, Dorf Woinowitz "[...] Woinowitz gehörte zu den Kammergütern der Schloßherrschaft und war von 1577 bis 1588 nebst Bojanow und Lekartow dem Daniel Maczak auf Deutsch-Krawarn verpfändet. (Canonicus Wenzel Maczak war Altarist der Tuchmacherzunft). Nach dem Urbar von 1532 hatte das Dorf 30 angesessene Unterthanen, 1595 aber 30 Bauern mit 30 1/2 Hufen und 3 Freihufen, 3 Gärtner, einen Müller. Sie zinsten zusammen 88 Thaler 1 Groschen, 4 Malter Roggen, 2 Malter 7 3/4 Scheffel Hafer, 3 Schweine, 252 Hühner, 62 1/2 Schock Eier und 43 Fuder Heu. Am 6. Juli und 6. August 1601 beschwerte sich die hiesige Gemeinde nebst der zu Lekartow bei der Schlesischen Kammer gegen Georg Maczak von Ortenburg wegen aufgedrungener neuer Fuhren und andrer Frohndienste, die sie gegen die Robotordnung nach Ottitz und Groß-Hoschitz leisten mußten. Als man den Verkauf einiger Kammergüter 1607 beabsichtigte, wurde auch Woinowitz abgeschätzt und auf 6097 Thaler taxirt. Die Brüder Balthasar und Georg von Tschetschau-Mettich, welche kurz vorher einen Theil der Ratiborer Schloßherrschaft in Pfand genommen und 1609 als Eigenthum erworben, veräußerten 1625 das Ottitzer Vorwerk, die Dörfer Bojanow, Woinowitz und Lekartow für 34,000 Thaler an Stanislaus Reiswitz von Kanderzin auf Kornitz, Halb Sudol und Lubom. Von da ab gehörten die genannten Orte bis 1796 zur Herrschaft Kornitz (Seite 250.)" 593 Seelsorger, Parochie Benkowitz, Sudol "Valentin Wiskoni, geboren 14. Februar 1789 (siehe Altendorf und Rudnik Seite 83 und 465)." "Josef Rostek, geboren 5. November 1829, ordinirt 1860, 8. Juli Kaplan in Slawikau, 11. Februar 1866 Administrator in Rogau, daselbst investirt 25. November 1868, 5. Juni 1872 als Pfarrer von Sakrau investirt." 593-594 Seelsorger, Parochie Benkowitz, Bojanow "Ignatz THOMICZEK, geboren 1793, bestand 1815 mit sechs anderen Kandidaten die Concursprüfung, trat 30. November ins Alumnat, wurde 8. September 1816 Diacon, im nächsten Jahre ordinirt, ging März 1818 als Kaplan nach Schalkowitz, Juli 1819 --- S.594 nach Polnisch-Wartenberg, später nach Czarnowanz, Jelowa, 21ten December 1838 Administrator in Boischow, 26. September 1839 investirt, starb 3. Februar 1843." 597 Seelsorger, Parochie Rudnik "Valentin Riemel, geboren 19. Februar 1834, ordinirt 1859, Kaplan in Nicolai, an der Kreuzkirche Breslau, in Leschnitz, ist Hilfsseelsorger in Wallendorf." [Handschriftliche Ergänzung: + Juli 1896]
Impressum, http://wischkony.cyty.com/quellen/weltzel/1885_archipresbyterat/, Letzte Änderung: 2011-04-30, an den webmaster