Quelle: Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens, Band 12, 1874, p.19—44

Die Landesbeamten der Fürstenthümer Oppeln-Ratibor von 1532 bis 1741.
Von Augustin Weltzel.

Herzog Johann gab am 8. September 1531, ein halbes Jahr vor seinem Tode, im Bewußtsein, daß mit seinem Hingange der letzte Sprößling der Oppler Dynastie vom Stamme der Piasten ins Grab steige und daß sein Besitz der böhmischen Krone und zwar zunächst dem Markgrafen Georg von Brandenburg als Pfandherrn zufalle, seinen Ständen (Prälaten, Herren, Rittern und Städten) eine Landesordnung, aus welcher sie seine väterliche Gesinnung erkennen sollten.

Zum Oppler Fürstenthum gehörten damals die Kreise und Herrschaften: Oppeln, Rosenberg, Lublinitz, Gr.-Strehlitz, Tost, Gleiwitz, Cosel, Ober-Glogau, Neustadt, Zülz und Falkenberg; zum Ratiborer Fürstenthum: Ratibor, Rybnik und Sohrau. Die Herrschaften Loslau, Pleß, Beuthen und Oderberg waren bereits in fremden Händen.

Der Herzog bestimmte unter anderem, daß seine fürstlichen Nachfolger, wenn sie mit ihrem Hofstaat nicht selbst im Lande residiren, einen Landeshauptmann zu halten haben. Derselbe solle in Gegenwart je eines Kreislandsassen die Kauf- und Pfandbriefe, Ehekontracte, Testamente etc. signiren, bevor deren Ausfertigung in der Kanzlei erfolge. Wie der Herzog den Ständen für Kriegszüge eine Fahne mit goldnem Adler und goldner Krone im blauen Felde verlieh, welche seine Vorfahren durch kriegerische Tapferkeit erworben, so gab er ihnen zu amtlichen Briefen im Petschaft denselben Adler mit der Umschrift: Sigillum ducatuum Opol. et Rat.; während das Kanzleisiegel auf der einen Seite das Bild der königl. Majestät, auf der andern den goldnen Adler zeigte. Um ihr Recht zu finden, sollten die Unterthanen sich nicht nach Magdeburg wenden, sondern mit dem Landrecht begnügen, welches zu Anfang der Fasten in Oppeln, an Bartholomäi in Ratibor gehalten werde 1).

Nach dem Tode des Herzogs Johann kam dessen umfangreiches Gebiet als heimgefallenes Lehen an das Haus Habsburg, das damals die Krone Böhmens trug. Ferdinand I. überließ es pfandweise dem bereits genannten Markgrafen, dem Lehnbesitzer der Herrschaften Beuthen-Oderberg und des Fürstenthums Jägerndorf.

Landeshauptleute.

Am 2. April 1532 übernahm Georg die Fürstenthümer Oppeln-Ratibor, behielt aber seine Residenz in Jägerndorf und übertrug die Landeshauptmannschaft über das neuerworbene Gebiet dem Hans Jordan v. Alt-Patschkau, der bereits seit 2 Jahren Landeshauptmann von Jägerndorf gewesen 2).

Er war ein Sohn des Georg v. Jordan, der 1477 Alt-Patschkau gekauft, erscheint 1516 als Schloßhauptmann von Neuhaus bei Patschkau, verjaufte 1533 seinen Stammsitz Alt-Patschkau nebst Weisbach für 1300 ung. Gulden an die benachbarte Stadt 3), erwarb 1541, nachdem er seine Landesstellung aufgegeben, Grzendzin, Dzielau, wie auch das damals wüste Lanietz, lebte noch 1553 und hatte Hedwig, Tochter des Sigmund Stolz von Simsdorf, zu Gattin

Johann Posadowsky v. Postelwitz, welcher 1537 Hauptmann des Rosenberg-Lublinitzer Kreises, später Pfandherr von Gutentag war, erscheint von 1540 bis 1551 als Landeshauptmann der Fürstenthümer Jägerndorf-Oppeln-Ratibor und kaufte August 1550 Zindel bei Nädlitz 4).

  1. Böhme, dipl. Beitr. III, 1.
  2. Zeitschr. f. Schl. XI, 45 u. Neiss. Lagrb. S. 285
  3. Neiss. Lagrb. 411.
  4. Jeltscher Schlossarchiv. Seine Söhne Johann und Wenzel veräußerten 1564 Zindel dem Valentin Achaz v. Saurma auf Jeltsch. Ein Beweis, daß der Vater schon todt war.

Da nach des Markgraf Georg 1543 erfolgtem Tode der Sohn Georg Friedrich erst 5 Jahre zählte, so wurde Markgraf Albrecht als dessen Vormund Verwalter des Gebietes. Als letzterer in die Reichsacht fiel, überließ Ferdinand 1551 die Fürstenthümer Oppeln-Ratibor-Münsterberg tauschweise gegen Siebenbürgen an Königin Isabella von Ungarn, und Albrecht Schellendorf v. Hornsberg wurde Oberster Hauptmann 1).

Albrecht war mit Ursula, Tochter des Hans Seidlitz v. Schönfeld, Hauptmann auf Jauer, vermählt, besaß 1538 Steinsdorf bei Neisse und die Vogtei Steinau, welche er 13. Nov. 1557 verkaufte, war 1543 bischöfl. Hauptmann gewesen und wurde 1559 Hauptmann der Grafschaft Glatz 2).

Die vereideten Räthe Isabellas: Johann Jordan, Johann Pückler und Wenzel Nawoy. Von 1553 bis 1556 erscheint Wenzel Nawoy v. Dolna auf Sternalitz und Dziewkowitz als Statthalter der Fürstenthümer. Letztere kamen nach dem Abgange Isabellens 1556 wieder in österreichische Hände und wurden durch Landehauptleute ziemlich selbstständig verwaltet. Zu dieser hohen Stellung wurde 1557 für würdig befunden der kaiserliche Rath Johann von Oppersdorf zu der Heidau, seit 3 Jahren Freiherr von Eich- und Friedstein. Er war am 21. April 1514 geboren, Sohn des 1544 verstorbenen Landeshauptmanns von Brieg Friedr. Oppersdorf von der Heidau und der zu Oppeln 1567 begrabenen Barbara Strzela v. Otmut, war Edelknabe Ferdinand I., 1527 dessen Mundschenk, 1551 Hauptmann des Fürstenthums Münsterberg und kaiserl. Hofrath, vermählte sich am 22. Oktober 1554 mit Christine, Tochter des Otto v. Zedlitz und nachdem diese am 25. März 1561 gestorben und in Parchwitz bestattet war, in zweiter Ehe am 20. Februar 1565 mit Margareth, Tochter des Litwin v. Lobkowitz. Der Freiherr publicirte am 4. Januar 1559 die Robotordnung, die ein Zeugnis von der menschenfreundlichen Gesinnung der Stände gegen die Unterthanen gibt 3). Die auf dem Landtage zu Oppeln am 29. September d. J. aufgerichtete
Dipl. Beitr. IV, 170.
Graf Stillfried Glatzer Amtsbuch S. 114
Dipl. Beitr. III, 16
Landesordnung (eine Erweiterung der vom Herzog Johann gegebenen) wurde im nächsten Jahre zu Prag bestätigt 1), und später nach dem Bedürfniß der Zeit und Verhältnisse vervollständigt. Die amtlichen Schriftstücke sind noch meist erhalten und werden die Landtagsbeschlüsse, Land-, Klage- und Rechtsbücher bis 1532 zurückreichend im Königl. Staatsarchive zu Breslau aufbewahrt, während die Signaturen an die Kreisgerichte gelangten. Meist aus diesen reichen Schätzen ist, wenn nicht andere Quellen speciell notirt sind, die dargebotene Zusammenstellung hervorgegangen. Johann Freiherr v. Oppersdorf war 1561 bis 1563 und 1574 Verwalter der Oberhauptmannschaft Schlesiens, war als solcher 14. Juli 1562 bei der Krönung des Königs Maximilian von Böhmen in Prag anwesend, wurde 1563 Pfandbesitzer der Domänen Ober-Glogau und Cosel, die er als tüchtiger Landwirth in Flor brachte, bewies seine Tapferkeit während der Türkenkriege schon 1540 und 1541, dann 1551 und 1552 bei Szegedin, wo er mit eigener Hand die feindliche Hauptfahne eroberte, zuletzt 1566 als oberster Feldmarschall in Ungarn, gab 1568 seine schwierige Stellung auf, um sich ungestört der Landwirthschaft zu widmen und starb auf dem Schlosse Ober-Glogau am 3. Juli 1584. Am 12. wurde er in Oppeln feierlich bestattet 2). Er hinterließ keine Kinder.

Hans Bernhard Freiherr von Maltzan auf Poln. Wartenberg und Penzlin, kaiserl. Rath, seit 1568 Landeshauptmann, wohnte mit Familie auf dem Schlosse zu Oppeln, starb schon am 7. Mai 1569 auf einer Gesandschaftsreise an König Sigismund v. Polen zu Lublin 3) und liegt in Wartenberg begraben. Auf dem Grabmal steht als Todestag der 2. Mai. Er war der Sohn des 1554 verst. Oberstfeldhauptmann Joachim v. Maltzan und der Bernhardine geb. Waldstein und hatte zur Gattin Elisabeth, Tochter des Wenzel Freiherr v. Lomnitz und der Anna Gräfin Salm.

Hans Freiherr v. Pruskowsky auf Schimnitz, kaiserl. Rath, Sohn des Valentin Pruskowsky, war vermählt mit Dorothea Schindel v. Dromsdorf, wurde von Georg v. Braun und Valentin Saurma

  1. Schickfuß Chron. III, 450.
  2. Repertorium des Oberamts im P. A (AA. III 110).
  3. Pols Tagebuch 171.
auf Jeltsch eingeführt, begann sein Amt am 13. Januar 1570, begleitete den Wahlkönig Heinrich v. Valois 1573 nach Polen, war in Landesgeschäften zweimal in Prag und starb am 17. October 1590. Im nächsten Dezember wurden Deputirte wegen Neubesetzung der erledigten Stelle an den Kaiser abgesendet. Derselbe schrieb 16. Dezember an den Bischof Andreas als Oberhauptmann ihm einige Candidaten vorzuschlagen. Von demselben wurden empfohlen Caspar Puskowsky auf Schimnitz, Georg von Oppersdorf auf Ober-Glogau und Abrah. Burggr. v. Dohna auf Kraschen, Schl. Kammerrath. Am 16. März wurde der mittlere gewählt.

Georg Freiherr v. Opperdorf auf Poln. Neukirch und Ober-Glogau, kaiserl. Rath und Truchseß, geb. 11. Januar 1550, Sohn des Georg Freiherrn v. Oppersdorf auf Poln.-Neukirch, Czastalowitz und Hauptmanns zu Frankenstein und der Hedwig v. Kalkreuth, war Edelknabe bei Erzherzog Ferdinand gewesen, zog 1566 an der Seite des herzogs von Ferrara gegen die Türken, ging mit dem Cardinal Dauphin nach Rom und Neapel, wurde kaiserl. Truchseß, Rudolfs Vorschneider, vermählte sich:

  1. am 22. Jan. 1581 zu Prag mit Livia, Gräfin v. Lissa, kaiserl. Hofdame, die am Ostertage 1583 starb und in Oppeln begraben wurde;
  2. am 26. Novbr. 1586 zu Prag mit Isolda, Freiin v. Waldstein und Lomnitz († 11. März 1597), Tochter des Wenzel, Freiherr v. Waldstein und der Elis. Freiin v. Martinetz;
  3. am 19. Okt. 1598 mit Anna, Freiin v. Lobkowitz († 9. Dezbr. 1617), Tochter des Ladislaw, Frhr. v. Lobkowitz und der Johanna, Freiin v. Bercka und Duba.

Seit 27. August 1591 Landeshauptmann, wurde er vom Kanzler am 2. Febr. 1592 in das inzwischen reparirte Oppler Schloß feierlich eingeführt, kaufte 1592 Jaborowitz, Antheil Lowkowitz und Komornik, 1594 Kranowitz bei Oppeln, 1595 Slawikau, 1603 Dzirgowitz, holte mit 300 Reitern und 30 Kutschen den vom kaiserl. Commissar Adam Gall Popel v. Lobkowitz eingeführten Landesherrn Sigismund Bathori, Großfürst von Siebenbürgen, an der Grenze ein und führte ihn nach Oppeln, wo ihm 22. Juni 1598 die Huldigung von den Ständen geleistet wurde. Nach dessen Entweichung am 12. August leitete der Freiherr die ganze Regierung. Am 26. Juni hatte ihn der neue Herzog aus Oppeln in einem sehr höflichen Schreiben ersucht, das in der kaiserl. Fiskuskasse vorhandene Geld zu schicken 1)!

Der Landeshauptmann, der als Besitzer von Ober-Glogau 1603 und 1604 zur Hebung der Stadtschule viel beitrug, starb am 15. Dezbr. 1606 und ruht in der von ihm errichteten Familiengruft (Deutsche Kapelle der Collegiata) zu Ober-Glogau.

Weil das Amt der Landeshauptmannschaft durch das ganze Jahr 1607 unbesetzt blieb, erhielt der Kanzleisekretair Caspar Uliczka als Entschädigung seines verkürzten Accidens von den Ständen 30 Thlr. Derselbe hatte schon 1592 auf Empfehlung des Kanzlers 20 Thlr. Gratifikation aus den Landessteuern empfangen.

Hans Christof Freiherr von Pruskowsky auf Proskau, Zülz, Chrzelitz, Schimnitz, Grätz und Bisenz, kaiserl. Rath und Kämmerer, wurde am 10. April 1608 in sein Amt eingeführt, nachdem der Kaiser schon am 10. April 1607 ein Gutachten über denselben vom Bischofe Johann als Obersten Hauptmann eingeholt.

Er war der Sohn des 1584 verstorbenen wirkl. Geh. Raths und Oberkämmerers Georg Frh. v. Pruskowsky und der Ursula v. Lobkowitz und hatte zur Gattin Cunigunde, Gräfin v. Guttenstein.

Bei dem feierlichen Empfange des Königs Mathias in Breslau am 16. Septb. 1611 waren auch die Stände unserer Fürstenthümer, an ihrer Spitze der Landeshauptmann (im Ganzen mit 188 Rossen) zur Huldigung erschienen 2). Am 26. Novbr. 1612 brach er nach Wien auf und übertrug die Administration dem Kanzler. 1614 wurde er auserwählt, das kaiserl. Ehren-Geschenk zur Kindtaufe nach Warschau zu bringen.

Nach der Landesordnung hatte der Fürst das Recht, aus dem Stande der Ritter und Herren einen Landeshauptmann zu erwählen ohne Rücksicht ob dieser hier angesessen sei oder nicht. So war z. B. der

  1. Dipl. Beitr. IV, 173.
  2. Schickfuß Chron. III, 119.
obengenannte Maltzan kein Einwohner dieser Fürstenthümer. Die Stände baten1613 den Kaiser, diesen Articel zu cassiren, da jetzt eine ansehnliche Anzahl Magnaten vorhanden sei. Die Bestallung und Instruction, welche Mathias am 4. Juni 1615 für Pruskowsky ausfertigte, bestimmt die Obliegenheiten und Einkünfte des Landesherrn sehr genau. Das Landrecht zu Oppeln wurde damals im Dominikanerkloster gehalten 1). In der Landstube stand ein runder, mit rothem Tuch bedeckter Tisch, um welchen die Landesoffiziere und übrigen Beisitzer ihre Plätze nahmen 2).

Als die Stadt sammt dem kloster am 28. August 1615 abbrannte, bat man den Kaiser um Ueberlassung des oberen wüsten Schlosses, das auch vom Feuer ergriffen worden, um dort das Landhaus einzurichten. Im September 1616 erkrankte der Landesherr zu Proskau am Quartan-Fieber und übertrug mit kaiserl. Genehmigung auf einige Zeit sein Amt dem Kanzler. Ebenso übertrug er es dem Nachfolger, als er März 1618 zum Begräbnis seines Bruders Ulrich Desiderius nach Böhmen reiste.

Am 27. Mai 1619 wollte der Landeshauptmann, der mit dem Tode des Kaisers Mathias († 20. März) seine Eid für erloschen hielt, sammt dem Kanzler resigniren, wurde aber ersucht, das Amt fortzuführen. Es lag bereits etwas in der Luft, das eine Veränderung der Stellung ahnen ließ. In der Conföderation zu Prag, 31. Juli 1619, wurde nämlich beschlossen, die höheren Landesstellen mit Protestanten zu besetzen. In Folge dessen befahl Herzog Christian von Brieg als Oberster Hauptmann von Schlesien am 8. Oktober 1619 dem Andreas Kochticky, Freiherrn von Kochtitz und Lublinitz auf Koschentin und Cosel, die Landeshauptmannschaft zu übergeben. Letzterer legte aber nach der Schlacht am weißen Berge, 8. November 1620, sein Amt nieder, nachdem er mit zwei andern Deputirten von den schlesischen Fürsten und Ständen auf den poln. Landtag nach Warschau gesendet worden 3).

  1. Auch zu Olmütz und bis 1582 zu Brünn wurden die Landtage im Dominikanerkloster gehalten, deren große Refectorien viel Raum zu Zusammenkünften boten. Notizenblatt 1859 N. 6.
  2. Zeitschrift für Schlesien VI, 278.
  3. Palm Acta publ. 1620. S.276.

Pruskowsky nahm seine frühere Stellung wieder ein, wurde Geh. Rath und Kämmerer des Erzherzogs Carl und führte das Amt mit nochmaliger kurzer Unterbrechung wohlbis zu seinem Tode am 19. September 1625 fort. Seine Ruhestätte fand er in der von ihm 1603 erbauten Kirche zu Grätz, wo ihm ein Grabdenkmal gesetzt wurde. Die kurze Regierung Bethlen Gabors (1622 und 1623), der durch den Nikolsburger Frieden in den Besitz der Fürstenthümeer gelangte, hatte keine anderen Veränderungen zu Folge, als daß Andreas Kochticky am 30. Mai 1622 mit seinem ehemaligen Amte betraut wurde und es noch kurze Zeit verwaltete. Andreas war der Sohn des schlesischen Kammerraths Hans Freiherr v. Kochticky und der Anna, Tochter des Wenzel Zaruba von Kalinow. Er vermählte sich mit Cath., Tochter des Johann Sedlnicky von Cholitz auf Dzimirz. Seine Bibliothek rühmt Lucae in den Denkwürdigkeiten S. 649. Da er die Partei der aufständischen Böhmen ergriff, die Kriegszüge des Grafen Mansfeld gegen den Kaiser unterstützte und die feindlichen Truppen nach Cosel führte, wurden seine Herrschaften eingezogen. Die Commission verhandelte seinetwegen im Mai 1629 zu Oppeln. Er war inzwischen Schwedischer Kriegs- und Legationsrath geworden, kam später in kaiserliche Gewalt und starb zu Wien als Gefangener. Seine Leiche wurde zwar nach Cosel gebracht, wo seine Witwe bis zu ihrem Tode 1635 verblieb, doch wurde der Sarg, weil einen Geächteten enthaltend, lange nicht beigesetzt.

Der Kaiser übergab die Erbfürstenthümer seinem Bruder Erzherzog Carl, Bischof zu Brixen und Breslau, der persönlich in Oppeln zur Huldigung erschien und Ende Dezember 1623 beabsichtigte, den bisherigen Hauptmann des Gr.-Glogauschen Fürstenthums Georg v. Oppersdorf zum Landeshauptmann der Fürstenthümer Oppeln-Ratibor zu ernennen, weil er hier begütert war, aber schon am 28. Dezember 1624 starb. Erzherzog Ferdinand ließ sich am 29. April 1625 huldigen und ernannte

Friedrich Freiherrn von Oppersdorf auf Poln.-Neukirch und Czissek, SOhn des obengenannten Landeshauptmanns Georg und Bruder des Majoratstifters von Ober-Glogau, am 11. Oktober 1625 zum Landeshauptmann ***1). Er hatte zu Anfang des Jahrhunderts mit seinen ***1) Original im Schloß-Archiv zu Ober-Glogau. Brüdern Georg und Wenzel auf der Olmützer Universität studirt, besaß auch die Burg Busau, und starb 18. Juli 1636. Als ihm die Wittwe Anna Maria, Tochter des Heinr. Frh. v. Wrbna, 1637 im Tode nachfolgte, wurde Poln.-Neukirch verkauft und gelangte an die gräfliche Familie Gaschin, in deren Besitz es fast 200 Jahre verblieb.

Melchior Ferdinand Graf Gaschin, Freiherr zu Rosenberg auf Rosenberg, ALbrechtsdorf, Zyrowa und Woischnik, kaiserl. Rath, Sohn des Melchior v. Gaschin auf Rosenberg und Katscher, und der Margareth v. Skal, seit 1625 Landeskanzler, wurde 1633 böhm. Graf und 1636 Landeshauptmann ***1), erwarb 1644 Poln.-Neukirch, war von 1646—1649 Landeshauptmann der Grafschaft Glatz, erscheint seit 12. August 1649 bis 26. August 1652 noch einmal als Landeshauptmann unserer Fürstenthümer, wurde dann Präsident der Schles. Kammer, kaufte 1660 Sakrau und Lowoschau, und starb unvermählt am 16. Juli 1665. Damals (1645—1666) waren unsere Fürstenthümer der Krone Polen verpfändet.

Johann Joachim Reichsgraf v. Mettich, Freiherr v. Tschetschau, geb. 1578, Sohn des 1589 gest. Nicol. v. Mettich und der Helene von Hase, auf Hilbersdorf, Dambrau, Jamke, Wiese, Steinau, Jankwitz, Bankwitz, Chmielowiz, Sokolnik, Freiherr seit 1608 (das Diplom, 1611 ausgestellt, ist um 3 Jahr zurückdatirt), kais. königl. Kämmerer und Geh. Rath. seit 13. Novbr. 1610 (Orig. in Dirschel), Obersilberkämmerer, Reichsgraf 12. Novbr. 1633 (Orig. in Dirschel), Convertit, wurde am 2. Novbr. 1645 als Landeshauptmann eingeführt, starb aber schon am 23. Septbr. des nächstfolgenden Jahres zu Oppeln. Er hatte sich 1626 mit Anna Maria, Tochter des Abraham, Burggraf zu Dohna auf Wartenberg, vermählt.

Franz Graf Straßnitz, Freiherr v. Magnis, Herr auf Sokolnitz und Lösch bei Brünn, Generalfeldmarschall-Lieutenant Mährens und Kön. Poln. Kämmerer, geb. 1598, Sohn des Constantin Freiherrn v. Magnis und der Octavia v. Karkasola, Reichsgraf seit 8. Novbr. 1636, wurde auf dem zu Ratibor am 26. Novbr. 1646 gehaltenen Landtage als Landeshauptmann vorgestellt, am 1. Febr. 1649 zum ***1) Zeitschrift für Schlesien. VI, 295. Oberstlandrichter Mährens befördert und starb am 6. Dezbr. 1652 kinderlos. Mit seiner zweiten Gemahlin Joh. Franc. Prisca Perger v. Perg († 1654) gründete er das adelige Damenstift „Maria Schul“ zu Brünn und mehre Kapuzinerklöster, Piaristenkollegien und Schulen ***1). Der Ausländer ließ sich durch den Kanzler Johann v. Welczek vertreten, der auch noch Herbst 1652 die Landeshauptmannschaft verwaltete. Damals wurde beschlossen, die außer dem Landrecht stattfindenden Landtagsfahrten alle 6 Wochen zu halten.

Nachdem, wie bereits erwähnt, Melchior Ferd. Graf Gaschin am 26. August 1652 resignirt hatte, folgte als Landeshauptmann bis 1656 der kaiserl. Rath, Oberst eines Infanterie-Rgts., Generalkriegscommissar in Mähren und Schlesien, Georg Max Reichsgraf v. Hoditz auf Hennersdorf, Johannisthal, Roßwalde, Hartwigswalde, welcher 1655 Weißwasser und Jakobsdorf kaufte. Er war der Sohn des Hynek Ernst Reichsfrh. v. Hoditz und der Sus. v. Zahradecky, hatte Herz und Hand der Marie Elisabeth, einer Tochter des reichen und mächtigen Lausitzer Landvogts Abraham Burggraf zu Dohna, Freiherr auf Wartenberg und Bralin, Schwester des Kammerpräsident Carl Hannibal genommen ***2), welche sich circa 1660 mit Erdmann Ferdinand Freiherrn v. Pawlowski auf Rogau vermählte. Hoditz wohnte in Neustadt und war der Hauptbeförderer des 1654 daselbst errichteten Kapuzinerklosters.

Nach seiner Enthebung wurde vom Könige Polens am 16. August 1656 zum Landeshauptmann ernannt ***3) Franz Eusebius Graf v. Oppersdorf auf Ober-Glogau, Friedek und Ratibor, welcher 10. Febr. 1623 geboren, ein Sohn des am 16. Mai 1651 gest. Majoratsbesitzers Georg und dessen ersten Gattin Benigna Polixena v. Promnitz war, sich 1648 mit Anna Sus. Therese, Tochter des Adam Joh. Bees, Frhr. v. Wrchles vermählt hatte, am 9. Februar 1657 sein Amt antrat, 1660 die Herrschaft Kujau erwarb, 2. April 1685 als wirkl. Kämmerer, 25. August 1687 als Geh. Rath mit dem Titel Excellenz ernannt, zu Ober-Glogau am 17. März 1691 starb. Die Wittwe ***1) Notizenblatt 1869, S. 27. ***2) Das gräfliche Taschenb. 1873 nennt die Gattin Cath. Tochter des Otto Burgg. z. D.! ***3) Original im Schloßarchiv zu Ob.-Glogau. folgte ihm zu Wien als Sternkreuzordensdame am 12. Februar 1699 im Tode nach.

Dessen älterer Sohn, geb. 27. Mai 1649, und Nachfolger im Amte seit 27. April 1691

Johann Georg Graf Oppersdorf starb schon am 23. November 1693 zu Ratibor. Er hatte sich am 21. April 1681 mit Maria Anna Gräfin Hohenems vermählt, die im Alter von 63 Jahren am 8. September 1715 zu Schreibersdorf starb.

Ferdinand Octavian Reichsgraf v. Wrbna und Freudenthal, Appellationsrath auf dem Prager Schloß und wirkl. Kämmerer, Sohn des General und Oberstlandkämmerer v. Mähren Stefan Graf Wrbna und der Elisabeth Gräfin Kinsky, wurde am 11. Oktober 1694 auf dem Landtage zu Oppeln als vom Kaiser erwählter Landeshauptmann vorgestellt, war aber nur 14 Monate im Amte und starb am 21. Dezember 1695. Für die hohe Landesstellung spricht auch der Umstand, daß seine Gemahlin eine Prinzessin, nämlich Maria Eleonora Sibilla, Tochter des Herzogs v. Hohenstein-Sonderburg gewesen, welche 1712 den Carl Anton Graf Gianini auf Dobroslawitz ehelichte.

Georg Adam Franz Leopold, Reichsgraf von Gaschin, Freiherr von Rosenberg auf Poln.-Neukirch, Czienskowitz, Rosenberg, Albrechtsdorf, Bodzanowitz, Zyrowa, Antheil Lowoschau, Woischnik, Freistadt, Lehn-Katscher, wirkl. Geh. Rath und kais. Kämmerer, geb. 1643, Sohn des Landeshauptmanns von Troppau Johann Georg Graf Gaschin und der Anna Gräfin von Oppersdorf, war seit 1666 Landrechtsbeisitzer, wurde 1695 Landeshauptmann, kaufte 1706 Sakrau, 1713 Wronin und starb am 6. Oktbr. 1719. Auch in Ratibor tagten damals die Stände im Dominikanerkloster und reichte Prior Florian Nawrat 1718 ein Memorial wegen Reparatur der Landstube ein. Wie im englischen Parlamente die Convokationen (kirchliche Würdenträger) ihre Sitzungen an abgesonderten Orten hielten, so kamen bei dem in Ratibor stattfindenden Landrecht die Prälaten im dortigen Raudner Stiftshause zusammen ***1).

***1) Potthast, Gesch. v. Rauden. S. 143.

Der Landeshauptmann war zweimal vermählt. Nachdem die erste Gattin Marie Cath., Tochter des Wolfgang Rudolf Graf Saurau gestorben, schloß er am 5. Juli 1690 einen Ehebund mit Maria Elisab. Josefa, verw. Gräfin Trautmannsdorf (Adam Mathias), Tochter des Franz Wilh. Popel Graf Lobkowitz zu Eisenberg, die erst am 29. Oktober 1724 starb.

Nachdem Franz Wilhelm Freiherr v. Larisch auf Kujau die erledigte Stelle auf kaiserlichen Befehl vom 12. Oktober 1719 einige Jahre verwaltet, wurde am 19. Juli 1723 installirt der vom Kaiser bereits am 29. April 1720 erwählte Carl Heinrich Graf Sobeck und Kornitz, Freiherr von Rauthen auf Schloß Ratibor, Koschentin und Ujest, wirkl. Geh. Rath und Kämmerer, Sohn des Landeshauptmanns von Teschen Rudolf Freiherr von Sobeck auf Landeck und Riegersdorf und dessen zweiter Gemahlin Maria Anna geborne Freiin von Rauthen. Er war zweimal vermählt: 1. mit Helene Freiin von Marklowska, begraben in Gleiwitz 3. Dezember 1707 und 2. mit Maximiliane Liboria Josefa, Tochter des kaiserl. Kämmerers Frz. Jul. Jos. Graf Verdugo auf Tworog und der Joh. Freiin Pawlowsky.

Die macht der Stände war unter den Habsburgern immer mehr und mehr geschwächt worden.

Kaiser Karl VI. hatte die Tagfahrten aufgehoben und dafür ein aus königl. Richtern gebildetes /Judicium Formatum/ eingesetzt, dem am 8. Januar 1737 die meisten Rechtsfälle zugewiesen wurden ***1). Der Landeshauptmann starb am 7. Januar 1738. Seine Leiche wurde in Procession nach Gleiwitz geführt und dort in der Franciskanerklosterkirche bestattet. Neben ihm ruht auch seine zweite Gattin, die in Ratibor am 19. Februar 1749 starb.

Der letzte Landeshauptmann Carl Jos. Erdmann, Reichsgraf Henckel von Donnersmark. freier Standesherr auf Beuthen, Herr zu Tarnowitz, Oderberg, Gläsen, Stubendorf, kaiserl. K. Kämmerer seit 1709 und wirkl. Geh. Rath. seit circa 1736, geb. 24. Febr. 1688, trat nebst seinem Bruder Leop. Ferdinand nach dem Tode des ***1) Idzikowski, Gesch. v. Oppeln S. 368 prot. Vater Leo Ferdinand († 24. Febr. 1699) zum Bekenntniß seiner kath. Mutter Juliane Maximiliane Gräfin Cob v. Neuding, vermählte sich 20. Febr. 1710 mit Josefa, Tochter des Geh. Rath späteren Oberamtskanzler Lazarus Ambrosius Freiherrn v. Brunetti und der Elisab. gb. Freiin v. Zirowsky, wurde am 9. Septbr. 1738 durch den Geh. Rath und Ob.-Amts kanzler Sebast. Felix Freiherr v. Schwanenberg installirt, am 23. März 1744 Präsident der Oberamtsregierung zu Oppeln, fiel aber wegen der Einnahme Cosels durch die Oesterreicher (Steinbergers tagebuch) im nächsten Jahre in königliche Ungnade, verließ Schlesien und starb am 5. März 1760 zu Oedenburg. Nachdem die erste, am 2. Febr. 1695 geb.Gemahlin am 23. Oktbr. 1740 zu Gläsen gestorben, schritt er zur 2. Ehe mit Josefa Antonie Freiin v. Pestalozzi, die 1729 geboren, am 23. Juli 1783 zu Wien starb. Die Originalporträts der beiden letzten Landeshauptleute befinden sich im Graf Henckel´schen Ahnensaale zu Wolfsberr in Kärnthen.

Der hohen Stellung eines Landeshauptmanns entsprachen auch die Einkünfte, die um so größer sein mußten, als der höchste Würdenträger während des Landrechts den Landrichter und Kanzler und deren Gefolge (à 4 Personen), sämmtliche Beisitzer und deren Gefolge (à 3 Personen) mit Speis und Trank und deren Rosse mit Futter zu versehen hatte. Hans Frh. v. Oppersdorf und seine Nachfolger hatten die Nutznießung der beiden Vorwerke Passeka und Wyno und erhielten auch Deputat. An Gehalt wurden 500, für Unterhaltung der Rechtsbeisitzer 300 Thlr. bewilligt. Der Magistrat zu Oppeln verehrte alljährlich Schinken, Hühner, Wein und Schweidn. Bier, da der Landeshauptmann mit Rathssachen viel Mühe hatte. Dem Georg Frhr. v. Oppersdorf schenkte der Kaiser 1595, statt Salair zu geben, das Kammergut Podlesch ***1). Graf Straßnitz (1646) erhielt 1000 Gulden Besoldung und ebensoviel zur Beköstigung beim Landrecht; Graf Sobeck hatte 1500 Gulden Salair ***2).

Bisweilen wurde ihnen eine besondere Gratifikation zu Theil. So erhielt Franz Graf Oppersdorf, welchen der Kaiser am 25. April 1678 ***1) Landbücher V, 419. ***2) Stenzel`s Scriptor. V, 288, 309. zu seinem Commissar beim Landrecht ernannt hatte, von den Ständen aus der Landeskasse ein Präsent von 1000 Thaler, damit er sie in seinem Berichte auf´s Beste empfehle. 1726 erhielten Graf Sobek 1000 Thaler, der Landrichter und Kanzler je 500 Gulden. Die prächtige Installation der Landeshauptleute durch einen kaiserl. Commissar, welchem die Stände entgegenritten, wobei auch viel auf das Mahl aufging, beschränkte Kaiser Karl durch ein Rescript vom 8. Juni 1733 ***1). Es sind aus alter Zeit mehre Gastwirthsrechnungen erhalten. Bei der Einführung des Melch. Ferd. Graf Gaschin in Oppeln durch die Commissäre Oberst von Anneburg und v. Trach wurden 127 Töpfe Wein à 32 gr. = 112 Thaler 32 gr. und für Speisen 107 Thlr. liquidirt.

Oberste Landrichter.

Am Anfange dieses Zeitraumes hatte fast jeder Kreis seinen eignen Hauptmann und auch seinen besonderen Landrichter; so begegnen wir als Landrichtern

im Glogauer Kreise
1539 dem Georg Strzela auf Deutsch-Mülmen,
später dem Nic. Lesota v. Steblau auf Blazeowitz;
im Falkenberger
dem Heinrich Scheliha v. Rzuchow auf Roßdorf;
im Gr.-Strehlitzer und Slawentzitzer
dem Joh. Lesota v. Steblau auf Lonkau;
im Toster
dem Peter Kiczka von und auf Plußnitz;
im Coseler
dem Georg Hossek v. Belk auf Pawlowitz;
im Rosenberg- und Lublinitzer
den Caspar und Adam Koschenbar von Skorkau;
im Ratiborer
dem Nicol. Klema v. Elgot au Sudol 1526—1556,
dann dem Casp. Wiskota v. Wodnik auf Tworkau, Ruderswald und Kamin.

Erst 1558 und in der Landesordnung tritt ein oberster Landrichter der Fürstenthümer Oppeln-Ratibor auf. Er war vereidet, hatte 100 rheinische Gulden Gehalt aus dem Oppler Rentamt, wurde vom ***1) Idzikowski, Gesch. v. Oppeln, S.366 Kaiser aus drei vom Landeshauptmann und den fünfzehn Beisitzern präsentirten Standespersonen gewählt. Bei dem Landrecht saß er neben dem Landeshauptmann, und erst nach ihm hatt der Kanzler seinen Sitz. Von den Landschöppen saßen die aus dem Herrenstande rechts, aus dem Ritterstande links und zwar nach der Anciennität.

Paul Twardawe von Elgot auf Przedborowitz, Brzezetz und Borislawitz war 1539 Hauptmann von Münsterberg, unter Isabella Oberrichter der fürstlichen Kammer, 1556 zugleich Hauptmann von Ratibor, von 1558 bis 1561 Oberstlandrichter. Seine Gattin war Magdalene, Tochter des Johann Donat von Groß-Pohlom auf Deutsch-Neukirch.

Georg Zirowsky von Zyrowa auf Kottulin, Sczepanowitz, Halbendorf, Sohn des Johann Zirowsky, war 1553 Hauptmann des Peiskretschamer und Gr.-Strehlitzer Kreises gewesen, wurde 1561 Oberstlandrichter, 1563 Kammerprokurator, kaufte 1564 Antheil Slupsk, wohnte in Gr.-Strehlitz und starb 1568. Seine erste Gattin war Margareth, Tochter des Landeshauptmanns Johann Jordan v. Alt-Patschkau, seine zweite Franciska Susanne v. Ticzkowitz.

Johann Reiswitz von Kanderzin auf Raschüz, Silberkopf, Brzezie und Peterwitz, Sohn des Stanislav Reiswitz auf Kornitz und der Cath. Bees v. Cöln und Katowitz, war 1575 mit Anna Trach v. Brzezie vermählt. Er tritt von 1583 bis 1598 als Oberstlandrichter auf.

Hans Beeß sen. Freiherr von Cöln und Ketzerdorff auf Löwen, das er 1612 zum Fideicommiß erhob, auf Arnsdorf und bis 1603 auf Gr.-Stein, kaiserl. Rath, Landrichter von 1598 ab bis zu seinem 1615 erfolgten Tode. Er war mit Eva v. Strzela vermählt und besaß von 1611 bis 1614 Poln. Krawarn und Makau.

Hans Wrbski auf Kochanowitz wurde am 1. Juli 1618 installirt.

Hans Kozlowsky von Kozlow sen. auf Adamowitz, Schimotziz, Lissek und Vorwerk Altendorf, begegnet uns von 1626 bis 1644. Er hatte 1622 zur Gattin Anna Maria Freiin Beeß von Cöln und Katowitz.

Johann Bernard Praschma Freiherr v. Bilkau erbte von seiner ersten Gemahlin Mariane, Tochter des Friedrich Gusnar von Komorno auf Schwirklau das genannte Gut, kaufte 1639 die Herrschaft Rybnik, wozu Schloß, Stadt und 17 Ortschaften gehörten, verehelichte sich am 20. Novbr. 1644 mit Anna Maria Gräfin Oppersdorf und als diese schon nach Jahresfrist starb, mit Anna Isolde, Tochter des Georg Graf Oppersdorf und der Polixena v. Promnitz. Im Jahre 1648 wurde er Oberstlandrichter und erwarb 1649 Slawikau und Miestiz. Das amtliche Siegel aus dem Jahre 1651 zeigt, wie ein Actenstück im Pfarramt zu Rybnik nachweist, im Schilde und über dem Helm das Familienwappen, nämlich ein Hirschgeweih und die Umschrift: IOAN BERN PRASCHMA L. B. DE BILKAW IVDEX DUC OPP ET RAT. Er war Rath des poln. und schwedischen Prinzenn Carl Ferdinand, später kaiserl. Rath. Am 24. Mai 1655 wurde er böhmischer Graf, kaufte 1661 Krzizanowitz und wurde am 22. Dezember 1668 zu Rybnik begraben. Als der Landeshauptmann am 7. Januar 1669 den Tod meldete und Candidaten vorschlug, wählte der Kaiser am 23. Januar den Schwiegersohn des Vorgängers

Ferdinand Leopold Reichsgraf Oppersdorf auf Schonowitz, Silberkopf, Pogrzebin, Brzezie und Rybnik, der mit Maria Magdalene, Tochter des Joh. Bernard Graf Praschma vermählt war. Derselbe war Hauptmann des Ratiborer Kreises udn starb im Sommer 1677. Der Kaiser wählte am 10. Juli als Nachfolger

Georg Adam Franz Reichsgraf v. Gaschin, der später Landeshauptmann wurde.

Christofor Welczek Freiherr von Gr.-Dubensko und Petersdorf auf Laband, Pschow, Ornuntowitz, Ober-Schwirklau, Ridultau, Nepaschitz, Przissowka, Grzibowitz und Kanderzin, Sohn des Kanzlers Johann v. Welczek, hatte sich am 10. Februar 1654 mit Marie Eufemie, Tochter des Oberstlandrichter Joh. Bern. Graf Praschma zu Rybnik vermählt, war bei dem Tode seines jüngern Bruders des Kanzlers Georg 1687 Landrichter von Teschen gewesen und wurde für unsere Fürstenthümer Oberstlandrichter von 1693 bis zu seinem Anfang des Jahres 1697 erfolgten Tode. Am 21. Februar 1695 verkaufte er von seinen umfangreichen Besitzungen dem Sohne Johann Bernard, der sich mit Maria Josefa Dorothea Gräfin Berchtold verehelichen wollte, die Güter Pschow und Ridultau für 20,000 Thaler. Die Wittwe behielt Dubensko auf Lebenszeit und machte am 3. November 1704 ihr Testament.

Franz Eusebius Reichsgraf Oppersdorf jun. gb.16.Aug.1650, Sohn des gleichnamigen Landeshauptmanns Franz Eusebius und Bruder des obengenannten Landeshauptmanns Joh. Georg, wurde einige Jahre nach dessen Tode nämlich 1696 Oberstlandrichter, 1701 Geh. Rath und Kämmerer und starb zu Landek am 17. Juni 1715. Er war vermählt 1) seit März 1693 mit Maximiliane Gräfin Berchtold, die im nächsten Jahre starb; 2) am 17. Januar 1795 mit der kaiserl. Hofdame Maria Anna, Tochter des Adam Wilhelm Graf Brandeis, welche 1652 geboren, 1715 starb. Mit ihm erlosch die von Georg abstammende Linie der Majoratsbesitzer von Ober-Glogau.

Johann v. Matha Franz Wilh. Larisch Freiherr v. Elgot und Karwin auf Kujau und kaiserl. Rath, Sohn des Johann Friedrich Freiherr v. Larisch und einer von Gosschützky, war Oberstlandrichter von 1699 ab, verkaufte 1705 die Herrschaft Centawa und erscheint noch 1724 im Amte. Er starb vor 1730 und war zweimal vermählt: 1) mit Dorothea Gräfin v. Tenczin, 2) mit Dorothea v. Slewitz ***1), die als Wittwe zu Simsdorf im Alter von 73 Jahren starb und am 25. August 1745 zu Kujau bestattet wurde.

Franz Albert Reichsgraf von Tenczin und Gr.-Patschin, kaiserl. Rath, oberster Richter und Landesältester der Fürstenthümer Oppeln-Ratibor, Erbherr auf Poln.-Krawarn, Makau, Bitschin, Chechlau, Lohna, Schimischow, Rosmirz und Suchau, geb. 20. Mai 1670, Sohn des Kanzler Albert Leopold Graf Tenczin, baute 1709 die Kirche zu Krawarn von Grund auf, starb am 2. Mai 1736 und ***1) Das gräfl. Taschenbuch 1872 S. 460 hat Hellenbach wurde am 4. Mai in der Franciskanerkirche zu Ratibor bestattet. Nachdem er die erste Gattin Caroline von Sedlnicky am 24. Dezember 1715 durch den Tod verloren, verehelichte er sich mit Franciska v. N.

Kanzler.

Die Kanzlei wurde einem wohlverdienten, geschäftsgewandten und im Lande begüterten Manne aus dem Herren- oder Ritterstande anvertraut. Der Landesherr wählte des Kanzler, welcher gleichfalls vereidet wurde und 500 Gulden Salair erhielt. Er vertrat sehr häufig den Landeshauptmann.

Hans v. Haugwitz und Biskupitz 1532 im Amte, hatte schon 1537 einen Nachfolger in

Georg Nawoj v. Rosmirz auf Dolna. Der Sekretair Johann Wolf von Zülz vertrat ihn von 1547 bis Sommer 1556. Nach des Markgrafen Tode war kein Siegel im Lande, und erfolgten die Bestätigungen der Käufe etc. in der Kanzlei erst 1556.

Nicolaus Lessota v. Steblau auf Rokitsch und Blazeowitz, bisher Landrichter des Ob.-Glogauer Kreises, wurde 1557 Kanzler, kaufte 1561 Schreibersdorf, wurde 1562 Pfandinhaber von Lublinitz und starb als kaiserlicher Rath nach 1580. Seine Gattin war Margareth v. Beeß. 1564 wird Andreas Baruth als Kanzleischreiber genannt. 1582 wurden 4 Deputirte wegen Besetzung des erledigten Kanzleramtes zur Tagfahrt nach Prag entsendet.

Wenzel Scheliha v. Rzuchow auf Witoslawitz, Czienskowitz, Grzendzin, geb. 24. Febr. 1545, Sohn des 1550 gestorbenen Georg v. Scheliha auf Czernitz und dessen zweiter Gemahlin Anna, Tochter des Wenzel Reiswitz von Kanderzin, war 1582 Vizekanzler, erhielt im nächsten Jahre die definitive Bestätigung, kaufte 1595 Dzielau, 1596 Sakrau und war durch 36 Jahre bis 1617 im Amte. Nach einer Urkunde des Collegiatstiftes zu Oppeln starb er im September 1618. Er hatte sich dreimal vermählt:

  1. 1571 mit Anna Buchta, Tochter des Heinrich Buchta und der Hedwig Bilitsch v. Sitzmannsdorf auf Dometzko.
  2. 1590 mit Eva v. Lessota,
  3. mit Susanna v. Lessota.

Bei dem großen Brande von Oppeln am 28. August 1615 war auch das haus des Kanzlers und das große Amtssiegel beschädigt worden. Den Kasten, worin die Landesprivilegien etc. sich befanden, hatte man gerettet und brachte ihn zu Georg v. Röder nach Groß-Strehlitz, welcher einen Revers über den Empfang des anvertrauten Schatzes ausstellte; wegen des Siegels schrieb der Landeshauptmann an die böhmische Kammer und bat um die Ertheilung eines neuen. Als Wenzel von Scheliha den zum Landtage auf dem Schlosse zu Oppeln am 24. Januar 1617 versammelten Ständen brieflich meldete, daß der Kaiser ihm ein andres Amt aufgetragen, gaben sie sofort drei Personen ihre Wahlstimmen: Dem Johann Buchta, dem Wenzel Trach und Georg Reiswitz und empfahlen diese durch Paul Dietrichstein, Freiherr v. Hohlenberg und Finkenstein, Erbschenk in Kärnthen, Herrn auf Kujau, Adam Kiczka v. Plußnitz auf Uschiz und Balzer v. Schimonsky auf Pallowitz, welche an den Kaiser unverzüglich abgeschickt wurden. Der Landesherr aber wählte keinen aus der Zahl der vorgeschlagenen Candidaten, sondern ernannte am 26. Novbr. 1617 zum Kanzler den

Johann Scheliha von Rzuchow auf Tarnitze und Rogau, 1610 Hauptmann zu Kamenz, später Hofkanzler des Erzherzogs und Bischofs Carl, Rath des Erzherzogs Leopold. Als ihm die Commissare Archiv und Kanzlei in Oppeln übergeben sollten, weigerte sich ein Theil dies zu thun, da der Erwählte, mit dessen Persönlichkeit sie sonst zufrieden seien, erst bei einem öffentlichen Landtage eingeführt werden müsse. Bei der Zusammenkunft der Stände in Brieg, am 9. Januar 1619, wozu er als fürstbischöflicher Gesandter deputirt war, führte er den Titel Kanzler der Fürstenthümer Oppeln und Ratibor ***1). Bei dem in Oppeln am 27. Mai 1619 gehaltenen Landtage langte aus Neisse ein Schreiben an, in welchem Johann v. Scheliha sich nach dem Tode des Königs Mathias († 20. März) seiner Schuldigkeit entledigt haltend, die Oppler Kanzlei abzugeben wünschte. Die Stände, welche vorschützten, nichts zu wissen, daß ein Kanzler angesetzt sei, baten den Landeshauptmann und die Rechts-Beisitzer, sie einstweilen zu übernehmen und dem Wenzel Trach v. Brzezie auf Brzesnitz und Kieferstädtel-Hammer zu übergeben. Es scheint, daß der Kaiser nachdem er letzteren acceptirt, den Ständen freigestellt habe, in Zukunft drei Candidaten zur Wahl zu präsentiren. Johann von Scheliha starb am 30. Novbr. 1620, nachdem er noch den Schmerz erlebt, die Käufe, Abschiede etc. aus seiner Zeit durch Ständebeschluß vom 11. Aug. 1620 annulirt zu sehn. Wenzel von Trach wird noch 1623 als Kanzler genannt.

Melchios Ferdinand Freiherr v. Gaschin und Rosenberg auf Zyrowa, kaiserl. Rath, war von 1625 ab Kanzler, wurde 1633 österreichischer Graf, 3 Jahre später Landeshauptmann und am 24. Juli 1663 Reichsgraf. Im Diplome wird erwähnt, daß er als Landeskanzler in der wider die Rebellen angeordneten Executionscommission und bei der Friedländischen (=Wallenstein) Verrätherei seinen Eifer für das kaiserliche Interesse bewiesen. Weil er die nachtheiligen Patente in den Fürstenthümern zu publiciren sich weigerte, sei er durch 4 Wochen in harter Gefangenschaft verwahrt worden. Als die Feinde vor Troppau erschienen, habe er einen günstigen Vergleich getroffen, wofür er verfolgt und Zyrowa in Asche gelegt wurde. Auch bei der Blokade Oppelns habe er sich verdient gemacht. — Der Kaiser hatte 1627 befohlen, die Privilegien und Landesbegnadungen in der Kanzlei auf dem Oppler Schloß zu verwahren, wozu der Landeshauptmann, der Landrichter und Kanzler je einen Schlüssel führen sollten.

Johann v. Welczek auf Gr.-Dubensko, geb. 1593, Sohn des Christof v. Welczek und der Anna v. Kloch, hatte bei Erzherzog Mathias (dem späteren Kaiser) als Edelknabe gedient, kehrte dann in die Heimath zurück, wurde 1637 Kanzler, erwarb im nächsten Jahre Nepaschiz, 1/2 Przischowka und Ornontowiz. Als die Fürstenthümer verpfändet und ein Ausländer Landeshauptmann wurde, bestellte ihn König Wladislav von Polen als Herzog von Oppeln-Ratibor am 17. Okt. 1646 als Verweser der Landeshauptmannschaft.

Inzwischen war der bisherige Landschreiber Wilhelm Trach von Bürkau auf Petersdorf und Elgot auf dem am 2. Novbr. 1645 gehaltenen Landtage als Kanzler eingeführt worden, fungirte als solcher auch am 5. März 1646 in Oppeln und starb 1648. Seine Gattin war Hedwig v. Przyssowsky. Von diesem Jahre ab finden wir wieder als Kanzler den vorgenannten Johann v. Welczek, der 1649 nach dem Tode des Wilhelm Trach Petersdorf erwarb, Rath des Prinzen Carl Ferdinand von Polen und am 8. November 1656 Alterherr und Freiherr wurde ***1). Königin Ludovica Maria v. Polen, welche 1657 das Pfandrecht auf die Fürstenthümer erhielt, bestätigte zu Warschau 21. Juli 1658 den Freiherrn als Kanzler. 1661 ging er als Commissar zum Fürstentage nach Breslau, udn bat am 2. Juni 1666 um Instruction zur Verwaltung des Kanzleramtes. Der Kaiser bestätigte 15. Septbr. 1666 alle alten und neuen Landtagsbeschlüsse. Endlich kaufte der Freiherr 1667 den andern Antheil von Przischowka und starb 3 Jahr später im Alter von 77 Jahren. Im Presbyterium der jetzigen Gymnasial- ehemals Franziskanerkirche zu Gleiwitz, woselbst er in der Gruft der Freiherrn v. Rauthen liegt, hat er als besonderer Wohlthäter des Klosters eine Denktafel. Nachdem die erste Gattin Elisabeth in Gr.-Dubensko am 22. April 1638 gestorben, schritt er im nächsten Jahre zur zweiten Ehe mit Anna Maria v. Bujakowsky.

Sein jüngster Sohn Georg Freiherr v. Welczek auf Petersdorf, Zabrze, Nepaschiz, war zunächst Appellationsrath Prag, wurde 1670 von Kaiser Leopold als Amtsnachfolger ernannt, kaufte in demselben Jahre Altgleiwitz und am 16. Januar 1671 Laband, welche Herrschaft in neuester Zeit zum Fideicommißgut erhoben, noch heut im Besitz dieser Familie ist. 1679 erwarb er Gieraltowitz und das Graf Oppersdorffsche Freihaus in Ratibor, 1682 Pschow und Czechowitz. Er starb als Oberamtsrath am 6. Novbr. 1687 und wurde bei den Reformaten in Gleiwitz bestattet. Seine Denktafel befindet sich noch im Presbyterium der Kirche. Er hatte zur Gattin Elisabeth Const., geb. Freiin v. Pötting, Wittwe des Freiherr v. Schellendorf, die sich am 16. Febr. 1649 mit Georg Graf Oppersdorf vermählt hatte. Er hinterließ viele Güter, aber keine Kinder. Die Besitzungen wurden getheilt. Die im Beuthenschen gelegenen Dörfern Chudow und Paniowka, ***1) Original im Schloßarchiv Laband. Orzegow und Szomberg nebst Gieraltowiz mit den Unterthanen zu Knurow und Przissowka wurden dem Georg Franz v. Holy auf Rachowitz und Alt-Dubensko für 8000 Thaler verkauft.

Albert Leopold v. Paczy´nsky auf Bitschin, Pol.-Krawarn, Lohnia, Widow, Klischczau, Tatischau, und Gr.-Rudno, geb. 1639, Sohn des k. k. Kämmerers Joh. Stanisl. v. Paczynsky auf Bitschin und der Marie v. Przyssowsky, war Landschreiber gewesen, wurde 1688 Kanzler, kaufte 1691 Halbendorf und Birkowitz und erlangte von Kaiser Leopold durch Diplom d. d. 28. Juli 1692 eine Anerkenntniß über die Stammverwandtschaft mit den ausgestorbenen Grafen von Tenczin und zugleich die Reichsgrafenwürde mit der Erlaubnis sich von Tenczin zu nennen und zu schreiben. Im Jahre 1694 klagte er, daß der Landeskasten mit den Privilegien ihm noch nicht zugestellt worden und wußte man überhaupt nicht, wo er geborgen sei! Das Gewölbe auf dem alten Schlosse, wo sich die Landeskanzlei befand, war reparaturbedürftig.

Der Graf war vermählt mit Catharina, Tochter des Plessischen Landrichter Martin von Kozlowsky auf Czwiklitz und Rudoltowiz und der Susanne Selnicka auf Silnitz, Sedzin und Psinsko, baute in Bitschin 1700 das massive, drei Stockwerke hohe geräumige Schloß, verkaufte 1701 Poln.-Krawarn seinem Sohne Franz Albrecht, wurde Oberamtsrath und starb am 3. Febr. 1706. Die Gattin Catharina welche am 24. Juni 1708 zu Bitschin starb, wurde am 26. Juni neben ihm bestattet. Ein Marmorstein, links im Presbyterium der ehemaligen Franziskanerkirche zu Gleiwitz, bewahrt sein Andenken. Ein Sohn, Josef Jacob Ignaz, geb. den 7. Aug. 1678, wurde Domherr zu Breslau und Oppeln; von dem am 28. Juni 1773 verst. Sohne Leopold besitzt das Alterthums-Museum die Todtenfahne mit sinniger Inschrift.

Leopold Constantin Graf v. Tenczin, ein Stammvetter des Vorgängers, am 20. März 1702 in den böhmischen Grafenstand erhoben und am 30. August 1706 auf dem Landtage zu Oppeln als Kanzler installirt, war in den Fürstenthümern noch nicht angesessen, kaufte daher Krobusch, Zabnig, Halbendorf, Birkowitz und Radau.

Nachdem Boguslav Anton Graf Tenczin auf Halbendorf, Birkowitz und Radau, der am 24. Octbr. 1700 zu Gr.-Strehlitz mit Francisca Maximiliane, Tochter des Franz Max Freiherren v. Tallenberg auf Rathen copulirt worden, schon am 21. Mai 1705 gestorben, heirathete der Kanzler die junge Wittwe, starb Anfangs Februar 1721 und wurde am 10. Februar in Oppeln begraben. Die Wittwe lebte daselbst noch 1736, wo sie als Patin auftritt.

Die deutsche und böhmische Amtskanzlei hatte je einen Sekretair und Kanzlisten. Der böhmische Sekretair mit 150 Gulden Gehalt bat 1718, da der College deutscher Zunge 200 Gulden beziehe, um Aufbesserung des Salairs bis zur selben Höhe.

Joh. Samuel v. Skronsky und Budzow auf Karmunkau, Radlow und Wollendzin, geb. 1. Mai 1684 zu Leonartowitz, Sohn des Hans Heinrich v. Skronsky und der Anna Maria v. Bachstein, seit 1706 Kammerprokurator, folgte 1721 als letzter Kanzler, starb als Amtsassessor und Landesältester 29. Septbr. 1744 und liegt in Sternalitz begraben. Die Wittwe Joh. Rosine, Tochter des Joh. Heinr. v. Schenkendorf, übernahm die Güter für 20,000 Gulden.

Landschreiber

Dieses wichtige Amt zur Förderung der Justiz bei dem öffentlichen Landrecht wurde demjenigen Ritter ertheilt, welchen der Landeshauptmann und die Landrechtsbeisitzer für würdig erkannten. Auch er mußte eine Eid leisten und vertrat bisweilen den Kanzler.

Nicolaus Nos v. Grabow 1569 kaufte 1579 Sczepanowitz bei Oppeln und 1583 Antheile von Ponoschau. Am 2. August 1577 wurden ihm jährlich 30 rheinische Gulden bewilligt. Bis 1592 war er auch Einnehmer der kaiserl. Steuern und Landesabgaben in den beiden Fürstenthümern und wurde auf wiederholt gestelltes Gesuch endlich 1598 pensionirt.

Peter v. Przyssowsky auf Antheil Preiswitz und Makoschau von 1596 bis 1615. Im letztgenannten Jahre bat er um Erlaubnis auf seinem Gute einen Zoll einzurichten, da in Preiswitz für Einheimische und Auswärtige ein schlimmer Weg sei.

Balzer Schimonsky v. Schimonia (jetzt ein Vorwerk bei Kl.-Rosmirz) auf Pallowitz war 1620, 1624 (Böhme Dipl. Beitr. V. 93) und 1625 im Amte. In den Landbüchern tritt er Montag nach Martini 1625, wo viele Urkunden ausgestellt wurden, abwechselnd mit seinem Vorgänger Peter Przyssowsky auf.

Hans v. Kozlowsky bis 1629.

Wilhelm Trach (bald von Bürkau bald von Brzezie zugenannt) auf Petersdorf 1629—1641. Seine Gattin war Hedwig v. Przyssowsky.

Jaroslav Strzela v. Obrowec auf Wieschowa, Ptakowitz und Rokittnitz 1656—1668, starb im Novbr. 1672 als Obersteuereinnehmer.

Albrecht Leop. v. Paczy´nsky 1669—1688 auf Bitschin, Tatischau, Klischczau, kaufte 1680 Poln.-Krawarn, wurde Kanzler.

Balthasar Ludw. Larisch v. Nimsdorf auf Gr.- und Kl.-Stein, Chorula, Schedlitz, Antheil. Posnowitz, erwarb 1693 Suchodanietz, war Landschreiber von 1689 bis 1694, hatte einen Buchhalter unter sich und starb am 18. Decbr. 1702.

Georg Leop. Freiherr v. Welczek auf Schwirklau und Rudnik von 1696 bis 1700, starb am 17. Decbr. 1703.

Wenzel Rogoisky v. Rogoznik 1701.

Franz Maximilian Freiherr v. Reiswitz auf Schammerwitz und Kranowitz, kaiserl. Rath, Landschreiber von 1706—1720, wurde Kanzler in Jägerndorf und starb am 31. Mai 1722.

Boleslaus Anton Czornberg v. Galowitz auf Pniow seit 1723, starb am 12. Juli 1728 im Alter von 65 Jahren.

Johann Christofor Holy v. Ponientschütz auf Alt-Dubensko 1730—1742, (Stenzel´s Script. V. 311) starb Ende 1751.

Kammerprokurator

Nachdem Ferdinand I. am 21. Novbr. 1558 in Breslau die schlesische Kammer errichtet, wohnte dem Landrecht und den Tagfahrten ein vom Kaiser ernannter Prokurator bei, um als Staatsanwalt darüber zu wachen, daß Nichts zum Nachtheil des Landesfürsten vorgenommen und die Justiz prompt geübt werde. Es war schwer für dieses Amt die geeignete Persönlichkeit auszufinden und war die Last so so drückend, daß selten einer sie bis an´s Lebensende tragen mochte. Der Candidat mußte in beiden Sprachen sich fertig ausdrücken können, des Latein kundig sein und hatte sein Augenmerk auf alle Mängel zu richten. Gewählt wurden Landsassen aus dem Ritterstande mit 100 Thaler Jahresgehalt, freiem Zimmer auf dem Schloß und Futter für drei Rosse. Obgleich diese kaiserl. Beamten nicht eigentlich zum Gremium der Landstände gehörten, sondern eine besondere Stellung dazu einnahmen, so wollen wir doch deren Namen hier anschließen, da sie neben dem Kanzler ihren Sitz hatten und als mitbewegendes Rad in die Landesgeschäfte eingriffen.

Wenzel Reiswitz v. Kanderzin auf Raschütz und Silberkopf, von 1572 ab zugleich Pfandherr von Lubom und Syrin, war Procurator von Beginn der Kammer an bis 1577, wo er wegen Augenschwäche um Entlassung bat. Sie wurde ihm gewährt mit dem Bescheide, wegen seiner reichen Erfahrung und Geschäftskenntniß dem Nachfolger beizustehen.

Friedrich von Schamberg (=Czambor) auf Wischnitz, Wien am 13. Septbr. 1577 vom Kaiser bestätigt, leistete am 22. Octbr. den Eid, konnte sich aber nur bis 1581 halten. Die Kammerräthe schlugen als geeignete Candidaten vor: Heinrich Schipp v. Branitz, Mathias Nos und Wenzel Koschenbar. Der Kaiser überließ ihnen, Prag am 13. Mai 1581, den würdigsten zur Annahme zu bewegen.

Mathias Nos von Grabow auf Smolnitz, ältester Sohn des Peter Nos ebendaselbst und Bruder des Landschreiber´s Nicolaus, war Oberbiersteuereinnehmer (mit 150 Thaler Fixum) und Procurator (mit 100 Thaler Fixum) zugleich. Der Paragraph der Landesordnung, wonach zwei Brüder nicht in demselben Rechte sitzen können, wurde wegen der exceptionellen Stellung des Prokurators nicht verletzt. Nos amtirte von 1581 bis 1594.

Heinrich Schipp sen. v. Branitz auf Köberwitz, zugleich Biergeldeinnehmer vom 17. Febr. 1594, bat März 1600 um seine Entlassung. Als er seine Hochzeit mit Anna Schammarzowsky v. Rohow für den 28. April 1597 meldete, erhielt er für den ganzen Monat Urlaub und zwei Rehe nebst Federwild für die Gäste. Er zog nach Troppau.

Adam Paczynsky von und auf Groß-Patschin, 1600 vom Landeshauptmann zu dieser Stelle empfohlen, kaufte 1609 Antheil Lenk bei Rosenberg und war 1611 intermistischer Verwalter.

Hans Kozlowsky v. Kozlow auf Makowczüz, Octbr. 1611 vereidet, erhielt 1612 von König Mathias eine Amtsinstruction ***1). Er starb Octbr. 1619.

Adam Nowoj von Dolna, Forstmeister von Oppeln, wurde am 8. Januar 1620 aufgefordert, bis zur Bestellung eines neuen Prokurators das Amt in Acht zu nehmen.

Georg Spreng v. Pernitz 1628—1629.

Wenzel v. Paczynsky 1631—1641, kaufte 1636 Zembowitz, Osietzki, Pruskau, besaß auch von 1645 bis 1648 Wendrin.

Caspar Schik v. Lenk auf Pruskau 1646 und 1647.

Adam Koschenbar v. Skorkau auf Bzenitz, Koselwitz und Jamm 1648 bis 1660, kaufte 1660 Nieder-Paulsdorf.

Stanislaus Paczynsky von Gr.-Patschin auf Bitschin, Preiswitz und Swientochlowitz von 1661 bis 1666.

Heinrich Rogoisky von Rogoznik auf Bobrek und Dombrowka 1667 bis 1680.

Wenzel Leonhard v. Rogoisky, dessen Sohn, auf Dombrowka von 1682 bis 1690, starb erst 1720.

Hans Heinrich v. Skronski auf Skronskau, Radlau, Karmunkau 1691 bis 1703, war 1701 Burggraf der Oppler Schloß-Kammergüter, wurde Kreishauptmann von Rosenberg und starb 1711 in Breslau.

Joh. Samuel v. Skronski, dessen Sohn, 1706 bis 1721, kaufte 1710 Radlau, 1722 Karmunkau und wurde Kanzler.

Wenzel Ferdinand v. Holy 1722, tritt von 1725 bis 1735 als Landesfiskal auf, wird aber 1730 ausdrücklich Kammerprokurator genannt. Er wohnte in Oppeln.

***1) Idzikowski Gesch. v. Oppeln S. 357
  1. Böhme, dipl. Beitr. III, 1.
Impressum, http://wischkony.cyty.com/quellen/weltzel/1874_landesbeamten-oppeln-ratibor-1532-1741/, Letzte Änderung: 2009-12-10, an den webmaster